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Podimo

Ich hab seit drei Tagen schlechte Laune. Am Dienstag Mittag schrieb Kollege Basti in den drei90-Chat: “Sag mal, haben wir Post von Podimo bekommen?” Ich konnte damit erstmal gar nichts anfangen. Podimo? Twitteruser? Gastornis? Keine Ahnung, nie gehört. Nö. Haben wir nicht. Was ist das denn? Tja, so fing das an. Podimo ist ein neues Start-Up-Geschwurbel aus Dänemark, die sich zum Ziel gesetzt hat den Podcast-Markt zu revolutionieren. ZU REVOLUTIONIEREN, LEUTE! Ihr müsst auch aufpassen, wenn ich mit Euch rede! Wie sie das machen wollen? Joaaa, erstmal Venture Capital einsammeln, dann schauen wir weiter.

Ist da? Ja? Gut. 6 Millionen? Prima. Dann los.

Sie bauten eine App, crawlten 17.000 deutschsprachige Podcasts aus der itunes API, dazu zigtausend anderssprachige Produktionen (ob z.B: ESPN weiß, dass deren gesamtes Portfolio dazu benutzt wird Leuten Abos zu verkaufen? Ich bin mir da nicht so sicher), und bieten diese in einer nicht wirklich schönen Umgebung zum anhören an. Moment, wird nun mancher sagen: Das gibt es doch schon. Podcatcher machen das doch auch? Ja, nicht ganz. Podimo verspricht on top noch “exklusive Produktionen”, die nur in der App gehört werden können. Aktuell hätten sie bereits 20+ Exclusives am Start. Darunter so Perlen wie “Abnehmen für Businessfrauen” und irgendwelches obskures Zeugs über… ach, egal, soll jeder hören was er will, die Geschmäcker sind da ja verschieden und das ist auch gut so. Vielleicht sind da für den ein oder anderen ja tatsächlich Sachen mit Mehrwert dabei. Von mir aus. Diese Dinger kann ich aber nur hören, wenn ich Podimo Geld gebe. Sie wollen 4,99 Euro im Monat für den Premium-Zugang.

Dieses Geld soll dann anteilig an den Podcaster, der sich für einen Vertrag mit Podimo entschlossen hat, ausgezahlt werden. Kommen wir gleich noch zu. Das sind erstmal die Rahmenbedingungen.

Jetzt meine Probleme mit dem Haufen:

1. Content-Klau: Wir wurden nicht gefragt, ob unsere Podcasts in den Katalog aufgenommen werden dürfen. Wurde einfach gemacht. Klar, mit 20 Podcasts erreichst du wahrscheinlich nicht viele Leute, die bereit sind über einen Dritten 4,99 Euro im Monat zu bezahlen. Also muss das ganze Ding auch als Podcatcher fungieren und jeden Content, der irgendwo im RSS-Format rumliegt, listen. Übertrieben, ich weiß, aber ihr wisst ja, was ich meine. Sie crawlen also durch itunes und nehmen die Feeds. Sie sagen den Leuten das aber nicht, sie machen einfach.

Ja, aber Axel, das machen die anderen Podcatcher doch auch und die wollen vielleicht auch Geld für ein Premium-Modell!

Is rischtisch. Aber eben dann doch nicht. Die generischen Podcatcher (Overcast, Pocketcast, whatever) stellen die Technik bereit einen Podcast über ein bestimmtes Betriebssystem abspielen zu können. Sie beschränken den Content nicht. Falls es sich um Freemium-Catcher handelt, kann man durch ein Upgrade vielleicht die eingeblendeten Werbebanner ausblenden lassen und ein paar Features (was weiß ich… Listen, Favoriten, keine Ahnung) mehr bekommen. Hat nix mit dem angebotenen Content zu tun.

Podimos Geschäftsmodell ist nicht die Technik, sondern der Content. Sie wollen selbst das “Netflix der Podcasts” sein. Sie wollen ihren Premium-Content, ihre 20+ Exclusives, verkaufen. Dazu brauchen sie aber eben auch Fremd-Content, denn – wie oben beschrieben – guckt sich das ja sonst niemand an.

Davon ab ist der Player auch für nix zu gebrauchen. Er sammelt Meta-Daten falsch oder gar nicht ein, die Geschwindigkeitsregulierung passt nicht immer, es gibt Fehler im Abspielmodus, man kann nichts downloaden, sondern nur streamen, die Episoden sind nicht geordnet, es ist, um es kurz zusammen zu fassen, neben der alten Apple-Podcast-App, der bisher schlechteste Podcatcher, den ich kennen gelernt habe.

Also, die sammeln unseren Content ein, platzieren den in der App um sie “voll” aussehen zu lassen und wollen damit ihr Exclusives-Paket pimpen. Nicht gut.

 

Und wenn jetzt einer mit Spotify kommt: Bei Spotify muss man sich aktiv anmelden. Opt-In. Und das bringt mich zu meinem nächsten Punkt….

 

2. Opt-Out: Als Podcaster steht man erstmal im Regen, das habe ich ja oben schon beschrieben. Wir haben Deinen Podcast jetzt, wenn Du das nicht willst, melde Dich halt. Ihr lacht jetzt bestimmt, aber die meinen das wirklich ernst. Sie verlangen Opt-Out. Es gab wohl einige Mails an andere Podcast-Macher, die im Vorfeld darüber informiert wurden, dass man sich bei ihnen bedient, wo drin stand, dass “wenn man nicht möchte, dass Podimo den Podcast in den Katalog nimmt, man doch auf die Mail antworten soll”. Okay. Ich hab jetzt keine Mail bekommen, was mache ich? In den FAQ der Seite steht drin, ich soll eine Mail an “podcaster@podimo.de” schreiben um mich entlisten zu lassen. Hab ich gemacht. Kam zurück. Adresse gibt es nicht.

Nochmal: 6 Millionen Venture Capital!

Am Launchtag an einer der kritischsten Stellen eine falsche eMail-Adresse. Ja jut. Kann man mal machen, wenn man denn wirklich denkt, dass die ganze Welt bescheuert ist. Ich glaube wirklich, dass das der Podimo-Ansatz ist: Die Leute sind so doof, wir kommen schon irgendwo damit durch.

Kann sein, muss aber nicht sein. Schnell war die Adresse des “Head of Germany”, Dr. Nicolaus Berlin (der, man ist ja nicht blöd, sich als Co-Founder von besser.fm, einer anderen Podcast-Start-Up-Bullshit-App von Podimo hat aufkaufen lassen – you clever bastard, you) herausgefunden und angeschrieben. Hat dann auch geklappt. Podcasts wurden entfernt. Juchu. Big fucking Juchu. Ich muss mich also darum kümmern, dass ich eure verschissene App nicht promote. Danke!

 

3. Völlig Intransparenz: Der zahlende User wird mit dem schönen Versprechen geködert, dass er mit seinem Beitrag “seine Lieblingspodcaster” unterstützt. Da ist nicht die Rede von “Exclusives” oder von “Du unterstützt diejenigen, die mit uns einen Vertrag abgeschlossen haben”. Nee, das steht da nicht. Ist aber so. Der unbedarfte User denkt sich: Ach, schön, ich hab keinen großen Bock auf Patreon oder Steady oder Paypal, ich unterstütze die Leute lieber mit einem App-Abo. Ob diese dann aber auch wirklich ein Krümelchen von den 4,99 Euro im Monat abbekommen, das weiß er nicht.

Falls er sich übrigens für das “Free”-Modell von Podimo entscheidet, also für den beschissen programmierten Podcatcher, dann wird ihm mitgeteilt, dass er nicht mehr alles hören kann. Kein Wort darüber, dass nur die exklusiven Inhalte wegfallen. Was weiß der User denn, was er noch hören kann, wenn er nicht bezahlt? Das ist halt reichlich perfide und zielt ganz offensichtlich auf Leute, die a) nicht so genau hinschauen und b) wohl bisher Podcasts nicht sonderlich intensiv gehört haben.

Ich mein, hey, neue Zielgruppe und so… Ja… genau.

 

4. Das Vergütungsmodell: Podimo hat zwei Sorten der Vergütung an die Podcaster: “Exklusiv” und “Nicht-Exklusiv”. Als Podcast, der nur noch in der App hörbar ist, also die exklusive Variante, gibt es anteilig 50%, als nicht exklusiver Podcast gibt es anteilig 20%. Das gucken wir uns jetzt mal an.

Ach nee, Moment, ich muss meinen schon geklauten Podcast bei Podimo ja erstmal zurück “claimen”. Ich muss ihnen sagen: Hier, der ist mir, vergütet mich. Wenn ich das nicht mache, geht Podimo davon aus, dass ich nicht vergütet werden will. Es wird da draußen wahrscheinlich tausende geben, die gar nicht wissen, dass ihr Podcast bei Podimo im Katalog steht und davon sicher genauso überrascht sein werden, wie ich es wurde.

Aber gut, jetzt haben wir unseren Podcast geclaimt. Woopidifuckingwhoo.

Rechnen wir das mal durch. Der Hörer bezahlt 4,99 Euro im Monat. Davon werden 20% an die nicht-exklusiven, geclaimten Podcast ausgeschüttet (übrigens nur Quartalsweise, das Geld muss ja arbeiten). Bleiben also pro zahlendem User 0,998 Euro / Monat für die Podcaster übrig. Diese 0,998 Euro werden nach “Hörverhalten” aufgeteilt. Je mehr der User von einem Podcast hört, umso mehr bleibt bei diesem Podcast hängen. Hört der User im ganzen Monat ausschließlich einen Podcast über Podimo, bekommt dieser Podcast 0,998 Euro.

Jetzt will ich nicht ausschließen, dass es das gibt, aber gehen wir mal realistisch an die Sache ran. Man bezahlt für einen ganzen Monat. Die meisten Podcasts die ich kenne, haben einen Veröffentlichungs-Rhythmus von ein Mal in der Woche. Das grenzt es ja schon ein. Bleiben wir bei diesem Beispiel. Von 30 Tagen erscheint also an vier Tagen etwas aus meinem Podcast. Jetzt hat der User aber ja nicht nur für meinen Podcast bezahlt, sondern für den gesamten Katalog. Oh, guck mal, was ist das denn? Und das könnte mir auch gefallen? Da höre ich doch gerne mal rein.

Das ist übrigens Teil der Strategie von Podimo. Bei jedem ausgewählten Podcast werden Empfehlungen ausgesprochen, so dass der User möglichst divers “querhört”. Hier geht es wahrscheinlich um Abrundungsgewinne bei der Auszahlung, wenn wir uns in den Zehntel-Cent-Bereichen befinden, aber das weiß ich natürlich nicht. Sagen wir einfach, wenn ich so eine Ranzbutze auf den Markt schmeißen würde, ich würde es so machen. In die Hölle komm’ ich eh, da kommt es darauf auch nicht mehr an.

So. Jetzt haben wir da also Max Mustermann, der stolz wie nur Max Mustermann gucken kann, seine neue Podimo-App bestaunt. Er will natürlich das Beste aus der App rausholen. Er hat ja bezahlt. Und es ist das “Netflix der Podcasts”. Also ran an den Speck. Max hört morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Podcast, abends auf dem Weg nach Hause auch. Vielleicht switcht er auch mal durch. Hört da mal rein, oder da, aber gehen wir einfach – just for the fun of it – davon aus, dass am Tag zwei Podcasts gehört werden.

Macht 60 Podcasts im Monat. Da der Arbeitsweg von Max immer gleich ist, hört er alle Podcats auch gleich lang. Heißt, wir teilen die 0,998 Euro von oben durch 60 Podcasts. Da wird es Dopplungen geben, ganz klar und irgendwann hat er seine Lieblinge aber es bleiben immer noch genug. Sagen wir also 20 Podcasts teilen sich die Kohle von Max. Bleiben pro Podcast 0,0499 Euro im Monat übrig. 5 Cent.

Und, Leute, gebt mir Recht: Das ist noch eine sehr, sehr positive Rechnung. In der Realität wird es weniger sein, denn in dieser Rechnung sind die 50%, die an exklusive Inhalte gehen ja noch gar nicht einbezogen. Es kann also nur weniger werden. Der Einfachheit halber lassen wir das aber mal außen vor. Ist auch so schon schlimm genug.

Na gut, bleiben wir positiv: Um 10 Euro im Monat zu bekommen müssen also mindestens 200 zahlende User meinen Podcast gleichberechtigt mit 19 anderen Podcasts im Monat hören. Um das mal auf drei90 aufzuschlüsseln: Wir bräuchten 48.096 zahlende Hörer im Monat, um auf unsere Patreon-Summe zu kommen.

Leute! Ich bin ja schon ‘ne Nutte. Aber verkauft Euch doch nicht so billig. Der einzige, der hier verdient ist Podimo. Die haben genau NULL Kosten und bieten NULL Mehrwert außer ein paar Statistiken. IHR hostet den Kram, die Kosten bleiben zu 100% an Euch hängen, IHR macht ALLE Arbeit, aber DIE nehmen sich 80% der Einnahmen? Ernsthaft? Ich will niemanden, der sich dazu entschlossen hat bei Podimo mitzumachen, in irgendeiner Form kritisieren aber ich will die Problematik aufzeigen. Das ist ökonomisch gesehen völliger Unsinn. Macht einen Spenden-Button oder setzt den Podcast selbst hinter eine Paywall. Wer es hören will, der hört es dann trotzdem aber die Kohle bleibt bei Euch und nicht bei irgendwelchen Koks-und-Nutten-Dealern aus Kreuzberg.

 

5. DSGVO und deutsches Recht: Es gibt eine erste juristische Einschätzung von RA Stephan Dirks zum Umgang mit CC-Lizenzen. Die AGBs sind in englisch, es wird dänisches Recht angewandt, es gibt keine Möglichkeit den registrierten Account zu löschen, sie sammeln Daten bei der Registrierung, alles in allem ist das wohl ein Fest für Abmahn-Anwälte. Ich weiß es aber nicht.

6 Millionen Venture Capital…

 

Und jetzt, der Schluss: Ich hab bestimmt noch Dinge vergessen, die in den letzten Tagen auf Twitter aufgetaucht sind, die Kommentare sind offen. Aber eine dringende Bitte: Falls Ihr Podcast-Hörer seid: Macht einen großen Bogen um Podimo. Es ist Verarsche. Unterstützt die Podcasts lieber autonom. Spendet ‘nen Euro, wenn sie euch unterhalten, geht hinter die Paywall und unterstützt die Arbeit der Leute. Wir freuen uns wie blöd über die #drei90funfriends und für uns ist das Antrieb ohne Ende den Podcast weiter zu machen. Genauso geht es befreundeten Produktionen. Gebt den Leuten einen Kaffee aus, wenn ihr sie seht, oder ein Bier, wenn es einen PayPal-Button oder eine SEPA-Adresse gibt, dann nutzt die auch mal, aber schmeißt solchen fishy Bruchbuden wie Podimo kein Geld in den Rachen. Podcast funktionieren ganz wunderbar ohne solche Geier.

Und wenn Du Podcaster bist und bei Podimo mitmachst: Überleg es Dir nochmal. Ich kann und will Dir nicht reinreden aber ist es das wirklich wert? Muss jeder selber wissen.

12 comments to Podimo

  • Ergänzend gefragt: Warum nehmen die jeden idiotischen und mittelmäßigem Podcast auf, den PaderCast aber nicht? Sonst vorzüglich geschrieben! Sehe keinen Grund das Ding zu unterstützen.

  • Hallo lostinnippes,

    danke erst mal für deinen ausführlichen Text zu Podimo. Liest sich für mich wie ein ordenlicher Wutanfall. 😉 Nee, also hat mich zumindest zum Nachdenken angeregt, evtl. Podimo wieder zu kündigen. Trotzdem will ich hier einfach mal ein paar Dinge darlegen, die mir dazu so durch den Kopf gehen. Und nein, ich will auch nicht deine Argumente widerlegen, weil ich ehrlich gesagt selbst noch nicht genau weiß, was ich von der App halten soll. Aber hinterfragen kann ich Dinge ja schon.:)

    1. Podimo hat mich (wie du auch schon richtig bemerkt hast, was bei dir nicht der Fall war) angemailt und mir einfach von der neuen App berichtet. Ob das unerlaubte Werbung ist, müssen Anwälte entscheiden. Und klar, mir haben sie empfohlen, da mal reinzuschauen. Ob sie auch ohne meine Zustimmung und mein Abo meinen RSS-Feed gezogen hätten, kann ich nicht beurteilen, da ich ja wie gesagt dann mit dem Abschluss mein Okay gegeben habe.

    2. Ich habe mich logischerweise für die nicht-exklusive Variante entschieden, weil ich natürlich meinen Podcast auch künftig bei möglichst bei vielen Anbietern verbreiten und nicht die Exklusivität abgeben will.
    Und ganz ehrlich: Ich verstehe nicht ganz dein Problem. Ich habe mit meinem Podcast bislang genau 0 Euro verdient. Und Podimo bietet mir 20 % der Ausgaben der Hörer an. Über die sehr geringen Prozente lässt sich natürlich diskutieren. Aber ganz ehrlich: Ist doch völlig logisch, dass da bei 200 Hörern nur Centbeträge bei rumkommen. Das Geldverdienen geht bei 5000 – 6000 Hörern pro Folge los. Und wenn ich die hätte, dann würde mir Podimo entsprechend auch mehr zahlen. Ohne, dass ich dafür irgendwas tun muss. Und hätte ich so viele Hörer, würde ich mir um Podimo die wenigsten Gedanken machen.

    DENN: Alle anderen Anbieter wie Spotify, Deezer, Google Podcasts etc. (außer Audible, denen ich das Exklusiv-Recht abtreten müsste), zahlen mir bislang genau (ja du wirst es erraten) 0 Euro. Deswegen verstehe ich ehrlich gesagt dein Problem nicht.

    3. Beim Abo-Modell (4,99,-) der Hörer bin ich natürlich ganz auf deiner Seite. Dafür müsste Podimo (wie bei Audible auch) viel bessere und vor allem exklusivere Inhalte bieten. Sie müssten wie Audible ganz aufwendige Produktionen und Serien einkaufen, die die Abonennten erst mal dazu animieren, ein Abo abzuschließen. Und da derzeit auf der App fast nur dänische Produktionen auf der Startseite zu finden sind, ist das eine ziemliche Verarsche.

    4. Jetzt zu deinen Alternativen: Ich habe mich vor Launch meines Podcasts mit Patreon und Spenden via Pay Pal auseinander gesetzt. Jetzt erklär mir mal, warum mir nen Kumpel via Patreon 1 Euro spenden sollte, von dem nur zirka 0,71 Cent bei mir ankommen? Bei Pay Pal wären die Gebühren noch höher, oder? Das ist doch hirnrissig. Da kann ich doch (wie du auch schon korrekt angemerkt hast) einen direkten Spendenbutton über meine Website einrichten, wo man mir direkt was überweisen kann. Was ich vielleicht mal machen sollte…

    5. Zusammenfassung: Du stampfst hier eine App in Grund und Boden, für die ich als Produzent 0 Euro bezahle und die ganz simpel (sie ziehen meinen RSS-Feed automatisch) zur weiteren Verbreitung meines Podcasts beiträgt. Dafür erhalte ich 20 Prozent der Hörerausgaben, die zu Beginn sicher nicht mal Centbeträge sind. Aber das ist mir ja prinzipiell egal, weil ich bei Spotify, Deezer und Co. überhaupt nichts erhalte. Stattdessen empfiehlst du hier (ohne in deinem Post auf die Kosten hinzuweisen) Patreon, die 29 Prozent der Spendengelder meiner Fans als Gebühr einbehalten. Da könnte ich mich jetzt ja auch hinstellen und sagen, das ist ziemlich unseriös.

    Ich gebe Dir natürlich auch recht, dass das Geschäftsmodell von Podimo wahrscheinlich keines ist, das sich auf diese Art und Weise am Markt durchsetzen wird, da die großen Mitbewerber da eh den längeren Atem haben.

    Bin gespannt auf dein Feedback. Wie gesagt, ich werde morgen noch mal deine Argumente durchdenken und mir überlegen, ob ich bei Podimo wieder kündige oder es einfach weiterlaufen lasse.

  • Hallo Olé. Erstmal Danke für den Beitrag.
    1. Geht mir nicht um unerlaubte Werbung, das ist mir ziemlich egal. Wenn sie Dich informiert haben und Du zum dem Schluss gekommen ist, dass das okay ist, ist das mMn in Ordnung. Mir geht es um das Abgraben der nicht-informierten Content-Macher.
    2. Es geht hier gar nicht so sehr darum, dass Du was bekommst. Das sei Dir und jedem Creator von Herzen gegönnt. Es geht darum, dass Podimo meiner Meinung nach, und ich kann ja nur für mich schreiben, versucht ein Geschäftsmodell aufzubauen, das einfach unausgewogen und unfair ist. Dass Spotify und alle anderen das genauso machen, ändert ja nichts dran, dass es scheiße ist. Der große Unterschied zu den anderen Playern ist die Intransparenz von Podimo und die bewusste Täuschung des zahlenden Kunden, der überhaupt nicht weiß wer was von ihm bekommt. Zudem sind alle anderen Modelle eben Opt-In und damit freiwillig. Wir sind mit drei90 auf keiner Plattform vertreten (außer natürlich bei itunes aber das zähle ich mal nicht mit). Wir leben rein vom Hörensagen. Klappt ganz gut.
    3. Wird nicht passieren.
    4. Wir haben Patreon gewählt, weil sie einfach die bequemsten sind. Natürlich geht da Geld verloren, aber ich bekomme dafür Leistung. Ich bezahle Patreon dafür, dass sie mir die komplette Buchhaltung abnehmen, dass sie mir die Möglichkeit geben Inhalte exklusiv für Supporter einzustellen zu können, dass ich nullkommanull Arbeit mit der Pflege und Adminstration habe. Ja, das kostet Geld, ist aber eben auch eine Dienstleistung. Natürlich kann man sagen: Macht mir lieber nen Dauerauftrag aber wenn Du dann die Zeit, die Du mit Buchhaltung, Pflege, etc. aufwenden musst umrechnest, bin ich mir nicht sicher, ob Du gegenüber Patreon im Plus landest. Aber das ist ja auch nur ein Beispiel. PayPal ist einfach und kostet nur wenig, es gibt hundert andere Möglichkeiten (Amzon Wunschlisten z.B.) wie Hörer Dich entlohnen können, wenn sie wollen. Das Geld geben Sie nämlich gerne DIR und nicht einem Katalog.
    5. Ich sehe es naturgemäß anders. Podimo will die schnelle Mark machen und bedient sich dafür meiner Meinung nach sehr zweifelhaften bis abzulehnender Methoden. Diese zeige ich auf. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn sich jemand dazu entschließt Podimo zu nutzen, soll er es machen. Er soll nur wissen womit er es zu tun hat.

  • Ute

    Weiterer Tipp: Wenn nicht feststellbar ist, ob der eigene Podcast bei denen mit aufgelistet ist, man das aber so oder so nicht möchte: Sperrt den Zugriff auf eure Feeds und Folgen serverseitig. Ändert die .htaccess so, dass die Anfragen dieser App direkt zurückgewiesen werden, oder leitet sie um auf eine eigens gestaltete Podcast-Folge, in der ihr die App-User darüber informiert, dass euer Podcast gegen euren Willen dort erscheint – und wo man euch “normal” hören kann.

    Sowas geht relativ einfach über den HTTP_USER_AGENT; hier eine kurze Anleitung: http://www.homepage-performance.de/htaccess-deny-3.html
    Eine Liste der Kennungen diverser Podcast-Apps findet ihr hier: https://podnews.net/article/podcast-app-useragents Da wird vermutlich auch Podimo bald drin auftauchen. Eventuell können andere Podcaster euch den Namen des Podimo-Agents aber auch schon jetzt aus ihren Logs geben.

  • […] 1. Podimo(dervierteoffizielle.de, Axel Goldmann)Das mit reichlich Start-up-Kapital ausgestattete Podcast-Unternehmen „Podimo“ hat weite Teile der deutschen Podcast-Community gegen sich aufgebracht, indem es sich ungefragt Tausende von Podcasts einverleibte. Als Antwort auf die Kritik verwies die sich selbst als „das Netflix für Podcasts“ preisende Audio-Plattform darauf, dass man sich ja per Opt-out-Verfahren abmelden könne. Eine Argumentation, die das Verhalten der Plattform in den Augen vieler Podcasterinnen und Podcaster nicht unbedingt besser machte. Podcaster Axel Goldmann hat sich den Fall genau angeschaut: Er erklärt die umstrittene Strategie des Unternehmens und rechnet die Kalkulation nach.Weiterer Lesehinweis: Der Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Stephan Dirks geht auf seinem Blog auf die juristischen Aspekte des Falls ein: Aufregung um Podcast-App #Podimo (dirks.legal).Und wer sich an der Diskussion aktiv beteiligen (oder einfach nur mitlesen) will: Im Forum der Podcasting-Community „Sendegate“ wird der Fall, auch unter Beteiligung von „Podimo“, debattiert. […]

  • Danke für deinen Beitrag und die fixe Rechnung dazu.
    Retweet war da
    Ehre und Amen

  • […] zusammenstellt und seinem Katalog hinzugefügt. Im Netz ist unterdessen Kritik aufgekommen, da das Unternehmen ein Opt-out-Verfahren bei seinen Podcast-Listings angewendet hat. Also nicht jeden Podcaster explizit gefragt hat, ob er mit seinem Podcast bei Podimo erscheinen […]

  • […] Axel erzählt von dem Stress mit Podimo. […]

Haut rein, schreibt mir was!