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Happy

Es steht der 33. Spieltag vor der Tür. Morgen schlachtet die C-Jungend des FC Bayern den ruhm- und glorreichen 1.FC Köln ab. Es ist noch nicht mal so, dass die Bayern Messer mitbringen müssten um den Straßenkampf zu gewinnen, ein stumpfer Löffel wird ausreichen.

Wir sind abgestiegen. Sang- und klanglos. Die Saison war brutal. Seit neun Monaten schleppen wir uns von Arschtritt zu Arschtritt, von einer Peinlichkeit zur nächsten. Wisst Ihr, was ich in einer solchen Situation von meinem Verein hören möchte? Am besten gar nix. Vielleicht, das gebietet der moderne Fußball und die damit einhergehende Professionalisierung, eine Spieltags-Ankündigung, die möglichen Aufstellungen und damit hat es sich dann aber auch schon. Ich will keine Phrasendrescherei hören, ich will nicht lesen, dass man nochmal alles raushaut. Ganz, ganz sicher nicht.

Herausragendes leisten? HERAUSRAGENDES LEISTEN? Wollt Ihr mich verarschen?

 

Stefan Ruthenbeck erwartet einen „heißen Gegner“, der „unbedingt gewinnen will“, schreibt die Vereins-Homepage. Ich gebe mich geschlagen. Mir fällt nichts mehr ein.

 

Wir sind die schlechteste Mannschaft der Liga, der 1.FC Köln 2017/18 ist der 1.FC Köln der negativen Rekorde, der in die Geschichte dieses Clubs eingehend wird. Wir liegen am Boden und sind schon drei Mal überfahren worden. Und das letzte was wir brauchen ist, dass der Krankenwagen, der uns eigentlich helfen soll, nochmal über uns drüber jagt. Ist es zuviel verlangt in einer solchen Phase mal seine Bullshit-Phrasen außen vor zu lassen? Einfach mal sachlich an die Sache rangehen und vielleicht ein “Es wird schwer aber wir wollen uns anständig von unseren Zuschauern verabschieden” zu vermelden?

 

HERAUSRAGENDES LEISTEN?

 

Ich fasse es nicht. 22 Punkte nach 32 Spielen. Da ist es wirklich an der Zeit herausragendes zu leisten. Nein, wirklich. Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

 

Aber, es scheint zu passen. Der 1.FC Köln ist sich anscheinend nicht bewusst, dass uns im Moment so gar nicht nach Späßchen zu Mute ist. In seiner wirklichkeitsverdrängenden Parallelwelt, ist alles gut. Morgen kommen die Bayern und heute ist der lustige Video-Tag am Geißbockheim. Vierter Mai. Der effzeh ist sich wirklich nicht zu blöd diesen Tweet RAUSZUHAUEN(!):

Star Wars Tag. Verstehste? VERSTEHSTE? Spürbar anders. Selbst im Abstieg noch joot drupp. Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Nochmal, zur Erinnerung: 22 Punkte nach 32 Spielen. Der schlechteste 1.FC Köln aller Zeiten.

UND IHR MACHT WITZE? IHR SEID EUCH NICHT ZU DOOF DAFÜR?

Schämen solltet Ihr Euch und vergraben. Ihr verhöhnt alles, wofür der 1.FC Köln steht.
Ihr macht Uns und auch Euch vor der ganzen Welt lächerlich.

Das kann doch alles nicht wahr sein.

Trepp eraff

Schlägt man die Tageszeitung oder das örtliche Amtsblättchen auf, kommt man irgendwann, wenn man diszipliniert und sachlich keine Seite überschlägt, zu den privaten Anzeigen, die neben allerlei frivoler Anbändelei auch den traurigen Nutzen haben über Verstorbenen-News zu unterrichten. Nicht selten liest man: “Als die Kraft zu Ende ging, war’s kein Sterben, war’s Erlösung.” Und auch wenn der Vergleich natürlich hanebüchen ist, denn der 1.FC Köln ist weit davon entfernt das Zeitliche zu segnen, so passt dieser Spruch doch einigermaßen auf die, lasst sie uns einmal “verkorkste Saison” nennen. Vor recht genau 49 Wochen feierten wir den Einzug in den Europapokal, tranken die Stadt leer und sangen uns in die Herzen der viral denkenden Clickbait-Journalisten aus ganz Deutschland. Schaut nach Köln, die reißen da alles ab. Hast du das Video von dem Radfahrer schon geteilt? Gold, pures Gold!

Wenig wussten wir von der Zukunft und es kümmerte uns auch einen Dreck. Wir zählten die Tage bis zur Auslosung in Monaco, wir lachten einen ganzen Sommer. In London, in Misnk, in Belgrad. Die Tage wurden zwar wieder kürzer aber wer kann uns denn was? Leute, wir stehen hier nachts um halb eins noch im Stadion, haben keine Ahnung wie wir nach Hause kommen, es ist kalt, die Füße tun weh, wir haben Hunger und Durst, ich bin mit meinem Fußballverein gerade im wahrscheinlich schlechtesten Spiel der letzten 140 Jahre organisiertem Fußball aus der Gruppenphase der Europa League ausgeschiedenes, ist alles scheißegal, wer soll mir irgendwas können?

Natürlich war zu diesem Zeitpunkt schon alles gegessen. Die Bundesliga war lange verloren, der Preis für die Katharsis nach 25 Jahren war hoch. Über die Winterpause kam der Kater, wir schauten ernüchtert auf die Tabelle und wussten, dass der Sommer endgültig vorbei war. Keine Sonne kam mehr durch die dunklen Wolken über der Stadt.

Es regnete.

Und heute stehen wir vor den Trümmern der letzten vier Jahre. Mit der Verflichtung von Peter Stöger und Jörg Schmadtke ging der Börsenkurs immer weiter nach oben, die Analysten überschlugen sich mit Zukunftsprognosen. Kaufen! Kaufen! Bis dann mal die Börsenaufsicht genau hingeschaut hat und sachlich feststellte, dass es sich vermutlich um ein kriminelles Pyramidensystem handelt und der Kurs einstürzte wie ein schlecht geplanter Hochhausabriss. Ungläubiges Staunen in den Expertenrunden. Wie konnte das passieren? Was hat man übersehen? So richtig konnte man es sich nicht erklären.

Über die Gründe für den beispiellosen Absturz dieses Fußballvereins haben wir schon oft gesprochen, sie sind so offensichtlich wie unnötig, sie sind aber nun mal nicht mehr zu korrigieren. Uns bleibt keine andere Wahl, als die Konsequenzen zu akzeptieren. Zum sechsten Mal muss der 1.FC Köln den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Rut-wiess is the new black. Nach der Niederlage in Freiburg ist es dann jetzt auch endlich rechnerisch entschieden. Es bleibt keine Zeit mehr zu handeln.

Lasst uns auch gar nicht groß drum rumreden, der Abstieg ist so verdient und gerecht wie selten etwas im Fußball. 22 Punkte nach 32 Spielen, die mit weitem Abstand schlechteste Abwehr der Liga, die viert-wenigsten Tore erzielt, eine Mannschaft, zusammengestellt ohne Plan und Verstand, wir dürfen uns nicht beschweren. Natürlich kamen ein paar Dinge dazu, die nicht unbedingt in unsere Karten spielten aber wollen wir uns wirklich hinter Verletzungspech und VAR-Diskussionen verstecken? Das dürfen wir nicht. Der Club hat sich das alles selbst zuzuschreiben. Ausreden dürfen keine Antwort sein.

Das gestrige Spiel kann sogar recht sinnbildlich für die Saison stehen. Wir starten absolut desolat und nicht wettbewerbsfähig gegen keinesfalls starke Freiburger, kassieren Tore, die eine Bundesliga-Mannschaft -mit auch nur halbwegs motivierter Hintermannschaft- nicht kassieren darf, kommen dann irgendwie, keiner weiß warum, zurück, schaffen den Ausgleich, drängen sogar noch auf ein Wunder, haben die Chance, scheitern aber am eigenen Unvermögen und zeigen am Ende mit Slapstick-hafter Zuverlässigkeit, dass wir immer noch einen drauf legen können, wenn es darum geht Dummheit visuell auf dem Rasen darstellen zu können.

Nein, liebe Leute, der 1.FC Köln ist völlig verdient da, wo er gerade ist.

Und was passiert? Worauf haben all die Presse-Geier geifernd gewartet? Die Artikel sind schon geschrieben: “Kölner Fans rasten nach erneutem Abstieg aus!”, “Wieder Pyro-Schande der FC-Fans!”, “Mannschaft flüchtet vor aufgebrachten Fans!” und so weiter uns so fort. Seit Monaten reibt man sich die Finger und freut sich auf den sicher scheinenden Skandal. Aber wisst ihr was? Am Arsch, Freunde. Wieder zeigt es sich, dass dieser Verein doch etwas besonderes ist, dass das Herz des Clubs auf den Rängen schlägt und dass die Unterstützung nicht abhängig ist von Liga und Erfolg. Vor dem Spiel gab es eine Fahnen-Choreographie, nach dem Spiel kommt die Mannschaft in den Block, wird mit Applaus und dem Veedel empfangen. Kein böses Wort, obwohl wir, wie oben beschrieben, schon durchaus Grund hätten, nicht 100%ig zufrieden mit dem Saisonverlauf und den gezeigten Leistungen zu sein. Aber was würde das bringen? Jetzt, in der Krise, die natürlich nicht mit dem Existenz-bedrohenden Abstieg aus 2012 vergleichbar, aber dennoch eine Katastrophe ist, zeigen wir Zusammenhalt und Geschlossenheit.

Wir sind der 1.FC Köln. Gegen alle Widerstände und Fehler.

Und so wird es bleiben. Sollen sie halt alle über uns lachen, in Düsseldorf, in Hamburg, in Freiburg, sollen sie uns mit Häme überschütten, es kratzt mich nicht. Auch morgen geht die Sonne wieder auf und so sicher wie die Natur Äpfel geschaffen hat, wird der 1.FC Köln auch wieder den Weg in die erste Fußball-Bundesliga finden.

post nubila phoebus

Embrace the Pain

Am Ende ging noch einmal ein Grollen durch das Müngersdorfer Stadion, ein letztes Come on effzeh. Trotz allem. Einen Versuch noch, eine Grätsche, einen Ballgewinn, ein langer Ball. Die Fahne geht hoch. Abseits. Ende. Schwarz. Zwei Tore aufgeholt, ein Unentschieden gegen die zweitbeste Mannschaft der Bundesliga (bitte fügen sie hier ihre eigenen Witze ein) und doch kein Grund zur Freude, denn mit jetzt acht Punkten Rückstand bei noch drei Spielen, ist der Klassenerhalt wohl ausgeschlossen. Aber eine Erlösung ist es immer noch nicht. Die Saison fühlt sich an wie ein einziger aussichtsloser Kampf, der nicht enden will. Eigentlich sind wir schon seit Oktober abgestiegen und liegen seitdem künstlich beatmet auf der Intensivstation. Braindead, aber eben technisch immer noch nicht bereit unter die Erde zu gehen. Es ist furchtbar.

Und so unnötig. Wenn ich mir nur mal das gestrige Spiel anschaue, dann bekomme ich direkt wieder Bluthochdruck. Wie schon in der Vergangenheit überrascht Ruthenbeck mit einer Aufstellung, die gewürfelt und nicht Gegner-orientiert und planbar aussieht (ich erinnere nur an Frankfurt oder Mainz). Ich kann doch nicht ernsthaft mit einer Dreierkette (mit Freddie fuckin’ Sörensen auf rechts) gegen Schalke auflaufen, dafür gar keinen Plan im Mittelfeld haben, weil da fünf Sechser rumstehen, von denen einer auf der 10 agieren soll und der Rest halt mal guckt, wo noch Rasen ist und vorne, ja da arbeite ich dann mit einer Spitze, weil, hey, wir müssen ja nicht. Das ist doch nicht mehr normal. Ich bin ja schon froh, dass nicht wieder Christian Clemens auf dem Platz stand aber, mal ernsthaft, das geht doch nicht? Ruthenbeck kommt mir vor wie einer, der sich selbst als ungemein clever wahrnimmt, jemand der denkt, dass er die Gegenseite outsmarten kann und damit regelmäßig auf die Nase fällt. Das ist kein Überraschungsmoment, das ist Aktionismus. Dazu diese Selbstüberhöhung, diese Attitüde selbst keine Fehler zu machen. Bei aller fußballerischen Limitierung kann ich doch nicht Sörensen die (alleinige) Schuld für die debakulösen Anfangsminuten geben, das war doch schon mit der Aufstellung klar, dass das in die Hose geht. Nach einer halben Stunde umzustellen ist dann auch kein taktischer Kniff, sondern das Eingeständnis wieder mal in die Scheiße gegriffen zu haben.

Ruthenbeck ist als Trainer völlig überfordert, seine Auftritte in der Öffentlichkeit, seine Aussagen in Interviews (“die Jungs” (ich natürlich nicht!) “haben Fehler gemacht”, “die Weinen weil sie auch erschöpft sind”, “wir haben den Gegner analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir ihn schlagen können”), seine Phrasendrescherei, seine platten Durchhalteparolen, sein ganzes Ich-bin-der-tollste-Auftreten hätte nur funktionieren können, wenn die Ergebnisse gestimmt hätten. Und, machen wir uns nichts vor, die Ergebnisse stimmen nicht. In der Ruthenbeckschen Rückrunde sind wir auf Tabellenplatz 14. Es wurden vier von 14 Spiele gewonnen. Man lässt sich in Hoffenheim 0:6 zerlegen (bringt aber beim zwischenzeitlichen 0:3 noch einen Stürmer, weil, hey, Torverhältnis? Fuck it!), spielt gegen Mainz den größten Scheiß zusammen, bricht in Berlin in sich zusammen und tritt gegen Schalke mit einer taktischen Vorgabe an, dass mir die Fußnägel abfallen. Junge, Junge. Mit einem anständigen Trainer hätte der FC vielleicht tatsächlich noch in den Abstiegskampf eingreifen können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch mit Stöger nicht schlechter, sondern eher besser dastehen würden. Man darf einfach nicht vergessen, dass es eine andere Mannschaft ist, als in der Hinrunde. Allein, dass mit Terodde ein Zielspieler auf dem Platz stehen kann, ist eine andere Ausgangssituation als unter Stöger. Hat man dann ja auch gegen Gladbach und den HSV gesehen. Meint Ihr, dass die Siege Ruthenbecksche Genialität war? Nein, Mann, da stand dann einer der die Tore gemacht hat. Was sich ja auch schon wieder relativiert hat aber, hey, immerhin.

Bei allen Fehlern, die der 1.FC Köln in dieser Saison begangen hat, Ruthenbeck nur einen Vertrag bis zum Sommer gegeben zu haben, gehört nicht dazu.

Überhaupt ist das Sportliche im Moment unser kleinstes Problem. Ja, okay, wir steigen ab. Na und? Wir hatten Europa, wir werden nächstes Jahr wieder ein paar mehr Spiele gewinnen, vielleicht sind wir in 365 Tagen betrunken am Steinauto und feiern den Aufstieg, wir werden ein paar richtig coole Mannschaften besuchen, vielleicht (wohl eher nicht, aber die Hoffnung stirbt ja zum Schluss) steigt der HSV mit ab, der ganze Stress mit Gladbach/Leverkusen/Schalke/Düsseldorf fällt weg, es wird mal wieder normale Karten geben, die Aasgeier werden vielleicht etwas weniger werden und am Ende ist die Hütte dann doch wieder voll, weil sich die Liebe zu diesem Verein nicht über eine Liga-Zugehörigkeit definiert. Weil es eben der 1.FC Köln ist. Unser 1.FC Köln. Wenn du in dieser Stadt lebst, ist es völlig egal, ob du dich für Fußball interessierst, ob du keinerlei Sympathien für den effzeh hast, du kommst nicht daran vorbei. Der 1.FC Köln ist ein Teil unserer DNA, er ist größer als ein weiterer beschissener Abstieg.

Und er ist größer als seine Protagonisten. Er ist größer als ich und du, er ist größer als alle Spieler und ganz sicher ist er auch größer als ein Vorstand, Pressesprecher oder Aufsichtsrat. Diesen Satz sollte man in großen Lettern ans Geißbockheim sprühen. Es geht um den 1.FC Köln, nicht um Werner Spinner. Nicht um Alexander Wehrle. Nicht um Toni Schumacher und auch nicht um Markus Ritterbach. Ich habe das Gefühl, dass das nicht Konsens ist. Dieser Vorstand ist ein Debakel. Ein würdeloser Haufen. Ich ertrage es nicht mehr. Es wird keine Gelegenheit ausgelassen um sich selbst in gutem Licht dastehen zu lassen, es wird gehetzt, wie man es sonst nur aus der großen Weltpolitik kennt, es werden Artikel lanciert, die als Gefälligkeits-Journalismus noch milde umschrieben sind und vor allen Dingen werden die Leute für dumm verkauft. Es wird mit dem Klischee des idiotischen, selbstverliebten Kölners gespielt und -das ist das schlimme- es klappt auch noch. Solange jemand besoffen in Belgrad vom Tisch fällt, dabei kölsche Lieder singt und den Schal schwenkt, klatscht das Volk. E Jeföhl dat verbink, FC Kölle. Solange nur ein Feindbild etabliert ist und dieses für jeden Mist, der passiert auch immer schön und unwidersprochen verantwortlich gemacht werden kann, ist doch alles gut. In einem Verein mit >100.000 Mitgliedern hast du halt genau die gleiche kritische Masse wie in einem Verein mit 10.000 Mitgliedern, die fallen halt nur nicht mehr auf, weil es so viel Klatschvieh gibt.

Diese Woche lanciert der Verein wieder einen Artikel in der Rundschau, der so unglaublich schlechten Stil hat, dass man den Autor Thorsten Moeck fragen möchte, was er denn als Gegenleistung bekommen hat. Werner Spinner darf referieren, dass “die Ultras sich aus dem Dialog verabschiedet [haben]. Es wird mit haltlosen Verschwörungstheorien Stimmung gegen den Vorstand gemacht, der wegen der sportlichen Situation erstmals seit Jahren angreifbar scheint“, es wird aus Fan-Foren(!) zitiert und Volker Lange, Schutzheiliger aller Ehrenfelder Kebap-Läden, darf natürlich auch noch seine Sicht der Dinge aus dem Wolkenkuckucksheim funken. Dieser Artikel (am Spieltag veröffentlicht) reiht sich ein in eine ganze Liste tendenziöser Berichterstattung über die Führungsriege des FC. Die Richtung ist immer die gleiche: Wir sind die Retter dieses Vereins, wer gegen uns ist, ist ein Spalter und schadet dem Club.

Dabei sind es nicht nur Ultras, die diesem Vorstand kritisch gegenüber stehen. Ich z.B. würde mich als sehr, sehr weit entfernt von der Ultra-Bewegung einschätzen und kann dennoch nicht verhehlen, dass die Entscheidungen des Vereins, seien es Stadionverbote, der berühmte offene Brief, die dauerhafte Diffamierung einzelner Personen, mir ebenso bitter aufstoßen wie es wohl in den Gruppen selbst der Fall ist. Da wird im GBE vor dem Spiel gegen Schalke im Vorwort wieder der Kritik-Hammer rausgeholt, wohl wissend und absolut berechnend, dass alles was da steht nur dem Zweck dienen soll, die Fans in Misskredit beim Rest-Stadion-Publikum zu bringen. Hat ja auch ziemlich gut geklappt, wie man an der Reaktion auf das “Vorstand raus” der Südkurve gesehen und gehört hat. Da fahren 4-5.000 Kölner zum Auswärtsspiel des abgeschlagenen Tabellenletzten nach Berlin, sorgen da für diese unnachahmliche Atmosphäre und der Vorstand kann es nicht lassen herauszustellen, dass “umso mehr die wenigen, denen das Gespür für die Situation fehlt auffallen”. Dass da fünf Plastik-Becher auf Leichenfledder-Fotografen geworfen wurden und Jonas Hector sein Trikot wieder aufsammeln musste, das steht da nicht, das wird nicht herausgestellt. Es könnte alles passiert sein. Der Jupp, der mit seinem Trikot und dem Hütchen und dem Schal und dem Sitzkissen seit hundert Jahren mit dem FC durch et Führ jeht, der weiß das nicht. Der war nicht in Berlin. Der sitzt zu Hause, liest DuMont und vielleicht noch Nordkorea, guckt in das Geißbock Echo und hat wieder was, über das er sich aufregen kann. Das ist schon clever gemacht.

Ebenfalls diese Woche sorgte ein Artikel bei effzeh.com für Erheiterung, in dem klar gestellt wurde, dass der Verein bzw. der Vorstand wieder mal nicht satzungsgemäß gearbeitet hat. Nein, angeblich nicht satzungsgemäß gearbeitet hat. Ich muss im Konjunktiv bleiben, da ich es ja auch nicht weiß. Der FC erklärt auf der Vereins-Homepage, dass das natürlich gelogen sei. Die Vereins-Version wird von Karl-Ludwig Kley (Beiratsvorsitzender) und Lionel Souque (Aufsichtsratsvorsitzender) bestätigt. Die Mitgliederrat-Teilnehmer am gemeinsamen Ausschluss, Stefan Müller-Römer und Carsten Wettich werden nicht genannt. Man möge sich selbst ein Urteil bilden. Wenn man die Historie dieses Vorstands zu Rate zieht, dann kommt man vielleicht selber drauf.

Spätestens seit der Hoodie-Schmach auf der JHV, eigentlich aber schon nach der Rede zur Saisoneröffnung, in der Werner Spinner in bedenklicher Weise gegen einen demokratischen Vorgang in unserem Verein als Misstrauens-Bekundung propagierte ist die wahre Natur der drei Spitzen ans Tageslicht gekommen. Es geht hier um Posten- und Machterhalt, es geht um persönliche Eitelkeiten und erst ganz zum Schluss um die Sache. Dieser Vorstand hat jahrelang das Glück gehabt, dass sich die sportliche Situation verbessert hat. Jetzt, bzw. im Sommer, als klar war, dass das Kartenhaus einstürzen wird und der Verein mit voller Wucht gegen die Wand gefahren wird, hat man seine Kontrollfunktion nicht ausgefüllt, man hat keine Entscheidungen getroffen, sondern ist in den Fuchsbau zurück gekrochen und hat gehofft, dass alles nicht so schlimm wird. Es wurde aber noch schlimmer.

– Ein starker Vorstand hätte in der Sommerpause eine Entscheidung pro Stöger oder pro Schmadtke gefällt und nicht sehenden Auges weiter auf den Abgrund zugesteuert
– Ein starker Vorstand hätte nach London den Mund aufgemacht und die verteidigt, die es verdient gehabt hätten und nicht diese duckmäuserischen Erklärungen abgegeben
– Ein starker Vorstand stellt sich hinter seiner Mitglieder und arbeitet nicht aktiv gegen sie
– Ein starker Vorstand hätte sich bei einem Sachargument, wie es bei der angestrebten Satzungsänderung sicher der Fall war, einem demokratischen Prozess ausgesetzt, hätte versucht mit Argumenten seinen eigene Sicht der Dinge darzulegen
– Ein starker Vorstand hätte eine Mitgliederbestechung nicht nötig gehabt
– Ein starker Vorstand sollte das Gespräch mit Kritikern suchen, statt beleidigt die Presse einzuschalten und Politik zu machen
– Ein starker Vorstand hat es nicht nötig einzelne Personen namentlich zu diskreditieren
– Ein starker Vorstand wäre transparent, was Investoren-Pläne angeht
– Ein starker Vorstand wäre transparent, was Stadionpläne angeht
– Ein starker Vorstand schützt seine Mitglieder vor Repressionen, statt diese zur forcieren
– Ein starker Vorstand hätte sich nach Belgrad informieren können, was da denn passiert ist
– Einem starken Vorstand geht es in erster Linie um dem Verein

Nichts davon ist dieser Vorstand. Er muss zur Wahl gestellt werden. Es muss sich in der Vereinskultur grundlegendes ändern. Es geht nicht, dass wir uns als Mitglieder vom Vorstand auf der Nase rumtanzen lassen. Wir müssen laut sein und diese Missstände ansprechen. Es ist nicht der 1.FC Werner Spinner, es ist der 1.FC Köln. Und wie oben gesagt, ist dieser Club größer als wir alle. So geht es nicht weiter. Vielleicht ist die Gelegenheit mit dem sportlichen Abstieg gar nicht so schlecht. Vielleicht kann man sich in der Diaspora der zweiten Liga konsolidieren und in Ruhe eine Opposition aufstellen. Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß, ist, dass ich meinen Verein behalten will, dass ich mich nicht in einen HFC-Falke-Zustand transferieren muss, denn darauf steuern wir gerade gewaltig zu.

Noch ist es aber nicht soweit. Nach dem Spiel gestern kam die Mannschaft in die Kurve und lernt, dass diese Unterstützung, die der Verein erfährt keine temporäre Laune ist. Dieses Team hat nach 31 Spielen 22 Punkte auf der Habenseite und wird dennoch mit Applaus empfangen. Einzelne Spieler weinen, es ist ein hoch-emotionaler Moment. Ein Moment, der nur durch dieses Miteinander ensteht, für das der 1.FC Köln steht und stehen muss. Nur zesamme simmer stark. Vielleicht wird es dem ein oder anderen doch schwerer fallen den Verein zu wechseln als bei anderen Clubs, weil das Müngersdorfer Stadion eben doch etwas besonderes ist. Weil es doch etwas anderes ist für einen Verein zu spielen, der eine ganze Stadt, der hunderttausende Menschen in Beschlag nimmt. Ich weiß es nicht, ich kann das auch nicht objektiv beurteilen, ich bin Fan, das sind Profis, die haben einen anderen Fokus und das ist auch völlig legitim. Aber erste Anzeichen, dass es Teile des Teams gibt, die weiter in Köln spielen wollen gibt es ja. Marco Höger erklärte sich letzte Woche pro Verbleib, von Timo Horn liest man auch immer, dass es ernsthaft darüber nachdenkt zu bleiben und heute unterschreibt dann Jonas Hector einen neuen Vertrag bis 2023.

Es wäre problemlos möglich gewesen, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, aber für mich fühlte sich das nicht richtig an. Wir haben viele Gespräche in den letzten Wochen geführt und ich habe mir viele Gedanken gemacht. Das Ergebnis ist für mich eindeutig: Ich gehöre zum FC und will mit dem Team und unseren Fans im Rücken in der neuen Saison wieder voll angreifen.

Diese Bekenntnis zum 1.FC Köln macht mich stolz. Es gibt gar kein anderes Wort dafür. Hector ist Nationalspieler, riskiert damit absolut seine internationale Karriere und verzichtet wahrscheinlich auch auf einen Haufen Geld. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht rational erklärbar. Es ist eine Gefühls-Entscheidung. Und wenn ein Verein bei einem Profi einen solche auslösen kann, dann kann dort nicht alles schlecht sein. Dieses Gefühl, das besonders-sein, das müssen wir uns erhalten. Ob nun in der zweiten Liga oder im Europapokal.

Es geht weiter.

Come on effzeh!

Hoffenheim – FC: Zombieland

Tja, was will man da groß schreiben? Der effzeh blamiert sich in Sinsheim bis auf die Knochen, macht sich es sich schön schwer, um es mal dezent auszudrücken. Von Beginn an überläuft Hoffenheim die völlig verunsicherte und gnadenlos überforderte FC-Abwehr, jeder Zweikampf wird verloren, im Mittelfeld kommt nicht ein Ball an und vorne guck Osako dem Gegenspieler den Ball vom Fuß. Wenig überraschend klappt das nicht ganz so gut und man muss es nur der Gnade der Hoffenheimer zuschreiben, dass es zur Pause nur 0:1 aus Kölner Sicht steht. Nach der Halbzeit brechen dann alle Dämme. Der effzeh bettelt um weitere Gegentreffer, es kommt zu keinem Aufbäumen, die Körpersprache ist katastrophal.

Spätestens nach dem 0:3 muss Ruthebeck reagieren und die weiße Fahne schwenken, um die Niederlage in erträglichen Dimensionen zu halten. Du merkst doch, dass du in allen Belangen unterlegen bist, da nützt es doch nichts, sehenden Auges in den totalen Untergang zu reiten? Es kann doch nicht sein, dass ich mich zum Vollhorst mache.

Man muss doch versuchen in einem solchen Spiel dem Gegner keine Räume zu geben, mit körperlicher Härte die spielerischen Nachteile auszugleichen und dann möglicherweise über ein, zwei schnelle Ballkontakte in eine Konter-Situation zu kommen. Gesehen habe ich nichts davon. Es wurde versucht jede Situation spielerisch zu lösen, was ja nur als “Marschrichtung” interpretiert werden kann. Wenn ich Marco Högers Versuche, den Ball nicht wie eine alte Schweineblase platt zu treten (oder zu köpfen – noch schlimmer) und dabei körperlich unversehrt zu bleiben, sehe, frage ich mich wirklich wie so ein Kabinen-Gespräch aussehen mag:

– “Marco, Du musst den Ball nicht wegschlagen, du musst unser Kurzpaßspiel umsetzen”
– “Was?”
– “Kurze Pässe, Marco. Immer schön in den Fuß.”
– “Fuß?”
– “Ja, in den Lauf eben. Damit wir umschalten können!”
– “Schalten?”
– “Ja! Genau! Jetzt hast Du es! Super! Und jetzt raus mit Dir, Tiger!”

So in etwa?

Dabei ist er ja nicht alleine. Yuya Osako hat die körperliche Präsenz eines sehr alten, sehr kranken Kaninchens, Marcel Risse läuft gegen Mauern als würde er Werbung für einen zynischen Optiker machen und… ach… das könnte ich jetzt endlos weiterführen aber mir fehlt die Energie.

Ganz schöner Scheisstag.

Ich bin schon ein bisschen sauer. Nicht richtig aber ein bisschen. Fraglich, wie die Reaktionen ausfallen.

Durch das Unentschieden des HSV muss der FC nicht wieder auf den 18. Platz runter, sondern bleibt auf 17, morgen spielt Mainz und Wolfsburg. Verlieren beide, ist nichts passiert, punkten beide, wär das eher so semi. Mainz ist dann auch der nächste Gegner. Zu Hause. Um mal das Ruthenbecksche Phrasenschwein zu bemühen: Ich erwarte eine Reaktion unserer starting eleven!

Freunde, mal ehrlich: So muss man nicht runter gehen, ne?

Warten wir es ab.

Was anderes: Wer sich ein wenig über Werner Spinner informieren möchte, der lese bitte diesen Artikel im KStA. Er übernimmt keinerlei Verantwortung und schiebt alles von sich. Das ist schon sehr speziell.

Frohe Ostern.

Bremen – FC: 28 Weeks later

Wir können uns alle noch erinnern. Der 25. August in Monaco. Eine Ewigkeit ist es her, ein ganzes Leben fast. Wir lagen uns wieder in den Armen, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und tanzten an diesem Freitag wie von Sinnen durch die Stadt. Arsenal! Roter Stern! Alter! Wir schauten uns an, mit einem Glanz in den Augen, der einer ganzen Generation von FC-Fans bisher verwehrt geblieben war. Wir wussten – tief in uns drinnen – dass wir so etwas vielleicht nie wieder erleben würden, dass es ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes darstellt, dass eine Wiederholung, sollte sie denn überhaupt möglich sein, nie wieder diese Katharsis, diese völlige Reinwaschung von allem fußballerischen Übel sein wird. Sein kann. Wir genossen den Moment, wie wir noch nichts im Fußball genossen haben. Weltmeister? Hab ich morgen wieder vergessen. Es war mit nichts auf der Welt zu vergleichen.

28 Wochen später ist die Welt eine andere.

Abgeschlagen Letzter in der Liga, Trainer weg, Sportdirektor weg, im Innenverhältnis zerstrittener als die Grünen unter Joschka Fischer. Die Saison ist eine einzige negative Schlagzeile. Es ist als wären wir am 25.08. in einen wundervollen Fiebertraum gefallen und wachen nun schweißgebadet in der Realität auf. Okay, natürlich waren wir auch vorher schon mal wach und haben nach draußen geguckt aber irgendwie sah das noch alles nach Welt aus. Die Bäume waren noch da und die Vögel auch. Heute stapfen wir durch eine Zombie-Apokalypse. Im Hintergrund brennt das Geißbockheim.

All die Fehler aufzuzählen, die uns an diesen Punkt ohne Wiederkehr geführt haben, wäre eine wahre Herkulesaufgabe also lasst uns nur den wichtigsten nehmen: Der Kader ist schlecht. Wir sind ja letzte Saison nicht nach Europa gekommen, weil wir so gut waren, sondern weil die Liga so schlecht war. Wir profitierten von der unfassbaren Quote von Tony Modeste, wir hatten Spielplanglück, es kam einfach alles zusammen und kaschierte die – auch schon im letzten von vorletzten Jahr vorhandenen – Probleme so sehr, dass es uns und die Verantwortlichen blind machte. Es war ein zuckersüßer aber vergifteter Trank Glück, den wir da gierig in uns rein stürzten.

Erinnert Euch bitte an die Rückrunde. Nach dem Sieg in Darmstadt haben wir keinen Sieg mehr auswärts eingefahren. Zwischen dem Aus im DFB-Pokal in Hamburg und dem nächsten Sieg in der Liga (zu Hause gegen Hertha) lagen fünf Spiele ohne Sieg. Insgesamt gewannen wir seit dem 17.02.2017 nur vier Spiele und verloren sieben! Das ist nicht die Bilanz einer Mannschaft mit europäischen Ansprüchen. Es war uns egal. Irgendwie klappte es ja trotzdem. Wir wussten, dass wir rechts eine Schwachstelle haben. Wir wussten, dass es im zentralen Mittelfeld nicht auf Dauer gut gehen kann und was wir wirklich wussten war, dass man Modeste nicht genug danken kann, für das was er da geleistet hat. Wir kannten die Baustellen. Am 20.05. standen wir auf den Ringen und am Zülpicher Platz, prosteten uns zu, keine Gedanken an irgendeine Sorge in der Welt. Wir haben Stöger, wir haben Schmadtke, jetzt haben wir auch die Kohle, jetzt wird es besser. Die Leute sind ja nicht blind.

Es war wie Ferien auf dem Bauernhof. Naiv und unschuldig.

Mit der Bewertung des Sommers in Köln wird es aber jetzt doch schwierig. Ich möchte es bewusst überspitzt formulieren: Entweder ist Schmadtke nicht der smarte Manager, für den er allgemein gehalten wird, oder er hatte es sich zum Ziel gesetzt den FC nachhaltig zu zerstören. Es gibt da fast kein Zwischending. Aufgrund der vorherigen Transferperioden (Clemens, Rudnevs, to name a few) tendiere ich immer noch zu Lösung A, obwohl ich dem Charme von Option B durchaus auch etwas abgewinnen kann. Ohne auf die zwischenmenschlichen Gerüchte zwischen Stöger und Schmadtke näher eingehen zu wollen, kann man es, wenn man ein wenig bösartig ist und sich Schmadtkes bisherigen Stationen anschaut, durchaus als ein Muster erkennen und die Augen in der Zukunft offen halten.

Es wurde keine der Baustellen geschlossen, der Kader wurde signifikant schlechter, es gab keinen Spielplan hinter den Verpflichtungen (wer soll Zielspieler sein? Osako? Zoller? Oder gar wirklich Cordoba?), es war unausgewogen und viel zu teuer. Die Saison wurde ein Debakel mit Vorankündigung. Wir spielten die schlechteste Hinrunde in der Geschichte, wir waren nicht mehr als ein Sandsack für den Gegner. Und dennoch fahren wir mit 5.500 Menschen nach Belgrad, der FC kann machen was er will, er ist nun mal der Club dieser Stadt und diese Stadt ist manchmal eigen.

Zitternd und durchnässt, wütend und müde, ohne Feuer dafür mit schmerzenden Füßen standen wir einen Tag nach Nikolaus im Stadion Rajko Mitić, sahen ein Spiel, welches man nur mit sehr viel gutem Willen als Fußball erkennen konnte und spätestens dort, an diesem eigentlichen Sehnsuchtsort, wurde es uns allen klar: Wir sind wieder auf Null. Wir sind wieder der Scheißverein der letzten 25 Jahre. Wir sind wieder mal Boden, am Tiefpunkt, liegen mit der Schnauze schon im Wasser und kriegen keine Luft mehr. Wir werden nie wieder hier sein. Wir werden nächstes Jahr um die Zeit in Aue stehen oder in Magdeburg. Es ist vorbei und alles ist verloren singen leise die Wise Guys.

Später in der Nacht stehen wir im Hotel auf dem Balkon, schauen auf die Stadt, rauchen noch eine Zigarette, rekapitulieren das Spiel. Einer sagt dass es keinen Spaß mehr macht, dass er keinen Bock mehr hätte. Wir stimmen zu und lachen dann fast wahnsinnig auf. Es nützt ja nichts, wir wissen, dass wir von diesem Verein nie loskommen werden. Jedenfalls nicht in Gänze.

Genauso geht es mir heute. Gott, das war eine lange Vorrede, nicht wahr?

Das Spiel in Bremen, wieder ein neuer Versuch den letzten Platz an den HSV abzugeben, war wieder nichts als pure Enttäuschung. Der FC spielt mMn die erste Halbzeit völlig ohne Plan, er sieht zwar nominell offensiv ausgerichtet aus, auf dem Platz sieht man aber davon nichts. Es fand eigentlich gar kein Aufbauspiel statt. Keine schnellen Bälle auf die Außen, nicht einmal aggressives Pressing, keine Versuche den Ball zu erobern und dann auch etwas mit diesem anzustellen. Die zwei Situationen, in denen der 1.FC Köln vielleicht mit ein wenig Druck nach vorne hätte spielen können, weil man im Mittelfeld ungefähr zwei Saarland-Größen Platz hatte, wurden durch Yuya Osako recht schnell entschärft. Sonst war da nichts. Es gab vorne auch keine Anspielstationen, denn Claudiao Pizarro (dem man für sein biblisches Alter immerhin noch eine Teilnehmer-Urkunde ausstellen kann) und Simon Terodde rannten wirkungslos im Kreis. Koziello versuchte immerhin ein paar Dribblings, blieb aber auch hinter den Eindrücken von den Spielen gegen Leipzig und Stuttgart zurück. Okay, das ist aber nicht weiter schlimm, der Junge macht Spaß und hat den Ball nicht zum Feind. Eine Eigenschaft, die in dieser Mannschaft immer noch nicht unglaublich weit verbreitet ist.

In der zweiten Halbzeit wurde es durch die Hereinnahme von Leo Bittencourt ein wenig besser aber insgesamt ist das dann auch zu wenig, wenn du dich nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich anstellst wie Marco Höger vor dem 2:1. Dieser Kopfball ist eine perfekte Zustandsbeschreibung des 1.FC Köln im März 2018. Irgendwas hat man vor aber man weiß nicht genau was, oh, da ist der Ball ja schon, okay, dann köpfe ich ihn mal irgendwo hin. Huch. So benehmen wir uns auf allen Ebenen. Das ist mit Frechheit noch wohlwollend umschrieben. Ja, jeder kann Fehler machen, ich weiß. Ja, ich mache auch Fehler. Ja, wichtig ist, dass man daraus lernt. Ich weiß es, gottverdammt. Das Problem ist: Wir machen dauernd Fehler. Irgendein Spieler hat in jedem Spiel seinen Aussetzer. Sörensen, Horn, Höger, Özcan, Heintz, Jojic, die Liste ließe sich, je nach dem wo man den Fehler als wegweisend für das Gegentor ansetzt, beliebig fortsetzen. Es stimmt einfach qualitativ nicht in dieser Mannschaft.

Dazu kommt dann noch, dass du die einzige Flanke, die Marcel Risse in den Strafraum bringt dann auch noch vergibst wie der Papst den Sündern und dann gucken wir uns wieder an und wissen nicht weiter. Die Spiele gegen Stuttgart und Bremen waren einfach noch mal ein Schlag in die eh schon reichlich ramponierte Magengrube. In beiden Spielen schlagen wir uns selbst. Beide Gegner waren weiß Gott nicht unschlagbar und die Vorlagen der Liga, sich doch noch einmal in den Abstiegskampf zu robben, lagen auf einem silbernem Tablett mit akkurat gefalteter Serviette.

Es soll dieses Jahr nicht sein und wir dürfen uns darüber nicht beschweren. Die Probleme sind alle hausgemacht. Es gibt keine dunkle Macht, die dem effzeh an den Kragen will, es gibt keine Weltverschwörung und keine finsteren Pläne der DFL. Wir sind an allem selber schuld, weil wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben. Aber Ruthenbeck hat bestimmt gute Ansätze gesehen. Ist ja auch was wert.

Sei es wie es sei, ich wünsche mir vom 1.FC Köln in dieser Saison nicht mehr viel. Ich wäre froh, wenn man die Spielzeit mit Anstand und Würde zu Ende bringt, wenn man sich im Sommer dann (erneut) neu aufstellt und wenn man sich überlegen würde, dass wir, die Mitglieder und Fans des Vereins, immer noch die sind, die den Verein zu etwas besonderem machen. Wir werden auch nächstes Jahr nach Müngersdorf gehen, wir werden auch nächstes Jahr wieder tausende Kilometer mit der Mannschaft reisen und wir werden im Sommer 2019 wieder am Steinauto stehen und die Stadt wird tanzen. Wir sind der 1.FC Köln, das ist dann eben so.

In Belgrad saßen wir in der Kneipe und fragten “Liebst Du den Verein überhaupt?”.

Ja, Mann, ich liebe den Verein. Ich bin verloren. Es ist der 1.FC Köln.

Auch 28 Wochen später.

FC – Stuttgart: Junimond

Am Ende, nach 94 Minuten, fragst du dich, in welchem Film du heute denn schon wieder gewesen bist. Das Spiel gegen den VfB könnte eine Blaupause der Saison sein. Alles, was bei uns schief gelaufen ist und auch weiterhin schief läuft, ist in diesem Sonntag-Nachmittag komprimiert. Sportliche Tiefschläge, eigene Dummheit, Nebenkriegsschauplätze aus der hintersten Ecke der Idiotenhölle, Videobeweise und ein klitzekleines bisschen Pech. Das muss man gut umrühren, über Nacht im Kühlschrank stehen lassen und am nächsten Morgen steigt man ab.

Der FC startet einigermaßen frech und zielorientiert in das Spiel, das 1:0 fällt früh, danach werden immer wieder große Lücken in der Stuttgarter Hintermannschaft herausgespielt, die mit einem vorgezogenen Badstuber und fahrigen, fehleranfälligen Außenverteidigern in den ersten 30 Minuten kaum in der Lage sind, den FC zu verteidigen. Der bärenstarke Koziello im Zentrum leitet Angriff über Angriff ein, verteilt die Bälle mit gutem Auge und viel Geschick an den vor ihm positionierten Osako oder direkt nach Außen auf Risse respektive Hector, von wo aus dann der Ball den Weg Richtung letzte 20 Meter findet und… leider versandet. Es war, nein, es ist immer noch zum verrückt werden. Der VfB spielt so schlecht wie keine andere Mannschaft vor ihm in Müngersdorf aber wir schaffen es nicht diese Fehler zu nutzen. Das 2:0 wird zurecht zurück gepfiffen, darüber dürfen wir uns nicht ärgern. Worüber wir uns ärgern müssen, ist, dass es nicht gelang mehr als diese eine klare Chance zu kreieren. Wenn du so viel Raum hast, wenn der Gegner offensichtlich noch gar nicht im Spiel ist, dann musst du den Sack schon nach 25 Minuten so fest zugeschnürt haben, dass da keine Luft mehr raus kommt. Letzte Woche profitierten wir von den unzureichenden Schnürfähigkeiten des Gegners, diese Woche gucken wir dumm aus der Wäsche, weil es umgekehrt passiert ist. Das ist mit ‘frustrierend’ noch sehr milde umschrieben.

Mir fehlt die Energie jetzt einen Spielbericht zu schreiben, jeder hat gesehen, was passiert ist. Vielleicht rächt sich das Universum für seine letztjährige Nachlässigkeit? Es ist zu billig jetzt auf Timo Horn drauf zu schlagen oder die Wände anzuschreien wie ungerecht doch alles ist. Letztlich ist Fußball ein Spiel das durch wenige Aktionen entschieden wird. Es ist eben kein Handball oder Basketball wo Fehler und daraus resultierende Gegenpunkt leicht wieder gut zu machen sind. Das Tor ist ein seltenes Ereignis. Im Fußball dreht sich dadurch das Spiel, im Fußball kann die schlechtere Mannschaft immer gewinnen, wenn die Götter es wollen.

Es ist zum davonlaufen.

Natürlich hat sich die Mannschaft auch in der zweiten Hälfte nicht wirklich aufgegeben aber wenn wir uns anschauen, wie sich die Körpersprache verändert hat, wie zittrig die ersten Minuten nach Wieder-Anpfiff waren, wie unnötig auch der dritte Gegentreffer war, da muss man schon von Wirkungstreffern reden. Irgendwann müssen wir realisieren, dass alle Anstrengung vergebens war, dass es einfach nicht sein soll und dass der Kampf um den Klassenerhalt am Ende dann doch einer gegen Windmühlen sein wird.

Am Ende, nach 94 Minuten, fragst du dich, in welchem Film du heute denn schon wieder gewesen bist. Jonas Hector und Timo Horn liegen weinend auf dem Boden, das Stadion leer sich schnell, allerdings nicht ohne vorher der Mannschaft einen anständigen Empfang in der Südkurve zu bereiten. Es gab keine Pfiffe, keine Pöbeleien, es hatte etwas von: Jungs, wir wissen es, ihr wisst es, nächstes Jahr machen wir es zusammen wieder gut. Es war fast ein Zen-Moment, in der größt möglichen Frustration.

Der FC verliert also gegen den VfB Stuttgart, der damit das nächste Jahr Bundesliga ziemlich sicher buchen kann, und hat wieder einen Punkt auf den Relegationsplatz verloren. Acht sind es diese Woche. Ist immer noch aufzuholen, ja, ich weiß. Dennoch sind solche Spiele wie gestern eigentlich die Spiele, über die wir am Ende der Saison, wenn wir wieder mal ungläubig auf die Tabelle schauen werden, diskutieren werden: Mann, hätten wir gegen Freiburg gewonnen, hätten wir gegen Stuttgart gewonnen, hätte de Blasis auch nur einen Funken Ehre im Leib… das werden die Diskussionen sein, im Mai.

Es ist wie es ist.

Neben dem sportlichen Misserfolg sorgte gestern (wieder mal) die Fansezene in Köln für helle Aufregung in den sozialen Medien. Man konnte über die SKY-Außenmikrophone in der zweiten Halbzeit sehr gut einen Pöbler hören, der ohne Unterlass in Richtung Ron-Robert Zieler krakelte. „Zieler, warum bringst du dich nicht um?“ oder „Deine Mutter ist mit Enke verwandt“ wurden da neben dem “Hurensohn” und “Deine Mutter fickt alles” bundesweit übertragen und sorgten (nicht nur) bei mir für gehöriges Fremdschämen. Gestern war ich noch nicht sicher, dass es wirklich jemand auf dem Zaun war, heute weiß ich es besser. Es ist so unnötig, so blöd. Und es macht müde. Das Unglück der Welt, der Untergang des Fußballs geht sicher nicht von einem einzelnen, fehlgeleiteten Ultra auf einem Zaun in Köln-Müngersdorf aus, aber gerade jetzt, wo sich auch außerhalb der aktiven Fanszene immer mehr Leute gegen die Repressionen des Vereins und der Liga stellen, wo aber auf der anderen Seite auf jede noch so kleine Verfehlung gewartet wird, ist es einfach bescheuert sich mit diesen Sprüchen wieder ins Abseits zu schießen. Natürlich schreibt der EXPRESS darüber, damit es auch jeder mitbekommt. Natürlich wird das in das kleine, schwarze Buch des 1.FC Köln eingetragen und natürlich wird das auch Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die ein härteres Vorgehen gegen Ultras fordern. Das Schlimme ist: Es gibt keine Gegenargumente. Ja, vielleicht sind solche Sprüche in allen Stadien an der Tagesordnung und niemand regt sich darüber auf, weil sie niemand mitbekommen hat aber in Köln war nun mal das Mikrophon an, es wurde übertragen. Es gibt darüber schlicht nichts zu diskutieren. Wenn ich mit 170 über die Ringe brettere und dabei von der Polizei erwischt werde, kann ich ja auch nicht argumentieren, dass gestern einer mit 150 die Lux runter gebrettert ist und dem ist nix passiert. Die Sprüchen waren bescheuert und dumm, sie lassen jeden Anstand vermissen. Wenn eine ganze Kurve “Arschloch, Wichser, Hurensohn” schreit, dann ist das eigentlich schon traurig genug aber Folklore. Geflucht und beschimpft wurde im Fußball schon immer, der Sport kann seine Wurzeln nie verraten aber die Sprüche gestern hatten eine andere Qualität. Ich kann auch nicht alles mit “Emotionen” erklären. Scheiße, ich bin auch emotional und dennoch würde mir nicht einfallen Zieler zum Selbstmord aufzufordern. Das gibt es doch nicht.

So passt dann alles zusammen an diesem deprimierenden Nachmittag. Nächste Woche gibt es ein Montagsspiel. In Bremen. Wegen Europapokal, sie wissen schon…

“ZUSAMMEN FAIR BLEIBEN!” – Der Versuch einer Antwort

Gestern, einen Tag nach dem 70. Geburtstag des 1.FC Köln, sorgte ein offener Brief, unterzeichnet mit “Präsidium, Geschäftsführung, Aufsichtsrat, Beirat sowie Teile des Mitgliederrats des 1. FC Köln” für helle Aufregung im FC-Fan-Umfeld. Ich möchte versuchen hier meine Sicht der Dinge zu dem Brief, den ich in dieser Form für falsch halte, aufzuschreiben. Ich bin einigermaßen konsterniert ob des Gesamtinhalts, darum verzeiht mir bitte, wenn ich heute einmal von meiner üblichen Form abweiche und versuche sachlich und höflich zu bleiben. Das Thema ist nicht neu, es ist nicht simpel und es gibt wahrscheinlich auch gar kein “richtig” oder “falsch”. Es ist, wie bei allen hoch-emotionalen Themen rational gar nicht darstellbar. Dennoch ist es mir wichtig, dass es auch Gegenstimmen gibt, so klein und unbedeutend diese auch sein mögen.

Vorab: Ich bin kein Ultra, war nie ein Ultra, habe mich schon mehr als einmal über die Ultras aufgeregt und bin insgesamt sehr weit weg von dem, was man als “aktive Fanszene” bezeichnet. Meine Sozialisation im Stadion fand in den 1990er Jahren statt, ich kenne die CCAA-Gruppe sehr gut, genauso wie ich mit Red Army, Northside-Boyz und wie sie alle heißen aufgewachsen bin. Vielleicht ist das Teil meines Problems, ich weiß es nicht. Dennoch sind mir Fan-Themen nicht fremd. In meinem unmittelbaren Umfeld gibt es Allesfahrer, Ultra-nahe Menschen und Ex-Hooligans, genauso wie “normale” FC-Fans. Ich sehe mich selbst als verlorene Seele, die dem Verein mit Haut und Haaren erlegen ist, jedoch nicht als unkritisches Klatschvieh. Das zum einer Selbst-Einschätzung. Unter dieser Prämisse versuche ich auf den offenen Brief zu antworten.

Zitate sind kursiv gesetzt, wer den Brief nicht kennt, er ist hier auf der FC-Homepage verlinkt.

Liebe Fans und Mitglieder des FC,

nicht übereinander, sondern miteinander zu reden, das ist seit 2012 das Ziel des 1. FC Köln im Umgang mit seinen Fangruppen. Mit der AG Fankultur wurde ein Forum geschaffen, in dem Fanclubs verschiedenster Ausrichtung untereinander sowie mit Club-Vertretern ins Gespräch kommen. Auch zu kontroversen Themen. Diesen Konsens haben Teile der Ultra-Gruppen des FC in den vergangenen Monaten aufgekündigt. Statt miteinander zu reden, führen sie eine Kampagne gegen Mitarbeiter und den Vorstand des FC und machen zahlreiche Vorwürfe öffentlich. Wir wenden uns heute mit einem ausführlichen Text an euch, weil es Zeit wird, allen Fans und Mitgliedern klarzumachen, worum es wirklich geht.

Verursacht wurde der aktuelle Konflikt durch massive Regelverstöße von Ultras des FC in der vergangenen Saison, die nicht nur zu erheblichen Strafen des DFB, sondern auch zu staatsanwaltlichen und polizeilichen Ermittlungen geführt haben.
Der 1. FC Köln hat im Sommer 2017 als Konsequenz aus einigen dieser Vorfälle Stadionverbote und weitere Sanktionen verhängt.
Statt das eigene Verhalten zu hinterfragen und den Ausgleich zu suchen, brachen die Ultra-Gruppen ihren Dialog mit dem Club und den Austausch mit allen anderen Teilnehmern in der AG Fankultur ab und gingen auf Konfrontationskurs.
In der laufenden Saison setzte sich das Fehlverhalten inner- und außerhalb der Stadien fort. Tiefpunkt waren die Vorfälle in Belgrad, als Spieler, Einlaufkinder und Fans in anderen Blöcken mit Feuerwerkskörpern beschossen wurden.
Obwohl sowohl das Fehlverhalten als auch die Kampagne nur von einem Teil der Gruppen getragen wird, stellen die anderen Ultra-Gruppen ihre Solidarität mit diesen Ultras über den Zusammenhalt mit dem Club und allen anderen Fans.

Wir erinnern uns alle an die schwarze Wand an den komplett am Boden liegenden FC. Sportlich und wirtschaftlich abgeschlagen, im Innenleben zerstritten bis aufs Blut. Mit der Gründung der AG Fankultur und dem Ziel einen “Verein zu vereinen” gab es einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung. Dies ist allerdings nicht der alleinige Verdienst des Vereins, sondern auch die Fanszene ist damals zu dem Schluss gekommen, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Um wieder im Ansatz normale Verhältnisse zu bekommen, musste sich etwas tun. Mit dem Einleitungssatz übergeht der 1.FC Köln diesen Konsens bewusst und suggeriert schon hier den Tenor des Textes, denn sofort, ohne auf die Probleme und Unzulänglichkeiten der AG Fankultur auch nur einzugehen, wird ein “Scheitern” an einem aufgekündigten Konsens (was auch immer das sein mag) der Ultra-Gruppen festgemacht. Hier hätte ich mir zumindest, im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung für das einfache FC-Mitglied (wie mich) eine etwas längere Einführung gewünscht. Warum gab es diese Aufkündigung? War das eine Entscheidung über Nacht oder ein schleichender Prozess? Gab es vielleicht auch Versäumnisse auf Vereinsseite, die man nicht als solche betrachtet? Leider findet hier nichts anderes als eine Verurteilung statt. Das fett gedruckte “worum es wirklich geht” unterstreicht hier die vermeintliche Deutungshoheit. Damit sind die ersten Fronten geklärt.

Hintergrund: FC-Fans und ihre Werte

Im November 2017 erhielt das FC-Präsidium einen Brief, der mit „Vorstand Südkurve 1. FC Köln e.V.“ unterzeichnet war. Darin heißt es an die Adresse des Vereins: „Es wird dauerhaft nicht möglich sein, der Feuerwehr, der Polizei, dem DFB und der chinesischen Regierung auf der einen sowie den Fans auf der anderen Seite alles Recht zu machen. Hier erwarten wir eine klare und eindeutige Positionierung für die Zukunft.“

Dieser Absatz fasst – womöglich unfreiwillig – das Problem zwischen dem Club und Teilen der Ultras gut zusammen. Denn aus unserer Sicht war und ist die Positionierung des 1. FC Köln eindeutig. Abgesehen davon, dass die Fans des FC mit Sicherheit nicht auf einer anderen Seite als Feuerwehr und Polizei stehen, hat die chinesische Regierung dem 1. FC Köln und seinen Fans nichts zu sagen. Unsere Regeln und Werte stehen in der Satzung, in der FC-Charta und der Stadionordnung. Sich daran zu halten, sollte selbstverständlich sein.

In seiner Antwort hat das FC-Präsidium darauf verwiesen, dass man die angesprochenen Themen in der AG Fankultur diskutieren wolle. Stattdessen bestehen die Autoren jedoch auf einem exklusiven Gespräch mit Vereinsvertretern ihrer Wahl. Weder das Präsidium, an das sich die Vorwürfe ja richten, noch der Leiter der AG Fankultur, Thomas Schönig, sollen daran teilnehmen dürfen. Parallel wurde in den vergangenen Tagen begonnen, auf suedkurve.koeln Kritik am Verein zu veröffentlichen. Zudem ist es rund um das Spiel bei Eintracht Frankfurt erneut zu Vorfällen gekommen, die dem FC schaden.

Ich werde aus diesem Absatz nicht auf Anhieb schlau. Auf der einen Seite kritisiert der FC, dass keine weiteren Gespräche stattfinden, verweigert sich aber auch dem Angebot einer Gesprächsrunde mit von Ultra-Seite ausgesuchten Gesprächsteilnehmern. Warum diese Gespräche von Vereinsseite abgelehnt wurden, ist nicht ersichtlich und für mich auch nicht einfach zu interpretieren, es ist nur so einseitig dargestellt, dass ein Hinterfragen schwer fällt. Die Ultras wollen nicht, sie sind schuld. Finde ich schwierig. Stattdessen wird das Thema recht schnell ad acta gelegt und zum Angriff übergegangen:

Der 1. FC Köln hätte den Weg interner Gespräche gerne fortgesetzt, er sieht sich jedoch gezwungen, sich auch öffentlich zu erklären. Wir wissen, dass dies eine weitere Verhärtung der Position der angesprochenen Ultra-Gruppen zur Folge haben kann, halten es aber für vorrangig, dass alle Fans und Mitglieder die Gründe für das derzeit gestörte Verhältnis zwischen dem Club und Teilen der Ultra-Gruppen kennen. Denn genau darum geht es: um das Verhältnis zu einem Teil der Ultra-Gruppen. Bezeichnend ist, dass mit [Name] und [Name] zwei der drei Personen, die den Vorstand von „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ stellen, zugleich Meinungsmacher der Ultra-Szene sind. Es geht also nicht um das Verhältnis des FC zu seinen Fans, auch nicht zu seiner aktiven Fanszene oder zur Südkurve. Um dies zu verdeutlichen, nimmt der 1. FC Köln ausführlich zu den Ereignissen der vergangenen Monate, zu einigen der Vorwürfe im genannten Brief sowie zu den Legenden Stellung, die sich im Umfeld der Ultras offenbar verselbstständigt haben.

Mit [Name] und [Name] werden zwei führende Köpfe der aktiven Fanszene in Köln direkt angesprochen und in einen mMn unredlichen Zusammenhang mit den Problemen gestellt. Hier überschreitet der 1.FC Köln eine Grenze, denn für den Leser soll das Bild entstehen, dass [Name] und [Name] quasi alleine verantwortlich zu machen sind. Der FC nimmt hier bewusst in Kauf, dass seinen Mitgliedern, seinen Fans, die seit Jahrzehnten bei Wind und Wetter egal wohin alles für den Verein tun (ja, das hört sich überhöht an aber es trifft wohl genauso zu) im “echten Leben” ein nicht wieder gut zu machender Schaden entsteht. Wir reden hier von Menschen mit Familie und Existenz, deren Namen nun am Pranger stehen und es auch in die Zeitungen geschafft haben. Der EXPRESS übernimmt die Namen, wohl wissend, dass hier eine Eigendynamik enstehen kann. Das ist in meinen Augen nicht das Niveau, auf das sich der 1.FC Köln oder eins seiner Gremien begeben sollte. Es ist eine bewusst in Kauf genommene Provokation von Vereinsseite, die dem Ausgangspunkt, nämlich dem Versuch den Dialog wieder aufzunehmen völlig widerspricht. Man legt hier absichtlich Feuer an Stellen, die kaum zu löschen sind. Eine Interpretation überlasse ich hier jedem selbst, ich halte es für einen sehr, sehr großen Fehler und auch keine Art und Weise, wie man miteinander umgehen sollte. Ich verweise hier auf die FC-Charta:

Fairneß, Toleranz, Ehrgeiz – diese und andere zentrale Werte für den Umgang von Spielern, Mitgliedern und Fans des 1. FC Köln untereinander sind in den 11 Artikeln der Charta festgeschrieben.

Es zeugt von gutem Selbstbewusstsein des Vorstands, wenn man diesen Abschnitt als “fair” bezeichnet.

1. Die Choreo-Klausel

Choreografien müssen in Köln – so wie in anderen Stadien – unter anderem aus Brandschutzgründen vorab genehmigt werden. Im Dezember 2016 genehmigten die Verantwortlichen des 1. FC Köln und der Kölner Sportstätten GmbH (KSS) eine umfangreiche Choreografie der Wilden Horde zu deren 20-jährigem Bestehen. Die vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund im Stadion tatsächlich gezeigte Choreografie wich von der genehmigten Version jedoch in zahlreichen Punkten ab. Dies betraf neben dem Einsatz von Pyrotechnik sowie gefährlichen Materialien auch gewaltverherrlichende Motive sowie Beleidigungen gegen die Polizei. Der FC wurde von einer eigenen Fangruppierung vorsätzlich getäuscht.

Als Folge sahen sich der Sicherheitsbeauftragte, der Fanbeauftragte und der Veranstaltungsleiter des FC Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Präsident Werner Spinner musste beim Polizeipräsidenten der Stadt Köln in Anwesenheit der Staatsanwaltschaft Köln Rede und Antwort stehen. Zudem drohten hohe Ordnungsgelder, sollte sich ein solcher Vorfall wiederholen.

Als Konsequenz musste der 1. FC Köln seine Genehmigungspraxis umstellen. Seitdem wird eine Choreografie nur genehmigt, wenn der Anmelder mit seiner Unterschrift die Haftung für etwaige Verbandsstrafen übernimmt – allerdings gilt dies nur für den Fall, dass die tatsächlich gezeigte Choreografie von jener abweicht, die genehmigt wurde. Der FC sichert mit dieser Klausel also den Fall ab, dass er von den Anmeldern einer Choreografie hintergangen wird. Eine Fangruppe, die dies nicht vorhat, kann diese Klausel bedenkenlos unterschreiben. Dies hat der FC mehrfach ausdrücklich betont. Dennoch verzichten die Ultra-Gruppen seitdem weitgehend auf Choreografien und versuchen den Eindruck zu erwecken, der FC mache diese mit seiner Klausel unmöglich. Darüber hinaus schmuggeln die Gruppen zunehmend Material ins Stadion, teilweise unter Anwendung von Gewalt. Dieses Verhalten ist ein wichtiger Grund dafür, dass eine Sektorentrennung im RheinEnergieSTADION nötig wurde.

Ich kann hier die Haltung der Ultras, bzw. der einzelnen Personen, ihre Unterschrift zu verweigern, komplett nachvollziehen. Der 1.FC Köln verlangt hier Unmögliches, nämlich die Kontrolle über ein ganzes Stadion. Ich denke das muss jedem klar sein, der schon mal ein Fußballstadion besucht hat. Nicht jeder Idiot gehört einer Ultra-Gruppierung an. Sagen wir mal in S3/4 wird eine genehmigte Choreografie veranstaltet, alles ist im Rahmen, man hält sich an die genehmigten Motive, es werden keine Fackeln gezündet und keine verbotenen Tapeten gezeigt. In S2 jedoch steht ein besoffener Typ, der zu Hause noch Böller hatte und schmeißt diese, völlig unabhängig und ohne Wissen der “ausrichtenden” Person auf das Feld. Was passiert dann? Natürlich kann man im Nachhinein zu dem Menschen hin und ihn maßregeln aber das Kind ist doch dann schon in den Brunnen gefallen, es wird eine Strafe geben, die der 1.FC Köln dann an den Unterzeichner weitergeben kann. Wer will denn bitte dieses Risiko eingehen? Hier stellt der FC einen eigentlich sehr einfachen Punkt so verquert dar, dass bei Leser der Eindruck enstehen soll, dass die Ultras aus Niederträchtigkeit auf Choreos verzichten. Der FC nutzt hier das Wort “verweigert”. Dies suggeriert dem Leser wieder, dass die Haltung der Ultras allein zum Nachteil des Vereins geschieht. Als ob es eine Pflicht gäbe Choreos zu produzieren.

2. Die Stadionverbote

Im April 2017 wurden im RheinEnergieSTADION beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim nicht genehmigte Plakate und Spruchbänder gezeigt, auf denen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp auf eine Weise diffamiert wurde, die des 1. FC Köln unwürdig ist und in Teilen Straftatbestände darstellt (Zitat: „Vater Nazi, Mutter Hure“). Nur drei Tage später organisierten Ultra-Gruppen des FC im Franz-Kremer-Stadion beim Spiel der U21 gegen RW Essen einen Einsatz von illegaler Pyrotechnik inklusive massenhafter Vermummung und beleidigender Rufe gegen Dietmar Hopp und Beamte der Polizei.

Die Polizei hielt daraufhin den gesamten Block über Stunden fest, nahm die Personalien von Beteiligten auf und regte 173 Stadionverbote an. Die Stadionverbotskommission des 1. FC Köln – in der neben drei Vertretern des FC ein externer Rechtsanwalt, ein katholischer Pfarrer, eine Sozialarbeiterin und ein Hochschullehrer mit jahrelanger Kenntnis der Fanszene sitzen – folgte dieser Empfehlung jedoch nicht, sondern lud alle Betroffenen zu einer persönlichen Anhörung. In der Folge verhängte sie insgesamt 64 Stadionverbote, nur fünf davon beziehen sich auf das Hoffenheim-Spiel. Die Behauptung aus Ultra-Kreisen, der FC habe willkürliche und überzogene Stadionverbote verhängt, ist daher nicht haltbar. Die Stadionverbote sind eindeutig Konsequenzen aus schwerwiegenden, individuellen Verstößen gegen die Stadionordnung. Sie waren nur gegen Personen gerichtet, gegen die tatsächlich Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgenommen worden waren.

Beim Spiel gegen Hoffenheim kam es zur Präsentation eines Banners, über dessen Geschmacks-Sicherheit man nicht streiten muss, denn es war tatsächlich keine Glanzleistung. Die Aufregung ist groß. Tage später findet das o.e. Spiel im FKS statt, bei dem nachweisbar 14 Fackeln gezündet wurden. Im Nachgang werden 60 Stadionverbote ausgesprochen. 60. Für ein Banner und 14 Fackeln. Dass die Polizei mit dem Holzhammer 173 SVs anregt und der FC auf 60 runter handelt ist kein Grund sich zu feiern. Mittlerweile wurde ja auch Stadionverbote recht kleinlaut zurück genommen, weil nachgewiesen wurde, dass die Personen nicht an den betreffenden Aktionen beteiligt waren. Was die Aufzählung der Mitglieder der Verbots-Komission soll, lässt sich nur erahnen. Ich tippe man setzt hier auf das Pferd: Da sitzt ein katholischer(!) Pfarrer, das kann also nix schlechtes sein.

Stadionverbote sind ein heikles Thema. Ich empfehle hierzu die sehr gute Doku “Ultras” der ARD, die ausführlich die Thematik behandelt. Im Fall des FC hätte ich diese Passage gar nicht in den Text genommen, da sie eigentlich mit ein wenig Hintergrund gar nicht so schwer als Repressions-Maßnahme zu entlarven ist.

Zu den Punkten 3-6 kann ich nichts zu sagen, fehlt mir jeglicher Hintergrund. Es bleibt der ungute Geschmack im Mund, dass der FC wieder sehr einseitig die Schuld alleine bei den Vertretern der Ultras sucht. Vielleicht ein kurzer Satz zum Gedanken der “Radikalisierung”: Natürlich haben wir in Köln auch Probleme in der Kurve, es gibt Leute, die sich nicht einfangen lassen. Es gibt Leute, am Rand der Gesellschaft, die eine Radikalisierung schon lange durchlebt haben und nun auch im Stadion ausleben. Es gibt (nicht nur in Köln) neue Hooligan-Gruppen, die sich vor allem durch Kampfsport und Alkoholverzicht definieren, die mit Macht in die Kurven stürmen. In dem Moment, wo die etablierten Gruppen Mitglieder ausschließen, sind diese ja nicht vom Erdboden verschwunden, sondern gehen halt einen Schritt weiter. Und da kommen wir dann in eine Dynamik, die es immer schwerer macht ein Gleichgewicht zu finden. Die Ultras können und müssen auch intern immer noch ein Korrektiv darstellen, so schwer das vielleicht auch nachzuvollziehen ist, aber eine interne Aufarbeitung ist hier wichtiger als der öffentlichkeitswirksame Ausschluss. Die Radikalisierung ist meiner Meinung nach keine Drohung, sondern eine Furcht. Ich bin mir sehr sicher, dass der FC dies genau weiß, nur hier in der Wortwahl wieder jegliche Fairness vermissen lässt.

6. Müngersdorf und China

Inhalt der Kampagne von Teilen der Ultras gegen den Vorstand sind wiederholte und massive Vorwürfe zu vereinspolitischen Themen. So wurde unter anderem in einem offenen Brief im Herbst 2017 und kürzlich erneut behauptet, der FC sei beim Thema Stadion nicht transparent und handele gegen die Interessen seiner Fans. Darüber hinaus plane der Vorstand heimlich, Anteile des FC an Investoren zu verkaufen. Vorbote davon sei das Engagement des FC in China. Das Problem an all diesen Vorwürfen ist: Sie sind unwahr.

Sowohl das Infrastrukturvorhaben am Geißbockheim als auch später die Überlegungen zum Stadion haben Vorstand und Geschäftsführung im Mitgliederrat und in der AG Fankultur offengelegt. Vertreter des Mitgliederrats standen und stehen beratend zur Seite. Den Stand der Dinge und alle Argumente haben FC-Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle im September 2017 in der Mitgliederversammlung erläutert.

Ohne alle Punkte im Einzelnen wiederholen zu wollen, lautete die klare Botschaft, dass der 1. FC Köln am Standort Müngersdorf bleiben will – und nur, falls dies unmöglich sein sollte, unter Berücksichtigung von Faninteressen einen Stadionneubau in Betracht zöge. Die Verantwortlichen haben aber in der Tat betont, dass es ihre Aufgabe im Sinne des FC ist, angesichts eines im Jahr 2024 auslaufenden Pachtvertrags mit der ligaweit höchsten Miete für ein renovierungsbedürftiges Stadion Alternativen zumindest zu prüfen. Dies ist ein pragmatischer Ansatz, der dazu dient, gemeinsam mit der Stadtspitze die bestmögliche Lösung zu finden. Vereinsschädigend, weil im Sinne jener Politiker und Parteien, die den FC bei all seinen Infrastrukturplänen ohnehin ausbremsen wollen, ist dagegen die dogmatische Parole „Standort Müngersdorf unverhandelbar“.

Sowohl Werner Spinner als auch Alexander Wehrle haben in der Mitgliederversammlung, deren Reden übrigens protokolliert werden, ohne Wenn und Aber einen Verkauf von Anteilen an chinesische Investoren ausgeschlossen. Sie haben klargestellt, dass der FC Anteile überhaupt nur dann an strategische Investoren veräußern würde, wenn dies der für den Club günstigste Weg wäre, langfristige Investitionen abzusichern. Also beispielsweise für einen Kauf und Ausbau des Stadions oder, falls dies je in Betracht käme, einen Neubau. Dass diese Themen dennoch immer wieder von Teilen der Ultras als problematisch in den Vordergrund gestellt werden, ist durch die Realität nicht zu begründen.

Ohne es belegen zu können glaube ich dem Vorstand hier nicht. Das ist zum Glück noch nicht verboten. Britta Heidemann ist als China-Expertin (Sie schreibt Bücher, kommentiert für das chinesische TV, etc.pp.) in den Aufsichtsrat “gewählt” worden, das Engagement mit dem chinesischen Erstligisten FC Liaoning, die Besuche Wehrles in China, warum macht der FC das? Aus purer Abenteuerlust? Wie gesagt, ich kann nichts belegen aber ich glaube zu wenig an Zufälle, als dass da nicht Pläne in der Schublade liegen. Diese müssen ja nicht umgesetzt werden aber dass sie da sind, daran zweifele ich nicht. Schön auch der Versuch von Werner Spinner allen China-Zweiflern jede Kritik zu verbieten, wenn man sich nicht im 7000 Jahren chinesischer Kultur auseinander gesetzt hat. Menschenrechte? Hatten wir damals auch nicht. Wir hatten ja quasi nur Steine.

7. „100 % FC“ und Mitgliederversammlung

Es trifft zu, dass Vorstand und Geschäftsführung des 1. FC Köln den Antrag der Mitgliederinitiative „100 % FC“ inhaltlich für falsch hielten und die kampagnenartige Weise, wie der Antrag bekannt gemacht wurde, kritisch sahen. Die Entscheidung darüber, ob der Antrag angenommen werden soll, wurde auf der Mitgliederversammlung nach einer offenen Debatte und einem Austausch der Argumente getroffen. Es waren dabei nicht Kritiker des Antrags oder der Vorstand, sondern Vertreter der Ultras, die in dieser Debatte gebuht und gepfiffen haben, wenn auf dem Podium eine andere Meinung vertreten wurde. Letztlich lehnten zwei Drittel der Anwesenden den Antrag ab, zur Annahme hätte eine Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen müssen.

Es ist völlig legitim, als Unterstützer des Antrags über dieses klare Ergebnis enttäuscht zu sein. Nicht legitim ist es, noch Monate später ein demokratisches Abstimmungsergebnis in Zweifel zu ziehen. Es sind bezeichnenderweise auch gar nicht die Initiatoren des Antrags, sondern Unterstützer aus dem Kreis der Ultra-Gruppen, die dies nach wie vor tun.

Festzustellen ist: Der FC-Vorstand hat nicht erst 2017, sondern seit Jahren mit verschiedenen Maßnahmen darauf hingewirkt, dass viele Mitglieder an den Mitgliederversammlungen teilnehmen, damit eine möglichst große und vielfältige Gruppe sich an Wahlen und Abstimmungen beteiligt. Bis 2017 gab es daran keine Kritik. Die Maßnahmen im aktuellen Fall als eine Art „Stimmenkauf“ herabzuwürdigen, ist eine Beleidigung gegenüber Tausenden von FC-Mitgliedern, denen unterstellt wird, sie seien zu einer eigenen, fundierten Meinung zu vereinspolitischen Themen nicht in der Lage.

Der Vorstand, besonders Werner Spinner, diffamierte bereits auf dem “Sommerfest” die Initiative auf einem fragwürdigen Niveau, ließ keine Gelegenheit aus auch einzelne Mitglieder in einem schlechten Licht darzustellen und untergrub mit dieser Art der “Kritik” wiederum die Charta und auch Satzung des FC, denn wir haben als Mitglieder das Recht Anträge zur Abstimmung zu stellen. Wir haben uns für diese Anträge nicht vor dem Vorstand zu rechtfertigen. Der gesamt Umgang mit “100% FC- Dein Verein” (denn so heißt die Initiative vollständig – ist aber anscheinend nicht so wichtig für den Text, nicht wahr? Stichwort: Respekt) war eines 1.FC Köln unwürdig. Man fühlte sich an dunkelste Sonnenkönig-Tage erinnert. Dass der FC dann auch noch versucht die Hoodie-Aktion klein zu reden, ist fast schon frech, denn natürlich war diese Aktion nichts anderes als ein Stimmenkauf. Ich war dabei, ich hab gesehen, wer da alles abgestimmt hat und warum. Es ging 50% der Anwesenden nicht um Inhalte. Wer das anders darstellt, lügt. Es kam zu Ausschreitungen(!) bei der Hoodie-Vergabe, es wurden Kinder und Frauen weggeschubst, es musste vorzeitig begonnen werden, weil man “Sicherheitsbedenken” hatte. Bitte, lieber FC, mach es nicht schlimmer, als es schon ist.

Über Punkt 8 fehlen wir wieder Informationen der “Gegenseite”, darum kann ich dazu auch nichts sagen.

9. Respekt

Ultra-Vertreter haben Mitarbeiter und Offizielle des FC zuletzt mehrfach beleidigt und bedroht. Ordner und sogar Fans, die sich nicht wie von den Ultras gewünscht verhalten, wurden tätlich angegriffen. Gewalttätige Auseinandersetzungen mit Fans anderer Vereine werden regelmäßig gesucht. Mit Fairplay und Respekt hat all dies nichts zu tun. Und doch beklagen ausgerechnet die Autoren des Briefs, der FC und insbesondere Präsident Werner Spinner ließen es an Respekt im Umgang fehlen.

Hier bin ich fast auf der Seite des FC. Respekt ist etwas, was in der heutigen Gesellschaft sehr schnell vermisst wird. Gewalt geht nicht, es muss auch nicht immer die unterste Gossensprache sein. Jedoch möchte ich einschieben, dass ich diesen offenen Brief des FC auch nicht als Wikipedia-Beispiel für einen erfolgreichen respektvollen Umgang mit Kritikern sehe.

10. Das Verhältnis zu den Fans

Ein niederträchtiger Vorwurf an die Adresse des FC ist die immer wieder neu in Umlauf gebrachte Theorie, wonach der Club seit Sommer 2017, berauscht vom Erfolg, seine aktiven Fans loswerden wolle. Zunächst einmal ist es eine Anmaßung, wenn Ultras in diesem Zusammenhang den Anschein erwecken wollen, sie seien die einzigen, die ihrem Club immer die Treue halten – und alle anderen seien „Erfolgsfans“. So wird Tausenden treuen Auswärtsfahrern und langjährigen Dauerkarteninhabern abgesprochen, dass sie auch in den schweren Zeiten zu Team und Club stehen. Die Äußerungen und das Verhalten der Ultra-Gruppen inklusiver tätlicher Angriffe auf andere Fans legen darüber hinaus die Vermutung nahe, die Südkurve im RheinEnergieSTADION gehöre den Ultras, die dort nicht nur den Ton angeben, sondern auch die Regeln vorgeben. Dies ist ein fundamentaler Irrtum.

Die immer wieder in den Raum gestellte Behauptung, der Club wolle bestimmte Fans vergraulen, entbehrt jeder Grundlage. Es gibt keinen einzigen Beleg dafür. Im Gegenteil. Der 1. FC Köln hat trotz eines immer ausgelasteten Heimbereichs in den vergangenen Jahren auf eine marktgerechte Anhebung der Preise für Dauerkarten und Tageskarten insbesondere im Stehplatzbereich verzichtet. Die Zahl der ermäßigten Plätze wurde sogar ausgeweitet. Langjährige Mitglieder erhalten ein zusätzliches Vorkaufsrecht für Tickets. Bei der Vergabe der begehrten Tickets für die Auswärtsspiele in der UEFA Europa League wurden all jene bevorzugt, die den FC mindestens seit 2012 auswärts treu begleiten. Und sämtliche Pläne im Zusammenhang mit einem möglichen Ausbau des Stadions (oder theoretisch einem Neubau) enthalten einen Ausbau der Stehplatzkapazitäten.

Aus Sicht einiger Ultras sind aber offenbar Stadionverbote und Sanktionen gegen jene Personen, die dem 1. FC Köln massiv schaden, bereits ein Beleg dafür, dass der FC seine eigenen Fans loswerden wolle. Das ist falsch. Der FC will seine Fans nicht loswerden. Loswerden muss er in der Tat jene Minderheit von Kriminellen, die wie in Belgrad Raketen auf eigene Spieler, auf Einlaufkinder und in andere Blöcke schießt, Sitzschalen anzündet oder mit ihnen wirft. Kriminelle, die in London grundlos Polizisten angreifen, den Eingang für Menschen mit Behinderung stürmt – oder wie in Heimspielen unsere Ordner verprügelt. Aus den Reihen jener, die für solche Exzesse mitverantwortlich sind, ist bis heute keine klare Distanzierung erfolgt. Auch zum enorm wichtigen Spiel bei Eintracht Frankfurt schafften es weite Teile der Ultra-Gruppen nicht ins Stadion, weil aus ihren Reihen auf der Anreise offenbar Eingriffe in den Bahnverkehr, Körperverletzungen und andere Delikte verübt worden waren. Wieder einmal waren von den Folgen dieses inakzeptablen Fehlverhaltens auch Unbeteiligte betroffen, die das Spiel verpassten.

Ich interpretieren diesen Absatz als ganz klaren Versuch der Vereinsführung eine Spaltung in der Fanszene voranzutreiben. Von der Wortwahl bis zum dramatisierten Climax. Der gesamte Abschnitt baut sich so auf, dass es am Ende die Kritiker des Vorstands sind, die für Belgrad und/oder London verantwortlich zu machen sind. Hier wird eine Brücke zwischen den Ultra-Gruppen mit teilweise Hunderten Mitgliedern und wirklich kriminellem Verhalten, wie in Belgrad gebaut. Wieder kommt es zu einer kompletten Verallgemeinerung, die so nicht statthaft ist. Wer z.B. die Reaktionen der Fans in Belgrad auf und an dem Zaun gesehen hat, als ihnen das Ausmaß des Ausschreitungen und der Stimmung im Block bewusst wurde, der muss konstatieren, dass es auch innerhalb der aktiven Fanszene Nuancen gibt. Der 1.FC Köln verzichtet hier bewusst auf eine Differenzierung.

Fazit

Der 1. FC Köln hat wegen der Erfahrungen aus dem Jahr 2012 immer das Ideal eines vereinten Vereins hochgehalten. Zu einer vereinten Anhängerschaft gehören Ultras. Der FC hat sich gegenüber seinen Netzwerkpartnern, im DFB und bei der DFL sowie immer wieder öffentlich vor seine aktive Fanszene gestellt. Er hat sich davon auch durch Rückschläge und Kritik von außen nicht abbringen lassen. Auch nicht davon, dass die Hälfte aller Kosten für Ordnung und Sicherheit an Spieltagen durch die Ultras auf den Stehplätzen entstehen.

Und doch haben Teile der FC-Ultras die erste sportliche Krise seit Jahren genutzt, um gegen den Vorstand mobilzumachen. Und zwar nicht wegen der sportlichen Krise, sondern mit rein politischen und Ultra-spezifischen Themen. Das Verständnis nicht der Clubspitze, sondern vielmehr der Mitglieder, Fanclubs und Fans, die nicht dieser kleinen Gruppe angehören, ist aufgebraucht. Längst ist die am häufigsten gestellte und am meisten beklatschte Frage bei Fantreffen mit FC-Vertretern: „Wie lange wollt ihr euch das Verhalten der Ultras noch gefallen lassen?“ Die Reaktion der großen Mehrheit der mitgereisten Fans auf das Fehlverhalten aus Reihen der Ultras in Belgrad war bezeichnend. Von einer vereinten Anhängerschaft kann keine Rede mehr sein. An diesem Punkt erinnert uns zu vieles an die dunkle Phase 2012. Die Spaltung gibt es nicht, weil der 1. FC Köln sie will, sondern weil ein Teil der Ultra-Gruppen auf Einigkeit keinen Wert mehr legt – oder sie zu Bedingungen einfordert, die für die übergroße Mehrheit der FC-Fans und Mitglieder unannehmbar sind.

Wir fordern die Ultra-Gruppen, die mit diesem Text angesprochen sind, daher auf:

Kehrt zum Dialog zurück
Respektiert die Vielfalt der Fankulturen beim FC
Haltet euch an eure Selbstverpflichtungen zu Pyrotechnik („Keine Böller, keine Leuchtspurmunition, kein Werfen“), Fairplay, Respekt und Gewaltverzicht
Akzeptiert die Regeln und die Gremien des 1. FC Köln
Unterstützt unsere Teams weiter in guten und in schlechten Zeiten

Hier spricht jedes Wort für sich, oder?

Ich möchte aber noch ein eigenes Fazit ziehen: Ich halte diesen offenen Brief für grundfalsch. Ich halte ihn für eine bewusste Provokation um genau jetzt, wo die zwei Spiele gegen Hannover 96 (Kind muss weg) und RB Leipzig stattfinden, eine Reaktion zu erzwingen, die dem Verein eine Legitimierung geben soll. Beide Spiele sind brisant, da sie gegen Teams stattfinden, die diametral gegen die “Werte” der Ultras stehen. Martin Kind mit seinem Versuch 50+1 aufzulösen, und RB… nunja, ist eben RB. Der Zeitpunkt ist also nicht zufällig ausgewählt und wie man hört, ist der Brief auch mit der heißen Nadel gestrickt, denn es gibt einzelne Berichte aus dem Umfeld des Mitgliederrats, die von der Veröffentlichung genauso überrascht und überrumpelt worden sind, wie wir alle. Der FC nutzt die “Gunst der Stunde” um einen weiteren Keil in die Mitglieder und Fans zu treiben. Ich verstehe die Intention des Vorstands, der anscheinend begreift, dass er in den letzten Zuckungen liegt und versucht möglichst unfallfrei die Schuld am Niedergang abzuwälzen, aber ich heiße sie nicht gut. Ich bin immer noch völlig konsterniert ob der Gesamt-Intention dieses Briefes. Wer einen “Verein vereinen” will, der schreibt so etwas nicht.

Frankfurt – FC: Am Rippchen verschluckt

Ja, ich gebe es zu. Natürlich hab ich gerechnet. Natürlich hab ich hin und her laviert, bin vom Hundertsten ins Tausendste gekommen, habe das gute “wenn-dann”-Spiel und den Optimisten gespielt. Nach der Niederlage gegen Dortmund, als die Mannschaft an sich selbst zerschellte, an dem Willen das Spiel zu gewinnen, habe ich mich noch nicht davon abbringen lassen. Mainz? Stuttgart? Hamburg? Es waren nur sieben Punkte bei 13 Spielen. Natürlich geht da noch was. Guckt euch doch nur mal an, wie die Mannschaft gespielt hat. Los jetzt. Eine Woche ist das erst her aber wie das in Köln so üblich ist, können sich in den sieben Tagen ganze Universen verschieben. Scheiß auf Physik, wir leben woanders. War letzte Woche trotz der ärgerlichen Punktverluste noch alles im Lot, so schauen wir heute aus wie die Flache Erde Gesellschaft. Ein Haufen komische Leute, die an komische Dingen glauben und eigentlich Tag für Tag das Gegenteil bewiesen bekommen. Dass man verliert, dass man in Frankfurt (wieder) nichts holt: Geschenkt. Dass man aber sehenden Auges in das Unglück rennt und dann seine Theorien auch noch selbstbewusst als wahre Lehre verbreitet, das ist dann schon etwas anderes. Zum ersten Mal seit sehr, sehr langer Zeit bin ich richtig sauer.

Mann, ey.

Wenn ich mir die Spiele der Eintracht so anschaue und ich gehe davon aus, dass das beim 1.FC Köln zumindest in Teilen auch gemacht wird, dann sehe ich vor allen Dingen einen Erfolgsfaktor: Kampf und Einsatz, volles Tempo über 90 Minuten, keine Angst vor Zweikämpfen und keine Scheu auch hart zu spielen. Gute, alte Fußball-Tugenden eben. Die Eintracht ist kein Lachs-Häppchen mit Blattgold-Krümeln, die Eintracht ist eine dicke Rippe mit Kraut und Kartoffeln.

Was in dieser Liga übrigens mehr ist als die 08/15 Mikrowellen-Gerichte, die die anderen Teams so brillant verkörpern.

Da muss man mit Messer und Gabel dran, darf sich nicht vor fettigen Fingern scheuen, muss eine Serviette auf den Knien haben und die eigene Würde erstmal links liegen lassen. Da reicht es nicht im Abendkleid in den Raum zu schweben um mit spitzen Fingern an das Buffet zu schleichen.

Und doch ist es anscheinend das, was Ruthebeck vorhatte, wenn ich mir die Aufstellung ansehe. Matthias Lehmann mit Jojioc, Höger und Oözcan gegen da Costa, Boateng, Mascarell und Chandler.

Leute!

LEUTE!

Wie soll denn da unser Spiel aussehen, wenn wir allein in der Schaltzentrale läuferischen Nachteile haben, die in etwa so heftig ausfallen als würde ich da stehen? Der einzige, der da mithalten kann, ist Özcan, was aber nicht viel hilft wenn quasi immer, bei jedem Vortrag, ein Mann im Mittelfeld frei ist, weil wir eben nicht hinterher kommen und damit die Flügel komplett aufgerissen werden. Die Eintracht überrennt uns nach Belieben und das ist -verdammt nochmal- das normalste der Welt, wenn ich mit dieser Aufstellung spiele. Dazu kommt ein Auftritt von Jhon Cordoba, der mit phlegmatisch noch wohlwollend umschrieben ist. Geschenkt, dass er keinen Ball annehmen kann und Laufwege hat, die dem 123. Level von Pac-Man ähneln. Geschenkt, dass er im Zweikampf vom 45 Kilogramm leichteren Hasebe mit einem leichten Körpereinsatz weggeschoben wird. Alles geschenkt. Aber, dass er nach Ballverlust abdreht und nicht zurück arbeite, dass er anläuft wie Pierre-Emerick Aubameyang zum Dortmunder Konditionstraining, dass er sich nicht anbietet, sondern stehen bleibt, das ist schon arg merkwürdig. Vielleicht sollte man sich eingestehen, dass es weder für den Spieler, noch für den Verein ein glücklicher Transfer war und so schnell als möglich die Reißleine ziehen. Vielleicht findet sich irgendein britischer Club, der noch zwei, drei Millionen für ihn bezahlt. Ich wüsste zwar nicht warum aber auf der Insel ist ja nichts unmöglich. Sogar Simon Zoller war eine deutliche Aufwertung in unserem Spiel, weil er versucht hat Räume zu kreieren, mal die Position gewechselt hat, mal mit dem Ball ein paar Meter gegangen ist ohne über die eigenen oder fremde Füße zu stolpern. Herrjeh.

Natürlich ist Cordoba die Niederlage nicht schuld, versteht mich da nicht falsch. Das war schon eine Kollektiv-Leistung der gesamten Mannschaft. Das 1:0 wurde in der Halbzeitpause sogar vom 153 Jahre alten Charly Körbel auseinander genommen: “Da muss einer kurz zumachen, wenn ich da gestanden wär, wär das Tor nicht passiert.” No Shit, Sherlock? Hat bei uns nicht geklappt, weil Sörensen kurz dachte er müsse ins Tor laufen statt vor den Mann. Keine Ahnung warum, vielleicht wollte er auf Abseits spielen?

Die beiden nächsten Gegentore sind eine wunderbare Zusammenfassung unserer bisherigen Saison: Man ist zu langsam, kann dann nur Foul spielen, der Freistoß wird nicht verteidigt und plötzlich steht so ein Mann wie Marco Russ zwei Mal völlig mutterseelenallein im Strafraum rum und kann gar nicht anders als aufs Tor zu köpfen. Marco Russ. Es fehlt leider an allem: Individuelle Klasse, Schnelligkeit, Zweikampfstärke und Abstimmung. Dann bekommst du eben drei Tore in zehn Minuten und siehst aus wie eine Schülermannschaft.

Die Eintracht spielt bei weitem keinen fantastischen Fußball aber sie wichsen die Dinger halt rein, wenn wir zu doof sind die Minimalanforderungen, die man an einen Bundesligisten stellen darf, umzusetzen.

Dazu kommt ein sehr… nun ja… eigenwilliges Team-Management.

Spätestens nach dem 2:1 muss auch der Trainer reagieren. Was hilft mir ein Lehmann im Spiel, der a) keinen Ball sauber weitergeben kann und b) immer, wirklich immer einen Schritt zu spät ist und damit eine automatische Unterzahl bedingt? Da muss ich doch, gerade in unserer Situation, wo es halt langsam auch fast egal wird, einen höheren Einsatz spielen. Dann bring ich eben Koziello sofort und warte nicht noch dreizehn verdammte Minuten, bis es 4:1 steht und eh alles gelaufen ist.

Ich mein, vielleicht liege ich auch völlig falsch und bin nur zu doof für das Spiel, das ist ja keine Möglichkeit, die ich komplett ausschließen möchte aber – beim besten Willen – ich verstehe es nicht. Man möge es mir erklären. Alles. Die Gesamt-Gemengelage.

Den Vogel schoss dann noch die Social Media-Abteilung des effzeh ab, die sich beim Anschlusstor nicht zu doof war folgenden Tweet raus zu hauen:

Ich… ach, egal. Macht was ihr wollt, es ist ja alles nicht mehr feierlich.

Der FC verliert verdient gegen die Eintracht, es gibt genau nichts zu meckern an diesem Ergebnis. Das Problem ist: Auf einer Unnötigkeitsskala von 1-100 würde ich diese Niederlage bei einer guten 92 verorten. Alle Gegentore waren zu verteidigen, es war eine Mischung aus Bullshit und Unfähigkeit, die uns das heute eingebrockt hat. Ja, kann passieren, da gebe ich jedem Schreihals recht aber wenn es passiert, ist es deshalb ja nicht weniger scheiße.

Haken dran. Nützt ja nix.

Und jetzt? Sind es immer noch “nur” sieben Punkte bis zur Relegation. Es ist weiterhin nicht vorbei. Mainz? Hamburg? Stuttgart? Come on, wir sind doch nicht schlechter. Natürlich kann das immer noch aufgeholt werden aber dazu muss ein anderes Gesicht gezeigt werden als heute. Mehr Mut, mehr das Schicksal in die eigenen Hände nehmen wollen, statt wie paralysiert vor einem bestenfalls mittelmäßigen Team zu erstarren. Es ist doch auch egal ob wir mit 21 oder 29 Punkten absteigen, was haben wir denn zu verlieren? Die großen Reden von Ruthenbeck nach dem BVB-Spiel hörten sich super an, wurden aber heute von der Aufstellung, vom Matchplan, von den Auswechselungen von einfach allem ad absurdum geführt. Was wir brauchen, das einzige, was uns noch helfen kann, ist eine “Scheißegal”-Mentalität. Der Wille ist garantiert da, er darf nur nicht in ein Korsett geschnürt sein, das zu eng ist um sich zu bewegen.

Natürlich rechne ich immer noch. Ja, ich weiß, eigentlich sind wir weg. Ich habe meinen Frieden damit geschlossen.

Trotzdem bin ich heute sauer.

Und morgen geht die Sonne dennoch wieder auf.

Spaß mit der Post

Frohes neues Jahr erstmal.

Ich weiß ja, dass Ihr Bock habt immer mal wieder von der kleinen und großen Katastrophen zu lesen, deshalb heute mal wieder was lustiges. Und es ist wirklich einigermaßen lustig, wenn man nicht selbst betroffen ist, denn die Inkompetenz, mit der die deutsche Post im Jahr 2017-18 unterwegs ist, ist wirklich atemberaubend. Ja, mir ist klar, dass Logistik nicht einfach ist, dass Pakete noch und nöcher verschickt werden und überhaupt. Dennoch ist es ein Drama. Es geht ja nicht um Leben oder Tod, also können wir gemeinsam lachen.

Alles beginnt als ich die abwegige Idee hatte mir Büromaterial nach Hause schicken zu lassen. Briefmarken, Kopierpapier, diese Dinger für den Tacker, ihr wisst schon. Jetzt bietet die Post einen sogenannten E-Shop an. Früher gab’s da Drogen, heute steht das E wohl für “elektronisch” oder “eventuell”, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall kann man da Dinge bestellen.

Sagen sie.

Erster Akt: Irgendwann Ende November
Frohen Mutes versuche ich 20 Briefmarken zu bestellen. Die gibt es in 10er Blöcken. Leider kann man die Anzahl der Blöcke nicht ändern. Wenn ich also 20 Briefmarken haben will, dann muss ich 10 in den Warenkorb legen, der Warenkorb wird angezeigt, dann muss man zurück gehen und nochmal 10 in den Warenkorb legen. Das war vielleicht ein Feature um mit Klicks anzugeben, kann sein. Fand ich dennoch befremdlich. Kenn ich von anderen Shops eleganter gelöst.

Aber gut, es nützt ja nix, ich brauche das Zeug ja. Also stelle ich mir meinen Warenkorb zusammen. Irgendwann fühlt man sich geborgen, es erinnert alles an früher, als die Welt noch einfach und klein war. Ich kann meine Adresse eingeben, sogar meine eMail-Adresse nimmt das Formular an. Ich fühle mich dem Ziel ganz nah.

Jetzt muss es nur noch bezahlt werden. Der eigentliche Grund, warum ich nicht zur Post-Filiale gegangen bin: Die Möglichkeit der Zahlung mit Kreditkarte. Ja, es ist wahr, auch heute noch kann man bei der Post nicht mit Kreditkarte bezahlen. Ich kann in der Schweiz an jedem Kiosk ne Flasche Cola mit Kreditkarte bezahlen, wenn ich in Deutschland zur Post gehe und für 150 Euro einkaufen will, dann geht das nicht. Ich stelle mir ausländische Touristen vor, die völlig fassungslos ihre Briefmarken am Automaten mit Kleingeld bezahlen müssen und den Restwert in unbrauchbaren Kleinstbetrag-Briefmarken ausbezahlt bekommen. Was denken die sich? Aber egal, ich war ja beim “E-Shop”…

Schwupps, die Zahlungsoption Kreditkarte ausgewählt. Irgendwas lädt. Das Browserfenster wird weiß.

“Es ist ein unbekannter Fehler aufgetreten. Bitte kontrollieren Sie Ihre Zahlungsmethode”

Nunja. Mach ich dann mal. Leider war der Warenkorb gelöscht. Wie gesagt, man fühlt sich irgendwann zu Hause.

Das ganze Procedere also nochmal von vorne.

Klappt nicht.

Ich konnte keine Kreditkarte auswählen, ich konnte meine KK-Nummer nicht eingeben, nichts. Immer nur dieselbe Fehlermeldung. Bisschen blöd muss ich schon geguckt haben.
Leider hatte ich keine Zeit mehr für den Spaß, also bin ich am nächsten Morgen doch zur Post gefahren, hab da dann bar bezahlt und mal gefragt, ob die Mitarbeiter irgendwas über diesen merkwürdigen Fehler wüssten. War nicht der Fall. Den toten Augen nach zu urteilen, wusste die Dame nicht wovon ich spreche.

Zweiter Akt: Mitte Dezember
Ich weiß nicht mehr was mich geritten hat, ich glaube es war Abenteuerlust aber ich probierte es nochmal mit dem “E-Shop”. Vielleicht steht das E auch für “Entwicklung”? Hmm. Naja. Auf jeden Fall scheint ein Projekt-Team an der Seite gewesen zu sein, denn nicht nur kann ich beliebig viele Anzahl Produkte in den Warenkorb füllen, ich kann sogar meine KK-Daten eingeben. Es scheint zu klappen. Ich bekomme eine Auftragsnummer zugewiesen und eine eMail-Bestätigung. Ich bin begeistert und renne schreiend ohne Hose durch die Straßen. Fantastisch.
[Obwohl mich doch interessieren würde warum das “Novus Heftgerät B8FC Power on Demand schwarz” zwar bestellbar ist, die dazugehörigen Klammer aber nicht. Okay, man kann nicht alles haben…]

Egal.

Am 20.12. bekomme ich eine Sendungsbestätigung. Sollte das etwa noch vor Weihnachten bei mir eintreffen? ich war schon ganz wuschig.

Kam aber nix.

Na gut, ich verstehe das ja. Kein Problem.

Vielleicht kommt es ja nach Weihnachten?

Nö.

Hmm.

Okay, ich warte noch bis Anfang der Woche, dann guck ich mal nach. Dienstag nix, Mittwoch nix.

Verdammt.

Dritter Akt: Heute
Mit zittrigen Fingern wähle ich die Telefonnummer des Kundenservice der DHL. Eben sagt mir die Sendungsverfolgung, dass das Paket am 20.12. an mich übergeben wurde. Wo war ich da? Habe ich einen bösen Zwilling, der mich die Zeit vergessen lässt wie es weiland Edwad Norton in “Zwielicht” so brillant vortäuschte? Falls ja: Wo ist das Paket? Es muss doch hier sein? Vielleicht hilft mir ja irgendeine Beschimpfungsperson am Telefon.

Nach der Routing-Hölle gerate ich an einen leider nur sehr rudimentär deutsch sprechenden Mitarbeiter mit (geschätzt) russischen Wurzeln. Jedes Wort wie eine Salve aus der Kalashnikov. Leider mit ähnlich hoher Streuung. Er versteht die Sendungsnummer nicht. Nach ein paar Minuten langsamen Nummer eintippen sagt er mir dann, dass die Sendung ja bei mir angekommen sei. Ich verneine. Er bejaht. Eine Szene wie aus einem sehr schlechten deutschen Nachkriegsfilm mit lustiger Verwandten-Verwechslung. Heinz Erhard und Heinz Rühmann bumsen die gleiche Frau, alles lacht. Ihr wisst, was ich meine?

Ich hab mich bedankt und aufgelegt. Wenn ich ja eins gelernt habe, dann, dass es nichts bringt fremde Menschen am Telefon für irgendwas verantwortlich zu machen, was sie (höchstwahrscheinlich) nicht schuld sind. Die wollen auch nur nach Hause, da kann man auch nett bleiben.

Ich probiere es nochmal.

Diesmal habe ich eine junge Dame am Telefon. Sie klingt als ob ich ihr den Feierabend versaut habe. Niemals kurz vor halb oder kurz vor der vollen Stunde in einem Service-Center anrufen, es könnte das letzte Gespräch des Tages für den Mitarbeiter sein und Gott weiß, dass es ihnen scheißegal ist, was aus deiner dämlichen Sendung geworden ist. DU bist gerade das Problem, denn in fünf Minuten fährt mein Bus und wenn ich hier nicht pünktlich rauskomme, dann Gnade dir Gott. Es knisterte als quasi schon zu Beginn des Gesprächs zwischen uns. Haute Tension.

“Ja, das Paket ist bei Ihnen.”
“Nein, sonst würde ich ja nicht anrufen.”
“Also es ist abgegeben worden am 20.12. bei Herrn Bresza(?) am Mühlenbach 25”
“Hier wohnt niemand der so heißt”
“Nee, das ist ja auch die Post sehe ich gerade. Sie müssen zur Post am Mühlenbach”
“…”
“Hallo?”
“Äh. Ja. Also, der Mühlenbach 25 ist keine Post.”
“Kennen Sie das?”
“Naja, das ist meine Adresse. Ich lebe hier.”
“Und das ist keine Post?”
“Nein”
“Steht hier aber”
[angestrengtes Nachdenken, wie ich mich weiter auszudrücken habe]
“Nein, der Mühlenbach ist keine Post, das wüsste ich. Das Paket ist also bei der Post?”
“Das Paket ist am Mühlenbach 25 bei Herrn Bresza”
“Hier gibt es niemanden der so heißt und unsere Nachbarn kennen wir auch, da gibt es auch niemanden”
“Waren Sie denn schon bei der Post?”
“Nein”
“Dann gehen Sie doch mal zur Post, vielleicht liegt es ja da.”
“Das können Sie nicht sehen?”
“Hier steht: Brühl 4, Abgabe, Mühlenbach 25. Das heißt, dass die Postfiliale Brühl 4 am Mühlenbach 25 ist und da das Paket liegt”
“ooookay”
“Sonst müssen sie mal den Absender kontaktieren, der muss dann einen Nachforschungsauftrag machen”
“Der Absender ist die Post. Können Sie das dann direkt machen?”
“Nein”
“Warum nicht?”
“Wir sind ja der Lieferdienst, nicht der Versender”
“Sie sind doch Deutsche Post DHL, oder?
“Ja”
“Naja, dann sind sie ja auch der Absender”
“Nein”

Es ging dann recht schnell zu Ende mit uns. Bei Tinder hätten wir uns weggewischt.

Ich habe die Kontakt-eMails verglichen, es ist bei beiden impressum.paket@dhl.com. Jede Wette, dass die eMail mit der Nachfrage beim “Versender” im gleichen Service-Center landet.

Mein Paket ist also am 20.12.2017 von einem öminösen Herrn Bresza entweder hier bei mir zu Hause oder bei einer nicht näher genannten Post-Station entgegen genommen worden. Mehr weiß man nicht. Es lag keine Benachrichtigung im Briefkasten, es hat auch garantiert nie irgendjemand irgendwo geklingelt, denn hier in der Straße kennt man sich eigentlich und nimmt Pakete füreinander an. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Die KK-Abrechnung ist allerdings schon da. Abgebucht wurde.

Ich geh morgen mal zur Post-Filiale. Vielleicht haben die ja ne Idee…

[Update 1]

Über Twitter meldete sich der “Social Media Kundendienst” der DHL. Ich soll die Sendungsnummer und meinen Twitternamen mailen, dann kümmere man sich. Hab ich gemacht. Hier die Antwort:

 

Kannste bekloppt werden.

[Update 2]

Bei der Post-Filiale das gleiche Spiel. Paket wurde abgegeben, yadda, yadda, yadda. Die gleiche Leier von vorne. Niemand kann weiterhelfen. Ich soll mich an die Post wenden. Auf meinen Einwand, dass ich das hiermit versuchen würde, wurde mir gesagt, dass das nicht vor Ort geht, das könne nur vom Versender (also dem E-Shop) weiter bearbeitet werden. Paket ist weiterhin nicht da.

Der Lösungsvorschlag des Post-Menschen war dann, dass ich zur Polizei gehen soll und dort Anzeige wegen Falsch-Beurkundung stellen soll, da ja offensichtlich sei, dass “irgendwas” nicht stimmen würde.

Bei der Polizei rät man mir einen letzten schriftlichen Kontaktversuch zu unternehmen und falls ich bis Mittwoch nichts hören sollte, soll ich wiederkommen, dann könne man das machen. Okay. Mach ich.

Es ist ein großer Spaß.

[Update 3]

Es gibt Neuigkeiten. Obwohl, eigentlich nicht. Mein “letzter” Versuch der Kontaktaufnahme ist wieder krachend gescheitert. Ich schrieb u.a. folgendes:

Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass es sich beim Absender ebenfalls um die Deutsche Post DHL handelt, also die eMail-Adresse

impressum.paket@dhl.com auch als Beschwerde-Kontakt für den Versender gilt. Bitte antworten Sie mir nicht mit:

  • Wenden Sie sich zur Sendungsverfolgung an den Versender       oder
  • Das Paket wurde am 20.12. bei einem Herr oder Frau Bryza abgegeben

Ratet mal, was als Antwort kam:

 

Übrigens: Über das Kontaktformular, sie nennen es “E-Mail-Kontakt”, des E-Shops gibt es gar keine Antwort und eine andere eMail-Adresse als impressum.paket@dhl.com scheint nicht öffentlich zu sein, ich finde jedenfalls keine.

[Update 4]

Ich hab echt keine Ahnung, wie das CRM-System der Post aussieht aber mir dünkt, dass man da mal ansetzten könnte. Ich hab jetzt geantwortet, dass man sich als Versender um die Maßnahmen kümmern möge. Dann kam das:

 

Ob da überhaupt jemand liest, was ich schreibe?

Ich hab das jetzt nochmal versucht zu erklären, bleibe aber einigermaßen skeptisch. Es kann doch nicht sein, dass da kein Vorgang angelegt ist. Oder doch?

[Update 5]

Anruf von DHL. Nette Dame erklärt mir, dass man nichts mehr machen kann. Alle Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Ich soll mich “nach Weiden wenden”. In Weiden würde alles verschickt. Das ist das Kontaktformular des E-Shops. Eine Telefonnummer gibt es nicht. Die melden sich halt nicht. Ich denke, dass es das war. Das Ding wird nicht ankommen. Ich hab aber nochmal ne Mail geschrieben.

[Update 6]

Halleluja. In der Nacht zum Sonntag kam der entscheidende Hinweis:


Wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, weil mir auch jemand gesagt hat, dass “Beyza” ein Vorname sei und entsprechend eine Nachforschung recht schwierig werden würde. Außerdem verstehe ich nicht, dass solche Hinweise von “normalen Menschen” über Twitter kommen müssen, statt dass mir die Post sowas steckt.

Whatever.

Ich also da heute morgen hin, mit der Dame hinter der Theke gesprochen.
“Nee, also Pakete verwahren wir hier sieben Tage, dann gehen die zurück.”
“Ich hab mir sowas schon gedacht aber warum sagt mir die Post denn nicht, dass es wieder zurück geschickt wurde? Ich bin echt frustriert.”
“Jaja, sie können sich nicht vorstellen, was hier über Weihnachten für ein Chaos war, das ist schlimm.”
“Wissen sie, das Paket kommt von der Post, wird durch die Post ausgeliefert und es klappt nichts. Nichts.”
“Das Paket kommt von der Post?”
“Ja”
“Was ist denn da drin?”
“Ach, Büromaterial, Briefmarken…”
“Warten sie mal”
[geht nach hinten]
“Wie heißen sie denn?”
“Goldmann”
[Ich kann nicht sehen, was sie macht, sie scheint etwas umzuräumen]
“Es ist doch da! Wo sie gesagt haben, das ist von der Post hat was geklingelt.”
“…”
“Sind zwei Pakete, ne?”
“Keine Ahnung wie die das verpacken.”
“Ja, sind zwei Pakete. Hier, gucken sie mal.”
[Eine einsame Träne läuft mir sehr langsam die rechte Wange herunter]
“Wie schön”
“Wäre heute mittag um zwei zurückgegangen. Hahahahaha.”
“Das wär es noch gewesen.”
“Ja. Hahahaha”
[kriegt sich gar nicht mehr ein]

Wir haben dann noch ein bisschen geschnackt, mit was die da alles zu kämpfen haben und dann bin ich mit meinen zwei Paketen abgedackelt. Ich habe nichts unterschreiben müssen, ich musste mich noch nicht mal ausweisen, dass ich das Paket auch berechtigt empfange. Nichts. Wäre ich ein Arsch, könnte ich das weiter treiben bis zum gehtnichtmehr und der Post gegenüber einfach weiterhin behaupten, dass ich nix bekommen habe und dass sie mir das Geld erstatten sollen. Es gibt keinen Nachweis, dass ich das Paket jetzt wirklich habe. Okay, vielleicht würde ich dann nicht darüber schreiben aber andererseits bin ich ja auch kein Arsch.

Naja, sei es wie es sei, das Paket ist da.

Die Geschichte wäre aber nicht rund, wenn nicht noch eine Pointe käme.

Jahaaa.

Natürlich fehlt ein Teil. Die Heftklammern sind nicht mitgeliefert worden, stehen aber auf dem Versandschein drauf. Gut, die kosten jetzt nicht die Welt aber ich glaub ich schreibe der Post doch nochmal.

Insgesamt ‘ne fantastische Erfahrung.

Danke an @trotzdemhier und @amfid für die Hilfe.

[Update 7]

E-Mail aus dem Post-Shop. Tut ihnen leid und alles. Hat bisschen gedauert, erhöhtes Verkehrsaufkommen.

Sie schicken mir jetzt die ganze Sendung nochmal!

Ich müsste auch nix mehr machen, “schon in wenigen Tagen” wird das neue Paket dann bei mir sein. Ich sach ja: Da weiß niemand nichts. Das Kiosk, wo ich das Paket abgeholt habe, hat also anscheinend nicht der Post mitgeteilt, dass das Paket abgeholt wurde. Vielleicht gibt es diese Möglichkeit auch gar nicht, was weiß ich? Wie gesagt, ich musste ja auch nichts unterschreiben. Es ist alles merkwürdig.

Der Shop bekommt auch keine Infos aus der ausliefernden Abteilung und jetzt muss ich dem Paketboten sagen, dass er das wieder mitnehmen soll, weil ich ja meine Lieferung dann doch schon habe.

Ich werde versuchen ihm das zu erklären, damit das anständig verbucht werden kann, bin aber skeptisch, dass da irgendwas funktioniert.

Ihr könnt Euch mein Gesicht vorstellen, als ich die eMail las, oder?

Auf meine Anfrage nach den Heftklammern kam aber bisher keine Antwort.

Es bleibt spannend.

FC – Freiburg: Kopfsache

Wie sehr der Fußball auch ein mentales Spiel sein kann, nicht wahr? 38 Minuten, die wie Balsam für die geschundene FC-Seele wirkten. 38 Minuten, die uns wieder an das Gute glauben lassen wollten. 38 Minuten, die auch der Mannschaft gut taten. Dann wird ein komischer Freistoß gepfiffen, Guirassy rutscht aus, Petersen knallt das Ding unter die Latte und auf einmal ist der Schalter wieder auf Aus umgestellt. Wo vorher fast jeder Zweikampf gewonnen wurde, wo man immer schneller als der SC am Ball war, ist jetzt wieder Angst essen Seele auf angesagt. Man zögert im Zuspiel, statt wie zu Beginn sein Heil mit schnellen Pässen zu versuchen. Man versucht nur noch Fußball zu verhindern, statt Fußball zu spielen. Man überlegt einmal zu oft, man kann die Verunsicherung spüren, fast greifen.

Ich kann das nachvollziehen. Man wird die ganze Saison getreten, nichts geht, man verliert gegen Kirmestruppen und auf einmal schießt man in einer halben Stunde drei Tore im Kampf gegen einen direkten Konkurrenten und plötzlich fällt das Gegentor. Natürlich kommst du da ins Grübeln. Aber, das ist die Krux, die Zeit hast du in der Bundesliga nicht. Plötzlich wird jeder Fehler ausgenutzt, die Beine werden schwer und fangen an zu zittern. Dann fängst du dir wieder nach einer Standard-Situation das 3:2, es spielt nur noch Freiburg, die letzten Minuten werden zu Stunden und dann geht Özcan im Straufraum runter, keiner weiß warum, es gibt Elfmeter es steht 3:3 und es ist wieder finster.

Was Guirassy dann im Kopf rumging als er in der Nachspielzeit im Strafraum den Ball raus boxen wollte, ist vielleicht ein gutes Thema für eine psychologische Doktorarbeit, ich will es auf der anderen Seite auch gar nicht wissen. Innerhalb von 4 Minuten fängt sich der effzeh den zweiten Elfmeter, wir geben ein 3:0 zu Hause gegen Freiburg aus der Hand. Letztlich ist das fast egal, denn auch der eine Punkt wäre natürlich zu wenig gewesen. Da kannste dann auch verlieren um die Sache rund zu machen.

Es tut schon weh. Was will man da noch groß sagen? Was soll noch bleiben außer tiefer Fassungslosigkeit?

Das Spiel zeigt den Mangel an Qualität bei uns wunderbar auf. Nach einem Gegentor ist nichts mehr an mentaler Kraft vorhanden und da wir von reiner Fußball-Qualität völlig unterlegen sind, reicht es eben gegen keinen Gegner in der Liga.

Wenigstens wissen wir jetzt, dass wir abgestiegen sind, es kann schon im Winter mit der Planung für die zweite Liga begonnen werden, die jungen Spieler können mehr Einsatzzeit bekommen um Wettkampfpraxis zu erhalten, der neue Trainer weiß worauf er sich einlässt und das kann für das nächste Jahr ein enormer Wettbewerbsvorteil gegenüber, sagen wir mal, Sandhausen oder Heidenheim sein. Herzlichen Glückwunsch.

Eine positive Sache noch: Die Kurve schien nicht sonderlich gespalten, es gab durchgehenden Support. Vielleicht, wie gehofft, ein erster kleiner Schritt Richtung Normalität.

Achja, und zu Peter Stöger: Ich kann die Aufregung überhaupt nicht verstehen. Habt ihr geglaubt, dass er arbeitslos bleibt? Mein Tipp ist, dass nach dem 4:4 des BVB gegen Schalke bei Stöger das Telefon geklingelt hat, die Entscheidung in Dortmund schon feststand, dann Stöger unter Woche eine klare Aussage des Vorstand einforderte, diese ausblieb und man sich dann auf Trennung geeinigt hat. Jetzt braucht der BVB nur noch eine Niederlage um es gut verkaufen zu können. Da war vorher schon alles niet- und nagelfest aber warum man sich darüber aufregt ist mir schleierhaft. Andererseits ist es mir fast egal. Regt euch halt auf, ich tu es nicht.

Also, lieber Vorstand, es wird Euch schwer fallen zu glauben aber das habt ihr schön in den Sand gesetzt. Die zweite Liga ist spätestens seit heute bittere Realität. Es gilt nun die Trümmer aufzuräumen und den Verein nicht ganz gegen die Wand zu fahren. Planung für die zweite Liga ab sofort.

Irgendwie ist die Niederlage fast befreiend, weil nun wirklich kein Mensch mehr rechnen oder träumen sollte.

Es nützt ja nichts, ich werde dem Verein nie etwas schlechtes wünschen. Es werden wieder bessere Zeiten kommen.