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Bockcast #068

Es gibt eine Änderung im Bockcast. Thomas aka @koelnsued ist unter Aufbringung aller zur Verfügung stehender Bestechungsmittel dazu verpflichtet worden nicht mehr nur als Gast, sondern fürderhin als zweiter Gastgeber neben dem Verfasser dieser Zeilen zu fungieren. Es war zum einen nicht immer leicht einen Gast für die Sendung zu finden, zum anderen klappt das mit Thomas und mir ganz gut, denn wir haben komplett andere Fußball-Sozialisierungen genossen, sind daher -gerade was Fanthemen angeht- nicht oft einer Meinung und können uns so ein bisschen die Bälle zuspielen. Es soll also ein wenig konstanter werden. Ich Wir hoffen einfach mal, dass Euch das gefällt.

Aber natürlich wollen wir nicht unter uns bleiben auch in Zukunft werden wir uns auf die Suche nach Gesprächspartner begeben und Eure Lieblinge, seien es Martin oder Peter oder Heiko oder oder oder werden nicht vergessen und weiterhin hier regelmäßig zu Gast sein, so sie denn Zeit und Lust haben.

Den Anfang der Gästeliste macht heute Kristell, die in ihrem Podcast “Auf die Zirbelnuss” über den FC Augsburg redet und mit uns das staubtrockene Spiel des vergangenen Samstags analysiert. Ein Blick aus der eigenen Filterblase schadet ja nie.

Außerdem gibt es eine Menge zu bereden: Rettet den Grüngürtel, der effzeh geht einen Deal mit China ein, das Lazarett wird immer größer, die Liga ist oben eng und unten scheisse und dann geht es ja auch noch gegen Hoffenheim. Es ist also was geboten.

Wir wünschen viel Spaß und freuen uns wenn Ihr uns Eure Kommentare entweder hier im Blog, auf Twitter oder auf Facebook hinterlasst. Ganz besonders freuen wir uns über eine (hoffentlich gute) Bewertung bei itunes mit Rezension. Das hilft uns ungemein vielleicht auch ein paar neue Hörer zu akquirieren.

Was gesagt werden muss: Es wird auch hier viel zu wenig interagiert. Das ist verdammt schade, denn -wenn ich das richtig sehe- ist der Bockcast der einzige Podcast zum 1.FC Köln und da muss doch sowas wie Meinung, Lob oder Kritik abgebildet werden können. Kann doch nicht wahr sein, dass wir hier ins Leere senden. (Ist auch nicht wahr, ich kenne ja die Abrufzahlen aber manchmal kommt einem das schon so vor)

Also: Redet mit uns, verlinkt uns, empfehlt uns weiter oder sagt halt wenigstens dass es scheisse ist, wenn es euch nicht gefällt. Ist doch nicht so, dass wir eine Doktorarbeit von Euch haben wollen. Mann, ey.

Danke!

Falls Ihr uns wirtschaftlich helfen wollt, im Blog gibt es einen Spenden-Button, der freut sich genauso über Euren Besuch wie wir.

Gut, genug der Worte. Viel Spaß beim hören!

Come on effzeh!


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FC – Augsburg: Schwarzbrot, trocken

Man kennt das ja: Nach dem Rausch folgt der Kater, nach jedem Festschmaus ein Reste-Essen. Und wenn nichts mehr da ist und man zu faul ist nach Alternativen zu suchen, sich nicht mehr bewegen kann ob der ganzen Völlerei, dann muss es halt auch mal ein trockenes Stück Brot tun. Es mag nicht gut schmecken, es ist kein Genuss, am Ende hustet man sogar noch, weil man sich an einem dieser alten, grob verarbeiteten Körner verschluckt hat, aber es ist immer noch besser als hungernd auf die Wand zu starren. Ein bisschen jedenfalls. Nicht viel aber ein bisschen.

Nach dem Derbysieg waren wir eine Woche gedankenbesoffen, liefen wie ferngesteuert durchs Leben und gingen innerlich immer wieder diesen Moment durch, diesen ekstatischen Jubel, dieses Gefühl dass die Welt uns zu Füßen liegt, ungeduldig unsere weiteren Anweisungen erwartend. Und wir freuten uns auf Samstag, auf ein neues Heimspiel des 1.FC Köln, der seit April in Müngersdorf nicht mehr verloren hat, der uns so viel Spaß macht, der uns so zufrieden selig lächeln lässt. Mit dem FC Augsburg kam zwar ein Gegner, der uns in den letzten Jahren gar nicht lag, der auch auf meiner persönlichen Sympathie-Skala irgendwo zwischen Kaiserslautern, Freiburg und Ingolstadt angesiedelt ist aber es nützt ja nix, sie sind nun mal da, dann müssen wir leider auch irgendwann gegen sie spielen. Die DFL ist da gnadenlos. Dennoch freuten wir uns. In der WhatsApp-Selbsthilfegruppe war der Optimismus groß, der Konsens, dass der alte effzeh nicht mehr existiert und dass wir nicht mehr zwangsläufig mit dem Arsch einreißen, was wir zuvor mühsam mit den Händen aufgebaut haben. Nee, die Freude war aufrichtig und auch nicht grundlos.

Sie hielt etwa 20 Minuten.

Der effzeh begann das Spiel nämlich durchaus druckvoll und strukturiert. Man wollte die Verschlafenheit der vorangegangenen ersten Halbzeiten ablegen, zeigte schönes Spiel, verlagerte über Außen, rannte, kämpfte, kam zu Chancen und ließ Augsburg nicht die Möglichkeit wirklichen Zugriff aufzubauen. Das Team von Peter Stöger wollte früh Nägel mit Köpfen machen, aber das Tor fiel leider nicht. Osako und Modeste hatten gute Chancen aber… nunja… ich schrieb es letzte Woche schon: Im Fußball gibt es keine B-Note. Keine Tore, keine Kekse.

Nach etwa einer Viertelstunde ließ der Druck des effzeh nach, der FC Augsburg konnte etwas höher stehen und hatte früher Gelegenheit das Spiel zu zerstören. Was sie höchst effektiv machten. Man muss das nicht mögen, man kann sogar über die (ja, mir geht es gegen uns auch auf den Sack, keine Frage) ziemlich dreckige Zweikampfführung meckern, immer ist eine Hand am Trikot, es wird immer ein bisschen getreten und gezogen, es wird alles getan um den Rhythmus des Gegners zu stören aber und jetzt kommt das große “Aber”: So ist das nunmal. Das ist ein völlig legitimes Mittel im Fußball, der Kampf ist ein Teil des Spiels und wenn ich dem Gegner Kopfschmerzen bereite, weil ich destruktiv bin und das funktioniert, dann ist das eben so. Da muss dann eine Lösung gefunden werden und das ist eine Aufgabe für die spielstärkere Mannschaft. Wenn diese dann keine anbieten kann: Pech gehabt. Der effzeh spielte vor nicht allzu langer Zeit genau diese Art Fußball auch wenn ich mir einbilde, dass wir nie wirklich dreckig waren aber das kann subjektive Verklärung sein. Muss man mit klar kommen.

Und das gelang uns gestern nicht. Zwar waren wir sicher die bessere Mannschaft, hatten mehr Ballbesitz und mehr Möglichkeiten aber am Ende war das ertragslos und Augsburg hatte ebenfalls Chancen das Spiel per Last-Minute-Treffer zu entscheiden. Vielleicht ist das die größte Erkenntnis aus diesem Spiel: Der “alte” effzeh hätte wahrscheinlich 0:1 verloren, hätte sich eine Unaufmerksamkeit geleistet, die durch (ziemlich sicher) Altintop bestraft worden wäre. Ist aber auch nicht passiert und so teilen wir uns halt die Punkte, blicken missmutig in den Brotschrank und kauen wütend in den Abend.

Solche Spiele gibt es, solche Spiele musst du auch mal verkraften, es ist ja nicht so, dass wir aktuell auf tönernen Füßen stehen würden, es ist ja alles gut.

Zum Spiel vielleicht nur noch ein paar Anmerkungen:
– Jonas Hector hat mir in seiner zentralen Rolle nur mittelmäßig gefallen. Es wurde besser mit der Zeit aber es waren viele unsaubere Anspiele dabei, der Spielaufbau durch ihn war recht eindimensional. Höger hat dann wenigstens mal versucht die Außen einzusetzen, das kam bei Hector so gut wie nie vor. Dazu ziemlich viele Risikopässe, die Mitspieler in Bedrängnis brachten und oft zu direkten Ballverlusten führten. Eventuell ist hier eine Diskrepanz zur Nationalmannschaft, wo diese Anspiele verwertet werden können. Muss man mal beobachten aber da geht noch was.

– Simon Zoller mit fürchterlich fahrigem Spiel. Er hatte große Probleme mit dem Spielgerät, kein Ball wurde sauber gestoppt, dadurch keine Zeit zum kontrollierten Spiel sondern mehr Gestocher und Kampf.

– Yuya Osako nach 70 Minuten völlig mit den Kräften am Ende, er stolperte nur noch über den Platz. Die Auswechslung kam zehn Minuten zu spät.

– Rudnevs komplett wirkungslos. Keine Bindung zum Spiel, wirre Laufwege. Überhaupt die Auswechslungen: Diesmal bin ich anderer Meinung als Peter Stöger. Ich hätte für Höger Salih Özcan gebracht (und erst recht vor Marcel Hartel) aber gut, wer bin ich denn? Stöger wird sich was gedacht haben. Osako auf die Sechs zu ziehen hat einen ziemlichen Bruch ins Spiel gebracht.

So haben wir dann Anfang Dezember 22 Punkte auf dem Konto, haben aber auch ein knackiges Restprogramm in der Hinrunde: Nächste Woche in Hoffenheim, dann kommt der BVB nach Köln, auswärts in Bremen, zu Hause gegen Leverkusen und als erstes Spiel im neuen Jahr muss der effzeh nach Mainz. Wenn wir aus diesen 5 Spielen, sagen wir mal sieben Punkte holen würden, dann hätten wir zum Abschluss der Hinrunde 29 Zähler auf dem Haben-Konto und wären ziemlich sicher auf Kurs Europa.

Da. Ich habs gesagt. Europa.

Ja, ich weiß, es ist zu früh, es kann noch alles ganz anders kommen und die vielen Verletzen machen die Sache nicht einfacher aber die ganz großen Sorgen, wie, sagen wir mal der HSV, die haben wir ja aktuell nicht. Da kann man dann schon mal den Gedanken freien Lauf lassen.

Ich guck jetzt mal ob ich noch etwas von dem leckeren Hummersüppchen eingefroren habe und wenn nicht: Schwarzbrot hab ich immer im Haus.

Come on effzeh!

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Bockcast #067

Nach dem grandiosen Derbysieg spreche ich mit Thomas über… naja… halt über den Derbysieg. Aber natürlich gehen wir auch etwas tiefer, stellen die Abwehrfrage, schauen bang auf die Verletztenliste und wagen einen Blick auf das nächste Heimspiel gegen Augsburg.

Viel Spaß beim hören.

Die angesprochenen Podcasts:
Auf die Zirbelnuss (FC Augsburg)
Vollraute (BMG)

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Gladbach – FC: Hück steiht die Welt still

Als Manuel Gräfe zur Halbzeit pfiff, standen wir still von der Couch auf, gingen auf den Balkon, guckten uns niedergeschlagen an und gingen wortlos im Kreis wie eine eingeschnappte Präsidentschaftskandidatin, die nicht ihren Willen bekommen hat. Es fing an zu regnen und der Himmel flimmerte grau in grau vor unseren Augen. Schwer lagen die ersten 45 Minuten des Derbys auf unserer Seele. Wäre uns in diesem Moment Vergil begegnet, er hätte keinen Rat gehabt. Die Borussia hat uns dominiert, hat uns Grenzen aufgezeigt, hat mit dem 1.FC Köln praktisch gemacht, was sie wollte. Sie waren uns in allen Belangen überlegen, kombinierten sich traumwandlerisch sicher durch unsere Reihen, die als solche kaum zu erkennen waren und hatten Chancen für vier, fünf Tore. Der effzeh sah nach einem Spielball aus, nach einem Wollknäuel, das einer sehr großen Katze zum Amüsement gereicht wird. Es herrschte pures Chaos in der Zuordnung, es fand kein Aufbauspiel statt, die Zweikämpfe wurde allesamt verloren, es war zum heulen.

“Gut”, durchbrach Freund Stefan die triste Stille, “immerhin sind wir nur mit einem 0:1 in die Pause, es kann ja nur besser werden”. Hitzige Diskussionen folgten, ob dem Sinn oder Unsinn einer neuerlichen Systemumstellung, warum die Dreier- respektive Fünferkette nicht greift, warum wir uns auf den Außen sowohl vorne als auch hinten wie eine Kindermannschaft anstellten, woher die Ungenauigkeiten und die merkwürdige leidenschaftslose Spielweise herrührt. Obwohl leidenschaftslos vielleicht sogar das falsche Wort ist, ich weiß es nicht mehr so genau.

Zurück im Wohnzimmer, die zweite Hälfte begann, wurde die Stimmung noch ein wenig gedrückter, denn Rudnevs durfte das Spielfeld betreten. Matthias Lehmann hatte sich verletzt, wie heute mitgeteilt wurde handelt es sich bei ihm um einen Bänder-Teilabriss, der einen mehrwöchigen Ausfall bedeutet. Wir müssen nicht viel Phantasie haben um auch hinter das Kalenderjahr von Matze Lehmann einen Haken zu machen. Im Moment haben wir echt die Seuche. Viel mehr Leistungsträger dürfen nicht ausfallen, denn der Kader ist leider nicht so breit, dass wir das immer kompensieren können. Bittencourt, Horn, Maroh und jetzt Lehmann tun uns halt schon richtig weh.

Jetzt also Rudnevs, der schon zwei Mal im Abseits stand, bevor Borussia Mönchengladbach überhaupt aus der Pause zurück kam. Junge, Junge…

Mit der Umstellung kam etwas Ordnung in das Kölner Spiel, die Räume wurden enger, der Ball zirkulierte nicht mehr so leicht wie noch zu Beginn durch die Reihen der Fohlen und es gab tatsächlich sowas wie ein Umschaltspiel. Das Spiel wurde auf die Außen verlagert, es fand der Versuch statt die Spitzen mehr ins Spiel zu bringen aber alles war immer noch durchzogen von Abspielfehlern und Ungenauigkeiten. Viele einfache Bälle, die den eigenen Abnehmer nicht fanden, wir waren immer noch konsterniert.

Eine halbe Stunde noch. Mach was, effzeh. LOS!

Dominique Heintz, der bis dahin ein Spiel abgeliefert hat, das mit fahrig nur unzureichend beschrieben ist (er war mehr das fußballerische Äquivalent zur “Frisur” von Boris Johnson als ein Abwehr-Stabilisator) pöllt das Ding in Richtung Modeste, doch Vestergaard ist zur Stelle und köpft den Ball…

…genau auf den Schädel von Tony. Der Ball findet das kurze Eck, Sommer kann nichts machen, Ausgleich. Die Umschreibung “aus dem Nichts”, die in diesen Situationen gerne genommen wird, ist diesmal fast schon richtig. Das Tor stellte den Spielverlauf komplett auf den Kopf auch wenn es “nur” der Ausgleich war. Mehr spielerisches Vakuum als der 1.FC Köln bis zur 60. Minute bot, geht eigentlich gar nicht. Aber, dies zur Lehre, Borussia: Selbst in den eher schlechten Spielen des effzeh darfst du als Gegner deine Chancen nicht liegen lassen. Jedenfalls aktuell nicht. Das Team bestraft Nachlässigkeiten gnadenlos. Wie auch immer sie dies machen, was auch immer der Grund dafür ist. Es ist nicht mehr mit purem Glück zu erklären, dafür passiert es viel zu regelmäßig.

In der Folgezeit, wir saßen auf einmal wie elektrisiert auf dem Sofa, wurde das Spiel offener aber immer noch, das muss man einfach zugeben, mit leichten Vorteilen für Gladbach. Auch die Qualität der Chancen war auf der Gegenseite größer, doch Thomas Kessler lieferte als Ersatz für Timo Horn eine fantastische Leistung ab, hielt das Unentschieden mit zwei Weltklasse-Paraden gegen Stindl und Johnson fest, strahlte Sicherheit und Souveränität aus und ließ mich, stände ich jetzt vor ihm und hätte eine Mütze an, diese ziehen und eine tiefe Verbeugung machen. Es freut mich kolossal für Kess, der die personifizierte FC-Seele zu sein scheint. Dass er einen wahnsinnig großen Anteil an dem Sieg hatte, ist das Sahne-Tüpfelchen auf der effzeh-Buttercreme-Torte. Die Cocktail-Kirsche auf dem Eisbecher, die Senfsauce zu den Chicken McNuggets. Träumchen.

So geht es in die letzten Minuten und wir sitzen mittlerweile wieder stumm vor dem Gerät. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, ab und zu ein leises Aufstöhnen, ein nervöser Blick auf die Uhr. Bitte, bitte, lass es vorbei sein. Wenn wir mit dieser ersten Halbzeit einen Punkt aus Gladbach mitnehmen, was soll uns da noch passieren? Wie hab ich eigentlich getippt? Will noch jemand ein Bier? Verdammt, der Kaffee, ich muss mal auf Toilette. Wie lange ist Nachspielzeit? Drei Minuten? Drei verdammte Minuten noch. Mach schon, flööt aff.

Eyy! Freistoß. Gut, bringt Zeit. Komm Risse, wie gegen Hoffenheim. Haha. Verdrängungslachen im Plenum. Freund Stefan fragt Freund Christoph ob es okay wäre, wenn der Wohnzimmer-Glastisch, an dem wir sitzen beim nun folgenden Torjubel kaputt gehen könnte. Christoph weist auf eine kleine Stelle am anderen Ende des Tisches hin und verneint die Frage. Nö, passt schon. Salih Özcan tippt den Ball an, bis zum Tor sind es gute 30, 35 Meter…

Mittlerweile ist es Nacht geworden. Wir stehen an der Theke im Partykeller, feiern den Geburtstag von Freund Christoph und lachen, trinken, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Immer wieder gehen wir diese eine Szene durch. Immer wieder sehen wir den Ball flattern, immer wieder von neuem fallen wir uns in die Arme. Hürens, wie hat der effzeh jespillt? Wor dat hück? Hann die jespillt? Jo, ich weiß et nit. Ens luure. Och, luur, hann jewunne. Irgendwann findet jemand auf seinem Handtelefon die Live-Schnipsel von Radio Köln. Guido Ostrowski berichtet in Echtzeit von seinem Herzinfarkt:

Und dann geht die Nacht in den Morgen über, wir laufen durch leere Straßen nach Hause und können es immer noch nicht fassen. Wie hat der effzeh dieses Spiel nur gewonnen? Wie kann das nur sein? Wir sind unzerstörbar und uns gehört die Welt. Zwei zu eins im Derby. In Gladbach, der erste Sieg seit Milivoje Novakovič (übrigens aus ähnlicher Position und auch mit ablaufender Spielzeit) Jos Luhukay gefeuert hat. Am Montag werden wir alle im Trikot auf die Arbeit gehen, denn in jedem Büro in Köln gibt es immer mindestens einen Gladbach-Fan. Wir werden strahlen ob der Pein des Kollegen und werden generös sein bei der Nachbetrachtung. Ja, eigentlich war Borussia die bessere Mannschaft, aber weisste was? Im Fußball gibt es keine B-Note und wenn euer Trainer in der 89. Minute, im Derby, zu Hause, bei Unentschieden, Jantschke für Dahoud bringt, vielleicht habt ihr es dann auch nicht anders verdient. Das muss dann auch mal gesagt werden.

Sei es wie es sei, der effzeh hat das Derby gewonnen, ich strahle mit Tschernobyl um die Wette und alles ist rosarot.
Leev dr Moment, ne Augebleck
Denn dä kütt nie mieh zoröck
Für uns steiht de Welt hück still

Come on effzeh!

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Back for Good

Turbulente Tage waren das jetzt. Wie die meisten von Euch mitbekommen haben, war der Blog down, da der Hoster nicht bezahlt wurde. Ja, ja, ich weiß, kann man besser planen, kann man sich früher drum kümmern, kann man sich cleverer anstellen. Ich wurde dafür schon ausführlichst gerügt und nehme die Kritik auch an.

Was war passiert?

In den letzten paar Wochen kamen einige Kosten auf mich zu, die ich so nicht einkalkuliert hatte, es gab (und gibt) am Haus eine kleine Baustelle, das Auto, dazu Zahnarzt-Rechnungen und das alles in der gleichen Zeit wie Grundbesitz-Abgabe, Hausrat und tausend andere, kleinere Dinge, fällig waren. Ganz simpel: Ich hatte einfach nicht die Kohle um den Hoster zu bezahlen, der von all den aufgeführten Kosten der unwichtigste Punkt auf der Liste ist. Ist zwar doof, ist aber so.

Jetzt geh ich ja nicht blind durch die Welt und mir ist schon klar dass die Konsequenz eine Sperre sein würde, nur habe ich das in Kauf genommen. Gründen stehen oben. Ich hatte halt ein wenig drauf gehofft, dass ich mich durch den Monat quälen kann und dann mit frischem Geld die Rechnung ausgleichen kann aber… nunja… der Hoster hatte eine andere Vorstellung von „kurzfristig“ und das ist auch in Ordnung so. Also war er weg, der Blog.

Da ich nicht wirklich wusste ob der Blog, die Datenbank, die Domain zum Zeitpunkt meiner möglichen Nachzahlung für mich überhaupt noch verfügbar sein wird, wollte ich mich von Euch, liebe Leser, liebe Hörer verabschieden. Ich schrieb es etwas lakonisch und ohne Hintergedanken: dervierteoffizielle is no more…

Was dann passierte wird Sie verblüffen… klicken Sie hier für die ganze Story…

Nee, ich erzähle es Euch. Innerhalb von einer guten halben Stunden kamen dutzende Privat-Nachrichten, WhatsApps, Zeugs halt mit der Frage wie man helfen könnte, ob ich Webspace bräuchte, ob und wie es die Möglichkeit zum spenden gibt usw. Das war schon einigermaßen überraschend, wenn man sich die sonstigen Interaktionen hier im Blog anschaut, die eigentlich kaum vorhanden sind.

Nach einigem hin- und her-getexte (vornehmlich mit Florian aber auch mit anderen guten Menschen) habe ich mich dann entschieden mein PayPal-Konto nochmal zu verlinken. Eigentlich war es mehr so ein „naja, schaden kann es nicht“ Moment als alles andere, denn ich habe weiterhin nicht vor mein komplettes Privatleben vor Euch auszubreiten. Ich bin zwar schon bis zu einem gewissen Maß offen aber es gibt dann doch Dinge über die man nicht unbedingt reden muss. Eine persönliche finanzielle Situation ist eine davon. Natürlich freue ich mich jederzeit über Unterstützung aber dieses komplett nackig machen, vor aller Welt ist dann doch eine andere Sache. Ich habe mich jetzt dafür entschieden, weil die Reaktionen eben überwältigend waren und ich auch nicht borniert wirken wollte und einfach alle guten Ratschläge als “Jetzt isses zu spät” abzukanzeln. Es war sicher eine Aktion auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Jetzt, im Nachhinein ist es mir sogar noch eine Spur unangenehmer als am Montag, denn…

…was soll ich sagen? Bis zum Abend hatte ich fast 400 Euro auf dem PayPal-Konto. Ich saß einigermaßen verblüfft und fassungslos vor dem Rechner und musste das erstmal sacken lassen. Viel geschlafen habe ich nicht in der Nacht. Wie kann ich den –teilweise- wildfremden Menschen danken? Wie gehe ich mit dieser Art Zuspruch und Unterstützung um? Ich weiss es ehrlich gesagt immer noch nicht.

Ich bin ratlos aber dankbar. Ich habe keine Ahnung, ob ich den Vertrauensvorschuss, den ihr mir durch eure Spende gegeben habt bedienen kann. Ich werde mir Mühe geben!

In einem anderen Blog-Eintrag werde ich auch noch auf Spenden- und Kostenloskultur, Blog- & Podcasts-Überleben und –Sterben und das große Ganze eingehen aber das wird wohl erst in den nächsten Tagen kommen. Heute möchte ich einfach nur Danke sagen.

Lieber / Liebe Jakob, Hilke, Dirk, Nadine, Guido, André, Philipp, Thomas, Christoph, Beate, Denis, Sascha, Tobias, Marion, Christian, Marc, Thomas, Daniel, Yalcin, Alex, Mirco, Sören, Sebastian, Christian, Thomas, Verena, Philipp, Eintracht-Podcast, Ursula, Gabriele, Maximilian, Gerd, Fabian, Stephan, Matthias, Thomas, Manuel, Jan:

Auf Euch!

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Frankfurt – FC: Murmeltiertag

Früher waren die Spiele in Frankfurt eher ganz gut, wer den letzten Eintracht-Podcast gehört hat, kennt meine Geschichte zum 5:1 des effzeh im alten Waldstadion. Ich fuhr ganz gerne an den Main, weil es ein Old-School-Fußballspiel versprach, zwei große Fangruppen, die sich nicht sonderlich mögen, zwei Mannschaften, die seit Dekaden ihren Erfolgen hinterherhecheln und meistens ein guter Ausgang für den effzeh.

Tja, das Blatt hat sich gewendet. Den letzten Sieg in Frankfurt holten wir 2011, seitdem gab es dort nichts mehr zu holen. Wird die Eintracht unser neues Kaiserslautern?

[Einschub] Wir schauten gestern im TV kurz die Zweitliga-Konferenz und waren angemessen schockiert als die Bilder aus Lautern über den Bildschirm flimmerten. Gegen Union Berlin und das Stadion sieht aus als sei es Kulisse für eine Dystopie, für einen Blick in die Zukunft des modernen Fußballs. So leer, so unwirklich. Jetzt ist es kein großes Geheimnis, dass der 1.FCK nicht mein Lieblingsverein neben dem effzeh ist aber das tut selbst mir weh, wenn diese frühere Festung Betzenberg, was sie unbestreitbar war, langsam aber sicher verrottet, wenn sich niemand mehr für sie und den in ihr spielenden Verein interessiert. Das liegt natürlich an jahrelanger Fehlwirtschaft, am internen Dilettantentum etc. aber letztlich ist ja egal was die Krankheit ausgelöst hat, jetzt ist sie da und sichtbar ausgebrochen. Ich hoffe tatsächlich dass noch ein Gegenmittel gefunden wird, denn ich hab doch lieber einen Spieltag, wo ich morgens schon mit Hass aufwache, weil ich weiß dass mich der Fußball heute packen wird wie nichts gutes, statt so belanglose Scheiße wie sie uns heute in der Bundesliga an 26 von 34 Spieltagen vorgesetzt wird.

Zurück zum Thema: Also, ich fahr’ nach Frankfurt weil ich mich mit Basti verabredet hatte, weil ich ein paar Leute wiedersehen bzw. kennenlernen wollte, die ich nur über soziale Medien kenne, weil ich mich schon ein wenig auf das Spiel gefreut habe, auf die Atmosphäre im neuen Waldstadion, auf ein gutes Spiel zwischen zwei Mannschaften, die deutlich über den Erwartungen in die Saison gestartet sind, weil ich gespannt war wie Peter Stöger gegen das enorm aggressive Heimspiel-Pressing der Eintracht antreten lässt und… naja, das sind ja Gründe genug.

Nach einem beherzten Frühstücksbierchen im Hause Red traf ich vor dem Spiel ein paar Frankfurter, mit denen ich ausnahmslos freundlich und ungezwungen reden konnte, nette Leute, mit denen ich jederzeit wieder ein Bier trinken würde. Besondere Grüße an dieser Stelle an GonzoSGE SGE_Gonzo, Der Vatta und s’Nadinsche.

Leider sahen ein Teil der Frankfurter und Kölner Ultras / Hools die Vor-dem-Spiel-Aktivitäten etwas sportlicher als ich, man hörte von ca. 400 Personen, die sich in Alt-Sachsenhausen einen modernen Fünfkampf geliefert haben sollen. Scheint mittlerweile auch Tradition zu werden. In Köln ging es auf die Zülpicher Strasse, in Frankfurt in die Kleine Rittergasse. Man redet ja nicht umsonst von Amüsier-Vierteln, ne? Junge, Junge…

Die Konsequenz aus diesem Treffen durfte dann im Stadion erlebt werden. Eine hyper-aggressive Polizei, die ohne Rücksicht auf Verluste durch alles durchrotzte, was im Weg stand. Ein konkretes Beispiel, was ich aus ca. 2 Meter Entfernung miterleben durfte: Vor dem Auswärtsblock (20), standen um 17:50 Uhr ca. 300 Menschen um entweder Einlass zu begehren, auf Toilette zu gehen, ein Bier oder eine Wurst zu kaufen, eine Zigarette zu rauchen, sich zu treffen, zu quatschen, was auch immer. Wie vor jedem Spiel, in jedem Stadion dieser Welt. Es war eine völlig entspannte Situation, Eintracht Fans liefen in ihren Farben ohne Probleme vorbei bzw. durch die Kölner Fans, es gab keine Provokationen oder sonst irgendwas. Auf einmal, wie aus dem Nichts, kommt die schwarz uniformierte Kampftruppe angerannt, pflügt durch die Massen, die am Eingang standen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Leute die die Treppen heruntergefallen sind (zum Block muss man aus dem Stadionumlauf ein paar Treppenstufen hoch, da standen natürlich auch Leute. Die lagen jetzt größtenteils am Boden), mindestens ein weinendes Kind (Mädchen, ca. 7 Jahre alt), wobei ich nicht weiß was ihr passiert ist, sie sah nicht verletzt aus. Auf dem Boden lagen überall Bierbecher und angefressene Würste und überall entsetzte Gesichter. Als sich die Situation nach ca. 2 Minuten wieder einigermaßen beruhigt hatte, ging das gleiche Spiel in entgegengesetzter Richtung wieder los. Die Polizei kam aus dem Block, hatte einen Kölner Fan am Schlafittchen, pöhlte wieder durch alles durch, was nicht bei drei auf dem Baum war um eben jenen Kölner Fan am Stadionumlauf zu verhaften. Die Aggression, die Rücksichtslosigkeit, die dabei von den Beamten an den Tag gelegt wurde, habe ich so seit langer, langer Zeit nicht mehr erlebt. Es spielte überhaupt keine Rolle ob Kinder oder Frauen im Weg standen. Man muss sich das wie einen sehr unlustigen “Wir-sind-dumm-wir-rennen-alle-um”-Mob vorstellen. Wie die Römer, die zum Antreten gegen die Gallier gerufen werden. Es war eine Situation, die mich fassungslos zurück ließ. Den einen Typen hätten man sicher auch ohne diese Gewalt (ja, es war eindeutig Gewalt gegen Unbeteiligte) aus dem Stadion entfernen können. Man hätte deeskalierend handeln können, man hätte sich gottverdammt nochmal wie normale Menschen benehmen können. Haben sie aber nicht. Die Polizei hat ihre Gewaltherrschaft (wieder einmal) rücksichtslos ausgenutzt. Und meine persönliche Sicherheit hat sie nicht geschützt. Die Damen und Herren hatten ihren Spaß dabei, das steht für mich außer Frage. Und es soll mir niemand mit Gefahr-im-Verzug oder irgend einem anderen Bullshit kommen, das war eine reine Macht-Demonstration gegenüber Menschen, die sich nichts anderes zu Schulde haben kommen lassen als ein Fußballspiel zu besuchen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Polizei. Wie kann man die Hundertschaften noch in Schutz nehmen? Ich meine wir lesen jede Woche von solchen Vorfällen, quer durch die Republik, es ist ja nix neues mehr aber das dann nach vielen Jahren nochmal selbst mitzuerleben ist dann schon was anderes. Dein Freund und Helfer. Am Arsch.

Einigermaßen konsterniert bin ich dann zu meinem Platz.

Über das Spiel selbst habe ich gar nicht so viel zu schreiben. Die Eintracht wie erwartet sehr aggressiv, starkes Pressing in der ersten Hälfte, hohes Tempo in der Bewegung nach vorne, die ungeordnete Abwehr (Maroh fehlt schon sehr) ein ums andere Mal überlaufend mit verdienter Halbzeitführung. Nachjustierung durch Peter Stöger, Zoller für Rausch, mehr Tempo, bessere Organisation, engere Räume, viele Chancen zum Ausgleich, diesmal kein Glück, Mund abputzen weitermachen.

Man kann dem effzeh einiges in diesem Spiel vorwerfen. Die Ungenauigkeit im Aufbauspiel, besonders in der ersten Halbzeit, die mangelhafte Raumgestaltung, die fahrigen Offensivbemühungen, die -mich-zur-Weißglut-treibenden Abspielfehler. Okay. Aber wenn man dieser Mannschaft eins nicht abstreiten kann, dann ist es der absolute Wille ihre gemachten Fehler zu korrigieren. Die zweite Halbzeit sah schon wieder sehr gut aus und wenn man ehrlich ist, hätte auch hier (genau wie in Berlin) ein Unentschieden kein ungerechtes Endergebnis ergeben. Ich hatte ein wenig die Hoffnung, dass die SGE so ab der 60.-70. Minuten die Kräft verlassen, das ist aber nicht in dem Maße passiert, wie ich es mir wünschte. Ja, der effzeh hatte mehr Räume, es wurden die Außen effektiver angespielt, es kamen ein paar Flanken und Zuspiele in die Spitze an aber die Eintracht ging weiter stark auf den ballführenden Spieler, doppelte Modeste konsequent bis zum Ende und ließ so wenig Platz für Überraschungen. Dass der effzeh dennoch zu einigen, teilweise hochkarätigen, Chancen kam, spricht wieder für unsere Mannschaft. Ab und an fehlt halt mal das letzte Quäntchen Glück. Aufgrund der ersten Halbzeit können wir uns im Gegenzug aber auch nicht beschweren. So Spiele gibt es halt.

Weiterhin auffällig: Peter Stöger setzt auf Sehrou Guirassy statt Rudnevs, was ich vorbehaltlos begrüße (er wechselte nicht mal mehr den dritten Spieler ein, ich tippe und hoffe immer noch, dass Rudnevs im Winter ausgeliehen wird. Zu Union Solingen oder so…). Guirassy orientierte sich neben Modeste in die Spitze, hatte einige gute Laufwege aber noch etwas Tempo-Probleme. Wenn er mal den Ball hatte, war dieser schnell wieder weg, weil er nicht mit dem Tempo der Gegenspieler mitkam. Da muss er sich verbessern aber dafür ist er ja auch noch jung und beim richtigen Verein und Trainer.

Tja. Und das war das.

Nach dem Spiel trafen wir im Stadion noch Frau Alex vom Eintracht-Podcast, die Pia (ich hoffe ich habe mir den Namen richtig gemerkt :-)) vom Eintracht Museum, einen überragenden drei90-Hörer, der mir bitte nochmal seinen Namen und ein Bild für die Wall of Fame schicken soll und machten uns dann mit ca. 200 km/h auf durch Frankfurts enge Gassen zurück ins Nordend. Der Abend ging dann nach einer kleinen Taxifahrt in Sachsenhausen recht schnell zu Ende, weil wir doch etwas fertig von den Ereignissen das Tages waren. Kann passieren, war trotzdem ein geiler Tag. Wenn man die Polizei mal vergisst.

Jetzt ist Länderspiel-Pause (Juchu, genau das, was die Leute wollen!) und dann geht es -wieder auswärts- nach Gladbach, die im Moment auch aus dem letzten Loch pfeifen. Mal gucken.

Come on effzeh!

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Berlin – FC: Im Moloch

Als der Abend in die Nacht überging, der Morgen zwar noch nicht graute aber das letzte Tageslicht lange seinen Weg über den Atlantik angetreten hatte, standen wir in einer Mischung aus Klein Köln und Venuscellar in Berlin, tranken einen Absacker und fluchten weiter vor uns hin, ob der Ungerechtigkeit der Welt, dem Elend des Daseins und überhaupt. Plötzlich und ohne Vorwarnung spielt der “DJ” ein Lied von Frida Gold (zugegeben, ich musste das googlen) und Silkes Risse-Trikot überstrahlte die Tanzfläche. “Wovon sollen wir träumen” schallte es aus den Boxen und dieses Bild eines effzeh-Trikots mit diesem Liedtext im Hintergrund hat sich sofort eingebrannt. Ja, verdammt, wovon sollen wir träumen? Ich weiss es doch auch nicht.

Die erste Niederlage der Saison kommt in Berlin. Nicht ganz unerwartet (Ibišević!), nicht ganz unverdient, dennoch unnötig, am Ende unglücklich und trotzdem ohne Schrecken und Qual, denn zum einen ist der Druck jetzt erstmal weg, zum anderen trat der effzeh nicht wie eine Mannschaft auf, der ich es nicht bis zur letzten Minute zugetraut hätte das Ding noch drehen zu können. Zu gewaltig ist im Moment das Vertrauen in dieses Team, als dass ich jetzt in einen Grumpy-Mode verfallen könnte, weil mal nicht alles 100% funktioniert hat. Das gehört bei einer generischen Mittelfeldmannschaft wie dem 1.FC Köln halt auch mal dazu.

Dennoch ärgert man sich ja. Hoffentlich ist das im allgemeinen Tenor noch nicht verboten. Dass Mitchell Weiser den Ball vor dem 1:0 mit der Hand mitnahm, dass der Schiedsrichter pfiff, als käme er vom Basketball, nur vor eben jenem 1:0 im Mittelfeld weiterlaufen liess, dass Simon Zoller nur den Pfosten traf, dass Rudnevs in der letzten Sekunde wegen nichts und wieder nichts zurückgepfiffen wurde, dass die Hertha das kleinliche Gepfeife zu spektakulärem Bodenturnen nutzte, dass vor dem 2:1 ein unnötiges Foul passierte (oder wenigstens gepfiffen wurde), dass die Zuordnung nicht immer gestimmt hat, dass die Ball- und Pass-Sicherheit nicht da war… hab ich was vergessen? Natürlich ärgert mich das bis zum-geht-nicht-mehr, ist doch klar.

11Aber deswegen bin ich ja noch lange nicht unzufrieden. Auch wenn es ein Spiel war, dass eher untypisch für den 1.FC Köln der Saison 2016/17 (bisher) war. Von Beginn an stimmte irgendetwas nicht. Für mich sah es so aus, als seien die Zuspiele nicht mit der letzten Sorgfalt ausgespielt worden, man kam nicht in die Zweikämpfe (auch weil wirklich jeder Zweikampf abgepfiffen wurde), die Hertha hatte zehn Meter vor der Mittellinie zu viel Platz und konnte dadurch immer wieder gut auf die Aussen verlagern und die Zuordnung bzw. die Übergabe in der Rückwärtsbewegung war auch nicht immer flüssig. Es ist also nicht so, dass wir uns jetzt auf Schiedsrichter-Schelte einstellen sollten (auch wenn das sicherlich nie falsch ist, bei so vielen Fehlentscheidungen, die wir noch gut haben), sondern müssen uns eingestehen, dass das Spiel, vom reinen Leistungsstandpunkt aus betrachtet gar nicht unverdient verloren ging. Mir kam Berlin immer einen Ticken bissiger, genauer und cleverer vor. Vielleicht ist der letzte Punkt der entscheidende. Es war ja nicht so, dass Hertha ein Feuerwerk abbrannte aber sie nutzen halt die kleinliche Linie des Schiris geschickt aus und waren im richtigen Moment zur Stelle, waren einen Deut wacher und schneller im Kopf als der effzeh und schossen halt die Tore.

Doch und jetzt kommen wir auf die Gesamtsitaution zu sprechen, der effzeh ist aktuell nie geschlagen. Es gibt keine hängenden Schultern, es wird versucht das, was am Tag auf dem Platz vielleicht fehlt, mit Einstellung und Willen auszugleichen. Das imponiert mir selbst in der Niederlage. Dass eine gute Aktion immer kommen kann auch wenn es aus dem Nichts ist. Dass man als Gegner nie sicher sein kann, dass das Team von Peter Stöger nicht doch noch einen Weg findet, dir den Tag zu versauen und du deshalb immer und bis zur letzten Sekunde aufmerksam bleiben musst. Diese Erkenntnis, dass uns (im Moment jedenfalls) eigentlich nichts kaputt machen kann, die ist in der Niederlage eigentlich noch ein Stück weit beruhigender als nach einem 3:0 zu Hause.

Und so geht man dann aus dem Spiel, ärgert sich zwar aber guckt nach Vorne. Man lamentiert nur kurz um dann zu sagen: Joa, war halt so, heute, nächste Woche wird es wieder besser und wir werden daraus lernen.

Das ist ja auch so ein Punkt: Ich habe absolutes Vertrauen in die Lernwilligkeit der Mannschaft. Ich glaube fest daran, dass Fehler, seinen sie nun taktischer oder spieltechnischer Natur, sich nicht sonderlich oft wiederholen werden, weil wir dazu genau den richtigen Trainer haben. Weil sowohl Peter Stöger als auch das Team sich nicht mit Niederlagen abfinden will. Ich spüre in jedem Interview, in jedem Statement nach dem Spiel die Enttäuschung. Nicht mal so sehr über das Ergebnis, Niederlagen passieren nun mal, nein, über die eigene Leistung, die fast schon überkritisch analysiert wird. Man spürt die Lust der Jungs auf Erfolg, auf Siege, auf Tore.

Lasst uns das Spiel einfach als gegeben hinnehmen, lasst es uns auf die launigen Götter schieben oder auf ein oder zwei komische Schiedsrichter-Entscheidungen, lasst uns als Fans es vergessen aber die Mannschaft wird auch aus diesem Spiel ihre Lehren ziehen, wird es mitnehmen in die weitere Saison, wird durch diese Niederlage besser werden. Davon bin ich fest überzeugt.

Nächsten Sonntag kommt der HSV nach Müngersdorf und eigentlich, wenn man beide Mannschaften vergleicht, darf es keine Diskussionen um den Favoritenanspruch geben. Der HSV präsentiert sich diese Saison wieder mal wie der weidwunde Club der letzten Jahre, was ich aufgrund der Transferpolitik, der unsäglichen Arroganz vor der Saison (sowohl von Club- als auch von Fanseite) und dem Gesamtkonstrukt Kühne/HSV ziemlich lustig finde. Hoffentlich ballert der effzeh die weg wie nichts gutes.

Hoffentlich…

Das war es mit dem sportlichen, eine kleine Randnotiz noch: Ich war zum ersten Mal im Olympiastadion und fand es schrecklich. Davon ab, dass der Biergarten ganz nett war, auch wenn das Bier an sich eher nicht so gut schmeckte, war das Stadionerlebnis selbst eher doof. Der Einlass dauerte ewig, weil es zwar Eingänge ohne Ende gab aber nur zwei Abtaster, so dass sich ein Rückstau bis kurz vor Schloss Sanssouci bildete. Mann, Mann, Mann. Muss das denn sein? Eine Viertelstunde vor Anpfiff sah das Olympiastadion aus als würde gleich ein Leichtathletik-Sportfest stattfinden und der Veranstalter hätte vergessen die Freikarten an die Schulen zu schicken.

12

Achja: Von der Heimkurve hört man genau gar nichts. Hier muss ich nicht unbedingt wieder hin aber es wird sich wohl nicht vermeiden lassen, denn der DFB wird wegen mir seine Pokalfinal-Verträge nicht bearbeiten, nehme ich an. (Dieser Satz wurde 32 Stunden vor dem Zweitrunden-Spiel des 1.FC Köln gegen Hoffenheim geschrieben)

Und so bleibt von der Eingangsfrage eigentlich nur eine Antwort: Wir müssen gar nicht träumen, der effzeh macht das schon. Danke, Frieda Gold, war nett gemeint.

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Leserbrief aktuell

Gestern bekam ich mal wieder Post von einem Bockcast-Hörer. Das passiert nicht sonderlich häufig aber ab und an mal. Diesmal war es sogar eine sehr nette eMail mit viel Lob und dem Wunsch, dass der Bockcast eigentlich täglich kommen sollte (was ich für eine herausragend gute Idee halte aber leider, solange Westlotto mir weiterhin beharrlich den Jackpot verweigert, nicht umsetzen kann). So weit, so gut, ich hab mich gefreut, denn Rückmeldungen sind für einen Blog das Salz in der Suppe, die Währung, der Applaus auf der Bühne. Am Ende fragt mich der Hörer, warum ich denn nicht mal ein paar O-Töne in den Podcast einbaue? Vielleicht mal ein paar Sätze von Peter Stöger auf der Pressekonferenz oder ein Spieler-Statement. Er war nicht der erste, der das fragte. Sowohl bei Diskussionen im echten Leben über den Podcast als auch über Twitter und Kommentare kommt es ab und an zu der Frage. Mach doch mal was mit… Der Millernton hatte letztens Rettig da, wär das nicht mal was für Dich… So Sachen halt.

Jap. Würde ich furchtbar gerne machen aber ich darf es leider nicht. Der 1.FC Köln erlaubt es mir leider nicht. Ich bin kein Journalist, ich verdiene mit dem Blog nicht mein Geld, bin nicht in einem Journalisten-Verband Mitglied, habe keinen Presseausweis und daher auch nicht die Möglichkeit an Pressekonferenzen teilzunehmen, Spieler zu interviewen oder im Stadion sonst wie “aktiv” zu werden. Das ist zu respektieren, denn der Fußball zieht halt eine Menge Interesse auf sich und die Kapazitäten sind begrenzt und das Argument “da könnte ja jeder kommen” stimmt ein bisschen. Die erste Fußball-Bundesliga kannste nicht wirklich mit z.B. einer Baseball-EM vergleichen.

Glaubt mir, ich versuche es jedes Jahr aber die Ablehnungs-Antworten werden auch von Jahr zu Jahr genervter. Ist mehr ein Spaß für mich um zu sehen, wie der effzeh reagiert. In Deutschland ist es eben so, dass nur “echte Journalisten” in den inneren Kreis der Berichterstatter kommen dürfen und damit ist es halt so. Ich bin da weder sauer drüber, noch mach ich dem effzeh einen Vorwurf, ich wollte es nur mal schreiben, damit die Hörer (und Leser) wissen, warum ich manches nicht machen kann und darf.

[Update] Thorsten Poppe schreibt mir auf Twitter, dass ich doch den Content der z.B. Pressekonferenzen von fctv nehmen könnte, also das Audio aufnehmen und einbauen. Sicher eine gute Idee aber das Bild- und Tonmaterial unterliegt lt. Homepage dem Copyright des 1.FC Köln und ist damit für mich nicht “so ohne weiteres” zu verwenden. Thorsten schlägt vor den effzeh zu fragen ob ich das denn benutzen dürfte. Könnte ich machen, mach ich aber nicht. Ich möchte kurz erklären warum: Der effzeh macht mir mit seinen Antworten zu meinen Anfragen sehr, sehr deutlich, dass er keinen Wert auf mich und meine Berichterstattung legt. Das ist noch nicht mal sonderlich verklausuliert geschrieben und nicht interpretationsfähig. Natürlich kann und werde ich die Antworten hier nicht wiedergeben aber glaubt mir einfach mal, dass ich alt genug bin zu verstehen, wenn ich einen Korb kriege. Das ist ja auch okay, wie oben geschrieben bin ich nicht gekränkt oder irgendwas in der Art aber auf der anderen Seite möchte ich mich dann auch nicht demütiger machen als unbedingt nötig und bettelnd vor dem 1.FC Köln im Staub zu kriechen. So wichtig isses dann auch nicht. Unabhängig davon, dass mich eine positive Rückantwort mehr als erstaunen würde 🙂

Nein, ich schrieb es eben auf Twitter und jetzt hier nochmal: Entweder der effzeh will meinen Content und hilft mir dabei ihn besser zu machen oder er will ihn nicht. Die Frage ist relativ schnell beantwortet und damit ist es halt so. Ich hoffe die Bockcasts machen aber auch ohne O-Töne Spaß, denn schließlich ist ja das der Sinn und Zweck des Ganzen hier: Spaß.

No hard feelings.[/Update]

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FC – Ingolstadt: Dräume

Eimol no Peking un eimol Hawai
Dann ens noh Sydney, für en Iwigkeit
Söke Jold en Alaska, drinke Wing en Bordeaux
Jon ze Fooss üver’t Wasser, bes Tokio

Mit ziemlicher Sicherheit wird Tommy Engel 1995 nicht an den 1.FC Köln gedacht haben, als er diese Zeilen für L.S.E. schrieb. Peking liegt ja auch gar nicht in Europa. Aber es passt ja dennoch. Gerade heute. Beim Blick auf die Tabelle kann ich doch als effzeh-Fan gar nicht anders als anfangen zu träumen. Nach Jahrzehnten des Darbens, der Nicht-enden-wollenden Demütigungen, nach Christian Dollberg und Lilian Laslandes, nach Latour, Overath, Hanutas und Liga-Spielen in Sandhausen, wie soll ich denn da ruhig bleiben, wenn ich auf diese Momentaufnahme blicke? Wie soll ich denn den Mahner geben? Nein, ich muss doch träumen, ich muss doch versuchen aus meinem eigenen zwangsneurotischen Gedankengefängnis auszubrechen und endlich wegzukommen von der Angst, dass alles den Bach runter geht. Es geht doch gar nicht anders, Herrgott.

Vor dem Spiel war es wie immer: Das ist der 1.FC Köln, es kommt der Tabellenvorletzte nach Müngersdorf, alles rechnet mit einem klaren Sieg, die Leistungen der letzten Wochen waren zu gut als dass man sich Gedanken über Punkteverluste machen sollte und ich sitze da und höre Stimmen aus einer anderen Galaxie, weit, weit entfernt: It’s a Trap! Admiral Ackbar lässt nicht locker. Er warnt und gestikuliert, er schürt die Panik und sorgt für einen trockenen Mund. Wir können dieses Spiel ja nur verlieren. Wir sind der 1.FC Köln. Wir werden einen Weg finden uns selbst in den Arsch zu treten. Auch mit Peter Stöger.

Wenn ich meinen Gemütszustand bei Anpfiff mit dem Anpfiff gegen Bayern erklärend vergleichen müsste, dann kann man sich das in etwa so vorstellen wie ein Urlaub am Strand (Bayern) gegen Scheisse schaufeln in der Hölle (Ingolstadt). Ich hatte so wenig Lust auf das Spiel. Nicht ursächlich wegen Ingolstadt (ein bisschen schon auch aber echt nur am Rande), sondern wegen der Konstellation. Nochmal: Wer kann denn damit rechnen, dass sich die Mannschaft einfach nicht um die historische Einbruchs- und Versager-Mentalität der letzten 25 Jahre kümmert? Dass sie einfach weitermachen? Dass es ihnen anscheinend egal ist? Vielleicht muss man dazu jünger sein? Vielleicht muss man seine effzeh-Seele noch nicht komplett in die Paint-it-Black-Ecke verschoben haben? Ich weiß es nicht.

“Morgen können wir beide überholen” schrieb Freund Christoph am Freitagabend in unsere WA-Selbsthilfegruppe, nachdem Dortmund und Berlin sich unentschieden trennten. Entrüstete Antworten, dass er doch bitte die Klappe halten soll, waren die Antwort. Wie kann man denn auf die Idee kommen, dass der effzeh die Vorlage der Konkurrenz nutzt? Du warst doch selbst dabei, in Essen, in Offenbach, in Bremen… Du weißt doch wie es kommt. Anscheinend ist Christoph ruhiger, weiser und schlicht nicht so verdammt pessimistisch wie ich.
Samstag saß ich zu Hause (Arbeit, Arbeit, Arbeit) und schaute ab und an auf Twitter und WhatsApp nach, wie denn die Stimmung ist. Irgendwie kam ich mir vor wie die Frauen, die ihre Männer in die Schlacht verabschiedet haben: Da gehen sie also, voller Stolz und Hoffnung und am Ende bleibt nur Bitterkeit.

Nein, ich wusste -tief in mir- dass es nicht passieren wird. Und es war okay. Ich hatte meinen Frieden mit der anstehenden Niederlage gemacht. Der Saisonstart ist ja dennoch überragend, wer hätte es denn gedacht, dass der effzeh so aus den Startlöchern kommt? Ich hatte sogar schon einen Überschrift für den Blog: “Es ist nicht alles Gol was glänzt”. Ich war ein bisschen stolz. Sicher, unausgesprochen bleibt da die Resthoffnung, dass der effzeh es vielleicht schafft mich nochmal zu überraschen aber das ist eher so ein Selbstbetrug, wie das dicke Kind dass sich die Cola light zum Big Mac mit Pommes und Mayo bestellt.

So saß ich also auf der Couch und horchte den weisen Worten von Marcus Lindemann. Zum Glück hatte ich schon zwei Liter Kaffee intus, so dass ich nicht auf der Stelle einschlief und die ersten zehn Minuten, in denen der effzeh mehr Ballbesitz hatte als in den letzten zwei Spielzeiten zusammen, einigermaßen ruhig und mit der Gelassenheit eines Pandabären (der immerhin auch weiß, dass er als Spezies am Arsch ist, sich das aber unter keinen Umständen anmerken lassen will) verfolgte. Ingolstadt stand tief, was in etwas so überraschend kam wie ein Regenschauer in Köln aber der 1.FC Köln machte das schon ganz gut. Der Ball lief flüssig, es wurden die Seiten gewechselt, man versuchte über die linke Seite Druck aufzubauen und irgendwie zum Abschluss zu kommen. Es fühlte sich an wie ein Zweitliga-Spiel unserer Mannschaft. Aber weder den Schanzern noch dem effzeh ist daraus ein Strick zu drehen, denn dass Kauczinski erstmal auf hinten-sicher-stehen-Ergebnisfußball spielen lässt ist verständlich und nachvollziehbar und dass Peter Stöger nicht von der ersten Minute an Hallodri-Hundert-Tore in die Taktik implementiert hat, dürfte auch klar gewesen sein. Es entwickelte sich also ein Geduldsspiel.

Immer noch sitze ich da und bin überzeugt dass irgendwer gleich patzt und Ingolstadt einen Konter zur Führung abschließt und danach mit elf Mann im eigenen Strafraum steht. Es lässt nicht los. Da kommt Dominique Heintz angerauscht und sieht aus als wäre er einem Sport-Goofy-Comic entlaufen. Die Arme schlackern, die weiten Schritte, die jede Sekunde einen Stolperer andeuten. Doch nichts passiert. Heintz klärt souverän und mit Übersicht, passt überlegt in die Mitte zu Lehmann, der neu aufbauen und das Spiel sortieren kann. Heintz lässt sich wieder etwas fallen (wahrscheinlich hat er ein “muah muah” in sich hineingegluckst), das Spiel geht unaufgeregt weiter.

Plötzlich und ohne Ansatz schrecke ich hoch. Lindemann eskaliert. Modeste hat den Ball in die Spitze gespielt bekommen, die Fahne des Linienrichters bleibt unten, er schießt und trifft. Aber Moment mal, das war doch Abseits. In Realgeschwindigkeit sah es so aus, als sei Modeste schon am Bistro auf der Aachener Strasse gestanden, als der Ball kam. Huch, da haben wir aber Glück gehabt. Gut, in der Zeitlupe sieht man dann, dass es etwas knapper war aber dennoch Glück, war Abseits.

Über mangelndes Fortune dürfen wir uns im Laufe des Spiel eh nicht beklagen. Dem Elfmeter für Osako (souveränst verwandelt von Modeste, muss man ja auch mal sagen) ging anscheinend eine Berührung des Balls mit dem japanischen Oberarm voraus auch wenn ich das immer noch nicht sehe. Ich hab mir die Zeitlupe bestimmt zehn Mal angeschaut und für mich kommt der Ball in dem Moment mit Osako in Berührung als dieser sich in Levels…

Exkurs: Dass Tobias Levels und Marvin Matip Bundesliga spielen ist für mich immer wieder ein Wunder. Es fühlt sich nach einer Disney/Pixar Story an, wo ein kleiner trauriger Geschirrspüler unbedingt Profi werden will aber aufgrund seines klapprigen Innenlebens von den anderen Küchengeräten (der Toaster, der Asi!) ausgelacht wird. Aber trotz aller Limitierungen, mit Herz, Leidenschaft und einer weisen alten Dunstabzugshaube als Mentor schafft er es dennoch in das Team. Das ist für mich Tobias Levels.

…reindreht und versucht den Ball mitzunehmen. Der kommt dann irgendwo im Bereich Schulter, Brust, Oberarm an aber ich sehe da kein Handspiel. Und da der Schiedsrichter dies genauso sah wie ich, beanspruche ich jetzt einfach mal, dass ich Recht habe. Basta. 2:0 für den 1.FC Köln und ich beginne wirklich, wirklich aufgeregt zu werden. Was würde passieren, wenn das wirklich passiert? Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott. Wir wären nach sieben Spieltagen mit 15 Punkten Zweiter in der Liga. Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott.

Ruhig. Noch sind 45 Minuten zu spielen, wir haben schon alles erlebt. Wisst ihr noch damals gegen…

Ja, damals. Ist noch gar nicht so lange her. Oder doch? Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit dass wir uns Woche für Woche über Stümpereien auf und neben dem Platz aufgeregt haben, denn es passiert kein Einbruch. Der effzeh spielt auch in der zweiten Halbzeit sehr souverän, hat in der Person von Tony Modeste Chancen auf das dritte, vierte und fünfte Tor aber die Voodoo-Künste von Andreas, der aus purem Neid und Mißgunst Modeste keine Tore mehr gönnt, verhindern eine komfortablere Führung. Schade.

So müssen wir nochmal zittern als es in der 90. Minute einen berechtigen Elfer für den FCI gibt (nachdem ihnen 20 Minuten vorher schon ein ziemlich klarer Elfer verweigert wurde) und es die letzten drei Minuten nur noch 2:1 steht.

Ich sitze schon lange nicht mehr, sondern tigere in einem Meter Abstand vor dem Fernseher auf und ab.

Pfeif bitte. Pfeif jetzt bitte ab. Wenn wir das jetzt noch verkacken, dann war alles umsonst, da waren 90 Minuten für die Katz, denn endlich hast du mich da, wo du mich hinhaben willst, effzeh: Ich glaube an Dich. Und jetzt, wo ich es endlich drin zu haben scheine, da willst du mir von hinten das Messer in den Rücken rammen? Wie kannst du nur so grausam sein?

Warum pfeift der denn nicht ab? Und jetzt auch noch Freistoß für Ingolstadt, 2:30 Min. der Nachspielzeit sind rum, da wird der Ball abgefangen und Rudnevs ist frei durch, er muss ihn nur… oh… Rudnevs tritt in den Rasen als wolle er im schottischen Hochland einen Torfbrocken ernten. Na gut. Dann eben nicht.

Einen Wimpernschlag später pfeift Tobias Welz tatsächlich ab und ich sacke auf die Couch. Mein Herz schlägt im Hals, der 1.FC Köln hat gerade am siebten Spieltag den FC Ingolstadt bezwungen. Ich kann dieses Gefühl tatsächlich mit nichts anderem vergleichen. Diese Mischung aus Erleichterung, Glück, Freude, Vorfreude, Unglaube und Träumerei, ich kenne keinen Vergleichswert. Das ist immer noch der Fußball. Und an diesem bin ich nie satt, wenn er denn vom 1.FC Köln gespielt wird. Es ist wie die Rückkehr einer alten Liebe, die man zufällig auf der Strasse sieht. “Hey, gut siehst Du aus, immer noch, nach all den Jahren. Wollen wir nicht mal nen Kaffee trinken gehen?” Und ehe man sich versieht steht deine Zahnbürste in ihrem Bad und alles ist gut. Das ist der effzeh im Herbst 2016.

Und all die Miesepeter da draußen, die uns jetzt wieder an den Karren pinkeln wollen, weil wir so verliebt in diese Mannschaft sind, weil wir so sehnsüchtig auf diese Zeit gewartet haben, weil wir von Baku reden und von Mailand und von Madrid, die jetzt wieder vom “kölschen Größenwahn” anfangen: Sucht euch doch mal ein anderes Hobby. Jeder effzeh-Fan kann einschätzen was hier gerade passiert. Ja, es ist eine Momentaufnahme, ja wir werden höchstwahrscheinlich am Ende nicht mit der Meisterschale durch Europa reisen, wohlmöglich und gar nicht unwahrscheinlich ist es eher, dass wir mit den internationalen Plätzen am Ende gar nichts mehr zu tun haben werden. Alles okay. Aber wie das in Köln so ist, wir leben immer im Hier und Jetzt, die Vergangenheit ist nur eine Geschichte entfernt und die Zukunft ist immer rosig. Aber gelebt wird jetzt und das Jetzt ist gut. Und wer, wenn nicht wir hat sich das verdient?

Nach Baku sind es 4102 km. Über Über Magdeburg, Posen, Lodz, Lublin, Kiew, Poltawa, Donezk, Rostow am Don, Georgijewsk, Soldatskaya, Machatschkala biste ratzfatz da. Kein Ding.

Jröss mer Hamburg an d’r Elbe un die Junge en Sing Sing
Ich schriev’ d’r en Posskaat no Kölle am Rhing
Versök nit mich ze finge, ben für immer verreis
Scheck ene Breef an die Stäne, do kumm ich manchmol vorbei

Come on effzeh!

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[Offtopic] Medienkonsum

Ich gucke ja eigentlich (bis auf Live-Sport und Nachrichten) kein TV mehr. Ich mag Formate wie die Reisereportagen auf ZDFinfo oder den Weltspiegel in der ARD sehr gerne aber auch da hole ich mir die Sachen aus der Mediathek, analoges TV ist in meinen Augen lange tot. Und wenn mir dann so eine Gängelung wie bei HD-Sendern vor die Nase gesetzt wird, die mir nicht erlauben will bei aufgenommenen Sendungen die Werbung vorzuspulen, naja, gut, dann gucke ich es halt nicht. Aber dennoch bin ich immer mal wieder ganz gerne in Filmen und Serien unterwegs. Und weil ich ja (besonders auf Twitter) immer wieder für meinen miesen Medien-Geschmack auf die Fresse kriege, kann ich es auch diesmal etwas ausführlicher machen und mich nicht an 140 Zeichen halten. Also, was war gut und was war schlecht in den letzten Monaten?

Fangen wir mal mit den klaren Tipps, die ich gesehen habe, an.

1.) Spotlight. Die Geschichte des Investigativ-Teams des Boston Globe (der übrigens abseits davon besonders für seine fantastischen Foto-Strecken immer einen Besuch wert ist) zum Pädophilie-Skandal im Bostoner Klerus. Wahnsinnig gut gespieltes Drama mit einem überragenden Mark Ruffalo (Die Stadt der Blinden, Shutter Island). Das Ensemble ergänzt sich wunderbar und die Geschichte wird spannend und detailverliebt erzählt. Sicher kein Wohlfühlfilm aber zurecht mit Oscars ausgezeichnet. Muss man eigentlich gesehen haben.

2.) The Short Game. The Big Short Wieder eine “wahre Geschichte” über den Immobiliencrash in den Staaten um faule Kredite und größenwahnsinnige Bänker. Ebenfalls gut gespielt, nicht mit der gleichen Intensität wie Spotlight aber immer noch gut. Kann man machen. (Frank weist im Kommentar auf den Fehler im Titel hin, ja klar, The Big Short. “The Short Game” ist eine Netflix-Doku über golfende Kinder – und deren Eltern. Geht so. Danke, Trainer!)

3.) The Night of (Serie). Großes Fernsehen von HBO. Nasir will auf ne Party, verfährt sich im gestohlenen Taxi seines Vaters, lernt Mädchen kennen, besäuft und verdrogt sich mit ihr, am Ende ist sie tot und Nasir flieht. Was ist passiert? Hat er sie umgebracht? Wurde er reingelegt? War er einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Die Story entwickelt sich auf sehr verschiedenen Ebenen, es geht natürlich um den Mord aber es geht auch um die Gesellschaft, um Rehabilitation um Budgetzwänge, um Politik, um Alltagsrassismus und um Vertrauen. Die Serie hat mich von der ersten Minute abgeholt, sie beweist, dass es nicht um Effekte im Fernsehen geht, sondern immer noch um gutes Geschichten-erzählen (auch wenn das Budget nicht klein war). Ganz fantastisch spielt John Turturro hier einen Small-Time Strafverteidiger, der sich plötzlich einem System gegenüber sieht, das er lange Zeit als gottgegeben hingenommen hat. Außerdem hat er Ausschlag an den Füßen. Und ‘ne Katzenallergie. Um diese kleinen Hints zu verstehen und einzuordnen um das Unangepasste zu erleben, solltet ihr euch die 8 Folgen je ca. 1 Stunde wirklich anschauen. Groß. Hat er sie umgebracht? Wer weiß…

4.) Ash vs Evil Dead, Staffel 1. Trash- Splatter- Horror- Comedy mit unser aller Lieblingskettensäge Ash Williams, der wieder einmal gegen das pure Böse ran muss. Etwas überdreht aber mit ein paar sehr liebevollen Anspielungen auf die original Evil Dead Reihe. Wenn man dazu keinen Bezug hat wird es eventuell lang aber wenn man die alten Filme mochte, dann kann man da schon mal reinschauen. Mir hat’s Spaß gemacht.

5.) The Last Kingdom. Eine BBC-Serienadaption von Bernard Cornwells Saxon Stories. Ich habe die Bücher nicht gelesen, kann daher keinen Vergleich ziehen aber die Serie gefällt mir ausgesprochen gut. Es geht um das England im 9. Jahrhundert, unvereint, belagert und angegriffen von Dänen und der Reise Uhtreds, der als Engländer geboren von Dänen geraubt wird, dort aufgezogen wird und als junger Mann vor der Entscheidung steht wem seine Loyalität gehört. Prima Unterhaltung.

Tja und damit sind auch die Tipps schon durch, der Rest war ziemlicher Käse…

6.) Suicide Squad. Alberne Verfilmung eines düsteren und zuweilen fantastisch misanthropischen Comics. Will Smith ist noch der Lichtblick und das muss eigentlich schon ausreichen um schreiend aus dem Kino zu laufen.

7.) Star Trek Beyond. Gähn. Gäääääääähn.

8.) Ghostbusters. Schwierig weil heikel? Am Arsch. Der Film ist kacke und das hat genau gar nichts mit Gender-Driss zu tun. Alle Charaktere arbeiten völlig gegen das wofür sie stehen, die Witze sind nur als Bruahahahahaha-Dummbatz-Jokes konstruiert, vom Humor des originalen Films ist nichts übrig geblieben. Ghostbusters war damals nie Screwball auch wenn die bekanntesten Szenen natürlich dazu aufgebauscht wurden. Nein, der Film funktioniert auf keiner Ebene. Ich würde sogar soweit gehen die Protagonisten komplett unsympathisch zu nennen, was wiederum vielleicht doch ein bisschen mit der umgekehrten Rollenverteilung zu tun hat, denn man möge sich nur mal vorstellen, wie die Anti-Männer-Gags umgekehrt von den SJW gegrillt worden wären. Dass man so etwas einbaut um zu karikieren -ja, da geh ich mit. Aber einen ganz Film auf der Prämisse aufbauen? Nunja. Müssen sie selber wissen. Ich habe mich zu Tode gelangweilt.

9.) Jessica Jones (Serie). Nach 25 Minuten ausgemacht.

10.) Luke Cage (Serie). Nachdem auch in der dritten Folge wirklich gar nichts passiert ist (oder jedenfalls nichts, was man in 10 Minuten in der ersten Folge hätte erzählen können), ausgemacht. Netflix-Original-Serien sind alle ziemlich kacke. Ich hab noch keine gesehen, die mir gefallen hat. Oder hab ich da jetzt was vergessen?

11.) The Walking Dead (Serie). Ahahahahahahahahahahahahaha. Mein Geld ist auf Glenn, was bedeutet, dass er es wahrscheinlich nicht sein wird. Aber es ist auch sowas von egal. Was AMC mit diesem Stoff gemacht hat ist so unerträglich. Aber ich werde es weiter schauen, bis zum bitteren Ende, es gibt immer was zum lachen und man trollt bestimmte Leute wunderbar damit.

12.) Lethal Weapon (Serie). Nach 20 Minuten in der ersten Folge ausgemacht. Unwürdig.

13.) Westworld (Serie). Ganz frisches neues HBO-Zeugs und der Auslöser für den Artikel. Den Film kennt man, die Geschichte damit auch – Vergnügungspark mit Robotern, Fehler, Roboter töten Menschen, yadda, yadda, yadda. Aber HBO macht das ganz gut. Die Welt ist groß und macht keinen billigen “wir müssen auf das Budget achten”-AMC Eindruck, die Ebenen scheinen vielschichtig zu sein, die Protagonisten sind (bisher – 2 Folgen sind gelaufen) gut gezeichnet und ich bin wirklich gespannt wie es weiter geht. Noch nicht ganz Game of Thrones Niveau (ja, ich gestehe, ich mag die Serie wirklich gern) aber ein guter Start.

Vergessen:

14.) Into the Badlands (Serie). Amazon und AMC (mal wieder) mit einer launigen Post-Apokalypsen-Show, die irgendwo zwischen Südstaaten-Sklavenhalter-Romantik und Dystopie ansetzt und mich eigentlich ganz gut unterhalten hat. Wie immer bei AMC-Serien ist die un-authentische Sprache ein großes Problem, die Figuren reden beim Köpfe-abschneiden als würden sie Tee bestellen, weil man ja nicht fluchen darf und möglichst auch den wiedergeborenen-Christen-Hausfrauen aus dem Bible Belt gefallen will. Das macht es zuweilen unfreiwillig komisch aber das kennen wir von AMC ja schon… ich sach nur… nee, ich sachs nicht… Egal, kann man gucken, ist ein bisschen Martial Arts und Zeugs aber so richtig verlorenen Zeit isses nicht.

Auch vergessen:

15.) Stranger Things. Da haben wir ja ne Netflix-Serie die okay ist. Hat mir gefallen. Ist natürlich pures 80er Retro-Gefallen aber es war eine nette Serie. Den Überhype verstehe ich nicht ganz, weil es dann doch zwei Folgen zu lang war und ein Handlungsstrang meiner Meinung nach sehr unlogisch wirkte aber dennoch: Okay.

Mehr war aber glaube ich wirklich nicht. Nee, mir fällt jetzt nix mehr ein, kann also wenigstens keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Aber wer jetzt immer noch wissen will, was er denn zu gucken hat, wenn er es noch nicht getan hat, der bekommt dann hier ne All-Time-Top 10, damit der @Hollywood nicht immer nachfragen muss. Ohne Reihenfolge:

– Friday Night Lights
– Banshee
– Sons of Anarchy
– The Wire
– Sopranos
– Game of Thrones
– Black Mirror (okay, keine “echte” Serie – aber dennoch)
– It’s Always Sunny in Philadelphia
– The Night of (Ja, echt, so gut ist die)
– Justified

Da, bitte schön 🙂

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