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It’s always sunny im Geißbockheim

Jaja, immer ruhig, ich weiß. Erstmal abwarten. Okay. Nur ein, zwei Gedanken hier, weil der Platz auf Twitter nicht ausreicht: Die FIFA entschied heute, dass der Vertrag von Anthony Modeste bei Tianjin Quanjian FC – entgegen der Erwartung im Verein – nicht rechtmäßig gekündigt wurde. Der FC ist aktuell nicht zu einer Stellungnahme bereit, was ich als eher schlechtes Zeichen werte, denn in einer normalen Projekt-Phase gibt es immer eine vorbereitete Stellungnahme für den Fall, dass eine noch nicht entschiedenen Sache nicht positiv beschieden wird. Das sollte jedenfalls Standard sein. Zumindest die Möglichkeit, dass in einem Gerichtsverfahren nicht in meinem Sinne geurteilt wird, muss ich als Worst Case Scenario auf dem Schirm haben und sofort eine Antwort präsentieren können. Was wir aktuell vom 1.FC Köln hören, ist dass man das Urteil als widersprüchlich ansieht und die schriftliche Urteilsbegründung abwarten will. Okay. Das ist dann Plan C, nehme ich an.

Wie auch immer, eine Spielgenehmigung für Modeste wird es so schnell nicht geben und im schlimmsten Fall ist der Spieler wirklich gar nicht vereinslos, was dann den unterschriebenen Vertrag nichtig macht, nehme ich an. Vielleicht kommt sogar eine Strafe bzw. eine Vergleichszahlung auf den Verein zu, weil man unrechtmäßig einen Vertrag mit einem Spieler gemacht hat und der eigentliche Vertragspartner, in dem Fall Tianjin, dafür eine Entschädigung verlangt? Keine Ahnung. Aber, es ist Fußball, es dürfte uns nicht überraschen, wenn da noch was nachkommt.

Mein Problem mit dem ganzen Ding ist wieder mal die Außendarstellung des Clubs: Werner Spinner stellt sich auf der 70-Jahr-Feier hin und verkündet, dass Modeste ab sofort wieder für den FC spielt, wir freuen uns alle einen Ast ab, lauter Jubel in der Halle, Twitter explodiert, ich reiße mir auch die Hose vom Leib und in der WhatsApp-Selbsthilfegruppe wird der Europapokal 2020 geplant. Das war ein schöner Abend.

In den nächsten Tagen lesen wir dann, dass der FC die Spielberechtigung bei der FIFA beantragt und dass man erstmal abwarten muss. Okay, ist ja klar, damit konnte man rechnen. Über zwei Wochen tut sich dann weiter nichts, bis Ende letzter Woche die Meldung kam, dass die FIFA kurz vor einer Entscheidung stehe. Kann Modeste vielleicht sogar schon mit nach Regensburg fahren? Nein, kann er nicht, da der FC, wie wir lernen mussten, den Antrag zur Spielgenehmigung zurück gezogen hat, da man erst einmal das Gerichtsurteil abwarten will. Ja jut, das ist jetzt merkwürdig. Hat er mir nicht erzählt, der FC. Muss er wahrscheinlich auch nicht aber es wäre halt schön gewesen, wenn man seine Fans nicht im dunkeln tappen lässt.

Ein bisschen merkwürdig ist das aber im Rückblick schon, oder? Kann es sein, dass die Sache doch von Beginn an gar nicht so klar war, wie uns der FC das erzählt hat? Kann es sein, dass man hinter den Kulissen (Martin Schulz, Alexander Wehrle) vielleicht einen Hinterhof-Deal mit den Chinesen eingehen wollte, dieser aber aus welchen Gründen auch immer, nicht zustande kam und sich plötzlich mit der Möglichkeit konfrontiert sah, dass der Vertrag mit Modeste so gar nicht zustande kommen kann? Mag sein, glaube ich aber eher nicht, weil eben das vorbereitete Statement fehlt. Wenn das die Taktik war, dann traue ich sogar meinem Verein zu, dass man irgendwelche Bullshit-Phrasen aneinander basteln kann um wenigstens nicht komplett ohne Hose dazustehen. Ich denke mal, dass das nicht wirklich wahrscheinlich ist.

Was ist es also dann? Ist man wirklich so naiv an die Sache ran gegangen, dass man nicht mit einem anderen Urteil, als pro FC gerechnet hat? Kann ich mir das so vorstellen, als wenn Stefan, Christoph und ich eine Auswärtsfahrt planen? 10 Uhr? Reicht. Okay. Und wenn Stau? Ach, reicht. Ja jut, 10 Uhr. So in etwa? Sitzen da die Strippenzieher eines, sie werden ja nicht müde es zu betonen, hoch-professionellen Sportvereins mit 171,8 Millionen Euro Umsatz, beim Bier zusammen und schustern da was zusammen, ohne daran zu denken, dass das vielleicht gar nicht geht?
– Watt ist jetzt mit dem Jung?
– Der hat gekündigt
– So richtig?
– Er sagt ja
– Hamma datt prüfen lassen?
– Ja
– Und?
– Alles okay
– Kann also wieder bei uns spielen?
– Ja
– Jut. Dann erzähl ich datt morgen bei der Feier

Nee, jetzt mal ehrlich. Glaube ich auch nicht. Der FC wird sich schon mit seinen Anwälten anständig besprochen haben. Man wird sich schon externe Vertragsrechtler eingekauft haben. Wahrscheinlich sogar welche mit Erfahrung auf dem chinesischen Markt. Muttersprachler wohl möglich. Martin Schulz kennt doch da genug Leute.

Bestimmt.

Oder?

Als Laie verstehe ich nicht, wie der FC sich so präsentieren kann. Wie kann er, wenn es auch nur die geringste Chance gibt, dass ihm das alles um die Ohren fliegt, so offensiv vorpreschen? Das kann doch nicht wahr sein. Ich dachte wirklich, dass mich nach Zypern nichts mehr schocken kann aber das ist ja nochmal ‘ne Nummer schlimmer. Wenigstens kam der Zypern-Deal nie wirklich zustande. Bei Modeste verkauft der FC schon Trikots mit seinem Namen drauf. Und, Leute, selbst wenn es sich nur um einen vorbehaltlichen Vorvertrag gehandelt hat, dann ist der FC trotzdem der Dumme, weil es wieder als Coup kommuniziert wurde, der – ganz augenscheinlich – nicht in trockenen Tüchern war. Das ist wie sich von 6 Richtigen im Lotto Belgien zu kaufen, ohne abzuwarten, ob der Gewinn nicht vielleicht geteilt werden muss. Kannste nicht bringen. Am Ende stehste nur mit der Wallonie da und sprichst kein Französisch. Da guckt der Investor aber dumm, nicht wahr?

Ja, selbst wenn das Urteil vielleicht nicht erwartbar war, ja, selbst wenn im Verein alle überrascht sind, darf solch ein Fehlschlag nicht passieren. Im Zweifel warte ich halt einfach die verdammte Rechtssprechung der FIFA ab, bevor ich die Vertragsunterzeichnung bekannt gebe. Der FC kann doch sonst alles geheim halten, da hätte auch eine Unterschrift von Modeste, die erst nach positivem Urteil verkündet worden wäre, keine Hürde dargestellt.

Vielleicht wird sich auch alles regeln, vielleicht ist das Urteil noch nicht endgültig, vielleicht löst sich alles in Wohlgefallen auf. Kann sein.

Oder auch nicht.

PS: Natürlich wünsche ich mir weiterhin, dass der Vertrag mit Modeste noch irgendwie zustande kommt, das ist ja keine Frage.

Aus. Vorbei. SKY.

Gestern habe ich es wirklich getan. Ich konnte mir nie vorstellen, dass es soweit kommt. Wirklich nicht. Wir waren doch schon eine Ewigkeit zusammen. Seit ich volljährig wurde. Klar, wir haben uns nicht immer und jeden Tag geliebt, es gab lange Zeiten der Dürre, besonders in den Sommer-Monaten. Manchmal guckten wir uns wochenlang nicht an und dennoch wussten wir beide immer, dass es so schlimm ja eigentlich gar nicht ist. Ich brauchte sie und sie… naja, okay, sie brauchten mich eigentlich nicht aber das ist ja Haarspalterei, nicht wahr?

Die Wahrheit ist doch, dass wir uns arrangiert hatten. In den letzten Monaten aber wurde es immer schlimmer. Die Zickigkeit, die ich früher, in juveniler Naivität, als ganz normales Verhalten empfunden habe, wurde anstrengend. Immer neue Dinge forderten sie von mir, immer neue Zugeständnisse, immer mehr Geld wollten sie haben und dafür immer weniger geben. Ich rang mit mir. Seit Wochen. Eigentlich will ich es doch nicht. Oder doch? Wie soll das Leben werden, wenn ich nicht mehr einfach auf Knopfdruck Samstags um 15:30 13:30 Uhr den 1.FC Köln gucken kann? Ich weiß es nicht. Immer noch nicht.

Und doch musste es sein. Ich hab Schluss gemacht. Ich habe SKY gekündigt. Nicht um einen Deal zu bekommen, wie man das normalerweise macht, sondern ganz im Ernst. So richtig. Mit allem drum und dran. Telefonnummer gelöscht, Fotos verbrannt, viel geweint, ihr wisst schon.

Es ist passiert. Rio Reiser schallt durch die nackten Wände des Kellers und eine innere Schwere zieht mich auf die Couch. Ich schalte die 2. Bundesliga an. Bochum gegen Darmstadt. Keine Sekunde verpasse ich. Es ist wie ein letzter Fick vor dem Abschied, nur dass Klaus Veltmann dabei redet, was es nicht besser macht.

Es wurde Zeit, seien wir ehrlich. SKY geht nicht mehr. SKY hat sich selbst überlebt und ist nicht mehr vermittelbar. Ich will das alles mal kurz aufschreiben, weil ich es ihnen sagen will. Ich will es ihnen ins Gesicht brüllen und sie dabei an den Haaren ziehen. Ich will sie an einen Stuhl fesseln und sie zwingen sich 24 Stunden eine Konferenz mit Dahl- und Buschmann anzuschauen. So “Clockwork Orange”-mäßig. Ohne Alkohol, ohne Chance auf Linderung. Ich will sie anschreien, was sie sich eigentlich denken, wie sie ihre Kunden behandeln können, ohne dass es Konsequenzen gibt, ich will tollwütig werden und mit Schaum vor dem Mund die Zentrale stürmen aber… ich bin mir dessen bewusst, ihr müsst nicht die Polizei rufen… das geht nun mal nicht. Und deshalb schreibe ich es eben auf.

Liebes SKY Deutschland,
Darling,

was denkst Du Dir eigentlich? Dachtest Du, dass es immer so weiter geht? Ja? Dass die Leute halt schon genug sediert sind um den ganzen Rotz, den Du da vor Dich hin produzierst, klaglos zu ertragen? Du merkst schon, dass wir uns über Dich lustig machen, oder? Wollen wir direkt mit Deinen Produktionen anfangen? Ja? Okay. Ich bin “nur” Sport und Bundesliga-Kunde, darum konzentriere ich mich auch darauf. Aber da gibt es ja auch schon eine Menge zu bemängeln. Angefangen von der Lieblosigkeit, die der rote Faden in Deiner Programmgestaltung ist, über die Blässe Deiner Experten, über den Marktschreier-Charakter Deiner Übertragungen bis hin zur Quantität Deines Angebots. Das kannst Du doch alles nicht erst meinen.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichsten an. Dein Bundesliga-Programm ist ein reiner Event-Kanal. Du überträgst halt Spiele, weil Du Dir irgendwann die Rechte gekauft hast und jetzt aus der ganzen Scheiße nicht mehr raus kommst. Bock hast Du darauf aber eigentlich nicht, oder? Wie kann es sonst sein, dass Du zwar die Bundesliga als das Premium-Produkt der deutschen Sport- wahrscheinlich der gesamten Medienlandschaft, so nicht-begleitest, wie Du das tust? Neben SKY90 und Wontorra gibt es nichts auf Deinen Bundesliga-Sendern. Nada. Das gleiche gilt ja auch für “Sport” aber das ist ja eh nur ein künstlicher Appendix um Champions League, Pokal und Bundesliga zu trennen. Doppelt überflüssig, sozusagen.

Wenn ich doch diese Sportrechte habe, dann muss ich doch dem Zuschauer auch etwas bieten. Ernsthaft. Macht halt Montags eine Taktikstunde mit Tobias Escher, holt Euch Dienstags Collinas Erben um über den VAR-Clusterfuck der Woche zu sprechen, Mittwochs gibt es ein Mid-Week-Special mit lokalen Print-Journalisten und Donnerstags eine Spieltagsvorschau die wunderbar auf dem Mittwoch aufbauen kann. Jeden Abend um 19:00 Uhr, schön vor der Tagesschau, in Erst-Ausstrahlung. Eine Stunde. Haste schon mal Mehrwert. Das hat mich jetzt zwei Minuten gekostet. Du bist doch nicht doof? Wieso machst Du sowas nicht? Wieso denkst Du Dir, dass es stattdessen eine gute Idee ist, einen Social-Media-Dork einzukaufen, der “lustige” Instagram-Post vorliest? Weißt Du wie dämlich das ist? Wie sehr ich mich vor meinen Freunden für Dich schämen muss? Ich verstehe es nicht.

Aber, wahrscheinlich wirst Du es mit Kosten abtun, oder? Zu teuer. Können wir uns nicht leisten. Weißte, SKY, das ist Dein größtes Problem: Du hörst auf die falschen Leute. Das Übel der Welt geht von Menschen aus, die Excel für eine gute Erfindung halten. Du kannst nur Liebe bekommen, wenn Du auch Liebe gibst. Dieses technokratische Abarbeiten ist in etwa so reizvoll für den Kunden wie eine runterzählende Digital-Anzeige im Puff. Wieso verstehst Du mich nicht?

Deine Strategie die Fußball-Berichterstattung mit “Kult”-Moderatoren “aufzuwerten”, ist auch etwas, was ich Dir noch verziehen aber bestimmt nicht verstanden habe. Du denkst Dir also die Leute wollen Frank Buschmann hören wie er eine hundsnormale Flanke, wie sie in jedem Spiel (außer beim 1.FC Köln und Fortuna Düsseldorf) zu Hauf geschlagen wird, mit Stöhnen, Schreien, Ejakulieren, begleitet? Du denkst Dir, dass es eine gute Idee ist Jörg “haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß” Dahlmann live kommentieren zu lassen? Denkst Du wirklich, dass es das ist, was wir wollen? Ich habe Neuigkeiten für Dich: Ist es nicht. Jetzt kannst Du mit dem Fuß aufstampfen und lospoltern, dass ich das doch gar nicht wissen kann und dass nicht alle Leute den Fußball so sehen wollen, wie ich ihn gerne sehe und ich muss Dir sagen: Ja, kann sein. Vielleicht hast Du damit sogar recht. Aber weißt Du, was Du machst? Du machst den Fußball zu einem beliebigen Wegwerf-Produkt. Wie eine Netflix-Serie. Guckt man sich halt mal an, schaltet nach 20 Minuten latent genervt wieder ab und probiert halt die nächste. Du machst die Bundesliga zum Spotify für Fußball. Alles ist beliebig. Niemand interessiert sich mehr für das, was da gesagt wird. Wenn z.B. Klaus Veltmann gestern von einem “feinen Mittelfeld-Fußball” fabuliert, dann möchte ich den Fernseher kaputt schlagen. Du interessiert Dich nicht mehr für das Spiel, Du bedienst nur noch. Du bist die verhärmte Kellnerin in einem Roadside-Diner eines Tarantino-Films, die seit 25 Jahren Kaffee an inzestuöse Rednecks ausschenkt, alles gesehen hat und eigentlich nur noch Feierabend haben will. Deine Klamotten stinken nach Fett aber Du wäschst sie gar nicht mehr. Den Leuten, die Du bedienst, ist es egal.

Warum glaubst Du feiern die Leute DAZN und Eurosport so? Weil sie den Sport in den Mittelpunkt stellen. Matthias Sammer ist zwar ein Erklärbär, zugegeben, aber wenn man sich auf ihn einlässt, ist der Erkenntnisgewinn enorm. Bei Dir sitzt Calmund in einem Sessel und quasselt was von kleinen Koreanern, die normalerweise keine Kopfballtore machen. Dann lacht die Jessica pflichtbewusst und irgendwo in einem kleinen Abschnitt der Hölle bekommt ein Hilfsteufel seine Hörner. Manchmal, abends, bei einem guten Glas Rotwein, ist Dir das doch selber peinlich, oder? Sei mal bitte ehrlich.

Aber weißte was? Mit all dem konnte ich bisher umgehen. Ich bekam ja wenigstens die Spiele zu sehen, die ich sehen wollte. Ja, ich habe dafür gutes Geld bezahlt, Dein Service ist unterirdisch schlecht und verdient den Namen nicht, Deine Call-Center-Agenten sind durch die Bank weg unfreundlich und arrogant und auch sonst strahlst Du den Charme einer nordkoreanischen Kantine aus, aber, zur Hölle was soll’s, wenigstens gibst Du mir meinen Stoff. Aber jetzt hast Du es übertrieben. Jetzt nimmst Du zwar mein Geld, willst mir aber nicht mehr geben, was ich bezahle. Erste Regel des Drogenhandels: Verarsche nie den Junkie. Das solltest Du doch eigentlich mittlerweile gelernt haben.

Hast Du aber nicht. Dass Du ein technisches Debakel wie SKYQ anpreist: Geschenkt, ist mir egal, hab ich nicht. Dass Du Werbung damit machst, dass man jetzt “da weiter gucken kann, wo man aufgehört hat”, wird sogar die Menschen überraschen, die direkt von der VHS-Kassette zu Dir wechseln möchten, ist mir aber auch noch egal. Dass Du aber SKYgo aus dem Netz nimmst, dass Du mir die Möglichkeit nimmst Spiele On Demand zu schauen, dass Du mich nicht mehr auf einen TV meiner Wahl streamen lässt, das, SKY, das geht nicht. Dein App-Zwang und die damit verbundene Pflicht-Installation des Cisco VideoGuard ist eine derartige Frechheit, mir fehlen wirklich die Worte. Cisco ist per se schon mal eine Frechheit, wenn man sich mal anschaut wie unsicher deren Software ist, das dürfte nie, nie, niemals eingesetzt werden und dann die Streaming-Funktion zu unterdrücken, Leute, Leute. Ich bin am Wochenende oft nicht zu Hause, will aber ja dennoch mein Zeugs sehen. Warum auch nicht, ich bezahle ja nicht fünf Tage die Woche, sondern sieben. Und nirgendwo steht geschrieben, dass ich mir die Spritze nur vor dem eigenen TV setzen darf. Ich will das auch woanders können. Ja, da steht “ich will”. Nicht “ich möchte” oder “ich würde gerne”, nein. Ich will! Weil ich dafür bezahle! Ich verlange nicht, dass Du mir etwas gibst, was mir nicht zusteht. Ich will kein Koks haben, wenn ich nur für Pep bezahlt habe. Nein, ich bin Dein Kunde, ich gebe Dir Geld. Also gibt mir auch meine Leistung.

Machst Du aber nicht. Ist Dir egal. Du sagst halt: Ach, weißte, der Idiot, der schluckt das schon, wie er alles geschluckt hat. Keine EuropaLeague mehr? Schluckt er. Keine Freitagsspiele mehr? Schluckt er. Keine NFL, MLB, NBA? Schluckt er? Die ganze Woche Testbild? Schluckt er. Da wird er auch das schlucken. Gute Idee, Müller. Wir machen das mit den Fähnchen.

Aber, jetzt nicht mehr. Du hast Recht, ich hab das alles geschluckt. Jetzt ist es zu viel geworden. Ich weiß mittlerweile, dass Du Deine Kunden auslachst. Ich bin Dir viel zu lange treu geblieben. Ich habe mich viel zu oft von Dir verarschen lassen. Das ist vorbei. Mit uns ist es vorbei. Bleib weg von mir. Ruf mich nicht an. Und zieh meine Freunde da nicht mit rein. Ich hasse Dich. Lass mich in Ruhe.


Habt ihr Bock mir ‘nen Kaffee oder ein Bier zu spendieren? Das würde mich freuen. Rechts gibt es einen PayPal-Button. Es fehlen noch ~ 90 Euro für die Serverkosten 🙂


Dünnhäuter

“Unwürdig”
“Abartig”
“Peinlich”
“Besorgniserregend”
“Kaputt”

Das waren nur einige der Attribute, die heute Nacht, es muss wohl kurz nach zwei Uhr gewesen sein, fielen, um den Zustand des Vorstands des 1.FC Köln zu beschreiben. Sie kamen von allen Seiten. Von Vorstandskritikern und Vorstandskritikerkritikern, egal ob es die sehr distinguierte ältere Dame zwei Reihen vor uns war, die bei Harald Schumachers Entgleisungen regelmäßig den Kopf schüttelte und mit ihrem Nebenmann, ich nehme an es war Ihr Ehemann, wild diskutierte. Die beiden stimmten für die Vorverlegung der Mitgliederratswahl und für die Entlastung des Vorstands, hatten am Ende, sie gingen irgendwann um eins, aber nur noch wegwerfende Gesten für die Schrei-Attacken, für die Böswilligkeiten, die da von der Bühne ins Plenum geschleudert wurden, übrig. Das soll nur als kleines Beispiel dienen, wie sehr sich der Vorstand gestern blamiert hat. Wie sehr er auch bei seiner getreuen Gefolgschaft Kredit verspielte.

Ich versuche es kurz, die Nacht war es nämlich auch, aber so ganz ohne Einordnung kann ich die gestrige Veranstaltung für mich nicht abschließen. Der Abend war ein Total-Debakel für die aktuelle Vereinsspitze. Es war ein (fast) vollständiger Triumph der kritischen Teile der Mitgliedschaft, die eine Veränderung im Verein herbeisehnen.

Es begann schon schlecht für den Vorstand, denn der Antrag, dass TOP 10, die Wahl des Mitgliederrats auf TOP 3 gelegt werden soll, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Dem Vernehmen nach sprach Thomas Schönig hinter der Bühne von “die haben gewonnen”, ein erstes deutliches Zeichen, dass da Vorne niemand auch nur das geringste Interesse an einer Einigung des Vereins hat, sondern es wirklich nur um “die” gegen “uns” geht. Der erste Plan, eine vorgezogene Mitgliederratswahl und damit eine Abstimmung ohne vorherige Entlastung und Aussprache, war also gescheitert. Ob der Antrag von einem einzelnen Mitglied kam, oder gesteuert war, ist für mich natürlich nicht zu klären, jeder möge da selbst drüber nachdenken, aber es spielt ja eh keine große Rolle, der Antrag wurde abgelehnt.

Es ging also normal weiter, der Vorstand wurde mit großer Mehrheit entlastet (vielleicht hätte man auch in diesem Punkt etwas mehr Aufklärungsarbeit leisten können), der gemeinsame Ausschuss ebenfalls. Bis auf gelegentliche “Hoodie” Zwischenrufe, war es sogar noch einigermaßen zivilisiert, auch wenn man schon zu diesem Zeitpunkt merkte, dass die Nerven der Vorstandsmitglieder sehr, sehr dünn wurden. Einzig Wehrle und Veh lieferten einen einigermaßen souveränen Auftritt. Schumachers Rede bestand zu 90% aus “mein schönstes Ferienerlebnis” Erzählungen, Spinner griff sofort scharf jeden an, der bei drei nicht auf den Bäumen war und Ritterbach versuchte Ritterbach zu sein, was ihm nicht ganz gelang, da der Tenor, auf den man sich anscheinend vor der Versammlung geeinigt hatte, war, herauszustellen wie lebensgefährlich ein Besuch eines Fußballspiels beim 1.FC Köln ist. Würde ein Außenstehender, also, ich meine jetzt ein wirklich, wirklich Außenstehender, jemand der nicht weiß was Fußball oder ein Stadion ist, hören, was wir hören mussten, ja, dann kann ich mir schon vorstellen, dass er keine Lust haben wird ein Spiel des FC zu besuchen, denn drei bis vier Todesfälle und hunderte Schwerstverletzte pro Spiel scheinen die Regel im Ritterbachschen Universum zu sein. Das war schon arg grenzwertig.

In der Aussprache hat dann Thomas Reinscheid, der Chef von effzeh.com mit einer kurzen, knackigen Rede Spinner komplett entblößt, der Lüge überführt und ihm vor versammelter Mannschaft die Hosen runter gezogen. Spinner antwortete darauf gar nicht mehr selbst, sondern schob Alex Werle vor, der mit einer wirren Analogie, dass ja auch bei effzeh.com Vertragsinternas abgedruckt würden, versuchte die Stimmung pro Spinner zu lenken. Die Antwort von Werle hatte nichts aber auch gar nichts mit der Rede von Thomas zu tun und hatte allein den Zweck ihn in ein schlechtes Licht zu stellen, was allerdings deutlich misslang, denn anstatt Applaus für Werle gab es nur vereinzelte Zwischenrufe. Diese brachten dann zum ersten Mal Thomas Schönig auf den Plan, der ein gewaltiges Problem hatte sich unter Kontrolle zu bekommen. Er schrie (und ich meine wirklich “schrie”) das Publikum an, dass es Respekt zeigen sollte. Wurde allenthalben nicht ganz verstanden. Naja, lange Rede, kurzer Sinn: Die Reden des Vorstands waren inhaltlich schlecht, der rote Faden war die offensichtliche Abneigung den Mitgliedern gegenüber. Schumacher konnte, wie gesagt, mit Emotionalität punkten aber sachlich war das nix. Außerdem konnte man erste sprachmotorische Schwierigkeiten beobachten, die sich im Laufe des Abends leider noch verstärkten.

In den weiteren Aussprachen kristallisierte sich ein klares Bild: Die Redebeiträge waren zu mindestens 80% kritisch, die unkritischen Redebeiträge bestanden eigentlich ausschließlich aus Anti-Gewalt-Aufrufen. Da ist man im “Netzwerk Vorstand erhalten” wohl ein bisschen mono-thematisch gewesen. Wahrscheinlich gab es eine Agenda, denn die Argumente wiederholten sich auch in den Beiträgen. Mal rhetorisch etwas geschickter, mal etwas unbedarft. Inhaltlich gab es da kaum Spitzen. Auf der anderen Seite bekam der Vorstand von vielen, vielen Mitgliedern sein Fett weg. Und, Leute, dass das mal klar ist: Wir reden hier nicht von Ultras, die da Krach auf der Bühne machten, wir reden hier von einer breit gestreuten Mitgliederschaft. Auch die lancierten Gefälligkeitstexte von Christian Löer im KStA und Frank Lußem im Kicker und die geleakte eMail in der Bild wurden immer wieder kritisiert. Die Mitglieder glaubten den Beteuerungen des Vorstands, nichts damit zu tun zu haben, kein Wort. Irgendwann platzte sowohl Werner Spinner als auch Harald Schumacher der Kragen. Spinner schrie hysterisch, dass er die eMails gar nicht weiter gegeben haben könnte, weil er ja “in den letzten drei Wochen auf drei Kontinenten gewesen” sei (whooot?) und Schumacher keifte ins Mikrophon, dass er “natürlich die Leute alle kennen würde” er sei schließlich schon lange genug im Geschäft aber die Unterstellung, dass er mit Lußem auch nur geredet hätte, sei eine bodenlose Frechheit. (In diesem Kontext kam dann auch die Aufklärung, dass Lußem im Mitgliederrat eine Stellungnahme angefragt hat, diese jedoch nicht bekam, da er sich weigerte den Kontext der Fragen und die Überschrift des Artikels preis zu geben. Lußem hat Fragen ohne Kontext eingereicht, damit er sich da Zitat rauspicken kann. Das, liebe Freunde, ist das Qualitätsmedium Kicker. Aber, solange die Pressekarten für ihn bereit liegen, wird ihn das einen feuchten Kehricht interessieren, nehme ich mal an.)

[Update, 12.10.]
Frank Lußem hat sich per eMail gemeldet, was ich erstmal nett finde, denn warum sollte kein Dialog möglich sein? Wir streiten uns eh viel zu wenig in der Gesellschaft, alles ist immer nur “Ich hab Recht und wer was anderes sagt, ist doof”. Ich würde mich ernsthaft freuen, wenn es nicht das Letzte ist, was ich von Ihm gehört habe. Meinungen sind Meinungen und am Ende ist es nur Fußball. Wir liegen ja nicht in unterschiedlichen Schützengräben. Aber, gut, zurück zum eigentlichen Sinn des Updates. Herr Lußem ärgert sich über meine Einschätzung, dass ein Journalist einem Interview-Partner den Kontext bzw. den fertigen Text darlegen sollte. Hier ist seine Antwort:

“Ich stellte Herrn Wettich und Herrn Müller-Römer Fragen, die sie auch beantworteten. Eine Veröffentlichung dieser Antworten allerdings machten beide davon abhängig, dass ich ihnen den gesamten Text inklusive Überschriften zur Ansicht vor Veröffentlichung vorlegen würde. Dies kam natürlich nicht in Betracht, dies kommt für kein freies Medium weltweit in Betracht, egal, wer Gesprächspartner ist.

Ich hätte allerdings, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen, die Antworten für den Text nutzen können. Sie waren ja schwarz auf weiß bei mir gelandet, die Urheber klar zu identifizieren. Ich beugte mich allerdings dem Wunsch der beiden Herren. Von denen einer übrigens Medienanwalt ist.

Unabhängig davon gibt es kein Gesetz, dass eine Autorisierung überhaupt vorschreibt, erlaubt oder erwähnt. In den USA oder GB ist diese Praxis völlig verpönt. Es gilt dort das gesprochene, aufgezeichnete oder geschriebene Wort. In Deutschland ist es anders, allerdings: kein Gesetz, schon gar kein Merkmal für ein Qualitätsmedium.”

Ich bin viel zu weit weg von der Praxis, als dass ich das anfechten möchte. Für mich haben die Aussagen auf der MV Sinn gemacht. Frank Lußem sieht das anders und das ist sein gutes Recht. Ich bitte dies zu berücksichtigen.
[Update-Ende]

Wie dem auch sei, natürlich glaubte das Publikum Schumacher kein Wort und lachte ihn aus, woraufhin wieder Thomas Schönig ausrastete und die Menschen anschrie, dass… ich weiß es schon gar nicht mehr, es wird irgendwas mit Respekt gewesen sein, nehme ich an. Sein Kopf leuchtete im schummrigen Licht der Kölnarena wie eine wunderschöne knallrote Christbaumkugel im Feuerschein.

Die Vorstellung der Kandidaten zur Mitgliederratswahl war unspektakulär, einzig Michael Trippel stellte heraus, wie wertvoll er sei, der Rest bat um Wahl. Lustig war, dass irgendjemand in der Fragerunde nachfragte, wie sich zwei der zur Wahl stehenden Personen zu Gewalt im Stadion positionierten, wobei er den Fehler machte, dass einer der beiden, ein Mann, der seine Rede mit einem Zitat aus dem Korinther-Brief anfing, so weit weg von Sympathien für gewaltsuchende Fans war, dass er völlig perplex gestehen musste, dass er… ähm… joa, er sei kein Freund von Gewalt. Das war so offensichtlich inszeniert, dass die ganze Arena lachen musste. Dann gebt euch doch wenigstens Mühe, Leute. Dann schreibt doch mit und sucht euch die richtigen Leute aus und nehmt nicht den harmlos-sympathischen Vollnormalo, der nun wirklich keine Agenda gegen den Vorstand hatte. Da war er wieder, der rote Faden. Abgestimmt konnte dann auch werden. Juchu.

Erstmal eine rauchen. Und eine Cola. Für 4,50 Euro. VIER EURO FUFFZISCH! Bei einer Veranstaltung, die von 18:30 Uhr bis 02:00 Uhr, also schlanke 7,5 Stunden dauerte, die verbot eigene Getränke mitzubringen, die eine ehrenamtliche Handlung darstellt, bei einem Verein, der mit wirtschaftlichen Rekordzahlen nur so um sich schmiss, werden 4,50 Euro für ein Getränk (Wasser war auch nicht billiger) verlangt. Eine ranzige Wurst kostete 3,50 Euro, ein Mikrowellen-Hamburger 5,90 Euro und fettige, halbgebackene Fritten 4,50 Euro. Nur mal so als Gedankenstütze, wenn der 1.FC Köln mal wieder davon redet, dass er seine Mitglieder wertschätzt. Und, soll jetzt keiner mit dem Argument “Die Preise macht die Arena” kommen. Völliger Blödsinn. Natürlich könnte der FC diese Preise subventionieren, wenn er denn möchte, natürlich könnte man es machen, wie Borussia Mönchengladbach, die ihren anwesenden Mitgliedern zwei Getränke und einen Snack pro Mitgliederversammlung per Voucher spendieren. Geht alles. Aber das hat der feine 1.FC Köln natürlich nicht nötig. Ich mein, ich bin schon klar gekommen, ich hab halt ein Getränk gekauft. Aber, da waren ja auch ein paar alte Menschen in der Halle. ist das wirklich zu viel verlangt, dass man seine Mitglieder, bei einer Mitgliederversammlung nicht auch noch abzockt? Ja? Wir sind wirklich ein toller Club aktuell.

Das aber nur am Rande.

Bevor die Resultate der Mitgliederratswahl bekannt gegeben wurden, kam es dann noch zu den Abstimmungen über diverse Satzungsänderungs-Anträge. Der Antrag des Vorstands, dass die Nominierung des Mitgliederrats für den Vorstand von August auf Mai vorgezogen werden sollte, weil man ja “damit Demokratie fördern wolle” (Spinner – wurde ausgelacht, rastete aus), wurde krachend abgelehnt. Ebenso wie der Antrag, dass Geschenke (Hoodies) nicht mehr verteilt werden sollen. Es gibt also wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder etwas zum abgreifen. Teile der Halle feierten diesen “Sieg” mit Applaus. Muss man so stehen lassen. Die Kontroverse des Abends war für mich der Antrag, dass es (bezahlten) Angestellten des 1.FC Köln nicht erlaubt sein soll, eine Funktion im Mitgliederrat auszuüben, damit kein Interessenkonflikt zwischen der finanziellen Abhängigkeit zum Arbeitgeber und der Kontrollaufgabe bestehen kann. Zur Annahme benötigte der Antrag eine 2/3 Mehrheit. Und, tja, was soll man sagen, es war knapp. Nach Augenmaß hätte ich gedacht, dass diese 2/3 Mehrheit erreicht worden sei, es gab andere die “eher von 50/50” sprachen aber eben auch genug Leute, die meiner Meinung waren. Dies wurde allerdings von Thomas Schönig ignoriert, der einfach verkündete, dass die 2/3 Mehrheit nicht erreicht worden sei, was zu großen Protesten im Saal führte. Zwischenrufe zur Nachzählung wurden ignoriert, somit war den Antrag abgelehnt. Es mag sein, dass der Antrag die 2/3 Mehrheit nicht erreicht hat, ich weiß es nicht. Aber dass sich geweigert wurde eine Nachzählung durchzuführen, sagt mehr über den Vorstand aus, als alles was bisher geschrieben wurde. Es besteht keinerlei Interesse an einem fairen Umgang miteinander.

Diese Muster, dass einseitig Respekt und Fairness eingefordert wird und im Gegenzug bei jedem Wortbeitrag mit teilweise wirklich unterirdischer Wortwahl Kritiker zu attack- und diffamieren, zog sich durch den ganzen Abend, wurde allerdings von Stunde zu Stunde schlimmer, fahriger, hysterischer und lächerlicher. Wenn wir nicht genau wüssten, dass es gestern keinen Alkoholausschank in der Arena gegeben hat, dann müsste man fragen, ob nicht vielleicht das ein oder andere “funzionelle” (Schönig) Bier konsumiert wurde. Zum Glück wissen wir es besser und können es also ausschließen. Wär auch teuer (5 Euro / Stück) geworden.

Naja, kann man aktuell nix machen, der Antrag steht als abgelehnt in den Büchern. Mal schauen, ob diese Wahl noch angefochten wird. Ich bin kein Vereinsrechtler, keine Ahnung ob das geht oder Sinn macht, verdient wäre es.

Die Bekanntgabe der gewählten Mitgliederräte markierte dann (bis auf einen reichlich bizarren letzten Redebeitrag, dem ich aber keine Aufmerksamkeit mehr widmen will) den Schlußpunkt der Veranstaltung. Und das Ergebnis ist wieder eine furchtbare Niederlage für den Vorstand. Die erforderlichen 50% Ja-Stimmen erreichten nur 12 der 41 Kandidaten. Von diesen 12 sind 9 Kandidaten dabei, die wir als stärkendes Element der Mitgliederrechte betrachten können. Das ist fast schon ein Triumph, denn ein solch klare Mehrheit zu Gunsten der kritischen Mitglieder, haben wir nicht mal im Traum erwartet. Hier zeigt sich, dass der Vorstand und auch Teile der Mitgliederschaft, die immer nur von “Idioten” reden, den ganz großen Fehler gemacht haben, zu unterschätzen, wie breit das Misstrauen im Verein mittlerweile gestreut ist. Die Vernetzung untereinander hat wunderbar funktioniert. Dass Michael Trippel nur 60% Ja-Stimmen erhalten hat, ist dann noch mal die Kirsche auf der Torte. Welch schallende Ohrfeige. Insgesamt ist der Mitgliederrat jetzt ein so starkes Kontrollgremium, wie wir es uns gewünscht haben.

Ein wunderbarer Abschluss einer bizarren Veranstaltung. Das Fazit ist allerdings nicht einfach: Auf der einen Seite stehen die guten Ergebnisse für die Vorstands-kritischen Teile der Mitglieder auf der anderen Seite war die gesamte Chose einigermaßen blamabel, denn was sich die Herren auf der Bühne sowohl vom Temperament, als auch an inhaltlichen Schwächen geleistet haben, lässt den 1.FC Köln in einem sehr, sehr schlechten Licht dastehen. Wir haben ja schon mit viel gerechnet aber die Mitgliederversammlung 2018 hat die letztjährige Veranstaltung noch einmal Niveau-technisch unterboten. Das ist sehr schade aber, da kann es keine zwei Meinungen geben, ein hausgemachtes Problem. Wir sind weit davon weg ein “vereinter Verein” zu sein, der Spalt, der sich quer durch den Verein zieht, ist noch einmal ein gutes Stück größer geworden und es möge niemand die dreiste Behauptung aufstellen, dass der Vorstand daran schuldlos sei. Von den oben aufgeführten Attributen suche ich mir “unwürdig” als zusammenfassende Beschreibung des Abends aus, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass ich Hoffnung habe, dass wir gestern den Tiefpunkt erreicht haben und es ab jetzt wieder besser wird. Die Voraussetzungen wurden dazu gestern gelegt. Ich bin gespannt, wie der Vorstand jetzt reagieren wird.

Come on FC!

Bestellt – Geliefert

Heute veröffentlichte Frank Lußem im Kicker ein bemerkenswertes Stück Sport-Journalismus. Es geht vordergründig um den Kampf um den 1.FC Köln, um die anstehende Mitgliederversammlung, um Querelen innerhalb der Gremien. Vordergründig. Wenn man sich das ganze Teil durchliest, ist es aber einzig und alleine eine Kampfrede für Werner Spinner, für den aktuellen Vorstand und gegen die Kritiker ebenjenes Vorstands. Haupt-Angriffsziel sind selbstverständlich Stefan Müller-Römer und Dr. Carsten Wettich, die beiden prominentesten Kritiker der Vereinsführung im aktuellen Mitgliederrat. Wie passend, dass am Mittwochabend der wichtigste Programmpunkt auf der Mitgliederversammlung des 1.FC Köln die Wahl eines neuen Mitgliederrats ist. Ein Schelm wer an Zufälle glaubt.

Natürlich kann der Text hier nicht vollständig zitiert werden aber auf ein paar Passagen möchte ich schon ganz gerne eingehen.

Es fängt mit der Pullover-Hoodie-Sache an. Lußem beschreibt, dass im letzten Jahr 14 Hoodies dem Mitgliederrat zur Verfügung gestellt wurden (“Originalverpackt und in passender Größe“). Ja, gut, warum auch nicht? Der 1.FC Köln hat dieses Geschenk ja ausgelobt, wir haben uns alle das Ding geholt. Ein Stück mehr für die Kleiderspende. Schon damals waren große Teil der aktiven FC-Anhänger gegen dieses Geschenk. Die Gründe dafür sind bekannt. Es gab auch im Nachhinein große Proteste. Dass der 1.FC Köln diese Proteste ignoriert und wieder ein Geschenk auf der diesjährigen Mitgliederversammlung ausgibt, ist sein gutes Recht. Ebenso ist es aber auch das Recht eines jeden Mitglieds Anträge zu stellen und wenn ein Antrag lautet, dass zukünftig Geschenke für Erscheinen ausgeschlossen werden sollen, dann hat die Mitgliederversammlung darüber abzustimmen. Die Argumentation, dass sowohl Müller-Römer als auch Wettich ihre Wahl in Gefahr sehen, da es wieder zu einer hohen Teilnehmerzahl kommen kann, und nur deshalb gegen die Geschenkausgabe sind, ist extrem verkürzt und tendenziös.

1. Zum Mitgliederversammlungen des 1.FC Köln kamen in Vor-Hoodie-Zeiten 1.500 – 2.000 Menschen. Das ist der Normalzustand.
2. Erst durch die Einflussnahme des Vorstands, der letztes Jahr (zu Recht) die große Sorge hatte, dass bei einem normalen Besuch der Antrag von 100%FC-Dein Verein erfolgreich sein würde, kam es zur Explosion der Teilnehmer an der Mitgliedsversammlung. Der Antrag erreicht über 30% Zustimmung. Man kann sich ausmalen, wie viele Prozentpunkte dies bei normalem Besuch gewesen wären.
3. Lußem verwendet die Wortwahl “ungeklärtes Verhältnis zu Ultra-Gruppierungen” als Stilmittel der Diskredition. Dem Leser wird signalisiert: Das sind Leute, die mit den Ultras gemeinsame Sache machen. Die sind gefährlich. Natürlich kann man Ultras ablehnen. Natürlich hat dieses Thema mehr als eine Facette aber dem (vielleicht) unbedarften Leser und Mitglied des 1.FC Köln zu suggerieren, dass mit Müller-Römer und Wettich die Ultras mehr Einfluss im Verein bekommen, ist unredlich. Dass beide Kandidaten bei “vielen Mitgliedern Sympathien verspielt haben” wird als Fakt verwendet. Mich interessiert wie Lußem darauf kommt. Facebook?

Lußem schreibt weiter wörtlich: “Ein Antrag auf Satzungsänderung spricht gar von der satzungswidrigen Verwendung von Vereinsvermögen. Starker Tobak bei einem Einkaufspreis von nur 11 Euro netto pro Pullover“. Auch hier gilt: Ein Mitglied unseres Vereins hat das Recht einen Antrag zu stellen. Dieser Antrag wird in der Mitgliederversammlung zur Wahl gestellt und dann entweder abgelehnt oder angenommen. Es ist kein “starker Tobak“, es ist ein Antrag, der die Satzung des 1.FC Köln betrifft. In dieser (§3 Abs. 1) heißt es: “Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins.” Der Antrag zielt darauf ab den Paragraphen um den Satz „Es ist unzulässig, Mitgliedern für oder im Zusammenhang mit der Ausübung von Mitgliedschaftsrechten vermögenswerte (Sach-)Zuwendungen oder andere vermögenswerte Leistungen in Aussicht zu stellen und/oder zu gewähren.“ zu ergänzen. Wieder verkürzt Lußem bewusst und nimmt eine Einschätzung (starker Tobak) vor. Auch hier gilt: Nicht der Kicker, nicht Frank Lußem, sondern die Mitglieder des 1.FC Köln stimmen über den Antrag ab. Ob es dem Vorstand gefällt oder nicht. Dass Lußem den Einkaufspreis des Pullovers kennt, sagt natürlich auch schon einiges aus, dass dieser (geringe) Betrag dann aber verwendet wird, um den Antrag in ein schlechtes Licht zu stellen, ihn seiner Leserschaft als überflüssig darzustellen ist unerhört. Also ob es einen Rolle spielen würde, ob der Pullover 11 Euro der 111 Euro im Einkauf kostet. Das ist billigste Meinungsmache.

Im weiteren Verlauf des Textes wird keine Gelegenheit ausgelassen um klar zu stellen, wen sich Frank Lußem als “Gewinner” aus dem Ringen um den Verein wünscht. Während der Mitgliederrat zerpflückt wird (Skepsis von Müller-Römer ggü Terodde, innere Zerissenheit, Klima der Angst innerhalb des Mitgliederrats usw usf), wird der Vorstand in strahlendem Licht gezeichnet: Veh ist ein gelassener Befrieder, Spinner zwar manchmal impulsiv aber immer authentisch, der Vorstand schrieb sich mit dem offenen Brief Frust von der Seele und so geht es immer weiter. Nicht ein kritisches Wort zu dem ungeheuerlichen Auftreten des Vorstand seinen Mitgliedern gegenüber. Kein Wort über das Totalversagen der letzten Saison. Es ist fast schon zu offensichtlich, was Lußem hier vorhat. Das ist nicht mal gut kaschiert. Die Kritik am Vorstand bestände zumeist aus “Befindlichkeiten“.

– Die geleakte Mail, in der Müller-Römer seine Skepsis gegenüber einer Terodde-Verpflichtung kundtat, ist aus Erstliga-Zeiten. Ich kann diese Skepsis nachvollziehen. Terodde, so wertvoll er im Moment für uns in der zweiten Liga ist, hat bisher nicht nachgewiesen, dass er dauerhaft eine Verstärkung in der ersten Liga sein kann. Lußem umschreibt dann die Enthaltung von Müller-Römer mit den Worten “[hat nicht] für Terodde gestimmt”. Ja. Aber auch nicht dagegen. Dies wird nicht erwähnt. Der Mitgliedsrat hat die Verpflichtung von Terodde nicht torpediert. Es ist ein Nicht-Thema, was aber natürlich hoch-emotional gelesen werden kann, wenn man sich etwas oberflächlicher mit dem 1.FC Köln beschäftigt. Es soll suggerieren: Seht her, der wollte Terodde nicht und jetzt guckt mal, wer den FC nach oben schießt.

– Dass sich Teile des Mitgliederrates aus der internen WhatsApp-Gruppe verabschiedet haben, dass Michael Trippel dies auch öffentlich bekannt gibt (durch eben jenen Artikel) und dennoch Internas aus diesem Mitgliederrats-Chat im Text zitiert werden, lässt erahnen, wer da mit wem gesprochen hat. Michael Trippel, der übrigens weder bei effzeh.com, noch bei 100%FC – Dein Verein eine Antwort auf Fragen zu seiner Kandidatur als Mitgliedsrat-Kandidat nötig hatte, sondern diese nur Fans1991, also dem internen Fan-Projekt gab, fungiert hier als Kronzeuge der Anklage für den Beweis, dass das Klima im “gremiumsinternen Chat von Missstimmung geprägt” ist. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

– Dass Lußem die Unverschämtheit des offenen Briefs als “Frust von der Seele” schreiben des Vorstands bezeichnet, ist zwar eine nette Umschreibung, verschweigt aber wieder, dass es im gesamten Verein für großes Unverständnis sorgte, dass der Vorstand öffentlich Vereinsmitglieder namentlich an den Pranger stellte. Dieser Brief war kein “Frust von der Seele” schreiben, es war ein taktisches Mittel. Ein unwürdiges noch dazu. Hier wird dies von Lußem in einem Halbsatz als berechtigte Aktion abgehandelt. Dass der Mitgliederrat dem Schreiben nicht zustimmte, wird als Faulheit (“über die Karnevalstage“) und Desinteresse (weil man ja ultranah ist?) dargestellt. Auch dies ist wieder völlig am Kern der Sache vorbei geschrieben. Das Statement des Mitgliederrates kann man, wie Lußem richtig schreibt bei effzeh.com nachlesen. Vielleicht hat er das sogar. Zitiert hat er es jedenfalls nicht. Dort steht drin: “Der Mitgliederrat war in die Erstellung des Ultra-Papiers nicht eingebunden. Vielmehr wurde uns der Entwurf ohne jede Vorankündigung erstmals am Karnevalsfreitag per E-Mail zur Kenntnisgebracht, verbunden mit einer am Rosenmontag um 12.00 Uhr ablaufenden Frist „zur Zustimmung“. Wegen der Bedeutung und Sensibilität des Themas hat der Mitgliederrat noch am gleichen Tag den Vorstand gebeten, mit der Veröffentlichung bis nach der Mitgliederratssitzung am 19.2.18 zu warten, damit wir uns zu dem Papier im Gremium eine Meinung bilden können. Hierzu war der Vorstand eingeladen, um mit uns gemeinsam zu diskutieren. Leider ist der Vorstand unserer Bitte nicht gefolgt.” Bitte lest Euch den Rest durch, so wie Lußem das in seinen Text schreibt, ist es nicht korrekt.

Der gesamte Text ist einseitig und unausgewogen. Der Text ist nicht als Kommentar gekennzeichnet, er findet im normalen redaktionellen Umfeld des Kickers seinen Platz. Er macht von Aufmachung und Aufbau den Eindruck einer investigativen Reportage. Diesem Eindruck kann der Text nicht gerecht werden. Die Kritiker kommen nicht zu Wort, die Vorgänge werden bewusst falsch oder verkürzt dargestellt, die vielen kontroversen Entscheidungen des aktuellen Vorstands werden nicht beleuchtet. Frank Lußem gelingt hier ein Geniestreich. Er hat unter dem Schutz des Ansehens des Kickers eine Kampfschrift für den Vorstand des 1.FC Köln veröffentlichen können, ohne Gegenargumente auch nur recherchieren zu müssen. Für ihn persönlich wird dieser Text den gewünschten Erfolg bringen. Ob der Sport-Journalismus auch durch ihn an Glaubwürdigkeit gewinnt, das, zumindest da, kann man hinterfragen.

Leute, am Mittwoch wird der Mitgliederrat gewählt, der im nächsten Jahr den Vorstand vorschlagen soll. Egal wie Ihr darüber denkt, egal wen Ihr wählen wollt: IHR wählt. Nicht der Kicker, nicht Frank Lußem, nicht Werner Spinner. Nur IHR seid verantwortlich für die Wahlen am Mittwoch. Ich weiß wen ich wähle und wie ich bei den Anträgen abstimmen werde aber das muss für Euch ja nicht gelten. Vielleicht seid Ihr zufrieden mit der Arbeit des Vorstands? Vielleicht habt Ihr auch nächstes Jahr Bock auf Geschenke? Dann ist das eben so. Das ist das Wesen unseres Vereins, dass es unterschiedliche Meinungen geben kann und dass WIR, die Mitglieder des Vereins immer noch die Macht haben mit unserer Stimme Dinge zu ändern oder ihnen eben auch zuzustimmen. Je nach Gusto. Diese Möglichkeit ist im Verein unser höchstes Gut und unsere höchste Verantwortung. Ich sage jetzt nicht: Ihr müsst das und das tun, den und den wählen. Ihr müsst nicht meiner Meinung sein, Ihr wisst sicher selbst am besten, was Ihr wollt. Ich bitte nur um eins: Informiert Euch über den Kicker hinaus, denn das, was Frank Lußem da geschrieben hat, ist alles, nur nicht objektiv.

FC – Paderborn: Offen Holland

Machen wir es kurz und schmerzlos, ich hab nämlich nen Schädel bis Frankfurt und zurück und meine Laune ist eher im Minusbereich. Grandiose Leistung des SC Paderborn, der wunderbar aufgezeigt hat, wie anfällig unsere Hintermannschaft und die gesamte FC-Spielanlage ist: Kommst du mit Tempo, gucken wir doof. Mittlerweile tendiere ich dazu die Niederlage als verdient einzustufen, auch wenn sich der Schiedsrichter schon recht prominent in der Vordergrund gepfiffen hat. Aber (und dieses “aber” bitte ich langgezogen mit hoch-aggressiver Stimmlage zu lesen), wenn Du in der 89. Minuten beim Stand von 3:3 zu Hause gegen Paderborn (no offense) Simon Terodde für Lasse Sobiech auswechselst, dann hast du gar nichts verdient. Dann kannst du auch aufhören. Was ist das denn? Da sitzen 50.000 Leute im Stadion, es ist gerade das 3:3 gefallen, der Anspruch des FC muss es sein zu Hause in der zweiten Liga Spiele zu gewinnen. Und dann, Herrgott, wechselt Anfang einen staksigen Innenverteidiger für den besten Stürmer der Liga ein? Weil er den Punkt sichern will? Liebe Leute…

Natürlich darfst du das Spiel nie verlieren. Es fängt mit unfassbarem Chancenwucher an, geht über zwei ziemlich klare nicht-gegebene eigene Elfer und einem zumindest sehr, sehr großzügigem Gegner-Elfer weiter und gipfelt in einer Defensive, die nur mit viel Wohlwollen als solche zu bezeichnen ist. Das war ja teilweise Slapstick. Acht Tore in den beiden Spielen gegen Sankt Pauli und Paderborn zu kassieren, ist kein Hallo-wach mehr, das ist ein Tritt in die Weichteile. Aber mit Anlauf. Darf beim besten Willen nicht passieren.

Jaja, wir können wirklich alles auf den Schiedsrichter schieben aber damit machen wir es uns zu einfach (und ganz nebenbei wäre das auch unfair den Paderbornern gegenüber, vor denen ich wirklich meinen Hut ziehe). Anfang muss sich dringend hinterfragen, das meine ich komplett ernst. Wieder starten wir ohne Mittelfeld und haben eine Idee: Flanken in den Strafraum und hinten gucken das möglichst wenig schief geht. Mehr ist da nicht. Ich bleibe dabei, dass das im Zweifel sogar reichen wird, aber manchmal, wir haben es heute gesehen, kommt dann ein bisschen Pech und ein bisschen zu viel Unvermögen dazu und schwupps, isset passiert.

Es ist wie es ist, ich hab ‘ne Krawatte. Sobiech für Terodde. Alles klar.

Wir steigen dennoch auf.

Lichterloh – Kein Ende in Sicht.

Eben veröffentlichte der 1.FC Köln die News, dass es – wegen des Vorfalls gegen Union Berlin – zu einem Vereinsausschluss-Verfahren und damit einhergehend zu Vereinsausschlüssen und Dauerkarten-Kündigungen gegen neun Personen gekommen ist. Die restlichen an dem Vorfall beteiligten Personen erhielten vom 1.FC Köln ein sog. “ermahnendes Schreiben” und Stadionverbot. Ich gehe mal davon aus, dass der Vereinsausschluss auf der einen – und die “Bewährung” auf der anderen Seite mit den Akten der jeweiligen Personen zu tun hat und alles satzungskonform abgelaufen ist. Dass die Betroffenen die Gelegenheit hatten sich in dem Verfahren zu äußern und dies anscheinend unterließen, darf nicht überraschen, es darf aber genauso wenig die Sorge des Vereins sein. Mit diesen Vereinsausschlüssen reagiert der 1.FC Köln zwar hart aber mMn durchaus nachvollziehbar auf das Fehlverhalten nach dem Union Spiel. Wenn ich mich als Mitglied eines Vereins privat in einem Maße daneben benehme, dass es in den strafrechtlichen Bereich geht, dann hat der Verein durchaus das Recht in Frage zu stellen, ob diese Personen als Mitglieder tragbar sind. Ob ich persönlich so entschieden hätte, weiß ich nicht, ich finde aber man kann dem Verein in diesem speziellen Fall keinen Vorwurf machen.

Hart ist es aber natürlich dennoch.

Weiterhin verlangt der 1.FC Köln 14.000 Euro von zwei Personen die am Fahnenklau gegen BMG beteiligt waren. Diese “Weitergabe” der Verbandsstrafe ist sicherlich juristisch haltbar, jedoch stelle ich mir die Frage, ob der Verein es tatsächlich nötig hat wegen einer Aktion, die eher an einen Pfadfinder-Streich erinnert und ganz sicher nicht als Ausschreitung gewertet werden darf, die volle Bandbreite des Möglichen ausnutzen muss. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Höhe der Strafe nicht ansatzweise transparent und für Normalpersonen nachvollziehbar festgelegt wird. Der DFB verhängt Mondstrafen, es kommt ja nicht zu einem ordentlichen Gerichtsverfahren, in dessen Verlauf sich die “Täter” verteidigen können. Ich bin natürlich kein Anwalt aber vom reinen Sachwert her sollten es sich bei einem Fahnenklau um eine Bagatelle handeln. Korrigiert mich bitte, falls dem nicht so ist. Vor einem zivilen Gericht, bei einem reinen Eigentumsdelikt (es war ja nicht mal Raub, sondern Diebstahl, oder?), wäre der Fall hoffentlich glimpflicher ausgegangen. Der Verein sollte in meinen Augen anerkennen, dass der DFB hier Strafen verhängt, die sich nicht gegen die Personen richten und die sicher auch “Vorstrafen” mit einbeziehen, die (im Zweifel) nicht von den jetzt zur Kasse gebetenen Personen zu verantworten sind. 14.000 Euro sind ein Batzen Geld. Ich wüsste jetzt nicht, wo ich auf die Schnelle 7.000 Euro hernehmen sollte.

Die Konsequenzen aus dieser Regress-Forderung stehen für mich in keinem Verhältnis zur Tat. Was passiert, wenn durch die Forderung eine Privat-Insolvenz ausgelöst wird? Was passiert, wenn durch die Forderungen vielleicht Menschen (Kinder, Frauen, Eltern, Großeltern) betroffen sind, die auf einmal nicht mehr unterstützt werden können, da der FC ein paar hundert Euro im Monat wegpfändet? Haben wir als Verein das wirklich nötig? Ich meine nicht. Vielleicht kann der FC hier noch einmal in sich gehen. Setzen wir es mal zum Vergleich, den 3,x Millionen Abfindung an Schmadtke gegenüber, dann kann sich ja jeder selbst ausmalen, was dem Verein mehr geschadet hat.

Im letzten Absatz schreibt der FC von Werten und einer FC-Familie. Es wäre schön, wenn diese Worte nicht nur hohle Phrasen wären, sondern auch von Vereinsseite mit Leben befüllt werden. Im gestrigen FC-Stammtisch sprachen Dieter Prestin und Harald Konopka über den Umgang des Vereins mit ihren Double-Siegern von 1978. Der größte Triumph des Vereins. Unser annus mirabilis feiert in diesem Jahr sein 40. Jubiläum. Und was macht der Verein? Nichts. Keine Ehrungen, keine Erinnerungen, nicht mal ein Retro-Trikot haben sie hinbekommen. Es wird einfach unter den Teppich gekehrt. Es ist als hätte es nicht statt gefunden. Kein Wort, keine Einordnung, keine Erinnerung. Der aktuelle Vorstand hat es anscheinend nicht nötig den Helden von damals ‘Danke’ zu sagen. Wie Konopka richtig anmerkte: Das ist beschämend und des 1.FC Köln nicht würdig. Geht man so mit seinem Erbe um? Vor allen Dingen: Wenn es wirklich eine FC-Familie gäbe, die auch von Vereinsseite als solche gesehen wird, wäre es dann nicht die Pflicht des Familienoberhauptes hier mit einem guten Beispiel voran zu gehen?

Im Mitschnitt des Stammtisches spricht Prestin dann auch noch das Verhalten des Vereins gegenüber Herbert Neumann an, dem es – nach Aussage von Prestin – schon seit längerer Zeit nicht gut gehen soll und der von Vereinsseite keinerlei Unterstützung oder Zuspruch erhält. Neumann war (neben Flohe) die zentrale Position im Kölner Spiel, er wurde drei Mal Pokalsieger mit unserem Club und war eben auch Teil der Meistermannschaft von 1978. Man kann schon von einem verdienten Spieler reden. Und da ist der Verein nicht in der Lage zu helfen? Wo sind wir nur hingekommen?

[Update]
Da hinten bei effzeh.com hat man sich der Kritik von Konopka und Prestin ebenfalls angenommen und beim Verein nachgefragt. Dieser weist die Vorwürfe zurück.

„Der 1. FC Köln hat das Double 1977/78 in diesem Jahr mehrfach und zu verschiedensten Gelegenheiten gewürdigt, nicht zuletzt in der Sonderausstellung im Deutschen Sport- und Olympiamuseum. Zu deren Eröffnung waren alle 78er-Legenden eingeladen. Zudem wird es in diesem Jahr eine Gala zu 70 Jahren FC geben, bei der das Double eine gewichtige Rolle spielen wird. Insofern ist dieser Vorwurf für uns nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer Stellungnahme des 1. FC Köln. „Wir würden uns wünschen, dass verdiente ehemalige Spieler wie Dieter Prestin oder Harald Konopka sich direkt und persönlich an den FC wenden, wenn sie Fragen oder Kritikpunkte haben.“

Wenn der Verein dies als ausreichend betrachtet, dann ist das eben so.

Zur Causa Neumann teilt der FC mit:

„Die Vorwürfe von Dieter Prestin sind vollkommen falsch und treffen diejenigen, die sich seit Monaten intensiv um Herbert Neumann bemühen, zutiefst. Sowohl FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle als auch insbesondere Toni Schumacher und Bernd Cullmann haben sich mehrfach mit Herbert Neumann getroffen und alles unternommen, um ihm zu helfen“

Hier hört man aus – wie gewohnt gut informierten Quellen – dass diese Aussagen zutiefst glaubwürdig sind und sich insbesondere Toni Schumacher weit über normales Engagement um Herbert Neumann gekümmert haben soll und alles versucht hat um ihn zu unterstützen. Dass dieses Engagement (bisher) nicht von Erfolg gekrönt war, kann man dem Verein nicht vorwerfen.

Zumindest den Punkt Neumann muss man im Lichte dieser Stellungnahme anders und völlig konträr betrachten. Entweder Prestin wusste nichts vom Engagement des Vereins, dann war es fahrlässig mit diesen Holzhammer-Vorwürfen vorzupreschen oder Prestin lügt bewusst und verfolgt eine eigene Agenda. Man kann es im Moment drehen und wenden wie man will, die Geschichten rund um den FC weisen mehr Twists und Merkwürdigkeiten auf, als ein durchschnittlicher David Lynch-Film.

Der Rest des Textes bleibt so stehen, wie ich ihn geschrieben habe, ich bitte aber das Update zumindest gedanklich mit einzubinden.
[/Update]

Das wirklich absurde ist, dass von Vereinsseite dazu aufgerufen wird die FC-Charta zu respektieren, wo doch der Verein die Rolle der monströsen Ignoranz übernimmt. Vergleichen wir Artikel 3 der Charta

UNSERE IDENTIFIKATION – OP TREU UN OP IHR
Wir lieben Köln, die Region und die rheinische Lebensart. Es ist eine Ehre mit dem 1. FC Köln
verbunden zu sein. Der FC ist für uns ein Stück Kultur.

einmal mit dem Umgang der Double-Mannschaft. Oder vielleicht schauen wir uns einmal Artikel 5

UNSERE MITGLIEDER – MER STONN ZESAMME
Mitglieder und Gremien handeln mit Wertschätzung kooperativ für den FC. Wir wünschen
uns Unterstützung untereinander. Wir übernehmen Verantwortung: Ehrenamt, soziale Projekte,
Integration, Fan-Projekte, Jugendförderung, …. Wir engagieren uns!

an und überlegen wie der Vorstand, wie Werner Spinner mit Mitgliedern umgeht, die ihm nicht genehm sind. Die Initiatoren von 100% FC – DEIN VEREIN, der Mitgliederrat und die namentlich genannten Personen im unsäglichen offenen Brief fühlen sich sicher gut aufgehoben in diesem Punkt.

Der Weg zurück zu einer “Familie” ist keine Einbahnstraße. Niemand behauptet, dass die aktive Fanszene keine Fehler gemacht hat. Dort ist sicher auch nicht alles Gold was glänzt und mehr als einmal kann man sich auch über sie ärgern, keine Frage. Und, was gerne vergessen wird, die Opposition gegen den aktuellen Vorstand setzt sich ja nicht ausschließlich aus Ultras zusammen. Es gibt eine sehr große Bandbreite an Mitgliedern die weit weg von “aktiver Fanszene” sind aber dennoch Veränderungen in die Wege leiten wollen.

Natürlich kann man auch nicht pauschal alles falsch finden, was von Vereinsseite passiert aber es geht mittlerweile um mehr als ein Abwägen zwischen (empfundenen) richtigen und falschen Entscheidungen. Der 1.FC Köln befindet sich mit diesem Vorstand in einer Sackgasse aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass der Verein zwar fordert aber selbst nicht liefert. Das ist ja kein neues Muster. Um wieder zu einer Einheit zu werden, um wieder zu einem Verein zu werden auf den wir alle, ob nun sportlich oder abseits des Platzes, stolz sein können, muss es zu tiefen Veränderungen in der Vereinskultur kommen. Es muss Schluss sein mit Gutsherren-Art und Sonnenkönig-Tum. Es muss Schluss sein mit Grabenkämpfen innerhalb der Gremien. Wir müssen persönliche Eitelkeiten hinter uns lassen und endlich wieder das werden, was uns dazu gebracht hat diesen Verein zu lieben und ein Teil von ihm zu sein: Wir müssen wieder der 1.FC Köln werden.

Im Moment sind wir nur irgendein Fußballclub. Und das darf nie unser Anspruch sein.

Bei der nächsten Mitglieder-Versammlung gilt es den ersten Schritt zu machen.

Come on effzeh!


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FC Sankt Pauli Hamburg – FC: Flu(ch)t nach vorne

Sorry, Leute, ich habe gerade sehr, sehr wenig Zeit. Heute geht es schon wieder weiter nach Frankfurt, da bleibt nicht viel Gelegenheit zu schreiben, daher mache ich es kurz und schmerzlos. Der FC zeigt sich gefestigt, auch ein 0:2 Rückstand, nach zwei katastrophalen Dingern von Risse (ja, auch das 0:2 leitet er mit einem ziemlich dämlichen Fehlzuspiel zum Gegner ein), bringt keine wirkliche Gefahr, denn – ich bleibe dabei – die individuelle Qualität ist zu gut für die Liga. Eigentlich musst du nur die Bälle auf Außen kriegen und flanken, flanken, flanken. Da werden Tore komplett automatisch fallen. Deswegen habe ich auch nicht verstanden, warum dieses Mittel so selten genutzt wurde und warum – erneut – das offensive zentrale Mittelfeld den verwaisten Charme einer Konsum-Kaufhalle ca. 1982 in Bitterfeld-Wolfen versprühte. Erneut gab es keine zentrale Anspielstation auf der ‘9’. Natürlich hast du in der 2. Liga den Platz um den Ball durch die Mitte nach vorne tragen zu können aber es wird dann halt schon irgendwann eng.

Wie gesagt, ich verstehe nicht, warum man sich das Leben selbst so schwer macht. Das macht aber ja nichts, weil ich auch ganz viele andere Dinge nicht verstehe. Warum z.B. nach dem 2:4 das Fußballspielen komplett eingestellt wurde, erschließt sich mir kein bisschen. Der FC hatte Sankt Pauli am Sack, hätte einfach mit Ballbesitz und den oben schon vermissten Flankenläufen den Druck weiter hoch halten können, entschloss sich aber dazu den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und Sankt Pauli einzuladen selbst Druck aufzubauen. Am Ende stehen da 2:12 Ecken. Hallo?

Ernsthaft, raff ich nicht. Unser Defensiv-Verbund macht mir jetzt nicht den Eindruck, als hätten sie das Fußballspielen bei Atlético Madrid gelernt, oder? Das war in meinen Augen komplett falsch. Warum nicht die eigenen Stärken nutzen? Einzig Serhou Guirassy zeigte bei seiner Auswechslung hohe Qualität im Zeitspiel. Dass er nicht rückwärts gelaufen ist, war alles. Herrjeh, haben wir das nötig? Wie ich sowas hasse. Das hat nichts mit unbedingt siegen wollen zu tun, das ist natürlich für uns in dem Moment lustig und es wurde im Block ja auch angemessen gefeiert aber wenn wir selbst betroffen sind, dann kannst du gar nicht genug Schweinegrippe-Mittel spitzen um den Schaum-vorm-Mund-Anteil der Unterbißfraktion zu unterbinden. Echt,ey.

Naja, am Ende dann eben 5:3 gewonnen, schönes Spiel zum zugucken, Terodde mit irgendeinem Rekord, Spitzenreiter, alles gut. Ich mache mir weiterhin keinerlei Gedanken, dass wir aufsteigen. Null. Bisschen verwundert bin ich weiterhin über Markus Anfang. Ich muss mir da noch Gedanken machen. Aber, so lange wir gewinnen gibt es keine Argumente.

Weitermachen.

Come on effzeh!


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FC – Union Berlin: The Hitchhiker’s Guide to the Schweineliga

“Ist ja gut”, sagte Ford, “nur keine Panik.” “Wer hat denn was von Panik gesagt?” schnappte Arthur zurück. “Das ist doch bloß der Kulturschock. Wart’s ab, bis ich mich mit der Situation befreundet habe und wieder weiß, wo’s lang geht. Dann fange ich an, Panik zu kriegen.”

Nein, liebe Freunde, es ist wirklich noch nicht an der Zeit Panik zu schieben. Es ist der zweite Spieltag und noch muss einiges an unerwarteten Unfällen passieren, bevor ich meine Meinung, dass der FC sehr sicher und sehr souverän aufsteigen wird, revidiere. Da ändert dann auch das gestrige Unentschieden gegen ein zutiefst biederes Union Berlin nichts, auch wenn dieses Ergebnis natürlich nicht das war, was sich 45.000 Endorphin-überdosierte Heimfans vorgestellt hatten. Ich übrigens auch nicht. Die zweite Liga ist, man muss es so deutlich sagen, wirklich eine ganze Klasse schlechter als die Bundesliga. Gefühlt sogar noch mehr als das, weil das fußballerische Niveau fast nicht zu vergleichen ist. Die zweite Liga ist eine Schweineliga. Es ist schlechter Fußball. Es ist der Kampf einen Fünf-Meter-Paß ohne signifikante Selbstverstümmelung zu spielen. Tore fallen durch Fehler des Gegners, nicht durch eigenen Antrieb. Wenn ich vor dem Spiel höre, dass Urs Fischer “mutig mitspielen” will, dann ist das löblich und sicher ernst gemeint aber das Anlaufen gegen den ballführenden FC hätten sie sich auch sparen können, da eh kein Aufbauspiel stattgefunden hat. Vice versa übrigens genauso. Es ist Fußball aus den 80er Jahren: Bloß weg mit dem Ball. Es ist fast kein Spiel, sondern nur Kampf. Spaß macht das nicht.

Bei aller gebotenen Nonchalance müssen aber Fragen erlaubt sein. Ich verstehe Anfang nicht. Ich weiß nicht, was er vorhat, was sein Plan ist. Schon gegen Bochum waren die beiden eigenen Treffer eher glücklich und ein besserer Gegner hätte uns hinten drei oder vier eingeschenkt. Jetzt spielt der FC das erste Spiel zu Hause, es ist Montagabend, Flutlicht, volles Stadion, ein Gegner, der bereitwillig erklärt selbst Fußball-spielen zu wollen und sich nicht 90 Minuten mit zehn Mann am eigenen Strafraum einigelt und wir sehen eine Aufstellung, die mich zutiefst ratlos hinterlässt. Jonas Hector, Linksverteidiger, immerhin in der Nationalmannschaft, wird auf die Sechs beordert (was schon letzte Saison nicht immer perfekt geklappt hat) und dort völlig allein gelassen. Auf links stand mit Jannes Horn ein komplett überforderter Spieler, der (aktuell) weder das Tempo noch die Spielstärke hat, um in der zweiten Liga mitspielen zu können. Man konnte Mitleid mit ihm haben, wie er ein ums andere Mal von Hedlund oder Hartel (HARTEL, HERRGOTT!) überlaufen und stehengelassen wurde. Dafür mäandert Hector durch ein postnukleares Mittelfeld, ohne Aussicht auf andere Menschen zu treffen. The Last of Us in Müngersdorf.

Auf rechts Risse, der, stehts bemüht im Versuch den Ball nach vorne zu tragen, mehr als einmal in drei oder vier Berliner lief, die alle Zeit der Welt hatten sich zusammenzurotten, da ja nichts da war, was man im Raum decken müsste. Die vorderen vier Spieler (Clemens, Schaub, Hauptmann und Drexler) hatten anscheinend individuelle Briefings zum Spielplan erhalten, denn es sah nicht unbedingt so aus, als wüsste der eine wo der andere hin läuft. Eigentlich kam es zu keiner nennenswerten Pass-Stafette, es wurden keine Freiräume erspielt, es wurden keine Gegner gebunden, es wurde sehr, sehr stumpf versucht über die Außen nach Innen zu ziehen. Leider fehlt dafür dann die individuelle fußballerische Qualität. Besonders Drexler enttäuscht mich hier bisher sehr. Schon in Bochum fand ich ihn extrem fahrig und unkonzentriert, das hat sich gestern nahtlos fortgesetzt.

Bleibt noch Cordoba, der Dinge macht, die Cordoba eben macht. Er steht mit dem Rücken zum Tor, wird ab und an angespielt, kann den Ball aber nicht annehmen, der verspringt zum Gegner und Aus die Maus. Da ist auch null Bewegung, null Überraschungsmoment in seinem Spiel. Wenn er den Ball nicht hat, trottet er in einem Radius von maximal zehn Metern an der Strafraumkante auf und ab, lässt sich dann fallen um anspielbar zu sein, verliert den Ball wieder, weil er natürlich manngedeckt wird (es hat immer jemand Zeit, ist ja nix anderes zu tun) und dann geht das ganze von vorne los. Ich verstehe es nicht. Cordoba alleine in der Spitze kann beim besten Willen nicht funktionieren. Er ist kein Mittelstürmer. Wahrscheinlich ist er noch nicht mal ein Stürmer. Seine “Qualität” kann darin bestehen Abwehrspieler zu binden und damit Freiräume für einen Kollegen zu schaffen. Damit dies gelingen kann, braucht es aber zwei Voraussetzungen: 1. Es müsste ein weiterer Stürmer da sein und 2. müsste er eine Anspielstation 25 Meter vor dem gegnerischen Tor haben, zu dem er den Ball prallen lassen kann. Jemand, der den Ball dann annehmen und verteilen, scharf reinspielen kann. Beides ist nicht gegeben. So sieht unser Offensivspiel aus wie ein Fiebertraum von Wassily Kandinsky. Kann man mögen, ist aber schwer zu verstehen.

Und bitte, Union Berlin hat nun keinen Voetbal totaal gespielt. Es war ja nicht so, als ob uns die Berliner mit reinrassigem Kombinationsfußball Knoten in die Beine gespielt hätten. Auch auf der anderen Seite war jeder Ballbesitz ein Kampf ums pure Überleben. Tut mir leid, ich verstehe es wirklich nicht. Da hast du Koziello in deinem Team, der angedeutet hat, dass er wahrscheinlich der fußballerisch begabteste Spieler der zweiten Liga sein wird, mit Terodde jemanden auf der Bank, der nachgewiesen hat, dass er in dieser Liga alles in Grund und Boden schießen kann und machst nichts daraus. Man möge es mir erklären, ich bin überfordert. Die Wechsel sind reine Personalwechsel, wie ein Zugführer-Schichtwechsel bei der deutschen Bahn. Du hast Feierabend, ich mache weiter. Keine Umstellung, kein Versuch das Spiel mal ein wenig anders zu gestalten, kein Druck auf den Gegner ebenfalls umzustellen um die eingeübten Positionskämpfe aufzuweichen, nichts. Das ist dann schon einigermaßen enttäuschend. Spätestens ab der 60. Minute hat man erkannt, dass der FC gar nicht mehr wollte. Dass man in den reinen Verwaltungsmodus umgestiegen ist. Da war kein Feuer im Spiel, kein Willen das Publikum auf seine Seite zu bekommen, kein Interesse daran ein Ausrufezeichen zu setzen. Es war ein gelangweiltes Abarbeiten des Pflichtenhefts, während man alle zwei Minuten auf die Uhr guckt und hofft, dass schnell Feierabend ist. So hat dann auch eine Situation gereicht um den Ausgleich zu ermöglichen. Alles rechnet mit einem Freistoß, der wird nicht gepfiffen, aber geistig hat man schon abgeschaltet, die komplette Mannschaft wird übertölpelt und zehn Sekunden später steht es 1:1.

Und jetzt wird es richtig bitter: Ich habe wirklich geglaubt, dass dieses Gegentor noch einmal ein Weckruf sein wird. Es waren noch 20 Minuten zu spielen. Jetzt, hab ich gedacht, jetzt müssen sie was tun. Zu Hause, erstes Spiel, volle Hütte, die wollen nicht Unentschieden spielen. Jetzt muss sich im Spiel was tun, jetzt muss Anfang auch sehen, dass es so nicht klappt, jetzt geht’s los. Ich empfand das Gegentor zu diesem Zeitpunkt als wohltuend. Auf jetzt!

Doch dann: Nichts.

Anfang stellt nichts um, das Spiel wird weiter 08/15 angegangen. Weiterhin keine Anspielstation auf der Acht, keine Bewegung, kein Moment im Spiel. Und übrigens auch keine Wechsel. Wir brauchen zehn Minuten bis Zoller neben den früher für Cordoba gekommenen Terodde gestellt wird (auf die Clemens-Position) und nochmal sieben Minuten bis Guirassy für Hauptmann ins Spiel kommt. Da hat sich genau nichts am Spiel geändert, außer dass Zoller noch ein klein wenig ungeschickter am Ball war als Clemens. Weiterhin gähnende Leere im kreativen Bereich und der Ork-Moment war mit dem Führungstreffer von Clemens ja schon passiert.

Die letzten 20 Minuten haben mich wahrscheinlich mehr enttäuscht als alles was in der letzten Saison vorgefallen ist, denn da war man eben unterlegen und konnte sich nicht wehren. Hier hätte man durchaus Hebel gehabt, weigerte sich aber diese zu nutzen. Das war nicht schön.

Und so müssen wir feststellen: Es war ein Zweitliga-Fußballspiel. Wäre es Sandhausen gegen Heidenheim gewesen, es hätte sich niemand beschwert. Wir dürfen das auch nicht. Das ist im Moment unser Spiel. Wir müssen lernen damit zu leben.

Und, bei allem fehlenden Spaß: Es wird dennoch locker reichen. Junge, die zweite Liga ist schlecht.

Vielleicht ändert sich ja auch noch was, es ist erst der zweite Spieltag, ich schrieb es oben schon einmal. Einfach ein bisschen Mittelfeld, einen zweiten Stürmer, ein paar eingeübte Laufwege, das sollte schon reichen.

“Du meinst, das ist es?” fragte Ford. “Das ist es.” “Neun mal sechs. Zweiundvierzig.” “Das ist es. Das ist alles.”


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Bochum – FC: Schritt Eins

Der FC startet mit einem Sieg in Bochum in die ungeliebte zweite Liga, macht damit am Ende alles richtig und setzt so ein erstes Ausrufezeichen in Richtung Aufstieg, der, man muss es noch einmal betonen, da das ja vor allem in den sozialen Medien ab und an falsch verstanden wird, völlig alternativlos ist. Dieser Sieg war aber einem guten Stück auch der Unfähigkeit des Gegners geschuldet, die vielen, vielen Räume, die sich ihnen boten und die Chancen, die sich dennoch boten, zu nutzen. Bochum hatte, besonders in der ersten Hälfte, genug Möglichkeiten dem FC den Saisonstart zu verhageln aber sowohl Robbie Kruse als auch Lukas Hinterseer erwiesen sich als gute Gastgeber und wollten die Geschenke nicht anbieten, die unsere Verteidigung so freimütig anbot. Dann reicht es eben am Ende zu einem Auswärtssieg. Muss man so annehmen. Der Leistungsunterschied zwischen der ersten und der zweiten Liga ist tatsächlich einigermaßen signifikant, denn, so viel ist sicher, mit der Leistung von heute hätte der FC in der Bundesliga gegen einen beliebigen Gegner nicht gewonnen. Es reicht aber eben für das Unterhaus.

Die Aufstellung von Trainer Anfang war überraschungsfrei aber dennoch mMn diskutabel. Dass Salih Özcan alleine auf de Sechs und ohne “Achter”-Unterstützung (in Person von Vincent Koziello) den Spielaufbau übernehmen sollte, war ambitioniert und leider auch nur mäßig erfolgreich. Es fehlte, wie in den letzten Jahren schon, immer wieder das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, so dass es kaum zu einem wirklichen Aufbauspiel kam. Entweder wurde der Ball im Alleingang nach Vorne getragen oder es kam der lange Schlag auf die Außen. Ein Kombinationsspiel fand nicht statt. Ich bin nicht im Training, ich bin nicht in der Position irgendwas zu kritisieren und am Ende steht halt der Sieg, der alles Gesagte und Geschriebene obsolet macht, aber ich sehe es dennoch so, dass mir dieser rein kämpferische und simple Ansatz nicht wirklich gefällt. Zudem waren mir die Rollen von Louis Schaub und Sehrou Guirassy nicht klar. Sollte Guirassy immer wieder in die Mitte ziehen ohne dass es auf links einen einlaufenden Spieler gab? Warum? Man macht das Spiel dadurch unnötig eng und nimmt sich selbst Optionen. Und warum lief Schaub dauernd in den Laufweg von Cordoba? War er als zweite Spitze vorgesehen? Falls ja, war das reichlich wirkungslos, denn er hatte einige unglückliche Aktionen. Später übernahm Dominick Drexler mehr als einmal die Guirassy-Position, agierte aber auch eher unglücklich oder eben auf Zweit- bis Drittliganiveau. Muss sich vielleicht noch finden aber das Duo Drexler-Cordoba kann und darf nicht unsere Hoffnung auf viele Tore dieses Jahr sein. Cordoba mit drei Chancen und weiterhin keinerlei Gefahr. Dass Terodde (und Zoller) über 90 Minuten auf der Bank saßen, lässt mich ratlos zurück aber auch hier gilt: Alles egal, drei Punkte sagen, dass der FC alles richtig gemacht hat.

Ein bisschen müssen wir noch über die Defensive reden, die genau die Sollbruchstellen offenbarte, die wir erwartet haben. Auf rechts klafften teilweise eklatante Löcher, die Bochum ständig zum Durchbruch nutzen konnte. Kruse und Danilo hatten wenig Mühe Clemens und Risse zu überlaufen und bis zur Grundlinie durchzugehen oder bereits vorher in den Strafraum zu flanken. Praktisch alle Möglichkeiten des VfL ergaben sich über diese Seite. Hier hätte viel aktiver geholfen werden müssen aber dadurch dass die Sechs nur einfach besetzt und die Innenverteidigung mit Stellungsspiel beschäftigt war, war Hitzefrei auf rechts.

Über die Innenverteidigung gibt es nix zu meckern, Jorge Meré und Rafael Czichos machten wenig falsch, vor allen Dingen war das oben erwähnte Stellungsspiel bei Standards durchaus gut. Allerdings muss Anfang spätestens nach 65 Minuten Meré vom Platz nehmen, denn es war sehr deutlich, dass er Gelb-Rot gefährdet war, weil er immer mehr die Aufgaben des Ausputzers übernahm, weil bei Risse die Kräfte deutlich nachließen. Stattdessen wechselt der Trainer erstmal Jannes Horn für Özcan ein und löst damit quasi offiziell das Mittelfeldspiel komplett auf und macht dann Sekunden vor der gelb-roten Karte einen Wechsel, den ich gar nicht verstand. Hauptmann für Schaub macht für mich keinen Sinn. Spätestens da muss Sobiech ins Spiel um nachher noch eine Option zu haben im Sturm zu wechseln. So musste Sobiech dann für Guirassy ins Spiel kommen und man beraubte sich allen Plänen B, C und D. Immerhin waren noch 20 Minuten zu spielen und es gab nur noch Plan A: Hinten dicht. Ende.

Die letzte Viertelstunde musste der FC dann in doppelter Unterzahl über die Bühne bringen, denn Jhon Cordoba war völlig aufgebraucht und konnte dem Team auf dem Platz nicht mehr helfen. Mehr als einmal stützte er sich auf die Knie, ging den Bällen nicht mehr nach und konnte auch mit Bällen, die ihm in den Fuß gespielt wurden, nichts mehr anfangen. Das ist dann schon sehr ärgerlich, dass Anfang nicht mehr wechseln konnte. Naja, Bochum profitierte auch davon nicht.

Also können wir ein erstes Fazit ziehen: Etwas glücklicher Sieg (es hätte ja auch durchaus Elfmeter für Bochum geben können aber der VAR ist ja in der 2. Liga nicht dabei), Tore waren keine Zückerchen, sondern eher so Zweitliga-Magerquark (Eigentor ohne Not und Abstauber nach Torwartfehler), dazu viele Fehler im Spielaufbau, sehr fahriges Passspiel und ein einigermaßen simpler Spielplan. Aber es reicht eben und das ist alles, was zählt. Der FC ist individuell gut genug für die zweite Liga aufgestellt, das Spiel und die Automatismen werden sich im Laufe der Saison verbessern und es werden auch kreative Fortschritte kommen, da bin ich sicher. In dieser Saison zählen eh nur die Ergebnisse, was soll’s also? Sieg nehmen wir mit.

Kurzer Hinweis noch, für die, die es noch nicht über Twitter und/oder Facebook mitbekommen haben: Drüben bei effzeh.com ist der Bockcast wieder aufgetaucht und zum Comeback durfte ich mit Thomas über die anstehenden Aufgaben sprechen. Hört mal rein.

Noch 99 Punkte.
Come on effzeh!

Mir sin eins. Oder zwei. Oder drei.

Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht. Ist halt doof, wenn gar kein Licht vorhanden ist, ne?

Am Ende waren es 50.000 Leute, die auf die Stadion-Vorwiese kamen um dem Saisonauftakt des vormals ruhm- und glorreichen 1.FC Köln beizuwohnen. Ein ganzes Stadion voll. Ich habe es mir gespart. Wie immer eigentlich. Ich war genau ein Mal auf einer Saisoneröffnung, das war noch am Geißbockheim, wo ein Spielchen gegen Ford Niehl auf dem Programm stand. Wir waren vielleicht zehn Minuten da, dann sind wir wieder gefahren. Eine Veranstaltung, die (für mich!) so unnötig ist wie noch eins aber eben zum modernen Fuppes dazugehört. Höhner müssen ran, Mo Torres darf nicht fehlen und Kasalla geben dann dem Schunkelvolk den Rest. Das ist ja auch okay, ist nicht mein Ding aber muss ja auch nicht, dafür gibt es genug Menschen, denen das Freude bereitet und genau dafür sind wir eben ein großer, vielfältiger Verein. Was mich aber wirklich stört, ist die Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar Tonalität der Veranstaltung.

Vergessen die letzte Saison, aus dem Gehirn gelöscht, getilgt, verdrängt. Der schlechteste 1.FC Köln aller Zeiten? Muss ein finsterer Traum gewesen sein. Rechtsverteidiger? Bruche mer nit, mir sin doch der effzeh. Tore? Schießen wir dreitausend Stück, es ist doch nur die zweite Liga. Eine Saisoneröffnung zur zweiten Liga, mit einem Innenverhältnis im Verein, das mit “gespalten” noch sehr, sehr zahm umschrieben ist unter das Motto “Mir sin eins” zu stellen, zeugt schon von enormen Selbstbewusstsein des Vereins und der handelnden Personen.

Ich bin, nachdem ich die Zitate des Vorstands gelesen habe, einfach nur noch fassungslos. Mir fällt nichts, aber auch gar nichts mehr zu diesen Leuten ein.

Werner Spinner teilt mit: „Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga. Ich gehe davon aus, dass wir das schnell reparieren und aufsteigen.“

Nein, Herr Spinner. Wir sind genau da, wo wir hingehören. Wir waren in der letzten Saison der schlechteste Fußballverein in der Bundesliga. Mit weitem Abstand. Wir haben uns in Europa sportlich blamiert, wir haben uns in der Liga zum Gespött gemacht, es war ein Versagen auf ganzer Linie. Sportlich aber auch in sportpolitischen Fragen. Der geglückte Versuch des Vorstands durch gezielte Stimmenkäufe auf der letzten Mitgliederversammlung für genehme Abstimmungsergebnisse zu sorgen, der Umgang des Vorstands mit Vorstandskritikern, der Umgang der Stadionverbots-Kommission mit angeblichen Tätern, der Versuch einzelnen Mitgliedern und/oder Fanclubs durch gezielte und fein justierte Drohungen mundtot zu machen, die Tonalität gegenüber den kritischen Fans, die halbgaren Äußerungen bezüglich der Stadionfrage, es gibt tausend Sollbruchstellen beim 1.FC Köln im Juli 2018. Und der Präsident stellt sich hin und erklärt freudestrahlend: Alles gut, Leute.

Mir sin eins.

Ein paar Kölsch weiter kommt dann Toni Schumacher um die Ecke und lässt sich ebenfalls nicht lumpen: „Wir haben mit den Hamburgern beschlossen, uns den Rest vom Hals zu halten. Wir haben ein tolles Trainerteam, eine tolle sportliche Leitung, eine Klassemannschaft. Ich will Erster werden.“

Das muss man erstmal sacken lassen.

Sekunde.

Alle fertig gekotzt? Ja? Gut. Was für ein arroganter Scheißsatz. Welch Überheblichkeit. Nochmal: Schlechtester FC aller Zeiten, verdientester Absteiger in der Geschichte der Liga. Da kann man die zweite Liga auch mal mit einem anderen Habitus angehen und vielleicht erstmal abwarten. Muss man nicht, seh ich ein. Kann man aber. Ja, auch für mich gehört der 1.FC Köln qua Naturgesetz natürlich nicht in die zweite Liga. Das ist die angeborene elitäre Arroganz, die man als Fan dieses Clubs eben hat. Ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt, es ist eben so. Ich bin mir sicher Stuttgartern, Gladbachern, Frankfurtern und sogar Lautern-Fans geht es nicht anders. Ich bin aber eben ein Fan und darf das als Überzeichnung und als Selbstverständnis durchaus so äußern, weil es eh egal ist, was ich denke und mir auch niemand zuhört. Es ist als würde ich die Wand anschreien.

Bei Toni Schumacher liegt die Sache eine Nuance anders. Er ist immerhin Vizepräsident, er weiß, dass seine Worte zitiert werden und dass die Leute, jedenfalls die, die auf die Saisoneröffnung gehen, an seinen Lippen kleben. Er darf diesen Satz nicht sagen. Er reißt den HSV schon mal mit in die Arroganzfalle, das freut die sicherlich, er setzt die Mannschaft vor dem gottverdammten ersten Spiel einem unnötigen Druck aus und vor allen Dingen ist dieser Satz der taktisch unklugste Move seit Günther Oettinger Digital-Beauftrager wurde. Als ob die Sandhausens und Bochums dieser Welt nicht eh schon bis in die Haarspitzen motiviert wären dem “großen” 1.FC Köln in die Suppe zu spucken. Da kann ich doch auch mal den Kopf einschalten, Herrgott und vielleicht nicht direkt in den sechsten Gang hochschalten. Vor allen Dingen nicht in einem Golf IV, der nur fünf Gänge hat. Mann, Mann, Mann. Da sagt man eben: “Es wird sicher nicht einfach werden aber unser Anspruch ist natürlich der Aufstieg, da müssen wir ja nicht drumrum reden. Und wenn ich mir unsere Mannschaft anschaue, dann denke ich schon, dass wir dazu auch das Zeug haben werden.” Der Applaus wäre sicher nicht sonderlich leiser ausgefallen als nach dem Proll-Jubel-Bierstand-Volkszelt-Satz da oben. Man hätte nicht direkt die ganze Liga ins Achtung gestellt, man hätte sich nicht direkt zum Unsympath Nr. 1 gemacht und vielleicht, ganz, ganz vielleicht hätte das auch der Mannschaft eine andere Botschaft vermittelt als dieser Schwachsinn.

Was ich nicht verstehe: Das ist ja nicht das erste Mal, dass Schumacher für billige Zustimmungsschreie einen raushaut. Das muss ihm doch mal einer sagen. Da muss doch ein Werner Spinner mal hingehen und sagen: “Tünn, mach langsam, die Saison ist lang, der HSV will auch hoch und es gibt immer eine Überraschungsmannschaft in der Liga”.

Oder? Spricht der Vorstand vielleicht gar nicht miteinander? Was ist da los?

So ist es wieder mal der 1.FC Köln in Bestform. Traurig aber wahr, zum lachen ist es nicht mehr.

[Update, 30.07.] Der EXPRESS, von dem ich die o.g. Zitate habe, hat diese geändert. Schumacher sagte: „Ich habe im Urlaub einige Hamburger getroffen und mit ihnen beschlossen, dass wir uns den Rest vom Hals halten. Wir haben ein tolles Trainerteam, eine tolle sportliche Leitung, eine Klassemannschaft. Der Spieler in mir sagt: Ich will Erster werden.“

Gut, das stellt sich schon etwas anders dar, zugegeben und es ist auch nicht mehr mit der Schärfe zu kommentieren, wie oben geschehen. Das erste (verkürzte) Zitat liest sich tatsächlich arrogant und herablassend dem Rest der Liga gegenüber, das vollständige Zitat liest sich eher wie ein nonchalanter Satz, der eben fällt, wenn man gute Stimmung machen will. Die Wirkung ist aber die gleiche und an der problematisch-arroganten Grundhaltung ändert sich gar nichts. Klar muss der Auftrag sein aufzusteigen, da müssen wir doch nicht drüber reden und selbstverständlich hilft es niemanden, dieses nicht auch ganz klar zu kommunizieren. Aber die Wirkung der Worte auf Außenstehende ist ja immer eine andere, als die Innenansicht. Jetzt bin ich Robin Dutt und spiele in ein paar Tagen gegen diesen FC. Wisst Ihr, was ich machen würde? Ich würde mir die Aussage von Toni Schumacher auf A0 ausdrucken lassen, an die Kabinentür hängen und jeden Spieler fünf Mal am Tag daran vorbeigehen lassen. Guckt mal hier, für die ist die Liga schon entschieden. Er hat also mit ein paar Hamburgern im Urlaub beschlossen, dass die sich uns vom Hals halten. Die Wirkung des Satzes wird dort eine andere sein, als auf den Stadionvorwiesen.

Ja, Leute, ich verstehe, was Schumacher sagen wollte und ja, ich kann auch verstehen, dass es ein Witz sein sollte. Stimmung und so. Ist ja alles in Ordnung. Man muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn der Moderator und Stadionsprecher Michael Trippel dann voller Euphorie verkündet: Dann stehen die ersten beiden Teams ja schon fest”

Es bleibt dabei, dass ich die ganzen euphorischen Aussagen und dieses plumpe “Unfall. Reparieren. Gut ist.” für nicht hilfreich halt, was Timo Horn anscheinend ja nicht anders sieht:

„Da hat uns der Vorstand ja schön einen rausgehauen und direkt mal Druck aufgebaut. Für uns gibt es aber auch keine andere Option. Man darf nicht vergessen, dass es ein langer schwerer Weg wird. Aber wir werden spielerisch in keiner Partie unterlegen sein.“

Die Fußballwelt ist keine Insel ohne Fernschreiber. Auch das lesen die anderen Teams. Nochmal, um es klar zu machen: Es geht mir nicht darum, dass der 1.FC Köln duckmäuserisch auftreten sollte. Auf gar keinen Fall. Der Anspruch muss sein die Liga zu dominieren, dafür ist der Kader zu gut. Aber man muss halt auch nicht so tun als sei es ein Sonntag-Nachmittag im Phantasialand. Der Verein ist sportlich in einer absoluten Bringschuld und mMn bringt es niemandem etwas, wenn wir uns von Beginn an so darstellen, als sei das alles kein Problem. Es gibt genügend Gegenbeispiele. [/Update]

[Update 2, 30.07.] Die Kölnische Rundschau zitiert Schumacher übrigens folgendermaßen: „Mit den Verantwortlichen vom HSV habe ich besprochen, dass wir uns gegenseitig alle anderen vom Hals halten!“ 🙂 [Update 2]

PS: Toni Schumacher wird Botschafter für die EM-Bewerbung 2024. Frankeichs Stimme ist uns also schon mal sicher. Grüße.