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“Ich han noch vill vür”, sagte er vor nicht einmal drei Wochen. 90 Jahre war er da gerade geworden. Abends spielte der 1.FC Köln in Borisov und Hans Schäfer wünschte sich von seinem Verein nur, dass die “Jungs” ihm dort einen Sieg schenken mögen. Es gelang nicht. Er wird es mit seiner fast schon stoischen Gelassenheit zur Kenntnis genommen haben. Laute Töne waren seine Sache nicht.

Gelassenheit ist wohl das prägnanteste Merkmal, wenn wir an Hans Schäfer denken. Nach dem Weltmeistertitel von 1954 gefragt, wird er mit den Worten „Es war doch nur eine großartige Leistung einer großartigen Mannschaft, die auch noch viel Glück hatte“ zitiert. Seine Bodenständigkeit, sein Humor, seine Liebe zur Stadt und zum Verein, Hans Schäfer war Kölner durch und durch. In Zollstock aufgewachsen, ein Kind der ersten Stunde des Vereins, bis zuletzt immer noch am Geißbockheim unterwegs um mal nach seinem Club zu schauen, ob er auch noch in der Spur ist. Die Knie taten irgendwann weh aber für ein Kölsch hat es noch gereicht.

Für seinen 1.FC Köln spielte er 711 mal. Von 1948 bis 1965, von Hennes Weissweiler bis Georg Knöpfle. Von den Anfängen in der Rheinbezirksliga über die Oberliga in die neu gegründete Bundesliga. 501 Tore schoss er für ‘uns’, nie verließ er den Club, nie wechselte er für Geld und gute Worte. Fünf Mal wurde der 1.FC Köln mit Hans Schäfer Westdeutscher Meister, zwei Mal deutscher Meister.

Hans Schäfer. Linksaußen.

Nie hat das Wort “Legende” besser gepasst als auf ihn. “Schäfer nach innen geflankt…” wird es immer nachhallen, nicht nur in Köln.

Hans Schäfer ist tot. Der 1.FC Köln verliert heute den vielleicht größten Spieler und Menschen, den dieser Verein hervorgebracht hat. Er wird fehlen.

Gute Reise, Knoll. Wenn wir demnächst nach oben schauen und um Beistand bitten, die Fußballgötter um Gnade anflehend, dann wissen wir, dass du uns hören wirst.

Ich bin unendlich traurig.

FC – Hoffenheim: Zu Asche, zu Staub

Ein bisschen weh tut es ja schon. Der 1.FC Köln präsentiert sich nach dem Europapokal-Sieg am Donnerstag völlig indisponiert gegen eine durchschnittliche Bundesliga-Mannschaft. Das Spiel zeigt eindeutig, dass die Mannschaft aktuell nicht wettbewerbsfähig ist. Vorne machen wir die Tore nicht, im Mittelfeld sind größere Lücken als in Donald Trumps Gedächtnis (und ähnlich viel Kreativität) und hinten sind wir so langsam, dass es für den Gegner ein Leichtes ist, uns abzuschießen. Mental und psychisch ist das nicht erstliga-tauglich. So simpel ist das.

Ernsthaft, was Konstantin Rausch und Matthias Lehmann da spielen, ist nicht verkraft- und vermittelbar. Rausch schafft es im gesamten Spiel nicht eine einzige Hereingabe an einem Hoffenheimer Spieler vorbei zu bringen, seine Ecken sind eigentlich Fehlpässe und hinten steht er so weit vom Gegner weg, dass es eigentlich eine abmahnfähige Leistungsverweigerung darstellt. Lehmann bekommt im gesamten Spiel genau gar keinen Zugriff auf das Offensivspiel des Gegners, er ist dabei so langsam und so fahrig, dass es weh tut hin zu schauen. Das große Problem: Wir haben halt keine Alternativen. Jojic? Handwerker? Sörensen? Das waren Peter Stögers Einwechslungen. Es hilft nichts drum rum zu reden, das Team ist im Sommer mit Anlauf in die Tonne gekloppt worden, es sind Fehler gemacht worden, die nicht korrigierbar sind. Das i-Tüpfelchen sind die Vetragsverlängerungen von Rausch und Lehmann, die nicht anders zu interpretieren sind, als ein letzter diabolischer Tritt in die Eier von Schmadtke an Stöger.

Das macht schon sehr, sehr wenig Spaß, wenn man mit ansehen muss, wie chancenlos wir in der Liga sind.

Jetzt kommen die Relativierungen. “Hätte Osako das Tor statt den Pfosten getroffen…”

Ja. Hat er aber nicht. Er trifft eben den Pfosten. Reicht nicht.

Es soll bloß niemand auf Pech oder den Schiedsrichter schieben, Hoffenheim war über 90 Minuten eine ganze Klasse besser als der 1.FC Köln. Jeder Vortrag Richtung unser Tor war potenziell gefährlich, weil gar kein Druck ausgeübt wurde, weil keinerlei Ambition bestand hier einen Kampf anzunehmen. Einzig Heintz und Maroh schienen Willens nicht kampflos unterzugehen. Das ist dann auch das wirklich Ernüchternde: Das Phlegma ist besorgniserregend. Ich sehe kein Aufbäumen, keinen Willen, keine Körpersprache. Ich sehe hängende Schultern und vogelwilde Belanglosigkeit. Praktisch in jeder Szene war Hoffenheim bissiger, zweikampfstärker und – natürlich – auch in der fußballerischen Qualität Lichtjahre besser als der effzeh.

Aber wisst Ihr was? Ich werde es verkraften. Es stehen noch zwei Spiele in Europa an, diese werde ich mitnehmen und dann ist Weihnachten. Was soll ich mich groß ärgern, es ist wie es ist, der Deal, dass sie von mir aus auch absteigen können, wenn sie mir noch einmal Europa ermöglichen, wird vom Verein anscheinend mit heiligem Ernst honoriert. Ich kann mich nicht beklagen.

Es tut halt trotzdem weh.

FC – Borisov: BATE Macchiato

Feuchtkalt ist es. Ungemütlich. Herbstwetter. Gerade ist der Pausenpfiff ertönt und ca. 100 Gästefans sind im sehr stillen Müngersdorf deutlich zu hören. BATE, BATE, BATE, schallt es einigermaßen unkreativ aber eben klar wahrnehmbar die 120 Meter von der Gästekurve in unsere Richtung. Wir schauen uns an, begraben die Gesichter in Händen, Schals, Pullis und Jacken und verstehen es einfach nicht. Das Spiel an sich, meine ich. Wir ringen um Worte und schütteln uns, rauchen vielleicht eine Frust-Zigarette oder diskutieren wild gestikulierend die vergangenen 20 Minuten unseres Lebens. Natürlich ist es nicht das Leben selbst, welches hier auf dem Prüfstand steht, aber in diesem Moment, in dieser Viertelstunde Pause, kommt es mir so vor. 25 Jahre haben wir auf diese Saison gewartet, wir haben gebetet, gezittert, haben gelitten, geflucht, sind verzweifelt am Fußballgott und an uns selbst, haben die Welt verflucht und dann, als es endlich passiert, als wir uns wieder fühlen dürfen, als würden wir dazu gehören, als würde der 1.FC Köln in sein natürliches Habitat, welches selbstverständlich der europäische Spitzen-Vereinsfußball ist, zurückkehren, wird uns auch dies genommen. Drei Spiele, drei Niederlagen in Europa. Ein Tor. Fürchterliche Spiele gegen Belgrad und in Borisov, eine saft- und kraftlose europäische Vorstellung. Theresa May wäre stolz auf uns. Dazu abgeschlagen Letzter in der Liga, kein Sieg, keine Hoffnung auf Besserung. All dies kumuliert in dieser Halbzeitpause zu einer Resignation, die ich selten so erlebt habe. Wir finde auch keine richtigen Worte mehr. Begräbnis.

BATE, BATE, BATE.

Bitte nehmen Sie Ihre Plätze wieder ein.

Und dann macht es klick.

Nachdem in der ersten Halbzeit das Fußballspielen nach der Führung komplett eingestellt wurde, nachdem man sich hat einlullen lassen, von einer spielerisch bestenfalls Zweitliga-tauglichen Mannschaft, man dem Gegner physisch und psychisch für 20 Minuten völlig unterlegen war, gab es wohl eine Ansprache von Peter Stöger. So kann und darf man sich nicht präsentieren, das haben wir Fans nicht verdient, das hat der Verein nicht verdient und das haben auch die Spieler, die letztes Jahr den fünften Platz irgendwie errungen haben, nicht verdient. Es geht hier nicht um Leben oder Tod, es geht wahrscheinlich noch nicht einmal um ein Weiterkommen, sondern es geht schlicht und ergreifend um die Ehre. Das mag sich wieder mal pathetisch überhöht lesen, das mag auch blöd formuliert sein, aber mir fällt kein anderes Wort ein. So geht es nicht weiter, so kann es nicht weiter gehen. Es muss etwas passieren. Es geht darum ein Zeichen zu setzen, den Menschen zu zeigen, dass doch nicht alles egal ist. Eine weiterer Aufschub ist nicht möglich.

Heute. Sofort. In diesem Stadion, in diesem Spiel.

Für Christian Clemens wird Yuya Osako eingewechselt.

Come on effzeh!

Noch einmal bäumt sich die Südkurve auf, noch einmal erhebt sich das Stadion. Wir sind noch da. Macht was! Zeigt uns, dass es euch auch nicht egal ist, was man morgen über euch schreiben wird. Los jetzt.

Was dann folgt ist eine zweite Halbzeit zum verlieben. Vier Tore. Wunderschöne Dinger.

Katharsis.

Es interessiert mich nicht, dass Borisov natürlich keine gute Mannschaft hat. Es ist mir egal, dass es eigentlich ein Pflichtsieg war. Es war ein Sieg im Europapokal. Es war genau das, was wir gebraucht haben. Hier und jetzt. Nicht morgen oder am Sonntag. Gestern brauchten 45.000 Zuschauer diesen Sieg, dieses Ergebnis. Wir brauchten die Tore, wir brauchten die Erleichterung. Wir brauchten das Lachen nach Schlusspfiff. Alles andere ist bedeutungslos.

Ich bin mir sicher, dass die Spieler das ähnlich sehen. Ich freue mich so sehr für Yuya Osako, der eine knifflige Hinrunde spielt, dass er getroffen hat. Doppelt sogar. Ich freue mich vielleicht sogar noch ein bisschen mehr für Sehrou Guirassy, dessen Freistoß uns in Ekstase versetzte. Auch für Simon Zoller, der sich durchsetzen konnte und schön abschloss. Ich freue mich für Peter Stöger und für den Verein. Am meisten aber freue ich mich für uns, für die Fans. Wir haben diesen Sieg verdient. Wir haben diese Halbzeit verdient. Nach 25 Jahren dürfen wir wieder einen Sieg in einem europäischen Wettbewerb feiern. Wir müssen uns endlich mal wieder nicht die Papiertüte über den Kopf stülpen, wenn wir am nächsten Morgen ins Büro kommen. Wir müssen einmal nicht an vergebene Chancen denken und an hätte, wenn und aber.

Es ist endlich unsere Nacht. Nach zweieinhalb Jahrzehnten.

Lasst den Rest der Welt halt lachen über uns. Es stört mich nicht. Niemand kann uns das nehmen.

Europapokal.

(via Thorsten Poppe)

Strg Alt Entf

Okay, das ging schnell. Gestern Abend die Push vom FC, dass Jörg Schmadtke den Club verlassen wird.

Der Vorstand des 1. FC Köln und Jörg Schmadtke sind nach eingehender und intensiver Analyse zu unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf die zukünftige sportliche Ausrichtung des Clubs gekommen. Aus diesem Grund haben sie sich dazu entschlossen, den bis 2023 laufenden Vertrag als Geschäftsführer in beiderseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aufzulösen.

Das kann ich nicht anders als einen riesengroßen Krach lesen. Es gibt für mich wirklich nur eine überschaubare Zahl an Szenarien:

1.) Schmadtke wollte Stöger entlassen, der Vorstand nicht.
2.) Der Vorstand wollte Stöger entlassen, Schmadtke nicht.
3.) Der Vorstand wollte Schmadtke Jr. entlassen/zurückstufen.

Anders kann ich mir die Passage, dass man “zu unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf die zukünftige sportliche Ausrichtung des Clubs” gekommen sei nicht erklären. Wir haben ja im Moment kein anderes Ziel als einigermaßen vernünftig aus der Saison zu kommen, oder? Es kann keine Diskussion über irgendwelche Fünf-Jahres-Pläne gegeben haben.

Fällt noch jemand eine einigermaßen stimmige Option ein? Mir gerade nicht.

Gucken wir mal:

1.) Falls Schmadtke wirklich Stöger entlassen wollte, dann hätte das schon etwas von einem Hannover-Revival. Damals ging es gegen Slomka, Schmadtke “verlor” und verließ 96. Man hört ja so viel und dass es zwischen Stöger und Schmadtke nicht mehr so buddymäßig abläuft wie zu Beginn der Zusammenarbeit ist ja auch kein großes Geheimnis. Beide sprechen von einer professionellen Zusammenarbeit, was nichts anderes heißt, als dass man lieber mit anderen Menschen zusammen ist, als mit dem jeweiligen Gegenüber. Schon im Sommer soll es ordentlich gekracht haben, Stöger soll kurz davor gewesen sein die Brocken hin zu schmeißen (wie gesagt, alles Gerüchte, alles Hörensagen, ich war nicht dabei). Dann gab es in den letzten Wochen die Gerüchte über Weinzierl, dass die Verträge unterschriftsreif sein sollten und Stöger bei einer Niederlage gegen Werder nicht mehr Trainer sei soll.

2.) Alles was man aus dem Vorstand hört und liest, kann man eigentlich nur so interpretieren, dass Stöger großen Kredit besitzt und nicht entlassen wird. Allerdings, in meinem Kopf, das bin aber nur ich, hört sich diese Variante sehr viel stimmiger an, als die umgekehrte Version. Ich weiß auch nicht genau warum. Mein Gedanke gestern war: Schmadtke weg, Stöger verliert in Berlin, in Leverkusen und gegen Hoffenheim, dann Stöger weg. Natürlich ist das Aktionismus aber der Vorstand ist ja in letzter Zeit nicht durch subtile, feinfühlige Strategie aufgefallen. Vielleicht hat da auch REWE ein Macht-Wörtchen gesprochen? Na, man weiß es nicht.

3.) Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr tendiere ich zu Punkt 3. Der Vorstand hat sich die Transferbilanz von Nils Schmadtke über die letzten anderthalb Jahre noch einmal angeschaut, diese dann mit Jörg Jakobs Arbeit verglichen und ist zu dem Schluss gekommen, dass Schmadtke jr. einen Platz zu räumen hat. Senior findet das nicht gut, droht mit Abgang, Vorstand lässt sich nicht erpressen, Sturkopf gegen Sturkopf, Schmadtke geht “in beiderseitigem Einvernehmen”.

Wir werden es früh genug erfahren.

Wie geht es nun weiter? Schmadtke wird gutes Geld bekommen, sein Vertrag wurde erst im Mai bis 2023 verlängert. Die Suche nach einem neuen sportlichen Leiter muss jetzt schnell gehen, Jörg Jakobs kann das Amt erst einmal ausüben aber mein Tipp ist, dass wir in spätestens 10 Tagen einen neunen Vorstand Sport begrüßen können. Spekulationen über Namen spare ich mir, am Ende wird es Dirk Dufner und wir können wieder mit Ritzen anfangen. Gott steh uns bei.

Die nächsten Tage werden sehr, sehr spannend am Geißbockheim.

Immerhin etwas.

FC – Bremen: Abyssus abyssum invocat

Ich belüge mich immer noch selbst. Ich rede mir ein, dass das Spiel mittlerweile nicht mehr die Relevanz hat, die es noch im Mai hatte. Ich schaue in die Tagespresse, ich rede mit meinem Umfeld, ich versuche ruhig zu bleiben aber tatsächlich hat sich nicht so viel geändert, wie ich es eigentlich gerne hätte. Ich habe immer noch dieses nervöse Augenzucken, diese innere Anspannung vor den Spielen. Ich kann nicht abschalten und mache mir tatsächlich noch Gedanken, wie es weiter geht mit dem 1.FC Köln. Während des Spiels muss ich es, auch aus Selbstschutz, kaschieren, verschleiern, ich lach dann das Verdrängungslachen und zucke mit den Schultern. Dann isses eben so. Dann steigen wir dieses Jahr eben wieder mal ab. Mir doch egal, ich hab ja Europa.

Es ist gelogen.

Es ist mir nicht egal. Es zieht sich immer noch alles zusammen in mir, wenn ich den effzeh sehe. Es bricht mir das Herz. Egal wie groß die Distanz zum Club mittlerweile ist, wenn ich Müngersdorf sehe, rieche, fühle, wenn der Ball rollt, dann bin ich immer noch zehn Jahre alt und will nicht verlieren. Ich will kein Mitleid und keine warmen Worte. Ich will gottverdammte Tore und Punkte. Das Spiel bleibt das Spiel und der 1.FC Köln bleibt (noch) der 1.FC Köln. Ich kann mich auf den Kopf stellen oder eine halbe Stunde mit dem Kopf gegen die Wand laufen, es ändert sich nicht. Es ist noch in mir, es lässt mich noch nicht los.

Gestern stand ich nach dem Frühstück auf dem Balkon, schaute auf die langsam erwachende Stadt und murmelte vor mich hin, dass es heute klappen muss. Dass man Werder schlagen kann, muss, wie auch immer. Dass heute ein paar Tore fallen, im Zweifel durch Pizarro. Diese Geschichten schreibt nur der Fußball usw. Ich schaute nach oben, als ob es irgendwie und irgendwo einen göttlichen Halt gibt. Als ob ich erwartete, dass sich der Himmel auftut, eine große, runzelige Hand rauskommt und mir den Kopf tätschelt. Alles wird gut. Mehr will ich doch gar nicht hören. Es passierte nicht. Gegenüber versuchte jemand einzuparken. Das Schauspiel wäre ein fantastisches Symbolbild für die Versuche des 1.FC Köln gewesen ein Tor zu erzielen. Vor, zurück, vor, zurück, vor, vor, vor, nee, doch nicht, nochmal zurück, vor, falsch eingeschlagen, zurück, passt nicht, weggefahren. Man hätte bequem ein kleines Flugzeug in der Lücke parken können aber irgendwie wollte die Karre nicht rein. Oder der Fahrer hatte getrunken, ich weiß es nicht. Ich hätte nicht lachen dürfen, das wusste ich sofort. Karma is a bitch.

Nach dem 0:0 gehen dir dann tausend Gedanken durch den Kopf. Himmel hilf, wer soll ein Tor bei uns schießen? Wie kann die Mannschaft sich noch retten? Gegen wen wollen wir gewinnen, wenn nicht gegen selbst mausgraue, halbtote, wie am Fließband Fehler produzierende Bremer? Zwei Punkte, nächste Woche Leverkusen, dann Hoffenheim. Dann guckst du auf die Tabelle, siehst, dass der HSV in seinem natürlichen Habitat angekommen ist, siehst, dass das alles noch zu machen ist, rechnest ein wenig, denkst, dass es nur besser werden kann, dass es ja auch nicht alles schlecht war und dass… ach, alles. Ihr wisst, was ich meine. Und dann guckst Du nochmal auf die Tabelle und auf die frisch eingetroffene Karte für Belgrad, machst ein Witzchen oder zwei auf Twitter und legst dich auf die Couch. Im Hintergrund läuft irgendwas belangloses, du hast keine Lust auf nichts und verfällst in die Nach-Spieltags-Depression, die man doch eigentlich hinter sich lassen wollte.

Müssen wir über die Chancen sprechen? Müssen wir auch hier noch auf Guirassy drauf schlagen? Ja, er hatte Chancen, ja, die Szene in der 86. Minute wird wahrscheinlich in keinem Bundesliga-Rückblick fehlen und zu Frank Mills Pfostentreffer der Neuzeit werden,  aber, wisst ihr was? Er ist eben einen kleinen Schritt zu weit vorne, der Ball kommt scharf rein, er bekommt den linken Fuß nicht mehr weg und dann iss es eben so. Das sieht trottelig aus aber jeder von uns ist schon mal beim Schuhe anziehen aus dem Gleichgewicht gekommen oder gegen eine Tür gerannt, hat sich nach einem falschen Tritt aufs Maul gelegt oder ist ohne zu bremsen in eine Skihütte gedonnert. Scheiße passiert. Viel merkwürdiger und beachtenswerter empfand ich die Chance ein paar Minuten vorher, als Heintz ihm einen Zuckerpass in den Lauf spielt und er den Ball eigentlich frei vor dem Torwart vertändelt. Da können wir mal über mangelndes Selbstbewusstsein oder eine Blockade im Kopf sprechen.

Mann, ey.

Das wirklich fatale ist: Man kann der Mannschaft nicht viel vorwerfen. Man kann ihr den Kampf nicht absprechen, man kann ihr den Willen nicht absprechen aber es ist offensichtlich und zunehmend frustrierend: Sie ist nicht besser. Sie kann es nicht besser. Was Konstantin Rausch, dessen heroische Rettungsaktion kurz vor Schluss noch einen Punkt sicherte, auf links für Spiele macht, ist nicht zu beschreiben. Jeder, wirklich jeder Ball verspringt ihm, er steht zu weit weg vom Gegner, er bekommt keinen einzigen gescheiten Pass hin, seine Flanken sehen so aus als ob ich FIFA spielen würde und den falschen Knopf drücke und seine Standards sind nur noch mit Schimpfworten richtig umschrieben. Sein Pendant auf rechts ist Simon Zoller. Für ihn gilt eins zu eins das oben geschriebene. Das muss man auch ansprechen, denn mit Fanboytum und hey Jungs, weiter machen, das wird schon, bleiben wir eben stehen. Man sah letztes Jahr schon die fehlende Qualität, man tat nichts und jetzt sind eben keine Überperformer mehr da, die diese Nicht-Leistungen auffangen. Wir spielen eigentlich von der ersten Minute an in Unterzahl weil wir Spieler in der Mannschaft haben, die nicht Bundesliga-tauglich sind. Das ist einfach so.

Und, ganz ehrlich, wenn ich dann die Aussagen nach Borisov höre, dass man enttäuscht sei von den Fans, dann platzt irgendwo in mir eine Ader. Da stellt sich Marco Höger, der seit Monaten nichts mehr auf die Kette bekommt, hin und sagt ohne rot zu werden „Dass man unzufrieden ist, klar. Aber der Satz: ’Wir wollen Euch kämpfen sehen’ ist deplatziert. Wenn wir eins nicht machen, ist es aufgeben.“ Junge, da fahren tausende Menschen über Amsterdam, Warschau, Danzig, Minsk nach fucking Borisov, geben hunderte, tausende Euro für diesen Trip aus und Du, Marco Höger, stellst Dich hin und kritisierst, dass ein Lied angestimmt wurde, dass die Unzufriedenheit versucht in Worte zu fassen. Hätte ein “Wir wollen Euch noch ein bisschen mehr kämpfen sehen, damit wir mal wieder ein Tor sehen können” besser gepasst? Vielleicht. Ist aber spontan eine enorme logistische Herausforderung den Block über die Textänderung zu informieren. Mann Marco, ihr spielt gegen ein so unfassbar schlechtes Bate, kassiert ein Gegentor, bei dem im Stadion als Tormusik eigentlich das Benny-Hill-Theme (Rausch!) eingespielt werden müsste und macht in den letzten 20 Minuten gar nichts mehr? Nichts? Keinen einzigen strukturierten Angriff? Und Du, Marco Höger, stellst Dich da hin und kritisierst die Fans. Die Eier muss man erstmal haben. Das gilt übrigens auch für Schmadtke und Stöger, die ebenfalls nicht verstehen konnten, dass die Fans pfiffen.

Dass die Mannschaft in Köln einen enormen Kredit hat, dass man sicher nicht vergisst, was letzte Saison passierte, dass man noch nicht in einer 2012er Saison angekommen ist, konnte dann gestern vor dem Spiel beobachtet werden. Zusammen mit den Fans stimmt sich die Mannschaft am Zaun zur Süd auf das Spiel ein, die Fans zeigten, dass Weißrussland vergessen ist. It’s a new dawn, it’s a new day singt Nina Simone leise im Hintergrund. Dieser Rückhalt, dieser unbedingte Willen den effzeh wieder zurück auf die Erfolgsspur zu bringen, diese Leidenschaft, ja wo gibt es diese vorbehaltlose Selbstaufgabe denn noch in Deutschland? Da könnt ihr euch aber mal umgucken, liebe Spieler und das Ergebnis an einer Hand abzählen. Wenn überhaupt. Ihr habt nach acht Spielen einen Punkt und drei Tore und das Müngersdorfer Stadion ist trotzdem ausverkauft! Da sind 45.000 Menschen, die Euch von der ersten Minute an nach vorne schreien. Diesen vielleicht letzten Trumpf, den der 1.FC Köln immer noch hat, den würde ich an Eurer Stelle, gerade in der jetzigen Situation mit Samthandschuhen anpacken und nicht die beleidigte Leberwurst spielen, weil ein Lied vielleicht nicht so hundertpro gepasst hat.

Kommt mal klar.

In diesem Zusammenhang muss ich natürlich auch mal kurz auf Schmadtke eingehen. Seine Interviews werden immer schmallippiger, seine Versuche eigene Fehler und eigenes, man muss es deutlich so sagen, Missmanagement zu verharmlosen, werden immer auffälliger. Er sieht es tatsächlich so, dass seine bisherigen Transfers eigentlich gut waren aber diesmal eben ein paar Dinge einer Fehleinschätzung unterlagen. Meine Stimmung Richtung Schmadtke dreht sich so langsam. Wir reden seit drei Jahren davon, dass wir im offensiven Mittelfeld Verstärkung brauchen, dass wir auf Außen Alternativen brauchen, dass wir auch nicht nur mit einem Stürmer in die Saison gehen sollten. Und was passiert? Nichts. Seine große Leistung in Köln war es bisher die Leistungsträger zu halten. Im letzten Jahr hatten wir dann das Glück, dass andere Mannschaften auch nicht wollten und wir mit unter 50 Punkten nach Europa kamen. Es war ja nicht so, als ob wir die Liga nach Belieben bestimmt hätten. Erinnert Euch mal an die Serie nach dem Pokal-Aus in Hamburg. Wir haben aus den letzten 15 Spielen 4 gewonnen. Das ist eigentlich nicht die Bilanz eines UEFA-Pokal-Teilnehmers. Da waren Spiele dabei (das 1:2 im verfluchten Augsburg), wo man sich am liebsten die Augen mit glühenden Gyros-Spießen ausgestochen hätte. Dann kam der Sommer, Modeste war weg und wir warteten Tag um Tag auf die ersehnten neuen Spieler. Wir hatten immer noch Rudnevs, Clemens und Rausch im Kader. Und was passierte? Nichts. Seit drei Perioden herrscht beim effzeh absoluter Stillstand. Guckt mal in die Transfers und sagt mir, was gut war:

Guirassy?
Clemens?
Rudnevs?
Höger?
Rausch?
Subotic?
Córdoba?
Horn?
Pizarro?

Hör mir doch auf. In Mainz…ach… schon gut.

Der Fokus liegt anscheinend bei Schmadtke nicht wirklich auf den Spielern, sondern eher beim Umfeld, wenn man seine offensive Darstellung der “Neues Stadion”-Situation betrachtet. Na, dann baut mal schön mit einem “strategischen Partner” ein 70.000 Leute Dingens nach Kerpen oder Bergheim oder in die Wahner Heide. Klappt bestimmt. Und Schmadtke wundert sich? Alles wird ignoriert, alle sind dumm, nur er weiß es besser. Ja jut. Kann ja sein, ich bin gespannt.

Nee, ganz ehrlich, so sympathisch Schmadtke im Erfolg ist, so arrogant kommt er in der Krise rüber. Und dass die Fans dann mal etwas anderes singen als “Du bist der beste Mann” muss er dann eben auch mal aushalten. Und vielleicht in Interviews eine Spur defensiver werden, denn letztlich waren wir schon da als er noch in Düsseldorf Fliegen gefangen hat und unser Anspruch am 1.FC Köln ist garantiert nicht kleiner als seiner.

Bei allem Ärger, bei aller Enttäuschung, eine Sache ist mir noch wichtig: Peter Stöger ist alternativlos. Es kann keinen besseren Mann als den Trainer gerade geben auch wenn ich verstehen kann, wenn er selbst die Notbremse zieht und die Stadt verlässt, weil, noch ist er der Trainer, der den Verein zurück nach Europa gebracht hat. Bald ist er vielleicht der “schlechteste FC-Trainer aller Zeiten”. Ich kann die Schlagzeile schon vor mir sehen. Und das muss sich Stöger nicht antun. Ich hoffe dennoch, dass er bleibt. Und falls Schmadtke ihn wirklich entlassen sollte, dann hoffe ich, dass die Fans deutlich Partei ergreifen. Nicht Stöger hat uns die aktuelle Situation eingebrockt.

Okay, jetzt geht es mir etwas besser.

Come on effzeh!

Buchtipp: Wir Wochenendrebellen

Mirco ist nicht ganz einfach zu erklären. Mirco hat einen veritablen Sockenschuss. Das ist schon mal nicht die schlechteste Voraussetzung, um eine kleine Abkürzung in mein schmales, schwarzes Buch der coolen Leute zu nehmen. Andererseits ist Mirco Fan von Fortuna Düsseldorf, was – ganz objektiv betrachtet – nicht für einen rational denkenden Menschen sprechen kann. Vergl. -> Sockenschuss. Aber, er verdient sein eigenes Geld und wenn man sich mit ihm unterhält, kommt seine Fortuna-Leidenschaft fast gar nicht zur Geltung. Er artikuliert sich klug und verständlich, ist nett und umgänglich, ja man möchte sagen liebenswert. Es ist kompliziert, ich sagte es ja bereits. Mirco ist übrigens kein fiktionaler Charakter. Mirco gibt es wirklich, ihr könnt mir glauben. Ich durfte ihn, seine unglaublich charmante Frau und seinen Sohn Jason, um den es im Grunde geht, schon kennen lernen. Seine Tochter hält er noch vor mir geheim aber, okay, das kann ich sogar ein kleines bisschen verstehen, einen Joker will man immer in der Hinterhand haben.

Jason, Mircos Sohn, ist Asperger-Autist. Ich habe genau gar keine Erfahrung mit Autismus. Wenn mir vorher jemand gesagt hat: Das ist ein Autist, dann dachte ich an Dustin Hoffman in Rain Man und an Bleistifte auf dem Boden. Schubladendenken ist halt manchmal bequem. Als ich Jason aber dann beim Relegations-Spiel der Fortuna gegen Bayern II kennengelernt habe, war alles ein wenig anders. Jason war aufgeräumt, vielleicht etwas schüchtern aber irgendwie doch ein ganz normales Kind. Bei dem Vater sogar ein erstaunlich gut erzogenes Kind, möchte man meinen. Natürlich war er damals noch etwas jünger, er hatte noch nicht die Groundhopping-Erfahrung von heute, aber eine Fahrt mit der KVB vom Barbarossaplatz zum Gottesweg, das kann ja durchaus schon mal schlimmer sein, als auf Eseln durch Bergkarabach zu reiten. Während des Tages wurde er munterer, er erzählte auch ein paar Dinge und fing später, nach dem Spiel, im Clubheim, wo es brechend voll war, an, mit einem Ball zu spielen. Was Kinder halt so machen, wenn ihnen langweilig wird. Allein mit diesen Eindrücken habe ich Jason als höflichen Jungen kennengelernt, der vielleicht nicht Mainstream ist, aber auch das muss ja nicht zwangsläufig eine negative Eigenschaft sein.

Aber im Leben ist es halt nicht immer nur schwarz und weiß. Es gibt Höhen und Tiefen und ganze Schluchten. In meinem Leben, in eurem Leben und eben auch in Mircos und Jasons Leben. Der Unterschied zwischen mir und Dir ist, dass Mirco jetzt ein Buch darüber geschrieben hat. Über die Reisen, die er mit seinem Sohn seit ein paar Jahren unternimmt. Zum Fußball, zu Konzerten, zu sozialen Ereignissen.

In seinem Blog lässt uns Mirco schon seit Jahren teilhaben an diesen wortwörtlichen Trips abseits jeder Routine. Und weil das Buch die logische Konsequenz des Blogs ist, heißt das Buch genauso: “Wir Wochenendrebellen”. Mirco nimmt uns mit auf die Reisen, die er mit Jason unternahm, wir lernen die Regeln des jungen Manns kennen, die häufig eine reflektierte soziale Verantwortung erkennen lassen, über die wir uns gar keine Gedanken mehr machen. Es darf z.B. kein Essen weggeschmissen werden. Was auf dem Teller ist, wird gegessen. Und wenn Jason satt ist und es noch Reste gibt, dann muss Mirco halt herhalten. Immer noch besser der Papsi hat Bauchschmerzen, als dass das Essen verkommt. Das ist nur ein Beispiel, glaubt mir, wenn ihr darüber nachdenkt, macht vieles, was Jason als “Regel” aufgestellt hat, ziemlichen Sinn. Es ist eben nicht alles sofort und unumstößlich umzusetzen.

Von diesen alltäglichen Herausforderungen erzählt das Buch. Wir erfahren eine Menge über Asperger-Autismus, über das Leben mit selbigem, nicht nur von Jason, sondern auch von der Familie. Wir erleben manche Situationen vor unserem geistigen Auge mit (jeder der mal auswärts gefahren ist, kann sich in praktisch jedem Kapitel wiedererkennen, denn – lasst uns ehrlich sein – was haben wir nicht alles schon für Geschichten erlebt. Nur, wir waren und sind erwachsen. Jason wächst erst. Und sein Vater mit ihm. So ergibt sich auch zeitlich eine wunderbare Entwicklung, von der Idee, geboren bei einem eher zufälligen Besuch eines BVB-Spiels, den Lieblingsverein zu finden, bis hin zum aufgeschobenen Ende, dass, um dieses Ziel zu erreichen, wohl irgendwann die lettische fünfte Liga besucht werden muss. Da wird eben auch Fußball gespielt und wie sonst soll man sich für (s)einen Verein entscheiden, wenn man nicht alle kennt? Ist doch logisch.

Wir werden mitgenommen nach Aue und Sankt Pauli, lernen den betrunkenen Friedel kennen und – für viele von Euch wird es das erste Mal sein – gucken beim VfR Aalen gegen Sandhausen vorbei. Alles in einem höchst unterhaltsamen, aber nie unverbindlichen Ton geschrieben, mit wechselnden Blickwinkeln und spannenden Einblicken in ein gutes und glückliches Leben. Das Buch ist ein Mehrwert, liebe Leute, kauft es Euch, es macht großen, großen Spaß. Und das schreibe ich nicht, weil ich Mirco und Jason mag, sondern weil es stimmt.

Über die Homepage gibt es die Möglichkeit, das Buch über diverse Händler zu bestellen, das solltet Ihr unbedingt auch so machen, denn die Provision, die Mirco und Jason von diesen Händler bekommen, geht direkt an die Neven-Subotic-Stiftung. Ihr tut also auch noch etwas Gutes dabei.

Los. Es lohnt sich.

Wir Wochenendrebellen: Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa
von Mirco von Juterczenka
Benevento, 2017

Stuttgart – FC: VAR inkompatibel

1:2 verliert der 1.FC Köln in Stuttgart. Zum ersten Mal seit 125 Jahren verlässt man die Mercedes-Benz-Dingenskirchen-Arena-Stadion-Wasauchimmer punktlos. Nach acht Spielen bleibt weiterhin ein Punkt und drei kümmerliche Tore auf der Habenseite. Zu wenig um noch Hoffnung zu haben auch wenn die Saison gerade einmal zu einem knappen Viertel gespielt ist. Zu viel läuft gegen uns, zu viele Fehler wurden und werden gemacht.

Bei aller Diskussion um den Videobeweis dürfen wir eine ganz wichtige Sache nicht vergessen: Weder der Schiedsrichter, noch der Assistent, noch der VAR oder der liebe Gott sind für den kollektiven Aussetzer in der 94. Minute des Spiels verantwortlich zu machen. Der FC agiert im Tiefschlaf, Akolo setzt sich durch, hat etwas Glück beim Abschluss und zack, ist der Ball im Tor. Das hat nichts aber auch gar nichts mit Ungerechtigkeit zu tun, sondern schlicht und einfach mit Versagen. Alle Aussagen von Pech und Schiebung kannst du zur Seite wischen und nur diese eine Szene angucken. Herrgott, es ist die 94. Minute. Dann muss ich halt nen Punkt mitnehmen und weitergucken aber ich kann doch nicht so weit weg von allem sein und den Stuttgarter Spieler da tanzen lassen, wie er will. Das gibt es doch nicht. Das kann doch wohl nicht wahr sein.

Das Spiel war die perfekte Zusammenfassung der bisherigen Saison des effzeh. Eigentlich hast du mehr vom Spiel, es sieht ganz okay aus (bis 20 Meter vor dem Tor) aber aus dem Nichts bekommst du unfassbar dämliche Gegentore (das 1:0 mit einem idiotischen Ballverlust von Özkan und einem hinterherlaufenden Frederik Sörensen, der aussah als müsste er mit wunden Füßen einem Feuerball entkommen, während Indiana Jones vor ihm mit dem Kelch der Todeskröte zu entfliehen versucht), das 2:1 wie oben beschrieben, begünstigt durch kollektiven Sekundenschlaf der gesamten Kölner Abwehr. Dann machst du selbst die Chancen nicht rein, vergeigst beste Möglichkeiten, hast den Minderwertigkeitskomplex praktisch als Schild umhängen (SCHIESS DOCH ENDLICH MAL DRAUF, MANN!) und ja, okay, vielleicht kommt auch noch eine Prise Pech dazu aber alles in allem ist es bezeichnend für den aktuellen Zustand rund ums Geißbockheim, dass dieses Spiel dann gestern noch verloren ging.

Ich will nicht von verdient sprechen, weil der VfB eigentlich bis auf eine kleine Drangphase, mit zwei sehr guten Chancen, vor dem 1:0 und eben den beiden Toren nie wirklich gefährlich war aber was nützt es denn? Verloren ist verloren ist verloren und wir können uns für warme Worte und einen Handschlag nichts kaufen. Müssig über verdient oder unverdient zu diskutieren, die Tabelle ändert sich dadurch nicht.

Und doch möchte ich ganz kurz, weil Twitter mit 140 Zeichen da vielleicht das falsche Medium für ist, meinen Ärger über den Videobeweis ausdrücken: Der Schiedsrichter gibt in der 89. Minute Elfmeter für den 1.FC Köln. Er zögerte kaum, die Hand deutete auf den Punkt. Okay. Stürmische Proteste, das übliche, alles normal. Dann fordert der Schiedsrichter den VAR zur Unterstützung an, dieser scheint keine genaue Entscheidung treffen zu können, sondern empfiehlt dem Schiedsrichter sich die Szenen selbst noch einmal anzusehen. So stelle ich mir das jedenfalls vor, korrigiert mich bitte wenn der Ablauf falsch ist, aber wenn der VAR eine Fehlentscheidung gemeldet hätte, bestünde ja kein Grund mehr für den Schiedsrichter selbst noch einmal nachzuschauen, oder? Also gut, der Schiedsrichter läuft zum kleinen TV, guckt sich das an. Es vergehen drei Minuten (DREI MINUTEN!), bis er seine Entscheidung revidiert. Jetzt frage ich mich: Wie kann er nach so endlos langer Zeit und nach unzähligen Wiederholungen und einen Nicht-Entscheidung des VAR sicher sein, dass es sich um eine “glasklare Fehlentscheidung handelt”? In der Erklärung der DFL zum Videobeweis heißt es:

Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung ein offensichtlicher Fehler des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. Ist eine solche, klar falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Platz nicht gegeben, darf der Video-Assistent nicht eingreifen.

So. Wie ist das vereinbar mit der anscheinend ziemlich tricky Situation auf dem Feld? Wie kann er nach einer solchen Dauer von einer zweifelsfrei falschen Entscheidung ausgehen? Verstehe ich nicht. In dem Zusammenhang würde mich auch interessieren, ob die VAR in der Zentrale in Köln den Kommentar des übertragenden Senders hören können / dürfen? Matthias Stach, der die…

[Exkurs: …ganz herausragende Übertragung von Eurosport begleitete (ja, okay, er informiert immer noch über abenteuerlich unwichtige Dinge) aber er analysiert das Spiel schon ganz gut, er spricht Fehler an, er bewertet Raumaufteilungen usw. Dazu noch die fantastische Vorberichterstattung mit Sammer und Henkel, die den Zuschauer wirklich auf das kommende Spiel vorbereiten, frei von Plattitüden, den Fußball einfach ernst nehmend. Das gefällt mir so unheimlich gut und ist Lichtjahre besser als das unwürdige SKY-Gehampel. Gestern hat der Player auch 1A funktioniert, es gab mal einen kleinen Ruckler kurz vor Anpfiff der zweiten Halbzeit, der durch erneutes Starten des Streams aber aus der Welt war. Für ein funktionierendes Produkt mit einer derartigen Qualität der Übertragung gebe ich wirklich gerne Geld aus. Das ist, liebes Eurosport-Team, ganz groß. Macht richtig Spaß.]

Wo war ich?

Ach ja… Matthias Stach. Der hat sich ja recht schnell auf klare Fehlentscheidung festgelegt. In wie weit kann das eine Entscheidung beeinflussen? Ich mein, das sind auch nur Menschen, die schwimmen auch nicht gerne gegen den Strom. Aber das nur am Rande.

Und sei es wie es sei, am Ende kann man ja sogar sagen: Ja, ist vielleicht die richtige Entscheidung den Elfmeter nicht zu geben, ich fand es jetzt auch nicht zwingend aber: Er pfeift, es gibt eine Berührung ausgehend von dem Stuttgarter Abwehrspieler und die Revision kann gar nicht eindeutig gewesen sein. Wie kann da eine Aufhebung der Tatsachenentscheidung gerechtfertigt werden?

Nochmal: Das hat nichts damit zu tun, dass der effzeh das 2:1 selbst verschuldet hat und drei mal nicht damit, dass Guirassy eine Minute später frei vor dem Tor den Ausgleich vergibt. Nimmt man diese nackten Fakten, dann ist das Ergebnis wie es ist und auch die Entscheidung den Elfmeter nicht zu geben ist (wahrscheinlich) richtig. Ich kann nur den kompletten Vorgang nicht verstehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir eben schon zwei Mal vom VAR, bzw. vom Nicht-Einsatz des selbigen, klar benachteiligt wurden. Warum gibt es gegen Frankfurt keinen Videobeweis (insgesamt drei Mal, zwei Mal für uns, einmal gegen uns), warum in Dortmund nicht (auch wenn das die Niederlage wohl nicht abwendet) und gestern gab es ihn doch? Ist das alles Gutdünken? Würfelt das der jeweilige Schiedsrichter aus? Die Frustration über die unterschiedliche Handhabung des VAR muss doch nachvollziehbar sein? Heute las ich einem Tweet in dem sinngemäß stand: “Gerechtigkeit ist für manche wohl nur so lange gut, wie sie selbst nicht betroffen sind”. Das ist halt grandioser Schwachsinn. Ich akzeptiere doch die Entscheidung, ich kann damit leben, dass es kein Elfer war. Aber, verdammt nochmal, dann will ich es in gleicher Situation auch FÜR uns so entschieden haben. Ist das zuviel verlangt? Ist das nicht die Definition von Gerechtigkeit, dass gleiche Situationen gleich bewertet werden müssen? Und das passiert eben aktuell nicht.

Ach scheisse.

So, genug der langen Worte, der Frust sitzt schon tief, denn trotz allem Verdruss, trotz aller Entfremdung vom Fußball tut es im Moment halt immer noch weh. Um den Kommentar-Trollen zuvorzukommen noch einmal deutlich: Ich mache den Schiedsrichter und den VAR nicht für die Niederlage gestern verantwortlich, das können wir uns wie immer schön selbst in den Lebenslauf schreiben aber ich verstehe die Entscheidung weiterhin nicht. Und das macht mich rasend.

Wir brauchen jetzt 39 Punkte aus 26 Spielen = 1,5 Punkte pro Spiel = jedes zweite Spiel muss gewonnen werden.

Wird knapp.

 

 

FC – Roter Stern: Fire in the hole

Machen wir uns nichts vor: Der 1.FC Köln im Herbst 2017 ist schlecht. Tore werden mit der gleichen schlafwandlerischen Sicherheit gefangen wie Frösche mit klebriger Zunge Insekten einholen, vorne passiert nichts und wenn dann mal durch Zufall eine Chance herausgespielt wird, dann ist das Tor zu klein. So wird das alles nix. Gegen einen bestenfalls zweitklassigen Gegner kassieren wir ein Tor aus dem absoluten Nichts, weil -mal wieder- der ballführende Spieler nicht angegriffen wird. Diesmal war es Meré, im Sommer teuer eingekaufter spanischer Jugend-Nationalspieler, der gebannt zuschaute als Richmond Boakye draufschoss und der Ball in einer wunderschönen Kurve den Weg in den Winkel fand. Kann man machen, ist natürlich einfacher wenn man bei FIFA auf easy gestellt hat. Boakye ist so ein Typ zentralafrikanischer Stürmer, der in Bergamo gescheitert ist und jetzt seit Jahren zwischen der Serie B und Osteuropa hin und her pendelt. Der schießt uns ab. Passt aber natürlich.

In der zweiten Halbzeit gab es ein paar Versuche das Spiel zu drehen aber, Leute, Leute, seinen wir doch mal ehrlich und versuchen einmal nicht zu beschönigen: Wenn du drei Mal den Pfosten triffst (davon mindestens zwei mal ohne Bedrängnis), wenn du nicht eine, nicht eine gottverdammte Flanke, in den Strafraum kriegst, wenn alle, wirklich alle deine Standards schon beim ruhenden Ball einen Konter einleiten und wenn deine Zielspieler einen Radius von einem Bierdeckel haben ohne auch nur den Willen erkennen zu lassen vielleicht mal in die Räume zu gehen, dann ist das einfach nicht genug. Da kann man mir so viel man will von großem Kampf und Pech und blöden Umständen erzählen, das ist schlicht und einfach nicht wettbewerbsfähig, was der effzeh da aktuell liefert. Wir haben jetzt in acht Spielen zwei Tore geschossen (davon eins gegen den HSV, das zählt also noch nicht mal und eins aus 250 Metern Entfernung, das ist also auch nur bedingt aussagekräftig), kassieren wie die Blöden und haben eine Körpersprache die eigentlich nur ‘Hilfe, ich will hier weg’ schreit. Dazu eben die fehlende individuelle Klasse und eine völlig am Anforderungsprofil vorbei zusammengestellte Mannschaft. Tja, da kannste dich dann auch irgendwann nicht mehr beschweren.

Es wäre jetzt einfach auf Meré und Córdoba einzudreschen aber das will ich gar nicht. Meré ist ein junger Spieler, der mir bisher eigentlich ganz gut gefallen hat, er zeigt Präsenz und Einsatz und es müssen ihm Fehler zugestanden werden, das ist doch gar keine Frage. Hilft uns aber nicht. Córdoba ist die ärmste Sau der Veranstaltung, weil er so hilflos ist, dass es fast schon körperlich weh tut. Er sollte Modeste ersetzen, wo ein Blinder sah, dass das gar nicht möglich ist. Córdoba ist kein Zielspieler, kein Stoßstürmer, eher eine verkappe 9, der sich wohl fühlt, wenn er mit dem Rücken zum Tor den Ball annehmen kann und dann Mitspieler hat, die Lücken reißen können. Bei aller Liebe, was hat man sich gedacht? Dass Zoller, Guirassy oder Rudnevs hier Faktoren werden könnten? Himmel hilf. Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht. Ja, natürlich, Schmadtke hat immer Recht und yadda, yadda, yadda. Alles klar. Was macht eigentlich Christian Clemens oder Jannes Horn? Geht mir weg.

Das frustriert mich so ungemein, weil es uns doch eigentlich klar war. Vor der Saison, im Sommer, drehten sich alle Gespräche um die (fehlenden) Transfers und die Stimmung war einstimmig schlecht: Das wird katastrophal haben wir gesagt. Und selten hatte ich weniger Freude in der Bestätigung. Wenn Konstantin Rausch noch einen Freistoß oder eine Ecke schie… ach, ich sag nichts mehr.

Doch, Freude über Freude, der 1.FC Köln scheint zu reagieren und zaubert mit Claudio Pizarro den Heilsbringer aus dem Hut. 39 Jahre, vereinslos, untrainiert, letztes Jahr bei Bremen 607 Einsatzminuten, ein Tor. Knaller. Und er passt so gut in unser System der weiten planlosen Bälle. Dieser Transfer ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Transferpolitik, es wird versucht in Meiererscher Manier Fehler zu kitten, die gar nicht zu kitten sind. Da fällt mir nichts mehr zu ein. Natürlich kann man jetzt sagen: Ist ein kleines Risiko, wir sind verzweifelt, wir müssen was machen. Ja, klar. Und wenn er dann am Sonntag Leipzig zurück in die RBZ ballert, dann ist alles gut aber es ist eben nichts anderes als Aktionismus und das tut weh, denn ich habe wirklich gedacht, dass diese Zeiten beim 1.FC Köln vorbei sind.

So ist er, mein Verein. Er überrascht dich auch nach 27 Jahren noch immer.

Hach.

Ich will aber nicht auf einer negativen Note enden, denn bei allem Driss, es gibt schon noch etwas, auf das wir stolz sein können. Die Fans präsentierten sich gestern über große Teile des Spiels wieder hervorragend, das Veedelslied nach Abpfiff war so unfassbar laut, ich hätte als Spieler Rotz und Wasser geheult. Die Hoffenheimisierung der Liga ist in Köln noch nicht angekommen und das ist auch verdammt gut so auch wenn ich glaube, dass es so etwas wie das letzte Halali sein wird, denn es macht mir den Eindruck, dass eine Konfrontation mit Verein und Verbänden durchaus breite Zustimmung in der aktiven Fanszene findet. Ich persönlich setze mal einen Zehner auf “es knallt dieses Jahr noch richtig”.

Nichts desto trotz, hier ein Video von vor dem Spiel. War geil.

Mitgliederversammlung 2017

Es ist kurz nach zwei in der Nacht, ich fahre über die Innere Kanalstrasse. Grüne Welle. Die Strassen sind leer, eine ganz normale Montagnacht in Sülz. Nichts deutet darauf hin, dass wir eben in der Arena einen Abend erlebt haben, der für unseren Verein ein schlimmer war. Nicht wegen des abgelehnten Antrags, nicht wegen einer demokratischen Entscheidung, diese ist zu akzeptieren, es geht nicht anders und das ist auch gut so. Nein, es darf in diesem Verein kein Hinterfragen der Mitgliederentscheidung geben, egal ob ich das Ergebnis jetzt gut oder schlecht finde.

Punkt.

Es ist das Zustandekommen und die Begleitumstände der Abstimmung, ja der ganzen Mitgliederversammlung, die mich ratlos und ernüchtert zurück lassen. Ich will jetzt hier nicht nacherzählen, soll ein jeder die Aufzeichnung auf fc-tv schauen oder die diversen Ticker lesen, ich will mir nur ein paar Punkte von der Seele schreiben, die mich gestern zum einen wirklich erstaunt und zum anderen auch getroffen haben.

Die Organisation:
Im besten Fall möchte man sie kölsch nennen. Nichts hat geklappt aber es wurde viel gelacht. Beim check-in gab es an verschiedenen Lines nur noch unterschiedliche Bändchen für Ober- und Unterrang. Hier nur noch schwarz, dahinten nur noch rot. Dahinten ist ein Meter weg. Okay, interessiert im Zweifel eh niemanden, weil man einfach in die Blöcke gehen konnte, wie man wollte. In der Vergangenheit war das so etwas wie Crowd Control, heute war es sinnlos. Viel zu viele Menschen waren anwesend, als dass Ordner noch ernsthaft nach Bändchen geguckt hätten. Hatte was vom Emirates: Alle rein, mir doch egal wo. Der Innenraum war um halb sieben bereits voll, wir mussten in den Oberrang. Dieser war nicht beleuchtet und die Sound-Anlage war ausgeschaltet. Die Wahlunterlagen konnten nur mit Hilfe der Handy-Taschenlampe gelesen werden, ebenso das Display auf den Abstimmungsgeräten. Die ganze Arena lag eigentlich im Dunkeln aber im Innenraum und im Unterrang schimmerte wenigstens ein wenig Rotlicht durch die Gegend. Bei uns war es finstere Nacht.

Hey, macht mal Licht an! Das kann doch nicht so schwer sein. Ob das jetzt Unvermögen oder Strategie war? Keine Ahnung und ich bin auch weit von Verschwörungstheorien weg aber komisch ist es schon, dass man in einer Versammlung die Wahlunterlagen wegen fehlendem Licht nicht studieren kann. Naja.

Die Beschallungsanlage war ebenfalls ausgeschaltet, d.h. man konnte schon hören, dass auf der Bühne gesprochen wurde, nur eben nicht was. Werner Spinner lächelte dies nonchalant weg und begann nichts desto trotz mit der MV. Es gab ein paar Pfiffe und Zwischenrufe aber insgesamt war das Publikum um mich herum sehr ruhig, fast apathisch. Es wurde sich auch kaum unterhalten. Die saßen da und klatschten, obwohl man Spinner gar nicht verstehen konnte. Nach zehn Minuten war die Anlage hochgefahren und/oder ein Techniker hat auf den On-Knopf gedrückt, es klappte dann.

Irgendwann kurz nach acht wurde es auch etwas heller. Knaller. Wir konnten jetzt hören und sehen was los war. Nun sollten die Abstimmungsgeräte noch getestet werden. Bei mir hat’s geklappt, bei allen anderen in meinem Umfeld auch aber anscheinend waren erstmal zu wenig von den Teilen vor Ort gekarrt worden und zum anderen haben (Aussage des Technik-Chefs) ca. 1000 Geräte kein Ergebnis übermittelt.

Das, liebe Freunde ist der 1.FC Köln: Selbstbesoffen bis zum völligen Kontrollverlust. Werner Spinner sprach in (einer) seiner Rede(n) von der Angst sich in ganz Deutschland zu blamieren, wenn man einen Investor ablehnt aber sie bekommen es selbst nicht hin eine MV so zu organisieren, dass es wenigstens nach Außen den Anschein hat, dass es klappt. Und, damit wir das Königsargument direkt aus dem Saal treten können: Doch, sie mussten mit dieser Masse an Menschen rechnen, denn sie haben sie selbst bestellt. Mit der Hoodie-Aktion ziehst du Leute an, die sonst im Leben nicht vor die Tür gegangen wären, wir haben es ja gesehen. Natürlich wussten die was auf sie zukommt, natürlich wussten die, dass sie nicht mit Unterrang und Innenraum hinkommen und natürlich wussten sie auch, dass man mehr Geräte hätte beschaffen müssen.

Und wenn sie es nicht wussten, dann sind sie Dilettanten.

So musste per Papier abgestimmt werden. Die Auszählung war gegen 1:20 Uhr beendet.

Die Reden:
Die Vorstandsreden, egal ob es um Rechenschaftsberichte, um die sportliche Entwicklung oder die Arbeit der Gremien ging, waren durchzogen von einem Thema: Angriff auf die Initiative 100 % FC. Besonders im Angriffsmodus waren Spinner und Wehrle, die das ganze auch auf die persönliche Ebene brachten, die von Misstrauen und Spaltung der Familie sprachen. Spinner betonte, dass es keinen Investor geben wird, sprach einen Halbsatz weiter aber von strategischen Partnern, die für einen Stadion-Neubau benötigt werden. Wehrle zerlegte das Ausbaukonzept Müngersdorf und stieß damit ins gleiche Horn. Bei China geht es um Völkerverständigung, darum die Welt besser zu machen und Kindern den Spaß am Fußball nahe zu bringen. Hat nix mit Geld zu tun. Und im Hintergrund leckten sich zwei Einhörner gegenseitig die Eier. Is klar.

Das war ein bisschen zu dick, ein bisschen zu viel Sorge, die da durchschmierte. Es war zu aggressiv gegen den Antrag, der anscheinend (ich spekuliere hier nur) bei Annahme einiges in der kurzfristigen Planung des Clubs hätte kaputt machen können. Man spürte es eigentlich in jedem Satz: Ja, wir werden verkaufen, ja wir werden ein neues Stadion bauen.

Schmadtke habe ich mir zum großen Teil gespart, was soll da kommen?

Ich muss aber leider auch einen Kritikpunkt an die Initiative richten: So gut die Rede zur Vorstellung des Antrags inhaltlich war, so unglücklich war sie umgesetzt. Sie kam mir schon einigermaßen pastoral, ja fast gebetsmühlenartig vor und hat mit dem Ton leider niemandem in meinem Block, der nicht eh vor hatte mit Ja zu stimmen, abgeholt. Da hätte etwas mehr Pep gut getan. In der freien Aussprache zu diesem Punkt hat Stephan Schell von der Wilden Horde gezeigt, wie man dieses Publikum angehen muss: Emotional und an Werte erinnernd. Das war sehr, sehr gut.

Es gab auch ein paar kurze Sätze zu London, alles war toll, der 1.FC Köln ist der beste Verein der Welt, die Fans sind kurz vor der Seligsprechung und überhaupt sei man so stolz auf alles. Hat sich vor zwei Wochen noch alles sehr anders dargestellt…

Die schlimmste Rede des Abends hielt Stadionsprecher Michael Trippel, der die Karte “wollt ihr irgendwann vierte oder fünfte Liga spielen” zog. Das war Politbüro-Stil. Eines 1.FC Köln unwürdig.

Das Publikum:
Beseelt von Werner Spinner und den (tatsächlich guten) Zahlen Wehrles wurde jeder Angriff gegen die Initiative mit großem Applaus bedacht. Die Aussagen zu London wurden bejubelt und als Wehrle ankündigte, dass zu wenige Hoodies da sind wurde es plötzlich leer. Später sprach man von Tumulten und körperlicher Aggression. Wegen eines scheiß Pullovers! Mehr kannste eigentlich gar nicht sagen.

Fazit:
Machen wir uns nichts vor, der gestrige Tag war eine Niederlage für den 1.FC Köln. Es steht für mich völlig außer Frage, dass wir in den nächsten Jahren den Verein verlieren werden, dass REWE einsteigen wird, dass ein neues Stadion gebaut wird und dass das auch von einem Großteil der Mitglieder so gewollt ist. Die hören Einnahmen und von Bayern München lernen, die hören 70.000 Zuschauer und oberes Drittel der Bundesliga (Bayern, BVB, Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg, Schalke, Gladbach… da sind wir bei acht, der effzeh macht neun, im oberen Drittel haben sechs Mannschaften Platz…) und wie toll alles sein wird und liegen sich in den Armen.

Es wird zu dramatischen Veränderungen kommen. Wir, die wir hoffnungslos in den Fußball verliebt sind, die wir seit Jahren wirklich “durch dick un durch dünn” mit diesem 1.FC Köln gegangen sind, wir sterben aus, wir sind nicht mehr zeitgemäß und sollten, nein, müssen die Konsequenzen ziehen. Die Mehrheit der Mitglieder will etwas anderes, das ist, ich wiederhole mich, zu akzeptieren.

Vielleicht hat der 1.FC Köln mit dieser Strategie der Entfremdung Erfolg. Vielleicht kommen 70.000 Zuschauern zu den Spielen und vielleicht werden sie 2020 deutscher Meister, was weiß ich denn? Es wird wohl nie soweit kommen, dass ich dem nicht wohlwollend gegenüber stehen werden aber die Erkenntnis des Abends ist einfach:

Der Verein stirbt.

Tschüss effzeh.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

Arsenal – FC: Champagne Supernova

How many special people change?
How many lives are living strange?
Where were you while we were getting high?

Wo will ich anfangen? Ich bin unstrukturiert und aufgewühlt, ich kann noch gar keinen klaren Gedanken fassen, so überlebensgroß war das gestern. So jenseits von allem, was ich bisher im Fußball erleben durfte. Ich habe Aufstiege gefeiert, ich war mit einem einzigen 30er Bus bei einem Hallenturnier in Leipzig, habe Spiele vor 3.000 und Spiele vor 80.000 Zuschauern gesehen. Ich war beim Spiel um Platz 3 bei Olympia ’92, ich bin mit dem 1.FC Köln viele tausend Kilometer durch Deutschland gereist und mein letztes Europapokalspiel im Stadion war das Heimspiel gegen Atalanta. Ich bin 23 41 Jahre alt und gehe seit 27 Jahre regelmäßig zum Fußball. Nichts, keine einzige Erinnerung, kommt auch nur nah dran an das, was ich gestern in Islington erleben durfte. Beim Einlaufen der Mannschaften hatte ich Tränen in den Augen. Das ist jetzt nicht nur so dahin geschrieben, nein, ich musste mich von den um mich herumstehenden Damen sogar ein wenig belächeln lassen. Ich war so derart aufgewühlt, die Energie, die in diesem magischen Moment von den Rängen kam, war überwältigend. Ein “Come on effzeh” Wechselgesang zwischen den Clock End Blöcken H-J und K-N raubte mir fast alle Sinne. Es war so laut, so intensiv, so… einzigartig. Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen, fast ungläubig ob der puren Wucht der Emotionen. Nach 25 Jahren läuft der 1.FC Köln im Emirates auf und ich bin dabei. Es war elektrisierend.

Slowly walking down the hall
Faster than a cannonball
Where were you while we were getting high?

Ich will jetzt keinen großen Reisebericht schreiben, wer sich für die vielen skurrilen Geschichten interessiert, die ich in den 32 Stunden des Trips erlebt habe, der möge am Montag drei90 einschalten, dort werde ich ausführlich erzählen. Von entnervten Zugbegleiterinnen, von englischer Provinzialität, von neuen Bekanntschaften und engen Zeitplänen, von Flugverspätungen und unverschämten Lufthansa-Mitarbeiterinnen. Es könnte etwas länger werden.

Nein, ich will nur erzählen wie ich London erlebt habe, will meine Eindrücke wiedergeben, denn auch wenn deutsche und englische Zeitungen übereinstimmend von einer Nacht der Schande sprechen, es war das genaue Gegenteil. Es war ein friedliches, lautes, intensives Fest, es war ein freundschaftliches Miteinander, es war ein wortwörtliches Anstoßen, verbunden mit einem “Cheers Mate”. Nacht der Schande. Am Arsch. Während des Oktoberfests müsste die Bild-Zeitung jeden Tag mit “Fest der Schande” aufmachen, denn es benehmen sich jeden Tag deutlich mehr Menschen in den Saufzelten daneben als gestern Abend in London. Hab ich noch nie gelesen. Ist halt Brauchtum, da kann das mal passieren, ne? Es gab gestern 5 Festnahmen. Bei geschätzten 20.000 Kölner. Fünf. Nacht der Schande.

Und dennoch möchte ich nicht relativieren: Die Leute, die da in die Polizei reingestürmt sind, die die Kioske überfallen haben und Gewalt ausübten sind Arschlöcher. Ich habe es selbst nicht gesehen, deshalb möchte ich da auch gar nichts weiter zu schreiben, sondern lasse einen Augenzeuge zu Wort kommen:

Ich kam mit Freunden um kurz nach 18.00 h Ortszeit am Stadion an. Wir sahen, dass die the Danny Fiszmann Bridge scheinbar abgeriegelt war mit den Leuten, die den Fanmarsch vollständig mitgegangen waren und beschlossen daher, uns direkt am Eingang zu Block L für den Gästeblock anzustellen, bevor die Schlangen lang werden. Vor uns standen höchstens 15-20 Leute an der linken Schlange bis zum Einlass. Es geschah hier jedoch über 10 Minuten nichts, keiner wurde reingelassen. Dann wurden anscheinend die Leute von der Brücke gelassen und alle strömten Richtung Blockeingang. Hier kam es dann wohl dazu, dass eine Handvoll Leute versuchte, über die Absperrung zu gelangen. Das konnten wir aber nicht genau sehen. Es passierte darauf hin Minuten lang wieder nichts, außer dass sich um uns herum eine Riesenmasse an Menschen angesammelt hatte, die aufgestellten Gitter wurden geschoben. Die Leute hielten immer wieder ihre Tickets hoch um deutlich zu machen, dass man eines hatte. Dann kam die berittene Polizei und drängte uns alle zusammen, so dass wir kaum auf zwei Beinen stehen konnten. Von vorne und der Seite hieß es immer „go back“, aber es ging nicht zurück oder zur Seite, weil hinter einem ja gefühlt hunderte Leute standen und auch Gitter, gegen die man gequetscht wurde. Wir versuchten, der Polizei deutlich zu machen, dass hinter uns und an der Seite Gitter standen, und wir uns nicht weiter bewegen konnten. Auch Leute aus der Fanszene versuchten per Megaphon, die Masse ein Stück nach hinten zu bewegen und zu beruhigen. Hier ging jedoch nichts, von hinten Menschen und Gitter, von der Seite die berittene Polizei. Dieser Zustand dauerte über eine Stunde an. Die Leute wurden immer unruhiger, es gab die ersten, die versuchten, aus diesem Pulk heraus an die Seite zu kommen, da sie keine Luft mehr bekamen, Panik hatten oder ihre Notdurft verrichten mussten.

Da ich es irgendwann auch nicht mehr aushielt und in Panik verfiel, versuchte ich ebenfalls an den linken Rand zu gelangen, die umstehende Leute halfen mir dabei. Dort angekommen konnte mir eine Ordnerin nur den Weg zu Toilette gegenüber vom Einlass zeigen, sonstige Hilfe gab es nicht, obwohl die Leute, die mir daraus halfen den Ordnern erklärten, dass ich ggf. Hilfe brauche. Nachdem ich mich dort übergeben hatte und andere Freunde kontaktiert hatte, fragten diese sowohl Ordner als auch Polizisten nach Sanitätern. Als Antwort kam, dass es um das Stadion weder Sanitäter noch „Ambulances“ gab, wir sollen doch zur First Aid Station im Stadion gehen. Tja, da kamen wir jedoch nicht rein.

Die vorbeschriebene Einlasssituation habe ich als sehr gefährlich empfunden und ich kann nicht nachvollziehen, wieso man Menschen über 1,5 Stunden so einquetscht. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass man außerhalb des Stadions keinerlei medizinische Versorgung zur Verfügung stellt.

Ich glaube, dass eine anders geregelte Einlasssituation das Ganze – auch im Hinblick auf die nun anstehende UEFA Untersuchung und die nicht nachvollziehbaren Berichte aus der Presse -wesentlich entschärft hätten. Im Übrigen habe ich am Stadion und im Vorhinein Niemanden getroffen, der kein Ticket hatte.

Natürlich rechtfertigt all dies keine Gewalt, bitte versteht das nicht falsch aber es wäre ein leichtes gewesen die Situation erst gar nicht entstehen zu lassen. Mit einer anderen Ticketpolitik, mit weniger Drama und weniger Angst vor Eventualitäten, mit weniger Eventdenken und weniger Arroganz wäre es zu keiner Eskalation, so klein sie am Ende auch gewesen sein mag, gekommen. Das ist einfach ein Versagen von Arsenal.

Dass dann am Ende die Kölner Fans mit Tickets für den Heimbereich sogar von dieser Situation profitiert haben, weil die Sicherheitsbehörden sich entschieden haben die Kontrollen Kontrollen sein zu lassen und einfach alle Menschen ins Stadion gelangen zu lassen, ist dann eine Bewertung über die ich mir noch Gedanken machen muss. Aber -und ich finde das darf man nicht vergessen- wir kommen nicht umhin uns zu wundern, was sich Arsenal und die Polizei von London gestern gedacht hat. Naja, es werden wohl ein paar mehr als die 3.000 kommen aber so wild wird es nicht werden? Waren sie wirklich so blind? Waren sie wirklich so arrogant? Ich weiß es nicht. Klar ist, dass das “Sicherheitskonzept”, wenn man es denn so nennen will ein Komplett-Desaster war. Die Stewards waren vollständig überfordert und zahlenmäßig so hoffnungslos unterlegen, dass sie ihre Autorität schon mit dem Überziehen der neongelben Warnwesten verloren haben. Die Polizei zeigte -zwar spät- ihre Präsenz (allerdings, das möchte ich betonen, mir und meinem Umfeld gegenüber freundlich, hilfsbereit und ohne jede Aggression. Kein Vergleich zu deutschen Ordnungshütern. Wenn man die höflich angesprochen hat, kam eine zuvorkommende und freundliche Antwort, gefolgt von einem aufrichtigen “have fun”. Ich habe gesehen wie Bobbys sich mit Kölner Fans haben fotografieren lassen und für das Foto die Mützen getauscht haben. (Frag mal hier einen Ninja Turtle ob er das macht…) aber alles in allem war die Situation von Anfang an hoffnungslos. Arsenal und London war schlicht nicht vorbereitet auf das was da gestern angereist kam.

Soviel mal dazu.

Someday you will find me
Caught beneath the landslide
In a champagne supernova in the sky

Vor dem Spiel gab es einen Fanmarsch auf der Oxford Street, bevor sich dann alles an den Highbury Fields und in den umliegenden Kneipen sammelte:

Ich traf mich mit den guten Leute im Brewhouse and Kitchen, das -natürlich- fest in kölscher Hand war. Ein paar Einheimische mischen sich unter die Auswärtsfans aber das war auch kein Problem.

Gegen 16 Uhr kam es zur Schocknachricht, dass kein Bier mehr ausgeschenkt werden dürfte. Ahso. Essen durfte auch nicht mehr bestellt werden, weil, sind wir mal ehrlich, was kann es schlimmeres geben als einen satten Fußballfan? Stimmt schon. Den Beweis traten dann ein paar Stunden später die Arsenal-Fans an. Egal, dann gehen wir mal ein paar Meter die Straße runter, vorbei an einer wunderschönen Schule, deren Kinder einen schwarzen Anzug mit irritierend hellpinken Applikationen trugen (ich mag Schuluniformen sehr aber die war hässlich) und fanden selbstverständlich noch einen Laden, der uns freundlich und zuvorkommend aufnahm. The Alwyne Castle. Etwas arg hip aber dann doch ganz nett mit sehr leckerem IPA (The Camden Town IHL) und noch leckererem Cider (Orchard Pig Reveller Cider), dazu Fish & Chips oder Burger oder Pulled Pork, ach das war schon nett. Draußen geb einen netten Biergarten, die Stimmung war auch hier friedlich bis ausgelassen, Arsenal Fans haben Fotos mit uns gemacht, alles gut.

Nach dem obligatorischen Regenschauer machten wir uns dann auf Richtung Stadion. Wir wanderten die Holloway Road entlang, tranken noch ein Wegbier, schlenderten vorbei an Arsenal Kneipen und Take Aways, bogen rechts ab auf die Hornsey Road und plötzlich, ganz nah, erhaschst Du einen ersten Blick. Da hinten, links an den Bäumen vorbei, durch den Rauch der Streetfood-Stände hindurch kannst du es sehen, bis die Strasse plötzlich und fast schlagartig einen kleinen Knick macht und du davor stehst: Emirates Stadium. Da spielt gleich der 1.FC Köln. Unfassbar.

Auch hier: Null Aggressionen (wenn man mal davon absieht dass die Idioten von Zwei Kölsch nur fünf Meter neben uns ihre Show abgezogen haben und heftig debattiert wurde ob man mit der Polizei sprechen könne, ob diese mal kurz wegschauen könnte. Der Plan wurde aber verworfen), sondern friedliche, ausgelassene Stimmung. Man hörte und sah fast nur kölsches Publikum, die paar Arsenalesen die vor Ort waren wollten eigentlich nur ihre Tickets verkaufen. Ich bin noch nie so oft angesprochen worden ob ich ein Ticket haben will. Noch nie. Naja, muss jeder selber wissen. Dem Schwarzmarkt nicht unbedingt zuträglich war die Tatsache dass die Tageskasse geöffnet hatte. Eine merkwürdige Sache eigentlich, hatte Arsenal doch erklärt, dass das Spiel lange ausverkauft sei. Auch hier gilt: Der AFC hat sich einiges selbst zuzuschreiben.

Im Stadion dann der Schock. Das Clock End war fest in Kölner Hand. Sowohl Ober- als auch Unterrang waren okkupiert. Das Lied vom Europapokal schallte durch das halbleere Stadion, die Pufferlinien an Ordnern, die man sonst gerne in englischen Stadien sieht war nicht mehr vorhanden. Es war -man muss es so sagen- eine friedliche Übernahme. Die unmittelbaren Momente vor dem Spiel waren dann -wie eingangs erwähnt- das allergrößte, was ich bisher erleben durfte.

Das Video kann es nur unzureichend übermitteln, weil das schon gegen Ende des Gesangs war. Es ist aus meiner Perspektive:

Ich habe jetzt noch Gänsehaut.

Über das Spiel will ich nicht viele Worte verlieren, denn wie es der eine oder andere schon mitbekommen hat, war ich Trottel beim Tor des effzeh auf Toilette. Da fällt mir dann auch nix mehr zu ein. Ein Mal im Europapokal, der effzeh geht in Arsenal in Führung und Axel ist schiffen. Jedes weitere Wort ist Zeitverschwendung, denn diesen Trottelfaktor gibt es eigentlich gar nicht. Ich sah die Wiederholung im Arsenal TV auf dem Weg zurück in den Block, mitleidige Blicke von den umstehenden Polizisten begleiteten mich dabei. Whatever.

Arsenal gewinnt das Spiel, weil wir die Tore wieder viel zu einfach hergeben aber an Analyse ist gepfiffen, das krieg ich eh im Moment nicht hin. Unschöne Begleiterscheinung: Syndesmosebandriss bei Jonas Hector. Das hat uns gerade noch gefehlt. Verdammt.

Ab der 80. Minute machte sich dann der geneigte Heimfan auf den Weg nach Hause, die FC-Fans blieben noch ein bisschen und als dann das Stadion ca. drei Minuten nach Spielende komplett leer war passiere das:

Ich sage Euch, das hat geschallt, das kann man sich gar nicht vorstellen. In der ersten Einstellung des Videos kann man ganz gut sehen wie viele wir waren. Zur Erklärung: Der Gästebereich ist nur der Block im Unterrang rechts neben der linken Eckfahne bis linker Torpfosten. Das ist schon gut.

Alles in allem kann ich mich nur wiederholen: Es war fantastisch, es war grandios und umwerfend. Ich werde lange von dieser Erinnerung zehren. Vielen Dank an alle die dabei waren, vielen Dank an die vielen netten Engländer, die ich kennen lernen durfte (die übrigens übereinstimmend nichts als lobende Worte für den FC und seine Fans fanden) und vielen Dank an den 1.FC Köln, dass er mir das noch einmal möglich gemacht hat.

Mir kommen schon wieder die Tränen.

Wake up the dawn and ask her why 
A dreamer dreams, she never dies 
Wipe that tear away now from your eye
Slowly walking down the hall 
Faster than a cannonball 
Where were you while we were getting high? 
Someday you will find me
Caught beneath the landslide 
In a champagne supernova in the sky