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Warum der Fußball überleben muss

Während die Zahl der weltweit mit dem Coronavirus Infizierten auf die Millionen-Marke zusteuert, Menschen wahlweise um ihre Gesundheit oder die eigene Existenz bangen, entwirft der Profifußball fleißig Szenarien, wie das Spiel am Laufen gehalten werden kann. Die Bundesliga würde am liebsten schon ab Anfang Mai weitermachen, schließlich braucht die deutsche Bevölkerung ja Zerstreuung. Dafür würden die Vereine ihre Spieler irgendwie durch die Republik karren, zwischenzeitlich höchstens mal von Krankenwagen mit Blaulicht gestoppt. [Jörg Leopold, Der Tagesspiegel, 02.04.2020]

Diese und ähnliche Kommentare liest man jeden Tag in irgendeiner, meist themenfremden Publikation. “Der Fußball darf sich nicht überhöhen”, “Der Fußball ist nicht so wichtig”, dies und das, je nach Blatt ein bisschen schärfer oder milder, hier ein bisschen informierter, dort ein wenig polemischer, in der Tendenz jedoch gleich: Bitte, lieber Fußball, back down, du bist nicht relevant.

Ich möchte dem widersprechen. Der Fußball ist natürlich relevant. Der Fußball muss überleben. Das wird er auch, da müssen wir uns keine Gedanken machen. Das Spiel wird Corona überstehen, es wird auch nach der Pandemie und nach der nächsten und wahrscheinlich solange sich die Menschheit nicht unter 22 Einzelindividuen ausgerottet hat, weiter gehen. Darum konkreter: Der Profifußball muss überleben. Mit möglichst wenig Kollateralschaden, es muss so schnell als möglich und unter Aufbringung aller Möglichkeiten und kreativer Ideen der Spielbetrieb fortgesetzt werden. Zu sagen, dass der Fußball nur eine Nebensache ist, vielleicht die schönste, die wir kennen, ist nicht mehr zeitgemäß. Der Profifußball ist ein Wirtschaftsfaktor, ein großer Arbeitgeber, eine Unterhaltungsindustrie, ein Kulturgut und nicht zuletzt, für große Teile der Bevölkerung auch ein psychosomatischer Impulsgeber -nach oben wie nach unten-.

Es mit einem einfachen “sollen sich nicht so wichtig nehmen” abzutun, kommt der Sache nicht gerecht. Bei allem Respekt vor Breitensport, vor Eishockey, Handball und Basketball, vor Turmspringen und Dressurreiten, die Vergleiche verbieten sich. Selbstverständlich hat der Fußball in der einheimischen Sportlandschaft eine Sonderrolle eingenommen, die isoliert von den Problemen und Sorgen der “anderen” Sportarten betrachtet werden muss. Und darum, das mag jetzt furchtbar arrogant klingen, ist es logisch, dass er auch als erster “schützenswert” ist. Dafür ist der Sport eben viel zu wichtig.

Zuerst einmal ist da die Wirtschaftskraft des Fußballs. Intern wie extern. Die 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2016/17 (ich habe keine neueren Zahlen gefunden) bei 3,24 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn, der dem Staat über 1,2 Milliarden Euro an Steuern einbrachte. Darin nicht enthalten sind die lokalen Abgaben der Vereine an Stadt und Länder für z.B. Pacht und Miete für öffentlich genutzte Flächen. Auch reden wir hier nur über die 36 Proficlubs der DFL. Wenn wir jetzt den Boom der letzten drei Jahre, inkl. eines neues TV-Deals mit einrechnen, braucht es nicht viel Phantasie um davon auszugehen, dass die aktuellen Zahlen noch höher ausgefallen sein dürften. Das ist eine nicht zu vernachlässigende wirtschaftliche Kraft und wir haben noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt, denn am Profifußball hängt ja noch viel mehr. Hunderttausende Jobs wären in Gefahr, angefangen bei den Angestellten in den Vereinen selbst, über sekundär Abhängige wie Caterer im Stadion, Restaurant- und Hotel-Betreiber in den Städten, Ordnungskräfte bei Spieltagen, die Liste kann man beliebig weiter führen, denn an all diesen dann auch betroffenen Unternehmen hängen ja auch wieder bedingt Betroffene. Der Würstchen-Lieferant für den Caterer, der Getränkehändler… so geht es immer weiter die Kette runter. Das TV ist betroffen, die Wettanbieter, man muss sich nicht mögen, sie sind aber da, die Werbetreibenden, dadurch der Print-Markt… auch hier: Es ist nicht so einfach zu sagen: “ach, habt euch nicht so, ihr seid nicht wichtig”. Im Endeffekt leben Millionen Menschen direkt oder indirekt vom Profifußball. Eine Aussetzung der Liga, mit allen daran geknüpften Konsequenzen wäre wirtschaftlich ein Katastrophe. Und das nicht nur für die betroffenen Vereine, sondern ganz konkret, für das Land.

Nehmen wir mal an, dass von den 36 Proficlubs bei Einstellung des Spielbetriebs die Hälfte nicht überleben kann, was machen wir mit den Jugendmannschaften, was machen wir mit den unzähligen Breitensport-Angeboten in diesen Vereinen, was passiert mit den karitativen Initiativen? Nur als Beispiel, die FC-Stiftung hat bisher über 2,5 Millionen Euro in karitative Projekte investiert, in Kinderkrankenhäuser, an inklusive Initiativen, in ein wirklich breit gestreutes Feld. Damit sind sie nicht alleine, praktisch jeder Profi-Club in Deutschland hat ähnliche Projekte. Würde alles wegfallen. Auch die unzähligen Projekte, die von Fans, insbesondere von den oft gescholtenen Ultra-Gruppen initiiert werden, dürfen wir nicht vergessen. In Köln wird regelmäßig Essen und Kleidung gespendet, in Stuttgart sammelt das Commando Cannstatt verlässlich und dauerhaft Geld für karitative Einrichtungen und der Beispiele gibt es hunderte. Mit dem Ende des eigenen Vereins fiele auch das erstmal weg, denn natürlich hilft eine gewisse Organisationsstruktur. Auch hier bestehe ich darauf: Es ist bei weitem nicht so einfach, wie es sich manche Meinungsmacher in den Zeitungen machen.

Vielleicht ist aber das Runterbeten dieser wirtschaftlichen Argumente gar nicht der springende Punkt. Ja, es würde weh tun, aber andere Branchen, an denen ebenfalls viele Arbeitsplätze hängen, haben auch zu kämpfen. Klar, sehe ich ein. Aber, und da kommen wir dann in einen Bereich, der vielleicht nicht für Jeden nachzuvollziehen ist, der Fußball ist eben mehr als ein Zahlenspiel. Er ist auch ein psychologischer Faktor. Vielleicht nicht für Dich, der Du das jetzt hier wutentbrannt liest, aber eben für mich und ganz viele andere Menschen. Der Fußball bietet vielen Menschen eine Heimat, er bringt Struktur und Freude, er ist mehr als “ach, ich geh mal für zwei Stunden ins Stadion”. Der Effekt, den die Möglichkeit zur Ausübung des eigenen Hobbys auf den Menschen hat, ist ja mehrfach belegt. Unterbinde Kultur und du wirst Dummheit und Aggression ernten. Ja, auch der Fußball ist Kultur. Der eine geht zum Konzert, der andere ins Kino, manche Leute spielen Spiele um ihre Freizeit zu gestalten und andere gehen ins Museum. Ich sehe nicht, warum der Fußball da nicht mindestens gleichberechtigt sein sollte. Allerdings las ich noch nirgendwo eine Kolumne, dass sich die darbenden Museen mal nicht so wichtig nehmen sollten.

Natürlich überleben wir ein paar Wochen ohne Wettbewerbs-Fußball, auch, und das meine ich völlig ernst, wenn es gar nicht so einfach ist. Es zehrt schon sehr. Sollte die Saison nicht weiter gespielt werden können, sollte es zu Insolvenzen innerhalb der DFL kommen, dann wird es nur eine Lösung geben können: Die Aufweichung und wahrscheinlich sogar Abschaffung der 50+1 Regel in Deutschland. Der Eintritt von Investoren wäre keine Frage mehr des “obs” sondern nur noch des “wie viel und wann und wo”. Der Fußball, so wie wir ihn kennen, wäre zu Ende. Da spielt dann Mateschitz gegen Hopp und REWE gegen Audi und das Spiel wäre immer noch da, aber all das, was uns am Herzen liegt, all das, was den Fußball “schützenswert” macht, wie ich oben geschrieben habe, wäre weg. Dann wäre der Profifußball wirklich nur noch ein Business wie jedes andere und dann würden die Kolumnen auch stimmen: Nehmt euch nicht so wichtig.

Aber noch ist das eben nicht so. Noch ist der Fußball zu großen Teilen eben mehr als das.

Ja, wir kommen schon irgendwie klar, wir werden auch ohne Fußball in den nächsten Monaten nicht anfangen in Höhlen zu leben, aber dennoch bleibe ich dabei, auch wenn ich natürlich keine Lösung habe: Doch, der Fußball ist wichtig. Der Fußball soll sich Gedanken machen wie er möglichst schnell weiter gehen kann, denn er ist eben mehr als nur das Spiel am Samstag-Nachmittag.

Von Missverständnissen, Lügen und vom Scheitern

Der Sonntag ist golden, denken wir uns. Endlich kommt wieder Ruhe in den Verein, endlich sind wir das leidige Thema Vorstand los, endlich sind wir befreit von Egomanen und Lautsprechern. Endlich wird es besser.

Endlich.

Es ist der 8. September 2019 und mit großer Mehrheit wird der neue, vom Mitgliederrat vorgeschlagene, Vorstand mit dem Präsidenten Werner Wolf und den Vizes Eckhard Sauren und Jürgen Sieger in Amt und Würden gewählt. Wir klatschen uns ab und gehen gut gelaunt unserer Wege.

Endlich.

Jetzt wird alles besser.

Heute stehen wir da wie ein Kronzeuge, dem vor Gericht die Lüge, die den Fall entscheidet, nachgewiesen wurde. Wir winden uns und haben keine Worte, keine Erklärung für das Dilemma in dem wir uns befinden. Wochen-, nein, Monate-lang trommelten wir für die Abwahl von Ritterbach und Schumacher, machten Werbung im Freundes- und Bekanntenkreis für einen Neustart. Schrieben Text, machten Podcasts, tauschten uns über Strategien aus und versuchten uns so zu koordinieren, dass dieser Sonntag nicht zum Debakel für uns werden würde.

Wurde er nicht.

Wurde er doch.

Vier Monate später stehen wir vor den Trümmern unserer Lobbyarbeit. Wir sind gescheitert. Und zwar krachend. Ich bleibe dabei, dass es richtig war den alten Vorstand nicht neu vorzuschlagen und einen Neustart zu forcieren. Die Gründe dafür sind bekannt und wurden ausdiskutiert. Nein, das große Debakel ist, wie leicht wir uns hinters Licht haben führen lassen. Nichts von dem, wofür Wolf und Sauren angetreten sind wurde in Angriff genommen, geschweige denn umgesetzt. Die erste Konsequenz zog schon Mitte Dezember Jürgen Sieger, der nach nicht ganz 100 Tagen bereits zurück trat. Mit Wolf und Sauren ist kein Krieg zu gewinnen, hörte man über drei Ecken. Im Geißbockheim herrscht weiter das Mantra “lieber nichts machen, als irgendwo unter die Schränke gucken, wer weiß wie dreckig es da ist”. Wolf und Sauren haben in ihren Bewerbungsreden ein falsches Spiel gespielt, haben uns umgarnt mit Versprechungen und Änderungsplänen, haben Nägel mit Köpfen versprochen und Dialog. Nichts davon ist eingetreten. Wolf und Sauren haben uns verarscht, haben unser Vertrauen missbraucht uns in eine Falle getrieben, die uns nun dastehen lässt wie Idioten.

Nichts ist zu sehen von der versprochenen Neustrukturierung, vom Umbau und Umbesetzung der Abteilungen. Wir müssen uns immer noch für so ziemlich jede Kommunikationsart für unseren Verein schämen, müssen immer noch, und fast schon stärker als vorher, aufpassen wo welche Texte lanciert werden und müssen uns mit den Kritikern auseinander setzen, die, völlig zurecht, nun sagen können: Seht ihr? Hab ich es nicht gesagt? Das sind Blender. Welche Argumente haben wir denn? Gar keine. Wir können nur eingestehen, dass es ein Fehler war Wolf und Sauren zu hofieren.

Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir haben keine Möglichkeit daran etwas zu ändern aber wir müssen versuchen unsere Fehler wieder gut zu machen.

Screenshot Facebook-Seite “Der FC-Stammtisch-Talk”

Der aktuelle Anlass für diesen Text ist der Skandal (ja, das Wort ist mit Absicht gewählt) um den gestrigen FC-Stammtisch im Brauhaus Stüsser. Zur Jubiläumsausgabe von Ralf Friedrichs Talk-Institution war mit Eckhard Sauren ein Vorstandsmitglied eingeladen. Außerdem sollte mit Thomas Reinscheid ein Mitglied der Redaktion von effzeh.com am Gespräch teilnehmen. Die Zusagen waren da und mindestens am 15.01 waren alle Beteiligten über die Zusammensetzung der Runde informiert.

Am Montag informierte Sauren Ralf Friedrich, dass er nicht an einer Talk-Runde, die auch Reinscheid zu Gast hat, teilnehmen werde und verlangte, dass Friedrich Reinscheid auslädt, da sonst er, Sauren, nicht erscheinen werde.

Das lassen wir jetzt erstmal so stehen.

Und atmen ganz ruhig weiter.

Das ist Stand der Dinge im Sonnenkönig-Land 1.FC Köln. Der Vizepräsident gibt nur noch Audienzen, die ihm behagen. Es gibt ja schon lange die Gerüchte vom Mitgliedertalk, der den Herren nicht gefallen hat, weil man sie angeblich nicht wertschätzend genug angesprochen hat. Ich habe damals mit dem Kopf geschüttelt und hatte zugegebenermaßen schon ein eher mulmiges Gefühl, als ich von Anrede-Gewogenheiten im GBH hört, als ich hörte wie sehr sich Wolf und Sauren in ihren neuen Rollen sonnten und regierten. Aber das? Alter Verwalter.

Das ist so unwürdig diesem Verein und seinen Fans gegenüber, so unter aller Sau, so fern ab von dem, was ein offener Dialog zwischen Verein und Mitgliederschaft bzw. Fans sein sollte, dass mir die Spucke wegbleibt. Da erdreistet sich der Vize-Präsident einem Medienvertreter vorzuschreiben, wer neben ihm an einem Gespräch teilnehmen darf? Da wartet man (mindestens) fünf Tage um dann einen Tag vorher Friedrichs vor vollendete Tatsachen zu stellen, so dass auch nuja keine Zeit mehr bleibt um zu reagieren? Das alles im vollen Bewusstsein, dass bei dieser Veranstaltung auch finanzielle Risiken im Raum stehen? Das schlägt ja selbst die Schumacher-Skala.

Nein, meine Freunde, das ist ein nicht-hinnehmbares Verhalten, ein Arschtritt in die demokratischen Weichteile, die, welch Ironie, immer noch der USP unseres Vereins ist. Da haut man einen hochnotpeinlichen Imagefilm (Pyro! Fans! Jefööhl!) raus um einen Woche später so ein Ding abzuziehen? Diese Posse ist ein Angriff auf die Mitglieder, auf die Fans, auf uns alle, die es mit diesem Verein halten.

Ja, ich höre es schon: “ach Mensch, Axel, häng es doch nicht so hoch, das ist doch wirklich nur eine Bagatelle, wir haben doch ganz andere Probleme.” Ja, klar haben wir auch andere Sorgen und auch für mich steht der sportliche Erfolg, der Klassenerhalt vor dem Gebumse hier, aber dennoch ist dies ein Punkt, dessen Relevanz nicht untergehen darf. Sauren sagt hier ganz klar:
Ich bestimme wer mit mir reden darf.
Ich entscheide wo und wann.
Ich bin Vizepräsident, Du bist nichts.
Ich bin der 1.FC Köln.

Nein, Mann. Bist Du nicht. Du bist ein Blender und im schlimmsten Fall mehr.

Die Konsequenzen aus diesem Drama sind bisher noch gar nicht abzusehen. Ralf Friedrichs denkt offen darüber nach, ob das Format noch Sinn hat. Seine Erklärung zu den Vorkommnissen findet Ihr hier. Das Vertrauen, die Hoffnung in einen Neustart, ist verflogen. Wir sind gescheitert. Es ist so bitter. Die Stellungnahme auf effzeh.com ist hier zu lesen.

Wir sind es selbst Schuld, wir dürfen das nicht abstreiten. Wir haben den neuen Vorstand gewollt. Auch ich. Und ich kann mich nur bei allen Mitgliedern, Fans und Freunden des 1.FC Köln für diese Fehleinschätzung entschuldigen.

Aber nicht nur wir sind gescheitert, auch das Präsidium ist jetzt schon gescheitert. Es gibt für mich hier nur eine Lösung: Sauren muss sofort und ohne Verzögerung zurücktreten. Dieser Mann ist in unserem Verein nicht einen Tag länger haltbar. Wer ein solches Verständnis von Miteinander und Kommunikation hat, darf nicht den 1.FC Köln repräsentieren, er darf nicht mal in die Nähe eines Gremien-Tisches kommen.

Wird nicht passieren, ist mir klar. Hier wird dann wieder wachsweich irgendwas von Missverständnis und “uns war nicht klar, dass…”-Bullshit formuliert, dann lacht man ein bisschen über uns Idioten und schon ist wieder gut.

Ja, isso. Aber zum Glück können wir denken und werden es nicht vergessen.

Welch Debakel.

—-

In anderen Nachrichten: Der sportliche FC macht tatsächlich richtig Spaß. Vier Siege in Folge, eine junge Mannschaft, Kampf, Einsatz, Wille. Geil!

Podimo

Ich hab seit drei Tagen schlechte Laune. Am Dienstag Mittag schrieb Kollege Basti in den drei90-Chat: “Sag mal, haben wir Post von Podimo bekommen?” Ich konnte damit erstmal gar nichts anfangen. Podimo? Twitteruser? Gastornis? Keine Ahnung, nie gehört. Nö. Haben wir nicht. Was ist das denn? Tja, so fing das an. Podimo ist ein neues Start-Up-Geschwurbel aus Dänemark, die sich zum Ziel gesetzt hat den Podcast-Markt zu revolutionieren. ZU REVOLUTIONIEREN, LEUTE! Ihr müsst auch aufpassen, wenn ich mit Euch rede! Wie sie das machen wollen? Joaaa, erstmal Venture Capital einsammeln, dann schauen wir weiter.

Ist da? Ja? Gut. 6 Millionen? Prima. Dann los.

Sie bauten eine App, crawlten 17.000 deutschsprachige Podcasts aus der itunes API, dazu zigtausend anderssprachige Produktionen (ob z.B: ESPN weiß, dass deren gesamtes Portfolio dazu benutzt wird Leuten Abos zu verkaufen? Ich bin mir da nicht so sicher), und bieten diese in einer nicht wirklich schönen Umgebung zum anhören an. Moment, wird nun mancher sagen: Das gibt es doch schon. Podcatcher machen das doch auch? Ja, nicht ganz. Podimo verspricht on top noch “exklusive Produktionen”, die nur in der App gehört werden können. Aktuell hätten sie bereits 20+ Exclusives am Start. Darunter so Perlen wie “Abnehmen für Businessfrauen” und irgendwelches obskures Zeugs über… ach, egal, soll jeder hören was er will, die Geschmäcker sind da ja verschieden und das ist auch gut so. Vielleicht sind da für den ein oder anderen ja tatsächlich Sachen mit Mehrwert dabei. Von mir aus. Diese Dinger kann ich aber nur hören, wenn ich Podimo Geld gebe. Sie wollen 4,99 Euro im Monat für den Premium-Zugang.

Dieses Geld soll dann anteilig an den Podcaster, der sich für einen Vertrag mit Podimo entschlossen hat, ausgezahlt werden. Kommen wir gleich noch zu. Das sind erstmal die Rahmenbedingungen.

Jetzt meine Probleme mit dem Haufen:

1. Content-Klau: Wir wurden nicht gefragt, ob unsere Podcasts in den Katalog aufgenommen werden dürfen. Wurde einfach gemacht. Klar, mit 20 Podcasts erreichst du wahrscheinlich nicht viele Leute, die bereit sind über einen Dritten 4,99 Euro im Monat zu bezahlen. Also muss das ganze Ding auch als Podcatcher fungieren und jeden Content, der irgendwo im RSS-Format rumliegt, listen. Übertrieben, ich weiß, aber ihr wisst ja, was ich meine. Sie crawlen also durch itunes und nehmen die Feeds. Sie sagen den Leuten das aber nicht, sie machen einfach.

Ja, aber Axel, das machen die anderen Podcatcher doch auch und die wollen vielleicht auch Geld für ein Premium-Modell!

Is rischtisch. Aber eben dann doch nicht. Die generischen Podcatcher (Overcast, Pocketcast, whatever) stellen die Technik bereit einen Podcast über ein bestimmtes Betriebssystem abspielen zu können. Sie beschränken den Content nicht. Falls es sich um Freemium-Catcher handelt, kann man durch ein Upgrade vielleicht die eingeblendeten Werbebanner ausblenden lassen und ein paar Features (was weiß ich… Listen, Favoriten, keine Ahnung) mehr bekommen. Hat nix mit dem angebotenen Content zu tun.

Podimos Geschäftsmodell ist nicht die Technik, sondern der Content. Sie wollen selbst das “Netflix der Podcasts” sein. Sie wollen ihren Premium-Content, ihre 20+ Exclusives, verkaufen. Dazu brauchen sie aber eben auch Fremd-Content, denn – wie oben beschrieben – guckt sich das ja sonst niemand an.

Davon ab ist der Player auch für nix zu gebrauchen. Er sammelt Meta-Daten falsch oder gar nicht ein, die Geschwindigkeitsregulierung passt nicht immer, es gibt Fehler im Abspielmodus, man kann nichts downloaden, sondern nur streamen, die Episoden sind nicht geordnet, es ist, um es kurz zusammen zu fassen, neben der alten Apple-Podcast-App, der bisher schlechteste Podcatcher, den ich kennen gelernt habe.

Also, die sammeln unseren Content ein, platzieren den in der App um sie “voll” aussehen zu lassen und wollen damit ihr Exclusives-Paket pimpen. Nicht gut.

 

Und wenn jetzt einer mit Spotify kommt: Bei Spotify muss man sich aktiv anmelden. Opt-In. Und das bringt mich zu meinem nächsten Punkt….

 

2. Opt-Out: Als Podcaster steht man erstmal im Regen, das habe ich ja oben schon beschrieben. Wir haben Deinen Podcast jetzt, wenn Du das nicht willst, melde Dich halt. Ihr lacht jetzt bestimmt, aber die meinen das wirklich ernst. Sie verlangen Opt-Out. Es gab wohl einige Mails an andere Podcast-Macher, die im Vorfeld darüber informiert wurden, dass man sich bei ihnen bedient, wo drin stand, dass “wenn man nicht möchte, dass Podimo den Podcast in den Katalog nimmt, man doch auf die Mail antworten soll”. Okay. Ich hab jetzt keine Mail bekommen, was mache ich? In den FAQ der Seite steht drin, ich soll eine Mail an “podcaster@podimo.de” schreiben um mich entlisten zu lassen. Hab ich gemacht. Kam zurück. Adresse gibt es nicht.

Nochmal: 6 Millionen Venture Capital!

Am Launchtag an einer der kritischsten Stellen eine falsche eMail-Adresse. Ja jut. Kann man mal machen, wenn man denn wirklich denkt, dass die ganze Welt bescheuert ist. Ich glaube wirklich, dass das der Podimo-Ansatz ist: Die Leute sind so doof, wir kommen schon irgendwo damit durch.

Kann sein, muss aber nicht sein. Schnell war die Adresse des “Head of Germany”, Dr. Nicolaus Berlin (der, man ist ja nicht blöd, sich als Co-Founder von besser.fm, einer anderen Podcast-Start-Up-Bullshit-App von Podimo hat aufkaufen lassen – you clever bastard, you) herausgefunden und angeschrieben. Hat dann auch geklappt. Podcasts wurden entfernt. Juchu. Big fucking Juchu. Ich muss mich also darum kümmern, dass ich eure verschissene App nicht promote. Danke!

 

3. Völlig Intransparenz: Der zahlende User wird mit dem schönen Versprechen geködert, dass er mit seinem Beitrag “seine Lieblingspodcaster” unterstützt. Da ist nicht die Rede von “Exclusives” oder von “Du unterstützt diejenigen, die mit uns einen Vertrag abgeschlossen haben”. Nee, das steht da nicht. Ist aber so. Der unbedarfte User denkt sich: Ach, schön, ich hab keinen großen Bock auf Patreon oder Steady oder Paypal, ich unterstütze die Leute lieber mit einem App-Abo. Ob diese dann aber auch wirklich ein Krümelchen von den 4,99 Euro im Monat abbekommen, das weiß er nicht.

Falls er sich übrigens für das “Free”-Modell von Podimo entscheidet, also für den beschissen programmierten Podcatcher, dann wird ihm mitgeteilt, dass er nicht mehr alles hören kann. Kein Wort darüber, dass nur die exklusiven Inhalte wegfallen. Was weiß der User denn, was er noch hören kann, wenn er nicht bezahlt? Das ist halt reichlich perfide und zielt ganz offensichtlich auf Leute, die a) nicht so genau hinschauen und b) wohl bisher Podcasts nicht sonderlich intensiv gehört haben.

Ich mein, hey, neue Zielgruppe und so… Ja… genau.

 

4. Das Vergütungsmodell: Podimo hat zwei Sorten der Vergütung an die Podcaster: “Exklusiv” und “Nicht-Exklusiv”. Als Podcast, der nur noch in der App hörbar ist, also die exklusive Variante, gibt es anteilig 50%, als nicht exklusiver Podcast gibt es anteilig 20%. Das gucken wir uns jetzt mal an.

Ach nee, Moment, ich muss meinen schon geklauten Podcast bei Podimo ja erstmal zurück “claimen”. Ich muss ihnen sagen: Hier, der ist mir, vergütet mich. Wenn ich das nicht mache, geht Podimo davon aus, dass ich nicht vergütet werden will. Es wird da draußen wahrscheinlich tausende geben, die gar nicht wissen, dass ihr Podcast bei Podimo im Katalog steht und davon sicher genauso überrascht sein werden, wie ich es wurde.

Aber gut, jetzt haben wir unseren Podcast geclaimt. Woopidifuckingwhoo.

Rechnen wir das mal durch. Der Hörer bezahlt 4,99 Euro im Monat. Davon werden 20% an die nicht-exklusiven, geclaimten Podcast ausgeschüttet (übrigens nur Quartalsweise, das Geld muss ja arbeiten). Bleiben also pro zahlendem User 0,998 Euro / Monat für die Podcaster übrig. Diese 0,998 Euro werden nach “Hörverhalten” aufgeteilt. Je mehr der User von einem Podcast hört, umso mehr bleibt bei diesem Podcast hängen. Hört der User im ganzen Monat ausschließlich einen Podcast über Podimo, bekommt dieser Podcast 0,998 Euro.

Jetzt will ich nicht ausschließen, dass es das gibt, aber gehen wir mal realistisch an die Sache ran. Man bezahlt für einen ganzen Monat. Die meisten Podcasts die ich kenne, haben einen Veröffentlichungs-Rhythmus von ein Mal in der Woche. Das grenzt es ja schon ein. Bleiben wir bei diesem Beispiel. Von 30 Tagen erscheint also an vier Tagen etwas aus meinem Podcast. Jetzt hat der User aber ja nicht nur für meinen Podcast bezahlt, sondern für den gesamten Katalog. Oh, guck mal, was ist das denn? Und das könnte mir auch gefallen? Da höre ich doch gerne mal rein.

Das ist übrigens Teil der Strategie von Podimo. Bei jedem ausgewählten Podcast werden Empfehlungen ausgesprochen, so dass der User möglichst divers “querhört”. Hier geht es wahrscheinlich um Abrundungsgewinne bei der Auszahlung, wenn wir uns in den Zehntel-Cent-Bereichen befinden, aber das weiß ich natürlich nicht. Sagen wir einfach, wenn ich so eine Ranzbutze auf den Markt schmeißen würde, ich würde es so machen. In die Hölle komm’ ich eh, da kommt es darauf auch nicht mehr an.

So. Jetzt haben wir da also Max Mustermann, der stolz wie nur Max Mustermann gucken kann, seine neue Podimo-App bestaunt. Er will natürlich das Beste aus der App rausholen. Er hat ja bezahlt. Und es ist das “Netflix der Podcasts”. Also ran an den Speck. Max hört morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Podcast, abends auf dem Weg nach Hause auch. Vielleicht switcht er auch mal durch. Hört da mal rein, oder da, aber gehen wir einfach – just for the fun of it – davon aus, dass am Tag zwei Podcasts gehört werden.

Macht 60 Podcasts im Monat. Da der Arbeitsweg von Max immer gleich ist, hört er alle Podcats auch gleich lang. Heißt, wir teilen die 0,998 Euro von oben durch 60 Podcasts. Da wird es Dopplungen geben, ganz klar und irgendwann hat er seine Lieblinge aber es bleiben immer noch genug. Sagen wir also 20 Podcasts teilen sich die Kohle von Max. Bleiben pro Podcast 0,0499 Euro im Monat übrig. 5 Cent.

Und, Leute, gebt mir Recht: Das ist noch eine sehr, sehr positive Rechnung. In der Realität wird es weniger sein, denn in dieser Rechnung sind die 50%, die an exklusive Inhalte gehen ja noch gar nicht einbezogen. Es kann also nur weniger werden. Der Einfachheit halber lassen wir das aber mal außen vor. Ist auch so schon schlimm genug.

Na gut, bleiben wir positiv: Um 10 Euro im Monat zu bekommen müssen also mindestens 200 zahlende User meinen Podcast gleichberechtigt mit 19 anderen Podcasts im Monat hören. Um das mal auf drei90 aufzuschlüsseln: Wir bräuchten 48.096 zahlende Hörer im Monat, um auf unsere Patreon-Summe zu kommen.

Leute! Ich bin ja schon ‘ne Nutte. Aber verkauft Euch doch nicht so billig. Der einzige, der hier verdient ist Podimo. Die haben genau NULL Kosten und bieten NULL Mehrwert außer ein paar Statistiken. IHR hostet den Kram, die Kosten bleiben zu 100% an Euch hängen, IHR macht ALLE Arbeit, aber DIE nehmen sich 80% der Einnahmen? Ernsthaft? Ich will niemanden, der sich dazu entschlossen hat bei Podimo mitzumachen, in irgendeiner Form kritisieren aber ich will die Problematik aufzeigen. Das ist ökonomisch gesehen völliger Unsinn. Macht einen Spenden-Button oder setzt den Podcast selbst hinter eine Paywall. Wer es hören will, der hört es dann trotzdem aber die Kohle bleibt bei Euch und nicht bei irgendwelchen Koks-und-Nutten-Dealern aus Kreuzberg.

 

5. DSGVO und deutsches Recht: Es gibt eine erste juristische Einschätzung von RA Stephan Dirks zum Umgang mit CC-Lizenzen. Die AGBs sind in englisch, es wird dänisches Recht angewandt, es gibt keine Möglichkeit den registrierten Account zu löschen, sie sammeln Daten bei der Registrierung, alles in allem ist das wohl ein Fest für Abmahn-Anwälte. Ich weiß es aber nicht.

6 Millionen Venture Capital…

 

Und jetzt, der Schluss: Ich hab bestimmt noch Dinge vergessen, die in den letzten Tagen auf Twitter aufgetaucht sind, die Kommentare sind offen. Aber eine dringende Bitte: Falls Ihr Podcast-Hörer seid: Macht einen großen Bogen um Podimo. Es ist Verarsche. Unterstützt die Podcasts lieber autonom. Spendet ‘nen Euro, wenn sie euch unterhalten, geht hinter die Paywall und unterstützt die Arbeit der Leute. Wir freuen uns wie blöd über die #drei90funfriends und für uns ist das Antrieb ohne Ende den Podcast weiter zu machen. Genauso geht es befreundeten Produktionen. Gebt den Leuten einen Kaffee aus, wenn ihr sie seht, oder ein Bier, wenn es einen PayPal-Button oder eine SEPA-Adresse gibt, dann nutzt die auch mal, aber schmeißt solchen fishy Bruchbuden wie Podimo kein Geld in den Rachen. Podcast funktionieren ganz wunderbar ohne solche Geier.

Und wenn Du Podcaster bist und bei Podimo mitmachst: Überleg es Dir nochmal. Ich kann und will Dir nicht reinreden aber ist es das wirklich wert? Muss jeder selber wissen.

Kreta 2019

Strand, Hotel, Essen, Trinken, dies, das:

Unser Hotel bekommt 4,5 von 5 Sternen. Alles super, sauber, aufmerksames und sehr freundliches Personal. Die Leute, die sich über kleinste Verputzungsfehlerchen oder darüber dass es nur 8 deutsche TV-Kanäle gibt, aufregen, haben den Schuss nicht gehört. Es ist alles tiptop. Essen auch wirklich komplett in Ordnung, immer alles frisch und lecker, die Getränke (für All-In sehr viele “echte” und gute Marken) sind keinen Deut schlechter. Den halben Punkt Abzug gibt es für die musikalische Dauerbeschallung von 10 Uhr morgens bis 0 Uhr nachts und für die Masse an Instagram-Uschis. Strand ebenfalls top aber es ist eben Kretas Nordküste, heißt: Kein Sandstrand, sondern felsiger Untergrund. Strandbar nicht zu schlagen, sehr moderate Preise, wieder sehr nettes Personal. Tag am Strand kostet 3 Euro, dafür bekommt man Liege, Sonnenschirm, Wasser und Melone. Was willste da meckern?

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Schlucht Nr. 1 “Myli”:

Die Schlucht der Mühlen. Sehr entspannte Wanderung mit z.T. sogar echten Wegen durch eine verlassene Gegend. Paar alte Mühlen und Kirchen am Weg, wenige Touristen. Ich glaube wir haben vielleicht 20 Leute gesehen an dem Tag. Danach noch sehr nette Münchner kennen gelernt und am Ausgang der Schlucht in der Taverne für unfassbar kleines Geld Bierchen getrunken. Toller Tag.

Knossos, Sisi, Psiloritis-Massiv:

Was gibt es über Knossos zu sagen als: Antik-Disney. Horden von Touristen werden in dem gut geschmierten Business routiniert durchgeschleust, eine Begehung ohne Tour ist fast nicht möglich, weil wirklich ohne Unterbrechung verschiedenste Touren den Weg komplett versperren, tausend Sprachen, alles schreit rum, naja. Die Stätte an sich ist jetzt auch nicht das Epizentrum des kulturwissenschaftlich-interessierten Besuchers. Vieles ist auf gut Glück einfach “rekonstruiert” worden, die paar originalen Steine sind in einer guten halben Stunde abgefrühstückt. Muss man nicht hin.

Sisi ist ein kleiner Strand in der Nähe von Malia. Nett. Aber es war heiß. Mindestens zwei Sterne Abzug dafür…

Und, ja, also mein Highlight des Tages war die Fahrt in die Berge ins Psiloritis-Massiv. Da ist dann auch kein Tourist mehr unterwegs, da ist das Ende der Welt. Fantastische Blicke über die Insel und ins Hinterland, verschlafene Dörfer, unglaublich schlechte und gefährliche Strassen, die irgendwann einfach aufhören, weil ein Berg im Weg ist. Aber alles in allem fantastisch. Das Dorf Anogia hat in Kreta eine traurige Berühmtheit, da es Ort eines Massakers der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg war. Ein großer Gedenkstein erinnert an diese Tragödie. Aber auch hier gilt: Die Menschen sind so unfassbar freundlich, man fühlt sich – auch als Deutscher – nicht argwöhnisch beobachtet, sondern eher belustigt bestaunt: Was machen die denn hier? Kaffee wollen sie? Na gut. War toll. Tipps: Nie auf google maps hören, falls ihr nicht auf einem Esel reitet. Die teilweise vorgeschlagenen Routen sind nicht für ein Auto geeignet. Bleibt auf der Hauptstrasse. Und, ganz wichtig: Einheimische immer vorbei lassen. Die kennen sich da aus, die fahren wie die Wilden und wenn sie sich halt umbringen wollen, dann sollen sie das machen aber den Rest der Welt leben lassen. Einmal hing mir ein Lieferwagen ca. 30 Zentimeter hinter der Stoßstange, es ging engste Serpentinen runter und ich hatte tatsächlich noch nie solche Angst um mein Leben. Das war nicht schön. Dennoch lohnt sich der Weg auf alle Fälle.

Rethymnon:

Von unserem Hotel mit dem Bus für 1,30 Euro zu erreichen. Tolle, kleine Stadt mit einer venezianische Befestigungsanlage, Fortezza genannt. Viele enge Gassen, viele Kirchen und Moscheen, ein sehr guter Burger-Laden (Mojo) und verschlafenen Ecken in der Altstadt. Der Rundumblick von der Forteza ist atemberaubend.

Schlucht Nr. 2 “Imbros”:

Puh. Im Reiseführer stand die Schlucht als “leicht” gekennzeichnet und ich bin nicht sicher, ob das so richtig ist. Es handelt sich um eine ca. 10km lange Strecke aus den Bergen Richtung Libysches Meer, also zur Südküste hin. Die eigentliche Schlucht ist ca. 8 km lang und führt permanent bergab an einem Flußbett entlang, ohne jede Befestigung und nur durch bzw. über Geröll. Jeder Schritt ist achtsam zu setzten, da die meisten Steine auch sehr glatt und rutschig sind. Natürlich ist es da wunderschön, aber der Weg war dann doch eine Spur zu hart für mich und meine Oberschenkel sind heute noch nicht wieder komplett versöhnt. Wie das mit Kindern (wie im Reiseführer als “angemessen” bezeichnet) gehen soll, ist mir nicht ganz klar. Zudem ist es nach der Samaria-Schlucht die zweit-beliebteste bei Wanderern in Kreta, dementsprechend voll war es auch. Am Ende ist es natürlich schon geil, dass wir das gemacht haben aber zwischendurch habe ich dann schon mal geflucht.

Chania:

Größer als Rethymnon, sehr viel touristischer, es lagen direkt drei Kreuzfahrtschiffe vor Anker, entsprechend voll war es in der Stadt. Von Rethymnon aus gut mit dem Bus zu erreichen (ca. eine Stunde, 6,80 Euro) und auch nicht hässlich aber rein vom Ambiente hat mit Rethymnon besser gefallen. Aber: Es gibt einen Goodys in Chania, das ist einen Besuch dann dort wert…

Unterstützt den Neuanfang!

Liebe FC Mitglieder: Dass Störfeuer kommen würden, dass die Nibelungentreue diverser Fanclubs und Einzelpersonen zum Noch-Vorstand nicht in Frage steht, das war uns allen klar. Dass nur darauf gelauert wird, bis ein designierter Vorstand vielleicht nicht staatsmännisch genug für manche auftritt, dass mit forensischer Akribie alle Interviews, Äußerungen und Auftritt des vorgeschlagenen, neuen Vorstands untersucht, beleuchtet, gedeutet und für nicht gut genug befunden werden, ja, man musste damit rechnen.

Hatten wir doch bisher einen Vorstand, der vor allen Dingen durch große Diplomatie und Wortgewandtheit, souveränes Auftreten zu allen Anlässen und unbedingte Korrektheit, Transparenz und Fairness glänzen konnte.

Jetzt mal ehrlich: Dann hat Jürgen Sieger eben „Scheiß Leverkusen“ gesungen. Ja und? Sich jetzt hinzustellen und so zu tun, als wäre das was-weiß-ich-für ein Skandal, ist schon reichlich bigott. Man ist mit der Abwahl nicht einverstanden. Okay. Aber was ist die Alternative? Die Neuwahl verhindern und weiterhin für Spaltung und Handlungsunfähigkeit sorgen? Es erinnert ein wenig an das aggressive Kind im Sandkasten, das alle anderen Burgen kaputt tritt, weil es wütend auf die Welt ist.

Und dennoch müssen wir eine Lösung finden. Auch für die, die nicht unserer Meinung sind.

Machen wir es doch kurz. Dem bisherigen Vorstand Toni Schumacher, Markus Ritterbach und ja, auch Werner Spinner gebührt Dank für manches. Wir erlebten wundervolle Momente mit Ihnen und konnten unser Glück kaum fassen. Aber in der Vergangenheit zu leben, nur in Erinnerungen zu schwelgen, bringt uns als 1.FC Köln nicht weiter. Wir müssen, es ist unsere Pflicht als Mitglieder dieses Vereins, das Jetzt und das Morgen genauso im Blick haben, wie wir gerne an das Gestern denken.

Es darf nicht sein, dass ein Blick zurück im Zorn dazu führt, dass wir uns als Verein die Zukunft verbauen. Und an dieser Schwelle befinden wir uns gerade. Wir müssen die Weichen für eine Zukunft stellen, die den 1.FC Köln wieder zu dem macht, der er war. Ich rede nicht von Europa, von Meisterschaften und Titeln, ich rede nicht von hypothetischen Erfolgen, die sich gar nicht realisieren lassen, ohne dass uns hundert andere Faktoren in die Karten spielen. Ich rede von Zusammenhalt und innerer Stärke, davon dass wir alle wieder ein Teil dieses Clubs sein können und vor allen Dingen sein wollen.

In den letzten Monaten wurde dieses Gefühl von zu vielen Richtungs- und Grabenkämpfen unterbunden. Das kann und darf nicht so weitergehen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Fans und Mitglieder des 1.FC Köln wieder zu dem werden, was wir eigentlich immer waren: Eine Einheit. Egal ob Du in der Südkurve stehst, oder vielleicht darüber sitzt, egal ob Du im Westen teuer Geld bezahlst oder im Norden hundert Schlachten geschlagen hast, am Ende kommt es nur auf eins an: Wir alle sind gleich. Wir sind Fans und Mitglieder dieses Vereins, der uns so viel bedeutet. Der uns nachts nicht schlafen lässt, mit dem wir lachen und weinen können, der uns zusammenbringt, egal woher wir kommen, egal welches Leben wir führen.

Hier sind wir der 1.FC Köln. DAS muss das Ziel sein. Ich bedauere, dass der aktuelle Vorstand, ausgenommen Herr Müller-Römer dieses Ziel in der jüngeren Vergangenheit nicht hat weiter verfolgen wollen. Darum ist es Zeit für einen Neuanfang. Wir müssen nächsten Sonntag ein Zeichen setzen. Für die Zukunft unseres Vereins, und für unser Vertrauen in uns selbst. Im letzten Jahr wählten wir den Mitgliedsrat, der das neue Vorstandsteam vorgeschlagen hat. Ich bitte Euch, liebe Mitglieder, diesen Vorschlag zu respektieren und zu unterstützen, die Zeit des Gegeneinanders zu beenden und stattdessen dem neuen Vorstand Vertrauen zu schenken.

Wir können uns weiteres Misstrauen nicht mehr leisten. Lasst uns zusammen am 08. September ein Zeichen für einen Neustart setzen.

Wem gehört der Fußball?

Ja, wem eigentlich? Nun, die Frage ist komplex. Aber mittlerweile berechtigt. Wie weit ist der “moderne Fußball” von Fan weg? Wann hat die Entfremdung angefangen? Ist der “wahre Fußball” nur noch im Amateurbereich erlebbar? Und wie, zum Teufel, holen wir uns das Spiel zurück?

Gestern gab es eine kleine Diskussionsrunde im Ebertbad Oberhausen (sehr schöne Location übrigens), zu der ich auch eingeladen wurde, um über genau diese Themen zu reden. Mit von der Partie war Hajo Sommers, tiefen-entspannter Präsident von RWO, Carlos Prada vom Fußballverband Niederrhein und Thorsten Poppe, Filmemacher und Journalist. Thorsten hat einen Film über das Team 12 von RWO gedreht, ein Team, das aus Mitgliedern der aktiven Fanszene gegründet wurde. Dieser wird noch diese Woche online gestellt und ich kann ihn nur ausdrücklich empfehlen. Schaut bei ihm im Blog vorbei, oder folgt ihm auf Twitter, um die Veröffentlichung von “Doppelschicht – Ultras zwischen Kurve und Kreisliga” nicht zu verpassen. Es waren sehr kurzweilige 30 Minuten.

Danach dann die oben angesprochene Diskussionsrunde in sehr entspannter und netter Atmosphäre. Hajo Sommers plaudert ein bisschen aus dem Investoren-Suche-Nähkästchen, wir fragen uns wann der Fußball die falsche Richtung eingeschlagen hat, es geht um die Liebe zum Sport und die Ablehnung des drumherums und… naja… ihr könnt es Euch ja selber mal anhören. Hier ist der Mitschnitt:

Es war ein gelungener Nachmittag. Danke an Thorsten Poppe und RWO für die Einladung. Hat Spaß gemacht.

GoT

Der Text ist spoilerfrei.

Heute Nacht ging also “Game of Thrones” zu Ende, eine Serie, die die Welt überrannt hat, die uns in eine Fantasy-Welt gezogen hat, weit über “Herr der Ringe” oder “Harry Potter” hinaus. Acht Staffeln lang klebten wir an den Bildschirmen um die Entwicklungen der großen Häuser Westeros mit zu verfolgen. Wir schauten in die Bedrohungen im Norden und im Süden, setzten gemeinsam mit wilden Reitern über die Narrow Sea und befreiten Sklaven in den free Cities. Wir schmiedeten Pläne in der Hauptstadt und in allen großen Burgen Westeros, wir zogen in den Krieg und verarzteten unsere Wunden nach den Schlachten. Wir litten unter Tyrannen und bangten mit Helden, wir sangen Lieder von Eis und Feuer und von leeren Hallen in Castamere. Das war der Faustpfand der Serie. In allem nahm uns die Geschichte, wenn man sich denn erstmal darauf eingelassen hatte gefangen. Man konnte sich verlieren in Westeros und wild spekulieren wie es denn weiter gehen mag. Wie sich die Fäden auflösen, wie der Knoten gelöst wird. Die Serie vermittelte ein Gefühl des Erlebens, des Mitfühlens, des emotionalen Verständnisses.

Jedenfalls größtenteils.

Nach der vierten Staffel (eigentlich schon nach der dritten, da war es aber noch nicht so offensichtlich), kam es zu einem Bruch zwischen den Handlungen in der Serie und der Vorlage aus den Büchern von George R.R. Martin. Einige Handlungsstränge wurden für das TV gekürzt, andere ganz hinaus geschrieben, dafür wurden Geschichten weiter erzählt, die in den Büchern keine oder eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. Das ist kein wirkliches Drama, im Gegenteil, es ist völlig logisch, dass sich die Serie nicht in die verknüsterten und verwobenen Erzählstränge der Bücher einnistet, sondern dem Zuschauer ein best of davon bietet. Einige Entscheidungen der Showrunner sind aber dennoch (für mich) weiterhin nicht nachvollziehbar, besonders die Entwicklung rund um die Brotherhood bzw. den Nachgang des Red Wedding. Naja, egal. War schon okay.

Über die achte Staffel wurde schon viel geschrieben und wenig davon ist positiv. Erst lässt man sich zwei Folgen Zeit mit Einführung und Hinleitung, um dann durch die Entscheidungen zu hetzen wie Johannes der Clown, wenn er einen guten Betrug wittert. Für mich ist sie enttäuschend, weil eben durch dieses Gebot zur Eile viele Entscheidungen der Hauptpersonen nicht nachvollziehbar sind. Es wurde getrickst um halt am Ende auf ein Ergebnis zu kommen, welches ich im übrigen auch nicht befriedigend finde und so ganz sicher nicht in den Büchern eintreten wird. Im Kontext des reinen TV-Spektakels ist es vielleicht noch okay aber auch da denke ich mir, dass die Autoren nur den Weg des geringsten Widerstands gegangen sind und zu viel Fan-Service einer guten Geschichte im Weg stand.

Davon ab bot Game of Thrones über all die Jahre beste Unterhaltung mit einem enormen Produktions-Aufwand, vielen (bei weitem nicht alle!) guten Schauspieler-Leistungen, packenden Entwicklungen und eben diesem Gefühl der Verbundenheit. Hat die achte Staffel dies zerstört? Erst dachte ich ja, aber ich glaube inzwischen, dass es okay ist, wie es ist. Die Geschichte ist nun eben zu Ende. Auch wenn vieles, wenn nicht alles, sich in den letzten Folgen “falsch” anfühlte, war es dennoch über viele Jahre hinweg gute bis fantastische TV-Unterhaltung.

Wir werden Spin-Offs bekommen, die in der achten Staffel schon angedeutet wurden, wir werden (hoffentlich) bald neue Bücher bekommen und wir werden sicher ab und an darüber nachdenken, wie es diesem einen Pferd ergangen ist, das da so rumstand. Ihr wisst schon. In Kings Landing. Allein. Grau. Was nur aus dem Gaul geworden ist?

Wir sehen uns in Blackwater…

Auf und nieder

Die Motivation diesen Blog hier noch mit Leben zu füllen, ist in etwa so groß, wie die der Mannschaft des 1.FC Köln würdevoll den Aufstieg zu gestalten. Sie geht gegen Null. Das hat viele Gründe, der wichtigste ich sicher die Zeit, die mir fehlt, aber auch die Situation um meinen Fußballclub macht es mir nicht einfach. Zu viel gestaltet sich dort zur Zeit so, dass es mir keinen Spaß macht, dass es mich nur Nerven kostet und, wie das so ist, letztlich brülle ich hier auch in den leeren Raum, denn welche Wirkmacht hat so ein kleines Blog? Genau.

Dennoch, ab und an setze ich mich dann doch nochmal hin. Ist es ja auch Therapie für mich. Den ganzen Berg an Gedanken einfach mal von der Seele schreiben. Damit es sich nicht einfrisst und die Kopfschmerzen nicht noch größer werden. Es ist ja ein bisschen was passiert in den letzten Wochen…

1.) Aufstieg.
Herzlichen Glückwunsch. 62 Punkte. Man muss in die Saison 2003/04 zurückblättern um einen schlechteren Meister der zweiten Bundesliga zu finden. Nürnberg stieg damals mit 61 Punkten als Tabellenführer auf. Immerhin sind wir also nicht der schlechteste Zweitliga-Meister dieses Jahrtausends. Ist doch auch was wert. Jaja, ich weiß, in Magdeburg können noch drei Punkt dazu kommen. Damit hätten wir dann nicht nur Nürnberg 03/04, sondern auch Ingolstadt 14/15 (64) und Düsseldorf 17/18 (63) überholt. Wuppdy fucking do.

Eine Mannschaft, die auf dem Papier die Liga beherrschen muss, wie eine ernsthaft schlecht gelaunte Domina ihren ersten Kunden am Montagmorgen, wenn das Wochenende so richtig kacke war. Doch heraus kam nur gleichgültiges und desinteressiertes Abarbeiten des Pflichtenhefts. Zwei Schläge auf den Arsch, Kaffeepause. Am Ende steht der Aufstieg und ganz Köln liegt sich in den Armen. Unvergessliche Bilder. Menschen küssen den heiligen Rasen von Müngersdorf oder reißen einfach komplett das gesamte Stadion mit ab.

[Exkurs: Ich weiß es nicht, aber ich würde sehr viel Geld darauf verwetten, dass die Menschen, die gestern den Rasen, die Tore, die Netze und die Banden beschädigt und/oder mit nach Hause genommen haben, nicht mal im Ansatz darüber nachdenken, dass das dem FC (also der Sportstätten Gmbh, die den Schaden aber sicher an den FC weitergeben wird) richtig viel Geld kostet und genau diese Leute die ersten sind, die ‘Ultras raus’ brüllen, wenn die DFL wieder ein Zehntel davon als Strafe gegen den FC wegen Dingens verhängt. Wie gesagt, ich weiß es nicht, aber die schon die Indizien (Kleidung, Auftreten) sprechen dafür, dass die Schnittmenge nicht klein sein dürfte.]

Nee, mal ernsthaft: Sportlich kannst du diese Saison komplett in die Tonne treten. Es gab keine Entwicklung in der Mannschaft, das System, wenn man es denn so nennen mag, funktioniert in Ansätzen nur, weil es eben Leistungs-Leuchttürme im Team gibt, die das Niveau in der zweiten Liga deutlich überschreiten. Wir haben bisher 14(!) Spiele nicht gewonnen, darunter waren neun Niederlagen mit 46 Gegentreffern. Das ist in einer normalen Saison eine Bilanz für die Plätze 4-8. Zum Glück ist die Liga aber ja ausgeglichen und der Rest, man muss es so deutlich sagen, auch zu doof gewesen, die Schwächen des FC auszunutzen. Zwei kurze Zwischensprints reichten, um die Konkurrenz zu distanzieren. Danach wieder weiter im Trott. Kein Feuer war zu spüren, keine Freude an der Arbeit, keine Lust die Fans zu begeistern. Was wollt ihr denn, wir steigen doch auf.

Sätze wie „Nach dem Abpfiff hab ich gedacht wir wären Fünfter und sieben Punkte hinter dem Dritten, Wahnsinn“ von Rafael Czichos nach dem 1:1 gegen den bärenstarken HSV, zeigen das Ausmaß der Ignoranz innerhalb der Mannschaft. Czichos kommt aus Kiel und denkt sich der Aufstieg wäre eine tolle Sache, die Leute müssten doch glücklich sein. Was Czichos nicht versteht, ist, dass Köln nicht Kiel ist, dass der Erste Fußballclub Köln nicht fucking Holstein freaking Kiel ist und Müngersdorf kein Ort der Freude ist. Müngersdorf ist Schmerz und Sehnsucht und höchstens, im besten Fall, Anspannung. Für Freude und gute Laune haben wir gar keine Zeit. Er denkt wirklich, dass nur das Ergebnis zählt und “die Fans” sich dann gefälligst zu freuen haben. Scheiß drauf, dass hier gerade die schlechteste Mannschaft der Vereinshistorie zusammengestellt wird, die eines der schlechtesten Spiele eben dieser auf den Rasen brettert. Da denkt er nicht dran, er kennt es ja nicht.

Ich habe wirklich viele schlechte Spiele meines Vereins gesehen. Zu viele wahrscheinlich. Aber derart viele lustlos versemmelte Spiele wie in dieser Saison? Ich kann mich nicht erinnern. Nie hatte ich das Gefühl, dass hier eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich der Tragweite der Saison bewusst wäre. Es ging nicht um den Aufstieg. Jedenfalls nicht ausschließlich. Es ging um Wiedergutmachung für 2017/18, um eine Läuterung, wenn man so will. Es ging darum den Fans, uns, das Gefühl zu geben, dieser 1.FC Köln ist es immer noch. Und wird es bleiben. Es ging darum ein Ausrufezeichen zu setzen und den Menschen Freude zu geben.

Es war ein Versagen auf allen Ebenen.

Und wenn Ihr denkt: Was schreibt der denn da wieder für einen Scheiß, mehr als Aufsteigen geht nicht, dann denkt mal darüber nach, welchen Eindruck es für potenzielle Neuzugänge macht, diese völlig in der Auflösung befindliche und in Grüppchen zerfallene Truppe zu sehen. Und mit welchem Gefühl die Spieler in die Sommerpause gehen. Es kommt nie nur auf das Ergebnis an, der Weg dorthin zählt auch.

Auf jeden Fall: Aufstieg. Hurra.

2.) Zukunft.
Vom Selbstverständnis sind wir also wieder da, wo wir hingehören. Aber, jetzt ist das so eine Sache mit dem Selbstverständnis bei uns. Ich nehme mich da ganz gewiss nicht aus, wenn ich sage, dass eine gewisse elitäre Arroganz schon Bestandteil unserer DNA ist. Natürlich nicht immer gerechtfertigt und ganz sicher nicht immer stilsicher eingesetzt aber, und das ist kein Verbrechen, der 1.FC Köln ist eben nicht Mainz 05 oder der FC Augsburg. Natürlich müssen wir andere Ansprüche haben, als diese Mannschaften. Das meine ich nicht mal despektierlich, sondern im vollen Bewusstsein, dass wir aktuell sportlich meilenweit hinter den genannten Beispielen rangieren, dass wir uns sportlich eher in Richtung Germania Teveren entwickeln, als in Richtung Bayern München und dass es keinen automatischen Anspruch auf Erfolg geben kann, weil wir doch der große 1. Fußball-Club Köln 01/07 e.V. sind. Natürlich nicht. Aber wir, die wir mit diesem Verein aufgewachsen sind, die wir Woche für Woche dem Siechtum beiwohnen müssen, dürfen uns doch nicht damit zufrieden geben, dass es nunmal so ist, wie es ist. Natürlich nicht. „Tradition hat nur dann einen Sinn, wenn der Wille zu noch größeren Taten vorhanden ist“, sagte Franz Kremer und vielleicht sollten wir uns alle diesen Satz über das Bett nageln. Wir dürfen uns doch nicht mit Mittelmaß zufrieden geben, wo kämen wir denn da hin?

Aber, im Moment sich es aber düster aus und mir fehlt aktuell die Idee, wie sich die Wolken verziehen können. Mit Schindler kommt im Sommer die nächste Drittliga-Granate zu uns, ganz wie Markus Anfang wollte und unser (Sport)-Vorstand es abnickte. Wer jetzt sagt: Blödsinn, Schindler ist ein Knaller, für den habe ich Neuigkeiten: Falls er das wäre, würde er nicht bisher bei Holstein Kiel gespielt haben und danach zum FC wechseln. Sowas wie “unter dem Radar” gibt es nicht mehr. Es hat seine Gründe, warum Schindler mit 26 Jahren noch nicht über die zweite Liga hinausgekommen ist. Ich wünsche ihm alles Glück dieser Welt, aber seinen wir doch mal ehrlich: Dieser Transfer hat Markus Anfang auf dem Deckblatt geschrieben und ist, ebenso wie Czichos, Sobiech und Drexler nichts womit man angeben muss. Was Anfang unter freundlichem Wegsehen von Veh und dem Vorstand hier versucht hat aufzubauen, würde in anderen Branchen als geschäftsschädigendes Verhalten abgemahnt werden.

Es muss so unglaublich viel passieren, damit dieser 1.FC Köln auch nur ansatzweise wettbewerbsfähig in der ersten Liga sein kann, du meine Güte. Mindestens sieben Positionen sind aktuell nicht adäquat besetzt, ganz zu schweigen von der völlig un-balancierten Ausrichtung der Mannschaft. Es wird ein sehr, sehr spannender Sommer.

3.) Trainer
Achim Beierlorzer wurde heute als neuer Übungsleiter vorgestellt. Armin Veh sagte dazu: „Achim hat bei seinen vergangenen Stationen sehr gute Arbeit geleistet. Er hat starke Führungsqualitäten und ist sehr integrativ, indem er viel kommuniziert. Darüber hinaus schätze ich seine authentische Ausstrahlung und dass er die Dinge positiv angeht.“

Okay. Jut. Integration können wir echt gebrauchen. Doch wie sieht es im sportlichen Bereich aus? Beierlorzer kommt aus der Red Bull-Schule, hat unter Rangnick eine Fußball-Philosophie verinnerlicht, die diametral gegensätzlich zum Kader des 1.FC Köln ist: Schnelles Umschaltspiel, aggressives, frühes Attackieren, flexibles Verschieben im Mittelfeld, überfallartiges Flügelspiel und starke Fokussierung auf Standards. Da sehe ich im Moment eine Katze mit der Playstation spielen, wenn ich die Erfolgsaussichten benennen müsste. Wie oben schon gesagt: Um hier Erfolg zu haben, muss einiges passieren.

Aber, Moment: Es ist natürlich viel zu früh dieser Trainer-Verpflichtung zu kritisieren. Wir wissen nicht, wie anpassungsfähig Beierlorzer ist. Kann er den Weg von Peter Stöger oder Adi Hütter einschlagen, die, bevor sie in die Bundesliga kamen, in Österreich resp. der Schweiz auch einen völlig anderen Fußball haben spielen lassen, als den, der dann hier verlangt wurde? Kann er die nötigen Anpassungen vornehmen um das vorhandene Personal optimal zu coachen und einzustellen? Dann bitte. Ich bin der letzte, der es ihm und uns nicht wünscht. Ehrlich gesagt glaube ich das sogar, auch wenn das nicht mal ein ‘educated guess’ ist, wie der Franzose sagt. Es ist nur ein Gefühl.

Will er allerdings hier sein ‘Konzept’ auf biegen und brechen durchbringen, dann… nunja… das hatten wir ja gerade.

Hoffen wir einfach das beste.

Was bleibt uns auch übrig?

Ganz kurz noch: Dass mit Hecking und Beierlorzer zwei Trainer mit völlig unterschiedlicher Herangehensweise auf dem Zettel der Verantwortlichen standen, zeigt einmal mehr schön den Aufwand, der aktuell am Geißbockheim betrieben wird. Haben wir schon Kandidaten? Kandidaten für was? Trainer? Achja, Trainer. Moment. Alexa, welche Fußballtrainer empfiehlst du für einen ambitionierten Zweitligisten?

4.) Vorstand, Politik und Zeugs
Ebenfalls heute hat der Mitgliederrat seinen Vorschlag für die kommenden Vorstandswahlen 2019 veröffentlicht. “Das vorgeschlagene Team besteht aus Dr. Werner Wolf als Präsident sowie Eckhard Sauren und Dr. Jürgen Sieger als Vizepräsidenten. Die Wahl des Mitgliederrates erfolgte einstimmig durch alle elf Mitgliederräte.” heißt es auf der FC-Homepage. Weiterhin und das ist das wirklich entscheidende:
Der Auswahlprozess des Mitgliederrates fand in enger Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Beirates des 1. FC Köln, Dr. Karl-Ludwig Kley, und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA, Lionel Souque, statt. Karl-Ludwig Kley und Lionel Souque erklärten dazu: „Wir danken Werner Spinner als ehemaligem Präsidenten sowie den Vizepräsidenten Markus Ritterbach und Toni Schumacher für ihre langjährige erfolgreiche Arbeit und ihre Leistungen für den Verein. In einer schwierigen Phase haben sie Verantwortung übernommen und dank intensiver engagierter Arbeit den 1. FC Köln sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch positiv weiterentwickelt.

Angesichts der künftigen Herausforderungen haben wir uns intensiv mit der Führungsfrage beschäftigt. Die Arbeit der Findungskommission war umfassend und aufwändig. Sie war getragen von klaren Vorstellungen über die anstehenden Herausforderungen und die Rolle der Gremien bzw. der Geschäftsführung in der künftigen Zusammenarbeit. Wir tragen die dem Vorschlag für ein neues Vorstandsteam zugrundeliegenden Eckpunkte des Mitgliederrates in vollem Umfang mit und stehen hinter dem vom Mitgliederrat vorgeschlagenen neuen Vorstandsteam. Denn neben einer hohen fachlichen Qualifikation und dem Herz für unseren FC bringen diese Vorstandskandidaten auch alle persönlichen Eigenschaften mit, um Gräben im Verein zuzuschütten und mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit die Zukunft des 1. FC Köln nachhaltig erfolgreich zu gestalten.

Dies ist ein guter Tag für den 1.FC Köln. Der Mitgliederrat ist das vom Souverän des Vereins demokratisch gewählte Gremium, der Beirat und der Aufsichtsrat sind die Korrektive (und umgekehrt), die unseren Verein vor Sonnenkönigen schützen sollen und müssen. Dass der Vorschlag des Mitgliederrats von allen entscheidenden Personen mitgetragen wird, bedeutet auch, dass man sich als Mitglieder dieses Vereins wenigstens daran zu orientieren hat und man sich die Frage stellen muss, ob eine weitere Eskalation im Sinne des 1.FC Köln ist.

Sollten Ritterbach und Schumacher wirklich in die Kampfkandidatur gehen wollen, dann entscheiden sie sich wissentlich gegen alle Gremien im Verein, gegen den Willen der Mitglieder, die den Mitgliederrat gewählt haben, das ist nun mal Demokratie, gegen den Aufsichtsrat und gegen den Beirat. Allein mit “…bringen diese Vorstandskandidaten auch alle persönlichen Eigenschaften mit, um Gräben im Verein zuzuschütten…”, wird aufgezeigt, dass eben jenes, dem aktuellen Vorstand nicht zugetraut wird.

Völlig zurecht natürlich, denn wenn wir uns gestern Harald Schumacher auf SKY anschauen mussten, der erneut den 1.FC Köln repräsentierte wie ein Clown ohne Fahrrad, oder die verzweifelten Versuche der treu ergebenen Medien Abteilung, unter Führung von Tobias Kaufmann, selbst bei der Verabschiedung von Matze Lehmann Politik zu machen, indem sie Stefan Müller Römer nicht, sondern nur Schumacher und Ritterbach, weich gezeichnet wie in einer Fieber-Phantasie von David Hamilton, auf dem Social Media Foto, ablichteten. Oder an die Versuche das Statement der WH (“durchkärchern”) in einen Kontext zu bringen, der nicht gegeben war, und von den ganzen anderen Unverschämtheiten (Manipulationsversuch während der MV, Umgang mit 100%FC, ungeklärte Investorenabsicht usw.), haben wir ja noch gar nicht angefangen.

Es quillt die pure Verzweiflung aus den allen Poren. Es sind die letzten Stunden auf der Titanic und sie wissen es. (Dieses Bild drückt nicht den Wunsch aus, dass alle bisher Verantwortlichen einen grausamen Kältetot im Eismeer vor Kanada sterben sollen! – Nur zur Sicherheit!)

Nein, jeder Versuch von Ritterbach und Schumacher eine eigene Kandidatur auf die Beine zu stellen, kann nur als Versuch interpretiert werden den Verein weiter zu spalten. Das Problem daran: Ich bin mir nicht sicher, ob sie damit nicht Erfolg haben könnten. Es gibt tatsächlich, das ist für mich unglaublich schwer zu verstehen, denn ich sehe keine Argumente, viele Leute, die nicht verstehen, warum es nicht so weiter gehen kann wie bisher. Oder vielleicht einfach zufrieden mit dem Stand der Dinge sind, kann ja auch sein.

Vielleicht bist DU ja genau einer davon, der gerne mit Ritterbach und Schumacher weiter machen möchte. Das ist okay, wir sind, wie oben schon beschrieben, ein Verein mit einer Satzung, wenn die erforderlichen 3.000 Unterschriften zustanden kommen (und ich bin überzeugt, dass ein Ausflug ins Camp David Zentrallager dafür ausreichen würde), dann müssen wir damit umgehen. Und falls diese Kandidatur dann erfolgreich wäre, dann ist sie auch zu akzeptieren, gar keine Frage. Aber, bitte, erklär’ es mir. Welche Hoffnungen setzt du in Schumacher und Ritterbach (außer, dass Schumacher ‘immer alles für unsere effzeh gedonn hat’)? Warum denkst du, dass eine Entscheidung gegen alle Gremien richtig ist? Bitte. Die Kommentare sind offen.

Abschließend: Natürlich kenne ich niemanden des vorgeschlagenen Vorstandsteams persönlich, ich kann nur den Indizienprozess führen. Wolf war schon Übergangsverantwortlicher nach Overath, Sieger war Aufsichtsratsvorsitzender bis er vom alten Vorstand rausgeschmissen wurde und Sauren ist seit 2014 im Beirat. Alle kennen den Verein und haben nicht die Aufgabe Sportdirektor zu sein. Ich habe einfach die Hoffnung, dass es mit einem neuen Vorstand besser wird, dass die Gräben die unseren Verein im Moment durchziehen wenigstens teilweise zugeschüttet werden, dass man sich wieder über Sachthemen streiten kann, statt sich sofort mit Schaum vor dem Mund anzuschreien und dass es eine Versöhnung zwischen Verein und Mitgliedern geben kann. Unter dem alten Vorstand, da müssen wir uns nichts vormachen, ist dies nicht mehr möglich. Hier ist zuviel unwiderrufbar kaputt gemacht worden.

5.) Schluss
Um das nur mal ganz kurz anzumerken, weil die Argumente gegen “Meckerei” immer die gleichen sind: Leute! Ich hasse den Verein nicht. Der 1.FC Köln ist ein großer Teil meines Lebens und ich will nichts mehr (also… ihr wisst schon… das sagt mal halt so…), als dass es ihm gut geht. Dass wir Erfolge haben, allerdings nicht um jeden Preis. Dass wir eine Einheit auf und neben dem Platz sind, dass wir uns in der ersten Liga halten, dass wir… ach, Mann… alles was ihr wollt, will ich auch. Ich habe nur vielleicht eine andere Perspektive auf den Verein, keine bessere, eine andere. Und es geht mir halt eben auf den Keks, dass wir, der 1.FC Köln uns immer noch wie Kindergarten-Kinder benehmen. Ob es jetzt das Vorstands-Theater ist, der Umgang mit der aktiven Fanszene, der Umgang mit völlig legitimen Mitglieder-Initiativen oder Anträgen, Hoodies, es gibt mehr als genug Beispiele um aufzuzeigen, dass der Verein, so wie wir ihn uns wünschen, im Moment nicht da ist.

Meiner Meinung nach muss es auf ganz vielen Ebenen einen Neustart geben. Dafür schreibe ich hier. Um meine Meinung zu dokumentieren. Es gibt nichts Unwichtigeres als das, aber dennoch versuche ich mich einzumischen. Ich mache dies, weil mir das Wohl und Wehe des Vereins am Herzen liegt und ganz bestimmt nicht um die Gräben tiefer zu buddeln, denn eines muss uns allen klar sein: Damit ein Neustart Erfolg hat, müssen wir alle im Boot sein. Es geht nicht gegeneinander, es geht nur zusammen. Es kann nicht mit ‘die’ gegen ‘uns’ weitergehen. Soweit hätte es nie kommen dürfen.

Darum die eindringliche Bitte: Unterstützt den Verein im Vorhaben sich neu aufzustellen. Der Status Quo ist keine Lösung.

Come on effzeh!

Märzbeben

Vielleicht kann man die Regentschaft von Werner Spinner ganz grob in zwei Kapitel einordnen. Die Zeit von der Amts-Übernahme ab 2012 bis zum Einzug in den europäischen Wettbewerb im Frühjahr 2017 – und die Zeit danach. So ganz genau kann ich, der mit dem Innenleben des Vereins nur soviel zu tun hat, was mir erzählt wird, natürlich nicht einordnen. Vielleicht war der Übergang fließend, vielleicht war schon die berühmt-berüchtigte WH-Choreo ein Wendpunkt oder das ebenso schlagzeilenträchtige Heimspiel gegen Hoffenheim, vielleicht kam es zu einem harten Bruch, vielleicht ist die Innen-Wahrnehmung auch eine ganz andere als die von Außen. Ich kann nur die letzte Perspektive einnehmen und versuchen für mich zu sortieren.

Als Yuya Osako am 20.05.2017 auf die Südkurve zulief, als um 17:13 in Köln alle Dämme brachen und wir uns in der Armen lagen, da verschwendeten wir keinen Gedanken an die Zukunft, wir schauten uns an, dachten an die vergangenen fünf Jahre und waren nichts als glücklich. Und zu einem ganz großen Teil dankten wir Werner Spinner und seinen Vorstandskollegen. Wir nahmen sie als angenehm ruhige, sich nicht ins sportliche einmischende Gremien-Instanz an, wir waren froh und glücklich, dass der Vorstand uns mit Peter Stöger und Jörg Schmadtke ein kongeniales Duo in der sportlichen Verantwortung schenkte, wir dachten immer noch mit Grauen an die schwarze Wand von 2012 und konnten gar nicht so viel trinken, wie wir lachen wollten.

Dass der Verein 2012 am tiefsten Tiefpunkt der langen Geschichte seiner Tiefpunkte angekommen war, dass wir kurz davor standen alles zu verlieren und dass Werner Spinner zusammen mit einem Mix aus Wirtschaftskontakten und wohlwollender Kommunalpolitik den Kollaps abwenden konnte, ist ein Verdienst, den wir ihm nicht vergessen dürfen. Ja, es gab damals ein paar kleine Irritationen rund um eine Golfturnier in Pulheim und ob man wirklich von einer drohenden Insolvenz sprechen durfte, es gab vor ihm kreative Buchführung und ein paar komische Posten im Hauptbuch aber das ist Schnee von gestern und egal, Spinner und Team konsolidierten den Verein zuerst über die Finanzen und dann über ein glückliches Händchen bei der Personalwahl. Machen wir uns nichts vor: 2012 war Werner Spinner das Beste, was diesem Verein passieren konnte.

Bei allem Groll, bei allem Unverständnis über die letzten Monate, das ist eine Leistung die anzuerkennen ist, die auch einen verdienten Platz in den Geschichtsbüchern unseres Clubs finden muss.

Und dennoch müssen wir jetzt durchatmen, dass seine Amtszeit heute ein Ende gefunden hat. Zu viel Vertrauen wurde seit dem wunderbaren Sommer vor fast zwei Jahren verspielt, zu viel wurde kaputt gemacht. Es wäre unfair die komplette Schuld an dem Riss, der mittlerweile durch die Mitgliedschaft des 1.FC Köln führt, alleine beim Vorstand zu suchen, das mache ich auch nicht, es wurden sicherlich auch Fehler von kritischer Seite gemacht aber, ich bleibe dabei, die vollständige Eskalation des Konflikts, die getriebene Art hinter jedem Busch einen Feind zu sehen, die Unversöhnlichkeit und das Vermissen-lassen jedes Gespürs, das sind Dinge, die allein dem Vorstand und damit in erster Linie Werner Spinner anzulasten sind.

Angefangen beim völligen Versagen das Auseinanderdriften der sportlich Verantwortlichen zu erkennen und dem gegen zu steuern, über die Kampagne gegen Mitglieder-Initiativen, die Liste der Vorwürfe, die ich Werner Spinner als Mitglied des 1.FC Köln mache ist lang und traurig. Kumuliert kann man es wohl als eine Art Kleinkrieg gegen alles und jeden, der nicht auf Linie war, bezeichnen. Dabei gab es keinen konstanten Feldzug, sondern es wurden Nebenkriegsschauplätze aufgemacht, die sich quer durch alle Themen zogen. Immer waren die anderen Schuld. Eigene Fehler? Fehlanzeige.

Geleakte Investoren-PowerPoint? Das war nur ein Planspiel, man will uns schaden.
Choreo-Verbot? Es gibt kein Choreo-Verbot, wir wollen nur rechtssicher handeln.
Polizeigewalt gegen FC-Fans? Das wird schon gerechtfertigt sein.
Mitglieder-Initiative? Ein Misstrauensvotum gegen den Vorstand.

und so weiter und so fort, ich habe hier im Blog schon hunderte Zeilen Kram darüber geschrieben.

Werner Spinner verzettelte sich zunehmend im Klein-Klein, sei es bei dem unsäglichen Versuch über ein U-Boot die Mitgliederversammlung zu manipulieren, über Interviews bei genehmen Medien, die keine Gegenfrage stellten oder bei Empfehlungen wie als loyales Mitglied zu handeln sei, es ging nur noch um Deutungshoheit und Spaltung des Vereins in genehm und unerwünscht.

Das Resultat ist ein zutiefst kaputter Verein, eine Mitgliedschaft die gespaltener ist als das Uran in Tschernobyl und eine Mißtrauenskultur alles und jedem gegenüber. Ich nehme mich da auf keinen Fall aus. Ich kann z.B. der Medien-Abteilung des FC kein Wort glauben, bis es durch andere Quellen belegt ist. Und sei es nur ein Zwischenstand. Ich glaube ihnen nichts mehr. Sie haben sich in den vergangenen Monaten zu einer reinen Vorstands-Plattform gewandelt. Einen Vergleich spare ich mir an dieser Stelle. Genauso zieht sich dieser Riss über die sozialen Plattformen. Es gibt die Fraktion, die uns nicht verstehen kann, genauso wie wir sie nicht verstehen können. Es gibt die Leute, die auf die Tabelle gucken und für die alles okay ist und es gibt die, die losgelöst vom sportlichen “Erfolg” Interessen an diesem Verein haben. Es gibt sogar Schnittmengen. Aber es gibt keine Kommunikation untereinander. Es gibt nur Ablehnung.

Und das ist eine Entwicklung, die dieser Vorstand durch sein Verhalten forciert hat. Es gab keine Augenhöhe mehr, alles wurde abgewatscht und durch die Vereinsmedien als Aufruf zur Rebellion dargestellt. Damit erreicht man dann eben die eine Hälfte und grenzt die andere Hälfte weiter aus. Beide Fraktionen bauen Wagenburgen oder bleiben in ihren Bubbles und auf einmal hat man den Salat.

Dass Werner Spinner heute zurück getreten ist, ist eine Chance für den Verein. Wie es dazu gekommen ist, möchte ich gar nicht groß kommentieren, ich kenne seine Beweggründe nicht. Für mich bleibt das Resultat. Und dieses ist positiv, denn einen Vereinigung des Vereins war unter Werner Spinner ausgeschlossen. Wir müssen hier einen Strich machen, die Vergangenheit begraben und jetzt nach vorne schauen. Ja, wir brauchen einen kompletten Neustart. Ob dazu Schumacher und Ritterbach in der Lage sind, muss die Zeit zeigen, ich bleibe skeptisch, denn auch sie trugen die Vorstandsentscheidungen mit und wer Toni Schumacher auf der Mitgliederversammlung erlebt hat, wird mir zustimmen, dass es schon souveränere Auftritte in der Historie von öffentlichen Auftritten gab. Sauber wäre es, wenn bei dem Wahlen im September ein komplett neuer Vorstand antritt, der mit einem weißen Blatt anfängt, über dem als Überschrift hoffentlich erste Bundesliga steht.

Ich wünsche mir einen Vorstand, der den Dialog mit der aktiven Fanszene auf einem rationalen Level wieder aufnimmt, der auch deren Argumente hört und in seine Entscheidungsfindung einbindet. Der legitime Mitglieder-Initiativen nicht torpediert, sondern zur Diskussion stellt, der seinen Kontrollaufgaben nachkommt und der ohne Populismus und Egoismus an den 1.FC Köln denkt. Einen Vorstand, der sich zum Ziel macht diesen Verein wieder zu dem zu machen, der er in unser allem Selbstverständnis ja immer noch ist: Der erste Fußballclub Köln, ne feine Verein.

Genauso wünsche ich mir, dass der Rücktritt von Werner Spinner dazu führt, dass diese elenden Gräben innerhalb der Mitgliedschaft zugeschüttert werden. Dass man wieder auf Augenhöhe miteinander streiten kann. Streiten ist gesund und mir ist klar, dass es genug Leute da draußen gibt, die mich für ein Arschloch halten. Ist ja okay. Man muss nicht meiner Meinung sein. Aber genauso, wie ich lernen muss, eine andere Sicht der Dinge zu akzeptieren, kann es gar nicht schädlich sein, wenn DU, der du dich gerade angesprochen fühlst, nicht direkt in den Abwehrmodus gehst, sondern dich in mich hineinversetzt. Das macht doch unsere Gesellschaft aus. Unser Fußballverein macht da keine Ausnahme.

Halt mich für einen Idioten, ist mir egal, aber gib mir Argumente. Mehr will ich nicht. Ab heute haben wir dazu wieder Gelegenheit.

Danke Werner Spinner. Für einmal Europa. Und für Ihren Rücktritt. Werden Sie gesund.

Come on effzeh!

 

Sehenden Auges

Mit 2:3 verliert der 1.FC Köln in Paderborn und holt damit im dritten von vier Spielen in der Rückrunde keine Punkte. Neun Gegentore stehen dabei zu Buche, also ein Schnitt von mehr als zwei pro Spiel. Insgesamt war es die sechste Niederlage in 21 Spielen (bei weiteren drei Unentschieden). 12 Spiele konnten gewonnen werden. Eine Erfolgsquote von 57%. In einer zweiten Liga, die so unglaublich schwach ist, dass die 80er Jahre uns wütend “so schlimm war es wohl doch nicht, was?” ins Gehirn brüllen. 28 Gegentore (so viel wie Erzgebirge Aue) stehen ebenfalls im Soll. 28! In 21 Spielen! Union hat 20. Nur mal als Vergleich. Mit einem Etat, der vermutlich das zwei bis dreifache der Konkurrenz (ohne den HSV) beträgt (die kolportierten Zahlen gehen von 25-30 Millionen für die Saison aus), mit dem teuersten und “wertvollsten” Kader der Zweitliga-Geschichte, mit einem der teuersten Transfers, der jemals von einem Nicht-Bundesligsten getätigt wurde (Drexler), mit Nachkäufen im Winter, mit… ach, ihr wisst was ich meine, oder?

Seien wir ehrlich: Die Bilanz ist erschreckend.

Schon vor der Saison sprachen wir im Fünf-Stunden-Podcast von einer gewissen Skepsis, die Markus Anfang betrifft, von der Sorge, dass er sich hier in Köln eine Wohlfühl-Oase mit seinen Buddys aus Kiel einrichten könnte, dass ein Pragmatismus bisher bei ihm nicht zu erkennen gewesen ist und dass er – von außen betrachtet – den Eindruck eines diktatorischen Zwangs-Systematikers macht. All das hat sich bewahrheitet und es ist eigentlich noch viel schlimmer. Die absolut ruinöse Transfer-Politik, die Anfang dem Verein aufdiktiert hat, die vollkommene Weigerung Spiele dynamische zu gestalten, sein Sturheit, seine Arroganz, gepaart mit hilfloser Phrasendrescherei, es ist tatsächlich ein vollständiges Debakel.

Der 1.FC Köln lebt in dieser Zweitliga-Saison ausschließlich von überragender (für diese Liga) individueller Klasse in der Offensive. Mehr ist es nicht. Vielleicht reicht das am Ende für den Aufstieg, vielleicht auch nicht. Allein dieser Satz sollte schon mit zehn Schlägen auf den nackten Arsch bestraft werden, denn aus den oben genannten Gründen kann es für den effzeh keine Ausreden für verlorene Spiele in der zweiten Liga geben. Jeder, der jetzt mit den “aber die Liga ist stark”, “die zweite Liga ist eine Wundertüte”, “für den Gegner ist es das Spiel des Jahres” usw. um die Ecke kommt, lügt sich in die eigene Tasche. Nein, die Liga ist nicht stark, die Liga ist schwach. Der Unterschied zur ersten Liga ist in etwa so groß wir der Unterschied zwischen einem Big Mac und einer leckeren Portion Spaghetti Bolognese. Es kann einfach nicht sein, dass wir uns Woche für Woche anschauen und uns fragen müssen, wie es sein kann, dass uns Duisburg, Paderborn, Bochum, wer auch immer taktisch, kämpferisch und auch spielerisch überlegen ist. Ein derart umfassendes Totalversagen auf allen Ebenen habe ich nicht für möglich gehalten. Selbst in Spielen wie gegen Magdeburg, das dann 3:0 gewonnen wurde, sah man, dass der Gegner einen klaren Plan hatte, der den FC vor hohe Probleme stellte und nur an Abschluss-Schwäche scheiterte. In der ersten Liga verlierst du diese Spiele wahrscheinlich zweistellig.

Ja, es ist ein wenig überspitzt, aber nicht viel.

Es kann und darf nicht sein, dass wir bis heute 16 Gegentore nach Standards kassiert haben, dass der Trainer sagt „Standardsituationen kannst du jeden Tag trainieren – und musst sie trotzdem am Wochenende verteidigen. Die eigentliche Standards kannst du nicht vorbereiten“ (5.2.19) und es dann lieber gleich sein lässt? Dass es im Abwehrverbund anscheinend keine klare Aufgabenverteilung gibt, sondern es eher ein Kreisliga-haftes “wer am nächsten dran steht, geht drauf” gibt, dass es auch keine Zuständigkeiten zu geben scheint, nicht zu erkennen ist, wann im Raum und wann am Mann verteidigt werden soll? Wie kann das sein? Vor dem 1:2 am Freitag hatte Paderborns Tekpetey schon mindestens zwei Szenen, die für erhöhten Blutdruck sorgten, wie kann ich den Mann denn dann in der 80. Minute bei einem Freistoß von der Strafraumgrenze völlig unbeobachtet durch die Box marschieren lassen? Versteh’ ich nicht. Da muss es doch (spätestens bei der Einwechslung von Sörensen) eine Coaching-Aufforderung gegeben haben: Manndeckung, Zentrum verdichten, nichts zulassen. Sich aber mit fünf Spielern in den Raum zu stellen und abzuwarten, was passiert, da müssen wir eigentlich gar nicht drüber sprechen.

Das ist ja nur eins von vielen Beispielen. Markus Anfang arbeitet sich an der Seitenlinie an dem vierten Offiziellen (höhö) ab, brüllt ab und zu mal etwas in Richtung gegnerische Trainerbank und guckt dann bei Gegentoren auf das Spielfeld wie ich, wenn ich gegen einen 12jährigen Counterstrike (oder was auch immer die Jugend heute spielt) zocken würde. Verständnislos. Eine Reaktion auf Spielverläufe, auf veränderte Rahmenbedingungen geschieht nicht. Stattdessen wird gezetert und geschimpft, weil die Kreis-Taste auf dem Controller nicht so funktioniert wie sie soll (tut sie aber, keine Sorge).

Es gibt bei Markus Anfang nur einen Plan, den hat er irgendwann mal verinnerlicht und damit ist es auch gut. Auf den Flügel wird hochgerannt, nach hinten geht wenig, das Mittelfeld ist eh überbewertet, lange Bälle werden schon reichen und vorne gucken wir mal wer die Tore macht. In Kiel hat er davon profitiert, dass Marvin Ducksch anscheinend nicht klar war, dass er normalerweise nicht 23 Tore schießt und die Mannschaft halt recht sorgenfrei und losgelöst von Druck nach vorne spielen konnte. Das sah dann in Teilen okay aus, ist aber natürlich nicht auf den 1.FC Köln übertragbar. Die Gegner stehen erstmal anders und mittlerweile hat auch der letzte Mensch “DAS SYSTEM” Markus Anfang dechiffriert. Sooo schwer ist es auch nicht. Lauf halt an, es gibt keinen Plan B.

Gegen Paderborn gab es im Mittelfeld eine komische angedeutete Raute, mit einer Beule nach rechts, die allerdings durch – wieder mal – nicht vorhandene klare Aufgabenverteilungen überhaupt nicht für den gewünschten Platz und/oder einen ruhigen Spielaufbau sorgte. Mitte der ersten Halbzeit, als man schon sehen konnte, dass selbst die einfach Pässe mit wackeligen Füßen gespielt werden, hätte es die Möglichkeit gegeben einzugreifen und das Spiel ein wenig mehr in Ketten zu organisieren. Vielleicht eine Umstellung auf eine klare Sechs und eine klare Acht, statt diese Hybridpositionen, die anscheinend die Spieler überfordern. Macht er nicht. Nö, sieht er gar nicht ein. Warum auch immer.

Oder, und jetzt wird es hässlich, vielleicht erkennt er es ja schon, weist es auch an, aber die Mannschaft hört nicht auf ihn. Kann ja auch sein. Ob sein Führungsstil wirklich beliebt ist? Ob seine Obsession seine Lieblingsspieler völlig aus der Rotation zu nehmen, tatsächlich gewürdigt wird? Wenn er nach dem Spiel im Kreis seine Spieler zusammenscheisst, wie weiland Alex Ferguson in Manchesters Kabinen, dann mag das in seinen Augen eine Außenwirkung haben, allerdings ist der Vergleich mit dem großen schottischen Trainer vielleicht etwas vermessen. Ob das wirklich hilfreich ist?

Dass die Mannschaft regelmäßig nach Gegentoren in sich zusammenfällt, ist riesengroßes Problem. Es scheint kein Selbstvertrauen zu herrschen. Wie kann das sein? Es ist doch Konsens, dass der FC rein individuelle die beste Mannschaft in der Liga sein muss. Ja, auf dem Papier ist Köln auch besser als Hamburg. Da muss ich doch eine breite Brust haben und sagen: Scheiss drauf, das Gegentor bringt uns nicht aus dem Tritt, weiter geht’s. Das Gegenteil ist der Fall. Im Kopf scheint eine ganze Menge nicht zu stimmen und auch dafür kann es nur einen Grund geben: Man glaubt nicht an das, was man da gerade macht.

Und dann kommen dann die wirklich hilflosen Phrasen, die an besten Ruthenbecksche “Starting Eleven” Zeiten erinnern. Nach der Niederlage diktierte er der erstaunten Presse „Wir führen 2:0 und haben nicht wirklich was zugelassen Die Zweikämpfe waren sehr leidenschaftlich, wir mussten immer wieder auf die Gelben Karten reagieren. Hinten raus hat man kaum noch Möglichkeiten einzugreifen. Das war genau das Spiel, das wir erwartet hatten. Sehr intensiv und leidenschaftlich.“ in die Notizblöcke. Na herzlichen Dank, Trainer.

Seid mal ehrlich, fühlt Ihr Euch nicht verarscht?

Was mir allerdings noch mehr Sorgen als der Staus Quo macht, ist die Entwicklung und der Blick nach vorne. Es ist mMn nichts, wirklich gar nichts, von einer spielerischen Entwicklung zu sehen. Das Muster der FC-Spiele ist zwar immer gleich aber es wird nicht besser. Weder sind Lösungen im Spielaufbau erkennbar, noch Angriffsmuster und über die Bewegung ohne Ball müssen wir gar nicht erst reden. Das sieht nicht nach etwas aus, was mir große Hoffnung auf neue Nächte in Belgrad oder London macht. Sollte ein Aufstieg realisiert werden, müssen wir schauen, wie zur Hölle der erneute Abstieg verhindert werden soll. Die Mannschaft kann sich im Sommer gar nicht groß verändern, da ja mit den meisten Spielern langfristige Verträge abgeschlossen wurden und mit Schindler ein weiterer Wunschspieler von Markus Anfang nach Köln wechseln wird. Nein, Schindler hat (genauso wie Drexler) nicht das Format die Mannschaft in der ersten Liga besser zu machen, es gibt schon gute Gründe, warum er (genauso wie Drexler) bisher eben nicht Bundesliga spielt. Das sind ja alles keine jungen Spieler mehr, das dürfen wir nicht vergessen. Es gibt im Sommer genau vier Verträge die auslaufen: Kessler, Geis, Lehmann und Führich. Alles andere hat bis mindestens 2021 Vertrag. Für neue (bessere) Spieler müssten also auch Verkäufe realisiert werden und ob das (auch wirtschaftlich) funktioniert steht in den Sternen.

Der 1.FC Köln hat sich mit Haut und Haaren Markus Anfang verschrieben, hat alles auf diese eine Karte gesetzt und steht nun mit offenem Mund da.

Hätte uns doch nur jemand gewarnt…