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4 Jahre

Der 12.06.2013 war eigentlich kein besonders herausragender Tag. In Köln war es bewölkt, mit 21°C jedoch noch einigermaßen angenehm und geregnet hat es auch nicht. Große Weltpolitische Ereignisse fanden nicht statt, außer dass in Japan der älteste Mann der Welt, Jiroemon Kimura, mit 116 Jahren starb. Der EXPRESS beschäftigte sich in seinen Schlagzeilen mit der Gefahr von Küssen und SMS-schreiben während der Autofahrt (Küssen?) und verriet die “Geheimsprache der Reisekataloge”. Der Tag könnte in der Wikipedia als Paradebeispiel für ein belangloses Sommerlochs-Datum herhalten. Und doch war es ein Tag, den wir als Fans des 1.FC Köln eigentlich jedes Jahr feiern sollten wie Weihnachten und Ostern zusammen. Heute vor vier Jahren, am 12. Juni 2013 wurde Peter Stöger neuer Trainer des ehemals ruhm- und glorreichen effzeh.

Wir kamen aus einer enttäuschenden Zweitliga-Saison, am Ende stand der fünfte Platz in den Geschichtsbüchern. Heimniederlagen gegen Energie Cottbus oder Auswärts-Unentschieden beim SV Sandhausen waren der rote Faden der Saison. Christian Eichner, Adil Chihi, Thomas Bröker. Es kommt uns vor wie eine Ewigkeit, nicht wahr?

Der Verein stand am Scheideweg. Noch ein Jahr zweite Liga und es wird immer schwerer. Die Altlasten aus der Sonnenkönig-Zeit drückten wie zentnerschwere Gewichte auf den handelnden Schultern. Wir mussten dringend raus aus dem Unterhaus, denn eine Saison kannst du vielleicht noch auffangen, eine zweite mit viel Mühe auch noch aber dann wird es irgendwann hart. Der Etat wird von Jahr zu Jahr kleiner, du wirst als Verein immer unattraktiver für Spieler, die Fans sind irgendwann auch mal unzufrieden und plötzlich bist du der VfL Bochum oder Nürnberg oder Kaiserslautern und fragst dich, wann alles schief gegangen ist.

Zum Glück muss ich jetzt nicht schreiben, dass man bei uns diesen Zeitpunkt ziemlich genau auf den Juni 2013 festlegen kann, denn mit Peter Stöger kommt ein Mann an den Rhein, der in der heimischen Liga, mit einem recht kleinen Etat, gegen das scheinbar übermächtige Red Bull Salzburg, die Austria mit den meisten Punkten, die je ein österreichischer Meister erzielte, zum Titel geführt hatte. Viele Tore, viele Siege. Okay, es war Österreich aber dennoch. Ich hatte schon Hoffnung, dass der Mann was kann. Für mich war erstmal alles besser als Stanislawski, der für mich einer der furchtbarsten Trainer in der Geschichte des Clubs war. Ich weiß, dass das viele Fans anders sehen aber das kann ich ja nicht ändern. Soll er seinen Supermarkt machen, hab ich mir gedacht. Viel Glück und denk dran immer das faule Obst nach unten zu legen.

Handlungsspielraum hatten wir nicht groß, nur Hoffnung auf bessere Zeiten.

Mehr blieb ja nicht. Das war unser Wesen die letzten zwei Jahrzehnte. Hoffnung und Enttäuschung.

Ein Jahr später standen wir auf den Ringen, feierten wieder uns selbst und die Rückkehr zur Normalität. Unter Peter Stöger steigt der effzeh souverän als Meister auf. Dem schleichenden Tod noch mal knapp von der Schippe gesprungen.

In seiner ersten Bundesliga-Saison halten wir mit 40 Punkten und Platz 12 die Klasse und erkennen die Mannschaft fast nicht mehr wieder. Gefühlte dreißig 0:0 Unentschieden ermauert sich der Klub, der im letzten Jahr noch mit +33 Toren aus der Saison geht. Peter Stöger zeigt wieder seine besondere Gabe eine Mannschaft an die Umstände anzupassen, nicht die Umstände auf Gedeih und Verderb einem bestimmen System unterwerfen zu wollen. Er lässt völlig undogmatisch spielen, fast opportunistisch hässlichen Fußball. Er ordnet dem Ergebnis alles unter. Und auch wenn sich Hipster und Connoisseure nicht für die Spielweise des 1.FC Köln begeistern können, auch wenn sich gegnerische Fans regelmäßig ob des destruktiven Spiels beschweren und auch aus Köln die ein oder andere Stimme den Verhinderungsfußball ablehnt, so war es doch genau das, was diesem Verein gefehlt hat. Eine Saison, die Stabilität bringt, die ein Überleben in der obersten deutschen Spielklasse möglich machte. Die uns ein bisschen Luft zum atmen gibt und den Fahrstuhl anhält. Wir haben uns danach gesehnt und waren zufrieden. Mehr als das sogar, denn man konnte über die gesamte Saison eine Entwicklung erkennen. Spieler wurden sicherer, die Pass- und Laufwege etablierten sich mehr und mehr, die Zuordnungen, die Ketten, die Mannschaft wurde zu etwas Harmonischem.

Die Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 waren die vielleicht wichtigsten in der Geschichte unseres Vereins. Ich meine das komplett ironiefrei und im vollen Bewusstsein der Überhöhung aber ein Nicht-Aufstieg 2013 wäre ein absolutes Debakel gewesen und ein direkter Abstieg im Jahr danach vielleicht der eine Abstieg zuviel, den man nicht mehr korrigieren kann. Peter Stöger meisterte beide Herausforderungen mit der Ruhe und Gelassenheit eines buddhistischen Mönchs und machte uns den Mund wässrig auf kommende Jahre.

Und jetzt, vier Jahre nach dem Verpflichtung sehen wir uns auf dem 5. Platz der Bundesliga. Nach 25 Jahren spielt der 1.FC Köln ab dem Herbst wieder in Europa. In nur vier Jahren dreht Peter Stöger den Verein auf links, holt uns persönlich raus der Vorhölle, jeden einzelnen von uns, mit der Hand. Jedes Jahr wurde der Verein besser, jedes Jahr sahen wir eine Entwicklung des Spiels. Ja, des Spiels. Schon lange ist der Verhinderungsfussball nur eine von unzähligen Alternativen, die wir spielen können. Wir können uns anpassen, wir können im Spiel umstellen, wir können die Ketten ändern, wir können das Umschaltspiel schneller oder langsamer machen, wir können mit zwei oder drei oder auch nur einem Sechser spielen, wir können mit einem oder zwei zentralen Stürmen agieren, wir können die Außen ins Halbfeld beordern und umgekehrt wir sind vielleicht die taktisch flexibelste Mannschaft in der Bundesliga. Nennt mir eine andere Mannschaft, die losgelöst von der Qualität ihr Spiel so an die Herausforderung anpassen kann.

Und das ist Peter Stöger. Er ist ein Fußball-Lehrer, ein Trainer im wahrsten Wortsinn. Er macht Spieler besser, er macht Mannschaften besser. Er liest das Spiel und weiß, was er zu tun hat. Er ist pragmatisch und clever. Er ist einfach das beste, was dem 1.FC Köln passieren konnte.

Natürlich hat so ein Erfolg nicht nur einen Vater. Wir wollen das Team um Stöger nicht vernachlässigen, wir wollen Jörg Schmadtke, den Vorstand und das Präsidium nicht vergessen aber wie bei jedem Projekt braucht es einen Projektleiter, der dann am Ende für das Resultat gerade stehen muss. Und das ist nun mal Peter Stöger ohne den wir heute nicht dort ständen, wo wir stehen. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben.

Vier Jahre kommen mir vor wie eine Geschichte aus dem letzten Jahrhundert.

Am 12. Juni 2013 begann für den 1.FC Köln eine neue Zeitrechnung.

Danke Peter Stöger! Ich kann mich nicht tief genug verbeugen.

4 comments to 4 Jahre

  • @Hanningkannnix

    Schönes Ding!

  • Feiner Text, feine vier Jahre!
    Auf die nächsten vier

  • Thomas Schröder

    Sehr schöner Text. Stöger ist ein absoluter Glücksfall für den 1.FC Köln. Und obwohl es seit vier Jahren stetig nach oben geht, habe ich nicht das Gefühl, dass dies mit maximaler Leistung und allem Glück dieser Welt zusammenhängt. Selbst in dieser Saison kann ich auf Anhieb 5-7 Spiele nennen, bei denen ich sagen würde, da war mehr drin. Und das beruhigt mich ungemein.

    Und obwohl die Eloge auf Stöger mehr als berechtigt ist, muss man auch die anderen Führungskräfte loben. Der Vorstand arbeitet sehr gut zusammen, jeder kennt sein Rolle und füllt diese aus. Spinner als Führungskraft mit Gespür für das richtige Personal, Ritterbach mit Verbindungen zur Kölner Wirtschaft und Schumacher als jemand, der als Ex-Spieler die Vereinstradition hochhält. Wehrle macht den Verein nahezu schuldenfrei, was einem Wunder gleicht. Und Schmadtke arbeitet mit Stöger perfekt zusammen, sucht die richtigen Spieler aus und hält sich so lange zurück, bis er der Meinung ist, etwas Fokus auf ihn tut allen gut (Stichworte: Eierköppe, “Ruhig bleiben” etc.). Und er ist sich nicht zu schaden in der Kombination mit Stöger auch mal den bad Cop zu geben, um dem Team Ruhe zu verschaffen.

    Aktuell sind das goldene Zeiten …

  • Spuehlhand

    wie wäre es, wenn wir mal eine Trainerreihenfolge abstimmen. Meine sieht so aus. 1. Stöger 2. alle anderen 3. Rapolder 4. Platzhalter für zukünftige Fehlbesetzungen, wenn der alte effzeh wiederkommt. 5. Solbakken.

    Insbesondere glaube ich, dass Stanislaski in seinem Jahr genau der richtige war. Nicht nur, dass er Hector entdeckt hat, er hat auch dafür gesorgt, dass man zumindest den Willen der Mannschaft wieder erkennen konnte und durch den ein oder anderen Knaller nicht in völlige Lethargie verfallen ist.

Haut rein, schreibt mir was!