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Ein Appell

“Natürlich kann nur einer, der der Masse angehört, den Drang empfinden, sich von der Masse abzuheben. Wer sowieso nicht der Masse angehört, braucht keinen bunten Plunder und wirre Frisuren. Wer nicht der Masse angehört, wird sich hüten, sich irgendwie auffällig zu gebärden, um von der Masse nicht völlig in den Abgrund getrieben zu werden.” (Max Goldt)

In den letzten Wochen haben wir in Köln hautnah miterleben dürfen, was passiert wenn man kleinen Kindern die Förmchen wegnimmt. Das Geschrei ist erstmal groß und danach wird man mit Schweigen gestraft. Was war passiert? Durch immer wiederkehrende sozialverächtliche Verhaltensmuster disqualifizierte sich die “Ultra”-Gruppierung “Wilde Horde” für eine weitere Mitgliedschaft als anerkannter Fanclub des 1.FC Köln. Jeder wird wissen, was passiert ist, der Angriff auf den Fanbus der Gladbacher war dann der letzte -entscheidende- Ausfall, der den Verantwortlichen im Verein wirklich keine Wahl mehr ließ. Alle Privilegien wurden der “Wilden Horde” entzogen. Die Reaktion der “Über”-Supporter, der selbsternannten “per sempre Colonia”-Fans, war überschaubar. Auf ihrer Internetseite prangt seitdem nur noch der Hinweis, dass man die Aktivitäten im Stadion “bis auf weiteres” einstellt. Das ist nichts anderes als die unreflektierte Reaktion eines verwöhnten Kindes. Keinerlei Verantwortung wird übernommen, keine Spur von Willen sich anzupassen, kein Schritt in Richtung “normales” Verhalten. Das ist nicht nur dumm, sondern auch dämlich im Sinne von “taktisch unklug”. Am letzten Spieltag konnten wir nämlich die Auswüchse dessen, wie die “Wilde Horde” sich selbst sieht und wie sie versuchen, sich selbst in die Opferrolle zu bugsieren erleben:

Schaut her, wir armen Kerle, wir werden vom bösen 1.FC Köln gemobbt, wir haben unser Leben diesem Verein gewidmet und nun sollen wir verbannt werden? Pah! Jetzt sind wir erst mal ruhig, jetzt zeigen wir Euch mal was eine Harke ist und dann wird der Sturm der Entrüstung über den effzeh hereinbrechen: Was habt ihr nur mit unserer Kurve gemacht? Wo ist die Stimmung hin? Was soll das alles effzeh?

Erstens, “Wilde Horde”: Ihr seid Täter. Keine Opfer. Immer und immer wieder fallen Eure Mitglieder durch Dummheiten, Überfälle und Körperverletzungen auf. Ich bin weit davon entfernt alle Mitglieder in einen Topf zu schmeissen aber als Gruppe muss man reagieren. So einfach ist das. Da ihr das nicht macht, muss mal halt die Kosequenzen tragen. Und zwar wie ein Mann und nicht wie ein Waschlappen, verdammt noch mal.

Wenn ihr wirklich keinen Ansatz mehr habt, Euch selbst mit dem Verein und dem Spiel zu identifizieren, dann bleibt doch zu Hause. Was stellt ihr Euch denn doof in die Kurve, verschränkte Arme, umgedrehte Banner. Das ist doch albern. Werdet mal erwachsen!

Die Solidaritätsbekundungen, die z.Z. durch diverse andere Ultra-Gruppierungen deutschlandweit gestartet werden, verstören mich. Es wird sich dabei um ein Generationenproblem handeln, klar, das gebe ich zu aber auch damit müsst ihr leben. Ich bin im alten Müngersdorfer Stadion groß geworden und Gott weiß, dass ich auch die eine oder andere Dummheit in meinem Leben veranstaltet habe. Ich war in Offenbach und in Leipzig, bei der Rennerrei in Rostock und beim Chaos gegen die Eintracht dabei, ich bin früher auch mit der Schülerkarte im Block 4 gewesen und war im Riederwald auf den Zug warten, kommt schon, das waren andere Zeiten. Ich bin allerdings nie Teil einer organisierten Szene gewesen und ein Raufbold war ich erst recht nicht. Ich ging und gehe heute noch zum Fußball des Spiels wegen und wegen meiner Leidenschaft für den 1.FC Köln. Das mag ebenfalls dumm und sogar dämlich sein aber das steht ja zum Glück nicht zur Debatte. Was uns von den heutigen Ultras unterscheidet, ist das Selbstverständnis. Früher war der gesamte Auswärtsblock eine Einheit, wir waren alles Kölner. Bei uns gab es keine Unterschiede auch wenn natürlich das eine Grüppchen dort stand und die andere Gruppe dort. Am Ende des Tages waren wir vor allem eins: effzeh-Fans. Die “Wilde Horde” hat dies geändert. Sie denkt, dass sie über den Dingen steht, dass ohne sie nichts läuft und dass nur mit ihr als federführendes Element in der Kurve die Unterstützung gewährleistet werden kann.

Das Gegenteil muss nun bewiesen werden. Die Südkurve muss sich neu erfinden, muss wieder zu den Wurzeln zurückkehren. Sie muss eine Einheit sein, heute mehr denn damals. Wir müssen wieder lernen, was es heißt Fan zu sein. Zusammen aber nicht fremdbestimmt, als Einzelner aber immer in dem Bewußtsein, dass man ohne die anderen Fans in der Kurve oder auch im Oberrang nicht das wäre, was man ist. Leute, reißt Euch mal zusammen, werdet laut, seid auch mal kritisch, von mir aus auch fanatisch aber werdet wieder die Südkurve des 1.FC Köln! Macht was! An die verbliedenen Mitglieder der “Wilden Horde” gilt dieser Aufruf natürlich auch: Macht das, was ihr am besten könnt: Supporten. Seid Teil der Südkurve statt über ihr zu stehen, lasst den anderen Fans Platz zur Entfaltung, lasst Eure Megaphone zu Hause, singt, feiert, flucht mit dem Rest aber seid -verflucht nochmal- nicht dieses verbohrte, beleidigte, Grüppchen Ultras, das ihr gegen den BVB zur Schau gestellt habt. Wenn das nämlich Eure Strategie ist, dann solltet ihr besser zu Hause bleiben und den Platz in der Kurve für andere freimachen. Für Leute die sich nicht um sich selbst herum definieren, sondern durch ihre Liebe zum Spiel und zum Verein. Das was ihr immer predigt. Es liegt an Euch, ihr solltet nur die Eier in der Hose haben endlich mal alle Konsequenzen zu tragen!

6 comments to Ein Appell

  • Fussballfan

    Damit dann, wie gegen Hertha aller 5 Minuten das gleiche Lied (1. Fußballclub Köln) angestimmt werden kann?
    Nach der Karte für Poldi war Fußballstimmung im Stadion, aber davor war auf der Heimseite tote Hose.

    Viele die auf der Süd stehen, stehen doch dort nur noch, weil die Karten billig sind.
    Was bei den Preisen für ein Sitzplatz auch nur verständlich ist.

  • Fussballfan

    Ach nochwas, was soll die Gruppe WH, denn jetzt machen?
    Einfach weitermachen, als sei nichts gewesen?

  • Vielleicht stehen aber in der Südkurve ja auch genau jene, die es eben nicht anders kennen, die eben den Vorturner auf dem Zaun gewohnt sind, die nie die Chance hatte eine eigene Kreativität zu entwickeln. Dass der Prozess der “Reaktivierung” auch nicht in 90 oder 180 Minuten von statten gehen kann, sollte ebenfalls klar sein. Zu Deinem zweiten Post fällt mir nichts ein. Was genau im letzten Abschnitt hast Du nicht verstanden?

  • Max

    Axel, zjm zweiten Mal innerhalb weniger Tage hast Du Dir ein dickes Lob verdient. Vielen Dank dafür, dass Du eloquent ausführst, dass das trotzige Verhalten der wilden Horde einfach nur lächerlich ist.
    Natürlich sind nur einzelne Mitglieder an den Ausfällen beteiligt gewesen. Dann müssen aber die Anderen Mitglieder sich davon distanzieren und Maßnahmen ergreifen. Entschuldigungen, Ausschlüsse, Verhaltensregeln.
    Mich persönlich stört weniger die Gewaltbereitschaft an sich, sondern mehr, dass die Gewalt an Leuten ausgelebt wird, die friedlich, unschuldig und hilflos sind.
    An die Mitglieder der wilden Horde: Ihr könnt Euch gerne mit gewaltbereiten Fans anderer Clubs verprügeln bis die Knochen knacken und die Zähne splittern, aber lasst harmlose Fans, die mit ihren Familien ins Stadion gehen außen vor. Das sind die Spielregeln unserer Gesellschaft, die auch für Euch gelten. Immer. Auch im Stadion. Wundert Euch nicht, dass die Missachtung dieser Regeln zu Sanktionen führt. Und verdammt nochmal: hört auf rumzuschmollen. Ihr habt Euch die Sanktionen durch eine Serie von inakzeptablen Aktionen verdient. Ihr wollt immer eine Gruppe sein, “wie ein Mann” hinter dem Verein stehen. Aber wenn einige Eurer Mitglieder aus der Reihe tanzen, dann ist das mit dem “wie ein Mann” plötzlich vergessen, dann wollt Ihr wieder als Individuen wahrgenommen werden?
    Immer das beste für sich raussuchen, aber niemals mit den Konsequenzen leben wollen.
    Axel hat es treffend formuliert: das tun verwöhnte Kinder.
    Werdet erwachsen, lernt die Konsequenzen Eures Handelns zu übernehmen. So wie jeder andere auch.

  • PaulS

    Puh, auf so viel Ahnungslosigkeit/Unkenntnis ist es natürlich schwierig zu antworten.
    Deswegen halte ich meinen Kommentar mal recht allgemein:
    Es ist einfach nur traurig und lächerlich was in letzter Zeit im Internet verbreitet wird. Jahrelang wünschen sich die Leute, dass die WH endlich aus dem Stadion verschwindet weil sie nicht die richtigen Lieder singen, Mitglieder dies und das getan haben oder sie einfach nur “dumme Kinder” (in diesem Zusammenhang noch besonders bemerkenswert: Schmähgesänge, die natürlich ausschließlich von der WH angestimmt werden, werden kritisiert aber im selben Atemzug werden WH und ihre Mitglieder auf alle möglichen Arten beleidigt) sind. Nun beteiligt sich die WH nicht mehr organisiert (es gibt KEINEN Boykott) an der Unterstützung der Mannschaft und die Leier geht in einer Tour weiter.
    Wenn Ihr Probleme mit der aktuellen Stimmung habt dann geht gefälligst ins Stadion und reisst Euer Maul auf!
    Auch gegen Dortmund wurden in verschiedenen Ecken der Südkurve Lieder angestimmt. Es fehlt einfach an Leuten die in Gesänge miteinsteigen bzw. die es überhaupt interessiert. Das Geschwafel von wegen “an Vorsänger gewöhnt” ist ebenfalls Schwachsinn. Die Leute, die singen wollen, singen auch ohne Vorgabe.
    Die Einschätzung dass die Mitglieder der WH ihre Gruppe über den Verein und andere Fans stellen schlägt dem Fass den Boden aus. Sicher gibt es einige Jugendliche, die über das Geschehen in der Kurve zum FC gekommen sind und sich dementsprechend unreif verhalten. Aber das ist eine kleine Minderheit, die es eben noch lernen muss. Außerdem haben die Leute, die heute immer wieder der WH ihre Vereinsliebe absprechen, doch jahrelang selber nicht gesungen weil die Lieder von der WH kamen. Wer stellt da sein Ego über das des Vereins??
    Deswegen bleibt nur noch zu sagen: Schaltet Euer Internet aus und lebt in der Realität!

  • royalTS

    @ Paul,

    wenn es die oberste Priorität der Wilde Horde gewesen sein soll, die Stimmung im Stadion zu verbessern und den Verein zu unterstützen, warum setzen sie mit einer dummen Aktion – welche lediglich dazu diente ihre eigene Gruppe in der Ultra-Szene zu profilieren – alles aufs Spiel und gehen dabei so über Leichen?

    War es nicht die Intention der Gruppe immer(!) alles für den Verein zu geben?

    Die Maßnahmen, die der 1.FC Köln ergriffen hat, waren absehbar. Nach Spielen in Bochum oder Leverkusen, wo Blöcke gestürmt wurden und dort Ordnungskräfte massiv zu Schaden kamen, nach dem Trainingslager in Österreich, wo in der Ortschaft randaliert wurde und nach dem Heimspiel gegen München, wo ein Polizist grundlos zusammengeschlagen wurde war die Busattacke nur die Spitze des Eisbergs und dem FC blieb keine andere Wahl, zumal die Wilde Horde sich ja auch nicht an ihre Auflagen gehalten hat, regelmäßig mit der Polizei zu kommunizieren.

    Ich hoffe inständig, dass der zentrale Platz da unten für eine friedliche Gruppe geräumt wird, die den Verein bedingungslos unterstützt und die ihre Unterstützung nicht davon abhängig machen, wie viele Missetaten
    der Verein ihnen durchgehen lässt.

    Wer sich an diesem zentralen Ort der Südkurve niederlässt und im Support nicht 100% Vollgas gibt, sabotiert den Verein in dieser kritischen Lage!

Haut rein, schreibt mir was!