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Mitgliederversammlung 2017

Es ist kurz nach zwei in der Nacht, ich fahre über die Innere Kanalstrasse. Grüne Welle. Die Strassen sind leer, eine ganz normale Montagnacht in Sülz. Nichts deutet darauf hin, dass wir eben in der Arena einen Abend erlebt haben, der für unseren Verein ein schlimmer war. Nicht wegen des abgelehnten Antrags, nicht wegen einer demokratischen Entscheidung, diese ist zu akzeptieren, es geht nicht anders und das ist auch gut so. Nein, es darf in diesem Verein kein Hinterfragen der Mitgliederentscheidung geben, egal ob ich das Ergebnis jetzt gut oder schlecht finde.

Punkt.

Es ist das Zustandekommen und die Begleitumstände der Abstimmung, ja der ganzen Mitgliederversammlung, die mich ratlos und ernüchtert zurück lassen. Ich will jetzt hier nicht nacherzählen, soll ein jeder die Aufzeichnung auf fc-tv schauen oder die diversen Ticker lesen, ich will mir nur ein paar Punkte von der Seele schreiben, die mich gestern zum einen wirklich erstaunt und zum anderen auch getroffen haben.

Die Organisation:
Im besten Fall möchte man sie kölsch nennen. Nichts hat geklappt aber es wurde viel gelacht. Beim check-in gab es an verschiedenen Lines nur noch unterschiedliche Bändchen für Ober- und Unterrang. Hier nur noch schwarz, dahinten nur noch rot. Dahinten ist ein Meter weg. Okay, interessiert im Zweifel eh niemanden, weil man einfach in die Blöcke gehen konnte, wie man wollte. In der Vergangenheit war das so etwas wie Crowd Control, heute war es sinnlos. Viel zu viele Menschen waren anwesend, als dass Ordner noch ernsthaft nach Bändchen geguckt hätten. Hatte was vom Emirates: Alle rein, mir doch egal wo. Der Innenraum war um halb sieben bereits voll, wir mussten in den Oberrang. Dieser war nicht beleuchtet und die Sound-Anlage war ausgeschaltet. Die Wahlunterlagen konnten nur mit Hilfe der Handy-Taschenlampe gelesen werden, ebenso das Display auf den Abstimmungsgeräten. Die ganze Arena lag eigentlich im Dunkeln aber im Innenraum und im Unterrang schimmerte wenigstens ein wenig Rotlicht durch die Gegend. Bei uns war es finstere Nacht.

Hey, macht mal Licht an! Das kann doch nicht so schwer sein. Ob das jetzt Unvermögen oder Strategie war? Keine Ahnung und ich bin auch weit von Verschwörungstheorien weg aber komisch ist es schon, dass man in einer Versammlung die Wahlunterlagen wegen fehlendem Licht nicht studieren kann. Naja.

Die Beschallungsanlage war ebenfalls ausgeschaltet, d.h. man konnte schon hören, dass auf der Bühne gesprochen wurde, nur eben nicht was. Werner Spinner lächelte dies nonchalant weg und begann nichts desto trotz mit der MV. Es gab ein paar Pfiffe und Zwischenrufe aber insgesamt war das Publikum um mich herum sehr ruhig, fast apathisch. Es wurde sich auch kaum unterhalten. Die saßen da und klatschten, obwohl man Spinner gar nicht verstehen konnte. Nach zehn Minuten war die Anlage hochgefahren und/oder ein Techniker hat auf den On-Knopf gedrückt, es klappte dann.

Irgendwann kurz nach acht wurde es auch etwas heller. Knaller. Wir konnten jetzt hören und sehen was los war. Nun sollten die Abstimmungsgeräte noch getestet werden. Bei mir hat’s geklappt, bei allen anderen in meinem Umfeld auch aber anscheinend waren erstmal zu wenig von den Teilen vor Ort gekarrt worden und zum anderen haben (Aussage des Technik-Chefs) ca. 1000 Geräte kein Ergebnis übermittelt.

Das, liebe Freunde ist der 1.FC Köln: Selbstbesoffen bis zum völligen Kontrollverlust. Werner Spinner sprach in (einer) seiner Rede(n) von der Angst sich in ganz Deutschland zu blamieren, wenn man einen Investor ablehnt aber sie bekommen es selbst nicht hin eine MV so zu organisieren, dass es wenigstens nach Außen den Anschein hat, dass es klappt. Und, damit wir das Königsargument direkt aus dem Saal treten können: Doch, sie mussten mit dieser Masse an Menschen rechnen, denn sie haben sie selbst bestellt. Mit der Hoodie-Aktion ziehst du Leute an, die sonst im Leben nicht vor die Tür gegangen wären, wir haben es ja gesehen. Natürlich wussten die was auf sie zukommt, natürlich wussten die, dass sie nicht mit Unterrang und Innenraum hinkommen und natürlich wussten sie auch, dass man mehr Geräte hätte beschaffen müssen.

Und wenn sie es nicht wussten, dann sind sie Dilettanten.

So musste per Papier abgestimmt werden. Die Auszählung war gegen 1:20 Uhr beendet.

Die Reden:
Die Vorstandsreden, egal ob es um Rechenschaftsberichte, um die sportliche Entwicklung oder die Arbeit der Gremien ging, waren durchzogen von einem Thema: Angriff auf die Initiative 100 % FC. Besonders im Angriffsmodus waren Spinner und Wehrle, die das ganze auch auf die persönliche Ebene brachten, die von Misstrauen und Spaltung der Familie sprachen. Spinner betonte, dass es keinen Investor geben wird, sprach einen Halbsatz weiter aber von strategischen Partnern, die für einen Stadion-Neubau benötigt werden. Wehrle zerlegte das Ausbaukonzept Müngersdorf und stieß damit ins gleiche Horn. Bei China geht es um Völkerverständigung, darum die Welt besser zu machen und Kindern den Spaß am Fußball nahe zu bringen. Hat nix mit Geld zu tun. Und im Hintergrund leckten sich zwei Einhörner gegenseitig die Eier. Is klar.

Das war ein bisschen zu dick, ein bisschen zu viel Sorge, die da durchschmierte. Es war zu aggressiv gegen den Antrag, der anscheinend (ich spekuliere hier nur) bei Annahme einiges in der kurzfristigen Planung des Clubs hätte kaputt machen können. Man spürte es eigentlich in jedem Satz: Ja, wir werden verkaufen, ja wir werden ein neues Stadion bauen.

Schmadtke habe ich mir zum großen Teil gespart, was soll da kommen?

Ich muss aber leider auch einen Kritikpunkt an die Initiative richten: So gut die Rede zur Vorstellung des Antrags inhaltlich war, so unglücklich war sie umgesetzt. Sie kam mir schon einigermaßen pastoral, ja fast gebetsmühlenartig vor und hat mit dem Ton leider niemandem in meinem Block, der nicht eh vor hatte mit Ja zu stimmen, abgeholt. Da hätte etwas mehr Pep gut getan. In der freien Aussprache zu diesem Punkt hat Stephan Schell von der Wilden Horde gezeigt, wie man dieses Publikum angehen muss: Emotional und an Werte erinnernd. Das war sehr, sehr gut.

Es gab auch ein paar kurze Sätze zu London, alles war toll, der 1.FC Köln ist der beste Verein der Welt, die Fans sind kurz vor der Seligsprechung und überhaupt sei man so stolz auf alles. Hat sich vor zwei Wochen noch alles sehr anders dargestellt…

Die schlimmste Rede des Abends hielt Stadionsprecher Michael Trippel, der die Karte “wollt ihr irgendwann vierte oder fünfte Liga spielen” zog. Das war Politbüro-Stil. Eines 1.FC Köln unwürdig.

Das Publikum:
Beseelt von Werner Spinner und den (tatsächlich guten) Zahlen Wehrles wurde jeder Angriff gegen die Initiative mit großem Applaus bedacht. Die Aussagen zu London wurden bejubelt und als Wehrle ankündigte, dass zu wenige Hoodies da sind wurde es plötzlich leer. Später sprach man von Tumulten und körperlicher Aggression. Wegen eines scheiß Pullovers! Mehr kannste eigentlich gar nicht sagen.

Fazit:
Machen wir uns nichts vor, der gestrige Tag war eine Niederlage für den 1.FC Köln. Es steht für mich völlig außer Frage, dass wir in den nächsten Jahren den Verein verlieren werden, dass REWE einsteigen wird, dass ein neues Stadion gebaut wird und dass das auch von einem Großteil der Mitglieder so gewollt ist. Die hören Einnahmen und von Bayern München lernen, die hören 70.000 Zuschauer und oberes Drittel der Bundesliga (Bayern, BVB, Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg, Schalke, Gladbach… da sind wir bei acht, der effzeh macht neun, im oberen Drittel haben sechs Mannschaften Platz…) und wie toll alles sein wird und liegen sich in den Armen.

Es wird zu dramatischen Veränderungen kommen. Wir, die wir hoffnungslos in den Fußball verliebt sind, die wir seit Jahren wirklich “durch dick un durch dünn” mit diesem 1.FC Köln gegangen sind, wir sterben aus, wir sind nicht mehr zeitgemäß und sollten, nein, müssen die Konsequenzen ziehen. Die Mehrheit der Mitglieder will etwas anderes, das ist, ich wiederhole mich, zu akzeptieren.

Vielleicht hat der 1.FC Köln mit dieser Strategie der Entfremdung Erfolg. Vielleicht kommen 70.000 Zuschauern zu den Spielen und vielleicht werden sie 2020 deutscher Meister, was weiß ich denn? Es wird wohl nie soweit kommen, dass ich dem nicht wohlwollend gegenüber stehen werden aber die Erkenntnis des Abends ist einfach:

Der Verein stirbt.

Tschüss effzeh.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

11 comments to Mitgliederversammlung 2017

  • Es tut weh das zu sehen.
    Die alten Wunden platzen wieder auf.

    Deine letzten drei Sätze. Es tut mir so leid.

  • Es tut mir fürchterlich leid für dich und die Anhänger des e.V. Ich weiß, wie weh so eine Niederlage tut und wie verzweifelt man da steht, und die ganze Zeit denkt “Warum sehen die das denn nicht ein, dass es um das Wohl des Vereins geht? Dass demokratische Kontrolle etwas gutes ist?” Die Erkenntnis, dass man als mündiges Mitglied einfach nicht erwünscht ist, sondern nur als zahlender (und gefälligst immer positiver) Unterstützer gerne gesehen ist, ist sehr, sehr schmerzhaft. Ich drücke die Daumen, dass euer strategischer Partner zumindest kein KlauMi ist.

  • SH

    Grüße aus Hannover – Kommt einem bekannt vor…

  • DH

    Der Verein stirbt?

    Watt ne depperte Verzäll….

  • Maneater

    “vielleicht werden sie 2020 deutscher Meister” als Aufsteiger aus der zweiten Liga wohl undenkbar…

    Danke für den Bericht – man scheint bei den Vereinsstrukturen wieder da angekommen zu sein, wo man 2012 dachte das man sie so ähnlich wie in den Jahren vor 2012 nie wieder beim EffZeh sehen würde. Der neue Klüngel und die alte Selbstverliebtheit…

  • Günter Mosblech

    Das Spinner die letzte Wortmeldung vor der Abstimmung hatte riecht doch etwas nach Manipulation.
    Das letzte Wort von Schell hätte weniger Neinstimmen gebracht.
    Wer macht die Rednerliste so passend?

  • Ursula SCHÖN-HERRMANN

    Ich hatte den ganzen Abend ein intensives Gefühl der Inszenierung, sonst wurde inmer wegen defekter Technik gemault. Gestern alles gar kein Problem. Ich glaube, die Pläne sind deutlich weiter gediehen als beschrieben: Stadion in Marsdorf, Investoreneinstieg, alles schon auf dem Tisch. Sonst hätte man das nicht so vehement negieren müssen.

  • Hans

    Mitgliedervereinsdemokratie finden wir nur gut wenn sie in unserem Sinne entscheidet.

  • Mr. X

    Erstmal vorweg, man kann über die geplanten Dinge (Stadion, Investoren etc.) geteilter Meinung sein. Es gibt gute Gründe dafür und auch dagegen. Es wäre aus Vereinssicht krass fahrlässig, sich nicht darüber Gedanken zu machen, wie die finanzielle Situation optimiert werden kann. Auch gibt es gute Gründe, eine Satzungsänderung zu gefühlt mehr Vereinsdemokratie zu beantragen. Der Antrag wurde eingereicht, der Antrag wurde diskutiert, der Antrag wurde abgelehnt. Nicht mehr und nicht weniger. Das nun der Verein sterben soll, kann ich nicht nachvollziehen und ist doch arg übertrieben. Das klingt eher nach gekränkter Fanseele, getreu dem Motto, Demokratie ist nur dann gut, wenn sie in meinem Sinne ist. Alleine die verklärte Diskussion zum Stadion macht mich wahnsinnig. In der guten alten Zeit sind zum Traditionsstandort Müngersdorf regelmäßig 10.-15.000 Leute gegangen. Und da spielte der 1.FC Köln um die Meisterschaft und internationale Plätze. Da ist arg viel Verklärung dabei.

  • […] einen emotionalen Rückfall in das Jahr 2014. Axel hat über die Jahreshauptversammlung des Effzeh geschrieben und ich erinnerte mich, wie es 2014 für mich war als ich merken musste, dass mein Verein mich […]

  • […] werde, dass ich den Weg nicht mitgehe. Highlight hierbei war die Mitgliederversammlung, über die Axel bereits ausführlich berichtet hat. „Strategische Partner“, ein eventueller Neubau des […]

Haut rein, schreibt mir was!