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Weird Wednesday

Übermorgen wird also gelost. In Monaco. 13 Uhr. Und? Vorfreude? Aber ja. Aufgeregt bin ich. Wie Sau. Fahren wir nun irgendwo nach Kasachstan? Oder wird es Zulte Waregem? Müssen wir hektisch Flugreisen planen oder reicht der 9er Bus? Ich werde vor dem Fernseher sitzen und mir wird das Herz im Hals schlagen. Ja, doch, ich freue mich sehr auf Freitag. Abends dann noch das Spiel gegen den HSV, ein paar Bierchen trinken und sich in die Arme fallen. ‘Haste schon gebucht?’ ‘Alter, hast Du die Liste gesehen?’ ‘Mann, Mann, Mann, ich kann es nicht erwarten’. Und dennoch ist da der ‘kleine nie zufrieden Mann’ in meinem Kopf, der sich heute wieder Futter bekam. Der effzeh hat den ruhigen Mittwoch Vormittag genutzt um ein paar Sachen kundzutun:

1. Es wird ein Premium-Reiseangebot des effzeh geben. Heißt übersetzt: Karten sind geblockt und werden in diesem Bundle verkauft. Man muss sich also als Neckermann nicht mit dem Mitglieder-Pöbel in den Lostopf begeben, sondern bekommt seine Karten ganz bequem in der Pauschale. Interessant auch, dass der effzeh diese Angebot nicht nur an Mitglieder, sondern auch an Partner richtet. Es bietet sich also an zu denken, dass das z.B. für Firmen eine schöne Art und Weise ist mit Geschäftspartnern einen kleinen Trip zu unternehmen, oder? Diese geblockten Karten gehen vom Kontingent weg (wie soll es sonst sein?), also bleiben weniger für den Lostopf. Mein Problem damit ist nicht die Reise an sich, mein Problem sind die geblockten Karten. Warum hat der Mensch der diese Pauschalreise (gemeinsames Tages- bzw. Abendprogramm – heilige Scheisse) kaufen kann ein anderes Anrecht auf den Besuch des Spiels als ich. Oder als der Opa, der seit 1963 nach Müngersdorf geht und seine schmale Rente jedes Jahr im Sommer einmal stauchen muss, weil die neue Dauerkarte fällig wird? Natürlich kann ich den effzeh wirtschaftlich verstehen. Das nimmt man gerne mit und mit jedem verkauften Premium-Paket hat meinen einen potenziellen Asi aus dem Stadion raus. Nee, nee, das macht schon Sinn. Nur, muss ich das goutieren? Muss ich da dem Verein auf die Schulter klopfen?

Nehmen wir einmal an, wir bekommen wirklich Zulte Waregem zugelost. Das Regenboogstadion fasst 9.540 Plätze. Davon gehen 10% anscheinend sind es nur 5%, wie mir gerade gesagt wurde an den effzeh. Macht lässige 954 477 Auswärtskarten. Und von den paar Karten sind dann also nochmal was weiß ich wie viel (der effzeh gibt natürlich keine Auskunft – er antwortet einfach nicht) schon für die Premium-Reise geblockt? Na herzlichen Glückwunsch.

Natürlich könnte man mit einem Partner eine solche Reise auch nach Verlosung anbieten. Wer Glück hat, eine Karte bekommen hat aber keinen Bock auf Stress und Planung hat, wer es sich leisten kann, der kann das dann buchen und alles wäre gut. Natürlich würde diese Angebot angenommen werden, denn wie eben schon auf Twitter diskutiert ist nicht jeder Fan abenteuerlustig oder geldtechnisch nicht in der Lage das Angebot anzunehmen. Ich gehe stark davon aus, dass das für mich auch im Bereich des machbaren wäre aber darum geht es doch gar nicht. Die Diskussion hat nichts mit Sozialneid zu tun, sondern mit der Bevorzugung bei der Kartenvergabe.

Leute, Leute, ich warte genauso wie alle anderen seit 25 Jahren auf diesen einen Tag. Und weil ich vielleicht mit einer Gruppe allein anreisen will, weil ich keine Lust auf ein gemeinsames Tagesprogramm mit Animation und Toni Schumacher als Grüßaugust habe, habe ich auf einmal schlechtere Chancen? Und das wird auch noch verteidigt? Ja geht’s denn noch?

Nö. Es zeigt sich, dass die Entfremdung zwischen Vereinsspitze und “normalem Fan” so weit fortgeschritten ist, dass ich schwarz sehe, ob da in Zukunft noch etwas zu kitten ist. Es geht um Kohle, nicht mehr um “spürbar anders”. Das ist jetzt nicht sonderlich überraschend aber gerade beim Thema Europa tut es schon sehr weh. Der 1.FC Köln als romantischer Fußballverein ist eine lange entschwundene Phantasie. Haste Kohle und machst unseren Scheiss mit, hier, bitte, Deine Karte. Ansonsten ziehen wir halt noch ein paar Karten für den Pöbel, es soll ja auch stimmungsvoll werden. Diese Denke geht heute noch gut. Morgen nicht mehr.

2. Hier schließt die zweite Meldung des Mittwoch nahtlos an: Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Stadionausbau liegt vor und ist (vorsichtig umschrieben) eher ernüchternd für den Standort Müngersdorf. Es war ja schon seit Monaten so, dass wir mit dem schlimmsten rechnen mussten aber in dieser Stellungnahme des 1.FC Köln ist so wenig Platz für Interpretation, dass es schon fast wohltuend ehrlich ist: Müngersdorf wird nix, wir müssen einen anderen Platz finden. Ob nun Kerpen oder rechtsrheinisch ist egal, es wird weg aus Müngersdorf gehen und damit macht der effzeh wahrscheinlich den Schritt, der ihn für mich völlig kaputtmachen wird. Vielleicht ist das neue Stadion immer noch voll. Vielleicht wächst eine neue Generation von Fans heran, die Müngersdorf nur aus Erzählungen kannten, vielleicht wird das alles so geräuschlos ablaufen wie in München. Kann sein. Es wird für mich das Ende des Fansein sein. Der 1.FC Köln gehört nach Müngersdorf. Das ist in meinen Augen auch gar nicht diskutabel. Da kann es doch keine zwei Meinungen geben. Und wenn man nicht größer bauen kann, dann bleibt man eben bei 50.000 Zuschauern. Liverpool sitzt seit 1884 in Anfield und auf 45.000 Zuschauern fest. Jetzt bauen die zwar auf 60.000 aus aber glaubt ihr jemand käme auf die Idee zu sagen: Jungs, wir können für jedes Spiel 100.000 Chinesen einschiffen lassen, lasst mal ein neues Stadion in Kirkby oder so bauen? Natürlich nicht. Weil es identitätsstiftend ist, weil es zur Geschichte des Vereins gehört. Fragt mal 100 Leute in welchem Stadtteil von Bremen / Augsburg / München / Stuttgart etc.pp. das Stadion des Vereins liegt. Ich weiß es nicht. Fragt die gleichen 100 Nicht Kölner Fußballfans und jeder weiß, dass es Müngersdorf ist (okay, der alte Name ist ein Hinweis aber der ist ja auch schon lange nicht mehr da). Es gehört zur DNA des 1.FC Köln, dass die Heimspiele in Müngersdorf ausgetragen werden. Alles andere ist unvorstellbar.

Und doch wird es so kommen. Wir werden den Verein nicht mehr wiedererkennen. Karten für Europa? Garantiert nur für Sponsoren, Firmen und Geldsäcke. Müngersdorf? Überbewertet. Darum: Dieses Jahr noch alles mitnehmen. Einmal noch durch Europa tanzen. Ein letztes weißes Taschentuch schwenken und tschüss sagen.

Es waren aufregende Jahre.

3 comments to Weird Wednesday

  • Dennis

    Traurig. Das ist das Wort was mir nach dem Lesen des Artikels einfällt.

    Ich kann mit meinen naiven 29 Jahren (und der damit noch nicht so tiefgreifenden Erfahrungen mit dem effzeh wie manch andere) nur hoffen, dass es nicht so kommt. Das weiterhin in Müngersdorf gespielt wird. Das der effzeh nicht komplett als Business-Model vermarktet wird..

  • Lino

    Wie oft habe ich in den letzten Jahren geschworen, zum ersten EL Spiel zu fahren. Privatinsolvenz hin oder her. Wie oft saß man abends an der Theke um zu träumen und sich wahlweise Wunschgegner zu wünschen oder Witze darüber zu machen, dass es eh nur nach Venlo gehen würde.
    Übermorgen ist der große Tag. Und ganz ehrlich? Mein Gefühl derzeit: Wenn da nichts brauchbares aus dem Lostopf fällt, ist das halt so. Ich stelle mich darauf ein kein Ticket zu bekommen, falls es anders kommt, schön. Und wenn es kein Ticket für mich gibt und die Ziele mir zu blöd erscheinen im hinzufahren, geht meine Welt nicht unter. Mein jüngeres Ich verpasst mir für diese Einstellung eine, aber ich kann es nicht ändern. Es ist einfach ein Gefühl der letzten Wochen.

    Ich bin der, der in Aue wieder treudoof im Gästeblock steht.

Haut rein, schreibt mir was!