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Ausgeschaefert

(c) fc-koeln.de

Heute Mittag kommt die Eilmeldung: Frank Schaefer teilt dem Vorstand mit, ab Saisonende nicht mehr als Trainer der Lizenspielermannschaft zur Verfügung zu stehen. Der EXPRESS freut sich zum Schänzchen, die Auflage wird wieder mal für zwei Tage hochgefahren werden können.

Mensch, was für ein Typ uns da verloren geht. Bodenständig, offen, selbstbewußt, selbstreflektierend, bescheiden, intelligent, eloquent und dennoch kölsch. Ja, das muss sich nicht zwangsläufig ausschliessen!

Auch wenn sich die Tendenz in den letzten Wochen abzeichnete, der Zeitpunkt und letztlich das Ergebnis ist für mich ein Desaster. Schaefer bleibt sich aber bis zum Schluss treu, denn, dass die Entscheidung heute bekannt gegeben wurde, begründet er mit der Aussage, dass er damit Klarheit schaffen wolle, da er den Eindruck hat, dass die Mannschaft durch die unklare Situation verunsichert wirke. Nun ja. Ob eine Profimannschaft sich dadurch, dass sie nicht weiß sie im nächsten Sommer trainieren wird, zu verunsichern ist, sei mal dahingestellt. Schaefer hat jedoch den Handlungsbedarf gesehen und handelt -in seinen Augen- zum Wohl des Vereins. Das muss man erstmal sacken lassen.

Natürlich ist die Entscheidung zu akzeptieren, zu respektieren und es bleibt uns wohl nicht mehr als ihm alles Gute zu wünschen. Er scheint dem FC ja als U23-Trainer weiter erhalten zu bleiben. Doch, wir müssen auch über das Wie und Warum nachdenken. Was gab denn nun den Ausschlag für die “Kündigung”? Ich bin nicht Frank Schaefer, ich kenne seine Gedanken nicht. Ich kann nur das wiedergeben was ich gelesen, gehört oder gesehen habe und bestenfalls einen Indizienprozess führen. Zum Glück kann mich daran (vorerst) niemand hindern:

Die Hauptschuldigen sind -in meinen Augen- zu beinahe gleichen Teilen die Mannschaft, Horstmann, Overath, Finke und die DuMont-Presse. Doch, fangen wir vorne an.

Nachdem Schaefer der mehr als toten Mannschaft wieder Leben eingehaucht hatte, sogar der Vorstand nicht mehr von einer Interimslösung sprach und Volker Finke zum x-mal in der Presse verlauten ließ, dass er nicht mehr in Laune sei ein Traineramt zu übernehmen, war es unter den Fans, die ja von Anfang an Schaefer große Unterstützung zukommen ließen, eigentlich schon klare Sache: Mit dem Mann muss es weitergehen, der mistet aus, der nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten und dem Klüngel schien er auch nicht verfallen zu sein. Wie lange hatten wir uns nach einer rational handelnden, dennoch tief in dem Verein verwurzelten Persönlichkeit mit Erfolgshunger und (anscheinend) guter Grundausbildung gesehnt. Der Mann war wie gemacht für einen Neuanfang.

Erste Reibereien mit den älteren, sogenannten Führungsspielern, hätten uns aber schon zu diesem frühen Zeitpunkt als Alarmsignal dienen können. Die Farce um Mohammad, die Finke auf den Plan rief, müssen wir hier nochmal näher beleuchten. Im Winter nimmt Frank Schaefer dem Libanesen -ohne ihn zu fragen, er ist der Trainer- die Kapitänsbinde weg um sie Lukas Podolski zu übergeben. Mohammad ist schwer beleidigt und verständigt schnell seinen EXPRESS-Vertrauensmann: So geht man nicht mit mir um, ich suche einen neuen Verein. Hätte er das mal besser gemacht, denn die Saison die Mohammad dieses Jahr abliefert ist, gelinde gesagt, für den Arsch. Der Mann ist Profi, verdient wohl so um die 800.000 Öcken im Jahr, da ist kein Platz für schmollen. Doch, Mohammad heizt die Stimmung so auf, dass sich Finke einschaltet, Mohammads Trainer aus Freiburger Zeiten und -nach eigener Aussage- so etwas wie ein Ziehvater für ihn. Er bleibt, spielt aber ohne jede Leidenschaft die Saison weiter. Da unsere Abwehr aber sowieso ein Torso ist, bleibt er weiter in der Startelf, es fehlen die Alternativen. Aus dieser Geschichte entwickelt sich die Opposition der alten Männer. Mohammad, Petit, Ehret. Alle unzufrieden mit dem neuen Trainer, der keine Rücksicht auf die Vergangenheit nimmt und noch weniger auf Namen. Den Höhepunkt konnten wir am Samstag bewundern als Petit -völlig zu Recht- ausgewechselt wurde und nicht den Anstand hat mit dem Trainer abzuklatschen. So macht man natürlich auf die Unruhe in der Mannschaft aufmerksam und schürt das Interesse: Was läuft da schief? Warum hat Schaefer die Mannschaft nicht im Griff und ist er der Situation überhaupt gewachsen?

Doch, der weiterer Saisonverlauf (ich springe wieder ein wenig zurück) verlief ja durchaus zufriedenstellend für den FC. Nach dem überragenden 4:0 gegen Hannover gibt Geschäftsführer Claus Horstmann dem KStA ein Interview das so bizarr ist, dass man es in die aktuelle Fragestunde des Bundestages einbetten könnte. So windelweiche Ausflüchte gibt es eigentlich nur bei Politikern die sagen dass man erstmal die UNO-Resulotion abwarten muss um festzustellen ob man Krieg führen kann obwohl die Truppen schon aufgezogen sind. So liest sich das. Ich verlinke nicht mehr auf DuMont (jedenfalls nicht mehr in diesem Artikel, meistens lässt es sich ja nicht vermeiden, wenn es um den FC geht) aber wer das Interview selbst lesen will: hier den ersten link klicken.

Jetzt ist es die ursächliche Aufgabe des Journalisten zu fragen, doch Schaefer hatte letztlich unmissverständlich klargemacht, dass eine Antwort, ob er denn nun bleibt oder nicht, erst nach dem (hoffentlichen) Klassenerhalt fallen und/oder kommuniziert wird. Dennoch wird er jede Woche aufs Neue drangsaliert. Klar, das ist Teil des Geschäfts, das ist Teil des Gehalts, dass man ja auch zu Teilen als Schmerzensgeld auffassen kann. Vielleicht ist er dafür einfach nicht gemacht, kann ja sein. Dass die Journallie aber so wenig vom “echten” Frank Schaefer hatte, muss dem EXPRESS schwer gestunken haben. Bei Daum hatte man jeden Tag was zu schreiben, bei Stevens war wenigstens noch die Frau krank, Soldo war so introvertiert, dass man sich selbst was ausdenken konnte, der hat sich ja nicht gewehrt. Dann kommt Schaefer und alles was wir wissen ist, dass er die U23 trainiert hat. Sogar sein Bibelkreis ist ja lange, lange Zeit kein Thema gewesen. Es scheint als hätten sich die Herren Gassmann und Wagner die Zähne ausgebissen. Das kann natürlich nicht sein, dass ein Trainer des FC -in Köln sicher die wichtigste Person des aktuellen Zeitgeschehens- kein Interesse an einer Homestory hat und die Mechanismen der Branche weitesgehend ablehnt. Zum Glück gibt es ja noch den Vorstand, der redet. Und redet. Und redet. Und nichts sagt. Overath ließ sich erst in den letzten Wochen dazu herab klarzustellen, dass man mit Schaefer verlängern würde, wenn der denn wolle. Ob das Kind nicht da schon in den Brunnen gefallen war?

Finke teilte letzte Woche in der EXPRESS mit, dass “die Religion” die Crux sei. Das kann man auch diplomatischer ausdrücken. Zudem kommen vermehrt Berichte, dass Finke sich in die Trainerarbeit (Analyse, Taktik) einmische und sowieso eher herrisch also teamorientiert handeln soll. Dass die Mannschaft das merkt und sich denkt: Hmm, der Trainer ist sowieso nicht Herr im Haus, warum soll ich da jetzt groß was drauf geben, wenn der mir was sagt, kann man sogar verstehen. Wenn mein Chef mir ‘ne Aufgabe gibt und sein Chef ihm -vor versammelter Mannschaft- sagt, dass sei Blödsinn, dann denk ich mir auch meinen Teil.

Verdammt, ich hatte unglaublich große Sympathien für Schaefer als Cheftrainer vom FC. Jetzt müssen wir uns wieder mit den üblichen Verdächtigen rumschlagen. Ganz vorne auf der DuMont-Liste steht Michael Skibbe. Überraschenderweise noch vor Spongebob Schwammkopf. Jetzt haben sie auf jeden Fall täglich was zu schreiben, denn die ganzen Gerüchte verbreiten sich ja nicht von selbst.

Mourinho ist wohl vertraglich noch an Real gebunden, van Gaal wird sich nicht so gut mit Finke verstehen und Arsene Wenger hat schon klargemacht dass er nur über einen Wechsel nach Köln nachdenkt, wenn Fabrice Ehret verlängert. Der Franzosen-DJ zögert aber noch. Tja, lassen wir uns mal überraschen. Was macht eigentlich Lothar Matthäus?

5 comments to Ausgeschaefert

  • Schmierwurst

    Eine Schande, daß es die Kölner Lokalpresse geschafft hat. Und eine Schande, daß wir dadurch einen Trainer verlieren, den wir uns nicht besser hätten wünschen können.
    Widersprechen möchte ich Dir lediglich hinsichtlich der Rolle, die Du dem Vorstand beimisst. Ich finde, sowohl Overath als auch Horstmann haben es genau richtig gemacht, sich bei Fragen hinsichtlich der Zukunft nicht anders zu äussern als Schaefer: “Abwarten bis der Klassenerhalt sicher ist”. Alles andere wäre Schaefer gegenüber respektlos gewesen – er selber hat diesen Zeitpunkt festgelegt. Hätten Overath und Horstmann schon im Januar oder Februar gesagt, ein neuer Vertrag liege Schaefer vor, es hätte m.E. ihn nur unnötig unter Druck gesetzt. Und auch Finkes Aussage, der Glaube sei einer der Gründe die Schaefer zögern lassen, halte ich doch für eher harmlos. Es waren doch wieder die DuMonts, die das künstlich aufgeblasen haben.

  • Ich finde man kann ein klares Bekenntniss zum Trainer abgeben ohne ihn unter mehr Druck zu setzen, den er eh schon hat. Overath hätte vor langer Zeit sagen können, dass Schaefer einen tollen Job macht, dass er wie gemalt ist für den FC, dass er sich wünschen würde dass Schaefer verlängert. Nichts davon ist passiert.

    Horstmann darf das Interview so nicht geben. Auch er muss um die mediale Gewalt DuMonts in dieser Stadt wissen und sich aus der Frage raushalten. Warum sagt er nicht einfach: “Sie kennen die Aussage des Trainers, bisher gibt es nichts Neues, ich habe nichts zu vermelden.”? Warum schürt er das Feuer indem er so einen Satz sagt, dass man sich nach der Saison überlegen muss: “Was ist die richtige Entscheidung für den 1. FC Köln”?

    Zu Finke: Losgelöst sehe ich auch kein Problem in dem Inhalt des Interviews aber als Sportdirektor des 1.FC Köln muss ihm klar sein, dass er dem EXPRESS eine Steilvorlage bietet. Es ist also mindestens fahrlässig, wenn schon nicht böswillig.

    Aber klar: Letztlich kann man die DuMont-Presse schon der Brandstiftung für Schuldig sprechen, nur die Fackeln kamen aus dem Verein selbst.

  • Malzi

    So lange der doofe Overath da rumläuft, wird sich beim FC nicht ändern. Nichts. Gar nichts.

    Ich glaube, jetzt kommt Herr Littibarski und führt den Libero wieder ein.

    Wünsche allen frohe Ostern – außer Overath, dem wünsche ich nur dicke Eier.

  • pedi

    wenn der finke irgendetwas damit zu tun hat soll er ganz
    schnell wieder nach japan gehen

  • […] Nun, vom Jetzt aus betrachtet tragen die letzten Monate die eindeutigen Züge einer Intrige, eines abgekarteten Spiels. Im Winter schöpften wir Idioten doch tatsächlich wieder Hoffnung. Mit Frank Schaefer stand uns ein Trainer zur Verfügung, der uns ein Vorbild war. Ich reiße das jetzt nicht mehr einzeln ab, sondern verweise auf den letzt-wöchigen Eintrag “Ausgeschaefert“. […]

Haut rein, schreibt mir was!