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Die Pfeifen im Walde

Bloß nix mehr über die Pfiffe schreiben. Es wurde doch schon alles gesagt. Es wurde doch schon als lächerlich enttarnt. Auf die Vollidioten, die beim Spiel gegen Freiburg ihren Mund nicht halten konnten, die ab der 40. Minute ihre Abscheu über das, was denn da auf dem heiligen Rasen von Müngersdorf ihren entsetzten Augen geboten wurde, geboten wurde mit Pfiffen und Gezeter und Weltuntergang reagierten, auf eben jene Kreaturen können wir doch verzichten, oder? Wir sind besser als das. Wir sind die Gralshüter der Fankultur, die einzig wahren Schützer der Flamme.

Nein!

Herrgott nochmal! Damit darf es nicht genug sein.

Heute nicht. Eine kurze Onlinelektüre reicht aus, um die Dimension der Pfiffe für den 1.FC Köln abzusehen. Die Unruhe im Stadion produziert sich (wie nicht anders zu erwarten) auf die bekannte Kölner Nörgelpresse, die sicher schon begierig mit ihren gespaltenen Hufen scharrten, die lange Zeit erkannten, dass die Meldungen um einen neuen, ruhigen, ja teilweise erfolgreichen 1.FC Köln auch Klicks und Auflage brachten auch wenn sie es ihnen ja eigentlich auf die Nüsse geht, dass es so wenig zu beschweren gab. Der Journalist ist auch immer der bessere Trainer, Präsident und Sportdirektor, dieses Recht haben die Fans nicht exklusiv. Der Stadtanzeiger und der Express betonen natürlich, dass die „schlimmen Pfiffe“ der Mannschaft und dem Trainer wehgetan haben und dass das nicht sein muss aber letztlich schreiben sich die Artikel dann doch von alleine:

„Spielerischer Stillstand“
„kein Spiel nach vorne“
„fußballerisches Vakuum“
„keinen Matchplan“
„Chance verpasst“,
„der Abstand schrumpfte auf nur noch 4 Punkte Vorsprung“.

Es hört nicht auf. Und es kotzt mich an. Aber so richtig. Deswegen dann doch noch ein Rundumschlag.

1Kommt alle mal klar. Überlegt Euch doch verdammt noch mal, wo wir herkommen, wer der 1.FC Köln im Jahr 2014 ist, was er darstellt und jetzt schaut noch mal zwei Jahre zurück. ZWEI VERDAMMTE JAHRE! Wer sich nicht erinnern kann, das Bild kennt ihr noch, oder? In dieser unfassbar kurzen Zeit schaffte es der Gesamtverein einen Spin hinzulegen, der ihm doch so niemand in seiner Gänze zugetraut hat. Ich auch nicht. Früher gab es Overathsche 5-Jahres-Pläne, die im internationalen Geschäft endeten. Ja, das internationale Geschäft war der jährliche Alpencup. Na herzlichen Glückwunsch. Wir leben doch seit 1990 in einer albernen Zwischenwelt, in der die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit oftmals ein Fall für die Twilight Zone gewesen ist. Nichts haben wir auf die Reihe bekommen, die einzige Tabelle, die wir in den letzten Jahrzehnten angeführt haben, war die der lächerlichsten Bundesligisten. Da waren wir immer in der Champions League!

Und jetzt? Wir befinden uns mitten in einem Konsolidierungsprozess. Nach Solbakken und Stanislawski, die den Verein nochmal mehr zurückgeworfen haben, als das eigentlich rational zu erklären ist, kann man doch nicht erwarten, dass alles wieder sofort golden ist. Wir sind Zweitligameister geworden.
Mit teilweise überragenden Leistungen von Risse, Halfar und Nagasawa. Unterstützt von einem –für die Klasse viel zu starken- Helmes, konnte uns in der abgelaufenen Saison so richtig niemand das Wasser reichen. Und jetzt spielen die Jungs Bundesliga, müssen auf Helmes verzichten und ihr Pfeifenköpfe
erwartet, dass das jetzt genauso weitergeht, ne? Vor der Saison war es angenehm zu hören und zu lesen, dass Platz 15 als Ziel allgemein anerkannter Konsens war. Sowohl in Fankreisen, Foren als auch in der Presse wurde „der Ball flach gehalten“, wie man das so schön sagt. Ich hatte Hoffnung, nein, eigentlich habe ich sogar damit gerechnet, dass diese Erkenntnis die Saison über hält. Ich war wohl zu optimistisch.

Gerade mal 10 Spieltage hat das realistische Anspruchsdenken gehalten.

Natürlich kann man nach dem Freiburg-Spiel enttäuscht sein und natürlich kann man über fehlende Angriffslösungen reden und schreiben. Habe ich auch getan. Und ein herzhaftes “ach Scheisse, effzeh, war das nötig?” ist doch auch in Ordnung. Gott weiß, dass ich das Spiel fluchend und lamentierend verbracht habe. Und richtig sauer war. Auf alles. Aber ich hatte mich dann auch recht schnell wieder beruhigt. Der Blick auf die Tabelle und zurück auf die letzten neun Spiele in der Liga half da sehr. Mir jedenfalls.

Selbstverständlich kann man als Journalist die Systemfrage stellen und es ist in meinen Augen auch legitim Personalfragen zu diskutieren. Aber die angesprochene Kölner Journalistenkaste macht das schon tendenziell überpopulistisch. Da wird in einem Nebensatz mal auf die „katastrophalen Auftritte“ von Nagasawa hingewiesen, kein Wort über seine Verletzung und seinen körperlichen Zustand, seinen Trainingsrückstand, seine fehlenden Abstimmungsmöglichkeiten mit den Kollegen. Egal. Er war halt katastrophal. Der Kölner Boulevard macht mit „Offensive versagte! Sechs mal die 5!“ auf. Man beachte die Ausrufezeichen. Und dann hörst Du Monatgs dann im Büro, dass die Mannschaft eben scheiße sei. Nicht mal gegen Freiburg könnten sie gewinnen. Der Stöger kann auch nur
Zweite Bundesliga. So was halt. Mir fehlte gestern die Muße darüber zu diskutieren aber heute muss es eben doch raus. Wenn auch nur in dieser Form.

12Der KStA ist sich dann auch nicht zu doof eine solche Umfrage auf seine Seite zu stellen und mal zu schauen, wie denn die kölsche Seele so tickt. Anscheinend schwer verkehrt. 57% der „User“ finden die Pfiffe also berechtigt. Hmm. Dann weiß der zuständige Redakteur ja was er zu schreiben hat. Ich tippe
mal schwer auf vermehrte „muss Schmadtke nachbessern?“ und „wie geht’s jetzt weiter Herr Stöger?“-Artikel. Und nichts aber auch wirklich gar nichts hat dieser 1.FC Köln weniger verdient. Aber eine Überschrift wie „der spielerische Stillstand ist gravierend“ lockt eben Publikum an.

12 Punkte nach 10 Spielen, nach den Top3 die einzige Mannschaft mit einer einstelligen Gegentorstatistik, Platz 11, teilweise großartige Spiele oder zumindest Ansätze, die man deutlich erkennen kann. Die auch eine Entwicklung erkennen lassen. Einen klaren Plan (dass man diesen Peter Stöger absprechen will, halte ich für eine Groteske), der auf dem Spielermaterial fußt, welches wir nun mal zur Verfügung haben. Und ein schlechtes Spiel. Ein richtig schlechtes Spiel. Ja. Da widerspricht niemand. Aber solche Dinge passieren eben. Und dem 1.FC Köln halt (aktuell noch) häufiger als den Bayern.

Jeder, der diese Niederlage zum Anlass nimmt den Mund aufzumachen, hat den Schuss nicht gehört. Und der Schuss kam mit der Pumpgun ganz nah am Ohr.

Warum schreibe ich das eigentlich? Kann ich irgendwas dazu beitragen, dass weniger gepfiffen wird oder dass in der Kölner Frische-Fische-Einwickelpapier-Industrie andere Artikel geschrieben werden? Nö, eher nicht, das ist mir klar aber wenn auch nur einer, der am Sonntag im Stadion war und seinem Ummut Luft gemacht hat das hier liest und mal drüber nachdenkt wen er da ausgepfiffen hat, dann bin ich schon zufrieden. Nachdenken. Nicht mehr.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Come on effzeh!

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12 comments to Die Pfeifen im Walde

  • Micha

    Wahre Worte!

  • Stefan

    …..dem ist nichts hinzuzufügen!

  • René

    Vielen Dank! Genau das!!

  • Simon

    Ich finde die Leistung der Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt super, aber:
    Gegen eine Freiburger Mannschaft zu verlieren, die bis zum Duselelfmeter keine Chance hatte war unnötig.
    Pfiffe finde ich nicht schlimm, vor allem da die Mannschaft irgendwie Leidenschaftlos wirkte.

    Und meine persönliche Kreuzfahrt:
    Unser Umschaltspiel happert an zu einfachen Ballverlusten von Halfar und am Sonntag Zoller. Was hat Gerhardt eigentlich gemacht um auf der Tribüne zu landen??? Wir können einen Spieler gebrauchen der den Ball auch mal annimmt.

    Fazit: Bis jetzt alles top, trotzdem war es einfach Schade gegen Freiburg zu verlieren.

  • Björn

    Hoffen wir, dass die Pfeifen das auch hier lesen. Obwohl deine Überschrift nicht reisserisch genug ist…
    Eigentlich bin ich überrascht, dass der Express so lange still gehalten hat.

  • Alex

    @Simon:
    “Pfiffe finde ich nicht schlimm, vor allem da die Mannschaft irgendwie Leidenschaftlos wirkte.”

    Du glaubst wirklich, durch Pfeifen spielt die Mannschaft plötzlich selbstbewusster und leidenschaftlicher? Ernsthaft?

  • Simon

    @Alex

    Du glaubst wirklich, durch Pfeifen spielt die Mannschaft plötzlich selbstbewusster und leidenschaftlicher? Ernsthaft?


    Ich argumentiere ja nicht, dass es der Mannschaft hilft, kann die Fans aber bei einem Auftritt ohne Mumm verstehen. Ich selber pfeife nie.

    Auch denke ich, dass eine Bundesligamannschaft mit negativen Einflüssen zurecht kommen muss.

    PS: Wie kommst du von “pfiffe finde ich nicht schlimm”, auf ich glaube dass es der Mannschaft hilft?

  • esoteric einstein

    Also, ich schreibe dies hier als jemand der bei den letzten Auftritten eines Pezzonis in unserem Trikot weder geraunt noch gepfiffen hat, sondern gewartet hat (und gewartet … und gewartet) um ihm bei gelungenen Aktionen Szenen-applaus zu geben. Das hab ich gemacht weil ich unsere Spieler immer unterstützen möchte, kann man mir ja mal jemand Anderen der auf der Süd steht zeigen der sich da zusammen reißen konnte.

    Jeder!!! der zu ‘nem Fußballspiel geht hat das Recht zu Pfeiffen. Wir bezahlen den Spass da! Solange wir als Fans nicht mit der Mannschaft reden können, um ihr gezielt unsere Kritik mitzuteilen, hat halt jeder das Recht der Manschaft etwas subtiler seine Kritik mitzuteilen.
    Und nochmal, ich selbst habe noch nie gepfiffen!
    Ich finde deine Einstellung eigentlich gut und finde du hast oben einige wichtige Punkte angesprochen, aber ich glaube auch du verkennst etwas die Lage.
    1. Die Manschaft hat nicht verunsichert reagiert als die ersten angefangen haben zu pfeiffen, sondern als sie gegen den schwachen Tabellenletzten das Tor kassiert hat. Das hatten die Jungs als Möglichkeit nicht aufm Schirm, die Fans glaube ich schon.
    2. Glaube ich nicht, dass die Pfiffe aus einem überhöhten Anspruch resultieren. Man, wir sind FC Fans, wir haben (völlig zu recht) Angst!! So wie Sonntag reicht das nicht. Die Forderung nach Ujah spricht doch auch Bände – da hat doch keiner geglaubt der zaubert dem SC jetzt die Dinger in die Bude – die Einstellung eines Ujah ist uns abgegangen (bedingungsloser Kampf).

    Ja ich bin auch nicht glücklich über die Pfiffe! Ich bin aber z.B. auch nicht glücklich über monotonen spielverlaufs-unabhängigen-dauer-lalala-support. Es gibt beim FC event-ottos und klatsch-ottos, ist beides nicht meins, aber wer bin ich denn, jemandem zu sagen wie er sich zu verhalten hätte (solange er die Anderen respektiert).
    Das macht den FC doch auch aus, dass man dort egal wie man ist zusammen kommt und wenn man sich an die rudimentärsten Regeln hält (toleranz, FC=gut, der Rest=schlecht) dazu gehört.
    ejal wat och passeet

    P.S.: Lasst euch nicht von den Zeitungen verückt machen die haben ihre ganz eigenen Regeln

  • Max

    Danke Alex. Danke für die hervorragende Zusammenfassung des aktuellen Standes und für die Entlarvung der Pfeifer als notorisch unzufriedene Nörgler. Wie Bayern-Fans: alles unter Champions League Finale ist scheiße.

  • Peter Langel

    Ich war beim Freiburg-Spiel nicht im Stadion, hatte meinen Sohn geschickt. Schade für meinen Sohn ein nicht so gutes Spiel unseres FC’s gesehen zu haben, gut für alle statt ihn nicht mich als Stadionbesucher neben sich gehabt zu haben. Ich gebe beim Support immer alles, auch ohne unten in der Süd zu stehen. Als Sitzzuschauer falle ich deshalb in meinem Umfeld regelmäßig auf. Ich gebe auch zu, das ich, wenn’s nicht so gut läuft, mit negativer Kritik nicht hinterm Berg halte. Auch damit Falle ich im Stadion auf. Aber Summa-Sumarum bin ich mehr als zufrieden mit der bislang gezeigten Leistung unserer Jungs. Es war schon vor der Saison klar, das wir auch Punkte holen werden, mit denen niemand rechnet, wir aber auch andernfalls Punkte liegen lassen mit denen viele Fans von uns rechnen (ich natürlich auch). Diese Pfiffe haben aber meiner Meinung wenig mit dem Anspruchsdenken von uns Fans zu tun sondern viel mehr sind sie eine Reaktion auf die Hoffnung, die in solche Spiele gesteckt werden. Wenn wir dort, hätten wir da und wo würden wir mit den 3 Punkten stehen, sind doch alles Konjunktive die uns schon seit einer gefühlten Ewigkeit begleiten. Nur jetzt sind wir als Fans so geerdet, das man daraus nicht gleich ein Anspruchsdenken ableiten kann. Wie gesagt, Pfiffe sind ein Ausdruck von Entäuschung, das unsere Hoffnungen nicht erfüllt wurden und dies muss erlaubt sein. Sie sagen aber nicht gleichzeitig aus, das ich / wir unzufrieden mit der Entwicklung unseres FC’s sind. Davon mal abgesehen, 3 Siege in den letzten 4 Spieltagen, dazu noch im DFB-Pokal in der nächsten Runde lässt mich mehr als Jubeln.

  • […] erstaunlicher waren die Pfiffe während und nach der Partie gegen Freiburg. Dämlich hoch zehn, aber das wurde zum Glück längst hoch und runter geschrieben. Nach dem kuriosen Spiel gegen Hoffenheim wurde dann wieder fröhlich gefeiert. Ich befürchte, es […]

  • Damit haste den berühmt berüchtigten Nagel auf den Kopf getroffen!

Haut rein, schreibt mir was!