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FC – Gladbach: Abyss ascending

Irgendwie ist das gerade ein komisches Gefühl. Das gesamte Spiel über war ich schon recht emotionslos, aktuell ist es nicht die Wut wie nach Hamburg oder die furchtbare Enttäuschung wie nach Ingolstadt, nein, im Moment ist es ein recht achselzuckend hingenommenes ‘nunja, so ist das eben’. Das hat ein paar Gründe, die gar nicht originär mit dem Spiel zu tun haben, dann aber wieder doch. Wäre ich mit dem 1.FC Köln in einer romantischen Liaison verbandelt, würde ich wohl genau jetzt in diesem Moment meinen Beziehungsstatus bei Facebook auf “Es ist kompliziert” ändern.

Aber vielleicht erstmal der Reihe nach: Sportlich ist die Niederlage verdient, Gladbach war die deutlich bessere Mannschaft und mir kommt es auch so vor als sei der Wille, das Spiel für sich zu entscheiden, auch knapp stärker ausgeprägt gewesen als bei uns. Das kann aber täuschen, da die Geschwindigkeit, die Borussia im Team hat, nun mal die unsere deutlich übertrifft und daher sieht das natürlich schon mal per se nach stärkerem Einsatz aus auch wenn das vielleicht objektiv gar nicht stimmt. Denn: Ich denke nicht, dass der effzeh das Spiel heute gleichgültig angegangen ist, ich sehe auch keinen großen Grund sich darüber zu beschweren. Die Quintessenz daraus ist dann aber die Erkenntnis, dass wir einfach das fußballerisch schwächere Team waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man darüber diskutieren muss.

Das kann man ja an vielen Kleinigkeiten festmachen: Die erneut grausame Passquote, die enormen Schwierigkeiten überhaupt mal so was wie Kontrolle über das Spielgerät zu bekommen (Rausch!) oder auch die fast schon unterwürfige Formation in der eigenen Hälfte. Gladbach konnte sich den Ball nahezu ungestört um den Strafraum herumpassen und die Lücke suchen. Wenn einmal ein Kölner Abwehrbein dazwischen kam und den Ball rausstocherte, dann wurde diese Handball-artige Kreisspiel keineswegs unterbrochen, es wurde nur zehn Meter weiter Richtung Mittellinie wieder neu angefangen. Daraus ergaben sich dann nicht zwangsweise viele gute Torchancen aber es muss dem 1.FC Köln auch klar gewesen sein, dass diese Taktik des totalen Einigelns dauerhaft nicht gut gehen kann, dafür ist in der Gladbacher Mannschaft zu viel individuelle Qualität und seit Hecking dort Trainer ist, ist auch das Momentum ein ganz anderes.

Nein, das muss uns allen klar sein, Gladbach ist einfach die bessere Mannschaft und wenn sie so auftreten wie heute, dann ist der 1.FC Köln im April 2017 nicht in der Lage da ernsthaft gegen zu halten. Das wird auch Stöger klar gewesen sein, denn die Taktik erinnerte schwer an das erste Bundesliga-Jahr. Es wurde eher Fußball verhindert, als dass gespielt wurde. Das ist, hier muss ich dann mal kurz pragmatisch und verteidigend einwirken, auch völlig in Ordnung so, denn natürlich ist das nicht schön und natürlich ärgert man sich als Anhänger der überlegenen Mannschaft über diese Art Spielgestaltung aber wir reden hier vom Wettbewerbsfußball, dessen originärer Sinn es ist Punkte zu sammeln. Es gibt nun mal keine B-Note im Fußball. Und wenn die Mittel fehlen spielerisch gegen zu halten, dann muss ich versuchen das irgendwie zu kompensieren. In unserem Fall eben mit Anti-Fußball und der Hoffnung schnelle Konter zu fahren.

Und es wäre ja auch beinahe gut gegangen, denn das 1:1 war genau ein solcher schneller Überraschungsangriff. Abschlag Horn (nicht ins Aus!), Modeste mit Weltklasse-Vorbereitung auf Clemens, genau in die Schnittstelle, trocken unten links, super. Das 2:2 nach Freistoß Jojic durch Modeste dann so wie man Tony kennt: Er darf wirklich vom Abwehrspieler nie aus den Augen gelassen werden, er macht die Dinger eben. Nein, das war schon okay, die Krux liegt natürlich, wie die ganze Rückrunde schon auf bei den Gegentoren, die alle durch individuelle Fehler vor dem eigenen Tor entstanden. Da werden Fehlpässe über Fehlpässe produziert, dadurch bekommst du nie Zugriff auf ein eigenes Spiel, die Abwehr ist für eine Sekunde unsortiert, die Abstände stimmen nicht, man ist zu weit vom Gegenspieler weg und dann rappelt es eben. Dazu wieder ein Schnitzer von Horn und das Spiel ist verloren.

Natürlich ärgert mich das. Ist doch klar. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, dass der effzeh nicht die spielerische Klasse hat sich wirklich und wahrhaftig für Europa zu qualifizieren. Denn, ich glaube da sind wir uns auch alle einige: Mit dem aktuellen Team hast du auf internationalen Plätzen nichts verloren. Nachdem die 40 Punkte unter der Woche erreicht wurden und die Saison zu großen Teilen ja gerettet ist, ist alles was jetzt noch kommt Bonus. Das dürfen wir bei allem Anspruchsdenken nämlich auch nicht vergessen: Wenn uns vor vier oder fünf Jahren jemand diese Entwicklung vorausgesagt hätte, dann wären wir ungläubig lachend wieder zurück in die Kneipe gelaufen und hätten an der Theke von einem wunderbaren Spinner dort draußen erzählt. Ihr kennt diese Leute, die mit einer großen Glocke durch die Fußgängerzone ziehen und entweder das Ende oder einen Neuanfang proklamieren. Nein, nein, es ist immer noch alles in Ordnung und das Pech… ach, wir können ja die Platte wirklich jede Woche neu auflegen.

Wir müssen es einfach hinnehmen: Wir sind nicht besser und das ist völlig okay so, wenn man auf unseren Etat und unsere Vergangenheit schaut. Es gibt schlimmere Schicksale.

Diese Lethargie, die ich hier an den Tag lege, zog sich schon durch den Tag, eigentlich durch die letzten Tage. Am Donnerstag veröffentlichte effzeh.com einen Artikelder als Meinung gekennzeichnet ist und damit ganz sicher nicht als Tatsachenbericht gewertet werden sollte. Aber so wie die Macher kennengelernt habe, schreiben die nicht einfach Irgendwas ohne dass es ein Fundament hat. Es geht um den Anteilsverkauf von bis zu 20% an einen Investor, der auch ohne die Zustimmung der Mitgliederversammlung vom Präsidium / von der Geschäftsführung erlaubt bzw. beschlossen werden darf. Dieser Bericht ließ mich zweifeln. Wie würde ich damit umgehen, wenn der effzeh nun nicht mehr “spürbar anders” sondern womöglich nur noch “jeden Tag ein bisschen besser” wäre? Und das am besten auf chinesisch. Wie könnte ich damit umgehen, wenn wir nur noch ein verschissener Investorenclub neben all den anderen verschissenen Investorenclubs wären? Wenn wir tatsächlich nach Europa kommen sollten und vor der neuen Saison diese “Voranhnung” bestätigen würde und wir irgendwo in der bulgarischen Pampa mit 10.000 Idioten nur einen anderen Red Bull Verein feiern würden? Könnte ich das überhaupt? Ich glaube es würde mir einfach das Herz brechen, wenn dieser Traum von Europa, diese Hoffnung noch einmal dabei zu sein, Donnerstagsabends tausende Kilometer von zu Hause entfernt ein Fußballspiel zu sehen, wenn ich dieses mit einem Verein machen würde, der gar nicht mehr der meine ist. Ich glaube ich würde heulen. Es gibt wahrscheinlich nicht mehr sehr viele Situationen, die mich zum weinen bringen aber dort zu stehen, den Traum noch einmal mitgemacht zu haben und sich dann nicht mal mehr darüber freuen können, ich glaube ich kann mir gerade abseits des echten Lebens nichts Schlimmeres vorstellen.

Für mich ist ganz klar: Verkauft der 1.FC Köln Anteile an einen Investor, dann ist es das gewesen. Ich kann mich nicht jahrelang angewidert von der Entwicklung im Fußball abwenden und dann ignorieren, wenn mein Club diese Entwicklung mitgeht. Es wäre für mich persönlich das Ende der Liebe. Vielleicht gucke ich immer noch Fußball, vielleicht kann ich mich sogar für Menschen -die das nicht so sehen- freuen, wenn sich diese Taktik als Erfolg ausweist. ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass ich nicht Fan eines solchen Konstruktes sein will. Vielleicht ist diese Entwicklung unvermeidlich, vielleicht habe ich im Sommer schon keinen Fußballverein mehr. Das kann sein und ich kann euch sagen, es macht mir furchtbare Angst. Der effzeh ist ein Teil meines Lebens auch wenn ich nicht mehr diesen Fanatismus an den Tag lege wie vor 15, 20 Jahren aber er ist dennoch immer noch allgegenwärtig. Und dann könnte es sein, dass das vielleicht in ein paar Wochen vorbei ist. Einfach so. Während ich diese Zeilen schreibe, schlägt mir das Herz bis zum Hals.

Das macht mir ganz schön zu schaffen.

Schon klar, dass das die Schnudelhubers nicht nachvollziehen können aber das ist mir recht egal, ich schreibe ja für mich und nur für mich.

Vor diesem Hintergrund ist die Niederlage heute vielleicht gar nicht so schlecht. Aber sie ärgert mich natürlich dennoch. Und, liebe Gladbacher Social-Media-Hooligans oder Halbangst-Verbreiter: Ich kann ja Kabbeleien ab, ich verstehe auch Hohn und Spott, es wäre andersrum nicht anders. Selbstverständlich würde ich auch “Derbysieger” posten und euch auslachen, das gehört dazu, das definiert uns ein bisschen als Fans. Aber, dieser heilige Hass, der da im Moment verbreitet wird und diese geballte Dummheit, muss das sein? Ich mein, müsst ihr selbst wissen, ich lese das, ärgere mich ein wenig und hab’s dann vergessen, doch frage ich mich wer hier was kompensieren muss? Aber wer bin ich euch Tipps zu geben? Weitermachen, kein Problem.

Tja, so sieht das aus. Zu allem Überfluss kriege ich heute Abend noch nicht mal Bier. Es ist wohl wirklich ein gebrauchtes Wochenende.

Bis auf weiteres:

Come on effzeh!

3 comments to FC – Gladbach: Abyss ascending

  • Hättest Du die Güte, zu erklären, wo dieser “heilige Hass” und “diese geballte Dummheit” verbreitet wird? Ich habe natürlich schon aus Sensationsgeilheit sofort das von Dir gesondert erwähnte Halbangst-Blog besucht. Aber weder dort noch auf deren Twitter-Account das geringste Anzeichen dafür.

    Außer, dass man sich anscheinend sehr über Deine Erwähnung wundert. Mal wieder.

    Eine Verwunderung, die ich immer noch teile.

    btw: Wenn Du damit fertig bist, könntest Du mir übrigens noch erklären, was denn eigentlich am Effzeh so “spürbar anders” sein soll? Grundsätzlich versuche ich ja, diese ganzen hohlen PR-Sprüche weitgehend auszublenden (außer natürlich aus Trollierungsgründen, vgl. “Echte Liebe”). Und normalerweise gelingt mir das auch weitgehend. Nur bei Kölnern habe ich das Gefühl, dass sie diesen seelenlosen Reklamequatsch tatsächlich für bare Münze nehmen und ironiefrei im Munde führen. Oder täuscht dieser Eindruck? Und wenn nein, warum nicht?

  • Es wundert sich nur Einer, der Rest (soweit ich das beurteilen kann, gerade auch die Vollraute-Jungs) können das sehr wohl einordnen, wir haben ein sehr gutes, kollegiales Verhältnis und ja auch Verständnis für die Gegenseite. Wir kennen uns ja nun auch schon etwas länger und machen Sachen zusammen. Es war auch nichts im HA-Account und ist auch alles nicht wild, es ist nur so unfassbar dumm.

    Zu “spürbar anders”: Nein, wird nicht ernst genommen. Wir sind uns schon im klaren darüber dass das Marketing-Gewäsch ist. Ich habe den Spruch nur verwendet um ihn dem REWE-Slogan gegenüber zu stellen.

  • Bobaberg

    Hey Axel,

    ich mag deinen Blog und ich mag auch deine leidenschaftliche Beziehung zum Fussball.
    Du hast mich als Gladbacher dazu gebracht einen Effzeh-Podcast zu hören und mich auch mit eurem Team auseinander zu setzen. Ich mag die Rivalität zwischen beiden Vereinen, aber ich mag auch die Gemeinsamkeiten, wie: viel Emotion, Vergangenheit, Regionalität und beinharte Fans

    Du hast in einem Bockcast mal davon geredet, dass es dir nicht gefällt wenn die Leute “Kölle” zu Köln sagen, ohne dass sie aus Köln kommen (so oder so ähnlich). Mir passt es auch nicht, dass wir “Gladbach” sind und nicht “Mönchengladbach”. Die kleinen Dinge des Lebens halt.

    Doch deinem heutigen Artikel möchte ich ein paar Anmerkungen widmen:
    Eure Abwehrschwächen und das ziemlich passive Spiel eurer Mannschaft haben mich überrascht. Ich hatte eine andere Begegnung erwartet bei der es mehr mit Kampf und Einsatz zur Sache geht.
    Sörensen, Heintz, Maroh, Lehmann, Höger, Modeste sind doch alles gestandene Jungs, die gern mal einen verteilen.
    Zudem hast du völlig Recht gehabt, was Sörensen und seine Fehlpässe hinten raus betrifft. Der Junge lädt regelrecht zum Kontern ein und spart sich sogar das Porto wenn er die Bälle über 3 Meter abgibt.
    Doch einen Torwart-Schnitzer habe ich als Ex-F-Jugend-Torhüter vom Grün-Weiß-Holt nicht erkannt.
    Beim ersten Tor ist er chancenlos.
    Beim Zweiten kann er nur abwarten und reagieren, damit es nicht noch blöder aussieht, wenn der Ball vor ihm berührt wird.
    Und beim dritten Tor, hätte ich Drmic den Treffer wie viele Gladbacher von Herzen gegönnt, den euer Torhüter noch sensationell aus der Ecke fischt. Die Schusshaltung von Drmic lies überhaupt nicht erahnen wo der Ball hingeht und den dann überhaupt noch abzuwehren war stark. Doppeltes Glück für uns ist, dass der Ball ins fällt kommt und Stindl den Abpraller erwischt, weil Den, mit Links, von da, keiner sonst macht.

    Versuch dich doch erstmal auf einen runden Abschluss der Saison zu konzentrieren, als auf mögliche Investoren. Das kannste sowieso nicht verhindern und entweder du gehst mit der Zeit oder du gehst zur Fortuna.
    Klingt härter als es gemeint ist. Es geht (leider) darum wettbewerbsfähig zu bleiben. Nächste Saison werden vermutlich die besten Spieler der kleinen Clubs wechseln und das Roulette der Absteiger geht von Vorne los.
    Da ist Geld, mit dem dein Club sich vermeintlich bessere Spieler leisten kann, ein Mittel um konkurrenzfähig zu bleiben. Und dennoch haben Özcan und Klünter aus eurer Jugend gezeigt, dass ihr darauf nicht unbedingt angewiesen seid und von selbst tolle Qualität erzeugen könnt.

    Aber es wird allmählich eine Fantasie ohne großes Geld und den entsprechenden Kader in den internationalen Wettbewerb zu ziehen.
    In Gladbach waren Dante und hauptsächlich Reus’ Einnahmen die Möglichkeit unseren Kader talentiert zu verbreitern. Glücklicherweise haben wir damals Granit Xhaka geholt für ca. 13 Millionen, der sich später als großer Zugewinn erwies. Damals war Borussia noch vorsichtig und hat die Spieler versucht 1:1 zu ersetzten. Danach aber hat man sich ohne die internationalen Gelder (2013/2014) darauf konzentriert die besten Spieler der kleinen Clubs in unsere Lücken zu lotsen. Mit Stindl, Hahn, Traore, Johnson und Vestergaard haben wir gute wertstabile Qualität gewonnen. Wir können einzelne wertvolle Abgänge besser verkraften und ausgleichen als je zuvor.
    Aber sollten wir das internationale Geschäft nicht packen, werden wir uns von einigen Spielern verabschieden müssen.

    Ich glaube, dass es auch dir irgendwann egal sein wird, wer hinter eurem Vereinswappen steckt. Denn das was sich nicht verändern wird ist die Distanz unserer beiden Städte, die Leute die die Clubs unterstützen, die Bratwurst am Grillstand und das Gerede über die größten Bratwürste auf dem Feld. Reicht dir das denn nicht?

    Mach et joot Jung. Leeve Jröße us Jlabbach.

    Jan

Haut rein, schreibt mir was!