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FC – SGE: Das Streben nach mehr

Geburtstagschoreo

Foto von Jan Weck (@jweck auf Twitter)

Und dann ging doch noch mal das Trömmelche. Ganze drei Tage hatten die Kölner ihr Lieblingsinstrument im Schrank gelassen bevor Yannick Gerhardt, Dominique Heintz und Tony Modeste die dicken Dinger auspackten und dem unsäglichen Warten ein Ende bereiteten. Der Karneval ist nie weg in dieser Stadt, er macht nur ab und zu Pause. An seinem 68. Geburtstag gewinnt der 1.FC Köln 3:1 gegen eine fürchterlich schwache Frankfurter Eintracht und lässt die Anfangs-Choreographie noch einmal heller erstrahlen.

Tradition hat nur dann Sinn wenn das Streben nach größeren Taten vorhanden ist.

Über wie viele Jahre, nein Jahrzehnte, hat dieser Fußballclub die Worte seines Gründungspräsidenten Franz Kremer ignoriert? Wie lange haben wir uns in den Taten von gestern gesonnt und selbstbesoffen alle Unzulänglichkeiten verlacht? Wir erleben gerade nichts weniger als eine Zeitenwende. Peter Stöger gibt uns etwas, was viele von uns ihr gesamtes Fanleben noch nicht kannten: Wir erleben eine konstante Weiterentwicklung, wir erleben eine selbstbewusste, junge Mannschaft, die sich nicht von ihrem Weg abbringen lässt. Dieses Spiel gegen Frankfurt steht fast exemplarisch für den neuen 1.FC Köln und das ist schon ein ganz schön geiles Gefühl!

“Jetzt dreht er endgültig durch”. Ich hör Euch schon. Jaja, natürlich sollten wir die Kirche im Dorf lassen bzw. in diesem Fall den Dom in Köln aber ich bin eben angemessen euphorisiert und möchte auch kurz erklären warum: Zum einen hat die Mannschaft nach dem völlig unnötigen Rückstand keinen Hänger. Da baut einer Scheiße, es fällt ein Gegentor und dann geht es eben weiter. Das haben wir zum Teil schon mal in der zweiten Liga erlebt aber das kann man mMn nicht vergleichen, weil der effzeh in der zweiten Liga immer den Anspruch hatte jedes Spiel zu gewinnen. Das haben dann sogar so Nulpen wie Bröker oder Matuschyk im Blut gehabt. Aber in der Bundesliga ist es was anderes. Du spielst zu Hause gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf, es ist überragende Stimmung, der Verein feiert sich selbst und dann passiert so ein blödes, blödes Gegentor durch den ewigen Alex Meier. Ich versichere Euch, vor vier Jahren wäre die Mannschaft zusammengebrochen, hätte keinen Pass mehr an den Mann gebracht und die Nervosität wäre spätestens nach zehn Minuten in pure Panik übergegangen, die alles blockiert hätte. Das meine ich mit Zeitenwende. Die Mannschaft glaubt an sich, die Mannschaft weiß, dass sie gut genug ist um das Spiel wieder zu ihren Gunsten zu drehen und das ist so viel mehr wert als mal ein Sieg aus dem Nichts, als mal drei, vier gute Spiele. Es gibt mir einfach die Hoffnung, dass die Entwicklung weiter geht.

Nach dem 2:1 Kopfball war das Spiel eigentlich durch auch wenn man das als Fan während des Spiel eher nicht so realisiert aber auch hier sehen wir eine Qualität im Spiel des 1.FC Köln, die für uns eigentlich artfremd ist. Das souveräne Verwalten. Eintracht Frankfurt hatte genau null Plan wie sie zum Erfolg kommen sollten. Sie probierten es über die Außen, der effzeh ließ das bis zu einem gewissen Grad zu, stellte dann aber zu, Lehmann ging mit zurück in die Kette, die Mitte wurde dicht gemacht, Ende Gelände. Das war wie eine Blaupause. Gut, es wurde uns auch leicht gemacht, weil da wirklich gar keine Idee von der SGE entwickelt wurde, wie man denn sonst spielen könnte aber der effzeh hat dann eben auf dieses stoische Idiotentum genau angemessen reagiert und einfach die Bälle geklärt, in die Mitte gespielt, das komplett verwaiste Mittelfeld mit zwei Pässen überbrückt und ist Konter gefahren.

Hier kommen wir zu einem Knackpunkt.

Sagen wir mal so: Wenn der effzeh eine Software wäre, wären wir bei einer recht späten Alpha-Version. Eigentlich schon funktionstüchtig aber immer noch mit schweren Bugs und nervigen Systemabstürzen durchzogen. Da muss noch an der Architektur geschraubt werden und eventuell muss auch eine Datenbank nochmal neu geschrieben werden, weil man sich verzettelt hat. Zum einen sind unsere Standards immer noch nicht von dieser Welt. Leider nicht im Messischen Sinn, sondern im Sinn von: Marcel Risse, was genau machst Du da? Jede, wirklich jede Ecke und jeder Freistoß ist für die Katz. Es geht soweit, dass wir nach einem Freistoß für uns, 25 Meter vor dem gegnerischen Tor, Angst vor einem spielentscheidenden Konter haben müssen, weil wir wissen dass der Ball nicht an der Mauer vorbei kommt. Egal ob da vier, fünf oder nur zwei Mann in der Mauer stehen. Wenn der Gegner keine Mauer stellt würde Risse wahrscheinlich in den Boden treten, weil er gar nicht wissen würde wer denn seinen Ball ans Schienbein bekommen soll. Eijeijei, das ist so schlecht. Von Flanken möchte ich gar nicht erst sprechen. Zum Glück hatte Filip Mladenovic ein Einsehen und hat dann doch mal einen brauchbaren Ball ins Zentrum geschlagen. Und prompt stand da auch jemand frei. Wobei man hier der Eintracht keinen Vorwurf machen möchte, damit konnten sie nicht rechnen. Genau genommen waren es sogar zwei brauchbare Bälle von Mladenovic denn auch der Ball von links auf Lehmann war nett weit gezogen und eigentlich punktgenau aber Matze Lehmann entschied sich für die Latte. Naja.

Weiterhin ist auch das Spiel aus der Zentrale in die Spitze nicht ausgeprägte europäische Spitze. Da fehlt dann noch ein wirklich guter Ballverteiler auch wenn Yannick Gerhardt diesen Part schon versucht zu vereinnahmen (ich rege mich ja immer noch maßlos über das Stuttgart-Spiel auf, wo Kevin Vogt statt seiner aufgelaufen ist und die ganze Hilflosigkeit einer Mannschaft ohne zentralen Mittelfeldspieler Telekolleg-gerecht demonstrierte) und dies mit Sicherheit in den kommenden Spielzeiten, so er denn bei uns bleiben wird, unter Peter Stöger auch weiter perfektionieren wird. Da wird vieles nicht ausgespielt, da sind manche Bälle einfach blöd gespielt auch wenn die offensichtliche Lösung so leicht aussieht und dadurch bringen wir uns um viele gute Gelegenheiten. Das Umschaltspiel funktioniert ja eigentlich aber diese letzten paar Prozentchen fehlen dann manchmal. Ein wunderschönes Beispiel gab hier wieder Kevin Vogt ab, der nach seiner Einwechslung mit seinem (ich glaube) ersten Ballkontakt ca. 5 Meter vor der Mittellinie den rechts neben ihm durchstarteten Modeste nur hätte den Ball durchstecken müssen, dann wär dieser alleine durch gewesen aber statt dessen das gar nicht wahrnimmt und einen Ball an fünf zentralen Frankfurtern vorbei über 25 Meter an die rechte Außenbahn spielt, wo es zum umgehenden Ballverlust kommt. Was hab ich mich wieder aufgeregt.

Aber, mein Gott, wir sind der 1.FC Köln. Immer noch. Da muss schon noch ein bisschen was passieren bevor Real Madrid vor uns auf die Knie geht.

Egal.

Wie es richtig geht zeigen wir beim 3:1. Ein wunderschöner öffnender Paß in die Spitze, ein überlegen(d)er Gerhardt, der kurz vorher die Möglichkeit in die Mitte zu spielen verpaßte und stattdessen am besten Frankfurter, dem Torwart Hradecky, scheiterte, ein freier Modeste, zack, bumm, Tor. Danke schön, auf Wiedersehen. Das war ganz, ganz hervorragend.

Jaja, nochmal: Die Eintracht war schwach und es taten sich Löcher von der Größe kleiner Shopping-Malls auf aber da können wir uns ja nicht für entschuldigen. Dann nutzt man das halt aus und macht den Sack zu. Letztlich, das muss man so klar sagen war der Sieg hochverdient und vielleicht sogar um ein Tor zu niedrig ausgefallen.

Und so können wir dann jubeln. Neun Punkte sind es jetzt auf den Relegationsplatz, 14 auf den direkten Abstieg. Ich denke wir sollten uns keine allzu großen Gedanken mehr um die Zweitklassigkeit im nächsten Jahr machen, denn ich sehe nicht dass die Teams da unten so viel besser sind als wir als dass sie noch drei, resp. fünf Siege mehr als wir in den verbleibenden Spielen machen.

Darum können wir diesmal wirklich zufrieden sein. Ein wichtiger Sieg, der den Abstand nach unten ausgebaut hat, der der Mannschaft erneut gezeigt hat, dass sie zu gut ist um unten rein zu rutschen und der uns gezeigt hat dass auch ein Gegentor nicht mehr zwangsläufig eine Niederlage nach sich zieht. Ist das nicht schön?

Für die Eintracht wird es eng. Verdammt eng. Ich durfte ja am Samstagabend mit den wunderbaren Leuten vom Eintracht-Podcast durch Köln ziehen und die Stimmung ist schon arg depressiv, wenn man auf die sportliche Situation zu sprechen kommt. Allein weil die SGE in Köln nicht gewinnen kann, drücke ich ganz fest die Daumen, dass die Klasse gehalten wird, es ist eine dieser Mannschaften, die ich immer in der Bundesliga sehen will.

Ein Hinweis noch in eigener Sache: Der Bockcast findet diese Woche bei eben jenem Eintracht-Podcast statt. Dienstag ab ca. 20 Uhr geht es live los, später ist das Ding dann auch als Podcast on Demand zu hören. Für den genauen Starttermin folgt bitte ihrem Account bei Twitter.

Tja und das war es dann auch schon. Nächsten Samstag kommt es zum Derby in Gladbach, welches durch den Boykott der Fanlager eine recht traurige Veranstaltung werden wird. Es ist auch bei mir keinerlei Vorfreude vorhanden. Mal schauen ob sich das im Laufe der Woche ändern wird.

Bis dahin, wie immer,

Come on effzeh!

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4 comments to FC – SGE: Das Streben nach mehr

  • Burkhard

    Nehme meine Besorgnis, Mladenovic betreffend, zurück. Überzeugender Auftritt. Nun fehlt noch 1 Pkt auf die Wölfe. Make the dream come true gegen die Ponys!

  • ich sehe das ähnlich mit der Körpersprache – in der letzten Abstiegssaison wäre nach dem 0:1 das Spiel abgeschenkt worden, am Samstag hatte ich da einen ganz anderen Eindruck, da wurde sich kurz geschüttelt und dann ging es weiter nach Plan. Allerdings zähle ich immer noch mehr die Punkte nach unten und bis zu den 40 Punkten als nach Baku – und als die Nord “Absteiger” in die Richtung des Gästeblocks rief, war mir sehr unwohl – denn ich sehe weder uns sicher noch in der Situation, sich über einen potentiellen Abstieg lustig zu machen…

  • Kassettendeck

    Guter Post!
    Ich finde auch, dass man gar nicht genug betonen kann, dass es sich hier um einen Prozess handelt. Das Spiel gegen Eintracht ist zum jetzigen Zeitpunkt ein extrem positiver Ausschlag nach oben, aber halt noch kein Dauerzustand. Wenn es so wäre, wären wir unter den ersten 5 am Ende der Saison (werden wir leider nicht). Die Spiele gegen Hannover, Augsburg und Stuttgart sind zum einen noch nicht lang genug her, zum anderen wurden sie entgegen der Folklore nicht nur durch Schiedsrichter-Fehlentscheidungen hervorgerufen. Die Mannschaft entwickelt sich halt und man kann daran teilhaben. Das ist für mich tatsächlich der größte Mehrwert, den der gesamte Verein in den letzten 3 Jahren geschaffen hat. Es macht Spaß dieser Mannschaft beim lernen zuzuschauen.

  • […] hätte nicht gedacht, dass er so schnell ins Team und wichtig werden könnte. Mladenovic macht seine Sache auf dem Flügel gut und schlägt von dort auch noch starke Flanken. Das ist alles […]

Haut rein, schreibt mir was!