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Schalke – FC: Dem Kreuze entgegen kriechend

Ja, ich leiste jetzt schon Abbitte. In der Sommerpause war ich piefig, weil die Transfers mir nicht so richtig gepasst haben, nach dem ersten Spieltag war ich enttäuscht, weil das Spiel auch 8:0 hätte ausgehen können und ich Egoismen sah, die mir nicht gefielen aber seitdem macht die Mannschaft von Peter Stöger alles um mich als Idioten dastehen zu lassen. Und jetzt, nach dem überragenden Sieg auf Schalke, gestehe ich es mir dann auch schon ein: Ja, ich bin ein Idiot; ja, ich hatte zu wenig Vertrauen; ja, ich zweifelte zu früh an allem.

Es tut mir leid.

Obwohl, nein, eigentlich tut es mir nicht leid. Viel mehr leid würde es mir für uns alle tun, wenn ich mit meinem Pessimismus Recht behalten hätte. So ist es doch wunderbar. Der effzeh beweist mir und uns, dass es nicht die Mega-Investments braucht, wenn das Mannschaftsgefüge steht. Wenn man einen überragenden Trainer hat, der die Spieler Jahr für Jahr weiter entwickelt. Stärker macht. Wenn der Teamgeist augenscheinlich überragend ist und ein Plan verfolgt wird. Wenn man clever ist und diszipliniert. Und wenn die Rahmenbedingungen für Erfolg geschaffen werden.

Das alles macht großen Spaß. Nach der geisteskranken Tabellenführer-feier-Nacht (vielleicht sollte Henriette Reker hier über einen jährlichen Halbfeiertag nachdenken?) und dem unvermeidlichen Absturz auf Platz 4 am Wochenende (Stöger raus!) spielte der 1.FC Köln auf Schalke wieder mal ein Spiel, mit dem ich nicht gerechnet habe. Ich habe es gehofft, ich hatte auch irgendwie eine Art Grundvertrauen aber wieder hinderte mich der kleine vorsichtige Mann im Kopf nicht vollends die Nerven zu verlieren. Ich war sogar so frohen Mutes vor dem Spiel, dass ich mir einredete: Lass ein gutes Spiel machen, wir haben doch schon sieben Punkte, was soll uns passieren. Ich wollte mir meine eigene nahende Enttäuschung schön reden. Ich schloss die Realität schon vor Beginn des Spiels aus. Ist das schon klinikreif?

Aber das Team schafft es wieder mich in vollständige Verzückung zu bringen. Nach dem Rückstand, der sich irgendwie anbahnte, weil im Ballbesitz die Ruhe fehlte, viele kleine Fehler im Mittelfeld gemacht wurden und Schalke auch gar nicht schlecht spielte, zeigte der effzeh warum er einfach nicht mehr mit dem effzeh aus den Jahren vor Peter Stöger zu vergleichen ist. Die Körpersprache war eindeutig: Weiter machen, wir sind gut genug um zurück zu kommen! Keine zwei Minuten später bestätigte Osako(!) mit einem wunderschönen, strammen Schuss die These. Ausgleich, Schalke keine Zeit zum feiern geben, Konzentration hoch halten, wunderbar.

Vergleicht die Reaktion der aktuellen Kölner Mannschaft mal mit dem Spiel in Schalke aus 2011. Damals machte der effzeh auch ein gutes Spiel um nach einem skandalös unberechtigten Elfmeter völlig auseinander zu brechen. Ich war damals zwar auch noch einigermaßen optimistisch, dass sich das Team finden wird aber das wurde ja bekanntlich nichts. Nein, das sind zwei völlig unterschiedliche Konstrukte damals und heute.

Dass der effzeh dann in der zweiten Halbzeit wieder cleverer ist als ich mir das in meinen kühnsten(ha!) Träumen hätte vorstellen können, ist eine weitere Überraschung. Der Plan -wie oben schon erwähnt- steht, es wird gearbeitet, es wird intelligenter Fußball gespielt. Das muss man sich mal vorstellen, ich schreibe hier über den 1.FC Köln und intelligenten Fußball. Die Logistik-Abteilung der Hölle ordert wohl gerade panisch Jack Wolfskin-Jacken. Die Tore zum Sieg resultieren aus erschütternd einfachen Spielzügen, die die Schwächen der Schalker Hintermannschaft gnadenlos offen legen. Diese Abstände kannste dir in der Bundesliga nicht erlauben. Der effzeh sieht seine Chance und schlägt eiskalt zu. Das ist überragend gut. Das war kein blindes Anrennen, das war keine Brechstange, das war Abwarten und Gegenschlag in Perfektion. Natürlich hilft es, dass sich Schalke anstellt als seien sie der HSV und ein Timo Horn im Tor sorgt auch nicht für Unbehagen aber alles in allem war der Sieg einfach wieder einmal völlig verdient. Scheiß auf Ballbesitz, scheiß auf Ecken, scheiß auf Chancen. Effektiv hat mein Verein alles richtig gemacht und dafür gebührt ihm einfach das Lob.

Großartig, Jungs!

Nach vier Spielen stehen wir also mit 10 Punkten glänzend da (das letzte Mal, als der effzeh mit 10 Punkte nach vier Spielen startete, 1989/90, wurde man am Ende Vizemeister), hat jetzt schon einen tollen Vorsprung auf die Abstiegsplätze und, was viel wichtiger ist, sammelt Woche für Woche mehr Selbstvertrauen. Wir sind der 1.FC Köln, du musst uns erstmal schlagen!

Jaja, ich weiß, es ist noch früh, es ist gerade mal der vierte Spieltag aber man muss es sich eingestehen, man muss es klar ansprechen: Die Angst, die ich vor der Saison und nach dem Darmstadt-Spiel hatte, sie ist unbegründet. Für diese Erkenntnis reichen diese vier Spieltage schon aus.

Also, ich trete den Gang nach Canossa jetzt schon mal an. Je eher ich losgehe, umso früher bin ich da und kann mich auf die #roadtobaku konzentrieren. Ich werde nicht mehr zweifeln an Peter Stöger und Jörg Schmadtke. Es wird alles einen Sinn haben. Ich ziehe meinen Hut. Ich schäme mich sogar ein ganz klein wenig.

Doch es gibt auch betrübliche Nachrichten:

Am Sonntag kommt ein Konstrukt nach Müngersdorf, das den Fußball verachtet, das unsere Art das Spiel zu lieben mit Füßen tritt, das uns anspuckt und auslacht. Sie wollen uns vernichten, sie wollen die Welt und geben sich, wie eine alles fressende Monsterzecke, mit nichts weniger zufrieden als dem totalen Blutverlust aller anderen Wettbewerbsteilnehmer. Sollen sie kommen, ich hoffe dieser 1.FC Köln wird sie abfrühstücken, wird sie schlagen und demütigen und zurück schicken in die Klärgrube aus der sie gekrochen kamen.

[Update, 23.09.: Gestern Abend kam es zu einem Disput zwischen dem geschätzten Alex dem Rotebrauseblogger und mir auf Twitter, weil ich hier Worte gewählt habe, die man auch -ja, nachdem man mich darauf aufmerksam gemacht hat, sehe ich das auch ein- anders lesen kann als ich das gewollt habe. Das Bild der Monsterzecke habe ich mir tatsächlich von Patrick Süskind geklaut, der Jean Baptiste Grenouille als eben diesen weltenfressenden Zeck beschreibt. Nie im Leben habe ich irgendetwas antisemitisches damit implizieren wollen. Ist mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Bis gestern Abend eben. Da ich im folgenden Absatz Bilder aus dem Herr der Ringe verwende, die einfach nur meine Distanz zu diesem “Projekt” und eine Einteilung in “Gut” und “Böse” darstellen sollen, möchte ich unterstreichen, dass ich auch hier die Dinge überspitzt so schreibe wie ich sie sehe. Also, bitte nicht überinterpretieren, es geht hier lediglich um ein Bild, dass meine Abneigung gegen RasenBallsport Leipzig unterstreichen sollte. Nichts anderes. Keinerlei Dritte-Reich-Fantasien. Ich hoffe die Leute, die mich kennen, wissen das auch einzuordnen, es geht ja auch nie gegen die einzelnen Fans, sondern immer nur gegen den Verein oder in diesem Fall Konzern. Ich hoffe das ist damit klar gestellt. /Update]

Aber das wird schwer, denn dieser Frankenstein-Verschnitt von Bundesligist spielt halt schon ganz gut. Haben ja auch nicht wenig Geld in ihre Bluthorden investiert, die ehrlos ihren Söldnerdienst im Schatten der zwei Türme verrichten. Wir werden sehen.

Doch bis dahin sind es ja noch ein paar Tage. Wir haben Zeit genug den aktuellen Zustand zu genießen. Heute können wir gelassen sein und unnahbar, denn unser Verein steht da, wo er eigentlich zu Hause sein sollte: Oben.

Come on effzeh!

7 comments to Schalke – FC: Dem Kreuze entgegen kriechend

  • “Scheiß auf Ballbesitz, scheiß auf Ecken, scheiß auf Chancen”

    Oh ja, das hört sich wirklich nach tollem Fußball an. Das Leichtathletiksportfest lässt grüssen…

  • Du bist so verbittert, wenn Schalke verliert, das ist ja schlimm 🙂

  • Christian Einhaus

    Genau diese Gabe, mit wenigen, anscheinend aber perfekt abgestimmten Transfers ein funktionierendes Gefüge zu erweitern, ist etwas, um das uns inzwischen viele Vereine beneiden.
    Es macht riesigen Spaß zu sehen, wie viel Spaß die Mannschaft selbst an der fortwährenden Entwicklung hat, und es ist schon irre, wie sehr sich der Fußball bei uns alleine seit 2014 verändert hat.
    Klasse effzeh!

  • Und dabei bin ich nicht mal Schalke- oder gar Bundesligafan. Es macht mich nur traurig, wenn der schöne Sport hier auf dem Ergebnisfußball-Altar geopfert wird…

    Und bitte, schreibt “Fußball” – nicht Fußball…

  • Burkhard

    Wenn Stöger sagt, dass Minimalziel sei die Meisterschaft, dann ist das angestrebte Ziel wohl das Double…. der Mann ist so was von angekommen in Köln

  • pedi

    jezt kommt leibzig,dann die bayern.Dann wissen wir mehr

  • Immer wieder eine Freude deine Artikel zu lesen 😛 mach weiter so und lass dich nicht beirren oder zensieren nur weil es leute gibt die überinterpretieren die wird es immer geben selbst wenn man drauf achten würde 😉

Haut rein, schreibt mir was!