Social Media:





Verarscht

Mir fällt zur heutigen Entwicklung beim einst so ruhmreichen 1.FC Köln nichts Gescheihtes ein. Wirklich nicht. Immer und immer wieder betonte, der im Winter installierte, neue Sportdirektor Volker Finke, dass er für ein Traineramt nicht zur Verfügung stehe und auch mit dem klaren Auftrag “Sportdirektor” an den Rhein geholt wurde.

Seit heute Morgen sind alle Sprüche, alle Zusammenhaltsschwüre und alles andere für den Popo. Seit heute Morgen sitzt Volker Finke wieder auf der Bank eines Bundesligisten. Die ersten Reaktionen via twitter zeichnen ein Bild aus Verzweiflung, Wut, Hohn und Spott, je nachdem auf welcher Seite der Macht man steht:

undsoweiterundsofort.

Unwürdig, intolerabel und nicht zu rechtfertigen, wie die Führungskräfte im Verein alle, wirklich alle Sympathien für diesen Club vernichten. Einmal mehr lacht ganz Fußball-Deutschland über den Dilettanten-Stadl aus dem Grüngürtel. Langsam ist echt mal gut. Doch, es wird nicht gut werden, soviel sei verraten. Ich habe vor einiger Zeit in diesem Blog ziemlich gegen fc.reloaded geäzt, habe den Zeitpunkt der Aktion gegen Overath und Konsorten bemängelt und muss nun wohl den Gang nach Canossa antreten, denn, die Zeit zeigt es, der Zeitpunkt war richtig gewählt. Es ist tatsächlich allerhöchste Zeit in diesem Club aufzuräumen. Ob das nun fc.reloaded macht ist mir fast schon egal, denn wir sind an einem Punkt angekommen an dem es tatsächlich nicht mehr schlimmer kommen kann. Das heißt schon einiges. Wir haben als FC-Fans schon einige schlimme Dinge miterleben müssen aber immer schwang im Hintergrund das “et hätt noch immer jot jejange” mit. Heute höre ich den Satz nicht. Sieben meiner acht Stimmen im Kopf summen nur noch, die eine regt sich furchtbar auf. Kein Licht am Ende. Wie konnte es nur soweit kommen?

Nun, vom Jetzt aus betrachtet tragen die letzten Monate die eindeutigen Züge einer Intrige, eines abgekarteten Spiels. Im Winter schöpften wir Idioten doch tatsächlich wieder Hoffnung. Mit Frank Schaefer stand uns ein Trainer zur Verfügung, der uns ein Vorbild war. Ich reiße das jetzt nicht mehr einzeln ab, sondern verweise auf den letzt-wöchigen Eintrag “Ausgeschaefert“.

Mit Volker Finke kommt ein Meier-Ersatz, der völlig unkölsch daherkommt, jedoch das Image hat ein besonnener, vorwärtsdenkender, planvoll agierender Trainer zu sein. Er kommt -und dies wird ja nun wirklich gebetsmühlenartig von allen Beteiligten wiederholt- als reiner Sportdirektor. Nun gut, wir haben den Oberen geglaubt. Wieder ein Fehler.

Die Demontage des Trainer begann schleichend aber wirksam. Als dann Overath erkannte, dass Schaefer als Typ nicht zu verbiegen ist (s. dieses Interview), war die Sache schnell klar. Mit dem Mann kann der Vorstand nicht vernüftig arbeiten, da muss dringend eine Lösung her. Da Schaefer aber in großen Teilen des Fußvolks hohes Ansehen genießt, kann Overath ihn schlecht feuern, da ständ er ja selbst doof da. Also holt man sich DuMont ins Boot, übt über die Presse Druck aus, im vollen Bewußtsein, dass der Trainer nicht darauf eingehen wird.

Finke trägt seinen Teil dazu bei indem er die menschliche Seite Schaefers ins Rampenlicht hievt und seinen religiösen Hintergrund als “Problem” deklariert:

“Die religiöse Geschichte haben wir zu respektieren”, setzte Finke fort und gab zu verstehen, dass “diese privaten Lebensüberzeugungen” der Grund für das Zögern seien. Denn daraus entstünde “offensichtlich sein Problem”, das Profimetier mit all seinen moralischen Widrigkeiten zu akzeptieren. (Süddeutsche Zeitung vom 15.04.)

Dass Schaefer dies dementiert und seinen Glauben in seine Stärke umwandelt interessiert zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr, denn längst wissen wir auch, dass Finke in der Kabine nicht nur unterstützend tätig ist, sondern die Trainerentscheidungen offen in Frage stellt und auch immer ein offenes Ohr für Problemspieler hat. Macht man das als Sportdirektor so? Ich hatte da eine andere, zugegeben romantische, Vorstellung von “an einem Strang ziehen”, “zum Wohl des Verein handelns” oder so. Naja.

Der Schritt, den Schaefer jetzt gegangen ist oder gegangen worden ist, ist insofern konsequent da alle Zeichen darauf deuteten, dass keine Authorität mehr vorhanden ist. Er begründet dies so:

„Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich der Mannschaft im Moment nicht mehr so weiterhelfen kann, wie ich es für nötig erachte“

Finke übt sich derweil in Demut, denn er stellt klar:

„Meine Aufgabe bezieht sich lediglich auf die restlichen Spiele dieser Saison. Danach werde ich wieder ausschließlich das Amt des Sportdirektors ausüben. „In dieser außergewöhnlichen Situation gilt es, alle Kräfte zu bündeln.“

Das glaube ich ihm sogar. Man wird nun im Sommer (oder wenn die Liga-Zugehörigkeit entschieden ist) einen Trainer installieren, der nicht zu viele Schwierigkeiten macht, nicht so volksnah ist und den man in aller Seelenruhe wieder feuern kann, wenn man einen Schuldigen braucht.

Diesem Verein ist fast nicht mehr zu helfen. Mit Overath, Finke, Horstmann, Neukirch und Glowacz haben wir ein Quintett an der Spitze, die sich einig scheinen, die den Verein vollständig in ihrer Gewalt haben und  komplett beratungsresitent scheinen. Anders ist eine solche Geschichte nicht zu erklären.

Ich habe wirklich gedacht es würde besser werden. Pustekuchen. ES IST ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER!

Ich habe i.M. keine Idee wie ich am Samstag im Stadion reagieren werden, wie das gesamte Umfeld reagiert. Ich kann mir vorstellen, dass Finke schon ruhigere Spiele hatte. Wenn allerdings am Samstag ein Strandkorb am Spielfeldrand steht…

[Update] Karlheinz Wagner schreibt in der Frankfurter Rundschau Interessantes, “Vertrauliches” und Rufzerstörendes über Volker Finke: “Chaos am Geissbockheim (Karlheinz Wagner ist Ressortleiter Sport beim Kölner Stadt- Anzeiger. Die Frankfurter Rundschau gehört zum Verlagshaus M. DuMont Schauberg (50%), genauso wie eben jener KStA. Ich glaube jedes Wort.)

[Update 2] Einen anderen, viel differenzierteren Blick auf die Dinge bietet der “Spielbeobachter“. Sehr lesenswerter Text: “Geschichte wird gemacht: Die Causa Finke

7 comments to Verarscht

  • ChipImBall

    In meinen Augen war das die letzte Möglichkeit dieser Mannschaft neue Impulse zu geben.

  • Das kann sogar sein. Die Gründe für diese Notwendigkeit stehen aber auf einem anderen Blatt Papier und sind -in meinen Augen- hausgemacht und geplant.
    Unabhänig davon, dass es lächerlich ist, dass eine Mannschaft die um die pure Existenz kämpft “Impulse” braucht. Traurig aber wohl leider wahr.

  • rene

    danke für diesen artikel! so wie dieses blog eh der grund ist warum ich selber nicht mehr blogge. ich würde woche für woche das gleiche schreiben, wahrscheinlich eher schlechter. immer wenn ich hier lese, weiss ich dass es menschen gibt, die genauso leiden. vielleicht sind die letzten tage bei mit tatsächlich eine schocktherapie, nach über 20 jahren von etwas loszulassen, dass mich unter dem strich eher kaputt gemacht hat, als das es mir vergnügen gemacht hat.

    ich bin mir sicher, dass der FC abstigen wird. bereits am letzten spieltag werden wir in muengersdorf hören: finke raus!

    das wird dann mein letztes spiel im stadion gewesen sein nach jetzt 10 jahren dauerkarte.

  • Micha

    Ein Freund von mir aus Bremen hat mir gestern noch gesagt:

    “Irgendwas muss bei euch passieren. Die letzten Spiele und davor schon die Auswärtsspiele waren doch wirklich eine Katastrophe. Es war doch klar, dass die Heimserie irgendwann reißen musste. Und wenn man sich auswärts derart desolat präsentiert und überhaupt keine Punkte holt und es gegen Stuttgart zu Hause auch ähnlich aussieht, dann muss sich auch der Trainer, natürlich auch die Mannschaft, hinterfragen.”

    Man muss sagen: Leider hat er irgendwie Recht.. und genau das hat Schäfer anscheinend auch getan. Nachvollziehbar bei der aktuellen sportlichen Lage und der Verfassung der Mannschaft. Schade, Schäfer ist ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, aber man muss dann den Tatsachen auch mal ins Auge gucken.

  • ChipImBall

    Herr Schäfer hat uns mit 6 Heimsiegen deutlich nach vorne gebracht. Und wenn er jetzt nicht mehr will, dann ist das völlig legitim (Egal was DuMont mit Finke da reinspekuliert).
    Die Mannschaft muss gegen die Pillen min. ein Untenschieden holen, und das muss in die Köpfe der Spieler eingehämmert werden. Ich hoffe daß Finke es auch so vermitteln kann….

  • Malzi

    Solange der O. seinen Porsche täglich vor´s Geißbockheim fahren darf, ändert sich beim FC gar nichts.
    Die Rundschau zitiert den O. heute wie folgt:”Vorstand und Geschäftsführung haben gemeinsam in persönlichen Gesprächen versucht, Frank Schaefer umzustimmen….”
    Herzlichen Glückwunsch. Wenn die das wirklich versucht haben: schon wieder falsch! So leid es mir tut, Schaefer war durch. Man musste reagieren. Und wenn der Lottner den Trainer gegeben hätte.

    Also nochmal im Klartext:
    Wolfgang, halt´s Maul und verschwinde endlich! Du bist einfach zu dumm für den Posten des Präsidenten eines Erstligavereins. Ist ja nicht schlimm, aber sieh es – bitte, bitte, bitte – endlich ein!

  • […] Aber zurück zum Sport: in Köln sorgte der Rücktritt eines anderen Trainers für Unverständnis und Kopfschütteln über den FC und seine Vereinsführung. “Der Vierte Offizielle” fühlt sich ganz einfach “Verarscht“ […]

Haut rein, schreibt mir was!