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Von Außen betrachtet

Wer diesen Blog schon mal gelesen hat, wer vielleicht drei90 hört, der weiß, dass ich dem Fußball schon seit längerer Zeit eher mittelmäßig wohlwollend gegenüber stehe. Mir geht viel zu viel in die falsche Richtung, ich ärgere mich über UEFA-Dummheiten, über FIFA-Korruption und DFL-Schwachsinn. Ich entferne mich immer mehr. Zumeist interessiert mich alles außer dem effzeh in der Bundesliga nicht mehr wirklich, es ist das schon einmal beschriebene Grundrauschen. Die Spielen laufen zwar aber ich kann auch dabei am Rechner sitzen und arbeiten oder Staubsaugen oder kochen. Das ist das Tagesgeschäft. Das mag mit den allgemeinen Entwicklungen zu tun haben, ich glaube aber -das fiel mir gestern Abend erneut auf-, dass das Spiel an sich auch einen nicht kleinen Anteil an meinem Desinteresse hat. Ich muss mir nicht Mainz gegen Hertha Stolperfußball geben (genausowenig wie ein Mainzer oder von mir aus Berliner sich das effzeh-Gerumpel antun sollte) und nicht mal die Spieltagszusammenfassungen reizen mich noch. Das Produkt ist einfach zu schlecht. Mario Gomez sagte es vor ein paar Wochen sinngemäß: In der Bundesliga wird nur Fußball verhindert, nicht gespielt. Die völlige Fokussierung auf das Ergebnis ist die freudlose Evolution im Bundesliga-Fußball.

Ich kam zum Fußball in den 80er Jahren. Der 1.FC Köln war Grundkonsens im Freundeskreis. Jeden Nachmittag gingen wir auf den Platz bzw. auf die Wiese vor dem Haus, alle Nachbarskinder, immer. Jeder wollte Pierre Littbarski sein oder Klaus Allofs, wir liebten Vincent Mennie, diesen drolligen Schotten. weil er mal ein wunderschönes Tor geschossen hat. Wir waren Kinden, wir spielten Fußball und verschwendeten keinen Gedanken an Paul Steiner oder Dieter Prestin auch wenn wir uns der Knochenbrecher-Fraktion durchaus bewusst waren (gegrätscht wurde auf der Wiese schon. Auf der Asche eher nicht oder nur bei Regen). Nein, wir wollten den Ball und wir wollten wunderbare Sachen mit dem Ball machen. Einen Übersteiger, einen Beinschuss, eine Pass mit dem Außenrist. Und wenn es nicht geklappt hat, dann beim nächsten Mal. Ich glaube zutiefst, dass das die Faszination des Spiels ist. Die Eleganz, die Kreativität, die Fähigkeit mit simplen Mitteln einen Zaubertrick zu präsentieren. Einen hohen Ball aus der Luft tot stoppen, einen ansatzlosen Schuss in den Winkel (bis heute mein schönstes eigenes Fußballerlebnis als ich in der C-Jugend mal einen Ball aus der eigenen Hälfte durch die gegnerische Mannschaft gedribbelt habe, dann einen Doppelpass mit unserem Linksaussen Guido, ich bekomme den Ball so ca. 20 Meter vor dem Tor wieder und zirkele rechts oben ins Eck. Tor des Jahres. Mindestens. Habe ich nie vergessen….). Ihr wisst, was ich meine. Die Essenz, die uns zum Fußball gebracht hat, ist die Schönheit des Spiels, nicht die Verbissenheit.

Und plötzlich habe ich wieder Hoffnung. Hoffnung mich wieder mit dem Fußball zu versöhnen. Mich wieder zu erinnern, wie das war als wir das Spiel sahen und begriffen: Das was Lothar Matthäus da macht, das ist nicht normal. Das kann nicht jeder. Die Art und Weise wie Brian Laudrup den Ball führt, diese Leichtigkeit, diese pure Eleganz, Mann, das möchte ich auch können. Und was gibt mir die Hoffnung zurück? Der europäische Vereinsfubball. Weniger bizarr geht es gar nicht, oder? Aber, ich muss es einfach eingestehen und ich schäme mich kein bisschen: Ich habe die Spiele der letzten acht Tage genossen wie wenige Fußballspiele in den letzten Jahren.

Bei allem Respekt vor dem BVB, der nach dem Anschlag sicher nicht wettbewerbsfähig war, mir kommt in der Berichterstattung über die Spiele der AS Monaco viel zu kurz. Es wird mit keinem Wort erwähnt, dass diese Mannschaft zum niederknien Fußball spielt. Aus einer auch spielerisch guten Abwehr über ein elegantes Mittelfeld bis hin zum traumhaften Sturm sehen wir hier eine -im besten Sinne- moderne Mannschaft. Hier können wir uns verlieren. Wenn der Ball von Mendy über Bakayoko zu Lemar und dann schließlich zu Mbappé gespielt wird, dann hat das etwas von einem brillanten Gedicht. Diese Selbstverständlichkeit mit dem der Ball laufen gelassen wird, die klugen Laufwege, die klinische Präzision, das ist einfach wunderbar. Man merkt dem Team die Freude am Spiel an. Das ist -von Außen betrachtet- eine große Freude. Mit keinem Wort lese ich das in der deutschen Berichterstattung. Es geht nur um Dortmund und warum sie verloren haben. Ja, zum Teufel, warum stellt denn niemand die Frage warum Monaco das Spiel gewonnen hat? Warum können wir nicht würdigen, wenn uns und sei es nur kurz, wieder ein Blick auf den Kern des Fußballs gezeigt wird?

Genauso wie vor Monaco verneige ich mich vor Juventus, die im Hinspiel den FC Barcelona regelrecht an die Wand gespielt haben. Barcelona. Mit Messi, Neymar, Suarez etc.. Welch Mannschaft die alte Dame heute ist. Juve hat mit Paolo Dybala den vielleicht aufregendsten Spieler unserer Zeit in seinen Reihen, dazu Cuadrado und Higuain, Khedira, Mandzukic… ach, das ist einfach wunderbar anzusehen. Das so untypisch italienische Tempo, die unkonventionellen Ideen, die perfekten Ver- und Überlagerungen der Seiten, es geht einem das Herz auf. Im Rückspiel im Camp Nou eine fast orchestrale Sicherheit, perfekt harmonierende Ketten. Trauwandlerisch sicher von zwei Vierer- auf eine Fünferkette umstellend, jeden Spielzug des großen FC Barcelona beantworten könnend. Das ist dann vielleicht nicht die pure Sexyness aber es ist unfassbar guter Fußball. Ernsthaft.

Oder nehmen wir Ajax gegen Schalke. Da spielt mit Donny van de Beek ein 97er Jahrgang die zentrale Rolle im Mittelfeld. Im Sturm Bertrand Traoré (’95 geboren) und Justin Kluivert (’99er). Die brodeln vor Energie, die haben ein Spielsystem, das auf Spiel betont wird. Ajax ist im Vergleich nicht annähernd so gut wie Monaco oder Juve aber es zeigt den Willen das Spiel zu spielen nicht zu verhindern. Es zeigt, dass man mit aufregendem, attraktivem Fußball auch eine Weinzierlische Verhinderungstaktik ausheben kann. Das hat mir ebenfalls unglaublich gut gefallen. Das macht doch das Spiel aus.

In kurz: Ich habe mich ein bisschen neu verliebt in den Fußball. In das Spiel selbst. Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass mir beim 1.FC Köln ein unfassbar schlechtes 1:0 deutlich lieber ist als das beste Spiel der Geschichte mit 3:4 zu verlieren, das ist ja keine Frage aber -von Außen betrachtet- nur als Fan des Spiels, hat mir die letzte Woche ein wenig den Glauben an das Spiel zurück gegeben. Es kann alles noch so den Bach runter gehen, wenn dann 90 Minuten gespielt wird und man verzaubert mich derart wie es Monaco oder Juve getan haben, dann denke ich nicht an 50+1 oder Stimmenkauf, da bin ich ein Kind uns sitze mit offenem Mund vor dem Fernseher, will mir am liebsten selbst nen Ball schnappen und bei den Nachbarn klingeln, ob man Zeit hat auf die Wiese zu gehen.

Vielleicht ist das alles, was der Fußball sein sollte.

Ich mag das Spiel immer noch sehr.

4 comments to Von Außen betrachtet

  • Freut mich sehr, das zu lesen.
    (Manchmal dachte ich schon, mit meiner naiven Begeisterung für dieses Spiel auf dem Weg in die Isolation zu sein.)

  • martin

    Schöner Text. Mir gehts auch so. Liegt vielleicht auch daran, dass wir alle gerne mal etwas Neues sehen wollen. Real spielt ja auch irgendwie gnadenlos guten Fussball, aber das kennt man schon. (Zumindest die immer noch wichtigsten Leute Ramos und Ronaldo.)

  • Counterpoint: Fußball lebt von beidem. Sowohl der schönen Technik als auch dem beherztem Kampf.

    Aber gut, nachdem ich selber zwei linke Füße hab und meine Paradedisziplin beim Selberspielen das Im-Weg-Stehen ist…

  • Noch geiler wäre nur Monaco gegen Juve. Im Endspiel. In Shanghai.

Haut rein, schreibt mir was!