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Wolfsburg – FC: Vom Glauben an Gutes

In der klassischen Mechanik ist der Impuls eines Objekts definiert als das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit des Objekts. Der Gesamtimpuls, der sich durch einfaches Addieren der Einzelimpulse ergibt, ist eine Erhaltungsgröße. Im Falle der Flankenkünste des 1.FC Köln müssten wir wahrscheinlich eher von einer Enthaltungsgröße schreiben aber das ist jetzt fast schon egal, weil ja auch ohne irgendein klassisches Flügelspiel ein Weg gefunden wurde einen Punkt aus Wolfsburg mitzubringen und außerdem brauchte ich eine Einleitung, die irgendwas mit Mechanik zu tun hatte, weil ich eigentlich eine andere Überschrift wählen wollte aber dann wurde der Text doch ganz anders als vorher im Kopf entworfen und darum steht da jetzt der Quatsch.

Okay, fangen wir nochmal vorne an. Also ich. Ihr seid ja noch am Anfang, wenn ihr nicht wie wilde Hyänen kreuz und quer durch den Text pflügt.

Eins zu eins in Wolfsburg. Damit können, müssen und sollten wir sehr gut leben können auch wenn der VfL sicherlich zur Zeit alles andere als eine Spitzenmannschaft ist, die uns in Grund und Boden spielen muss. Aber sie haben halt doch ein paar gute Leute im Team, die auch mal durch Kleinigkeiten einen Unterschied machen können und Spiele gegen schlechtere Teams einfach qua ihrer individuellen Klasse entscheiden können.

Nee, echt jetzt mal: Mit dem Punkt habe ich nicht mal im Ansatz gerechnet (musste mich dafür dann auch von Freund Christoph halböffentlich tadeln lassen) und nehme ihn deshalb umso lieber mit auch wenn wir uns als Fans im Nachgang fast schon ein wenig ärgern können, nicht die kompletten drei Punkte aus Niedersachsen entführt zu haben. Gott weiß, die Chancen dafür waren da und vielleicht waren sie nie so gut wie gestern.

Es war auf jeden Fall ein völlig anderes Spiel als jene Duckmäuschen-Vorstellung vor Wochenfrist gegen den VfB Stuttgart. Als der Twitter-Account des effzeh die Aufstellung raushaut, muss ich mich nach anstrengenden dreißig Sekunden Maulsperre enorm konzentrieren um den Unterkiefer wieder in Ausgangsstellung zu befördern. Was ist denn jetzt passiert? Gerhardt, Zoller und Mladenovic für Vogt, Osako und Olkowski, Bittencourt rückt nach rechts, Mladenovic übernimmt die linke Außenbahn, Zoller nominell neben Modeste ganz vorne drin aber sicher von Stöger eher als Wild Card gedacht um situationsabhängig im Mittelfeld Überzahl zu schaffen und das Aufbauspiel der Wolfsburger unter Druck zu setzen.

Und dann Gerhardt. Endlich.

Man merkt von der ersten Minute den Unterschied zu Vogt. Gerhardt mag den Ball. Die beiden haben eine funktionierende Beziehung. Müsste ich das romantische Verhältnis von jeweils Vogt und Gerhardt zum Spielgerät mit einem 80er Jahre Softporno umschreiben wäre es bei Yannik “Zärtliche Cousinen” während bei Kevin Vogt wohl alles auf einen Streifen der “lass jucken Kumpel”-Reihe hinausläuft. Plump, verbissen, nicht wirklich schön. Und auf keinen Fall würde Peter Ludolf das gesehene als romantisch bezeichnen. Also das Vogtsche Fußballspielen meine ich in diesem Fall.

Aber genug davon.

Gerhardt macht Dinge. Er geht ins Dribbling, er marschiert mit dem Ball, er kann die Bälle verteilen und hat den Kopf immer oben. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht zu dem stumpfen Tippkick-auf-den-Kopf-hauen-damit-der-Fuß-hochschnellt-Kevin. Sorry, ich muss deutlich sein. Gerhardt war gestern der beste Mann auf dem Platz auch wenn da noch nicht alles hundertprozentig geklappt hat und es immer noch ein Stück besser geht aber Leute, Leute, das darf doch eigentlich keine Diskussion sein, wer da neben Lehmann spielen sollte. Meine ich übrigens komplett ernst: Der effzeh ist mit Gerhardt eine andere Mannschaft als mit Vogt. Okay, per Design kannste das mal machen um dem Gegner zu zeigen, dass es heute nix wird mit einem mitspielenden 1.FC Köln geben wird und dass man die Stutzen mal schön hochziehen sollte aber generell? Für mich stellt sich diese Frage einfach nicht. Gerhardt muss immer spielen.

Nächste Woche ist Lehmann draußen weil er sich die 5. gelbe Karte abgeholt hat, da dürften dann Vogt und Gerhardt zusammen die Doppelsechs bilden. Ich hoffe Kevin hat seine Haxen soweit unter Kontrolle, dass er seinen Mannschaftskameraden nicht beim Kampf um den Laufweg bei Beine bricht.

Sehen wir es positiv: Dadurch dass Lehmann gesperrt ist, wird Peter Stöger nicht an Gerhardt vorbei kommen. Hoffe ich zumindest.

Wo war ich?

Achja, der effzeh spielt in Wolfsburg. Und macht das eigentlich richtig, richtig gut. Das Aufbauspiel der Gastgeber wird von Beginn an unter Druck gesetzt, Naldo und Dante sehen so alt aus wie sie sind, spielen Fehlpass um Fehlpass, es findet so gut wie kein geregelter Spielaufbau statt. Auch aus dem Mittelfeld kommt nichts, weil der effzeh die Räume immer gut zumacht, ständig überlagert und als gesamte Mannschaft mit dem Ball mitgeht. Eine klassische Raumverteidigung, die durch die nach hinten arbeitenden Zoller und Modeste genau das bringt, was sie bringen soll: Schnelle Ballverluste des Gegners. Das war gut.

Leider kommen wir dann auch sehr schnell zum Kontrapunkt. Nachdem der Ball in den eigenen Reihen war, wurde viel (lies: viiiiiiiiieeeel) zu wenig daraus gemacht. Ernsthaft, effzeh: Was da an Pass-, Flanken- und Seitenwechsel-Fehlern fabriziert wurde, das hat wenig Spaß gemacht. Okay, einmal musste ich sehr lachen als Modeste -im Prinzip gut freigespielt- ins eins zu eins hätte gehen können, dann aber auf nachrückende Spieler warten wollte und völlig unbedrängt über zehn Meter einen Ball zum Gegenspieler passte. Bei Twitter brach daraufhin die Diskussion los, ob Modeste eventuell an einer Rot-Grün-Schwäche leidet, weil man sich diesen “Pass” anders nicht erklären konnte und wollte.

Das war dann nicht so gut.

Aber das -und hier muss ich mich leider wiederholen- ist dann (noch) der Unterschied zwischen dem 1.FC Köln und einer Spitzenmannschaft. Ernsthaft, gegen ein richtig gutes Team (oder eine Mannschaft mit Alex Meier in der Aufstellung) wäre Wolfsburg gestern ungespitzt in den Boden gerammt worden. Du lieber Himmel ist das übel, was der Trainer des Jahres da mittlerweile für Grütze anrühren lässt. Da reicht eigentlich ein Wort: Schürrle. Bei Chelsea müssen sie sich so einen Ast lachen (obwohl ich gar nicht sicher sein kann, ob die die 30 Mio. überhaupt spüren). Gut, das soll nicht unsere Sorge sein aber es ist schon nett zu sehen wie dieser durchaus unnötige Werksclub es verkackt. Und wie lustig die Fans sind…

Zum Gegentor muss eigentlich nicht mehr viel geschrieben werden. Jeder weiß, dass da Timo Horn wieder für seinen hektischen Versuch das Spiel schnell zu machen bestraft wird. Das ist nicht das erste Mal, dass er damit auffällig wird. Zu Beginn der Saison war es gehäuft zu sehen, dann wurde es besser, gestern war es dann mal wieder so weit. Leider ist das so unnötig und für eine Mannschaft wie den effzeh einfach auch kein geeignetes Mittel. Wenn das Spiel vom Torwart schnell gemacht werden soll, müssen die langen Bälle präzise kommen und sie müssen auch direkt verwertbar sein. Das können wir aktuell nicht. Muss auch noch nicht sein, das Team ist ja weit davon entfernt ausentwickelt zu sein aber dann können wir es auch sein lassen. Es steht 0:0 in Wolfsburg, Mitte der zweiten Halbzeit, da muss ich nicht unbedingt durchdrehen und auf Teufel komm raus einen Angriff mit Barcelona-Geschwindigkeit einleiten wollen.

Aber auch hier glaube ich an das Gute: Peter Stöger wird die Szene mit Timo Horn aufarbeiten und nach allem, was ich bisher von Horn gelesen und gehört habe, scheint er mir nicht der Typ zu sein der komplett lernresistent ist und besser Feldwege plattstampfen würde. Nee, das wird schon werden. Auf der Linie ist er eh mMn der zur Zeit beste Torwart Deutschlands, das ist teilweise überragend, was er durch die Saison spielt (und hört mir auf mit dem Reklamierarm-Mann, der bekommt ein Zehntel von dem zu tun, was Horn um die Ohren bekommt – kein Vergleich möglich) und der Rest wird irgendwann werden. Ganz sicher.

Man ärgert sich aber dennoch. Einfach weil es so unnötig ist. Aber egal, wir sind ja nicht mehr der effzeh von vor 5 Jahren, die Schultern gehen nicht nach unten, die Körperspannung ist weiter da.

Und so werden wir belohnt. Modeste mit einem feinen Schlenzer ins lange Eck, nachdem vorher auf links der Ball erobert wurde, der freie Raum gesehen wird und fast schon präzise genau dahin gespielt wird, wo es Sinn macht. Sachen gibt’s…

Gut für Modeste, dass er auch aus dem Spiel heraus wieder ins Tor getroffen hat und gut für den effzeh, weil Modeste einfach zu wichtig für unser Spiel ist. Über Zoller (stets bemüht) geht zu wenig.

Das Fazit ist simpel: Der Punkt ist ein Bonus, das Spiel war gut, die Konsequenz mit der Fehler ausgenutzt werden sollten ist noch nicht da aber das lege ich dann auch mal unter Entwicklungspotential ab und wenn wir dann jetzt irgendwann auch noch jemanden so abrichten können, dass er Flanken, Freistöße und Ecke einigermaßen bundesliga-tauglich treten kann, dann sollte wir uns keine allzu große Sorgen mehr machen müssen. Jedenfalls dieses Jahr.

Ich sag es doch schon seit Jahren und langsam könnt ihr mir glauben: Alles wird gut. Ich glaube fest daran.

Jetzt ist Karneval und der effzeh muss auswärts in Hamburg ran. Der HSV ist immer noch keinen Schritt weiter als letztes Jahr, hat es nur geschafft durch einigermaßen bizarre Siege in der Hinrunde einen anderen Eindruck zu hinterlassen. Das wird sich in der Rückrunde ändern. Wartet mal ab, die gehen wieder in die Relegation. Mal schauen ob der effzeh am Sonntag seinen Teil dazu beitragen kann.

Der Glaube ist da.

Come on effzeh!

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1 comment to Wolfsburg – FC: Vom Glauben an Gutes

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