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Die Tor-Wette:

FC – BVB: Vergleichsweise gut

Und dann war da nur noch Jubel. Die Nikolausmützen flogen wie eine Rotte aufgeschreckter Fledermäuse Richtung Oberrang Süd, der Zaun füllte sich schneller als ein Glas Kölsch unter Fass-Überdruck und die Lautstärke im Stadion muss nah an eine startende NASA-Mission herangekommen sein. Eben hat Frederik Sörensen einen Kopfball in bester Betonschädelmanier Richtung Elfmeterpunkt geköpft, Tony Modeste hat im Strafraum Platz für zwei Strandliegen inkl. Sonnenschirm und zögert diesmal nicht, sondern schließt ab. Hat dieses Selbstverständnis, was wir am Anfang der Saison so bewundert haben, welches aber in den letzten Spielen einfach nicht da war, wieder. Ball kommt, Tony schießt, Dortmund guckt blöd, Köln rastet gepflegt aus. Frohe Weihnachten.

Ich hatte ja vor dem Spiel dieses „ach egal, was soll schon passieren“-Gefühl, wollte nur ein gutes Spiel der Mannschaft sehen und rechnete mir eigentlich nichts aus. Als die Aufstellung bekannt gegeben wurde und sich die… nunja… defensive Grundausrichtung zu manifestieren schien, wurde die Vorfreude nicht größer weil für mich eigentlich recht klar war, dass man den BVB nicht spielen lassen darf, sondern die Schwachstellen angegriffen werden müssen. Gibst du den Dortmundern Platz sich zu sortieren, setzt du sie nicht unter Druck, dann hast du ein Problem, weil fußballerisch ist das ja nicht Fortuna Düsseldorf. Das wird dann irgendwann zu viel, weil sich alles nach hinten orientiert, eigentlich kein Aufbauspiel stattfinden kann, weil keine Anspielstationen frei sind und damit nur gewartet wird dass der nächste Angriff angerollt kommt. Das ist gegen eine Mannschaft wie den BVB nichts anderes als eine Kapitulationserklärung.

Folgerichtig waren die ersten 20 Minuten richtig mies. Der effzeh hatte keine Mittel die Angriffsbemühungen des Gegners auch nur ansatzweise zu unterbinden, stand recht hilflos im Zentrum, versuchte nach Richtung Ball zu verschieben, lief aber immer nur hinterher wie ich Sophie Marceau. Ambitioniert aber doch eigentlich recht hoffnungslos. Die wenigen Situationen mit Ballbesitz des 1.FC Köln wurden durch Pässe in die Schnittstelle fünf Meter vor der Mittellinie links oder fünf Meter hinter der Mittellinie rechts vertan. Sogar Mats Hummels war in der Lage sich richtig zu positionieren und die Räume eng zu machen. Mats Hummels! Das muss man sich mal vorstellen.

Tjoa und wenn dann noch die obligatorische Schwäche bei Standardsituationen dazu kommt und ein Gegenspieler im eigenen Strafraum bei Ecke behandelt wird als würde die Adelskaste in Indien eine Pestkolonie besuchen, dann dauert es auch nicht lange, bis man hinten liegt. Das geht dann quasi ratzfatz. Sokratis köpft unbedrängt ein und ich hab keine große Lust mehr. Zu deutlich wurde uns vor Augen geführt, dass wir nicht mithalten können. Schade.

Doch dann passiert etwas.

Etwas, was schon die gesamte Zeit unter Peter Stöger auffällt: Die Mannschaft hat eine positive Grundeinstellung. Es wird nicht gemotzt, es wird nicht lamentiert, es werden keine Schultern hängen gelassen, sondern es wird aufgestanden. Wie nach einem Niederschlag im Boxen torkelt der effzeh zwar durch die erste Hälfte, versucht aber immer mehr das Kommando zu übernehmen, wehrt sich gegen die Niederlage, geht aus der Kaninchenstellung raus, probiert seine naturgegebenen Grenzen zu erweitern und drängt den BVB Stück für Stück weiter in die eigene Hälfte. Adriaaaaaaannn!

Zuerst ist das nur unmerklich. Yannick Gerhardt geht ein Stück weiter nach halbrechts, Lehmann nimmt den Ball später an, Olkowski schaltet sich in das Spiel nach vorne ein und schwupps sind 5 Meter Raum gewonnen. Jonas Hector setzt sich auf links durch, Risse läuft kreuz und quer dem Ball hinterher wie ein Golden Retriever der sich auf einen Tennisplatz verlaufen hat und wieder sind 5 Meter mehr Platz da. Dazu werden die ballführenden Dortmunder Spieler schneller angegriffen, die bekannten Anspielstationen dicht gemacht und wieder hast Du etwas mehr Zugriff auf das Spiel.

Das hört sich zwar einigermaßen simpel an und wir haben mit dem Spiel nach dem Gegentreffer ja auch das Rad nicht neu erfunden aber die Konsequenz mit der die Mannschaft –mit zunehmender Spieldauer- an ihre Chance glaubte, nötigt dann doch Respekt ab. Natürlich wurde das ganze Vorhaben auch durch die Passivität der Dortmunder unterstützt, die keinen Zugang mehr zum Spiel fanden, sich im klein-klein verloren und generell der Ansicht waren, dass man auch mit Standgas die Punkte mitnehmen kann. Tuchel war hilflos, hatte keine Idee das Spiel zu lenken, wechselte aus als hätte er gewürfelt und verloren und schob das Ganze dann auf die „emotionale Ebene“, auf die der 1.FC Köln und das Müngersdorfer Stadion das Spiel „gehoben hätten“. Na herzlichen Glückwunsch, Herr Tuchel. Ihre Mannschaft spielt Woche für Woche vor der selbsternannten gelben Wand, wirbt mit „Echte Liebe“ und wenn man Norbert Dickel mal im Radio gehört hat, dann weiß man auch wer das Wikipedia-Bild zum Artikel „emotionaler Knallkopf“ schmücken sollte. Und damit kommt der BVB also nicht klar. Ja jut, keine weiteren Fragen. Tuchel ist einfach nur ein Dummbatz.

Egal.

Auch über den nicht gegeben Elfmeter will ich gar nicht mehr groß jammern. Jeder hat gesehen, dass es ein Elfer war, nur der Linienrichter, der freie Sicht hatte, hat es mal wieder nicht gesehen. Machste nix. Meine Meinung zur Überforderung des Unparteiischen-Personals dürfte mittlerweile bekannt sein, darum will ich mich heute einfach nicht wiederholen.

In der zweiten Halbzeit verlagerte sich das Spiel dann sukzessive immer weiter in die Dortmunder Hälfte. In der Mitte machte Lehmann ein Bombenspiel, verteilte die Bälle mit schlafwandlerischen Sicherheit, hinten hielt Dominic Maroh jeden versuchten Entlastungsangriff der schwarz-gelben kurz, Gerhardt glänzte als unermüdlicher Antreiber, der jedem Ball hinterher ging und auch Marcel Risse war extremst fleißig. Man kommt an Risse aber nicht vorbei ohne etwas zu seinen Standards zu sagen. Gruselig ist da noch das empathischste Wort, das mir einfällt. Nichts, wirklich gar nicht was Risse an ruhenden Bällen hingelegt bekam konnte er auch nur einigermaßen einer fußballerischen Grundausbildung zum Glanze verwerten. Das war schon richtig übel. Ein Punkt in dem der effzeh sich sowohl hinten als auch vorne unbedingt noch verbessern muss.

Man merkte dem Team aber immer, allen technischen Unzulänglichkeiten zum Trotz, an, dass sie wollen. Dass sie sich nicht mit der Niederlage zufrieden geben. Dass sie merken dass der BVB auch nur mit Brackwasser kocht. Das hat mir dann einfach gefallen und das Ergebnis rückte weiter in den Hintergrund, weil gegen den BVB in diesem Jahr ja auch niemand (außer den Bayern) mit einem dreifachen Punktgewinn rechnen muss.

Doch, der effzeh belohnt sich. Und zwar nicht ausschließlich durch einen Platzfehler, der den verunglückten Abschlag forciert, sondern durch konsequentes pressen, welches dem Torwart keine Zeit gibt den Ball anzunehmen und in Ruhe nach vorne zu dreschen. Er muss sofort den Ball wegbringen und dann passiert sowas eben. Natürlich ist das eine gehörige Portion Glück aber es ist wie überall: Dem Glück kann auch sanft auf die Sprünge geholfen werden.

Eins zu eins, hochverdient. Jetzt halten, Jungs.

Denkste.

Wir sind auch nach dem Ausgleich das bessere Team, versuchen weiter nach vorne zu spielen und haben es einfach verdient dieses Spiel zu gewinnen. Da kann mir auch jeder erzählen, dass der BVB „eigentlich“ das bessere Team ist, das ist doch kein Argument. Wir haben das Spiel am Ende dominiert, jeden Zweikampf angenommen, voller Herzblut gespielt und dem Gegner kaum noch Luft zum atmen gelassen. Was sollen wir als Fans des effzeh denn noch verlangen?

Und dann explodiert das Stadion, Modeste läuft nackend über Gottes grüne Wiese, Peter Stöger jubelt euphorisiert und auf den Rheinterrassen bekreuzigt sich das Servicepersonal. Frohe Weihnachten, Freunde.

Ihr merkt schon, ich bin einigermaßen zufrieden mit dem Hinrundenausklang.

24 Punkte. Nur noch 16 bis zum Klassenerhalt.

Come on effzeh!

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1 comment to FC – BVB: Vergleichsweise gut

  • Joey Dunlop

    Ich habe das mit der Fünferkette nicht so negativ gesehen, weil es eigentlich keine Fünferkette ist, sondern eine Dreierkette mit zwei defensiven Flügelstürmern.

Haut rein, schreibt mir was!