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Neu beim FC: Allg. Hochschulreife

Volker Finke

Es war die Überraschung des Wochenendes: Volker Finke wird neuer Sportdirektor beim 1.FC Köln! Machen wir uns mal ein paar Gedanken dazu:

Ein Move, der aus der Leere des Raums kam, von niemandem vorhergesehen wurde und wohl auch beim EXPRESS nicht bekannt war. Dass der Coup gelungen ist, ist schon mal ein Indikator für die Seriosität, mit der Claus Horstmann die Suche nach einem Nachfolger des gescheiterten Michael Meier in Angriff nahm. Am Donnerstag flogen er und Vize-Präsident Glowacz nach Tokio um letzte Details zu klären, kamen mit Tinte unter dem Vertrag zurück und konnten der erstaunten Öffentlichkeit Vollzug vermelden. Das war ruhig, besonnen, ohne jede Einflußnahme der Medien, ohne das Kasperletheater, denen frühere Personalentscheidungen immer inne wohnten. Unabhängig vom Ausgang ist das doch ein schönes Zeichen.

Nun also Volker Finke. Mit einer Nacht Abstand kann ich mit der Entscheidung sehr gut leben. Ich freue mich dem FC hiermit meinen Segen zu dieser Verpflichtung geben zu können. Ich bin sicher, dass sowohl der Aufsichtsrat als auch die anderen Gremien des Vereins sehnsüchtig auf mein Urteil gewartet haben…

Natürlich kommen aber auch ein paar Fragen auf, die erst mit der Zeit beantwortet werden können. Finke ist mittlerweile 62 Jahre alt, wird im März 63. Ob das ein Problem ist? Ich glaube fast nicht, denn VF machte immer einen sehr „fitten“ Eindruck, körperlich als auch geistig. Jetzt kenne ich seinen aktuellen Zustand -nach zwei Jahren rohem Fisch- nicht aber ich gehe mal davon aus, dass sich da wenig dran geändert hat.

Wie sieht es mit seinen Kompetenzen aus? Finke wird „Sportdirektor“, d.h. er ist kein Mitglied des Präsidiums, sondern „nur“ leitender Angestellter. Er ist damit Horstmann unterstellt. Kann der Mann damit leben, als höchste sportliche Autorität einem reinen Finanzmann gegenüber meldepflichtig zu sein?

Was gestern Abend bei SKY90 und auch in den diversen Artikeln, die sich mit der Personalie beschäftigen immer wieder anklingt, ist die Frage ob Finke der richtige Mann für einen jungen Trainer sein kann. In wie weit kann er sich zurück halten, wenn der Erfolg sich nicht einstellen wird? Kann es sein, dass der FC zweigleisig plant und sich durchaus vorstellen kann dass sich Finke -im Extremfall- selbst auf die Bank setzten kann? In wie weit wird er Schaefer in die sportlichen Belange reinreden? Wie kommt sein Ego mit einem weiteren sportlichen Entscheidungsträger zurecht? Marcel Reif betonte gestern dass bei Finke schon ein „Alpha vor dem Tier steht“. Wenn man 16 Jahre einen Bundes- bzw. Zweitligaclub am Stück „geleitet“ und „geformt“ hat, läßt sich das wohl nicht vermeiden. „Schaun mer mal“ sagt der Kaiser.

Eine weiteres kleines Feuerchen kann in der hiesigen Journalie liegen . Finke ist nicht für sein Boulevard-Freundlichkeit bekannt. Gerade mit dem EXPRESS und DuMont generell wird er sich eventuell nur semi-fantastisch verstehen. Wann zünden hier die ersten Nebelkerzen?
Wie verträgt sich Finke mit der „kölschen Mentalität“? Wie verkraftet er den Klüngel und die Mangelei?

Eine weitere Frage, die ich nicht einschätzen kann ist die nach seiner aktuellen sportlichen Kompetenz in Sachen Bundesliga. Finke ist seit 2007 aus dem (deutschen) Geschäft raus und hat die letzten zwei Jahre in Japan verbracht. Ich gehe einfach mal davon aus, dass er sich auch dort über die aktuelle Lage der Liga ein Bild machen kann aber reicht das aus um sofort eine Hilfe zu sein?

Finke beginnt seine Arbeit im Grüngürtel zum 01. Februar 2011. Jetzt versteh ich nicht ganz warum man ihn nicht per sofort oder wenigstens zum 02. Januar nach Köln holt. Am Neujahrstag findet in der J-League das Pokalfinale statt, danach ist das Fußballjahr in Japan vorbei. Durch die extrem kurze Winterpause zählt eigentlich jeder Tag, vor allem in einem völlig fremden und wesenfernen Umfeld. Warum jetzt noch ein ganzer Monat „Leerlauf“ eingeschoben wird, erschließt sich mir nicht. Naja, ich gehe mal davon aus, dass ab nun jeder Transfer auch über Finke geht und er auch aus Japan mit in den winterpäuslichen Planungen involviert sein wird.

Können wir mit der Wahl denn nun zufrieden sein? Ich sag mal: Ja! Finke ist vor allem ein „Fußballlehrer“ im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat in Freiburg bewisen, dass er ohne große finanzielle Möglichkeiten in der Lage ist Talente ausfindig zu machen, zu fördern und zu verpflichten. Dies ist umso wichtiger, da Schaefer in die gleiche Philosophie-Schule gegangen ist, da prallen nicht zwei konträre Systeme aufeinander. Nun warten wir mal die ersten Verpflichtungen des „neuen FC“ ab, dann sehen wir weiter. Ich bin aber erstmal guter Dinge, dass sich was ändert in Köln oder wie Werner Schynder es gestern in SKY90 ausdrückte: „Wurde ja auch Zeit dass da mal einer hinkommt der denken kann“. Jawoll.

PS: Lieber Herr Finke: Ich hätte gerne Dennis Eilhoff anstelle von Michael Rensing oder Markus Pröll. Würden Sie das bitte bei Ihrem Amtsantritt beherzigen? Danke.

3 comments to Neu beim FC: Allg. Hochschulreife

  • Malzi

    Warum – um Himmels willen – willst Du den Torwart des Tabellenletzten der zweiten Liga??? Der kennt sich mit Abstiegen aus, oder was?

    Lass uns lieber für wenig Geld den Assi aus Groß-Vernich holen. Der versteht sich sicher auch gut mit dem Assi aus Bergheim. Und im Sommer holen wir doch hoffentlich eh den Kessler zurück.

    Mal im Ernst: Ich denke der Pröll wäre ne gute Lösung. Ist erstens sicher günstig, kommt aus der Region, hat ausreichend Bundesligaerfahrung und kann sicher auch ne Abwehr zusammenstauchen (das einzige was z.Z. den Mondragon besser macht als den Varvodic).
    Rensing ist vermutlich viel zu teuer für´n FC.

  • Ich finde den Eilhoff gut. Ich halte ihn für besser und günstiger als Pröll oder Rensing. Zum Pröll hat uns der Ricardo ja mal ein paar Infos gesteckt, Du erinnerst Dich? Genau vor diesem Hintergrund glaube ich nicht dass sich “der Bergheimer” oder “der Libanese” oder “der Brasilianer” und erst Recht nicht “der Slowene” gut mit ihm verstehen würden. Ich denke, da gibt es ein Mentalitätsproblem…

    Und Rensing? Hmm. Sicher ist er nicht so schlecht wie ihn die Bayern gemacht haben aber die Frage ist ob er nicht einfach schon verbrannt ist. Das Publikum in Müngersdorf ist nicht einfach. Wenn dann ein vermeidbares Tor fällt…

    Nee, ich denke ernsthaft dass der Eilhoff die z.Z. beste Lösung für den FC darstellen würde, denn er ist weit besser als der Rest der Arminia. Außerdem ist das mit dem Kessler noch gar nicht so sicher. Er ist ja für zwei Jahre nach Pauli ausgeliehen worden. Wie da die Rückholmodalitäten sind weiß ich nicht.

  • […] mit einem klaren Fokus auf das Ergebnis und keine Effekthascherei. Das ist dann wohl die neue Kölner Seriosität. Hoffentlich kann die beibehalten […]

Haut rein, schreibt mir was!