Social Media:





SC Paderborn – FC: Normal Null

Nachdem ich den ersten Saisonsieg des 1.FC Köln blogtechnisch geschwänzt habe, weil ich die Woche echt zu gar nichts gekommen bin, darf ich also heute zum ersten Mal seit März einen Sieg bejubeln. Schriftlich meine ich. Hurra! Ein Sieg! Und dann auch noch der zweite Sieg in Folge. Nachdem der FC-Fan sieben Monaten voller Hohn, Spott und unverholener Schadenfreude aushalten musste, darf er sich wieder mal freuen. Neuzugang Ujah und Adil Chihi schossen die wichtigen Tore in Paderborn und katapultierten den Club aus den ganz schlimmen Regionen der zweiten Liga erstmal in ruhiges Fahrwasser. Sowohl gegen den FSV Frankfurt als auch gegen den SC Paderborn war nicht alles toll und perfekt aber die Siege waren beide hundertprozentig verdient und spiegelten schon die Kräfteverhältnisse auf dem Platz wider. Das war weit enfernt von Glanz und Gloria aber eben doch einen Tick besser als der Gegner und das ist doch schon mal eine ganze Menge wert!

Gegen Frankfurt mussten wir eine ganz schlimme erste halbe Stunde ertragen. Nichts ging, jeder Paß war eine Zitterpartie, es gab keine Chancen, keine Ballkontrolle und nichts was zum hoffen anregte. Dann kam der überraschende, öffnende Paß auf Ujah, der sich ungeschickt aber regelkonform auf rechts gegen den Frankfurter Torwart Klandt durchsetzte und Clemens ziemlich überragend den Ball aus 25 Metern ins Tor bugsierte aber Zwayer, der sein reguläres Geld als Austausch-Ref in der NFL zu verdienen scheint, das Tor wegen eines Handspiels von eben Ujah abpfiff. Danach war es irgendwie ein anderes Spiel. Der effzeh zeigte sich einigermaßen druckvoll, machte die Räume enger, spielte viel druckvoller gegen den Ball. Dass folglich Tore (aus dem Spiel) fallen, ist dann auch fast schon logisch, denn so stark ist die zweite Liga zum Glück doch nicht. Dass es am Ende gegen Frankfurt nochmal eng wurde, ist wieder eine 1A-Blaupause der letzten Saison. Kurz unaufmerksam, zack, Tor. Es scheint wirklich so, dass die Fehler, die in der Hintermannschaft gemacht werden, einfach jedesmal so gravierend sind, dass sofort Tore für den Gegner fallen. Gegen Frankfurt war es zum Glück nicht mehr wichtig weil das Spiel doch noch über die Zeit gerettet werden konnte aber es war ja auch bis dahin bei jeder Niederlage zu beobachten, dass praktisch jede Unsicherheit in der Hintermannschaft vom Gegner ausgenutzt wird, sei es nun Pezzoni, Brecko, Maroh oder McKenna, der Unsicherheitsfaktoren haben oder hatten wir eine Menge. Da stellt sich fast die Systemfrage aber das lassen wir heute mal besser außen vor. Nunja, ist ja auch wirklich egal, denn mit dem 2:1 Heimsieg konnte der erste “Dreier” in dieser Saison eingefahren werden und das sorgte schon für ein mittleres Erdbeben im Kölner Westen bei all den Steinen, die da gleichzeitig aus den Herzen der effzeh-Fans auf die marode Aachener Straße plumpsten.

Gegen den SC Paderborn hieß es also nun nachlegen. Die erste Auffälligkeit lag in der neuen Systemordnung, die Trainer Stanislawski bekanntgab. Erstmals spielte die Mannschaft in einem 4-4-3 4-3-3. Das ist wohl in erster Linie der Verletzung Lehmanns geschuldet aber erwies sich sich gegen eine -in der Regel- schnell über die Außen kommende Paderborner Mannschaft als die richtige Aufstellung. Durch die breiten und tatsächlich sehr flexibel agierenden Außen kam der SC praktisch zu keinem Aufbau über die Flügel, sondern musste es immer wieder durch die Mitte versuchen, wo Jonas Hector, Strobl und Matuschyk darauf warteten und mit großem Einsatz immer wieder den Spielaufbau des Gegners derart störten, dass nur halbhohe Bälle Richtung Strafraum bzw. Richtung Eckfahne etwas Entlastung für den SC boten. Die eigentliche Abwehrreihe hatte im Großen und Ganzen wenig Probleme mit Naki oder Hofmann, die es beide nur aus der Distanz versuchten und wenig Gefahr für das Tor von Timo Horn zustande brachten.

Das 0:1 war eine feine Einzelleistung des deutlich um Wiedergutmachung bemühten Brecko, der sich über rechts durchsetzt und Ujah ideal halbhoch vorlegt. Die bullige Mainzer Leihe warf sich mit vollem Körpereinsatz und kopfüber in den Ball. Gut gemacht.

In der Folgezeit war der effzeh deutlich feldüberlegen, wenn auch nicht immer zwingend und nur selten torgierig. Das sah zwar schon überlegen aus aber eben nicht so, dass die Mannschaft -mit dem Tor im Rücken- höheres Tempo und auch mal risikoreicher spielen wird. Dass wir uns da nicht falsch verstehen: Das ist schon völlig in Ordnung so, die Mannschaft braucht in erster Linie Ergebnisse, keinen Hurra-Fußball. Es war nur sehr deutlich zu beobachten, dass das Tor nicht sonderlich viel im Spiel des FC bewirkte. Man spielte souverän und kontrolliert, unterband das Paderborner Offensivspiel und machte damit deutlich mehr richtig als falsch.

Nach der Pause kam es zu einem kleinen Bruch im Spiel, der halt auf den zwischenzeitlichen Ausgleich zurückgeführt werden muss. Wieder (ich weiß, ich wiederhole mich aber was soll ich machen, es ist eben wie es ist) ist es eine unzureichende Abwehrarbeit die zum Tor führt. Ich spreche hier auch bewußt von Arbeit statt von einem individuellen Fehler, weil Matuschyk einfach die Grundlagen der Zuordnung links liegen lässt und dann natürlich falsch zum Gegenspieler steht und körperlich nicht in der Lage ist das mit einer -an die Flanke angepassten- Reaktion wieder gut zu machen. So kommt Zeitz völlig frei zum Kopfball und überwindet Horn, der merkwürdigerweise nicht auf der Linie stand, sondern gute drei, vier Meter vor seinem Tor. Beide Situationen zusammengenommen ergeben dann eben ein Gegentor. Das sind die vielbeschworenen Automatismen, die noch nicht vollständig greifen. Ich muss vom Abwehrspieler immer, wirklich immer, erwarten, dass er sich vor der Flanke (gerade bei einem ruhenden Ball!) so zum Mann stellt, dass dieser ein Duell gewinnen muss um eine Chance zu kreiren. Kommt der Stürmer so frei zum Kopfball habe ich als Defensivspieler vorher was nicht richtig gemacht. Das ist kein Rant, das ist wieder nur eine Beobachtung. Natürlich kann das passieren, natürlich wird das immer wieder passieren aber es ist eben jedesmal ärgerlich und unnötig.

Die Reaktion des effzeh hat aber diesmal nichts mit den Reaktionen der Vormonate zu tun. Es gab keine hängenden Schultern und auch die Versagensangst sah ich jetzt nicht unbedingt. Einen guten Anteil am Selbstbewußtsein der Mannschaft wird auch der Gästeblock gehabt haben, der völlig unberührt den Club feierte und das Team unterstützte. Sehr gute Leistung auch wenn die vereinzelten “Scheiß Paderborn”-Rufe die ganze Unwürdigkeit der aktuellen Kölner Situation nochmal unschön unterstrichen. Das hätten wir uns doch vor 20 Jahren im Traum nicht ausgemalt, dass man irgendwann mal in Paderborn spielen muss und dann auch noch die Heimfans beschimpft anstatt mitleidig zu lächeln und die elitäre Arroganz zur Schau zu stellen. O tempora o mores!

Das Siegtor fiel (oder “viel” @fckoeln ? -nein, nur Quatsch, ihr macht das schon ganz gut auch wenn die FC-Brille manchmal sehr rosarot ist…) nach einer Zuckerstückchen-Einlage des von mir oft geschmähten Bröker, der Messi-gleich auf dem Bierdeckel den bedauernswerten Paderborner Abwehrspieler, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, zu einer Tonfigur erstarren ließ und präzise in den Chihischen Schritt Fuß spielte. Das Düsseldorfer Urgestein hatte wenig Mühe seinen Schlappen hinzuhalten und damit war der Drops gelutscht. Die Situation war fast schon kafkaesk. Bröker tanzt elfenartig an der Außenlinie und Chihi macht souverän sein zweites Tor im zweiten Spiel. Hätte es in diesem Moment angefangen kleine schwarze Schweine zu regnen, wäre das nur das zweit-merkwürdigste Ereignis gewesen. Ich habe mich formidabel gegruselt!

Der Rest vom Schützenfest in recht schnell nacherzählt: Klare und berechtigete rote Karte für Zeitz, das dümmste Foul der Weltgeschichte von Wimmer an Wemmer und ein normalform-Abschluss von Matuschyk an die Latte. Danke, Widdersehn, zweiter Sieg. Der FC befindet sich einfach zur Zeit auf Normal Null. Nicht mehr aber eben auch nicht weniger und das ist eine ganze Menge mehr als ich vor Wochenfrist erwartet habe. Falls jetzt gegen Dynamo nachgelegt werden kann, können die ersten Pauschalreisen für den Sommer 2014 Richtung Chişinău oder Krasnojarsk gebucht werden!

Top: Sehr flexible Raumaufteilung, gutes Spiel gegen den Ball, gute Moral
Flop: zu viele Einzelaktionen
#8: 2:1 in Paderborn, 8 Punkte, 6:9 Tore, Platz 11 (Freitagabend)
nächstes Spiel: Montag, 08.10., 20:15 Uhr gg Dynamo Dresden

5 comments to SC Paderborn – FC: Normal Null

Haut rein, schreibt mir was!