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…und wie er die Welt sieht: VfB Stuttgart – FC

Es tut halt immer noch weh, nicht wahr? Diese Niederlage letzte Woche. Diese Schmach. Doch, es nützt ja nix, es muss ja weitergehen. Nach der turbulenten aber in ihrer Aussage komplett zu vernachlässigenden JHV steht nun am Sonntag das nächste Meisterschaftsspiel der Lizenzspielermannschaft des 1.FC Köln an. Marcel vom exzellenten VfB-Blog Brustring war so nett und unterstützte die Idee vom Fremdbloggen. Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht, Ihr findet diese wie immer im Gästeblog, nämlich hier.

Es wird ein wichtiges Spiel werden, am 13. Spieltag im Neckarstadion Gottlieb-Daimler-Stadion in der Mercedes-Benz Arena. Hier also seine Eindrücke vor dem Spiel:

Hallo! Mein Name ist Marcel. Ich bin 28 Jahre alt, geboren in Köln-Porz, aufgewachsen im Bergischen Land und wohne mittlerweile in Köln-Kalk. Ich bin Fan des VfB Stuttgart, mein Lieblingsbier ist Reissdorf Kölsch und Düsseldorf finde ich ziemlich ätzend.

Na, was passt im vorherigen Absatz nicht wirklich in die Reihe?

In der Tat, obwohl ich kaum kölscher sein könnte, schlägt mein Herz tatsächlich nicht für den Effzeh, sondern für einen Verein aus der weit entfernten schwäbischen Landeshauptstadt, in der ich in meinem Leben auch nie mehr als zwei, drei Tage am Stück verbracht habe.

Aber gerade als Effzeh-Fan müsste man ja wissen, dass man sich nicht aussuchen kann, wo die Liebe hinfällt. Deswegen spare ich mir nun weitere Erläuterungen (zugegeben, es hat was mit der Saison 91/92 zu tun, als es unserem Trainer Christoph Daum eine Herzensangelegenheit war, den Meistertitel zu holen).

Und selbstverständlich habe ich natürlich auch für den 1. FC Köln eine kleine Schwäche und ein Plätzchen in meinem Herzen (so ca. 5%) übrig, schließlich stand ich schon häufiger in S1 auf der Südtribüne als in Stuttgart in der Cannstatter Kurve. Und die drei, vier Minuten vor dem Anpfiff eines Spiels sind auch das Beste, was es in der Liga so gibt – die Vereinshymne des Effzeh ist einfach die Beste der Liga (aber was soll man auch dabei groß falsch machen, Runrig zu kopieren?).

Dass der Rest meistens Stimmungsmäßig gar nicht wirklich toller ist, als bspw. in Hoffenheim oder Mönchengladbach, darüber legen wir mal den Mantel des Schweigens… Ist ja auch nicht so, dass es Euch der Verein meist leicht machen würde, mit den Leistungen, die man so in der heimischen Energieversorgerkampfbahn abliefert.

Ansonsten ist es wirklich faszinierend, wie sehr sich beide Vereine doch ähneln. Speziell was das Herumdilettieren der Vereinsführungen angeht, so tun sich beide Klubs nicht wirklich viel. Im Gegenteil machen wir uns ja beide regelmäßig Saison für Saison zum Gespött der restlichen Fußballwelt. Gut, bei uns ist das meist auf den Spätsommer und Herbst begrenzt, während es bei Euch dann doch oft das ganze Jahr über geht. Zudem sind unsere Ausrutscher mehr nach oben gerichtet (einmal pro Jahrzehnt Meister), während Eure Ausrutscher meist die zweite Liga bedeuten.

Aber so insgesamt dienen unsere Führungsfritzen doch meist dem Aussenstehenden für Amüsement. Von daher sind die beiden Vereine schon irgendwie Brüder im Geiste – auch wenn wir unseren Vorstand beim nächsten Mal vermutlich entlasten. Naja, vielleicht.

Aber widmen wir uns mal den aktuellen Dingen (und damit meine ich die Geschehnisse aufm Platz und nicht im Staatenhaus).

Am Sonntag treffen unsere beiden Vereine also wieder einmal in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart aufeinander. Und auch wenn die Statistik deutlich gegen uns spricht (zumindest was unsere Heimspiele gegen Euch angeht), so werde ich dennoch mit Hoffnungen auf einen Sieg wieder mal dort im Stadion sein.

Hoffnung wohlgemerkt, keine Erwartungen. Schließlich ist der VfB (nicht unähnlich dem FC) eine ziemliche Wundertüte momentan. Seit dem Trainerwechsel durften wir in der Liga schon so ziemlich alles erleben, von einem leblosen Auftritt in Wolfsburg über einen kraftvollen Kantersieg gegen Bremen bis hin zu einem unfassbaren Einbrechen gegen Kaiserslautern.

Man kann also nur eines bislang eindeutig erkennen: Die Mannschaft ist in sich noch überhaupt nicht gefestigt und es kommt scheinbar erheblich auf die Tagesform an, in welche Richtung es pro Spiel geht – so dass auch im Spiel gegen Köln sicher jeder Verlauf möglich sein dürfte.

Immerhin, aufgrund diverser Verletzungen scheint die Startelf bis auf Weiteres zu stehen. Das System ist mit einem 4-4-2, inklusive Doppelsechs ohnehin in unserem vereinsinternen Grundgesetz festgeschrieben.

Im Tor wird Sven Ulreich spielen, der von vielen Fans vor der Saison kritisch gesehen wurde und von einigen auch immer noch wird, der aber eine bislang weitestgehend einwandfreie Saison spielt. Ausbaufähig ist allerdings noch seine Strafraumbeherrschung bei Standardsituationen und seine generelle Präsenz – er ist halt eher die Kategorie „Hänfling“.

Auch abgesehen von Ulreich ist übrigens das Thema Standards unser größter Schwachpunkt und dadurch für den FC sicher die leichteste Möglichkeit zu Toren zu gelangen. Unser Stellungsspiel ist hier einfach unterirdisch und garantiert jedes Mal wieder Nervenflattern bei mir.

Die Abwehr wird wohl aller Voraussicht nach wieder mit dem selben Personal auflaufen, wie gegen Kaiserslautern, was in erster Linie mit dem Mangel an Alternativen zu tun hat und weniger mit der Leistung auf dem Betzenberg. Die war nämlich nicht so richtig beeinndruckend.

Die Innenverteidigung wird unser Kapitän Delpierre gemeinsam mit Georg Niedemeier stellen, da sowohl Tasci als auch Boulahrouz momentan in der Reha-Welt aktiv sind. Sind beide in Topform dürften sich Novakovic und Podolski normalerweise ihre Zähne an ihnen ausbeissen.

Schwieriger ist da schon das Thema Aussenverteidiger. Auf Links wird Cristiano Molinaro spielen, der in dieser Saison bislang noch nicht an seine starken Leistungen aus der Rückrunde anknüpfen konnte und eigentlich schon aus dem Team von Artur Boka verdrängt war. Der wird allerdings mittlerweile durch zahlreiche Verletzungen und Formtiefs im linken Mittelfeld benötigt, so dass Molinaro wieder zurück ins Team rutschte. Gerade in der zweiten Hälfte gegen Lautern sah er einige Male mehr als unglücklich im Stellungsspiel aus und ließ sich überlaufen.

Ebenfalls einige Probleme hatte Patrick Funk auf der Rechtsverteidigerposition – der spielte dort allerdings zum ersten Mal von Beginn an in der Bundesliga und ihm darf man noch etwas Entwicklungspotential zugestehen. Er ist übrigens schon der fünfte Spieler, der sich im Laufe der Saison auf dieser Position versuchen darf – daher kann man schon sehen, dass es dort ein, zwei Probleme gab, was nicht nur (aber sicher auch) mit Verletzungen zu tun hat.

Im Mittelfeld ist die alles überragende Figur natürlich Christian Träsch. Ausserhalb von Stuttgart bekommt er zwar meist nicht die absolute Anerkennung, aber für unser Spiel ist er einfach immens wichtig. In der Defensive läuft und grätscht er fast alles ab, was notwendig ist und in der Offensive schaltet er sich immer mal wieder ein (wenn auch nicht so häufig wie er es vielleicht könnte). Neben ihm spielt momentan Christian Gentner, der lange Zeit Lückenbüßer auf der ungeliebten linken Mittelfeldposition war, wo er nicht wirklich glücklich wurde (und wir Fans auch nicht mit ihm). Aufgrund einer Verletzung von Zdravko Kuzmanovic hat er nun allerdings die Gelegenheit genutzt und zwei ordentliche Partien im zentralen Mittelfeld abgeliefert.

Auf dem linken Flügel spielt momentan Artur Boka und das erstaunlich stark. Ob das mit einer grundsätzlichen Formentwicklung zu tun hat, oder doch eher damit, dass er momentan Gina-Lisa Lohfink knallt – wer weiss das schon? Hauptsache er trifft.

Einer der wenigen positiv auffallenden Spieler im bisherigen Saisonverlauf ist sicherlich Timo Gebhart, der sich trotz der Verpflichtung von Weltmeister Mauro Camoranesi auf dem rechten Flügel etabliert hat. Er ist einer der Spieler, die man ziemlich Scheisse finden würde, wenn sie nicht im eigenen Team stehen würden, da er gerne mal etwas dreckiger agiert. Aber er ist immerhin einer der wenigen, die einzigartige Aktionen auf dem Kasten haben und seine Leidenschaft immer mal wieder ins Dribbling zu gehen, fehlt im Team weitestgehend.

Im Sturm ist Cacau, der zuletzt meist etwas zurückgezogen spielte, einigermaßen unumstritten. Auch wenn er zuletzt meist eher negativ in Körpersprache und Gesten gegenüber den Mitspielern auftrat, so hat er doch einigermaßen regelmäßig getroffen. Und das reicht bei uns schon um herauszuragen.

Sein Partner wird auch dieses Mal wieder Ciprian Marica sein, der zuletzt gegen Bremen und auch teilweise gegen Kaiserslautern recht positiv auf sich aufmerksam machen konnte, zumindest in Sachen Torvorbereitung. Denn im Grunde ist er doch oftmals ein veritabler Chancentod und kämpft nach wie vor mit der Bürde seiner immens hohen Ablösesumme.

Wie man sieht, Begeisterung über den eigenen Kader sieht anders aus. Und auf das Thema Trainer bin ich ja noch gar nicht zu sprechen gekommen. Denn Jens Keller, der ähnlich wie Schäfer bei Euch, aus dem Jugendbereich aufgerückt ist und ordentlich Stallgeruch besitzt, sehe ich bislang relativ kritisch, auch wenn ich mir noch kein endgültiges Urteil gebildet habe.

Nichtsdestotrotz glaube ich daran, dass unsere Qualität höher ist, als die in Eurem Kader und das wir das am Sonntag auch auf dem Platz so umsetzen werden. Wichtig wird es für uns vermutlich sein, relativ früh ins Spiel zu kommen und möglichst ein oder zwei Tore vorzulegen. Das bedeutet zwar nicht unbedingt was, siehe Kaiserslautern, aber ich vermute, dass der Effzeh momentan nicht die Kraft hat, um einen größeren Rückstand zu drehen oder auch nur auszugleichen.

Als Kölner hoffe ich aber, dass der Effzeh sich dann bald danach wieder aus dem Schlamassel ziehen kann. Ist doch schon ein wenig attraktiver, quasi vor der Haustüre Erstligafußball zu haben, als wieder Montagsspiele in Sport1.

4 comments to …und wie er die Welt sieht: VfB Stuttgart – FC

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