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FC Bayern - FC: dismembering the Game

Punkt gewonnen, das Spiel vernichtet. Buchstäblich zu Grabe getragen. Kann man damit leben? Müssen wir damit zufrieden sein? Willkommen zum Philosophie-Grundkurs Fußball.

Vorab, bevor sich hier wieder der Schaum vor manchen Mäulern sammelt: Natürlich ist das Spiel des FC legitim, natürlich hat die Roma am Mittwoch keinen Deut anders gespielt und dass das Ergebnis heute über allem steht ist mir dann doch klar. Ein 3:4 in einem wunderschönen, romantischem Spiel ist halt doch ´ne Spur “scheissiger” als ein ermauertes 0:0 in einer Partie aus der Hölle.

Ich will und kann auch gar nicht viel zum Spiel selbst schreiben. Bayern mit gefühlten 95% Ballbesitz, der FC sehr, sehr, sehr diszipliniert, kaum Chancen (die Beste hatte noch Freis für den FC – und er vergibt sie natürlich, wie immer, weil er aus sieben Metern nur Butt trifft), ein Mondragon, der die Grenzen des Zeitschindens erneut in neue Dimensionen schraubte und fertig war der erneute Punktgewinn gegen den Rekordmeister, der anscheinend gegen Köln nicht mehr gewinnen kann.

Wichtigster Mann beim FC war Pedro Geromel, der ein ums andere Mal alle Bemühungen der Hausherren ein jähes Ende setzte, die Abwehr (oder die Mannschaft, wie ihr wollt) dirigierte, keine Fehler machte und einfach ein unfassbar abgeklärter Chef auf dem Platz ist.

Die nächste Zeilen sind für mich sehr schwer aber ich muss es ja dann doch zugeben: Miso Brecko mit einer klasse Partie gegen Ribery. Der Franzose konnte sich in keiner Minute frei über den Platz bewegen, Brecko war immer da, hatte immer einen Fuß dazwischen, konnte immer verhindern. Natürlich nicht mehr, aber das war wohl auch nicht seine Aufgabe, denn alleine mit seiner Aufstellung machte Trainer Soldo klar, dass der FC nicht der Anspruch hatte nach vorne zu spielen. Das ist zu respektieren und -nochmal- es ist legitim. Brecko hat das Vertrauen des Trainers gerechtfertigt und seine Rolle nahezu perfekt umgesetzt.

Die komplette Mannschaft verteidigte das Unentschieden leidenschaftlich, auch hier kann man den Spielern und dem Trainerstab nicht den geringsten Vorwurf machen. Die Einstellung stimmte, die Taktik war klar aber damit müssen die Bayern leben und umgehen können. Neben einem Schuss und einem Kopfball von Müller hatte Mondragon einen ruhigen Tag im Tor des FC (okay, die Kroos-Flanke sah ein wenig scary aus…), vom FCB kam herzlich wenig. Das Spiel wirkte unkonzentriert, ohne wirkliche Struktur und ohne Esprit. Letztlich ist es eine Mannschaft vom Schlag der Bayern immer selbst schuld, wenn sie gegen eine derart destruktive Mannschaft kein Tor schießen. Die Qualität ist da, wird aber z.Z. nicht abgerufen. Shit happens.

Die große Frage aber bleibt: Möchte ich sowas sehen? Möchte ich Vernichtungskampf statt Inspiration? Wie wohl jeder von Euch wohl eher nicht. Muss ich aber, denn die Mannschaft und der Trainer haben den Auftrag möglichst viele Punkte zu holen. Mit allen Mitteln. Leider haben wir nicht die Eier wie Mainz 05, die einfach Fußball spielen, ihre ganze Philosophie, ihr ganzes Denken dem “schönen” Spiel widmen und damit -zumindest kurzfristig- Erfolg haben. Das fängt bei der Kaderzusammenstellung an und hört bei einem Spiel in München noch lange nicht auf. Mir ist klar, dass aus “diesem” FC nie ein schön spielender Fußballverein wird, dass wir uns immer über die Zerstörung definieren und damit versuchen die Klasse zu halten. Eine andere Möglichkeit besteht bei diesen Spielern auch nicht. Also müssen wir damit leben, denn die Alternative wäre, dem Verein den Rücken zu kehren. Am Dienstag werden wir sehen, wie sich diese beiden konträren Ansätze schlagen werden, wenn der FC zum Bruchweg fährt. Mainz mit vier Siegen und zehn Toren zum Auftakt wird einen Teufel tun und das Ding ruhig angehen lässt. Wenn dann ein Tor fällt, dann schauen wir mal wie der Plan der Mannschaft und des Trainers aussieht.

Also, vor diesem Hintergrund ist der Punktgewinn in München als glasklarer Erfolg zu werten. Noch 36 Punkte zum Klassenerhalt. Puh.

3 comments to FC Bayern – FC: dismembering the Game

  • Thomas

    Was mich am meisten gefreut hat ist, dass die Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison 90 Minuten konstant gespielt hat. Und wie ich finde konstant gut. Gegen Bayern spielst du halt nicht einfach mit. Und wenn du es versuchst, kannst du ganz schnell abgeschossen werden. Und dann ist das Theater groß.
    Der Vergleich mit Mainz ist meiner Meinung nach nicht zulässig. Mal angenommen Thomas Tuchel wäre in Köln Trainer: Da wäre es wohl sehr unwahrscheinlich, dass er den gleichen Fußball wie jetzt in Mainz spielen ließe. Zwei Worte: Umfeld, Druck. So Scheiße es ist, aber das sind nunmal Einflüße, sie hier in Köln sehr stark sind. Kein Vergleich zu Mainz. Da wird keiner von Fans und Journaille zerpflückt, wenn ein paar Spiele verloren werden. Und Tuchel würde höchstwahrscheinlich auch nicht entlassen werden, wenn die Mainzer schön spielend abstiegen.

  • Ja, ich sehe ein, dass ein Spiel gegen die Bayern nicht “einfach so” ohne Gegentor bleibt, sondern dazu Aufwand betrieben werden muss. Das war gut, keine Frage.

    Zu Mainz: Du magst Recht haben aber auch in Köln verbietet das Umfeld niemandem schönen Fußball spielen zu lassen. Dass es darauf letztlich nicht ankommt, seh´ ich ein, es ist einfach nur mal ein Wunsch von mir wieder mal einfach ein schönes Spiel zu sehen. Wann war das letzte? Das 3:3 gegen den HSV? Und davor? 4:2 gegen Schalke im Pokal? An weitere Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit erinnere ich mich gerade nicht.

  • Thomas

    Oder das 3:0 gegen Nürnberg letzte Saison. Und sogar das 2:3 gegen den BVB im Januar war teilweise gut anzuschauen. Das fällt alles in die Zeit wo Soldo versucht hat die Punkte mit spielerischen Mitteln einzufahren. Aber was kam dann? Pokal-Aus, Niederlage auf Schalke und das 1:5 gegen Stuttgart. Riesiges Geschrei. “Wie kann man mit der Mannschaft so offensiv gegen Stuttgart spielen?” Also wieder Umstellung auf ein defensiveres System und die nötigen Punkte geholt.
    Natürlich verbietet in Köln niemand das Schönspielen. Aber die Auswirkungen für die Verantwortlichen (v.a. den Trainer) sind bei daraus resultierenden Mißerfolgen viel krasser als bei Mainz, um bei deinem Beispiel zu bleiben.

Haut rein, schreibt mir was!