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FC – Energie Cottbus: Das Leben der Anderen

Ja gut, verloren ist verloren, ist verloren, das stimmt schon. Wenn Du die Tore nicht schießt, dann gewinnst Du keine Fußballspiele und am Ende zählt nur das Ergebnis. Gleich platzt die Phrasensau und Jörg Wontorra muss sich die Plastiksplitter aus dem Humpen angeln. Der effzeh zeigt eine anständige zweite Halbzeit, versuchte alles, scheiterte aber immer und zahlt die Zeche für den ersten Durchgang, als Energie deutlich die Zügel in der Hand hielt und auch ohne großes Chancenplus die reiferere, cleverere Mannschaft war. Ein Konter reichte um den Sieg für die Lausitzer einzutüten. End of Story.

Dennoch war dieses Spiel -für mich- bisher das Beste, was ich vom 1.FC Köln über die letzten sieben Monate gesehen habe. Der Einsatz stimmte, die Chancen wurden erarbeitet, allein die Tore wurden nicht gemacht. Royer, Clemens und Przybylko hatten jeweils Riesenchancen. In der zweiten Hälfte wurde sogar das Mittelfeld einigermaßen anständig überbrückt, die (meisten) Pässe kamen an und der Druck ständig erhöht. Das war okay, damit können wir alle leben, meine ich. Auch die Körpersprache war eine ganz andere als in der letzten Saison. Keine hängenden Schultern, keine wilden Anschuldigungen an den Mitspieler, wenn mal etwas nicht hundertprozentig geklappt hat. Wir wussten alle, dass es so kommen kann und dass nicht jedes Spiel mit fliegenden Fahnen gewonnen wird. Es ist zwar mittlerweile schon ein bitterer Saisonstart, da müssen wir uns nichts vormachen und im Boulevard gärt es schon einigermaßen gewaltig aber noch ist es nicht an der Zeit alle Messer rauszuholen.

Das Spiel an sich scheint aber seit gestern gar nicht mehr so wichtig zu sein, denn auf einmal stand und steht die Vertragsauflösung von Kevin Pezzoni im Fokus. Nach Darstellung des 1.FC Köln wurde der Vertrag auf Bitten des Spielers aufgelöst nachdem er sich privat nicht mehr sicher fühlte, weil es wohl Facebook-Aufrufe (“Pezzoni & Co. aufmischen”), Zettel am Auto und Pöbeleien vor der Haustür gegeben hat. Das ist dann kein Spaß mehr, seh ich ein. Ich war und bin ganz bestimmt kein Freund vom Fußballspieler Kevin Pezzoni beim 1.FC Köln gewesen. Ich sah nie Talent und Format und mehr als ein Mal habe ich geflucht über den Mann und seine immer wiederkehrenden Fehler. Dabei ist es dann aber auch geblieben. Ich habe geflucht und gezetert und mich fürchterlich aufgeregt. Das hat aber wenig mit der Person Pezzoni zu tun als mit der Position die er bei mir einnimmt: Er war Spieler in “meiner” Mannschaft, trug “mein” Trikot und bereitete mir und “meinem” Verein Sorgen. Das ist für mich nichts anderes als eine fast schon fiktive Gestalt, eine Größe, die ich gar nicht als Menschen wahrnehme, sondern rein als Spieler. Ich kenne den Mann nicht, ich kann ihn überhaupt nicht einschätzen. Vielleicht ist er der netteste Mensch der Welt, vielleicht frisst er aber auch kleine Kinder und schlägt seine Frau. Keine Ahnung. Muss ich mich aber auch nicht mit beschäftigen, da ich persönlich überhaupt kein Interesse habe das zu wissen. Solange der Mann in Köln Fußball spielt, mag ich ihn entweder dafür oder eben nicht. Ich will aber immer, dass er es gut macht! Ich empfinde keinerlei Schadenfreude, wenn ein Spieler, den ich vielleicht nicht mag, Scheisse baut.

Was habe ich in der letzten Saison über Martin Lanig geschimpft. Fast jeder Artikel handelte davon wie sehr mich seine Spielweise aufgeregt hat. Oder über Miso Brecko und sein völlig unzureichendes rauf-und-runter-gerenne. Diese Saison geht mir Bröker ganz schlimm auf den Keks, weil ich ihn (das ist falsch, ich meine seine Spielweise) überhaupt nicht mag. Ich halte ihn für egoistisch und weitesgehend talentfrei. Das sehen tausende Leute anders und erklären mich für doof, weil ich das eben hier oder im Gespräch oder bei twitter oder wo auch immer ausdrücke. Aber darum geht es doch auch ein wenig beim Fußball. Man kann sich über tausend Kleinigkeiten in die Haare kriegen, da ist manchmal schon ein ungenauer Pass über fünf Meter der Auslöser für endlose Diskussionen ob der Fehler jetzt beim Passgeber lag, weil er nicht genau in der Lauf gespielt hat oder beim Empfänger, weil er zu doof ist zu stoppen oder am Trainer, der anscheinend nicht in der Lage ist im Training anstänge Wege zu lehren. Jeder hat eine andere Meinung und das ist (jedenfalls für mich) ein enormer Teil des “Spaßes” am Spiel. Da kann ich mich garantiert auch mal in Rage reden, keine Frage. Aber damit muss es dann auch gut sein. Da ist Schluss.

Dass ein Spieler des 1.FC Köln nicht mehr für den Verein spielen will, weil er sich nicht mehr sicher fühlt, in der Stadt oder zu Hause, wenn er um sein körperliches Wohlergehen (oder noch schlimmer: das seiner Familie) besorgt ist, dann ist ein Grenze überschritten, die für mich niemals da war, so abstrakt ist das. Es ist nichts anderes als eine verdammte Schande, dass ein paar Idioten wieder dafür sorgen, dass ganz Fußballdeutschland denkt in Köln gibts zum Frühstück Nägel ins Müsli. Es geht mir alles so derbe auf den Keks, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Ich habe mich schon ein paar Mal über die Kölner Fanszene aufgeregt, über das monothematische Getue um die Wilde Horde und über die anscheinend umfassende Vollidiotie, die in dieser Gruppe herrscht. Kann sein, dass da ein, zwei “Normale” dabei sind, ich kenne nur niemanden und habe auch noch nie von jemandem gehört, der einen kennt, der einen kennt. Ist aber auch egal, denn was weiß ich denn, ob die Spinner, die Pezzoni aufgelauert haben zur “Wilden Horde” gehören. In einem Indizienprozess würden ich drauf tippen aber soweit sind wir ja noch nicht. Zum Glück.

Von Vereinsseite gibt es bisher zwei Stellungnahmen. Präsident Spinner:

“Unsere FC-Fans stehen hinter unseren Spielern und dem gesamten Team. Wir haben in den Stadien großartige Szenen zwischen Fans und Mannschaft erlebt, selbst wenn der sportliche Erfolg ausgeblieben ist. Während der ersten Spieltage der 1. und 2. Bundesliga sowie in der 3. Liga hat es zahlreiche Ausschreitungen gegeben, keine einzige unter Beteiligung von Kölner Fans. Für diese Entwicklungen sind wir sehr dankbar. Denn sie zeigen, dass unsere Strategie des Dialogs erste Früchte trägt und wir werden daran festhalten. Vorfälle, wie wir sie jetzt leider im Umfeld des Fußballs diskutieren, sind das Werk einiger weniger Störer und Chaoten, die mit ihrem Verhalten den gesamten Verein und seine Fans in Verruf bringen. Das werden wird nicht dulden und derartige Täter – wie schon in der Vergangenheit – konsequent aussperren. Sie erhalten Stadionverbote, werden aus dem Verein ausgeschlossen – sofern sie Mitglieder sind – und der FC wird eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um auch strafrechtlich gegen sie vorzugehen. Für uns ist es ein ehernes Gesetz, dass der FC sich mit allen Möglichkeiten und Mitteln für seine Spieler und für seine weiteren Mitarbeiter einsetzt. Das sollte niemand in Frage stellen.”

Die Mannschaft wendet sich ebenfalls an die Öffentlichkeit:

Liebe FC-Fans,

der FC hat eine neue Mannschaft. Und diese Mannschaft steht zusammen.

Jeder, der auf dem Platz ein FC-Trikot trägt, gehört dazu. Er ist Teil der Mannschaft. Wenn wir als Spieler und als Mannschaft unsere Leistung nicht bringen, nehmen wir die Kritik der Medien und der Fans an. Das ist in Ordnung. Wir alle kennen unsere Rolle und unsere Verantwortung. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden. Wir erwarten Fairness und Respekt im Umgang mit jedem einzelnen Spieler. Darauf hat auch die Presse durch die Art ihrer Berichterstattung Einfluss. Wir erwarten, dass Berufliches und Privates getrennt bleiben. Wenn einem Spieler vor der Haustür aufgelauert wird, wenn Lebenspartner beleidigt und hässliche Nachrichten geschrieben werden, dann ist eine Grenze überschritten. Das werden wir nicht akzeptieren.

Liebe Fans, wir geben unser Bestes, aber der Umbruch braucht auch Zeit. Wenn es nicht rund läuft, akzeptieren wir eure Kritik. Vor allem aber brauchen wir eure Unterstützung, um uns weiter zu verbessern. Das Gros der Fans hat uns das in den vergangenen Spielen gezeigt. Das ist klasse! Wir werden nicht zulassen, dass einige wenige Störenfriede das Bild des FC in der Öffentlichkeit bestimmen.

Die Mannschaft des 1. FC Köln

Ich werde das nicht kommentieren, das steht -glaube ich- für sich.

Letztlich ist der Fußball ein einfaches Spiel. Das ist sein Segen und sein Fluch. Ich hoffe, dass Kevin Pezzoni wieder zu diesem einfachen Spiel zurückfindet, wegen dem er wohl mal ursprünglich damit angefangen hat. Dass diese enorme Belastung jetzt von ihm abfällt und er wieder spielen wird. Ohne diese Idioten im Hinterkopf zu haben. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!

Top: Gute 2. Halbzeit, viel Laufarbeit, anständiger Spielaufbau, die Fans im Stadion
Flop: Chancenverwertung
#4: 0:1 gegen Cottbus, 1 Punkt, 1:5 Tore, Platz 17
nächstes Spiel: Montag, 17.09., 20:15 Uhr gg FC St. Pauli

1 comment to FC – Energie Cottbus: Das Leben der Anderen

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