Zugegeben, ich bin wahrscheinlich nicht repräsentativ, wenn es um TV-Konsum in Deutschland geht. Ich gucke eigentlich gar kein deutsches Fernsehen mehr, außer Live-Sport oder mal eine Doku auf zdf.info zum Einschlafen. Wenn der TerraX-Sprecher von irgendeiner uralten Kultur erzählt, die schon Sonnenuhren gebastelt hat um nicht zu spät zum Stammestreffen zu kommen, oder wenn Guido Knopp zum tausendsten Mal von Hitlers Bettnässer-Problematik berichtet, bin ich schnell weg. Dafür isses dann noch gut, dieses Produkt aus einer lange vergangenen Zeit.
Und dennoch bin ich jemand, der den Sendern Monat für Monat Kohle in den Rachen wirft. Ich habe SKY-Sport und Bundesliga abonniert und auch dieses komische Digital-Paket von UnityMedia um Sport1US und Sport1+ sowie Sportdigital zu empfangen. Doch damit ist ab sofort Schluss. Ich habe eben bei UnityMedia das Digitalpaket gekündigt, denn ich habe einfach keinen Bock mehr.
ESPN America war für Sportfans das Paradies. Neben der nächtlichen Live-Schiene gab es auch für Menschen die tagsüber zu Hause waren Wiederholungen oder On Tape-Spiele aus der Nacht, es gab Begleitmagazine aus dem NFL Network oder aus der ESPN-Familie, Talk- und Punditshows, NFL Films, SportCenter, Vor- und Nachberichte, Halbzeitanalysen, ach, es war ein einziger feuchter Traum. Doch die Disney-Teufel haben den Geldhahn für Kontinentaleuropa abgedreht, ESPN America gibt es nicht mehr und die Rechte lagen brach.
Sport1, schon seit DSF-Zeiten als Marke völlig verbrannt und eigentlich nicht wert überhaupt eine Sendelizenz erteilt zu bekommen kratzt die letzten Kröten der Constantin Medien zusammen und gründet Sport1US, den letzten Ableger dieser Zombie-Senderfamilie, die man auch wunderbar in den Hügeln unter South Carolina vergraben könnte und es würde niemanden stören.
Sport1US war von Beginn an eine Totgeburt. Schon in den ersten Wochen konnte man erkennen, wo der Weg hingehen würde, nämlich zum Praktikant-drückt-MAZ ab-Sender. Es gab und gibt bis heute nicht ein einziges begleitendes Programm zu den einzelnen Sportarten. Es gibt wohl gerüchteweise so eine Art wöchentliches(!) Highlight-Magazin aus der Sport1-Redaktion. Noch nie gesehen. Wer sich mal eine Sport1-Eigenproduktion angeschaut hat, der weiß auf was er sich einlässt und verzichtet dann im Zweifel besser. Der Nerven wegen.
Ach und was haben mich die TV-nahen Menschen am Anfang angegriffen: “Gib denen doch mal Zeit, so ein Sender baut sich nicht von alleine auf, das wird schon usw.”. Nix is. Es hat sich genau gar nichts getan. Während der NFL zeigen sie zu jeder Kickoff-Zeit ein Spiel und reichen zwei oder drei in Konserve nach, der kannste nicht meckern. Aber wo Puls 4 aus Österreich(!) es vormacht und ein exzellentes Studioprogramm in den Pausen, sowie zur Analyse einbindet, sehen wir in Deutschland entweder irgendwelche Highlight-Clips zum millionsten Mal oder einfach nur eine Programmhinweistafel, die aussieht als würde der 80er Jahre Ostblock auf Strom warten, bis ein Betonkopf die Nachrichten vorliest. Grausam. Unwürdig.
Dazu: Keinerlei Begleitung. Keine Analysen, keine Zusammenfassungen, keine Tabellen. Nix. Nada. In einem Hochsicherheitsknast in Sibirien erfährste mehr über die NFL als bei Sport1US.
Dass sie die Bowl-Season in der NCAA komplett auslassen und erst zu den vier großen Bowls einsteigen, ist da ja schon fast nebensächlich, denn, ich bin mir dessen durchaus bewusst, die Zielgruppe wird arg spitz sein, wenn im Famous Idaho Potato Bowl wieder mal Fresno State gegen Toledo das Ei durch die Gegend kullern lassen. Aber, und jetzt kommt das, was ich einfach nicht verstehen kann: Warum kauft man dann die Rechte, wenn man sie nicht nutzt? Ist es wirklich so, dass die Satellitenleitung aus den Staaten einfach unrentabel ist? Dass es besser ist ein verdammtes Bowlingmatch zwischen Europa und den US von 2010 zu zeigen? Oder Billarddingskirchenzeugs? Oder gottverfluchtes FISCHEN? Also Angeln? Leute die auf`m Boot stehen und Fische aus`m Wasser ziehen? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Dieses Fischen ist sogar Teil des Sport1US-Trailers. Das kann man sich ja nicht ausdenken.
Oder wie wäre es, wenn es schon nicht mal mehr für fertige produzierte Übertragungen reicht, einfach mal mit einer “Expertenrunde”. Das Sportradio360 macht es jede Woche in der Big Show vor. Franz Büchner, Günther Zapf, das sind Leute die bei dem Sender arbeiten. Die kann man doch mal in einen Raum sperren und ne Stunde über die aktuelle Entwickklung reden lassen. Das kann doch nicht zu teuer sein. Geht mir nicht in den Schädel, wie man mit dieser Einstellung einen Sender führen kann. Aber anscheinend klappt es ja. Raff ich nicht.
Baseball. Auch so`n Thema. Die kaufen 60 Spiele für die Saison ein. Jedes Team hat 162 Regular-Season-Games. Es gibt 30 Teams. Was soll das? Wie will ich mit diesem Angebot Menschen dazu bewegen, sich eventuell näher mit dem Geschehen auseinander zu setzen?
Heute Nachmittag kam dann für mich der Auslöser für diesen Artikel. Ich hab mich auf der Fernbedienung verdrückt, wollte eigentlich gucken ob bei Servus TV wieder irgendein spookiger Österreicher durch die Berge läuft und harmlose Wanderer belästigt und stattdessen lande ich bei Sport1US. Da läuft da NHL. Okay, das ist nicht verwerflich, das kann man als Sportsender mit Schwerpunkt US-Sport durchaus so bringen. Aber das Spiel hat mich dann doch gewundert. Die Penguins spielen gegen die Rangers. Das letzte Aufeinadertreffen dieser beiden Mannschaften war am 8.12.2014. Das Spiel kann es aber nicht gewesen sein, weil es schon 4:0 stand, als ich eingeschaltet habe und das o.g. Spiel diesen Zwischenstand nicht hergibt. Das einzige Spiel (aus dieser Saison), was passt ist der 5:0 Sieg der Rangers am 12.11.2014. Das Spiel ist also mindestens sieben Monate alt, völlig ohne Auswirkungen auf die Saison, völlig random. Was ist denn da passiert? Hat man sich vor ein paar Wochen bei Sport1US gedacht: Och, uns guckt eh keine Sau, nimm einfach irgendwas? Ja, oder? Falls nicht, falls da eine Intention hinter steckt, liebe Programmverantwortliche von Sport1US: Bitte sagt mir welche. Feldstudien über Irre kann es nie genug geben.
Und so zieht sich diese Lieblosigkeit durch das gesamte Programm. Es ist kein roter Faden zu erkennen, es gibt keine Termine auf die man sich freuen kann (23 bzw. 0 Uhr PTI…), es ist einfach ein großer Haufen Scheiße um mit Sir Francis Drake zu sprechen. Tot.
Bäh, bäh, bäh, immer nur meckern, ich hör es schon. Was soll man denn anders machen?
Warum zeigt man z.B. nicht an solchen trüben Tagen die GFL (oder heute z.B. den Eurobowl)? Warum nicht die College World Series? Die deutsche Baseball Bundesliga produziert auch mittlerweile Streams. Von mir aus liefert NCAA Volleyball, es kann mich nicht weniger interessieren als Fischen aber es wäre ein Signal, ein Ansatz. Ja, wir haben einen US-Sport-Sender, ja, wir wollen damit Geld verdienen (die Kacke ist ja auch noch Pay-TV, nicht vergessen) und ja, wir wollen Zuschauer haben. Das alles findet aber nicht statt. Weil bei Constantin und Sport1 die Buchhalter das Sagen haben, nehme ich an. Irgendwelche Excel-Schubser. Ich hoffe irgendwann schaut sich irgendein CEO mal an wie ESPN so groß geworden ist und feuert dann die ganze Top-Ebene, denn das Produkt an sich ist ja nicht verkehrt, die Art und Weise, wie man es präsentiert wird ist einfach eine Schande.
Boooooah!
Ich weiß nicht aber jetzt gehts mir besser.
Sollte das hier Irgendjemand vom Sender lesen: Adresse steht im Impressum, über Gehalt können wir reden, ich hab Ideen. Go for it.
Saisonabschluss im Bockcast. Zeit für einen umfassenden (wir knacken ganz knapp die 2 Stunden Marke) Rückblick auf die Saison der 1.FC Köln im speziellen und auf den Fußball im allgemeinen. Tatkräftig unterstützt werde ich diesmal wieder von Martin (@spielbeobachter), der mit mir die Gewinner und Verlierer in der Mannschaft kürt und ähnlich wie halt jeder von uns effzeh-affinen Menschen nur voll des Lobes ist. Ab und an, wenn vielleicht mal ein wenig Kritik aufkommt, machen wir das sehr milde. Paprika statt Peperoni.
Wir schauen auch den Rest der Liga, ziehen zähneknirschend unseren Hut vor Gladbach und sind uns einig, dass wir uns in Sachen HSV uneinig sind. Dafür freuen wir uns gemeinsam über den Aufstieg der Lilien und vergießen eine kleine Träne Fußballromantik. Hach, wat schön.
Für Martin steht die neue Saison unter dem Begriff #klassenerhalt1516, ich tendiere ja weiterhin zur #missionbaku. Müsst Ihr entscheiden 🙂
Tja, das war es mit den regulären Ausgaben des Bockcasts für dieses Jahr. Ob ein Relegationspodcast nächste Woche stattfinden kann, steht noch in den Sternen, ich bemühe mich aber darum. Falls wir uns nicht mehr hören, wünsche ich Euch eine angenehme Sommerpause und ein wenig Erholung vom Fußballstress. Nächste Saison geht`s weiter.
Ich hoffe Ihr hattet und habt weiterhin Spaß mit dem Bockcast, ich und meine Gäste (wenn sie nicht lügen) haben den und wenn Ihr uns was gutes tun wollt, freue ich -und der Cast sicher auch- mich/uns, wenn ihr eine Bewertung und ein kleines Sätzchen bei iTuneshinterlasst. Echt. Das wär toll.
Der letzte Quickcast der Saison ruft nochmal alles ab, was uns so liebenswert macht. Schalkewitze ohne Ende, Hörerbeschimpfungen und -Grüße, die persönlicher und geistreicher auch nicht auf Herrn Gottschalks 65. Geburtstag zu finden wären, Pointen und Gags dass die sprichwörtliche Schwarte kracht und natürlich auch gehaltvolle Tipps für das kommende Bundesligawochenende. Da stimmt einfach alles.
Die versprochene Umfrage zum tkschland entfällt, der Aufwand war mir zu groß und außerdem mag ich Klaas.
Nach drei Tippspiel-Niederlagen in Folge sitzt der Frust tief bei Enzo. Man hört die Nörgelei aus jedem Satz. Auf der anderen Seite hat er im Abstiegskampf wieder neuen Mut gefasst. Das HSV-Debakel gegen Freiburg und der eigene Sieg gegen Mainz macht es möglich. Jetzt spitzt sich alles auf Samstag zu und ganz Fußballdeutschland wartet. Wir auch. Zur Verkürzung der Zeit erzählt Enzo wieder schlechte Schalke-Witze. Traumhaft.
Aber wie das so ist mit dem Warten: Die Vorfreude ist die schönste Freude, irgendjemandem wird es am Samstag schon kacke gehen. Und damit derjenige nicht alleine damit ist, rufen wir Euch auf uns Strafen für den Tippspiel-Verlierer zu senden. Die beschissenste Idee wird genommen.
Nach langer Zeit ist heute mal wieder geballte Kompetenz am Start. Ich weiß Ihr habt Euch danach gesehnt. Und, ich höre die Signale ja auch. Darum gibt sich der Thomas mal wieder die Ehre und feiert die Mannschaft des 1.FC Köln mit emotionalem Überschwang, den man so vom Verteidiger-Tier des SC Rondorf II so gar nicht gewohnt ist. Wir reden (also besser: er redet) über die individuellen Verbesserungen, über die Meriten, die sich Peter Stöger diese Saison verdient hat und freut auf den Transferwahnsinn der uns erwartet.
Außerdem schauen wir auch noch mal in den Tabellenkeller und prognostizieren den Abstieg von Paderborn und Freiburg. Dabei redet sich Thomas so in Rage, dass der HSV vor lauter Scham eigentlich gar nicht mehr anders kann, als freiwillig runter zu gehen. Festlich.
Und ganz am Ende gewinnt Darmstadt 98 live im Podcast beim KSC und wir liegen uns virtuell in den Armen. Die Sonne scheint!
Leider findet sich gerade niemand für einen “echten” Bockcast, daher wieder nur das Surrogat mit Enzo und mir zum kommenden Spieltag. Aber Fest ist Fest, da muss man nehmen was kommt, Freunde.
Enzo hat den VfB aufgegeben, will es aber öffentlich noch nicht eingestehen und hat sich auch eine ganz neue Tippstrategie ausgedacht. Bwin zittern die Knie. Und sonst ist es halt das übliche fachliche Gespräch zwischen zwei Kennern.
So schnell geht das manchmal. Am letzten Samstag noch ein großes Feature über das 100. Spiel von Tony Ujah im Trikot des ruhm- und glanzvollen 1.FC Köln, verknüpft an die Hoffnung, dass der “kölsche Jung” dem effzeh durch seine Tore in Augsburg ein weiteres Jahr den Platz an der Sonnenseite der Fernsehlotterie Bundesliga schenken möchte und nun, drei Tage später, erfahren wir, dass Tony Ujah einen Vierjahresvertrag bei Werder Bremen unterzeichnet hat. Beim Medizincheck war er die Tage schon, alles war schon fix, niemand wusste davon. Außer Tony Ujah und Werder Bremen.
Jetzt können wir uns den Mund fusselig reden, darüber wie schade das doch ist, was für ein Verlust der Abgang von Ujah für das eh schon fragile Gebilde, was wir Sturm nennen, darstellt. Dass uns Optionen fehlen werden und dass doch eh alles scheiße ist, er hat doch schließlich das Wappen geküsst und Hennes an den Hörnern gepackt.
Ja, können wir machen.
Wir können uns auch über das “wie” des Abgangs beschweren. Über den recht unsensiblen Zeitpunkt, den Ujah (und Werder Bremen!) gewählt hat, um den Wechsel bekannt zu geben. Rechnerisch ist der effzeh immerhin noch nicht gerettet. Oder spielt der Eichin etwa Uli Hoeness und versucht Ergebnisse gegen Schalke und Mainz herauszukitzeln, die Werder eventuell noch in die europäische Fußballwelt katapultieren könnte? Egal warum der Transfer heute über die Bühne gegangen ist, der Zeitpunkt und die durchaus freche Fotoserie waren kacke. Aber das hat Philip Sagioglou schon ausreichend und gut im KStA kommentiert.
Ja, auch das ist eine Debatte, die man führen kann.
Nur zu welchem Zweck? Um sich wieder über irgendwas aufzuregen?
Durchatmen.
God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference.
Durchatmen.
Ujah spielt also keine Rolle mehr in den Planungen des 1.FC Köln, wie Peter Stöger (ziemlich die Kappe auf habend) genauso zur Kenntnis nehmen muss wie wir.
Mehr ist noch nicht passiert. Ein Spieler hatte den Wunsch nicht mehr in unserem Trikot spielen zu “müssen”. Was willste da machen außer gute Reise wünschen?
Jetzt kommt es also wieder auf die magischen Transferhändchen von Schmadtke an. Bröker und Deyverson (wo war der eigentlich, hab ich schon wieder verdrängt?) bekommen keinen neuen Vertrag mehr und Bard Finne soll wohl verliehen werden. Spielpraxis sammeln. Kann ich nachvollziehen. Ob Patrick Helmes der Sportinvalidität noch mal ein Schnippchen schlagen kann, steht in den Sternen und ob Simon Zoller wirklich ein Spieler ist, der uns weiterhilft, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Eher nicht.
Reflexartig kommen dann natürlich die ersten Gerüchte um Ersatz. Charlison Benschop von Fortuna Düsseldorf soll ein ganz heißer Kandidat sein. 25 Jahre, spielerisch sicher nett anzusehen aber das kann man ja auch erst sagen, wenn er mal in der ersten Liga gegen Abwehrreihen gespielt hat, die eben nicht (ohne despektierlich klingen zu wollen) aus Sandhausen oder Aalen kommen. Da kann aus einem “Edeltechniker” schnell mal ein hektischer Holzhacker werden. Muss man sehen. Aber, ist ja auch alles nur eine luftleere Diskussion, noch sind es ja nur Gerüchte. Wird schon werden. Ich habe es schon ein paar Mal gesagt aber einmal mehr schadet ja nicht: Das Vertrauen in die sportliche Leitung ist so groß, wie noch nie in meinem Fußball-Fanleben. In den erfolgreichen Zeiten war ich erst zu jung und danach zu ignorant mir darüber Gedanken zu machen, ab 1990 war alles kacke. Also viel. Fünfundneunzigprozent.
Mal schauen. Wie gesagt: Wird schon.
Lieber Tony, alles Gute in Bremen, no hard feelings auch wenn ich jetzt schon wehmütig darüber nachdenke, wie Du uns am Rosenmontag mit Kamellen zugebombt hast obwohl der ganze Wagen nur “FOR-TU-NA!” grölte und Du Dir mit einer unendlich lässigen Geste an die Pappnase gegriffen hast. Und das gibst Du für ein derart schnöde, langweilige Stadt wie Bremen auf? Oder liegt es gar an der sportlichen Perspektive? Ist die soviel größer als in Köln? Echt? Aber Bremen hat doch auch überhaupt keine Kohle. Versteh ich nicht. Aber Du musst es selbst wissen. Tschö.
Und das war es dann mit einem “Fanliebling”. Sie kommen und gehen, das ist das Geschäft. Aber eins bleibt uns, heute, morgen und in fünfzig Jahren:
Kurz vor Schluß hab ich mich dann doch wieder aufgeregt. Über Meinungen auf Twitter, über den Schiedsrichter, über diese komische Augsburger Truppe, die so gar nicht nach Spaß- und Genußfußball aussah, sondern eher nach einer knüppelnden Serie B-Mannschaft, über Marcel Risse sowieso und über Stefan Reuter. Aber das war nur kurz, denn der Chinamann hat gekocht und eine leckere Ente Szechuan Style kann mir nicht mal der Fußball verderben, da bin ich Calmund näher als mir lieb ist. War ja dann auch zügig Schluß. Einmal noch übers Tor gebolzt, und Ende. Das neunte 0:0 in der Saison für den 1.FC Köln. Als Aufsteiger. Eine Spielzeit wie ein Roman von Ken Follett. Endlos lang, manchmal sehr ununterhaltsam aber mit Höhepunkten durchsetzt, zerstückelt und am Ende doch größtenteils zufriedenstellend. Peter Stöger soll sich bei den Fernsehrechten von SAT1 bloß nicht verarschen lassen.
Die Geschichte des Spiels können wir in einem Satz zusammenfassen: In der 56. Spielminute wechselt der Trainer Mavraj für Ujah ein. Understatement ist seine Sache nicht. Er ist ja auch Wiener, was soll der Mann machen? Mehr gibt es wirklich nicht zu erzählen. Punktgewinn stand an erster, zweiter, dritter und jeder folgenden Nummer der Tagesordnung. Also werten wir das Erfolg? Naja, nicht so schnell…
Ich versteh nicht so ganz, warum wir soviel Demut vor einem bestenfalls mittelmäßigen Gegner zeigen, denn, seien wir doch mal ehrlich, der FC Augsburg ist nix tolles. Die haben halt ein paar Freakergebnisse hingelegt (Gladbach, Hoffenheim und Dortmund in Folge besiegt, gegen uns in der Hinrunde in 90. den Sieg erzielt, komplett idiotischer Sieg in Stuttgart usw.) und stehen damit gut da. Mehr ist das nicht. Kein Grund sich in die Hose zu machen. Vielleicht, ganz, ganz vielleicht hätte ich mir einen Auftritt des effzeh wie gegen Hoffenheim gewünscht. Ich weiß es nicht, denn letztlich ist mir der Punkt immer lieber, als das schöne Spiel. Verdammte Fußballromantik.
So schleppt sich der effzeh also über die Ziellinie ohne auch nur im Ansatz etwas für das Spiel getan zu haben. Vogt und Gerhardt ordneten das Spiel nur nach hinten, Ujah und Osako waren auf sich alleine gestellt und wenn man was über die Außen gehen könnte, steht das Miso Brecko und macht das Spiel langsam bevor er einen Gegenspieler anschießt. Puh. Brecko ist halt ein Sinnbild dieses alten, bestenfalls (und das ist wirklich liebevoll gemeint) mittelmäßigen effzeh. Irgendwie bin ich schon froh, dass seine Zeit vorbei ist. Und in zehn zwanzig Jahren werde ich wehmütig an ihn zurückdenken, wie ich heute an Alfons Higl und Rico Steinmann denke. Ich sehe es schon kommen. Gebt mir nicht die Schuld für eure Alpträume, ihr wisst genau, dass ich recht habe!
Naja, hoffen wir einfach mal dass das eine Saison ist, die der FC Augsburg nicht wiederholen kann, denn selten (eigentlich kommen mir nur Freiburg, Bayern, Leverkusen und Gladbach in den Sinn), fand ich eine Mannschaft unsympathischer. Okay, Kaiserslautern noch. Aber dann wird`s echt dünn. Augsburg legt da schon ne ganz schöne Latte. Jede Berührung führt zu schlimmsten Stürzen, jede Entscheidung gegen die Mannschaft erzürnt das gesamte Team, die dann mit 4-5 Mann auf den Schiedsrichter einschreien, jede Gelegenheit zum häßlichen, nickeligem Spiel wird genutzt (immer auf die Zehen, immer die Arme in Schwungbewegung, sowas halt) und ein hysterisches Publikum das aus einer Vorstadt-Hölle in Amerika stammen könnte und von gelangweilten Hausfrauen angemessen empört eine “lass-mein-Kind-in-Ruhe”-Atmosphäre kreiert, die ich hochgradig ätzend finde. Wie Freiburg halt.
Ich weiß nicht, ob diese ganze Hysterie sein muss. Man kopiert halt die Bayern und ihren Stil der Einflußnahme aber das macht es ja nicht besser. Wenn ich mir den Feulner anschaue, der schreit als würde ihm die Haut vom Leib gerissen, wenn er eine Hand im Rücken spürt, wünsche ich mir manchmal echt Fußball ohne Regeln. Was ein Kack. Und wenn man dann noch einen Schiedsrichter hat, der sich beeinflussen lässt von dieser Dauerstimmung gegen ihn, dann passieren halt komische Dinge. Nur Kleinigkeiten waren es aber diese Kleinigkeiten entscheiden halt manchmal über das Wohl und Wehe einer ganzen Saison. Zum Glück war das diesmal alles nicht so entscheidend. Aber, wer weiß denn was passiert, wenn wir auch mal den ein oder anderen Freistoß aus dem Halbfeld bekommen würden?
Oh, da fällt mir ein: Jonas Hector hat eine Ecke geschossen, die nicht scheiße war! Krass.
Wo war ich? Achja, der Schiedsrichter. Ich hoffe Collinas Erben erklären mir mal den Schiedsrichterball, den hab ich nicht verstanden. Echt nicht. Was war da los?
Egal. Jetzt haben wir also mindestens 6 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bei noch 9 zu vergebenen Punkten. Der VfB muss schon mal komplett Punkten und 16 Tore aufholen um uns zu knacken. Wird eng. Dazu müssen die restlichen Teams mit 30 Punkten jeweils mindestens zwei Siege und ein Unentschieden holen (die Tordifferenz!) und wenn man bedenkt, dass am nächsten Spieltag der HSV gegen Freiburg, am 33. Spieltag der VfB und der HSV gegeneinander und am 34. Spieltag Hannover gegen Freiburg und Paderborn gegen den VfB spielt, ist es wohl nicht vermessen zu sagen, dass das nicht passieren wird. Wir sind gerettet.
Schalkewitze, Publikumsbeschimpfungen, Schalkewitze, Schorndorfer Heimatkunde, Schalkewitze und Empathie für die Versagensängste der Bayern. Dazu die Tipps zum kommenden Spieltag und Schalkewitze. Marcel Reif würde es einen ausgewachsenen Scheißdreck nennen aber ihr hört es euch ja dennoch an. Nun denn.
Der Verlierer des kommenden (Tipp)Spieltags muss 10 ironiefreie Gründe finden warum wir uns auf RedBull und Ingolstadt in der Bundesliga freuen. Ein Traum. Wer es noch nicht gelesen hat, Enzos Eloge auf den ruhm- und glanzvollen FC Bayern findet ihr hier.
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