Man kann ja machen, was man will, tief im Herzen möchte
man dann doch noch an seinen Verein glauben.
Ich bin wirklich immer noch bedient von Samstag, bin auch noch nicht wirklich bereit zu verzeihen, denn viel zu schrecklich war die Nicht-Leistung “meiner” Mannschaft. Der Trainer und auch die Mannschaft hat mich fast vollständig als Anhänger verloren. Ich bin fast schon gewillt zu sagen, dass es für mich keine Rolle mehr spielt ob der FC absteigt, denn ich habe einfach keine Lust mehr auf einen zusammengewürfelten, hochbezahlten, arbeitsverweigerden Haufen Arschlöcher, die mir meine Leidenschaft zur Hölle machen.
Es tut mir aufrichtig leid aber ich finde keine anderen Worte mehr um meine Abscheu gegenüber diesem Dreck, den wir uns Jahr für Jahr anschauen müssen zum Ausdruck zu bringen. Jedes Jahr gehen wir mit der Hoffnung in die Saison, dass es doch nur besser werden kann. Jedes Jahr freuen wir uns über Neuzugänge die sich als Nichtskönner oder -woller herausstellen. Satte oder unbegabte Scheißkerle, die mich verbittern lassen und verzweifeln. Das mag sich jetzt für den Ein oder Anderen ein wenig schwülstig anhören. Sei´s drum. So geht´s mir. Das Spiel gegen Mainz war eine solche Frechheit, eine solche Katastrophe wie ich sie nicht für möglich gehalten habe. Dagegen war das 1:5 gegen den VfB ja noch glanzvoller Fußball.
Trotzdem. Ich bin Kölner. Ich bin, seit ich denken kann, Anhänger dieses Vereins. Ich habe tolle Erinnerungen an Müngersdorf. Ich kann nicht aus meiner Haut. Am Freitag geht es gegen Mönchengladbach. Unser Kryptonite. Bei allem was mir heilig ist, will ich, dass diese Mannschaft, diese Ansammlung verantwortungsloser Stricher Mistkerle dieses Spiel gewinnt.
Für den Verein.
Für die Fans.
Für die Stadt.
Nicht für Euch, nicht für den Trainer (wenn man ihn denn noch so nennen möchte) oder für das Präsidium. Nein, hier geht es allein um die Ehre für diesen Verein spielen zu dürfen. Natürlich ist das naiv und bescheuert und weltfremd. Dieser Mannschaft wird das Spiel herzlich egal sein. Einzig mit Geld wird man sie locken können.
So höret, ihr Spieler der Lizenzmannschaft der 1.FC Köln KGaA: Solltet Ihr am Freitag gegen Gladbach gewinnen, komm ich am Samstag oder Sonntag zum Geißbockheim und überreiche feierlich jedem einzelnen Spieler eine glänzende Münze meines Privatvermögens. Polierte Platte, natürlich. Na? Ist das was? Dacht ich mir!
Ab heute ist hier Derbywoche. Jeden Tag gibt es neue Wasserstandmeldungen und Videos. Zum Auftakt ein Trailer zum Spiel von Topolino:
Lukas Podolski (2.v.l.) und seine Kameraden aus Köln jubeln über eine außerodentlich engagierte Mannschaftsleistung. Trainer Z. Soldo (nicht im Bild) fand die richtige Mischung aus kontrollierter Defensive und mutigem, zuweilen berauschendem Angriffsfußball. Die Fans waren sich nach dem Spiel am Mainzer Bruchweg einig, dass der Mannschaft aus Köln eine goldene Zukunft bevor steht.
Das unglückliche, von manchen Beobachtern sogar als “Frechheit” bezeichnete Ergebnis des Spiels, ein Null zu Eins aus Kölner Sicht kam nur durch den unfairen Einsatz des Mainzer Trainers Tuchel zu stande, der, in der zweiten Halbzeit, die Spieler Schürrle und Amri einwechselte ohne dies mit der Kölner Trainerbank abzustimmen. Dieses unmögliche Verhalten ist umso ärgerlicher, da Tuchel bereits in der ersten Halbzeit seinen Torjäger Bancé mit einer, offensichtlich gewollten, roten Karte vom Feld nahm und so die Kölner Spieler in eine Überzahlsituation zwang, die die junge Mannschaft völlig unvorbereitet traf. In Folge der Einwechslung -und der daraus folgenen Verwirrung der Gäste- erzielten die Mainzer das Tor des Tages.
Manager Michael Meier war nach dem Spiel dann auch bedient: “Ich frage mich ob das wirklich noch mein Fußball ist“, so der den Tränen nahe Chefstratege. “Die Mainzer bringen dem Gegner mit solchen unfaiere Einzelaktionen keinen Respekt entgegen. Man muß sich einmal die Frage stellen, ob das nackte Resultat wirklich über Allem steht und so ein Verhalten rechtfertigt. Leider besteht aber keine juristische Handhabe gegen das Resultat. Man kann nur hoffen, dass die Mainzer Verantwortlichen in den nächsten Spielen die Quittung erhalten“.
Co-Trainer Michael Henke sprach sogar davon “in den nächsten Spielen” auch einmal einen “taktischen Wechsel oder sogar eine unangemeldete Auswechslung durchzuführen“. Nur so sei es anscheinend in diesem “brutalen, völlig erbnisorientierten Haifischbecken Bundesliga” möglich “vernüftige Resultate” zu erreichen. “Man muß mit der Zeit gehen” ließ sich der honorige Präsident Overath noch entlocken bevor er in den Mannschaftsbus stieg, um mit den Spieler die Rückfahrt anzutreten. “Jeder hat heute alles gegeben, wir können stolz auf die Jungs sein. Ich will mit meiner Fahrt im Mannschaftsbus zeigen, dass wir hoch zufrieden mit der Einstellung jedes Einzelnen waren und sind. Mein Sohn wird uns in seinem Siegburger Saunaclub noch zu einem kleinen Umtrunk einladen und am Ende des Abends wird auch die Mannschaft die erste Enttäuschung der Niederlage verdaut haben“. Sprachs, stieg in den Bus, nahm sich das Mikrophon und sagte die Worte die wohl schon in wenigen Tagen auf vielen tausend t-Shirts gedruckt stehen werden: “Was solls, Männer. Jetzt wird gefickt!“. Die Mannschaft reagierte mit lautem Jubel und so wurde es ein heiterer Abend für eine tapfere Elf. Einzig der Slowene Mišo Brečko konnte die Freude nicht uneingeschränkt teilen als man ihm mitteilte, dass der Overathsche Puff über keine Sodomie-Zimmer verfügte. “Wir werden schon eine Lösung finden” versprach Zeugwart Hartjens mit einem Augenzwinkern. Und wer Brečko heute Morgen bei Wurst Willy am Kölner Ring aus dem Taxi hat steigen sehen, der weiß, dass dies keine leeren Versprechen waren.
Nach der Lektüre dieses Briefs, kann ich mir ganz schön gut vorstellen, dass millionenfach die Sozialgerichte angerufen werden, weil irgendwelche Bescheide falsch sind. Jetzt mal ehrlich: Sowas kann man doch nicht rausschicken! Das geht doch nicht.
Von der unzureichenden Beherrschung der landestypischen Normalsprache mal abgesehen (obwohl man diese als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wenigstens zu guten Teilen beherrschen sollte) aber, wenn ich noch nicht mal das Datum richtig schreiben kann (von irgendwelchen Sonderzeichen ganz zu schweigen), dann kann ich das nicht mehr verstehen.
Das wirklich Schlimme wird aber sein, dass das ja kein Einzelfall sein kann. Ob sich jemand bei der ARGE oder der Stadt Köln vorstellen kann, dass man sich verarscht fühlt?
Als Lukas Podolski in der 32. Spielminute auf die Südkurve zulief, den Geissbock auf der Brust kräftig tätschelte, sogar zum Mund führte und einen Brüll losließ wie weiland Herr Khan aus der Mongolei, da flippte Müngersdorf aus. Und zwar richtig. Er hat getroffen! Er hat den Torfluch beendet. Er war wieder da! Ausgerechnet gegen die Bayern, natürlich. Da werden die feuchten Träume vieler tausend Christian Ortlepps wahr. Ein Wahnsinn! Der Prinz! In Müngersdorf! Gegen die Bayern! Fucking great shit!
Naja. War ein schöner Schuss, klar. War wohl noch leicht abgefälscht, okay. Trotzdem macht Butt einen auf Rensing und haut sich das Ding selbst in den Winkel. Den Zuschauern war es relativ egal, der Karneval blinzelte noch mal kurz durch die kalte Luft um die Ecke und alles war “Viva Colonia”. Okay, okay, ich geb´s schon zu: Ich hab mich auch gefreut. Und wie!
Der FC spielte eine starke erste Halbzeit, natürlich begünstigt durch Bayern ohne Robbery. Das taktische Konzept aus dem Leverkusen-Spiel wurde praktisch eins zu eins weitergeführt. Massive Abwehr, rotierendes Mittelfeld, rotierende “Spitzen”. Maniche kam neu in die Mannschaft, versuchte sich als Ballverteiler und ich hab ihn nicht so schlecht gesehen wie die Kölner Presse aber vielleicht habe ich auch andere Ansprüche und bin schon froh, dass mal ein Ball über fünf Meter unfallfrei beim Mitspieler landet und wir die Alexander-Voigt-Gedächtnis-Abspiele hinter uns gelassen haben…
Geromel und Mohamad mit solider Innenverteidigung, Gomez und später Klose sahen kaum Land gegen unsere Abwehr. Petit (der sich dummerweise die zehnte Gelbe Karte abholte und so gegen Mainz auswärts fehlt) und Maniche als Doppelsechs, wie immer. Davor Poldi, der, wie in Leverkusen, verbissen jeden Zweikampf suchte und viele davon gewann, mit starker Leistung und einem Lattenschuss und in der Spitze die agilen Novakovic und Freis. Nova hat mir gestern sehr gut gefallen, er wirkte frisch und konzentriert, war immer anspielbar und hat manche Lücke gerissen. Freis ist zwar schnell aber irgendwie geht von ihm kaum Gefahr aus. Leider fällt er für mich unter die Kategorie “Chancentod” auch wenn er gestern nicht viel falsch gemacht hat, aber das ist mein Eindruck. Irgendwie fehlt in seinem Spiel das letzte Feuer.
Die Bayern enttäuschten gestern und sahen für mich nicht wie ein haushoher Meisterschaftsfavorit aus. Natürlich hatten sie ein spielerisches Übergewicht und letztlich in der zweiten Halbzeit auch eine Drangphase aber ohne den Franzosen und den Holländer wirkt die Mannschaft doch recht blutleer. Schweinsteiger mit gutem Willen, Müller mit ambitionierten Versuchen, die dummerweise sogar belohnt wurden und Holger Badstuber mit einigen blitzsauberen Tacklings waren die auffälligsten Bayern-Profis an diesem Samstag. In der zweiten Halbzeit wechselte van Gaal dann Franck Ribbery ein und das Spiel des FCB gewann deutlich an Fahrt. Dennoch muß man auch hier dem FC ein Kompliment machen, denn McKenna heftete sich wie eine Klette an den Mann, stand oft gut und klärte ein ums ander Mal bevor es richtig gefährlich wurde. Erschreckend schwach waren die Spitzen aus München. Gomez fiel nur durch Spazierengehen und Flugeinlagen auf, Klose hatte überhaupt keine Bindung zum Spiel und Olic hab ich das ganze Spiel überhaupt nicht wahrgenommen. Die Abteilung Ballverteilung van Bommel und van Buyten wurden vom FC-Mittelfeld sehr früh attackiert und haben auch nie richtig ihre Kunst zeigen können. Man könnte jetzt drüber streiten ob das gute Verteidigung seitens des FC war oder mangelde Spielfreude, gepaart mit einem Spritzer Arroganz seitens der Bayern. Ich entscheide mich für Variante A.
Letztlich ist der Punkt für den FC -in meinen Augen- verdient. Nach Chancen war das Spiel ausgeglichen, wir hätten sogar einen, in den Fernsehbildern, sehr deutlich zu erkennenden Handelfmeter bekommen müssen. Klar hatten die Bayern mehr vom Spiel aber am Ende haben sie, wie Leverkusen, viel zu wenig daraus gemacht. Das Schweinsteiger und in der 88. Minute Ribbery noch das Gebälk treffen und der Fc nicht verliert ist ein wenig glücklich aber auf der anderen Seite gab es auch noch ganz gute Chancen durch (den meines Erachtens 15 Minuten zu spät eigewechselten) Tosic und Maniche. Ich denke, dass auch die Bayern mit dem Punkt zufrieden sein müssen auch wenn dies nicht deren Anspruch sein darf.
Der FC mit zwei Unentschieden gegen die #1 und #2 der Tabelle, das ist schon ganz okay so. Mir hätte eine Niederlage gegen die Bayern übrigens wenig bis gar nichts ausgemacht, denn immer im Hinterkopf schwirrt natürlich der Super-Gau, die Meisterschaft für Osram und seine Werksmannschaft. Nachdem wir Bayer die Punkte geklaut haben und den Bayern ebenso fallen wir als Meistermacher also aus. Jetzt muß die Mannschaft aus München es selbst richten. Ich drücke die Daumen!
Nächste Woche geht es nach Mainz, die letztens gegen Bremen ihre erste Heimniederlage kassierten. Wird ein offenes und unterhaltsames Spiel, glaub ich.
Jaja, der Traum vom besseren Leben, der Gedanke eigentlich unter Wert durch die Tabelle zu stapfen, die Aussicht auf ein Häuschen im Grünen (in diesem Fall in Europa) und die ewige Angst doch nur das zu sein was man ist. Der FC bekämpfte und besiegte diese Angst und die Tagträume des Jahresanfangs mit erstaunlichem Realitätssinn, einer engagierten und geschlossenen Mannschaftsleistung, viel Kampf, wenig Fußball und einem trotzig kämpfenden Lukas Podolski, der IMO gestern sein bestes Spiel für den FC seit seiner Rückkehr hingelegt hat.
Soldo brachte mit McKenna und Adam Matuschyk zwei Neue in seine Startformation, die die -auf dem Papier- gar nicht so destruktive Grundaufstellung ergänzen sollten. Relativ schnell war aber klar, dass die Devise nur sein kann hinten erstmal alles dicht zu machen um dann mit kleinen Nadelstichen hin und wieder selbst für Gefahr sorgen zu können. Mit Nova, Freis und Poldi standen drei nominelle Stürmer auf dem Platz, die untereinander relativ geschickt rotierten, jedoch eigentlich nur die erste Linie der Abwehr waren. Gut, gegen eine so spielstarke Mannschaft wie Leverkusen kann man das machen. Man muß es sogar so machen, wenn man spielerisch derart limitiert daherkommt wie der FC.
Nach richtigen Chancen ist das Unentschieden sogar gerecht. Bayer mit einer Kopfballchance, die von Mondragon überragend gehalten wird, der FC mit einer Hundertprozentigen, die von Freis dazu genutzt wird Adlers Nasenscheidewand zu demolieren. Mehr war nicht. Okay, vielleicht noch ein Schuß von Augusto un der zweiten Halbzeit aber der FC war auch noch mal alleine durch (wieder Freis, der aber vor dem Abschluß anscheinend einen Karnickelfangschuß kassierte und im Straufraum des Gegeners in sich zusammen brach).
Leverkusen hatte natürlich gefühlte 98% Ballbesitz und zwischen der 65. und 75. Minute konnte man schon ein wenig Angst um das Unentschieden haben, denn es rollte eine Angriffswelle nach der Anderen auf das Kölner Tor zu. Der FC schaffte es in dieser Zeit nicht sich aus der eigenen Hälfte zu befreien, sondern klärte immer nur mit langen Befreiungsschlägen, die bei Hyypiä landeten, der sofort einen neuen Angriff einleitete. Wirkliche Gefahr ging von diesen Versuchen jedoch nicht aus. Unsere Innenverteidigung stand -entgegen dem Trend- sehr gut und eng, die Außen mit Schorsch und Brecko zeigten eine soldie Leistung (auch wenn ich Brecko immer ein wenig Stümperhaftigkeit vorwerfe, so schlimm war es nicht) und der Rest der Mannschaft verschob sich über das ganze Spiel gesehen sehr diszipliniert um zehn Meter nache vorne und hinten. Das war taktisch ein sehr kluges Spiel von Soldo.
Bayer muß sich vorwerfen aus den Möglichkeiten, die ihr Kader bietet viel zu wenig gemacht zu haben. Im Spiel nach vorne war kaum Krativität. Kroos und, nach der Pause, Augusto versuchten ab und an mal etwas aber von dem tollen Fußball den Bayer spielen kann, war wenig zu sehen. Der FC spielte halt im Rahmen seiner Möglichkeiten. Man wird weiterziehen müssen von Feld zu Feld. Wenigstens wird dies wohl in der ersten Liga geschehen, denn mit Berlin, Hannover, Freiburg und Nürnberg sind mindestens vier Mannschaften schlechter.
Einschub: Kleine Privatwette: Hertha steigt nicht ab, sondern rettet sich irgendwie. 96 ist so mausetot, da geht dieses Jahr, glaub ich, gar nichts mehr. Freiburg ist für mich die schlechteste Mannschaft der Liga. Keine Ahnung wie die ihre Punkte holen. Nürnberg kommt in die Relegation (und gewinnt diese) und in Berlin werden am Ende alle glücklich über Platz 15 sein (auch wenn das heutige Spiel gegen Sinsheim so fürchterlich schlecht war). Der Spielplan meint es zwar nicht gut mit den Berlinern aber irgendwie hab ich da so ein Gefühl…whatever…Einsatz: Kleines Kölsch 🙂
Nach dem Debakel gegen den VfB kann der FC mit dem Punkt sehr gut leben. Nächste Woche kommen die Bayern nach Müngersdorf, da wird es ähnlich schwer wie gestern. Der Unterschied ist, dass eine Niederlage gegen die Münchener nicht wirklich wehtut, wenn man dadurch den Leverkusenern die Meisterschaft kaputt macht, denn eins will ich wirklich nicht: Dass Leverkusen vor dem SC Fortuna Deutscher Meister wird! Vielleicht sind es am Ende diese zwei Punkte, die Bayer04 gegen uns liegen gelassen hat…
Achja: Wirklich enttäuscht war ich von Helmes, der auf der Tribüne seinen FC-Fanschal nicht getragen hat. Da muß was passieren! Das kann Overath nicht durchgehen lassen!
Irgendwie schade ist es ja schon, dass ein Verein(?) wie die Kölner Haie, immerhin achtmaliger deutscher Meister, jahrelang Vorreiter in Sachen Stadion, Fans und Peripherie kurz vor der Insolvenz steht.
Traurig aber -in meinen Augen- unvermeidbar. Das Schicksal der Haie sollte für wirklich alle Vereine in der DEL ein weiteres, vielleicht letztes Mal, als Alarmsignal gewertet werden. Es stimmt einfach gar nichts im deutschen Eishockey. Dies ist nur mein Eindruck und ich bin tatsächlich jemand der früher sehr gerne an die Lentstraße gegangen ist, sogar mal ne Dauerkarte hatte aber seit gut zehn Jahren fast völlig das Interesse an den nationalen Entscheidungen verloren hat. Ich gucke den Sport an sich immer noch gern aber die DEL ist mir einfach ´ne Spur zu dilettantisch, doch fangen wir Vorne an.
1994 ging mit pompösen Start die DEL als neugegründete “1.Bundesliga” des Eishockeys ins Rennen um wirtschftlichen Erfolg. Vorbild wird die NHL gewesen sein. Als Erstes mussten die verstaubten Vereinsnamen dran glauben. Aus den traditionsreichen Vereinen Sportbund Rosenheim und EV Landshut wurden die “Starbulls” und die “Cannibals”. Mich grauste es damals und heute ist es nicht besser. Ein Glück, dass die “Haie” ihren Namen schon seit 1972 hatten. Wirtschaftlich war schon das erste Jahr ein völliger Reinfall. Zurückgehende Zuschauerzahlen sind kein guter Geburtshelfer für eine Liga die eine relativ erfolgreiche ablösen soll. Man konnte dem Fan z.B. nicht vermitteln, dass es keinen Auf- und Abstieg mehr gab. Alle Versuche zu kommunizieren dass es das in den Staaten ja auch nicht gibt liefen ins Leere. Vielleicht hätte man drauf kommen können, denn die DEL spielt ja gar nicht in Amerika sondern im alten Deutschland. Huch.
Der Niedergang der DEL ist dann auch ziemlich rasant verlaufen. Die Vereine, die nun wirtschaftlich völlig auf sich alleine gestellt waren und ohne den Unterbau eines DEB auskommen mussten, holten sich mit “strategischen Partnern” die Pest selbst an Bord. Zu spüren bekam das sehr früh das Ensamble aus München, die nachdem der EC Hedos abgewickelt wurde, erst zu den Munich Maddogs wurde und schon in der ersten Spielzeit vom regulären Spielbetrieb abgemeldet werden musste, da die DEL bei der Lizenzprüfung dem Stammverein die 15 Mio DM Schulden hat durchgehen lassen. Aber der Vorstand der DEL (Reindl ´n´ Friends) machte sich da wenig Gedanken, denn es standen ja angeblich ganze Landkreise Schlange um in die so renditestarke Liga aufgenommen zu werden.
Schon mit Beginn der DEL wurde das Thema Bezahlfernsehen von den “Machern” als wichtiger Punkt zum Gelddrucken angesehen. Man verkaufte die TV-Rechte an Premiere, ungeachtet der Tatsache, dass die Free-TV-Präsenz dadurch praktisch zusammen brach. Als Konsequenz wurde in den Folgejahren das Abgang namhafter Mannschaften, in Folge von Insolvenzen, zum Normalzustand. Man muß dabei sehen, dass Eishockey eben nicht Liebling der wirklich großen Sponsoren, sondern eher ein regionaler Spaß ist. Was nützt dem Bandenwerbungsunternehmen “Karl Meier Dachdecker GmbH” aus Landshut, dass er vielleicht vier Mal im Jahr im Pay-TV zu sehen ist, wenn auf der anderen Seite zweitausend Zuschauer weniger zu jedem Heimspiel kommen? Reichlich wenig würde ich meinen. Karl Meier sah dies genauso und fuhr sein Engagement zurück oder stellte es ganz ein. Dies geschah bundesweit. Nun mussten sich die Vereine aber schnell was einfallen lassen.
1998/99 gab es in der DEL keine DEG mehr, kein Rosenheim, kein München und aufgrund der Lizenzvergabe erst recht kein Bad Tölz, kein Füssen oder Garmisch. Alles klassische Eishockeyhochburgen mit Hinterland und großem Publikuminteresse. Aber Pustekuchen. Anstatt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, hieß die neue Formel zur Glückseligkeit Investorentum. In München kaufte die Anschutz Entertainment Group mal schnell die DEL-Lizenz der glücklosen Landshuter und mit den Munich Barons wurde “Spitzeneishockey in Bayern” propagiert. Im Wesen des Investors liegt es aber nunmal, dass Investitionen sich lohnen müssen. Als die Stadt Hamburg bei Abschutz nachfragte ob denn nicht Interesse am Bau einer Mehrzweckhalle mit gleichzeitiger DEL-Lizenz zu etablieren beständ, wird nicht lange gezögert und der blau-weißen Landeshauptstadt wurden gute Wünsche mit auf den Weg gegeben. Die Lizenz wanderte zu den Hamburg Freezers. Nach Hamburg! Eishockey-Diaspora at it´s best. Aber wo der Esel die Dukaten findet ist ihm ziemlich egal. In Düsseldorf fand sich dann die Metro-Gruppe und die DEG konnte als DEG Metro Stars wieder eine Lizenz erwerben. Immerhin etwas.
Nun hat die Liga also den Sprung aus der Provinz (Schwenningen, Rosenheim, Duisburg usw) in die Städte geschafft. Hamburg, Berlin (mit Lizenz aus Weißwasser), Köln, Frankfurt. Wichtige Wirtschaftsplätze, Premiumpräsenz dachten sich die klugen Leute aus der Führungsetage der DEL. Womit die DEL nicht gerechnet hat, ist die komplette Ignoranz des Massenpublikums. In jeder Stadt gibt es sicher einen harten Kern an Fans, ein paar Gelegenheitsbesucher und ein paar Neugierige. Mehr aber auch nicht. Es gibt keine dauerhafte Berichterstattung, der Fan-Nachwuchs kann nur aus den eigenen Reihen kommen, denn neue Fans werden nicht generiert. Das hat natürlich damit zu tun, dass es immer noch so gut wie keine Free-TV-Übertragungen gibt. Man liest vielleicht auf der dritten Sportseite das Ergebnis (gleich neben den Berichten der BBL und -damals der NFL Europe-) und denkt sich seinen Teil.
In Köln war das damals noch etwas anders. 1998 eröffnet in Deutz die KölnArena, damals Deutschlands größte Multifunktionshalle. Modern, bequem, weitläufig, Platz für 18.500 Fans und mit eben jenem Eventcharakter ausgestattet den man sich -als NichtFan- wünscht. Also waren die Zuschauerzahlen in Köln damals noch sehr gut. Jeder wollte mal ins “Henkelmännchen” um die Haie zu sehen und insgeheim ein wenig stolz zu sein auf die Stadt, dass man mit den besten Hallen der Welt mithalten kann. So ist er der Kölner. Und nicht nur der, sondern auch der “Randkölner” aus dem Bergischen oder dem wundersamen Erftkreis strömte in die Halle. Das Phänomen blieb natürlich nicht unbemerkt und so entstanden landauf, landab neue schöne Multifunktionsarenen. Die “TUI-Arena” in Hannover, “Color Line Arena” in Hamburg, “SAP-Arena” in Mannheim. Arena, Arena, Arena. Sogar in Ingoldstadt ist man sich nicht zu doof seine 4.600 Zuschauer fassende Eishalle “Saturn-Arena” zu nennen. Überall hoffte man auf Eventpublikum und Neugierige. Zwei Jahre ging das gut und nun haben wir den Salat.
Die Zuschauerzahlen sind überall rückläufig. Um jedoch die hohen Mieten zahlen zu können (die Kölnarena ist selbst ein wirtschaftlich denkender Betrieb, ich nehme mal an überall bis auf Mannheim, ist das genauso), ziehen die Eintrittspreise an. In Köln kostet die billigste Karte (letzte Reihe unterm Dach, ca. 100m vom Puck weg, Spiel nur zu erahnen, 18,50 Euro. Um ein bißchen was sehen zu können, sind 28 – 32 Euro zu zahlen. Das ist einigermaßen happig für einen Sport, der mittlerweile ganz klar bundesweit als Randsportart anzusehen ist. Dann kam auch noch die “Wirtschaftskrise” und aus is.
Jetzt kommen wieder die klugen Leute aus der DEL und sagen: Ja, aber beim Fußball ist doch auch nicht mehr billig (Man muß sich das mit einem geschluckten “Menno” vorstellen). Das stimmt. Das Problem am Vergleich ist, dass der Fußball immer und überall präsent ist. Im Pay-TV genauso wie im Free-TV, in jeder Zeitung und an jedem Stammtisch. Man kennt die Regeln (Modus der DEL anyone? Playoffs? Pre-Playoffs? WTF?) und am Ende ist der Meister, der die meisten Punkte hat. Der Eishockey-Intressierte in Deutschland muss sich alle Informationen mühsam zusammen suchen. Da hat mal eine Mannschaft vier Spiele mehr gemacht als der Nächstplazierte oder man findet nicht mal irgendwo eine Highlightsendung. Nichts. Um die Relevanz der DEL zu verdeutlichen, sollte man mal an einem SKY-Spieltag auf ein Streamingportal gehen und nicht mal dort findet man irgendeine Übertragung. Dafür aber dritte Liga im HR.
Ich habe keine Ahnung wie die Verknappungsstrategie der DEL sich jemals auszahlen kann. Man sperrt doch sein Publikum nicht komplett aus, um dann zu klagen, dass sich niemand mehr für sein Produkt interessiert.
Um sich den ganzen Schwachsinn der DEL mal vor Augen zu führen, empfehle ich jedem den Besuch von del.de. Da findet man dann ein Redirect auf “floridahoster.com”. Strategisch supi! Um auf die Seiten der DEL zu kommen muß man del.org eingeben, nur um dann in einer Flash-Hölle zu landen. Man ist ja modern und hip. My ass. Es wird aber noch besser: Unter deltv.org kann man sich ein paar Fetzen bewegte Bilder anschauen. Leider nicht das was man will, sondern die senden halt einfach eine Schleife mit den Spielen die sie im Angebot haben. Ob´s mich interessiert oder nicht ist egal, um das zu sehen was ich sehen will muss ich warten. Ja geht´s noch? Sag den “Machern” mal das 2010 ist um Himmels Willen. Da wir durch Reizüberfultung mittlerweile eine Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden haben und diese Art “Service” nicht mehr gewohnt sind, kann ich mir den “Erfolg” von DELTV ganz gut vorstellen.
Wie geht es nun weiter mit den Haien und der DEL? Akut werden wohl 500.000 Euro gebraucht, um die Saison zu überstehen 1,5 Mio. Es werden Retter-T-Shirts gedruckt die hier für faire 15 Euro bestellt werden können, der FC bietet Hilfe an, der Express hat eine Aktion gestartet und appeliert an die “Region”. Ich bin skeptisch. Man hat an den Basketballern gesehen, dass die Sponsoren in Köln sehr vorsichtig sind und lieber in der dritten Reihe beim FC stehen, als auf dem Trikot eines anderen Vereins.
Für die Liga muß es ein letzter Warnschuss sein. Man sollte sich eingestehen Sportart Nummer Drei in Deutschland zu sein (mit der BBL im Nacken), diesen Status erstmal verteidigen, ein anständiges Spielsystem schaffen (wer spielt wann wieoft gegen wen?) und vor allen Dingen Präsenz in den Medien zu zeigen. Ich fürchte für die Haie kommen alle Maßnahmen zu spät, der Bogen ist überspannt. Trotzdem wünsche ich den Fans dass ich mich irre.
Nach einem halben Jahr (fast) vollständiger Web 2.0 Abstinenz hat mich also wieder das Fieber gepackt. Facebook, Twitter, der Blog, irgendwie hab ich wieder schwer Bock auf den ganzen Quatsch. Ich hab sogar seit sehr, sehr langer Zeit mal wieder einen Kommentar unter einen Blogpost gequetscht. Es hat einfach zu sehr gekribbelt.
Also. Ich hoffe Ihr freut Euch auch ein wenig auf neue Possen rund um den FC, die KVB und der bizarren Stadt Köln, auf unausgewogene TV- und Kinotipps, subjektive Berichterstattung aus den Randbezirken des Webs, wutschnaubende Brüllkommentare und alles was hier sonst noch aufläuft.
Verstörend schön, völlig geisteskrank aber mit viel Wahrheit zwischen den Zeilen. Im Kino(!) als Vorfilm gesehen und absolut hin und weg gewesen. Da freu ich mich schon auf den ersten abendfüllenden Spielfilm!
Soldo zeigte von Anfang an, dass seine Worte bei der Vorstellung zum neuen FC-Trainer mehr waren als leere Phrasen. Er scheint sich wirklich mit Taktik und Spielaufteilung zu beschäftigen, zeigt sich zudem lernfähig (anders als Daum, der wohl noch gegen Frankfurt an Sanou festgehalten hätte) und stellte auf beiden Außenbahnen um: Über links kam wieder Fabrice Ehret zum verdienten Einsatz, über rechts wurde Brecko etwas nach vorne verschoben. Keine Spur von Chihi und Sanou. Man hat beide nicht vermißt.
McKenna spielte erneut für Pedro Geromel und machte seine Sache (wie gegen den BVB) auch recht gut. Man kann die Wolfsburger Offensive nie ganz aus dem Spiel halten. Wieder eine gute Vorstellung des flexiblen Kanadiers. Mohammad spielte seinen Part recht kompromisslos und sogar Pierre “Netto” Wome schien von der überbrodelnden Atmosphäre im ehemaligen Müngersdorfer Stadion angetan und machte einen zumindest engagierten Eindruck. Vor der Abwehr bot sich das gewohnte Bild mit Petit und Pezzoni, wobei der junge Kevin einen zwar anständigen, aber auch über Strecken reichlich phlegmatischen Eindruck hinterließ. Petit wie immer als Pitbull unterwegs.
Die signifikanteste Änderung war natürlich die -alles überstrahlende- Rückkehr des Prinzen in die heimatliche Burg. Poldi und Freis im Sturm, dahinter ein ca. 75%ig-fitter Maniche. Leider merkt man die Lücke, die Nova i.M. bildet, der Offensive doch recht deutlich an. LP kam (wie er es wohl die Restsaison über vor hat) als etwas hängende Kraft, eher von hinten, Freis spielte recht zentral, jedoch ohne ein wirklicher Stoßstürmer mit körperlicher Präsenz zu sein.
Der FC machte ein insgesamt gutes Spiel. Die ersten dreißig Minuten waren intensiv und leidenschaftlich, mit guter taktischer Ausrichtung, frühem Stören des Wolfsburger Spielaufbaus und engen, hart geführten Zweikämpfen, die in großer Mehrzahl, für den FC entschieden wurden.
Nach der ersten Euphorie konnte man aber an den Verschiebungen im Mittelfeld sehr deutlich erkennen, dass der VfL nicht wirklich geschockt war und mit großer Ruhe und Gelassenheit seine Angriffe vortrug. Gentner spielte einige recht brauchbare lange Wechsel, Grafite hatte eine Riesenchance zum 0:1 und beim FC klaffte eine Lücke von fünfundzwanzig Meter zwischen dem eigenem Strafraum und dem Mittelkreis. Diese Phase dauerte von der 35. Minute bis zur Halbzeit.
Maniche hatte einige gute (sogar recht kämpferische!) Szenen, indem man erkennen konnte, daß er im Kopf immer noch sehr schnell ist und seine Ideen meistens gute sind. Ich bin tatsächlich gespannt, wie unser Spiel in fünf, sechs Wochen aussieht (wenn dann auch mal schlagbare Gegener kommen).
Nach der Pause erwischten wir natürlich einen Traumstart, der allerdings durch ein Katastrophen-Stellungsspiel von Madlung begünstigt wurde. Ehrte spielte seine Schnelligkeit aus und spitzelte den Ball über die Linie. Muß man so auch erstmal schaffen. Schönes Tor, das Stadion dreht durch und wir blicken in die Sonne um die Augen wieder auf ein Normalmaß schrumpfen zu lassen.
In der Folgezeit wurde der Druck der Wölfe jedoch zunehmend größer und es war (ähnlich wie in Dortmund) nur eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fällt. Doch, halt: Einen großen Unterschied zu dem ersten Saisonspiel konnte man ausmachen: Der FC spielte schnelle Konter, spritzte ein ums andere Mal gefährlich in die Wolfsburger Hälfte und setzte permanente Nadelstiche. Leider konnte Podolski seine Leistung nicht mit dem 2:0 abrunden. Er setzte den Ball aus seiner halblinken Lieblingsposition knapp am langen Pfosten vorbei. Fällt das Tor, hätten wir eine realsitische Chance gehabt. “Hätte, wenn und aber”, der Roman einer Stadt und seines Fußballvereins.
Nachdem Veh mit Martins die vierte Spitze einwechselte, McKenna ein Mal zu spät kommt, die Vollstreckerqualitäten von Dzecko allzu deutlich werden und wir mit dem lässigen zweiten Eigentor im zweiten Saisonspiel auf Rekordjagd gehen, verlieren wir innerhalb von einer Minute das Spiel. Das 1:3 durch Martins spielte keine wirkliche Rolle mehr, da man nicht das Gefühl hatte, dass der FC da nochmal zurück kommen kann. Auch die Einwechslung von Ishiaku (wieder unterirdisch und ohne Wirkung) und Novakovic (fünfminütiger Einsatz ohne Szenen) konnten dem Spiel keine Wendung mehr geben. Zu gut, zu abgebrüht spielte der VfL seinen Stiefel runter.
Jetzt kann man natürlich von einem Fehlstart sprechen. Ich warte damit bis nach dem Frankfurt-Spiel. Ich habe eine deutliche Leistungssteigerung zu letzter Woche sehen können, einen cleveren FC, eine Mannschaft, der man die Niederlage nicht übel nehmen kann. Unsere Gegner in dieser Saison heißen nicht Dortmund, Wolfsburg, Bayern oder Schalke sondern Hannover, Frankfurt, Gladbach und Bochum.
Allerdings müssen am Samstag Punkte her, sonst kann man den Fehlstart wirklich vermelden.
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