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Bockcast #074

Nach dem 1:0 Sieg gegen den VfL Wolfsburg wird der Traum von Europa immer konkreter. Peter Stöger wird nach seiner Prämie gefragt, die Kölner Reisebüros stellen Recherche-Teams mit Schwerpunkt Aserbaidschan ein und die Fans singen sich schon mal warm. Berechtigt? Wir versuchen eine erste frühe Antwort zu finden, scheitern aber erwartungsgemäß. Dabei sezieren wir das Spiel heute zu dritt, denn nach einiger Abstinenz ist Martin wieder mit dabei. Außerdem haben wir Dre (DAZN, FIVE) zu Gast, der uns einen umfassenden Einblick in das Innenleben des VfL Wolfsburg gibt. Dazu gibt es wie immer einen Blick nach vorn und zur Seite, das kennt ihr ja.

Da es diesmal wieder etwas länger geworden ist und wir auch ein paar Hörer-Fragen mit in die Sendung genommen haben, gibt es nach langer Zeit wieder Kapitelmarken. Wer also spulen möchte, der weiß jetzt wenigstens wohin.

Wir wünschen viel Spaß!

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Come on effzeh!


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FC – Wolfsburg: Maybe we have a little bit lucky

Am Ende gab es für die Südkurve in Müngersdorf kein Halten mehr. “Und dann fahren wir nach Mailand, um den effzeh Köln zu sehn…” hallte es minutenlang und mit ohrenbetäubender Lautstärke durch das Stadion. Längst hatte auch die anderen Himmelsrichtungen in den Chant mit eingesetzt, Schals flogen in den Kölner Vorabend-Himmel, es gab kein Halten mehr. Der VfL Wolfsburg hat noch einmal den Ball, es läuft die 94. Spielminute. Auf rechts, eine letzte Flanke in den Strafraum, ein letzter kurzer Herzinfarkt-Moment, dann begräbt Thomas Kessler den Ball sicher unter sich und 48.000 Fäuste-Paare ballen sich zusammen. Abpfiff, Feierabend, Mailand. In Kölner Reisebüros knallen die Sektkorken.

Mit seinem 15. Saisontor, diesmal vom Elfmeterpunkt, schießt Tony Modeste den effzeh auf den… ja, auf welchen Platz schießt er uns? Wahrscheinlich bleibt es beim siebten Tabellenplatz, weil einfach alle vor uns auch gewonnen haben. Hertha, Hoffenheim, Dortmund, heute spielt noch die Eintracht gegen Darmstadt und alles andere als ein klarer Sieg der Frankfurter wäre schon eine ziemliche Überraschung. Damit ist der Tabellenstand unverändert aber der Abstand nach unten bleibt wenigstens auch mindestens gleich (Freiburg) oder beträgt nun schon extrem lustige acht Punkte auf Leverkusen, die sich am Freitag in Hamburg präsentierten wie Kellyanne Conway in einem TV-Interview. Dazu kommt die Gewissheit, dass 32 Punkte wohl jetzt schon reichen werden um die dieses Jahr die Klasse zu halten. Diese am 19. Spieltag auf dem Konto zu haben ist nichts anderes als die bisher beste Saison seit 27 Jahren. Seit gottverdammten 27 Jahren! Da war ich 14, der 1.FC Köln wurde in der Saison 1989/90 Vizemeister, der Europapokal war jedes Jahr ein fester Bestandteil in der Jahresplanung meines Clubs und ich sah nicht kommen, dass es einmal nicht so sein würde.

27 Jahre!

Herrgott. Die Hälfte der heutigen Stadiongänger war nicht mal geboren. Eine große Anzahl Fans hat noch nie im Leben eine bessere Saison des 1.FC Köln gesehen. Was für die etwas älteren Menschen 1978 ist, was für mich 1983 ist, ist vielleicht für diese Klientel 2017? Erleben wir ein Annus mirabilis? Ist es wirklich dieses Jahr soweit?

Ich will mich immer noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen aber die Mannschaft macht es mir schwer nicht an sie zu glauben. Selbst gestern, als in Strafraumnähe wirklich nicht viel ging, hat sie mich mitgenommen. Der Druck auf Wolfsburg war eigentlich über das gesamte Spiel konstant, es wurde wunderbar gegen den Ball verteidigt, die Mitte war praktisch immer zu, Gomez wurde komplett aus dem Spiel genommen und auch wenn ich zwei Chancen für den VfL zähle, ist das -gemessen an den Namen in dieser Mannschaft- nicht wirklich viel.

Es gab genau eine Phase im Spiel, es muss die 55. – 65. Minute gewesen sein, in dem der Gegner etwas mehr Zugriff hatte. Mir kam es so vor als hätte uns Wolfsburg eingeschläfert mit ihrer Art des Ballvortrags. Ein paar Abspielfehler, ein paar ungenaue Laufwege, Missverständnisse und dann baut sich das auf wie eine Welle. Kleine Fehler führen zu weiteren kleinen Fehler, alles summiert sich und auf einmal ist der Wurm drin und niemand weiß genau warum. Aber auch hier zeigt sich die neue Qualität meines Lieblings-Fußballvereins: Sie haben die Fähigkeit zu vergessen. Der letzte Angriff war scheisse, egal, der nächste wird besser. Ich habe mittlerweile echt das Gefühl, dass ich der Mannschaft vertrauen kann. Dass sie an sich selbst glaubt, dass sie von ihrer eigenen Stärke überzeugt ist. Dass sie es will. Und kann.

Dazu kommen Spielzüge, die eines modernen Fußballs absolut würdig sind. Das Tempo über die teilweise die Vorträge über links (Rausch & Bittencourt) vorgetragen werden ist (immer vor dem Hintergrund unserer Geschichte) atemberaubend auch wenn gerade Bittencourt im Moment noch manchmal den Eindruck eines Wile E. Coyote macht und die Wand gegen die er in drei Sekunden laufen wird nicht sieht. Das sind aber Feinabstimmungen. Wichtig ist erstmal, dass das Tempo da ist, dass das Selbstvertrauen da ist, denn nur so kannst du aufbauen. Aber nicht nur im Vorwärtsgang ist der effzeh eine solide Nummer, nach hinten ist der Verein ebenfalls immer noch prächtig aufgestellt. 16 Gegentore in 19 Spielen (dabei die 4 in Sinsheim nicht vergessen) sind ein absoluter Spitzenwert. Bayern hat 12, Frankfurt 15 und dann kommt schon der effzeh. Das Fundament auf dem Peter Stöger seine Kathedrale baut ist immer noch solide und gibt nicht nach. Da kann man auch mal Thomas Kessler loben, der einen unaufgeregten Horn-Ersatz abgibt und insgesamt eine feine Serie spielt. Gefällt mir gut.

Ich glaube wirklich, dass die Mannschaft als ganzes unser größter Faustpfand ist. Die Geschlossenheit aber auch der geringe Leistungsabfall innerhalb er einzelnen Mannschaftsteile ist ein enormer Vorteil. Ob nun z.B. Dominic Maroh oder Frederik Sörensen spielt, ist anscheinend kein großer Unterschied mehr. Auch hier geht der Gruß an die Spieler-Entwicklungs-Künste von Peter Stöger. Was ich seit Jahren sage: Er macht Spieler besser. Er verwaltet nicht nur eine Mannschaft, er entwickelt sie. Wahnsinnstyp.

Natürlich haben wir auch ein paar Säulen im Team, die ich nie missen möchte: Tony Modeste mit vielleicht der Saison seines Lebens, Marco Höger, der sich um absoluten Führungsspieler entwickelt hat, Jonas Hector, der läuft wie ein Duracell-Häschen und dabei auch spielerisch besser wird. Das sind Eckpfeiler die du aber auch als junges Bundesligateam brauchst, die dir die Sicherheit geben auch mal ins Risiko zu gehen, weil du weißt, da ist jemand, der dich im Zweifel auffängt, der dir hilft.

Ach, ich weiß doch auch nicht, es macht einfach viel zu viel Spaß im Moment.

27 Jahre!

Über den Elfmeter müssen wir auch gar nicht groß reden, im ersten Moment war es für mich keiner (allerdings auch keine Schwalbe!), sondern ein Kampf um den Ball, bei dem Benaglio vielleicht eine Zehntelsekunde zu spät kommt und dabei Modeste berührt, der das annimmt. Nach siebenhundertzweiundzwanzig Zeitlupen kann man den Elfer dann vielleicht doch eher geben, weil der Torwart schon recht klar auf Tonys rechten Fuß haut aber gut, was soll ich da jetzt analysieren? Tun wir es unter “zum Glück war es für uns” ab und freuen uns, dass Modeste den Ball ins Netz geschossen hat.

Und denken dabei an Mailand.

Am Dienstag geht es für den effzeh weiter im DFB-Pokal. Natürlich auswärts. Natürlich in Hamburg. Ich werde da sein. Ich habe noch nie eine Niederlage des 1.FC Köln in Hamburg gesehen. Weder im Volkspark, noch in der Arena, noch am Millerntor. Mal schauen ob die Serie hält.

Zum letzten Mal im DFB-Pokalfinale stand der 1.FC Köln am 22.06.1991. Mucki Banach gleicht aus, Elfmeterschießen, Litti scheitert an Reck…

Es wird Zeit.

Come on effzeh!

Bockcast #073

Nach dem 6:1 Sieg in Darmstadt spreche ich mit Thomas über leere Räume, Darmstädter Härte, Modestes Chancen gesperrt zu werden und halt alles, was da am Samstag so passiert ist.

Wir wünschen viel Spaß!

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Wir sehen uns in Baku.

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Darmstadt – FC: Sechsmachine

30 Minuten sah das alles gar nicht mal so gut aus, was der ruhm- und glorreiche 1.FC Köln auf den frostigen hessischen Rasen zauberte. Wenig klare Aktionen nach Vorne, viele “Stockfehler”, würde man im Eishockey sagen, fahriges Passspiel und viele, viele kleine Dinge, die das Spiel eher an ein zähes Stück altes Speck, statt an ein saftiges Steak erinnern lassen.
[Keine Ahnung warum mir in letzter Zeit so viele Essens-Vergleiche einfallen, oder ich sie einbaue, irgendwas muss ich anscheinend kompensieren aber das steht ja zum Glück auf einem anderen Blatt.]
Nun gut, zurück zum Spiel: Nach dieser recht grauen halben Stunde gibt es Freistoß, Konstantin Rausch denkt sich: Da baller ich das Ding doch mal halbhoch in die Mauer und weil es so schön war macht er das gleich nochmal, verwirrt mit dieser gewagten Taktik anscheinend die komplette Darmstädter Hintermannschaft, so dass die Olkowskische Hereingabe -von Flanke sprechen wir hier noch nicht- das Schienbein des, ins luftleere grätschenden, Aytac Sulu trifft und der Ball zum ersten Mal im Jahr 2017 den Weg ins Tor des Gegners findet. 1:0 aus dem ziemlichen Nichts heraus und doch war zu diesem Zeitpunkt das Spiel schon gelaufen, ob wir es ahnten oder nicht, das Schicksal nimmt keine Rücksicht.

Dass es zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch 0:0 stand ist zwei Umständen geschuldet, zum einem versemmelte Gondorf vor dem Kölner Tor eine Chance, an der man erkennen konnte, warum Gandalf dem nach ihm benannten Land zur Hilfe kommen musste und dann war da auch noch Christian Clemens, der mit einem netten Dropkick-artigen Schuss an Esser scheiterte. Ja jut, kann passieren. Mehr war bis dahin nicht geschehen, wenn wir mal die Nickligkeiten außer Acht lassen, die dafür sorgten, dass selten länger als zwei Minuten am Stück gespielt werden konnte. Irgendeiner lag immer auf dem Rasen und schrie wie eine Fuhre Hammel auf dem Weg in die Dönerfabrik.

Aber, so stand es dann eben 0:1 und der 1.FC Köln nutzte die kurzfristige Hühnhaufen-Mentalität des SVD gnadenlos aus. Das Kopfball(!)-Tor(!!) von Osako nach Flanke(!!!) von Bittencourt fällt so nicht mal im Training, da herrschte keine Zuordnung, kein Druck auf den Flankengeber, das sah aus als würde Darmstadt mit drei Mann weniger spielen. Ich kann ja im Ansatz verstehen, wenn man reagieren will und in der Vorwärtsbewegung bei Ballverlust ein wenig überrascht wirkt aber zwischen Ballverlust und Abschluss liegen fünfzehn Sekunden, in denen die Lilien-Spieler auf alten Röhrenfernseher gar nicht im Bild gewesen wären. Das ist dann doch eine Spur zu naiv, sorry.

Ich bin als Fan des 1.FC Köln immer noch so zerfressen von Selbstzweifeln, dass eine Zwei-Tore-Führung beim, wahrscheinlich, schwächsten Mitglied der ersten Fußball-Bundesliga bei mir nicht mehr auslöst als ein inneres skalieren der Gewinnchancen auf 35-40%. Es ist deutlich besser als die 10% Chance, die ich dem effzeh vor Beginn jeder Partie gebe aber es ist weit davon entfernt, dass ich mich wohl fühle. Das Leben als Fußballfan in Köln hat mich in etwa so empfänglich für die Realität gemacht wie privilegierte Sklavenhalter-Töchter aus Süd-Alabama, die Trump gewählt haben, damit der einfache Amerikaner wieder eine Stimme bekommt. Nur eben andersrum. Ich verdränge die Möglichkeit einer kontinuierlichen Besserung, weil mich die Geschichte gelehrt hat, dass irgendwo Frau Daum mit Hanutas auf mich lauert. Vielleicht nicht heute, und vielleicht auch nicht morgen aber ich weiß, dass sie da ist und nur darauf wartet, dass ich es mir in meinem Happy Place zu gemütlich gemacht habe.

Ist das Quatsch?

Natürlich sehe ich die Entwicklung und natürlich kann ich mich der Realität nicht entziehen. Ich verstehe schon, was da passiert, ich sehe die Entwicklung und doch habe ich immer diesen Schiss, das da noch irgendwas schief gehen kann, dass sich der Himmel öffnet und Gottes Hand selbst den Ball in unserem Netz platziert, weil es ihm gefällt. Nach dem 0:3 durch Modeste, war der Puls schon ein wenig runter, bis ich dann in der Pause die ersten Tweets las, die mit dem Spiel abgeschlossen haben, die sich schon auf die Schulter klopften und den Sieg feierten, die Bier in Baku tranken und überhaupt und alles. Das macht man doch nicht als effzeh-Fan, ihr wisst es doch besser. Stromausfall, Spielabbruch, vier Tore Heller, es ist doch nicht so, dass wir hier von einem rational erklärbaren Club reden. Immer noch nicht.

Oder doch?

Nach der Halbzeit gab es eine Phase von zehn, fünfzehn Minuten, die dafür sorgten, dass ich mir schon in Gedanken die Schlagzeilen für ein Comeback der Darmstädter ausgemalt habe, die mich schimpfend auf Gott und die Welt auf die Couch schlagen ließen. Darmstadt kommt mit einer scheiss-drauf-ist-eh-alles-am-arsch-Mentalität aus der Pause, tritt auf alles was Füße hat, kauft dem effzeh den Schneid ab und kämpft sich wie ein sehr begrenzt talentierter aber wild entschlossener Gallier durch römische Kohorten zurück in das Spiel. Jedenfalls kommt mir das in dem Moment so vor, was aber natürlich komplett überbewertet ist, denn, wenn ich ehrlich bin, macht der effzeh halt nur genau das, was er machen muss um das Spiel möglichst verletzungs- und sorgenfrei über die Bühne zu kriegen. Es war ja nicht so, dass Darmstadt Chance auf Chance hatte, sondern -ganz im Gegenteil- eigentlich war bis auf blindes Anrennen da nicht viel. Von Spielkultur müssen wir nicht reden, das ist allerdings auch etwas, was der SVD gerade so gar nicht braucht. Dennoch war ich völlig unsinnigerweise immer noch nervös. Als das 1:3 fiel (ja, kein Elfer, wieder blödes Gelb für Höger – aber dafür war es fünf Minuten vorher ein klarer Elfer, der nicht gegeben wurde), eskalierte ich kurzfristig innerlich. Kann doch wohl nicht wahr sein, holt die doch nicht in das Spiel zurück. Und wer bitte schön soll denn für uns noch treffen? Modeste ist ja schon raus. Mann, ey…

Und dann läuft Osako auf das Tor zu, ja, dieser Osako. Unser Osako. Yuya Osako. Geboren am 18. Mai 1990 in Kaseda, Japan. Kein anderer. Läuft, schießt, Torwartfehler, Tor, 1:4, zufrieden. Ich stand vom Sofa auf, schrieb noch etwas in die WhatsApp-Selbsthilfegruppe, die schon längst -ohne mein Zutun- in einer Art Feierstarre gefallen war, ging zum Fenster und holte ein gute französische Zigarette aus der Packung. Sie schmeckte nach drei Punkten, nach Abenden am Mittelmeer, kurz vor einem Flutlichtspiel im Stade Vélodrome. Sie schmeckte nach Weltherrschaft und russichem Vodka. Nach Fährfahrten in Skandinavien und Tapas in Andalusien.

No one can stop us now.

So ist das manchmal, zwischen einer Es-ist-alles-verloren 3:1 Führung und einer wir-verlieren-nie-wieder-ein-Spiel-Zigarette liegt manchmal nur ein Torwartfehler und ein kleiner Japaner.

Der Rest ist Schaulaufen. Milos Jojic beweist, warum ich ihn so mag, die Ballannahme vor dem 1:5 bekommt im Team des 1.FC Köln so kein anderer hin. Vielleicht gäbe es viele häßliche Verletzungen, wenn Peter Stöger diesen Move beim Training als Pflichtübung einführen würde. Besser nicht. Dass Rudnevs noch das 1:6 folgen ließ kostet mich zwar 25 Euro, es war schließlich sein drittes Tor im Trikot des 1.FC Köln aber gut, es freut mich doch.

Ihr denkt ja immer, dass ich ihn nicht mag, was so ja gar nicht stimmt. Aber da schreibe ich dann irgendwann mal etwas ausführlich drüber. Bestimmt.

Zwei Dinge noch, die in diesem Spiel für Diskussionen sorgten: Die Aktion von Modeste gegen Sulu sieht in der Zeitlupe bescheuert aus, ist aber völlig aus dem Kontext gerissen, weil, wenn man sich die Szene in Realgeschwindigkeit und in Gänze anschaut, dann sieht man, dass Sulu sich in den Laufweg von Modeste stellt, dieser im Lauf ist und versucht sich mit den Armen Platz zu machen. Ja, ich finde auch, dass Modeste Glück gehabt hat, dass er nicht vom Platz geflogen ist, weil er schon sehr robust und unmissverständlich vorbei will, ich sehe aber keine Tätlichkeit. Das mag ein wenig mit der rosaroten effzeh-Brille geschrieben sein aber ich meine es aufrichtig. Ohne das Sperren von Sulu kommt es nicht zu der Szene. Aber gut, ich bin gespannt wie die DFL mit der Szene umgeht, ich weiß immer noch nicht, ob sie überhaupt nachträglich bewertbar ist aber nach der abermals fürchterlich tendenziösen Zeitlupen-Berichterstattung sowohl von SKY als auch von der ARD könnte ich mir vorstellen, dass da noch was kommt. Und das ist etwas, was wir uns eigentlich nicht leisten können.

Außerdem ging mir Darmstadt heute ziemlich auf den Keks. Ich kann verstehen, wenn man versucht mit Geschlossenheit und Kampf und Einsatz die Klasse zu halten. Ist doch völlig klar. Und auch wenn Frings versucht eine Körperlichkeit als Grundtugend auszugeben, habe ich null Probleme mit. Eigentlich ganz im Gegenteil, es ist Fußball und nicht Basketball, da gehört ein gewisses Maß an Härte meiner Meinung dazu. Aber das heute war ziemlich übertrieben. Es war fast Ingolstadt. Und das ist kein Kompliment. Viele, viele dreckige Fouls, immer die Hand am Trikot, immer auf die Füße steigen und selbst bei der kleinsten Berührung den sterbenden Schwan markieren um Karten zu provozieren. Was ein Scheiss. Ich wünsche den Lilien immer noch alles Gute für den Rest der Saison, ich finde den Gesamtverein immer noch hoch sympathisch und wünsche ihnen, dass es noch das viel beschworene Fußballwunder gibt aber heute ging es mir auf den Keks.

Ist aber ja nicht schlimm, das Ergebnis stimmt mich milde.

18 Spiele, 29 Punkte, plus 11 Tore, Platz 7.
1 Punkt auf Platz 6
2 Punkte auf Platz 4
3 Punkte auf Platz 3
5 Punkte Vorsprung auf Platz 8

Ich glaube ich mach mir noch eine Zigarette an. Vielleicht schmeckt sie diesmal nach einem milden Wind, der über sizilianische Olivenbäume weht. Man weiß es nicht…

Come on effzeh!

Bockcast #072

Mit dem sechsten sieglosen Spiel in Folge, dem fünften Unentschieden hintereinander, startet das Fußballjahr 2017. Endlich wieder Bundesliga, endlich wieder effzeh. Der Bockcast beendet die Hinrunde mit einer etwas anderen Ausgabe, die sich nur in kleinen Teilen mit dem effzeh beschäftigt, sondern mal einen etwas intensiveren Blick über den Tellerrand zum gestrigen Gegner dem FSV Mainz 05 bietet. Zu Gast ist nämlich Mara Braun, deren Blog ihr unbedingt anschauen solltet.

Mara erzählt über die merkwürdige Beziehung zu Yunus Malli, über Konkurrenzkampf im Team, Mainzer Selbstbewusstsein, scheut sich nicht ‘ihren’ Stadionsprecher und ‘ihre’ Hymne zu verteidigen (ich gebe zähneknirschend zu, dass die Argumente auch valide sind….) und -ihr werdet es hören- ist allgemein schon reichlich fußballbekloppt. Da kommt man dann schon mal ans Erzählen, ganz so wie Ihr das vom Bockcast gewohnt seid. Thomas ist diesmal leider nicht dabei, da ein Termin dazwischen gekommen ist.

Ich hoffe Ihr habt mit dieser etwas ungewöhnlichen Bockcast-Folge genauso viel Spaß wie ich, entschuldigt bitte die paar kleinen Aussetzter, die Technik war heute wieder komisch.

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Jetzt aber viel Spaß mit Bockcast, Ausgabe 72, Auswärts in Mainz.

Come on effzeh!


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Ende 16

Einen guten Rutsch, liebe Leser / Hörer / Freunde. Nächstes Jahr wird noch besser!

2

Mavraj, Kühne und das Fliewatüüt

Ich hab eben mal kurz auf Twitter reingeschaut, das Büro ist eh leer, da kann man es ja mal ein wenig entspannter angehen lassen. ich las einen Tweet der (sehr geschätzten) Tanja, HSV-Fan, Bloggerin und universal nette Person zum Transfer von Mergim Mavraj zum HSV

und widersprach diesem.

Im folgenden brach eine wilde Diskussion aus, an der alle Beteiligten, das ist jedenfalls mein Gefühl, mehr oder weniger aneinander vorbei redeten. Damit ich das mal geordnet kriege und weil es mir zu mühsam ist das in x Tweets mit 140 Zeichen zu quetschen also das was ich sagen wollte:

1. Aus Sicht des effzeh: Es gibt (kolportierte) 1,8 Million Euro Ablösesumme, dazu Sonderzahlungen, wenn der HSV die Klasse hält (was Gott verhüten möge aber sich wohl leider nicht vermeiden lässt). Natürlich muss der effzeh dieses Geld nehmen, da die Vertragsverlängerungsgespräche nicht fruchteten, der Spieler weg will und im Sommer dann also ablösefrei gewechselt wäre. Keine Widerrede, das ist sinnig und stimmig und muss getan werden. Allein: Ist das sportlich verkraftbar und wäre ein störrisches Beharren auf Vertragserfüllung nicht eine Option gewesen? Wahrscheinlich nicht. Ich tue mich da -wie gesagt- sehr schwer mit, weil ich die 1,8 Millionen in den heutigen Zeiten nicht mehr als fantastische Summe im Fußball sehe. Bekommen wir dafür gleichwertigen, sofortigen Ersatz? Eher nicht. Wir können nur hoffen, dass die Verletzungsseuche aufhört und wir mit Maroh und Heintz die Innenverteidigung dauerhaft besetzen können. Ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass das halbe Jahr weiter in Köln uns eher geholfen hätte als die 1,8 Millionen Euro aber der effzeh handelt wirtschaftlich korrekt und es ist eh ein fifty-fifty Gefühl bei mir.

2. Der Spieler: Klar kann ich verstehen, dass man ein Angebot annimmt, das einem das Jahresgehalt verdoppelt oder gar verdreifacht. Mein Chef könnte gar nicht so schnell “Moment mal” rufen, wie ich weg wäre. Um Himmels Willen, ich kritisiere Mavraj keine Sekunde. Der Mann ist Profi und verdient Geld mit dem Fußball.

3. Der HSV: Dem HSV kann halt alles egal sein. Bilanzen spielen keine Rolle, Transfers müssen sich nicht selber tragen, denn der “Kreditgeber”, wie Kühne in Hamburg ganz gerne mal genannt wird (man will ja nicht mit Red Bull und / oder SAP in einen Topf geschmissen werden, obwohl man die beiden Konstrukte von der Arschigkeit her schon fast überholt hat), bezahlt halt immer brav die Rechnungen, die Beiersdorfer oder jetzt Bruchhagen vorlegen. Klar, kann man machen. Sportlich macht der Transfer absolut Sinn und da Geld halt egal ist, ist der Wechsel aus HSV-Sicht völlig legitim. Und bitte, Tanja, komm mir nicht mit “wurde aus Cleber-Geld bezahlt”. Nichts, absolut gar nichts, nicht ein Kuli, nicht ein weißes Blatt Papier auf der Geschäftsstelle wird mit Cleber Geld bezahlt, denn der HSV hat 75 Millionen Euro Verbindlichkeiten und ein operatives Minus vor Steuern von 19,1 Millionen Euro. Jeder Transfergewinn geht erstmal da rein und um den Rest kümmert sich Kühne. 38 Millionen im Sommer, was soll’s, ist ja ein “Kredit”, ne? Belügt Euch doch nicht selber.

Das Problem: Ja, es ist der Lauf der Zeit. Der effzeh kann -als wirtschaftlich von Einzelpersonen unabhängiger Verein- das Geld nicht aufbringen mit diesen Konstrukten mitzuhalten. Thomas merkte an: Dann frag doch mal bei Fürth nach, wie die das fanden als der effzeh Mavraj abgeworben hat. Ja, völlig legitimer Einwand aber mit einem großen Unterschied zum jetzigen Transfer nach Hamburg: Der effzeh konnte dem Spieler wirklich eine sportlich bessere Perspektive bieten als dies der HSV heute kann. Beim heutigen Transfer ging es rein ums Geld (s.o., völlig in Ordnung), das sich noch nicht mal erwirtschaftet werden muss, weil es halt eben unbegrenzt zur Verfügung steht. Der HSV kackt halt auf alles mit dieser Politik der Verschwendung, es werden die stützenden Grundpfeiler des Wettbewerbs genauso ausgehoben wie bei Werksvereinen und Marketingkampagnen. Das macht auch völlig Sinn, weil die DEL DFL (Danke, Christian, nicht dass die DEL da anders wäre aber es geht schon um Fußball) ja alles mit sich machen lässt und wie ein lahmer Auerochse am Nasenring über das bereits bestellte Feld gezogen wird, beziehungsweise, sich auch furchtbar gerne ziehen lässt, das Geld kommt ja, egal von wem. Aber dieses bigotte Bestehen auf der 50+1 Regel, macht dann eben einen nicht auszugleichenden Unterschied aus, der “normale” Vereine, zu denen ich den effzeh diesmal bizarrerweise zählen möchte, daran hindert wettbewerbsfähig zu bleiben.

Tja. Machste nix.

Mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen. Wäre bei Twitter reichlich unwirtschaftlich gewesen. Und so schließt sich der Kreis zum HSV.

Wir werden Mavraj kompensieren können, es ist nicht der wichtigste Spieler im Kader. Ich wünsche ihm persönlich alles Gute, soweit ich das beurteilen kann, hat er sich hier in Köln tadellos benommen, war immer da, wenn er gebraucht wurde und hat eine wirklich gute Hinrunde gespielt. Es gibt nicht mal eine hochgezogene Augenbraue in seine Richtung. Er setzt sich auf das Fliewatüüt und ist weg. Gute Reise.

That’s the way the Cookie crumbles.

Come on effzeh!

Bockcast #071

Nach dem dritten 1:1 in Folge, zum Jahresabschluss sprechen wir über die Spiele gegen Bremen und Leverkusen, warum wir uns teilweise ärgern auf der anderen Seite aber doch ganz zufrieden sind, reden über Personalien und Wünsche und kommen zum Fazit, dass das alles im Moment doch sehr, sehr gediegen beim 1.FC Köln zugeht.

Wir machen jetzt auch eine kleine Winterpause, wünschen Euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, wenn es Euch gefällt, was wir hier machen, freuen wir uns über Eure Kommentare entweder hier im Blog, auf Twitter oder auf Facebook. Ganz besonders freuen wir uns über eine (hoffentlich gute) Bewertung bei itunes mit Rezension. Auch über ein paar Verlinkungen und oder Mundpropaganda beschweren wir uns nicht uns wenn Ihr uns vielleicht sogar ein leckeres Kölsch spendieren wollt, dann nutzt doch den Spenden-Button im Blog, der macht ohne Urlaub durch.

Jetzt wünschen wir aber viel Spaß mit dem letzten Bockcast 2016, wir hören uns im neuen Jahr!

Come on effzeh!


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FC – Leverkusen: Peter Stöger and the funky Bunch

Heute kein wenig Text. Keine Zeit. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Heute Abend sollte es einen neuen Bockcast geben. Nur soviel: Alles ist gut. Gegen ein starkes (jedenfalls deutlich stärkeres als zuletzt) Leverkusen ‘nen Punkt geholt, Traumtor von Tony Modeste (über dessen Reklamier-Aktion nach seinem Ausrutscher ich mich gestern fürchterlich aufgeregt habe, denn, wir sind die Guten, verdammt nochmal, wie haben das nicht nötig!), wieder gute und geschlossene Mannschaftsleistung, wenn man bedenkt, dass auch Höger gefehlt hat und im Mittelfeld ein ums andere Mal vermisst wurde. Alles okay.

Zu den gestrigen Personalien:
Mladenovic: war klar, ist okay, spielt keine Rolle.

Mavraj: Kann ich nur bedingt verstehen, von seiner Warte her schon, wenn das stimmt, dass er beim HSV mindestens ‘ne Million im Jahr verdient, dann muss er das machen. Aus effzeh-Sicht etwas schwieriger weil unsere Personaldecke ja wirklich dünn ist und Mavraj eine gute bis sehr gute Saison spielt. Ob wir direkt gleichwertigen Ersatz bekommen? Gut, Schmadtke knows, ich weiß, ich weiß. Dennoch stellt sich für mich die Frage ob die kolportierten 1,5 Millionen Ablöse es wert sind die Rückrunde ohne ihn anzugehen. Ich kann mir schon vorstellen, dass da die Gespräche mit dem Spieler, der ja nun offensichtlich gehen will, schwierig sind aber letztlich ist er ein Profi und ich bin mir sicher, dass er keine Verweigerungshaltung an den Tag gelegt hätte, wenn der effzeh gesagt hätte, dass er die Saison noch bei uns zu Ende spielen muss. Keine Ahnung. Ich wünsche ihm nichts schlechtes aber dass diese Abwerbaktion den HSV nochmal ein Stück weit unsympathischer macht, ist ja auch ein schöner Nebenenffekt.

Clemens: Keine Meinung. Er hat den effzeh verlassen, weil er sich beim Angebot von Schalke “riesig freute königsblau zu tragen“, ist nach Mainz gewechselt, weil er sich “als junger Spieler optimal weiterentwickeln” konnte und kommt nun zurück, weil er beim Angebot von Schmadtke “nicht lange überlegen musste“. Warum eigentlich nicht? Nun gut. Er hat diese Saison kaum gespielt, war verletzt, ist aber jetzt anscheinend wieder fit. Muss man abwarten. Der Transfer hat für mich nicht ganz das Schockmoment eines Rudnevs, ist aber auch nichts, was mich jubilieren lässt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er den effzeh auf ein anderes Niveau hebt. Liest sich für mich wie ein “kommen-wir-mit-durchs-Jahr”-Transfer. Aber, ich habe mich ja schon mehr als einmal getäuscht. Hoffen wir, dass ich einfach viel zu wenig Ahnung habe.

Das Fußballjahr 2016 ist vorbei, es war tatsächlich ein gutes Jahr. 25 Punkte nach 16 Spielen, Platz 7, Europa im Blick, alles ist gut, bleiben Sie ruhig.

giphy

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünsche ich Euch. Wir lesen uns im nächsten Jahr. Haut rein.

Come on effzeh!

Bremen – FC: The Rains of Osterdeich

Wir können uns jetzt stundenlang aufregen, tagelang wehklagen und die Nächte mit dem Zerbeissen von Tischplatten verbringen. Wir können uns Voodoo-Puppen kaufen und Dartpfeile werfen, wir können nach Ergolding fahren und uns schreiend auf die Käufelkofen-Strasse stellen. Wir können über die Ungerechtigkeit der Welt motzen, vor Wut platzen und uns schmollend in die Ecke setzen. Können wir alles machen. Allein, es nützt nix. Es wird nicht nachträglich Elfmeter gepfiffen, es wird sich am 1:1 nichts ändern. So ist das eben, so ist das Wesen des Spiels.

Ich persönlich hadere jedes Mal mit mir, ob ich denn einen Videoschiedsrichter haben will, oder eben nicht. Auf der einen Seite hätte es nach Videobeweis relativ sicher Elfmeter gegeben (ob der dann reingegangen wäre, steht ja nochmal auf einem anderen Blatt), andererseits hätte ich dann heute nicht mehr diese heilige Wut im Bauch und wüsste wahrscheinlich gar nichts mit mir anzufangen. Wir hätten so viel weniger zu diskutieren, uns würde ein essentieller Bestandteil des Spiels fehlen. Und tief in mir bin ich ja fussball-konservativ, will das alles so bleibt wie es ist, will mir an den Kopf fassen und mich ärgern und wie wild toben ob der Weltverschwörung gegen den effzeh. Natürlich will ich das. Liegt das nicht in der Natur eines Fußballfans? Bestehen wir nicht zu 80% aus Wut und Misanthropie? Sind wir nicht alle zu Fußballfans geworden weil es etwas aus uns macht, was man rational nicht erklären kann? Weil es nicht klinisch ist, weil es nicht durch-choreographiert ist? Weil es beeinflusst wird von Einzelpersonen und immer, wirklich immer, ungerecht ist? Heimlich wollen wir benachteiligt werden, wollen uns betrogen fühlen von Gott und der Welt, denn nur so können wir uns abgrenzen von der Welt da draußen. Gerade als Kinder, die wir zum Fußball gefunden haben, gab und gibt es noch heute, diese gewaltigen Unterschiede zwischen der echten, geborgenen Welt, die ansatzweise gerecht ist, die immer revidiert werden kann und dem irrationalen, wunderbaren Spiel, das abgepfiffen und vorbei ist. Das nicht mehr gutgemacht werden kann. Und das in uns brodelt, an uns nagt und uns bittere Tränen vergießen ließ. Und heute, als halbwegs erwachsener Mensch, ist es ja nicht viel anderes: Vielleicht weinen wir nicht mehr bei jeder spielentscheidender Fehlentscheidung gegen die eigene Mannschaft aber der Puls geht dennoch nach oben, die Augen blicken immer noch flehend in den Himmel und die Artikulationsfähigkeiten sind immer noch nicht sonderlich besser geworden. Verdammt nochmal.

So viel dazu. Wir müssen mit der Fehlentscheidung leben, es nützt ja nix. Es tut weh, es ist ungerecht, ja. Aber es ist der Fußball. Ich habe mir selbst geschworen, nicht mehr zu dieser mimimi-Fraktion zu gehören, der ich bis jetzt (ja, ich weiß) auch ab und an (eher öfter als weniger) angehört habe. Die sich über jede Fehlentscheidung gegen die eigene Mannschaft aufregt. Ich will -jedenfalls nach Außen- gelassener wirken. Natürlich brodelt es weiter in mir und ich werde auch nicht aufhören können das Schiedsrichterwesen -und seine absolute Verweigerungshaltung sich weiter zu entwickeln- zu kritisieren, wenn etwas so offensichtliches wie Gestern passiert aber ich will versuchen auch Fehlentscheidungen gegen uns als gottgegeben zu akzeptieren. Was Schiedsrichter-Podcasts aus einem machen können. Schlimm.

Dennoch ein kurzer Exkurs: Der Fußball ist nicht mehr der Fußball von 1950, 1970, 1990, ja nicht mal mehr der Fußball von 2010. Jedes Jahr wird das Spiel schneller, es werden Bälle entwickelt, die den Schnitt unberechenbar machen, es gibt Fußballschuhe, die bei der Weltraumforschung übrig geblieben sind, es gibt dreitausend Kameras bei jedem Spiel, es gibt Superzeitlupen und die Spieler werden auch von Saison zu Saison gerissener, lernen schon als Kinder wie man richtig fällt und scheinen mittlerweile auch von jedem Unrechtsbewusstsein befreit zu sein. Warum, gibt es bei den Schiedsrichtern auf dem Platz keine Anpassung, keine Entwicklung? Weil es immer so war? Ist das wirklich noch zeitgemäß? Unabhängig vom Videobeweis, dessen Einführung ja beschlossene Sache zu sein scheint, frage ich mich ob es nicht auf dem Platz eine Entwicklung geben könnte, die es sowohl den Schiedsrichtern leichter, als auch den Spielern schwerer machen würde. Das fängt damit an, dass ich mich frage ob man nicht zwei gleichberechtigte Spielleiter einsetzen könnte. Sie wissen schon: Vier Augen sehen mehr als zwei. Was spricht dagegen? Oder zwei extra Linienrichter für jeweils eine linke und rechte Hälfte? Es ist eben nicht mehr das stehende Spiel, mit dem Franz Beckenbauer Fußball des Jahrhunderts werden konnte, es werden 220, 230 km zusammen von beiden Mannschaften pro Spiel gelaufen, wie soll ein einzelner Schiedsrichter da immer alles und jeden im Auge behalten können? Weiterhin würde ich versuchen für Transparenz zu sorgen: Gebt dem Schiedsrichter ein Außenmikrophon wie beim Rugby, bei dem strittige Situationen direkt für den Stadionbesucher erklärt werden können. Das würde so viel Druck von den Unparteiischen nehmen. Und zu guter Letzt: Ich würde die individuellen Strafen für offensichtliche Betrüger drastisch erhöhen. Weg mit der heiligen Kuh der Tatsachenentscheidung, her mit den nachträglichen Sperren. Erfolgreiche Schwalbe im Strafraum gibt direkt zwei Spiele Sperre, bei spielentscheidender Beeinflussung (also durch den erfolgreichen Elfer Punkt geholt oder gewonnen) vier Spiele Sperre. Ratz-Fatz. Ich rede nicht von Grenzfällen, die immer noch auftauchen werden und man sollte im Zweifel auch immer pro Stürmer entscheiden aber bei klaren Dingern (Möller, Werner etc) sofort handeln. Vielleicht würde ja ein Umdenken einsetzen? Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, finde ich.

Okay. Genug jetzt. Unentschieden in Bremen. Joa…

Das Spiel an sich hat mir unglaublich gut gefallen. Wenn man bedenkt mit welcher Truppe der effzeh antreten musste, wie viele Stammkräfte uns fehlten, wie mit purem Willen und Kampfgeist dieses Team spielt, mit welcher Souveränität teilweise aufgetreten wird, dann macht mir das -ergebnisunabhängig- einfach nur großen, großen Spaß. Wenn ich die spielerische Evolution des 1.FC Köln auch in diesem Jahr betrachte, dann kommt es mir immer noch unwirklich vor. Wer die Bewegungsabläufe eines Dominique Heintz analysiert und nicht ad hoc weiß, dass er ein Fußballprofi ist, würde wahrscheinlich nicht darauf kommen. Und dennoch ist er mittlerweile eine Stütze der Mannschaft, ein Vorbild an Einsatzwillen, mit unbändigem Glauben in die eigenen Fähigkeit, mit Mut und Kraft. Das ist bewegungs-therapeutisch nicht zu erklären.

Wer sich Yuya Osako anschaut und mit dem Osako vor anderthalb Jahren vergleicht, der wird sich verwundert die Augen reiben, ob seiner Bereitschaft sich aufzuopfern, den nächsten Schritt zu gehen. Technisch war er immer schon nicht der schlechteste aber mittlerweile hat er auch ein Auge für Mitspieler, lässt sich zurückfallen, wenn es gefordert wird, scheut keine Zweikämpfe mehr und wenn er jetzt noch ab und zu abschlusssicherer wird, wird er uns noch viel Spaß machen.

Schauen wir auf Frederik Sörensen und seien einmal ehrlich: Wer hätte dem schlacksigen Dänen zugetraut seine Rolle so befriedigend auszuführen, wie er es mit ganz wenigen Ausnahmen die ganze Saison über tut? Ich nicht. Für mich war er ein Notnagel, eine letzte Abwehr-Patrone, wenn sieben Mann am eigenen Strafraum platziert werden müssen. Nichts da. Er spielt grundsolide, nicht mal sonderlich unfair körperbetont, kann mittlerweile sogar ein, zwei schöne Pässe ins Spiel nach vorne einbringen und macht insgesamt deutlich mehr richtig als falsch.

Das sind jetzt nur drei exemplarische Beispiele, die man beliebig erweitern kann: Höger, Hector, Mavraj, nehmt wen ihr wollt, ich bin jede Woche neu verliebt in die Mannschaft.

Auch gestern hat der effzeh eigentlich nur Ergebnis-technisch enttäuscht, denn wenn man ehrlich ist, fühlt sich das Unentschieden wie eine Niederlage an. Ich spreche jetzt nicht von dem nicht-gegebenen Elfmeter, sondern von den vielen, vielen guten Gelegenheiten das Spiel selbst zu entscheiden. Rudnevs (wieder gutes Spiel btw) köpft dem Torwart in die Arme, Tony Modeste versucht auf biegen und brechen seine Torflaute zu durchbrechen und scheitert, Osako setzt den Ball um Zentimeter am Tor vorbei, Heintz scheitert an Drobny, ach es gab viele Chancen das zweite Tor zu machen.

Bremen war in der ersten Hälfte komplett überfordert mit dem Kölner Spiel, mit dem aggressiven gegen-den-Ball des effzeh, hatte kaum Luft, verlor gefühlt jeden Zweikampf und musste sich von Minute zu Minute hangeln. Der 1.FC Köln mit einem unglaublich souveränen Auftritt, der nur unterbrochen wird durch das Gegentor, das aus dem sprichwörtlichen Nichts fiel. Klar, war ein Torwartfehler, da gibt es nichts zu beschönigen aber es wird mir im Traum nicht einfallen auf Kessler zu schimpfen, denn spätestens mit der Parade im Derby, hat er bei mir noch drei, vier Klöpse gut. Kann passieren, Mund abputzen, weitermachen.

Aber ein bisschen motzen muss ich doch:

Mir gefällt Rausch nicht. Er ist auf links wirklich eine Bürde. Schon nach drei Minuten als er in der Bremer Hälfte zum dritten oder vierten Mal den Ball entweder verlor oder mit einem Risikopass seine Mitspieler so unter Druck setzte, dass eine anständige Verwertung nicht mehr möglich war, schrieb ich dies in die Whats-App-Selbsthilfegruppe. “Ist ja noch früh” kam als Antwort aber leider zog sich seine Leistung durch das ganze Spiel. Vor dem 1:1 z.B. gab es Einwurf drei Meter von der eigenen Torauslinie für uns. Rausch wirft den Ball unnötigerweise an einen sich gerade im Freilaufen befindlichen Tony Modeste, der diesen natürlich gar nicht annehmen konnte und der Ball ist weg. Das war so unnötig, ich wusste irgendwie direkt dass uns das in den Arsch beißen wird. Ernsthaft, mir war klar, dass da was passieren wird. Nun gut, machste nix.

Das ist es dann aber auch schon mit der Motzerei (abgesehen natürlich von der eigenen Chancenverwertung), denn in der zweiten Hälfte war das Spiel ausgeglichener, Werder hatte sich ein bisschen besser auf das Kölner Spiel eingestellt aber dennoch bin ich der Meinung, dass wir auch hier die stärkere Mannschaft waren, das Spiel eher kontrollierten als Werder und letztlich an uns selbst gescheitert sind. Das sind wir wieder bei dem Lernprozess, der hier im Blog ja Woche für Woche ein Thema ist. Wir müssen halt Geduld haben. Was Alexander Nouri in der Pressekonferenz mit dem Satz “Gefühlt war hier mehr drin” meinte, soll er mir mal erklären, ich meine wirklich, dass, wenn es einen verdienten Sieger hätte geben müssen, dass das der effzeh hätte sein müssen aber genug des Konjunktivs, das Spiel ist vorbei, es ist wie es ist.

24 Punkte auf dem Haben-Konto, noch zwei Spiele in der Hinrunde, 14 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, es ist immer noch alles gut aber natürlich erwische ich mich auch dabei zu hadern: Das last-minute-Gegentor gegen den BVB, jetzt die Fehlentscheidung in Bremen, wären vier Punkte mehr… wo war ich? Ach ja, ich hatte ja gesagt, dass es jetzt genug ist mit dem Konjunktiv.

Okay.

Mittwoch geht es gegen Leverkusen zu Hause. Der Höger-Ausfall tut unglaublich weh aber auch hier wird Peter Stöger wieder eine Lösung finden. Was soll uns passieren, uns gehört ja eh schon die Welt.

Come on effzeh!