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Heute veröffentlichte Frank Lußem im Kicker ein bemerkenswertes Stück Sport-Journalismus. Es geht vordergründig um den Kampf um den 1.FC Köln, um die anstehende Mitgliederversammlung, um Querelen innerhalb der Gremien. Vordergründig. Wenn man sich das ganze Teil durchliest, ist es aber einzig und alleine eine Kampfrede für Werner Spinner, für den aktuellen Vorstand und gegen die Kritiker ebenjenes Vorstands. Haupt-Angriffsziel sind selbstverständlich Stefan Müller-Römer und Dr. Carsten Wettich, die beiden prominentesten Kritiker der Vereinsführung im aktuellen Mitgliederrat. Wie passend, dass am Mittwochabend der wichtigste Programmpunkt auf der Mitgliederversammlung des 1.FC Köln die Wahl eines neuen Mitgliederrats ist. Ein Schelm wer an Zufälle glaubt.

Natürlich kann der Text hier nicht vollständig zitiert werden aber auf ein paar Passagen möchte ich schon ganz gerne eingehen.

Es fängt mit der Pullover-Hoodie-Sache an. Lußem beschreibt, dass im letzten Jahr 14 Hoodies dem Mitgliederrat zur Verfügung gestellt wurden (“Originalverpackt und in passender Größe“). Ja, gut, warum auch nicht? Der 1.FC Köln hat dieses Geschenk ja ausgelobt, wir haben uns alle das Ding geholt. Ein Stück mehr für die Kleiderspende. Schon damals waren große Teil der aktiven FC-Anhänger gegen dieses Geschenk. Die Gründe dafür sind bekannt. Es gab auch im Nachhinein große Proteste. Dass der 1.FC Köln diese Proteste ignoriert und wieder ein Geschenk auf der diesjährigen Mitgliederversammlung ausgibt, ist sein gutes Recht. Ebenso ist es aber auch das Recht eines jeden Mitglieds Anträge zu stellen und wenn ein Antrag lautet, dass zukünftig Geschenke für Erscheinen ausgeschlossen werden sollen, dann hat die Mitgliederversammlung darüber abzustimmen. Die Argumentation, dass sowohl Müller-Römer als auch Wettich ihre Wahl in Gefahr sehen, da es wieder zu einer hohen Teilnehmerzahl kommen kann, und nur deshalb gegen die Geschenkausgabe sind, ist extrem verkürzt und tendenziös.

1. Zum Mitgliederversammlungen des 1.FC Köln kamen in Vor-Hoodie-Zeiten 1.500 – 2.000 Menschen. Das ist der Normalzustand.
2. Erst durch die Einflussnahme des Vorstands, der letztes Jahr (zu Recht) die große Sorge hatte, dass bei einem normalen Besuch der Antrag von 100%FC-Dein Verein erfolgreich sein würde, kam es zur Explosion der Teilnehmer an der Mitgliedsversammlung. Der Antrag erreicht über 30% Zustimmung. Man kann sich ausmalen, wie viele Prozentpunkte dies bei normalem Besuch gewesen wären.
3. Lußem verwendet die Wortwahl “ungeklärtes Verhältnis zu Ultra-Gruppierungen” als Stilmittel der Diskredition. Dem Leser wird signalisiert: Das sind Leute, die mit den Ultras gemeinsame Sache machen. Die sind gefährlich. Natürlich kann man Ultras ablehnen. Natürlich hat dieses Thema mehr als eine Facette aber dem (vielleicht) unbedarften Leser und Mitglied des 1.FC Köln zu suggerieren, dass mit Müller-Römer und Wettich die Ultras mehr Einfluss im Verein bekommen, ist unredlich. Dass beide Kandidaten bei “vielen Mitgliedern Sympathien verspielt haben” wird als Fakt verwendet. Mich interessiert wie Lußem darauf kommt. Facebook?

Lußem schreibt weiter wörtlich: “Ein Antrag auf Satzungsänderung spricht gar von der satzungswidrigen Verwendung von Vereinsvermögen. Starker Tobak bei einem Einkaufspreis von nur 11 Euro netto pro Pullover“. Auch hier gilt: Ein Mitglied unseres Vereins hat das Recht einen Antrag zu stellen. Dieser Antrag wird in der Mitgliederversammlung zur Wahl gestellt und dann entweder abgelehnt oder angenommen. Es ist kein “starker Tobak“, es ist ein Antrag, der die Satzung des 1.FC Köln betrifft. In dieser (§3 Abs. 1) heißt es: “Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins.” Der Antrag zielt darauf ab den Paragraphen um den Satz „Es ist unzulässig, Mitgliedern für oder im Zusammenhang mit der Ausübung von Mitgliedschaftsrechten vermögenswerte (Sach-)Zuwendungen oder andere vermögenswerte Leistungen in Aussicht zu stellen und/oder zu gewähren.“ zu ergänzen. Wieder verkürzt Lußem bewusst und nimmt eine Einschätzung (starker Tobak) vor. Auch hier gilt: Nicht der Kicker, nicht Frank Lußem, sondern die Mitglieder des 1.FC Köln stimmen über den Antrag ab. Ob es dem Vorstand gefällt oder nicht. Dass Lußem den Einkaufspreis des Pullovers kennt, sagt natürlich auch schon einiges aus, dass dieser (geringe) Betrag dann aber verwendet wird, um den Antrag in ein schlechtes Licht zu stellen, ihn seiner Leserschaft als überflüssig darzustellen ist unerhört. Also ob es einen Rolle spielen würde, ob der Pullover 11 Euro der 111 Euro im Einkauf kostet. Das ist billigste Meinungsmache.

Im weiteren Verlauf des Textes wird keine Gelegenheit ausgelassen um klar zu stellen, wen sich Frank Lußem als “Gewinner” aus dem Ringen um den Verein wünscht. Während der Mitgliederrat zerpflückt wird (Skepsis von Müller-Römer ggü Terodde, innere Zerissenheit, Klima der Angst innerhalb des Mitgliederrats usw usf), wird der Vorstand in strahlendem Licht gezeichnet: Veh ist ein gelassener Befrieder, Spinner zwar manchmal impulsiv aber immer authentisch, der Vorstand schrieb sich mit dem offenen Brief Frust von der Seele und so geht es immer weiter. Nicht ein kritisches Wort zu dem ungeheuerlichen Auftreten des Vorstand seinen Mitgliedern gegenüber. Kein Wort über das Totalversagen der letzten Saison. Es ist fast schon zu offensichtlich, was Lußem hier vorhat. Das ist nicht mal gut kaschiert. Die Kritik am Vorstand bestände zumeist aus “Befindlichkeiten“.

– Die geleakte Mail, in der Müller-Römer seine Skepsis gegenüber einer Terodde-Verpflichtung kundtat, ist aus Erstliga-Zeiten. Ich kann diese Skepsis nachvollziehen. Terodde, so wertvoll er im Moment für uns in der zweiten Liga ist, hat bisher nicht nachgewiesen, dass er dauerhaft eine Verstärkung in der ersten Liga sein kann. Lußem umschreibt dann die Enthaltung von Müller-Römer mit den Worten “[hat nicht] für Terodde gestimmt”. Ja. Aber auch nicht dagegen. Dies wird nicht erwähnt. Der Mitgliedsrat hat die Verpflichtung von Terodde nicht torpediert. Es ist ein Nicht-Thema, was aber natürlich hoch-emotional gelesen werden kann, wenn man sich etwas oberflächlicher mit dem 1.FC Köln beschäftigt. Es soll suggerieren: Seht her, der wollte Terodde nicht und jetzt guckt mal, wer den FC nach oben schießt.

– Dass sich Teile des Mitgliederrates aus der internen WhatsApp-Gruppe verabschiedet haben, dass Michael Trippel dies auch öffentlich bekannt gibt (durch eben jenen Artikel) und dennoch Internas aus diesem Mitgliederrats-Chat im Text zitiert werden, lässt erahnen, wer da mit wem gesprochen hat. Michael Trippel, der übrigens weder bei effzeh.com, noch bei 100%FC – Dein Verein eine Antwort auf Fragen zu seiner Kandidatur als Mitgliedsrat-Kandidat nötig hatte, sondern diese nur Fans1991, also dem internen Fan-Projekt gab, fungiert hier als Kronzeuge der Anklage für den Beweis, dass das Klima im “gremiumsinternen Chat von Missstimmung geprägt” ist. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

– Dass Lußem die Unverschämtheit des offenen Briefs als “Frust von der Seele” schreiben des Vorstands bezeichnet, ist zwar eine nette Umschreibung, verschweigt aber wieder, dass es im gesamten Verein für großes Unverständnis sorgte, dass der Vorstand öffentlich Vereinsmitglieder namentlich an den Pranger stellte. Dieser Brief war kein “Frust von der Seele” schreiben, es war ein taktisches Mittel. Ein unwürdiges noch dazu. Hier wird dies von Lußem in einem Halbsatz als berechtigte Aktion abgehandelt. Dass der Mitgliederrat dem Schreiben nicht zustimmte, wird als Faulheit (“über die Karnevalstage“) und Desinteresse (weil man ja ultranah ist?) dargestellt. Auch dies ist wieder völlig am Kern der Sache vorbei geschrieben. Das Statement des Mitgliederrates kann man, wie Lußem richtig schreibt bei effzeh.com nachlesen. Vielleicht hat er das sogar. Zitiert hat er es jedenfalls nicht. Dort steht drin: “Der Mitgliederrat war in die Erstellung des Ultra-Papiers nicht eingebunden. Vielmehr wurde uns der Entwurf ohne jede Vorankündigung erstmals am Karnevalsfreitag per E-Mail zur Kenntnisgebracht, verbunden mit einer am Rosenmontag um 12.00 Uhr ablaufenden Frist „zur Zustimmung“. Wegen der Bedeutung und Sensibilität des Themas hat der Mitgliederrat noch am gleichen Tag den Vorstand gebeten, mit der Veröffentlichung bis nach der Mitgliederratssitzung am 19.2.18 zu warten, damit wir uns zu dem Papier im Gremium eine Meinung bilden können. Hierzu war der Vorstand eingeladen, um mit uns gemeinsam zu diskutieren. Leider ist der Vorstand unserer Bitte nicht gefolgt.” Bitte lest Euch den Rest durch, so wie Lußem das in seinen Text schreibt, ist es nicht korrekt.

Der gesamte Text ist einseitig und unausgewogen. Der Text ist nicht als Kommentar gekennzeichnet, er findet im normalen redaktionellen Umfeld des Kickers seinen Platz. Er macht von Aufmachung und Aufbau den Eindruck einer investigativen Reportage. Diesem Eindruck kann der Text nicht gerecht werden. Die Kritiker kommen nicht zu Wort, die Vorgänge werden bewusst falsch oder verkürzt dargestellt, die vielen kontroversen Entscheidungen des aktuellen Vorstands werden nicht beleuchtet. Frank Lußem gelingt hier ein Geniestreich. Er hat unter dem Schutz des Ansehens des Kickers eine Kampfschrift für den Vorstand des 1.FC Köln veröffentlichen können, ohne Gegenargumente auch nur recherchieren zu müssen. Für ihn persönlich wird dieser Text den gewünschten Erfolg bringen. Ob der Sport-Journalismus auch durch ihn an Glaubwürdigkeit gewinnt, das, zumindest da, kann man hinterfragen.

Leute, am Mittwoch wird der Mitgliederrat gewählt, der im nächsten Jahr den Vorstand vorschlagen soll. Egal wie Ihr darüber denkt, egal wen Ihr wählen wollt: IHR wählt. Nicht der Kicker, nicht Frank Lußem, nicht Werner Spinner. Nur IHR seid verantwortlich für die Wahlen am Mittwoch. Ich weiß wen ich wähle und wie ich bei den Anträgen abstimmen werde aber das muss für Euch ja nicht gelten. Vielleicht seid Ihr zufrieden mit der Arbeit des Vorstands? Vielleicht habt Ihr auch nächstes Jahr Bock auf Geschenke? Dann ist das eben so. Das ist das Wesen unseres Vereins, dass es unterschiedliche Meinungen geben kann und dass WIR, die Mitglieder des Vereins immer noch die Macht haben mit unserer Stimme Dinge zu ändern oder ihnen eben auch zuzustimmen. Je nach Gusto. Diese Möglichkeit ist im Verein unser höchstes Gut und unsere höchste Verantwortung. Ich sage jetzt nicht: Ihr müsst das und das tun, den und den wählen. Ihr müsst nicht meiner Meinung sein, Ihr wisst sicher selbst am besten, was Ihr wollt. Ich bitte nur um eins: Informiert Euch über den Kicker hinaus, denn das, was Frank Lußem da geschrieben hat, ist alles, nur nicht objektiv.

FC – Paderborn: Offen Holland

Machen wir es kurz und schmerzlos, ich hab nämlich nen Schädel bis Frankfurt und zurück und meine Laune ist eher im Minusbereich. Grandiose Leistung des SC Paderborn, der wunderbar aufgezeigt hat, wie anfällig unsere Hintermannschaft und die gesamte FC-Spielanlage ist: Kommst du mit Tempo, gucken wir doof. Mittlerweile tendiere ich dazu die Niederlage als verdient einzustufen, auch wenn sich der Schiedsrichter schon recht prominent in der Vordergrund gepfiffen hat. Aber (und dieses “aber” bitte ich langgezogen mit hoch-aggressiver Stimmlage zu lesen), wenn Du in der 89. Minuten beim Stand von 3:3 zu Hause gegen Paderborn (no offense) Simon Terodde für Lasse Sobiech auswechselst, dann hast du gar nichts verdient. Dann kannst du auch aufhören. Was ist das denn? Da sitzen 50.000 Leute im Stadion, es ist gerade das 3:3 gefallen, der Anspruch des FC muss es sein zu Hause in der zweiten Liga Spiele zu gewinnen. Und dann, Herrgott, wechselt Anfang einen staksigen Innenverteidiger für den besten Stürmer der Liga ein? Weil er den Punkt sichern will? Liebe Leute…

Natürlich darfst du das Spiel nie verlieren. Es fängt mit unfassbarem Chancenwucher an, geht über zwei ziemlich klare nicht-gegebene eigene Elfer und einem zumindest sehr, sehr großzügigem Gegner-Elfer weiter und gipfelt in einer Defensive, die nur mit viel Wohlwollen als solche zu bezeichnen ist. Das war ja teilweise Slapstick. Acht Tore in den beiden Spielen gegen Sankt Pauli und Paderborn zu kassieren, ist kein Hallo-wach mehr, das ist ein Tritt in die Weichteile. Aber mit Anlauf. Darf beim besten Willen nicht passieren.

Jaja, wir können wirklich alles auf den Schiedsrichter schieben aber damit machen wir es uns zu einfach (und ganz nebenbei wäre das auch unfair den Paderbornern gegenüber, vor denen ich wirklich meinen Hut ziehe). Anfang muss sich dringend hinterfragen, das meine ich komplett ernst. Wieder starten wir ohne Mittelfeld und haben eine Idee: Flanken in den Strafraum und hinten gucken das möglichst wenig schief geht. Mehr ist da nicht. Ich bleibe dabei, dass das im Zweifel sogar reichen wird, aber manchmal, wir haben es heute gesehen, kommt dann ein bisschen Pech und ein bisschen zu viel Unvermögen dazu und schwupps, isset passiert.

Es ist wie es ist, ich hab ‘ne Krawatte. Sobiech für Terodde. Alles klar.

Wir steigen dennoch auf.

Lichterloh – Kein Ende in Sicht.

Eben veröffentlichte der 1.FC Köln die News, dass es – wegen des Vorfalls gegen Union Berlin – zu einem Vereinsausschluss-Verfahren und damit einhergehend zu Vereinsausschlüssen und Dauerkarten-Kündigungen gegen neun Personen gekommen ist. Die restlichen an dem Vorfall beteiligten Personen erhielten vom 1.FC Köln ein sog. “ermahnendes Schreiben” und Stadionverbot. Ich gehe mal davon aus, dass der Vereinsausschluss auf der einen – und die “Bewährung” auf der anderen Seite mit den Akten der jeweiligen Personen zu tun hat und alles satzungskonform abgelaufen ist. Dass die Betroffenen die Gelegenheit hatten sich in dem Verfahren zu äußern und dies anscheinend unterließen, darf nicht überraschen, es darf aber genauso wenig die Sorge des Vereins sein. Mit diesen Vereinsausschlüssen reagiert der 1.FC Köln zwar hart aber mMn durchaus nachvollziehbar auf das Fehlverhalten nach dem Union Spiel. Wenn ich mich als Mitglied eines Vereins privat in einem Maße daneben benehme, dass es in den strafrechtlichen Bereich geht, dann hat der Verein durchaus das Recht in Frage zu stellen, ob diese Personen als Mitglieder tragbar sind. Ob ich persönlich so entschieden hätte, weiß ich nicht, ich finde aber man kann dem Verein in diesem speziellen Fall keinen Vorwurf machen.

Hart ist es aber natürlich dennoch.

Weiterhin verlangt der 1.FC Köln 14.000 Euro von zwei Personen die am Fahnenklau gegen BMG beteiligt waren. Diese “Weitergabe” der Verbandsstrafe ist sicherlich juristisch haltbar, jedoch stelle ich mir die Frage, ob der Verein es tatsächlich nötig hat wegen einer Aktion, die eher an einen Pfadfinder-Streich erinnert und ganz sicher nicht als Ausschreitung gewertet werden darf, die volle Bandbreite des Möglichen ausnutzen muss. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Höhe der Strafe nicht ansatzweise transparent und für Normalpersonen nachvollziehbar festgelegt wird. Der DFB verhängt Mondstrafen, es kommt ja nicht zu einem ordentlichen Gerichtsverfahren, in dessen Verlauf sich die “Täter” verteidigen können. Ich bin natürlich kein Anwalt aber vom reinen Sachwert her sollten es sich bei einem Fahnenklau um eine Bagatelle handeln. Korrigiert mich bitte, falls dem nicht so ist. Vor einem zivilen Gericht, bei einem reinen Eigentumsdelikt (es war ja nicht mal Raub, sondern Diebstahl, oder?), wäre der Fall hoffentlich glimpflicher ausgegangen. Der Verein sollte in meinen Augen anerkennen, dass der DFB hier Strafen verhängt, die sich nicht gegen die Personen richten und die sicher auch “Vorstrafen” mit einbeziehen, die (im Zweifel) nicht von den jetzt zur Kasse gebetenen Personen zu verantworten sind. 14.000 Euro sind ein Batzen Geld. Ich wüsste jetzt nicht, wo ich auf die Schnelle 7.000 Euro hernehmen sollte.

Die Konsequenzen aus dieser Regress-Forderung stehen für mich in keinem Verhältnis zur Tat. Was passiert, wenn durch die Forderung eine Privat-Insolvenz ausgelöst wird? Was passiert, wenn durch die Forderungen vielleicht Menschen (Kinder, Frauen, Eltern, Großeltern) betroffen sind, die auf einmal nicht mehr unterstützt werden können, da der FC ein paar hundert Euro im Monat wegpfändet? Haben wir als Verein das wirklich nötig? Ich meine nicht. Vielleicht kann der FC hier noch einmal in sich gehen. Setzen wir es mal zum Vergleich, den 3,x Millionen Abfindung an Schmadtke gegenüber, dann kann sich ja jeder selbst ausmalen, was dem Verein mehr geschadet hat.

Im letzten Absatz schreibt der FC von Werten und einer FC-Familie. Es wäre schön, wenn diese Worte nicht nur hohle Phrasen wären, sondern auch von Vereinsseite mit Leben befüllt werden. Im gestrigen FC-Stammtisch sprachen Dieter Prestin und Harald Konopka über den Umgang des Vereins mit ihren Double-Siegern von 1978. Der größte Triumph des Vereins. Unser annus mirabilis feiert in diesem Jahr sein 40. Jubiläum. Und was macht der Verein? Nichts. Keine Ehrungen, keine Erinnerungen, nicht mal ein Retro-Trikot haben sie hinbekommen. Es wird einfach unter den Teppich gekehrt. Es ist als hätte es nicht statt gefunden. Kein Wort, keine Einordnung, keine Erinnerung. Der aktuelle Vorstand hat es anscheinend nicht nötig den Helden von damals ‘Danke’ zu sagen. Wie Konopka richtig anmerkte: Das ist beschämend und des 1.FC Köln nicht würdig. Geht man so mit seinem Erbe um? Vor allen Dingen: Wenn es wirklich eine FC-Familie gäbe, die auch von Vereinsseite als solche gesehen wird, wäre es dann nicht die Pflicht des Familienoberhauptes hier mit einem guten Beispiel voran zu gehen?

Im Mitschnitt des Stammtisches spricht Prestin dann auch noch das Verhalten des Vereins gegenüber Herbert Neumann an, dem es – nach Aussage von Prestin – schon seit längerer Zeit nicht gut gehen soll und der von Vereinsseite keinerlei Unterstützung oder Zuspruch erhält. Neumann war (neben Flohe) die zentrale Position im Kölner Spiel, er wurde drei Mal Pokalsieger mit unserem Club und war eben auch Teil der Meistermannschaft von 1978. Man kann schon von einem verdienten Spieler reden. Und da ist der Verein nicht in der Lage zu helfen? Wo sind wir nur hingekommen?

[Update]
Da hinten bei effzeh.com hat man sich der Kritik von Konopka und Prestin ebenfalls angenommen und beim Verein nachgefragt. Dieser weist die Vorwürfe zurück.

„Der 1. FC Köln hat das Double 1977/78 in diesem Jahr mehrfach und zu verschiedensten Gelegenheiten gewürdigt, nicht zuletzt in der Sonderausstellung im Deutschen Sport- und Olympiamuseum. Zu deren Eröffnung waren alle 78er-Legenden eingeladen. Zudem wird es in diesem Jahr eine Gala zu 70 Jahren FC geben, bei der das Double eine gewichtige Rolle spielen wird. Insofern ist dieser Vorwurf für uns nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer Stellungnahme des 1. FC Köln. „Wir würden uns wünschen, dass verdiente ehemalige Spieler wie Dieter Prestin oder Harald Konopka sich direkt und persönlich an den FC wenden, wenn sie Fragen oder Kritikpunkte haben.“

Wenn der Verein dies als ausreichend betrachtet, dann ist das eben so.

Zur Causa Neumann teilt der FC mit:

„Die Vorwürfe von Dieter Prestin sind vollkommen falsch und treffen diejenigen, die sich seit Monaten intensiv um Herbert Neumann bemühen, zutiefst. Sowohl FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle als auch insbesondere Toni Schumacher und Bernd Cullmann haben sich mehrfach mit Herbert Neumann getroffen und alles unternommen, um ihm zu helfen“

Hier hört man aus – wie gewohnt gut informierten Quellen – dass diese Aussagen zutiefst glaubwürdig sind und sich insbesondere Toni Schumacher weit über normales Engagement um Herbert Neumann gekümmert haben soll und alles versucht hat um ihn zu unterstützen. Dass dieses Engagement (bisher) nicht von Erfolg gekrönt war, kann man dem Verein nicht vorwerfen.

Zumindest den Punkt Neumann muss man im Lichte dieser Stellungnahme anders und völlig konträr betrachten. Entweder Prestin wusste nichts vom Engagement des Vereins, dann war es fahrlässig mit diesen Holzhammer-Vorwürfen vorzupreschen oder Prestin lügt bewusst und verfolgt eine eigene Agenda. Man kann es im Moment drehen und wenden wie man will, die Geschichten rund um den FC weisen mehr Twists und Merkwürdigkeiten auf, als ein durchschnittlicher David Lynch-Film.

Der Rest des Textes bleibt so stehen, wie ich ihn geschrieben habe, ich bitte aber das Update zumindest gedanklich mit einzubinden.
[/Update]

Das wirklich absurde ist, dass von Vereinsseite dazu aufgerufen wird die FC-Charta zu respektieren, wo doch der Verein die Rolle der monströsen Ignoranz übernimmt. Vergleichen wir Artikel 3 der Charta

UNSERE IDENTIFIKATION – OP TREU UN OP IHR
Wir lieben Köln, die Region und die rheinische Lebensart. Es ist eine Ehre mit dem 1. FC Köln
verbunden zu sein. Der FC ist für uns ein Stück Kultur.

einmal mit dem Umgang der Double-Mannschaft. Oder vielleicht schauen wir uns einmal Artikel 5

UNSERE MITGLIEDER – MER STONN ZESAMME
Mitglieder und Gremien handeln mit Wertschätzung kooperativ für den FC. Wir wünschen
uns Unterstützung untereinander. Wir übernehmen Verantwortung: Ehrenamt, soziale Projekte,
Integration, Fan-Projekte, Jugendförderung, …. Wir engagieren uns!

an und überlegen wie der Vorstand, wie Werner Spinner mit Mitgliedern umgeht, die ihm nicht genehm sind. Die Initiatoren von 100% FC – DEIN VEREIN, der Mitgliederrat und die namentlich genannten Personen im unsäglichen offenen Brief fühlen sich sicher gut aufgehoben in diesem Punkt.

Der Weg zurück zu einer “Familie” ist keine Einbahnstraße. Niemand behauptet, dass die aktive Fanszene keine Fehler gemacht hat. Dort ist sicher auch nicht alles Gold was glänzt und mehr als einmal kann man sich auch über sie ärgern, keine Frage. Und, was gerne vergessen wird, die Opposition gegen den aktuellen Vorstand setzt sich ja nicht ausschließlich aus Ultras zusammen. Es gibt eine sehr große Bandbreite an Mitgliedern die weit weg von “aktiver Fanszene” sind aber dennoch Veränderungen in die Wege leiten wollen.

Natürlich kann man auch nicht pauschal alles falsch finden, was von Vereinsseite passiert aber es geht mittlerweile um mehr als ein Abwägen zwischen (empfundenen) richtigen und falschen Entscheidungen. Der 1.FC Köln befindet sich mit diesem Vorstand in einer Sackgasse aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass der Verein zwar fordert aber selbst nicht liefert. Das ist ja kein neues Muster. Um wieder zu einer Einheit zu werden, um wieder zu einem Verein zu werden auf den wir alle, ob nun sportlich oder abseits des Platzes, stolz sein können, muss es zu tiefen Veränderungen in der Vereinskultur kommen. Es muss Schluss sein mit Gutsherren-Art und Sonnenkönig-Tum. Es muss Schluss sein mit Grabenkämpfen innerhalb der Gremien. Wir müssen persönliche Eitelkeiten hinter uns lassen und endlich wieder das werden, was uns dazu gebracht hat diesen Verein zu lieben und ein Teil von ihm zu sein: Wir müssen wieder der 1.FC Köln werden.

Im Moment sind wir nur irgendein Fußballclub. Und das darf nie unser Anspruch sein.

Bei der nächsten Mitglieder-Versammlung gilt es den ersten Schritt zu machen.

Come on effzeh!


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FC Sankt Pauli Hamburg – FC: Flu(ch)t nach vorne

Sorry, Leute, ich habe gerade sehr, sehr wenig Zeit. Heute geht es schon wieder weiter nach Frankfurt, da bleibt nicht viel Gelegenheit zu schreiben, daher mache ich es kurz und schmerzlos. Der FC zeigt sich gefestigt, auch ein 0:2 Rückstand, nach zwei katastrophalen Dingern von Risse (ja, auch das 0:2 leitet er mit einem ziemlich dämlichen Fehlzuspiel zum Gegner ein), bringt keine wirkliche Gefahr, denn – ich bleibe dabei – die individuelle Qualität ist zu gut für die Liga. Eigentlich musst du nur die Bälle auf Außen kriegen und flanken, flanken, flanken. Da werden Tore komplett automatisch fallen. Deswegen habe ich auch nicht verstanden, warum dieses Mittel so selten genutzt wurde und warum – erneut – das offensive zentrale Mittelfeld den verwaisten Charme einer Konsum-Kaufhalle ca. 1982 in Bitterfeld-Wolfen versprühte. Erneut gab es keine zentrale Anspielstation auf der ‘9’. Natürlich hast du in der 2. Liga den Platz um den Ball durch die Mitte nach vorne tragen zu können aber es wird dann halt schon irgendwann eng.

Wie gesagt, ich verstehe nicht, warum man sich das Leben selbst so schwer macht. Das macht aber ja nichts, weil ich auch ganz viele andere Dinge nicht verstehe. Warum z.B. nach dem 2:4 das Fußballspielen komplett eingestellt wurde, erschließt sich mir kein bisschen. Der FC hatte Sankt Pauli am Sack, hätte einfach mit Ballbesitz und den oben schon vermissten Flankenläufen den Druck weiter hoch halten können, entschloss sich aber dazu den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und Sankt Pauli einzuladen selbst Druck aufzubauen. Am Ende stehen da 2:12 Ecken. Hallo?

Ernsthaft, raff ich nicht. Unser Defensiv-Verbund macht mir jetzt nicht den Eindruck, als hätten sie das Fußballspielen bei Atlético Madrid gelernt, oder? Das war in meinen Augen komplett falsch. Warum nicht die eigenen Stärken nutzen? Einzig Serhou Guirassy zeigte bei seiner Auswechslung hohe Qualität im Zeitspiel. Dass er nicht rückwärts gelaufen ist, war alles. Herrjeh, haben wir das nötig? Wie ich sowas hasse. Das hat nichts mit unbedingt siegen wollen zu tun, das ist natürlich für uns in dem Moment lustig und es wurde im Block ja auch angemessen gefeiert aber wenn wir selbst betroffen sind, dann kannst du gar nicht genug Schweinegrippe-Mittel spitzen um den Schaum-vorm-Mund-Anteil der Unterbißfraktion zu unterbinden. Echt,ey.

Naja, am Ende dann eben 5:3 gewonnen, schönes Spiel zum zugucken, Terodde mit irgendeinem Rekord, Spitzenreiter, alles gut. Ich mache mir weiterhin keinerlei Gedanken, dass wir aufsteigen. Null. Bisschen verwundert bin ich weiterhin über Markus Anfang. Ich muss mir da noch Gedanken machen. Aber, so lange wir gewinnen gibt es keine Argumente.

Weitermachen.

Come on effzeh!


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FC – Union Berlin: The Hitchhiker’s Guide to the Schweineliga

“Ist ja gut”, sagte Ford, “nur keine Panik.” “Wer hat denn was von Panik gesagt?” schnappte Arthur zurück. “Das ist doch bloß der Kulturschock. Wart’s ab, bis ich mich mit der Situation befreundet habe und wieder weiß, wo’s lang geht. Dann fange ich an, Panik zu kriegen.”

Nein, liebe Freunde, es ist wirklich noch nicht an der Zeit Panik zu schieben. Es ist der zweite Spieltag und noch muss einiges an unerwarteten Unfällen passieren, bevor ich meine Meinung, dass der FC sehr sicher und sehr souverän aufsteigen wird, revidiere. Da ändert dann auch das gestrige Unentschieden gegen ein zutiefst biederes Union Berlin nichts, auch wenn dieses Ergebnis natürlich nicht das war, was sich 45.000 Endorphin-überdosierte Heimfans vorgestellt hatten. Ich übrigens auch nicht. Die zweite Liga ist, man muss es so deutlich sagen, wirklich eine ganze Klasse schlechter als die Bundesliga. Gefühlt sogar noch mehr als das, weil das fußballerische Niveau fast nicht zu vergleichen ist. Die zweite Liga ist eine Schweineliga. Es ist schlechter Fußball. Es ist der Kampf einen Fünf-Meter-Paß ohne signifikante Selbstverstümmelung zu spielen. Tore fallen durch Fehler des Gegners, nicht durch eigenen Antrieb. Wenn ich vor dem Spiel höre, dass Urs Fischer “mutig mitspielen” will, dann ist das löblich und sicher ernst gemeint aber das Anlaufen gegen den ballführenden FC hätten sie sich auch sparen können, da eh kein Aufbauspiel stattgefunden hat. Vice versa übrigens genauso. Es ist Fußball aus den 80er Jahren: Bloß weg mit dem Ball. Es ist fast kein Spiel, sondern nur Kampf. Spaß macht das nicht.

Bei aller gebotenen Nonchalance müssen aber Fragen erlaubt sein. Ich verstehe Anfang nicht. Ich weiß nicht, was er vorhat, was sein Plan ist. Schon gegen Bochum waren die beiden eigenen Treffer eher glücklich und ein besserer Gegner hätte uns hinten drei oder vier eingeschenkt. Jetzt spielt der FC das erste Spiel zu Hause, es ist Montagabend, Flutlicht, volles Stadion, ein Gegner, der bereitwillig erklärt selbst Fußball-spielen zu wollen und sich nicht 90 Minuten mit zehn Mann am eigenen Strafraum einigelt und wir sehen eine Aufstellung, die mich zutiefst ratlos hinterlässt. Jonas Hector, Linksverteidiger, immerhin in der Nationalmannschaft, wird auf die Sechs beordert (was schon letzte Saison nicht immer perfekt geklappt hat) und dort völlig allein gelassen. Auf links stand mit Jannes Horn ein komplett überforderter Spieler, der (aktuell) weder das Tempo noch die Spielstärke hat, um in der zweiten Liga mitspielen zu können. Man konnte Mitleid mit ihm haben, wie er ein ums andere Mal von Hedlund oder Hartel (HARTEL, HERRGOTT!) überlaufen und stehengelassen wurde. Dafür mäandert Hector durch ein postnukleares Mittelfeld, ohne Aussicht auf andere Menschen zu treffen. The Last of Us in Müngersdorf.

Auf rechts Risse, der, stehts bemüht im Versuch den Ball nach vorne zu tragen, mehr als einmal in drei oder vier Berliner lief, die alle Zeit der Welt hatten sich zusammenzurotten, da ja nichts da war, was man im Raum decken müsste. Die vorderen vier Spieler (Clemens, Schaub, Hauptmann und Drexler) hatten anscheinend individuelle Briefings zum Spielplan erhalten, denn es sah nicht unbedingt so aus, als wüsste der eine wo der andere hin läuft. Eigentlich kam es zu keiner nennenswerten Pass-Stafette, es wurden keine Freiräume erspielt, es wurden keine Gegner gebunden, es wurde sehr, sehr stumpf versucht über die Außen nach Innen zu ziehen. Leider fehlt dafür dann die individuelle fußballerische Qualität. Besonders Drexler enttäuscht mich hier bisher sehr. Schon in Bochum fand ich ihn extrem fahrig und unkonzentriert, das hat sich gestern nahtlos fortgesetzt.

Bleibt noch Cordoba, der Dinge macht, die Cordoba eben macht. Er steht mit dem Rücken zum Tor, wird ab und an angespielt, kann den Ball aber nicht annehmen, der verspringt zum Gegner und Aus die Maus. Da ist auch null Bewegung, null Überraschungsmoment in seinem Spiel. Wenn er den Ball nicht hat, trottet er in einem Radius von maximal zehn Metern an der Strafraumkante auf und ab, lässt sich dann fallen um anspielbar zu sein, verliert den Ball wieder, weil er natürlich manngedeckt wird (es hat immer jemand Zeit, ist ja nix anderes zu tun) und dann geht das ganze von vorne los. Ich verstehe es nicht. Cordoba alleine in der Spitze kann beim besten Willen nicht funktionieren. Er ist kein Mittelstürmer. Wahrscheinlich ist er noch nicht mal ein Stürmer. Seine “Qualität” kann darin bestehen Abwehrspieler zu binden und damit Freiräume für einen Kollegen zu schaffen. Damit dies gelingen kann, braucht es aber zwei Voraussetzungen: 1. Es müsste ein weiterer Stürmer da sein und 2. müsste er eine Anspielstation 25 Meter vor dem gegnerischen Tor haben, zu dem er den Ball prallen lassen kann. Jemand, der den Ball dann annehmen und verteilen, scharf reinspielen kann. Beides ist nicht gegeben. So sieht unser Offensivspiel aus wie ein Fiebertraum von Wassily Kandinsky. Kann man mögen, ist aber schwer zu verstehen.

Und bitte, Union Berlin hat nun keinen Voetbal totaal gespielt. Es war ja nicht so, als ob uns die Berliner mit reinrassigem Kombinationsfußball Knoten in die Beine gespielt hätten. Auch auf der anderen Seite war jeder Ballbesitz ein Kampf ums pure Überleben. Tut mir leid, ich verstehe es wirklich nicht. Da hast du Koziello in deinem Team, der angedeutet hat, dass er wahrscheinlich der fußballerisch begabteste Spieler der zweiten Liga sein wird, mit Terodde jemanden auf der Bank, der nachgewiesen hat, dass er in dieser Liga alles in Grund und Boden schießen kann und machst nichts daraus. Man möge es mir erklären, ich bin überfordert. Die Wechsel sind reine Personalwechsel, wie ein Zugführer-Schichtwechsel bei der deutschen Bahn. Du hast Feierabend, ich mache weiter. Keine Umstellung, kein Versuch das Spiel mal ein wenig anders zu gestalten, kein Druck auf den Gegner ebenfalls umzustellen um die eingeübten Positionskämpfe aufzuweichen, nichts. Das ist dann schon einigermaßen enttäuschend. Spätestens ab der 60. Minute hat man erkannt, dass der FC gar nicht mehr wollte. Dass man in den reinen Verwaltungsmodus umgestiegen ist. Da war kein Feuer im Spiel, kein Willen das Publikum auf seine Seite zu bekommen, kein Interesse daran ein Ausrufezeichen zu setzen. Es war ein gelangweiltes Abarbeiten des Pflichtenhefts, während man alle zwei Minuten auf die Uhr guckt und hofft, dass schnell Feierabend ist. So hat dann auch eine Situation gereicht um den Ausgleich zu ermöglichen. Alles rechnet mit einem Freistoß, der wird nicht gepfiffen, aber geistig hat man schon abgeschaltet, die komplette Mannschaft wird übertölpelt und zehn Sekunden später steht es 1:1.

Und jetzt wird es richtig bitter: Ich habe wirklich geglaubt, dass dieses Gegentor noch einmal ein Weckruf sein wird. Es waren noch 20 Minuten zu spielen. Jetzt, hab ich gedacht, jetzt müssen sie was tun. Zu Hause, erstes Spiel, volle Hütte, die wollen nicht Unentschieden spielen. Jetzt muss sich im Spiel was tun, jetzt muss Anfang auch sehen, dass es so nicht klappt, jetzt geht’s los. Ich empfand das Gegentor zu diesem Zeitpunkt als wohltuend. Auf jetzt!

Doch dann: Nichts.

Anfang stellt nichts um, das Spiel wird weiter 08/15 angegangen. Weiterhin keine Anspielstation auf der Acht, keine Bewegung, kein Moment im Spiel. Und übrigens auch keine Wechsel. Wir brauchen zehn Minuten bis Zoller neben den früher für Cordoba gekommenen Terodde gestellt wird (auf die Clemens-Position) und nochmal sieben Minuten bis Guirassy für Hauptmann ins Spiel kommt. Da hat sich genau nichts am Spiel geändert, außer dass Zoller noch ein klein wenig ungeschickter am Ball war als Clemens. Weiterhin gähnende Leere im kreativen Bereich und der Ork-Moment war mit dem Führungstreffer von Clemens ja schon passiert.

Die letzten 20 Minuten haben mich wahrscheinlich mehr enttäuscht als alles was in der letzten Saison vorgefallen ist, denn da war man eben unterlegen und konnte sich nicht wehren. Hier hätte man durchaus Hebel gehabt, weigerte sich aber diese zu nutzen. Das war nicht schön.

Und so müssen wir feststellen: Es war ein Zweitliga-Fußballspiel. Wäre es Sandhausen gegen Heidenheim gewesen, es hätte sich niemand beschwert. Wir dürfen das auch nicht. Das ist im Moment unser Spiel. Wir müssen lernen damit zu leben.

Und, bei allem fehlenden Spaß: Es wird dennoch locker reichen. Junge, die zweite Liga ist schlecht.

Vielleicht ändert sich ja auch noch was, es ist erst der zweite Spieltag, ich schrieb es oben schon einmal. Einfach ein bisschen Mittelfeld, einen zweiten Stürmer, ein paar eingeübte Laufwege, das sollte schon reichen.

“Du meinst, das ist es?” fragte Ford. “Das ist es.” “Neun mal sechs. Zweiundvierzig.” “Das ist es. Das ist alles.”


Habt ihr Bock mir ‘nen Kaffee oder ein Bier zu spendieren? Das würde mich freuen. Rechts gibt es einen PayPal-Button. Grüße!

Bochum – FC: Schritt Eins

Der FC startet mit einem Sieg in Bochum in die ungeliebte zweite Liga, macht damit am Ende alles richtig und setzt so ein erstes Ausrufezeichen in Richtung Aufstieg, der, man muss es noch einmal betonen, da das ja vor allem in den sozialen Medien ab und an falsch verstanden wird, völlig alternativlos ist. Dieser Sieg war aber einem guten Stück auch der Unfähigkeit des Gegners geschuldet, die vielen, vielen Räume, die sich ihnen boten und die Chancen, die sich dennoch boten, zu nutzen. Bochum hatte, besonders in der ersten Hälfte, genug Möglichkeiten dem FC den Saisonstart zu verhageln aber sowohl Robbie Kruse als auch Lukas Hinterseer erwiesen sich als gute Gastgeber und wollten die Geschenke nicht anbieten, die unsere Verteidigung so freimütig anbot. Dann reicht es eben am Ende zu einem Auswärtssieg. Muss man so annehmen. Der Leistungsunterschied zwischen der ersten und der zweiten Liga ist tatsächlich einigermaßen signifikant, denn, so viel ist sicher, mit der Leistung von heute hätte der FC in der Bundesliga gegen einen beliebigen Gegner nicht gewonnen. Es reicht aber eben für das Unterhaus.

Die Aufstellung von Trainer Anfang war überraschungsfrei aber dennoch mMn diskutabel. Dass Salih Özcan alleine auf de Sechs und ohne “Achter”-Unterstützung (in Person von Vincent Koziello) den Spielaufbau übernehmen sollte, war ambitioniert und leider auch nur mäßig erfolgreich. Es fehlte, wie in den letzten Jahren schon, immer wieder das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, so dass es kaum zu einem wirklichen Aufbauspiel kam. Entweder wurde der Ball im Alleingang nach Vorne getragen oder es kam der lange Schlag auf die Außen. Ein Kombinationsspiel fand nicht statt. Ich bin nicht im Training, ich bin nicht in der Position irgendwas zu kritisieren und am Ende steht halt der Sieg, der alles Gesagte und Geschriebene obsolet macht, aber ich sehe es dennoch so, dass mir dieser rein kämpferische und simple Ansatz nicht wirklich gefällt. Zudem waren mir die Rollen von Louis Schaub und Sehrou Guirassy nicht klar. Sollte Guirassy immer wieder in die Mitte ziehen ohne dass es auf links einen einlaufenden Spieler gab? Warum? Man macht das Spiel dadurch unnötig eng und nimmt sich selbst Optionen. Und warum lief Schaub dauernd in den Laufweg von Cordoba? War er als zweite Spitze vorgesehen? Falls ja, war das reichlich wirkungslos, denn er hatte einige unglückliche Aktionen. Später übernahm Dominick Drexler mehr als einmal die Guirassy-Position, agierte aber auch eher unglücklich oder eben auf Zweit- bis Drittliganiveau. Muss sich vielleicht noch finden aber das Duo Drexler-Cordoba kann und darf nicht unsere Hoffnung auf viele Tore dieses Jahr sein. Cordoba mit drei Chancen und weiterhin keinerlei Gefahr. Dass Terodde (und Zoller) über 90 Minuten auf der Bank saßen, lässt mich ratlos zurück aber auch hier gilt: Alles egal, drei Punkte sagen, dass der FC alles richtig gemacht hat.

Ein bisschen müssen wir noch über die Defensive reden, die genau die Sollbruchstellen offenbarte, die wir erwartet haben. Auf rechts klafften teilweise eklatante Löcher, die Bochum ständig zum Durchbruch nutzen konnte. Kruse und Danilo hatten wenig Mühe Clemens und Risse zu überlaufen und bis zur Grundlinie durchzugehen oder bereits vorher in den Strafraum zu flanken. Praktisch alle Möglichkeiten des VfL ergaben sich über diese Seite. Hier hätte viel aktiver geholfen werden müssen aber dadurch dass die Sechs nur einfach besetzt und die Innenverteidigung mit Stellungsspiel beschäftigt war, war Hitzefrei auf rechts.

Über die Innenverteidigung gibt es nix zu meckern, Jorge Meré und Rafael Czichos machten wenig falsch, vor allen Dingen war das oben erwähnte Stellungsspiel bei Standards durchaus gut. Allerdings muss Anfang spätestens nach 65 Minuten Meré vom Platz nehmen, denn es war sehr deutlich, dass er Gelb-Rot gefährdet war, weil er immer mehr die Aufgaben des Ausputzers übernahm, weil bei Risse die Kräfte deutlich nachließen. Stattdessen wechselt der Trainer erstmal Jannes Horn für Özcan ein und löst damit quasi offiziell das Mittelfeldspiel komplett auf und macht dann Sekunden vor der gelb-roten Karte einen Wechsel, den ich gar nicht verstand. Hauptmann für Schaub macht für mich keinen Sinn. Spätestens da muss Sobiech ins Spiel um nachher noch eine Option zu haben im Sturm zu wechseln. So musste Sobiech dann für Guirassy ins Spiel kommen und man beraubte sich allen Plänen B, C und D. Immerhin waren noch 20 Minuten zu spielen und es gab nur noch Plan A: Hinten dicht. Ende.

Die letzte Viertelstunde musste der FC dann in doppelter Unterzahl über die Bühne bringen, denn Jhon Cordoba war völlig aufgebraucht und konnte dem Team auf dem Platz nicht mehr helfen. Mehr als einmal stützte er sich auf die Knie, ging den Bällen nicht mehr nach und konnte auch mit Bällen, die ihm in den Fuß gespielt wurden, nichts mehr anfangen. Das ist dann schon sehr ärgerlich, dass Anfang nicht mehr wechseln konnte. Naja, Bochum profitierte auch davon nicht.

Also können wir ein erstes Fazit ziehen: Etwas glücklicher Sieg (es hätte ja auch durchaus Elfmeter für Bochum geben können aber der VAR ist ja in der 2. Liga nicht dabei), Tore waren keine Zückerchen, sondern eher so Zweitliga-Magerquark (Eigentor ohne Not und Abstauber nach Torwartfehler), dazu viele Fehler im Spielaufbau, sehr fahriges Passspiel und ein einigermaßen simpler Spielplan. Aber es reicht eben und das ist alles, was zählt. Der FC ist individuell gut genug für die zweite Liga aufgestellt, das Spiel und die Automatismen werden sich im Laufe der Saison verbessern und es werden auch kreative Fortschritte kommen, da bin ich sicher. In dieser Saison zählen eh nur die Ergebnisse, was soll’s also? Sieg nehmen wir mit.

Kurzer Hinweis noch, für die, die es noch nicht über Twitter und/oder Facebook mitbekommen haben: Drüben bei effzeh.com ist der Bockcast wieder aufgetaucht und zum Comeback durfte ich mit Thomas über die anstehenden Aufgaben sprechen. Hört mal rein.

Noch 99 Punkte.
Come on effzeh!

Mir sin eins. Oder zwei. Oder drei.

Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht. Ist halt doof, wenn gar kein Licht vorhanden ist, ne?

Am Ende waren es 50.000 Leute, die auf die Stadion-Vorwiese kamen um dem Saisonauftakt des vormals ruhm- und glorreichen 1.FC Köln beizuwohnen. Ein ganzes Stadion voll. Ich habe es mir gespart. Wie immer eigentlich. Ich war genau ein Mal auf einer Saisoneröffnung, das war noch am Geißbockheim, wo ein Spielchen gegen Ford Niehl auf dem Programm stand. Wir waren vielleicht zehn Minuten da, dann sind wir wieder gefahren. Eine Veranstaltung, die (für mich!) so unnötig ist wie noch eins aber eben zum modernen Fuppes dazugehört. Höhner müssen ran, Mo Torres darf nicht fehlen und Kasalla geben dann dem Schunkelvolk den Rest. Das ist ja auch okay, ist nicht mein Ding aber muss ja auch nicht, dafür gibt es genug Menschen, denen das Freude bereitet und genau dafür sind wir eben ein großer, vielfältiger Verein. Was mich aber wirklich stört, ist die Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar Tonalität der Veranstaltung.

Vergessen die letzte Saison, aus dem Gehirn gelöscht, getilgt, verdrängt. Der schlechteste 1.FC Köln aller Zeiten? Muss ein finsterer Traum gewesen sein. Rechtsverteidiger? Bruche mer nit, mir sin doch der effzeh. Tore? Schießen wir dreitausend Stück, es ist doch nur die zweite Liga. Eine Saisoneröffnung zur zweiten Liga, mit einem Innenverhältnis im Verein, das mit “gespalten” noch sehr, sehr zahm umschrieben ist unter das Motto “Mir sin eins” zu stellen, zeugt schon von enormen Selbstbewusstsein des Vereins und der handelnden Personen.

Ich bin, nachdem ich die Zitate des Vorstands gelesen habe, einfach nur noch fassungslos. Mir fällt nichts, aber auch gar nichts mehr zu diesen Leuten ein.

Werner Spinner teilt mit: „Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga. Ich gehe davon aus, dass wir das schnell reparieren und aufsteigen.“

Nein, Herr Spinner. Wir sind genau da, wo wir hingehören. Wir waren in der letzten Saison der schlechteste Fußballverein in der Bundesliga. Mit weitem Abstand. Wir haben uns in Europa sportlich blamiert, wir haben uns in der Liga zum Gespött gemacht, es war ein Versagen auf ganzer Linie. Sportlich aber auch in sportpolitischen Fragen. Der geglückte Versuch des Vorstands durch gezielte Stimmenkäufe auf der letzten Mitgliederversammlung für genehme Abstimmungsergebnisse zu sorgen, der Umgang des Vorstands mit Vorstandskritikern, der Umgang der Stadionverbots-Kommission mit angeblichen Tätern, der Versuch einzelnen Mitgliedern und/oder Fanclubs durch gezielte und fein justierte Drohungen mundtot zu machen, die Tonalität gegenüber den kritischen Fans, die halbgaren Äußerungen bezüglich der Stadionfrage, es gibt tausend Sollbruchstellen beim 1.FC Köln im Juli 2018. Und der Präsident stellt sich hin und erklärt freudestrahlend: Alles gut, Leute.

Mir sin eins.

Ein paar Kölsch weiter kommt dann Toni Schumacher um die Ecke und lässt sich ebenfalls nicht lumpen: „Wir haben mit den Hamburgern beschlossen, uns den Rest vom Hals zu halten. Wir haben ein tolles Trainerteam, eine tolle sportliche Leitung, eine Klassemannschaft. Ich will Erster werden.“

Das muss man erstmal sacken lassen.

Sekunde.

Alle fertig gekotzt? Ja? Gut. Was für ein arroganter Scheißsatz. Welch Überheblichkeit. Nochmal: Schlechtester FC aller Zeiten, verdientester Absteiger in der Geschichte der Liga. Da kann man die zweite Liga auch mal mit einem anderen Habitus angehen und vielleicht erstmal abwarten. Muss man nicht, seh ich ein. Kann man aber. Ja, auch für mich gehört der 1.FC Köln qua Naturgesetz natürlich nicht in die zweite Liga. Das ist die angeborene elitäre Arroganz, die man als Fan dieses Clubs eben hat. Ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt, es ist eben so. Ich bin mir sicher Stuttgartern, Gladbachern, Frankfurtern und sogar Lautern-Fans geht es nicht anders. Ich bin aber eben ein Fan und darf das als Überzeichnung und als Selbstverständnis durchaus so äußern, weil es eh egal ist, was ich denke und mir auch niemand zuhört. Es ist als würde ich die Wand anschreien.

Bei Toni Schumacher liegt die Sache eine Nuance anders. Er ist immerhin Vizepräsident, er weiß, dass seine Worte zitiert werden und dass die Leute, jedenfalls die, die auf die Saisoneröffnung gehen, an seinen Lippen kleben. Er darf diesen Satz nicht sagen. Er reißt den HSV schon mal mit in die Arroganzfalle, das freut die sicherlich, er setzt die Mannschaft vor dem gottverdammten ersten Spiel einem unnötigen Druck aus und vor allen Dingen ist dieser Satz der taktisch unklugste Move seit Günther Oettinger Digital-Beauftrager wurde. Als ob die Sandhausens und Bochums dieser Welt nicht eh schon bis in die Haarspitzen motiviert wären dem “großen” 1.FC Köln in die Suppe zu spucken. Da kann ich doch auch mal den Kopf einschalten, Herrgott und vielleicht nicht direkt in den sechsten Gang hochschalten. Vor allen Dingen nicht in einem Golf IV, der nur fünf Gänge hat. Mann, Mann, Mann. Da sagt man eben: “Es wird sicher nicht einfach werden aber unser Anspruch ist natürlich der Aufstieg, da müssen wir ja nicht drumrum reden. Und wenn ich mir unsere Mannschaft anschaue, dann denke ich schon, dass wir dazu auch das Zeug haben werden.” Der Applaus wäre sicher nicht sonderlich leiser ausgefallen als nach dem Proll-Jubel-Bierstand-Volkszelt-Satz da oben. Man hätte nicht direkt die ganze Liga ins Achtung gestellt, man hätte sich nicht direkt zum Unsympath Nr. 1 gemacht und vielleicht, ganz, ganz vielleicht hätte das auch der Mannschaft eine andere Botschaft vermittelt als dieser Schwachsinn.

Was ich nicht verstehe: Das ist ja nicht das erste Mal, dass Schumacher für billige Zustimmungsschreie einen raushaut. Das muss ihm doch mal einer sagen. Da muss doch ein Werner Spinner mal hingehen und sagen: “Tünn, mach langsam, die Saison ist lang, der HSV will auch hoch und es gibt immer eine Überraschungsmannschaft in der Liga”.

Oder? Spricht der Vorstand vielleicht gar nicht miteinander? Was ist da los?

So ist es wieder mal der 1.FC Köln in Bestform. Traurig aber wahr, zum lachen ist es nicht mehr.

[Update, 30.07.] Der EXPRESS, von dem ich die o.g. Zitate habe, hat diese geändert. Schumacher sagte: „Ich habe im Urlaub einige Hamburger getroffen und mit ihnen beschlossen, dass wir uns den Rest vom Hals halten. Wir haben ein tolles Trainerteam, eine tolle sportliche Leitung, eine Klassemannschaft. Der Spieler in mir sagt: Ich will Erster werden.“

Gut, das stellt sich schon etwas anders dar, zugegeben und es ist auch nicht mehr mit der Schärfe zu kommentieren, wie oben geschehen. Das erste (verkürzte) Zitat liest sich tatsächlich arrogant und herablassend dem Rest der Liga gegenüber, das vollständige Zitat liest sich eher wie ein nonchalanter Satz, der eben fällt, wenn man gute Stimmung machen will. Die Wirkung ist aber die gleiche und an der problematisch-arroganten Grundhaltung ändert sich gar nichts. Klar muss der Auftrag sein aufzusteigen, da müssen wir doch nicht drüber reden und selbstverständlich hilft es niemanden, dieses nicht auch ganz klar zu kommunizieren. Aber die Wirkung der Worte auf Außenstehende ist ja immer eine andere, als die Innenansicht. Jetzt bin ich Robin Dutt und spiele in ein paar Tagen gegen diesen FC. Wisst Ihr, was ich machen würde? Ich würde mir die Aussage von Toni Schumacher auf A0 ausdrucken lassen, an die Kabinentür hängen und jeden Spieler fünf Mal am Tag daran vorbeigehen lassen. Guckt mal hier, für die ist die Liga schon entschieden. Er hat also mit ein paar Hamburgern im Urlaub beschlossen, dass die sich uns vom Hals halten. Die Wirkung des Satzes wird dort eine andere sein, als auf den Stadionvorwiesen.

Ja, Leute, ich verstehe, was Schumacher sagen wollte und ja, ich kann auch verstehen, dass es ein Witz sein sollte. Stimmung und so. Ist ja alles in Ordnung. Man muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn der Moderator und Stadionsprecher Michael Trippel dann voller Euphorie verkündet: Dann stehen die ersten beiden Teams ja schon fest”

Es bleibt dabei, dass ich die ganzen euphorischen Aussagen und dieses plumpe “Unfall. Reparieren. Gut ist.” für nicht hilfreich halt, was Timo Horn anscheinend ja nicht anders sieht:

„Da hat uns der Vorstand ja schön einen rausgehauen und direkt mal Druck aufgebaut. Für uns gibt es aber auch keine andere Option. Man darf nicht vergessen, dass es ein langer schwerer Weg wird. Aber wir werden spielerisch in keiner Partie unterlegen sein.“

Die Fußballwelt ist keine Insel ohne Fernschreiber. Auch das lesen die anderen Teams. Nochmal, um es klar zu machen: Es geht mir nicht darum, dass der 1.FC Köln duckmäuserisch auftreten sollte. Auf gar keinen Fall. Der Anspruch muss sein die Liga zu dominieren, dafür ist der Kader zu gut. Aber man muss halt auch nicht so tun als sei es ein Sonntag-Nachmittag im Phantasialand. Der Verein ist sportlich in einer absoluten Bringschuld und mMn bringt es niemandem etwas, wenn wir uns von Beginn an so darstellen, als sei das alles kein Problem. Es gibt genügend Gegenbeispiele. [/Update]

[Update 2, 30.07.] Die Kölnische Rundschau zitiert Schumacher übrigens folgendermaßen: „Mit den Verantwortlichen vom HSV habe ich besprochen, dass wir uns gegenseitig alle anderen vom Hals halten!“ 🙂 [Update 2]

PS: Toni Schumacher wird Botschafter für die EM-Bewerbung 2024. Frankeichs Stimme ist uns also schon mal sicher. Grüße.

Fieber

Gut, zugegeben, es ist nicht einfach. Seit Monaten übertreffen wir uns (vor allem) in den sozialen Medien mit mehr oder weniger nonchalanten Desinteresse-Bekundungen zur anstehenden WM. Russland, Putin, FIFA, Infantino, Adidas, Gazprom, Menschenrechte, Hooligans, Nazis, Özil, Gündogan, Erdogan, Schland oh Schland, die Liste des Grauens lässt sich noch mühelos weiterführen. Genervt ballen wir unsere Faust in der Tasche und murmeln ‘Reclaim the Game’ mantraartig vor uns hin. Wir träumen von früher, von der Kindheit, als wir mit feuchten Händen vor dem kleinen Fernseher saßen und die große weite Welt ins Haus kam. Wir denken an Paolo Rossi, der unsere Herzen genauso brach wie Jorge Burruchaga.

Toni halt den Ball. Nein.

Wir erinnern uns an diese eine magische Nacht in Rom, an den langen Gang des Kaisers, an Andreas Brehme, der mit der Präzision eines Herzchirurgen den Ball neben den linken Pfosten setzte. Die Unschuld der Jugend. Sport war Sport und Leben war Leben. Was interessierte mich damals, dass Brehme im eigentlichen Leben eher selten mit einem Kardiologen gleich gesetzt wird, oder dass Beckenbauer wohl schon damals ein – im weitesten Sinne – Lebemann war. Völlig egal. Was zählt ist die Erinnerung an die unbändige Freude, an den Stolz. Ja, den Stolz. Nach zwei schmerzenden Final-Niederlagen ’82 und ’86 endlich den Pokal zu haben. Ich war 14. Ich war gerade Weltmeister geworden.

Von da an ging es bergab. Ich kann mich natürlich noch an 94 erinnern, wir saßen beim Tischtennis-Verein auf dem Sommerfest, als Hristo Stoitchkov und Yordan Letchkov innerhalb von ein paar Minuten die Titelverteidigung verhinderten. Aber, es war wenig Trauer dabei. Ich war ja schließlich schon Weltmeister. Dann trinken wie eben Bier. 98 war genauso egal, wir haben ja 96 in England die Euro geholt. Football’s coming Home. Welche Explosion. Ich denke 1996 war mein persönlicher Peak mit der Nationalmannschaft. Der Pathos, die Wucht des Erfolgs, das perfekte Drama. David Baddiel und Frank Skinner begleiteten mich jahrelang durch die nachfolgende Fußball-Depression. Wenn der 1.FC Köln mal wieder abgestiegen war, wenn der DFB dachte, dass es vielleicht eine gute Idee sei Erich Ribbeck als Nationaltrainer zu installieren, wann immer dieses Fußball ist ein Arschloch-Moment hoch kam, die Three Lions konnten den Tag retten, denn es trieb mich immer zurück nach London. Gareth Southgate, the whole of England is with you.

Und dann kam irgendwann 2006. Über die Tränen des Oliver Kahn auf dem Platz in Yokohama weiß ich gar nicht mehr viel. Wir schauten das Spiel mittags beim Grillen, gingen dann in die Stadt und ich um sechs Uhr morgens direkt von dort zur Arbeit. Also 2006. Die Stunde Null des modernen Fußballs in Deutschland. Die Erweckungsmesse der Schlandies. Schwarz-Rot-Gold. Ein ganzes Land. Public Viewing auf dem Alter Markt, besoffene Engländer, ganze Busladungen blonder Schwedinnen, Deutschland-Argentinien im Biergarten. Jubel, Orkan. Schwarz-Rot-Gold. Welch Fest. Wir schrieen es in die Welt: Guckt uns an. Wir sind gar keine Arschlöcher mehr! Echt jetzt! Wieder war da ein bisschen Stolz im Spiel. Ausnahmslos jeder ausländische Fan mit dem ich sprach, war fasziniert von der guten Stimmung, von den freundlichen Gastgebern, von der Fairness. Sie alle wollten wiederkommen. Lustige Geschichte am Rande: Ein englisches Pärchen, dass sich – ein häufiger Fehler – den kleinen Kölsch-Gläsern überlegen fühlte, sprach mich in der Bahn nach Brühl an, wo sie denn wären, sie müssten irgendwie an ihrem Hotel vorbei gefahren sein, wüssten aber nicht mehr genau wo das ist, würden aber schwören die Aussicht auf Hürth-Fischenich noch nie genossen zu haben. Nach einem Blick auf den Hotelschlüssel konnte ich ausmachen, dass sie aber tatsächlich im damaligen Hansa-Hotel in Brühl wohnten. Ich bin dann mit ihnen noch dahin gegangen und hab sie abgeliefert. Das war ein schöner Spaziergang mit unfassbar betrunkenen aber netten Leuten, die sich überschwänglich bedankt haben und sich einfach nur wohl gefühlt haben bei uns. Das war für mich die Quintessenz von 2006. Der Slogan “Die Welt zu Gast bei Freunden” traf es mMn schon ziemlich gut. Der Italien-Schock war natürlich nicht der erhoffte Climax aber alles in allem habe ich 2006 genossen.

Little did we know…

Heute wünschte ich mir 2006 hätte nie stattgefunden. Alles was 2006 ausgemacht hat, ist zum Alptraum geworden. Die Schlandisierung ganzer fußball-ferner Bevölkerungsschichten, die L’Orealisierung der Spieler, die Daimlerwerdung der Funktionäre, die Ausschlachtung des schönen Spiels hin zu einer Chicken McNugget Bestie. Ein Einheitsfraß, der, in alberne Soße getunkt und rücksichtslos gefressen, den Massen vor die Füße geworfen wird. Es ist nichts echtes mehr an diesem Spiel, auf diesem Niveau. Da ist kein Knochen im Weg oder ein Stück dunkles Fleisch. Es ist ein Brei, der geformt und genormt ist, der überall gleich aussieht und gleich schmeckt, der perfekt portioniert werden kann und dank Chlor und Sulfat auch nicht verrottet. Es ist das was die Menschen wollen. Ein Monster ohne Seele, ohne Essenz.

Heute sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir das alles schon gar nicht mehr ernst nehmen können. Die Mannschaft. Best Never Rest. Die Rügenwalder Fußball-Leberwurst.

Und viele, viele Menschen, die ich vom Fußball kenne, die sich selbst als seriöse Fußball-Fans bezeichnen würden, die 30plus Spiele ihrer Mannschaft in der Saison im Stadion sehen, machen ihrem Ärger darüber (verständlicherweise) Luft. Was interessiert mich der ganze Scheiß denn noch? Der Zauber von damals wird nie wiederkommen. Alles nur noch Kommerz und Dreck.

Stimmt.

Dennoch…

Irgendetwas in mir lässt da nicht los.

Vielleicht bin ich aber auch ein Sonderfall, der sich völlig unironisch das dänische Pokalfinale auf DAZN anschaut, der Afrika-Cup-Qualifikation zwischen der Zentralafrikanischen Republik und Mali auf Eurosport 2 sieht, ohne sich zu fragen, ob er nicht wenigstens ein ganz klein wenig geisteskrank ist und der in der zweiten österreichischen Liga letzte Saison mehr Stunden verbracht hat, als objektiv gesund ist. Vielleicht stimmt mit mir was nicht, das kann schon durchaus sein.

Dennoch…

Es ist das größte Sport-Event der Welt.

Ich kann jedes einzelne Argument einer Verweigerung der WM verstehen. Ich unterschreibe es sogar mit zwei gekreuzten Finger hinter dem Rücken. Mir geht doch auch alles auf den Keks. Ich will doch auch den Fußball von früher zurück. Ich verteidige nichts. Aber wenn am Freitag um 14 Uhr Uruguay und Ägypten in Jekaterinburg aufeinander treffen, dann könnt Ihr Euch  sicher sein, dass der Fernseher an ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen, da nicht hin zu schauen. Suarez gegen Salah. Hallo? Vielleicht ein Videoschiedsrichter aus Usbekistan? Wer könnte dem widerstehen? Danach Marokko gegen Iran, ein Fest und abends Portugal gegen Spanien, das erste echte Highlight der WM. Der Freitag ist schneller vorbei, als Uli Hoeness ‘Bolton Wanderers’ aussprechen kann.

Und so geht das dann vier Wochen. Costa Rica – Serbien, Sonntagmittag um zwei. Wer da nicht zuschaut, dem kann ich auch nicht helfen. Kolumbien gegen Japan, Schweden gegen Südkorea, ich werde mir das alles geben. Ich stehe nachts um eins auf um mir den Florida-Cup des FC anzuschauen, da kann ich doch nicht mittags auf ein WM-Spiel verzichten.

Tief in mir weiß ich, dass das falsch ist. Dass man nur mit kaltem Entzug und nur mit Protest etwas – und sei es nur etwas für sich selbst – verändern kann. Ich bin ja nicht komplett blöd, mir ist schon bewusst, dass ich mit meinem Verhalten genau in die Falle tappe, die die FIFA ausgelegt hat. Aber, ihr wisst es genauso gut, Chicken McNuggets schmecken ja nicht scheiße. Man fühlt sich hinterher schlecht und vielleicht auch schuldig aber im Moment des Konsums ist das ja schon ein bisschen geil.

Und, wer weiß, vielleicht erleben wir wieder etwas, das mit 2014 vergleichbar ist. Auch vor vier Jahren ist uns alles schon auf den Keks gegangen aber dann schießt Deutschland fünf Tore in 25 Minuten gegen Brasilien, die “für-jedes-Tor-ein Kurzer”-Flasche ist zur Halbzeit lange leer und wir lachen und feiern, denken an früher, können für eine Nacht wieder Kinder sein. Ohne Gedanken an die Enteignungen in den Favelas, an die Regenwald-Rodungen und die politischen Ungerechtigkeiten. Kritiklos sein zu dürfen ist ein Sportfan-Privileg.

Ganz sicher sind es auch die Freakigkeiten des Spiels und die Absurditäten der Gesamt-Gemengelage, die eine gewisse Faszination auf mich ausüben aber das alles zusammengenommen, das reicht dann schon. Ich freu mich auf die WM. Ernsthaft.

PS: Die Kommentare sind wieder offen. Trotz DSGVO. Es wird nix gespeichert, es muss keine eMail zum kommentieren hinterlassen werden… was soll ich sonst machen?


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Happy

Es steht der 33. Spieltag vor der Tür. Morgen schlachtet die C-Jungend des FC Bayern den ruhm- und glorreichen 1.FC Köln ab. Es ist noch nicht mal so, dass die Bayern Messer mitbringen müssten um den Straßenkampf zu gewinnen, ein stumpfer Löffel wird ausreichen.

Wir sind abgestiegen. Sang- und klanglos. Die Saison war brutal. Seit neun Monaten schleppen wir uns von Arschtritt zu Arschtritt, von einer Peinlichkeit zur nächsten. Wisst Ihr, was ich in einer solchen Situation von meinem Verein hören möchte? Am besten gar nix. Vielleicht, das gebietet der moderne Fußball und die damit einhergehende Professionalisierung, eine Spieltags-Ankündigung, die möglichen Aufstellungen und damit hat es sich dann aber auch schon. Ich will keine Phrasendrescherei hören, ich will nicht lesen, dass man nochmal alles raushaut. Ganz, ganz sicher nicht.

Herausragendes leisten? HERAUSRAGENDES LEISTEN? Wollt Ihr mich verarschen?

 

Stefan Ruthenbeck erwartet einen „heißen Gegner“, der „unbedingt gewinnen will“, schreibt die Vereins-Homepage. Ich gebe mich geschlagen. Mir fällt nichts mehr ein.

 

Wir sind die schlechteste Mannschaft der Liga, der 1.FC Köln 2017/18 ist der 1.FC Köln der negativen Rekorde, der in die Geschichte dieses Clubs eingehend wird. Wir liegen am Boden und sind schon drei Mal überfahren worden. Und das letzte was wir brauchen ist, dass der Krankenwagen, der uns eigentlich helfen soll, nochmal über uns drüber jagt. Ist es zuviel verlangt in einer solchen Phase mal seine Bullshit-Phrasen außen vor zu lassen? Einfach mal sachlich an die Sache rangehen und vielleicht ein “Es wird schwer aber wir wollen uns anständig von unseren Zuschauern verabschieden” zu vermelden?

 

HERAUSRAGENDES LEISTEN?

 

Ich fasse es nicht. 22 Punkte nach 32 Spielen. Da ist es wirklich an der Zeit herausragendes zu leisten. Nein, wirklich. Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

 

Aber, es scheint zu passen. Der 1.FC Köln ist sich anscheinend nicht bewusst, dass uns im Moment so gar nicht nach Späßchen zu Mute ist. In seiner wirklichkeitsverdrängenden Parallelwelt, ist alles gut. Morgen kommen die Bayern und heute ist der lustige Video-Tag am Geißbockheim. Vierter Mai. Der effzeh ist sich wirklich nicht zu blöd diesen Tweet RAUSZUHAUEN(!):

Star Wars Tag. Verstehste? VERSTEHSTE? Spürbar anders. Selbst im Abstieg noch joot drupp. Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Nochmal, zur Erinnerung: 22 Punkte nach 32 Spielen. Der schlechteste 1.FC Köln aller Zeiten.

UND IHR MACHT WITZE? IHR SEID EUCH NICHT ZU DOOF DAFÜR?

Schämen solltet Ihr Euch und vergraben. Ihr verhöhnt alles, wofür der 1.FC Köln steht.
Ihr macht Uns und auch Euch vor der ganzen Welt lächerlich.

Das kann doch alles nicht wahr sein.

Trepp eraff

Schlägt man die Tageszeitung oder das örtliche Amtsblättchen auf, kommt man irgendwann, wenn man diszipliniert und sachlich keine Seite überschlägt, zu den privaten Anzeigen, die neben allerlei frivoler Anbändelei auch den traurigen Nutzen haben über Verstorbenen-News zu unterrichten. Nicht selten liest man: “Als die Kraft zu Ende ging, war’s kein Sterben, war’s Erlösung.” Und auch wenn der Vergleich natürlich hanebüchen ist, denn der 1.FC Köln ist weit davon entfernt das Zeitliche zu segnen, so passt dieser Spruch doch einigermaßen auf die, lasst sie uns einmal “verkorkste Saison” nennen. Vor recht genau 49 Wochen feierten wir den Einzug in den Europapokal, tranken die Stadt leer und sangen uns in die Herzen der viral denkenden Clickbait-Journalisten aus ganz Deutschland. Schaut nach Köln, die reißen da alles ab. Hast du das Video von dem Radfahrer schon geteilt? Gold, pures Gold!

Wenig wussten wir von der Zukunft und es kümmerte uns auch einen Dreck. Wir zählten die Tage bis zur Auslosung in Monaco, wir lachten einen ganzen Sommer. In London, in Misnk, in Belgrad. Die Tage wurden zwar wieder kürzer aber wer kann uns denn was? Leute, wir stehen hier nachts um halb eins noch im Stadion, haben keine Ahnung wie wir nach Hause kommen, es ist kalt, die Füße tun weh, wir haben Hunger und Durst, ich bin mit meinem Fußballverein gerade im wahrscheinlich schlechtesten Spiel der letzten 140 Jahre organisiertem Fußball aus der Gruppenphase der Europa League ausgeschiedenes, ist alles scheißegal, wer soll mir irgendwas können?

Natürlich war zu diesem Zeitpunkt schon alles gegessen. Die Bundesliga war lange verloren, der Preis für die Katharsis nach 25 Jahren war hoch. Über die Winterpause kam der Kater, wir schauten ernüchtert auf die Tabelle und wussten, dass der Sommer endgültig vorbei war. Keine Sonne kam mehr durch die dunklen Wolken über der Stadt.

Es regnete.

Und heute stehen wir vor den Trümmern der letzten vier Jahre. Mit der Verflichtung von Peter Stöger und Jörg Schmadtke ging der Börsenkurs immer weiter nach oben, die Analysten überschlugen sich mit Zukunftsprognosen. Kaufen! Kaufen! Bis dann mal die Börsenaufsicht genau hingeschaut hat und sachlich feststellte, dass es sich vermutlich um ein kriminelles Pyramidensystem handelt und der Kurs einstürzte wie ein schlecht geplanter Hochhausabriss. Ungläubiges Staunen in den Expertenrunden. Wie konnte das passieren? Was hat man übersehen? So richtig konnte man es sich nicht erklären.

Über die Gründe für den beispiellosen Absturz dieses Fußballvereins haben wir schon oft gesprochen, sie sind so offensichtlich wie unnötig, sie sind aber nun mal nicht mehr zu korrigieren. Uns bleibt keine andere Wahl, als die Konsequenzen zu akzeptieren. Zum sechsten Mal muss der 1.FC Köln den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Rut-wiess is the new black. Nach der Niederlage in Freiburg ist es dann jetzt auch endlich rechnerisch entschieden. Es bleibt keine Zeit mehr zu handeln.

Lasst uns auch gar nicht groß drum rumreden, der Abstieg ist so verdient und gerecht wie selten etwas im Fußball. 22 Punkte nach 32 Spielen, die mit weitem Abstand schlechteste Abwehr der Liga, die viert-wenigsten Tore erzielt, eine Mannschaft, zusammengestellt ohne Plan und Verstand, wir dürfen uns nicht beschweren. Natürlich kamen ein paar Dinge dazu, die nicht unbedingt in unsere Karten spielten aber wollen wir uns wirklich hinter Verletzungspech und VAR-Diskussionen verstecken? Das dürfen wir nicht. Der Club hat sich das alles selbst zuzuschreiben. Ausreden dürfen keine Antwort sein.

Das gestrige Spiel kann sogar recht sinnbildlich für die Saison stehen. Wir starten absolut desolat und nicht wettbewerbsfähig gegen keinesfalls starke Freiburger, kassieren Tore, die eine Bundesliga-Mannschaft -mit auch nur halbwegs motivierter Hintermannschaft- nicht kassieren darf, kommen dann irgendwie, keiner weiß warum, zurück, schaffen den Ausgleich, drängen sogar noch auf ein Wunder, haben die Chance, scheitern aber am eigenen Unvermögen und zeigen am Ende mit Slapstick-hafter Zuverlässigkeit, dass wir immer noch einen drauf legen können, wenn es darum geht Dummheit visuell auf dem Rasen darstellen zu können.

Nein, liebe Leute, der 1.FC Köln ist völlig verdient da, wo er gerade ist.

Und was passiert? Worauf haben all die Presse-Geier geifernd gewartet? Die Artikel sind schon geschrieben: “Kölner Fans rasten nach erneutem Abstieg aus!”, “Wieder Pyro-Schande der FC-Fans!”, “Mannschaft flüchtet vor aufgebrachten Fans!” und so weiter uns so fort. Seit Monaten reibt man sich die Finger und freut sich auf den sicher scheinenden Skandal. Aber wisst ihr was? Am Arsch, Freunde. Wieder zeigt es sich, dass dieser Verein doch etwas besonderes ist, dass das Herz des Clubs auf den Rängen schlägt und dass die Unterstützung nicht abhängig ist von Liga und Erfolg. Vor dem Spiel gab es eine Fahnen-Choreographie, nach dem Spiel kommt die Mannschaft in den Block, wird mit Applaus und dem Veedel empfangen. Kein böses Wort, obwohl wir, wie oben beschrieben, schon durchaus Grund hätten, nicht 100%ig zufrieden mit dem Saisonverlauf und den gezeigten Leistungen zu sein. Aber was würde das bringen? Jetzt, in der Krise, die natürlich nicht mit dem Existenz-bedrohenden Abstieg aus 2012 vergleichbar, aber dennoch eine Katastrophe ist, zeigen wir Zusammenhalt und Geschlossenheit.

Wir sind der 1.FC Köln. Gegen alle Widerstände und Fehler.

Und so wird es bleiben. Sollen sie halt alle über uns lachen, in Düsseldorf, in Hamburg, in Freiburg, sollen sie uns mit Häme überschütten, es kratzt mich nicht. Auch morgen geht die Sonne wieder auf und so sicher wie die Natur Äpfel geschaffen hat, wird der 1.FC Köln auch wieder den Weg in die erste Fußball-Bundesliga finden.

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