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FC – Roter Stern: Fire in the hole

Machen wir uns nichts vor: Der 1.FC Köln im Herbst 2017 ist schlecht. Tore werden mit der gleichen schlafwandlerischen Sicherheit gefangen wie Frösche mit klebriger Zunge Insekten einholen, vorne passiert nichts und wenn dann mal durch Zufall eine Chance herausgespielt wird, dann ist das Tor zu klein. So wird das alles nix. Gegen einen bestenfalls zweitklassigen Gegner kassieren wir ein Tor aus dem absoluten Nichts, weil -mal wieder- der ballführende Spieler nicht angegriffen wird. Diesmal war es Meré, im Sommer teuer eingekaufter spanischer Jugend-Nationalspieler, der gebannt zuschaute als Richmond Boakye draufschoss und der Ball in einer wunderschönen Kurve den Weg in den Winkel fand. Kann man machen, ist natürlich einfacher wenn man bei FIFA auf easy gestellt hat. Boakye ist so ein Typ zentralafrikanischer Stürmer, der in Bergamo gescheitert ist und jetzt seit Jahren zwischen der Serie B und Osteuropa hin und her pendelt. Der schießt uns ab. Passt aber natürlich.

In der zweiten Halbzeit gab es ein paar Versuche das Spiel zu drehen aber, Leute, Leute, seinen wir doch mal ehrlich und versuchen einmal nicht zu beschönigen: Wenn du drei Mal den Pfosten triffst (davon mindestens zwei mal ohne Bedrängnis), wenn du nicht eine, nicht eine gottverdammte Flanke, in den Strafraum kriegst, wenn alle, wirklich alle deine Standards schon beim ruhenden Ball einen Konter einleiten und wenn deine Zielspieler einen Radius von einem Bierdeckel haben ohne auch nur den Willen erkennen zu lassen vielleicht mal in die Räume zu gehen, dann ist das einfach nicht genug. Da kann man mir so viel man will von großem Kampf und Pech und blöden Umständen erzählen, das ist schlicht und einfach nicht wettbewerbsfähig, was der effzeh da aktuell liefert. Wir haben jetzt in acht Spielen zwei Tore geschossen (davon eins gegen den HSV, das zählt also noch nicht mal und eins aus 250 Metern Entfernung, das ist also auch nur bedingt aussagekräftig), kassieren wie die Blöden und haben eine Körpersprache die eigentlich nur ‘Hilfe, ich will hier weg’ schreit. Dazu eben die fehlende individuelle Klasse und eine völlig am Anforderungsprofil vorbei zusammengestellte Mannschaft. Tja, da kannste dich dann auch irgendwann nicht mehr beschweren.

Es wäre jetzt einfach auf Meré und Córdoba einzudreschen aber das will ich gar nicht. Meré ist ein junger Spieler, der mir bisher eigentlich ganz gut gefallen hat, er zeigt Präsenz und Einsatz und es müssen ihm Fehler zugestanden werden, das ist doch gar keine Frage. Hilft uns aber nicht. Córdoba ist die ärmste Sau der Veranstaltung, weil er so hilflos ist, dass es fast schon körperlich weh tut. Er sollte Modeste ersetzen, wo ein Blinder sah, dass das gar nicht möglich ist. Córdoba ist kein Zielspieler, kein Stoßstürmer, eher eine verkappe 9, der sich wohl fühlt, wenn er mit dem Rücken zum Tor den Ball annehmen kann und dann Mitspieler hat, die Lücken reißen können. Bei aller Liebe, was hat man sich gedacht? Dass Zoller, Guirassy oder Rudnevs hier Faktoren werden könnten? Himmel hilf. Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht. Ja, natürlich, Schmadtke hat immer Recht und yadda, yadda, yadda. Alles klar. Was macht eigentlich Christian Clemens oder Jannes Horn? Geht mir weg.

Das frustriert mich so ungemein, weil es uns doch eigentlich klar war. Vor der Saison, im Sommer, drehten sich alle Gespräche um die (fehlenden) Transfers und die Stimmung war einstimmig schlecht: Das wird katastrophal haben wir gesagt. Und selten hatte ich weniger Freude in der Bestätigung. Wenn Konstantin Rausch noch einen Freistoß oder eine Ecke schie… ach, ich sag nichts mehr.

Doch, Freude über Freude, der 1.FC Köln scheint zu reagieren und zaubert mit Claudio Pizarro den Heilsbringer aus dem Hut. 39 Jahre, vereinslos, untrainiert, letztes Jahr bei Bremen 607 Einsatzminuten, ein Tor. Knaller. Und er passt so gut in unser System der weiten planlosen Bälle. Dieser Transfer ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Transferpolitik, es wird versucht in Meiererscher Manier Fehler zu kitten, die gar nicht zu kitten sind. Da fällt mir nichts mehr zu ein. Natürlich kann man jetzt sagen: Ist ein kleines Risiko, wir sind verzweifelt, wir müssen was machen. Ja, klar. Und wenn er dann am Sonntag Leipzig zurück in die RBZ ballert, dann ist alles gut aber es ist eben nichts anderes als Aktionismus und das tut weh, denn ich habe wirklich gedacht, dass diese Zeiten beim 1.FC Köln vorbei sind.

So ist er, mein Verein. Er überrascht dich auch nach 27 Jahren noch immer.

Hach.

Ich will aber nicht auf einer negativen Note enden, denn bei allem Driss, es gibt schon noch etwas, auf das wir stolz sein können. Die Fans präsentierten sich gestern über große Teile des Spiels wieder hervorragend, das Veedelslied nach Abpfiff war so unfassbar laut, ich hätte als Spieler Rotz und Wasser geheult. Die Hoffenheimisierung der Liga ist in Köln noch nicht angekommen und das ist auch verdammt gut so auch wenn ich glaube, dass es so etwas wie das letzte Halali sein wird, denn es macht mir den Eindruck, dass eine Konfrontation mit Verein und Verbänden durchaus breite Zustimmung in der aktiven Fanszene findet. Ich persönlich setze mal einen Zehner auf “es knallt dieses Jahr noch richtig”.

Nichts desto trotz, hier ein Video von vor dem Spiel. War geil.

Mitgliederversammlung 2017

Es ist kurz nach zwei in der Nacht, ich fahre über die Innere Kanalstrasse. Grüne Welle. Die Strassen sind leer, eine ganz normale Montagnacht in Sülz. Nichts deutet darauf hin, dass wir eben in der Arena einen Abend erlebt haben, der für unseren Verein ein schlimmer war. Nicht wegen des abgelehnten Antrags, nicht wegen einer demokratischen Entscheidung, diese ist zu akzeptieren, es geht nicht anders und das ist auch gut so. Nein, es darf in diesem Verein kein Hinterfragen der Mitgliederentscheidung geben, egal ob ich das Ergebnis jetzt gut oder schlecht finde.

Punkt.

Es ist das Zustandekommen und die Begleitumstände der Abstimmung, ja der ganzen Mitgliederversammlung, die mich ratlos und ernüchtert zurück lassen. Ich will jetzt hier nicht nacherzählen, soll ein jeder die Aufzeichnung auf fc-tv schauen oder die diversen Ticker lesen, ich will mir nur ein paar Punkte von der Seele schreiben, die mich gestern zum einen wirklich erstaunt und zum anderen auch getroffen haben.

Die Organisation:
Im besten Fall möchte man sie kölsch nennen. Nichts hat geklappt aber es wurde viel gelacht. Beim check-in gab es an verschiedenen Lines nur noch unterschiedliche Bändchen für Ober- und Unterrang. Hier nur noch schwarz, dahinten nur noch rot. Dahinten ist ein Meter weg. Okay, interessiert im Zweifel eh niemanden, weil man einfach in die Blöcke gehen konnte, wie man wollte. In der Vergangenheit war das so etwas wie Crowd Control, heute war es sinnlos. Viel zu viele Menschen waren anwesend, als dass Ordner noch ernsthaft nach Bändchen geguckt hätten. Hatte was vom Emirates: Alle rein, mir doch egal wo. Der Innenraum war um halb sieben bereits voll, wir mussten in den Oberrang. Dieser war nicht beleuchtet und die Sound-Anlage war ausgeschaltet. Die Wahlunterlagen konnten nur mit Hilfe der Handy-Taschenlampe gelesen werden, ebenso das Display auf den Abstimmungsgeräten. Die ganze Arena lag eigentlich im Dunkeln aber im Innenraum und im Unterrang schimmerte wenigstens ein wenig Rotlicht durch die Gegend. Bei uns war es finstere Nacht.

Hey, macht mal Licht an! Das kann doch nicht so schwer sein. Ob das jetzt Unvermögen oder Strategie war? Keine Ahnung und ich bin auch weit von Verschwörungstheorien weg aber komisch ist es schon, dass man in einer Versammlung die Wahlunterlagen wegen fehlendem Licht nicht studieren kann. Naja.

Die Beschallungsanlage war ebenfalls ausgeschaltet, d.h. man konnte schon hören, dass auf der Bühne gesprochen wurde, nur eben nicht was. Werner Spinner lächelte dies nonchalant weg und begann nichts desto trotz mit der MV. Es gab ein paar Pfiffe und Zwischenrufe aber insgesamt war das Publikum um mich herum sehr ruhig, fast apathisch. Es wurde sich auch kaum unterhalten. Die saßen da und klatschten, obwohl man Spinner gar nicht verstehen konnte. Nach zehn Minuten war die Anlage hochgefahren und/oder ein Techniker hat auf den On-Knopf gedrückt, es klappte dann.

Irgendwann kurz nach acht wurde es auch etwas heller. Knaller. Wir konnten jetzt hören und sehen was los war. Nun sollten die Abstimmungsgeräte noch getestet werden. Bei mir hat’s geklappt, bei allen anderen in meinem Umfeld auch aber anscheinend waren erstmal zu wenig von den Teilen vor Ort gekarrt worden und zum anderen haben (Aussage des Technik-Chefs) ca. 1000 Geräte kein Ergebnis übermittelt.

Das, liebe Freunde ist der 1.FC Köln: Selbstbesoffen bis zum völligen Kontrollverlust. Werner Spinner sprach in (einer) seiner Rede(n) von der Angst sich in ganz Deutschland zu blamieren, wenn man einen Investor ablehnt aber sie bekommen es selbst nicht hin eine MV so zu organisieren, dass es wenigstens nach Außen den Anschein hat, dass es klappt. Und, damit wir das Königsargument direkt aus dem Saal treten können: Doch, sie mussten mit dieser Masse an Menschen rechnen, denn sie haben sie selbst bestellt. Mit der Hoodie-Aktion ziehst du Leute an, die sonst im Leben nicht vor die Tür gegangen wären, wir haben es ja gesehen. Natürlich wussten die was auf sie zukommt, natürlich wussten die, dass sie nicht mit Unterrang und Innenraum hinkommen und natürlich wussten sie auch, dass man mehr Geräte hätte beschaffen müssen.

Und wenn sie es nicht wussten, dann sind sie Dilettanten.

So musste per Papier abgestimmt werden. Die Auszählung war gegen 1:20 Uhr beendet.

Die Reden:
Die Vorstandsreden, egal ob es um Rechenschaftsberichte, um die sportliche Entwicklung oder die Arbeit der Gremien ging, waren durchzogen von einem Thema: Angriff auf die Initiative 100 % FC. Besonders im Angriffsmodus waren Spinner und Wehrle, die das ganze auch auf die persönliche Ebene brachten, die von Misstrauen und Spaltung der Familie sprachen. Spinner betonte, dass es keinen Investor geben wird, sprach einen Halbsatz weiter aber von strategischen Partnern, die für einen Stadion-Neubau benötigt werden. Wehrle zerlegte das Ausbaukonzept Müngersdorf und stieß damit ins gleiche Horn. Bei China geht es um Völkerverständigung, darum die Welt besser zu machen und Kindern den Spaß am Fußball nahe zu bringen. Hat nix mit Geld zu tun. Und im Hintergrund leckten sich zwei Einhörner gegenseitig die Eier. Is klar.

Das war ein bisschen zu dick, ein bisschen zu viel Sorge, die da durchschmierte. Es war zu aggressiv gegen den Antrag, der anscheinend (ich spekuliere hier nur) bei Annahme einiges in der kurzfristigen Planung des Clubs hätte kaputt machen können. Man spürte es eigentlich in jedem Satz: Ja, wir werden verkaufen, ja wir werden ein neues Stadion bauen.

Schmadtke habe ich mir zum großen Teil gespart, was soll da kommen?

Ich muss aber leider auch einen Kritikpunkt an die Initiative richten: So gut die Rede zur Vorstellung des Antrags inhaltlich war, so unglücklich war sie umgesetzt. Sie kam mir schon einigermaßen pastoral, ja fast gebetsmühlenartig vor und hat mit dem Ton leider niemandem in meinem Block, der nicht eh vor hatte mit Ja zu stimmen, abgeholt. Da hätte etwas mehr Pep gut getan. In der freien Aussprache zu diesem Punkt hat Stephan Schell von der Wilden Horde gezeigt, wie man dieses Publikum angehen muss: Emotional und an Werte erinnernd. Das war sehr, sehr gut.

Es gab auch ein paar kurze Sätze zu London, alles war toll, der 1.FC Köln ist der beste Verein der Welt, die Fans sind kurz vor der Seligsprechung und überhaupt sei man so stolz auf alles. Hat sich vor zwei Wochen noch alles sehr anders dargestellt…

Die schlimmste Rede des Abends hielt Stadionsprecher Michael Trippel, der die Karte “wollt ihr irgendwann vierte oder fünfte Liga spielen” zog. Das war Politbüro-Stil. Eines 1.FC Köln unwürdig.

Das Publikum:
Beseelt von Werner Spinner und den (tatsächlich guten) Zahlen Wehrles wurde jeder Angriff gegen die Initiative mit großem Applaus bedacht. Die Aussagen zu London wurden bejubelt und als Wehrle ankündigte, dass zu wenige Hoodies da sind wurde es plötzlich leer. Später sprach man von Tumulten und körperlicher Aggression. Wegen eines scheiß Pullovers! Mehr kannste eigentlich gar nicht sagen.

Fazit:
Machen wir uns nichts vor, der gestrige Tag war eine Niederlage für den 1.FC Köln. Es steht für mich völlig außer Frage, dass wir in den nächsten Jahren den Verein verlieren werden, dass REWE einsteigen wird, dass ein neues Stadion gebaut wird und dass das auch von einem Großteil der Mitglieder so gewollt ist. Die hören Einnahmen und von Bayern München lernen, die hören 70.000 Zuschauer und oberes Drittel der Bundesliga (Bayern, BVB, Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg, Schalke, Gladbach… da sind wir bei acht, der effzeh macht neun, im oberen Drittel haben sechs Mannschaften Platz…) und wie toll alles sein wird und liegen sich in den Armen.

Es wird zu dramatischen Veränderungen kommen. Wir, die wir hoffnungslos in den Fußball verliebt sind, die wir seit Jahren wirklich “durch dick un durch dünn” mit diesem 1.FC Köln gegangen sind, wir sterben aus, wir sind nicht mehr zeitgemäß und sollten, nein, müssen die Konsequenzen ziehen. Die Mehrheit der Mitglieder will etwas anderes, das ist, ich wiederhole mich, zu akzeptieren.

Vielleicht hat der 1.FC Köln mit dieser Strategie der Entfremdung Erfolg. Vielleicht kommen 70.000 Zuschauern zu den Spielen und vielleicht werden sie 2020 deutscher Meister, was weiß ich denn? Es wird wohl nie soweit kommen, dass ich dem nicht wohlwollend gegenüber stehen werden aber die Erkenntnis des Abends ist einfach:

Der Verein stirbt.

Tschüss effzeh.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

Arsenal – FC: Champagne Supernova

How many special people change?
How many lives are living strange?
Where were you while we were getting high?

Wo will ich anfangen? Ich bin unstrukturiert und aufgewühlt, ich kann noch gar keinen klaren Gedanken fassen, so überlebensgroß war das gestern. So jenseits von allem, was ich bisher im Fußball erleben durfte. Ich habe Aufstiege gefeiert, ich war mit einem einzigen 30er Bus bei einem Hallenturnier in Leipzig, habe Spiele vor 3.000 und Spiele vor 80.000 Zuschauern gesehen. Ich war beim Spiel um Platz 3 bei Olympia ’92, ich bin mit dem 1.FC Köln viele tausend Kilometer durch Deutschland gereist und mein letztes Europapokalspiel im Stadion war das Heimspiel gegen Atalanta. Ich bin 23 41 Jahre alt und gehe seit 27 Jahre regelmäßig zum Fußball. Nichts, keine einzige Erinnerung, kommt auch nur nah dran an das, was ich gestern in Islington erleben durfte. Beim Einlaufen der Mannschaften hatte ich Tränen in den Augen. Das ist jetzt nicht nur so dahin geschrieben, nein, ich musste mich von den um mich herumstehenden Damen sogar ein wenig belächeln lassen. Ich war so derart aufgewühlt, die Energie, die in diesem magischen Moment von den Rängen kam, war überwältigend. Ein “Come on effzeh” Wechselgesang zwischen den Clock End Blöcken H-J und K-N raubte mir fast alle Sinne. Es war so laut, so intensiv, so… einzigartig. Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen, fast ungläubig ob der puren Wucht der Emotionen. Nach 25 Jahren läuft der 1.FC Köln im Emirates auf und ich bin dabei. Es war elektrisierend.

Slowly walking down the hall
Faster than a cannonball
Where were you while we were getting high?

Ich will jetzt keinen großen Reisebericht schreiben, wer sich für die vielen skurrilen Geschichten interessiert, die ich in den 32 Stunden des Trips erlebt habe, der möge am Montag drei90 einschalten, dort werde ich ausführlich erzählen. Von entnervten Zugbegleiterinnen, von englischer Provinzialität, von neuen Bekanntschaften und engen Zeitplänen, von Flugverspätungen und unverschämten Lufthansa-Mitarbeiterinnen. Es könnte etwas länger werden.

Nein, ich will nur erzählen wie ich London erlebt habe, will meine Eindrücke wiedergeben, denn auch wenn deutsche und englische Zeitungen übereinstimmend von einer Nacht der Schande sprechen, es war das genaue Gegenteil. Es war ein friedliches, lautes, intensives Fest, es war ein freundschaftliches Miteinander, es war ein wortwörtliches Anstoßen, verbunden mit einem “Cheers Mate”. Nacht der Schande. Am Arsch. Während des Oktoberfests müsste die Bild-Zeitung jeden Tag mit “Fest der Schande” aufmachen, denn es benehmen sich jeden Tag deutlich mehr Menschen in den Saufzelten daneben als gestern Abend in London. Hab ich noch nie gelesen. Ist halt Brauchtum, da kann das mal passieren, ne? Es gab gestern 5 Festnahmen. Bei geschätzten 20.000 Kölner. Fünf. Nacht der Schande.

Und dennoch möchte ich nicht relativieren: Die Leute, die da in die Polizei reingestürmt sind, die die Kioske überfallen haben und Gewalt ausübten sind Arschlöcher. Ich habe es selbst nicht gesehen, deshalb möchte ich da auch gar nichts weiter zu schreiben, sondern lasse einen Augenzeuge zu Wort kommen:

Ich kam mit Freunden um kurz nach 18.00 h Ortszeit am Stadion an. Wir sahen, dass die the Danny Fiszmann Bridge scheinbar abgeriegelt war mit den Leuten, die den Fanmarsch vollständig mitgegangen waren und beschlossen daher, uns direkt am Eingang zu Block L für den Gästeblock anzustellen, bevor die Schlangen lang werden. Vor uns standen höchstens 15-20 Leute an der linken Schlange bis zum Einlass. Es geschah hier jedoch über 10 Minuten nichts, keiner wurde reingelassen. Dann wurden anscheinend die Leute von der Brücke gelassen und alle strömten Richtung Blockeingang. Hier kam es dann wohl dazu, dass eine Handvoll Leute versuchte, über die Absperrung zu gelangen. Das konnten wir aber nicht genau sehen. Es passierte darauf hin Minuten lang wieder nichts, außer dass sich um uns herum eine Riesenmasse an Menschen angesammelt hatte, die aufgestellten Gitter wurden geschoben. Die Leute hielten immer wieder ihre Tickets hoch um deutlich zu machen, dass man eines hatte. Dann kam die berittene Polizei und drängte uns alle zusammen, so dass wir kaum auf zwei Beinen stehen konnten. Von vorne und der Seite hieß es immer „go back“, aber es ging nicht zurück oder zur Seite, weil hinter einem ja gefühlt hunderte Leute standen und auch Gitter, gegen die man gequetscht wurde. Wir versuchten, der Polizei deutlich zu machen, dass hinter uns und an der Seite Gitter standen, und wir uns nicht weiter bewegen konnten. Auch Leute aus der Fanszene versuchten per Megaphon, die Masse ein Stück nach hinten zu bewegen und zu beruhigen. Hier ging jedoch nichts, von hinten Menschen und Gitter, von der Seite die berittene Polizei. Dieser Zustand dauerte über eine Stunde an. Die Leute wurden immer unruhiger, es gab die ersten, die versuchten, aus diesem Pulk heraus an die Seite zu kommen, da sie keine Luft mehr bekamen, Panik hatten oder ihre Notdurft verrichten mussten.

Da ich es irgendwann auch nicht mehr aushielt und in Panik verfiel, versuchte ich ebenfalls an den linken Rand zu gelangen, die umstehende Leute halfen mir dabei. Dort angekommen konnte mir eine Ordnerin nur den Weg zu Toilette gegenüber vom Einlass zeigen, sonstige Hilfe gab es nicht, obwohl die Leute, die mir daraus halfen den Ordnern erklärten, dass ich ggf. Hilfe brauche. Nachdem ich mich dort übergeben hatte und andere Freunde kontaktiert hatte, fragten diese sowohl Ordner als auch Polizisten nach Sanitätern. Als Antwort kam, dass es um das Stadion weder Sanitäter noch „Ambulances“ gab, wir sollen doch zur First Aid Station im Stadion gehen. Tja, da kamen wir jedoch nicht rein.

Die vorbeschriebene Einlasssituation habe ich als sehr gefährlich empfunden und ich kann nicht nachvollziehen, wieso man Menschen über 1,5 Stunden so einquetscht. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass man außerhalb des Stadions keinerlei medizinische Versorgung zur Verfügung stellt.

Ich glaube, dass eine anders geregelte Einlasssituation das Ganze – auch im Hinblick auf die nun anstehende UEFA Untersuchung und die nicht nachvollziehbaren Berichte aus der Presse -wesentlich entschärft hätten. Im Übrigen habe ich am Stadion und im Vorhinein Niemanden getroffen, der kein Ticket hatte.

Natürlich rechtfertigt all dies keine Gewalt, bitte versteht das nicht falsch aber es wäre ein leichtes gewesen die Situation erst gar nicht entstehen zu lassen. Mit einer anderen Ticketpolitik, mit weniger Drama und weniger Angst vor Eventualitäten, mit weniger Eventdenken und weniger Arroganz wäre es zu keiner Eskalation, so klein sie am Ende auch gewesen sein mag, gekommen. Das ist einfach ein Versagen von Arsenal.

Dass dann am Ende die Kölner Fans mit Tickets für den Heimbereich sogar von dieser Situation profitiert haben, weil die Sicherheitsbehörden sich entschieden haben die Kontrollen Kontrollen sein zu lassen und einfach alle Menschen ins Stadion gelangen zu lassen, ist dann eine Bewertung über die ich mir noch Gedanken machen muss. Aber -und ich finde das darf man nicht vergessen- wir kommen nicht umhin uns zu wundern, was sich Arsenal und die Polizei von London gestern gedacht hat. Naja, es werden wohl ein paar mehr als die 3.000 kommen aber so wild wird es nicht werden? Waren sie wirklich so blind? Waren sie wirklich so arrogant? Ich weiß es nicht. Klar ist, dass das “Sicherheitskonzept”, wenn man es denn so nennen will ein Komplett-Desaster war. Die Stewards waren vollständig überfordert und zahlenmäßig so hoffnungslos unterlegen, dass sie ihre Autorität schon mit dem Überziehen der neongelben Warnwesten verloren haben. Die Polizei zeigte -zwar spät- ihre Präsenz (allerdings, das möchte ich betonen, mir und meinem Umfeld gegenüber freundlich, hilfsbereit und ohne jede Aggression. Kein Vergleich zu deutschen Ordnungshütern. Wenn man die höflich angesprochen hat, kam eine zuvorkommende und freundliche Antwort, gefolgt von einem aufrichtigen “have fun”. Ich habe gesehen wie Bobbys sich mit Kölner Fans haben fotografieren lassen und für das Foto die Mützen getauscht haben. (Frag mal hier einen Ninja Turtle ob er das macht…) aber alles in allem war die Situation von Anfang an hoffnungslos. Arsenal und London war schlicht nicht vorbereitet auf das was da gestern angereist kam.

Soviel mal dazu.

Someday you will find me
Caught beneath the landslide
In a champagne supernova in the sky

Vor dem Spiel gab es einen Fanmarsch auf der Oxford Street, bevor sich dann alles an den Highbury Fields und in den umliegenden Kneipen sammelte:

Ich traf mich mit den guten Leute im Brewhouse and Kitchen, das -natürlich- fest in kölscher Hand war. Ein paar Einheimische mischen sich unter die Auswärtsfans aber das war auch kein Problem.

Gegen 16 Uhr kam es zur Schocknachricht, dass kein Bier mehr ausgeschenkt werden dürfte. Ahso. Essen durfte auch nicht mehr bestellt werden, weil, sind wir mal ehrlich, was kann es schlimmeres geben als einen satten Fußballfan? Stimmt schon. Den Beweis traten dann ein paar Stunden später die Arsenal-Fans an. Egal, dann gehen wir mal ein paar Meter die Straße runter, vorbei an einer wunderschönen Schule, deren Kinder einen schwarzen Anzug mit irritierend hellpinken Applikationen trugen (ich mag Schuluniformen sehr aber die war hässlich) und fanden selbstverständlich noch einen Laden, der uns freundlich und zuvorkommend aufnahm. The Alwyne Castle. Etwas arg hip aber dann doch ganz nett mit sehr leckerem IPA (The Camden Town IHL) und noch leckererem Cider (Orchard Pig Reveller Cider), dazu Fish & Chips oder Burger oder Pulled Pork, ach das war schon nett. Draußen geb einen netten Biergarten, die Stimmung war auch hier friedlich bis ausgelassen, Arsenal Fans haben Fotos mit uns gemacht, alles gut.

Nach dem obligatorischen Regenschauer machten wir uns dann auf Richtung Stadion. Wir wanderten die Holloway Road entlang, tranken noch ein Wegbier, schlenderten vorbei an Arsenal Kneipen und Take Aways, bogen rechts ab auf die Hornsey Road und plötzlich, ganz nah, erhaschst Du einen ersten Blick. Da hinten, links an den Bäumen vorbei, durch den Rauch der Streetfood-Stände hindurch kannst du es sehen, bis die Strasse plötzlich und fast schlagartig einen kleinen Knick macht und du davor stehst: Emirates Stadium. Da spielt gleich der 1.FC Köln. Unfassbar.

Auch hier: Null Aggressionen (wenn man mal davon absieht dass die Idioten von Zwei Kölsch nur fünf Meter neben uns ihre Show abgezogen haben und heftig debattiert wurde ob man mit der Polizei sprechen könne, ob diese mal kurz wegschauen könnte. Der Plan wurde aber verworfen), sondern friedliche, ausgelassene Stimmung. Man hörte und sah fast nur kölsches Publikum, die paar Arsenalesen die vor Ort waren wollten eigentlich nur ihre Tickets verkaufen. Ich bin noch nie so oft angesprochen worden ob ich ein Ticket haben will. Noch nie. Naja, muss jeder selber wissen. Dem Schwarzmarkt nicht unbedingt zuträglich war die Tatsache dass die Tageskasse geöffnet hatte. Eine merkwürdige Sache eigentlich, hatte Arsenal doch erklärt, dass das Spiel lange ausverkauft sei. Auch hier gilt: Der AFC hat sich einiges selbst zuzuschreiben.

Im Stadion dann der Schock. Das Clock End war fest in Kölner Hand. Sowohl Ober- als auch Unterrang waren okkupiert. Das Lied vom Europapokal schallte durch das halbleere Stadion, die Pufferlinien an Ordnern, die man sonst gerne in englischen Stadien sieht war nicht mehr vorhanden. Es war -man muss es so sagen- eine friedliche Übernahme. Die unmittelbaren Momente vor dem Spiel waren dann -wie eingangs erwähnt- das allergrößte, was ich bisher erleben durfte.

Das Video kann es nur unzureichend übermitteln, weil das schon gegen Ende des Gesangs war. Es ist aus meiner Perspektive:

Ich habe jetzt noch Gänsehaut.

Über das Spiel will ich nicht viele Worte verlieren, denn wie es der eine oder andere schon mitbekommen hat, war ich Trottel beim Tor des effzeh auf Toilette. Da fällt mir dann auch nix mehr zu ein. Ein Mal im Europapokal, der effzeh geht in Arsenal in Führung und Axel ist schiffen. Jedes weitere Wort ist Zeitverschwendung, denn diesen Trottelfaktor gibt es eigentlich gar nicht. Ich sah die Wiederholung im Arsenal TV auf dem Weg zurück in den Block, mitleidige Blicke von den umstehenden Polizisten begleiteten mich dabei. Whatever.

Arsenal gewinnt das Spiel, weil wir die Tore wieder viel zu einfach hergeben aber an Analyse ist gepfiffen, das krieg ich eh im Moment nicht hin. Unschöne Begleiterscheinung: Syndesmosebandriss bei Jonas Hector. Das hat uns gerade noch gefehlt. Verdammt.

Ab der 80. Minute machte sich dann der geneigte Heimfan auf den Weg nach Hause, die FC-Fans blieben noch ein bisschen und als dann das Stadion ca. drei Minuten nach Spielende komplett leer war passiere das:

Ich sage Euch, das hat geschallt, das kann man sich gar nicht vorstellen. In der ersten Einstellung des Videos kann man ganz gut sehen wie viele wir waren. Zur Erklärung: Der Gästebereich ist nur der Block im Unterrang rechts neben der linken Eckfahne bis linker Torpfosten. Das ist schon gut.

Alles in allem kann ich mich nur wiederholen: Es war fantastisch, es war grandios und umwerfend. Ich werde lange von dieser Erinnerung zehren. Vielen Dank an alle die dabei waren, vielen Dank an die vielen netten Engländer, die ich kennen lernen durfte (die übrigens übereinstimmend nichts als lobende Worte für den FC und seine Fans fanden) und vielen Dank an den 1.FC Köln, dass er mir das noch einmal möglich gemacht hat.

Mir kommen schon wieder die Tränen.

Wake up the dawn and ask her why 
A dreamer dreams, she never dies 
Wipe that tear away now from your eye
Slowly walking down the hall 
Faster than a cannonball 
Where were you while we were getting high? 
Someday you will find me
Caught beneath the landslide 
In a champagne supernova in the sky 

Augsburg – FC: London Calling

“Und?” fragte er. “Alles okay?” Der Mainzer Sparkassen-Angestellte klang nervös am Telefon, ganz so als könne er nicht glauben, was da gerade passiert. “Alles okay, Herr Schmadtke, das Geld ist da, ich werde das sofort weitermelden.” Zufrieden legte der feixe Düsseldorfer das Telefon zur Seite. Er hörte das glucksende Lachen am anderen Ende der Leitung nicht mehr…

Es wird eine lange, hässliche Saison, die Mannschaft ist aktuell schlecht, es passt in keinem Mannschaftsteil und vorne haben wir eben keinen Torjäger mehr. Da machste nix. Nächste Woche gibt es gegen Dortmund so richtig auf die Kappe und dann gucken wir uns doof an. Aber, okay, was soll’s? Der effzeh macht ja im Moment wirklich alles um uns die Niederlagen so emotionslos wie möglich zu gestalten.

Donnerstag ist Arsenal.

“Meinst Du wir sollten noch was für unser offensives Mittelfeld tun?” Peter Stöger versuchte das Gespräch langsam in seine Richtung zu lenken. “Ach was, wovon denn? Wir haben jetzt 17 Millionen für Córdoba und 8 Millionen für Meré ausgegeben, das reicht.” Der Trainer legte das Gesicht in Falten, fügte sich jedoch dem Machtwort des grinsenden Masterminds. “Wir holen jetzt noch ein paar 19jährige, das ist gut für’s Image.” Stöger blieb auf dem Weg zur Tür noch einmal stehen: “Meinst Du nicht, dass wir wirklich noch was machen sollten? Guck mal wie viele etablierte Spieler gerade wechseln, meinst Du nicht, dass vier 19jährige und ein Fünf-Tore-Stürmer etwas riskant sind?”. Die Gesichtsfarbe des fröhlichen Anfang-Fünfziger wurde rosa. “Jetzt stell Dich mal nicht so an, wen soll ich holen? Kevin-Prince Boateng?” Ein hässliches Lachen glitt wie ein Messer durch den Raum. Ohne Antwort fiel die Tür in das Schloss.

“Endlich Ruhe”, dachte sich der starke Mann des Geißbockheims. “Frollein Brigitte, wann kommen die Chinesen morgen?”

 

Да поклони

Well, I don’t speak serbian and I don’t trust google translate enough, so I hope english will do.

We just bought tickets for the away game in Belgrad. They are only avaiable in a package for all three home games of Zvezda. If you are a fan and you can’t afford tickets or for whatever reasons you don’t have one, but you’d like to see the matches against Bate and Arsenal anyway, we’ll give you ours. No charge. You only have to take care of changing the names on the tickets as they are personalized.

In total we have three tickets for each game. It would be nice if those will get to as many fans as possible, so i won’t give away all six at once.

Feel free to wirte me at axel[at]dervierteoffizielle.de to get in contact. The tickets are for print at home.

I sure hope we’ll have a good time in Belgrad and maybe get to know each other having a drink.

Dear Arsenal Supporters…

Well, it’s only 14 more Days until the first Match back in Europe for my Club and I’m really, really looking forward to visit the great City of London for the first time since the early 1990s. I’m not sure if my memory will misguide me at first because back then, when I’ve been a regular guest (my aunt lived in Shepherds Bush on Bloemfontein Road, so Loftus Road was just a minute away) i reallly fell in Love with the City of London. It was so big, so busy, so out of my world. For christ sake, there was a freaking Kentucky Fried Chicken around the Corner, which I’ve never seen before. London was a different Universe. I admit, I was a bit younger and a little bit less experiencend in exploring the world but you get my point. I was blown away.

Now, 25 years later, which is coincidentally the exact period for which FC Cologne did not make it to the european competitions, I’m coming back and this time it’s for football. Who could have thought? Five years ago we were down to rock bottom, we honestly never believed in visiting another away game in Europe. We joked about it, we laughed, we drank a little bit too much and all in all these were dark days. You might compare it with the time between 1971 and George Graham. Those endless years of nothing. Yeah, I read my Hornby…

It’s going to be great. I can’t wait.

There’s just a slight little downside to it: I didn’t win in the ticket lottery. And that’s where you come into play. I’d really like to think, that there is one of you out there who can help me out with a ticket for the match. You Sir or Madame will be in my book of cool people for the rest of our lives. I will be in St Pancras around 1pm on the 14th, I will bring German Beer (Kölsch of corse) and if you visit Cologne for the Rematch I will treat you with a visit to one of our famous Brauhäusern (beer breweries), if you want.

25 years I waited for this moment and I’m not going to miss it.

Drop me a line at axel[at]dervierteoffizielle.de if you like to help me out.

Thank you so much.

[Update]
You’re brilliant! I got my ticket and made some great contacts with some of you lads! Thanks to Ian, Roger and Dustin for your kind offers!
There are some people who still need help, so if you like to help further, write me and I will forward your contact to those how still need tickets. Three or four more should do the trick.

We will be drunk and loud and funny and passionate about our team, but we also will raise our glasses with you and hope that this evening will exactly be, what we all dreamed about for 25 long years. Football has always been a simple game and it should be simple outside the rules too. It attracts all kind of people, no matter of race, gender, age or religion. It should be a game for us, for the fans, not for SKY, not for ITV or the fucking £2000 seat bastards.

Thanks for sharing, thanks for caring.

Let’s do this.

Lostopf Lethargie

Arsenal, Borisov, Belgrad. Drei Worte nur aber sie bedeuten aktuell die Welt für uns. Was interessiert mich der graue Himmel oder die furchtbare Luftfeuchtigkeit? Was soll ich mich über den Auftritt der Mannschaft im gestrigen “Spiel” gegen den HSV ärgern? Wir wussten ja vorher, dass es dieses Jahr eher schwer sein wird. Okay, zugegeben, mit einem solchen Debakel habe ich nicht gerechnet aber was willste machen? Mir ist es gestern extrem aufgefallen: Ich stand ausnahmsweise in der Südkurve, merkte wieder wie wenig das doch meine Welt ist, konnte keine Minute genießen und hatte auch während des Spiels nicht viel zu sagen. Die paar Chancen, die unsere Goalgetter da vorne so unglückli… ach hört doch auf 🙂

Natürlich ist es zu früh den Stab über die Mannschaft zu brechen, aber das sah schon sehr, sehr bitter aus. Selbst nach dem PLatzverweis kam der effzeh zu keinen gefährlichen Aktionen. Was da an “Flanken” in den Strafraum segelte, spottete jeder Beschreibung. Dazu null Tempo, null Ideen, Zuspiele in die Spitze waren unpräzise, so dass sie nicht angenommen werden konnten und wenn dann mal was durchkam, wird halt nicht mal das leere Tor getroffen. Das hatte schon was von auf’m offenen Meer von Bord springen und das Wasser nicht treffen. Leider bewahrheiten sich bis jetzt unsere schlimmsten Befürchtungen.

Und komischerweise ist es mir egal. Wenn Cordoba die Kurve kriegt: Super. Und wenn nicht? Ja, dann nicht. Dann können wir uns ja nochmal über die Transferbilanz von Jörg Schmadtke unterhalten. Rudnevs, Clemens und Cordoba sind dann schon sowas wie drei Siebener beim Grand. Aber das ist ja ein Thema, das in Köln gerade nicht angesprochen werden darf. Tut mir leid, ich hör schon auf.

Der Sieg des HSV war verdient, die Mannschaft zeigte mehr Willen, mehr Einsatz und im eigenen Drittel die konzentriertere Verteidigungsleistung. So wie wir die Bälle vor dem 0:2 und 1:3 hergegeben haben, das hatte wenig mit Bundesliga-Fußball zu tun. Aber, hey, dafür gab es gestern morgen noch einen lustigen Clip zur Auslosung. Da lacht der Chinese und das neue Stadion in Kall baut sich fast von alleine.

Ach, wie gesagt, im Moment macht mir das alles nix mehr aus. Arsenal, Borisov und Belgrad nimmt uns keiner.

Weird Wednesday

Übermorgen wird also gelost. In Monaco. 13 Uhr. Und? Vorfreude? Aber ja. Aufgeregt bin ich. Wie Sau. Fahren wir nun irgendwo nach Kasachstan? Oder wird es Zulte Waregem? Müssen wir hektisch Flugreisen planen oder reicht der 9er Bus? Ich werde vor dem Fernseher sitzen und mir wird das Herz im Hals schlagen. Ja, doch, ich freue mich sehr auf Freitag. Abends dann noch das Spiel gegen den HSV, ein paar Bierchen trinken und sich in die Arme fallen. ‘Haste schon gebucht?’ ‘Alter, hast Du die Liste gesehen?’ ‘Mann, Mann, Mann, ich kann es nicht erwarten’. Und dennoch ist da der ‘kleine nie zufrieden Mann’ in meinem Kopf, der sich heute wieder Futter bekam. Der effzeh hat den ruhigen Mittwoch Vormittag genutzt um ein paar Sachen kundzutun:

1. Es wird ein Premium-Reiseangebot des effzeh geben. Heißt übersetzt: Karten sind geblockt und werden in diesem Bundle verkauft. Man muss sich also als Neckermann nicht mit dem Mitglieder-Pöbel in den Lostopf begeben, sondern bekommt seine Karten ganz bequem in der Pauschale. Interessant auch, dass der effzeh diese Angebot nicht nur an Mitglieder, sondern auch an Partner richtet. Es bietet sich also an zu denken, dass das z.B. für Firmen eine schöne Art und Weise ist mit Geschäftspartnern einen kleinen Trip zu unternehmen, oder? Diese geblockten Karten gehen vom Kontingent weg (wie soll es sonst sein?), also bleiben weniger für den Lostopf. Mein Problem damit ist nicht die Reise an sich, mein Problem sind die geblockten Karten. Warum hat der Mensch der diese Pauschalreise (gemeinsames Tages- bzw. Abendprogramm – heilige Scheisse) kaufen kann ein anderes Anrecht auf den Besuch des Spiels als ich. Oder als der Opa, der seit 1963 nach Müngersdorf geht und seine schmale Rente jedes Jahr im Sommer einmal stauchen muss, weil die neue Dauerkarte fällig wird? Natürlich kann ich den effzeh wirtschaftlich verstehen. Das nimmt man gerne mit und mit jedem verkauften Premium-Paket hat meinen einen potenziellen Asi aus dem Stadion raus. Nee, nee, das macht schon Sinn. Nur, muss ich das goutieren? Muss ich da dem Verein auf die Schulter klopfen?

Nehmen wir einmal an, wir bekommen wirklich Zulte Waregem zugelost. Das Regenboogstadion fasst 9.540 Plätze. Davon gehen 10% anscheinend sind es nur 5%, wie mir gerade gesagt wurde an den effzeh. Macht lässige 954 477 Auswärtskarten. Und von den paar Karten sind dann also nochmal was weiß ich wie viel (der effzeh gibt natürlich keine Auskunft – er antwortet einfach nicht) schon für die Premium-Reise geblockt? Na herzlichen Glückwunsch.

Natürlich könnte man mit einem Partner eine solche Reise auch nach Verlosung anbieten. Wer Glück hat, eine Karte bekommen hat aber keinen Bock auf Stress und Planung hat, wer es sich leisten kann, der kann das dann buchen und alles wäre gut. Natürlich würde diese Angebot angenommen werden, denn wie eben schon auf Twitter diskutiert ist nicht jeder Fan abenteuerlustig oder geldtechnisch nicht in der Lage das Angebot anzunehmen. Ich gehe stark davon aus, dass das für mich auch im Bereich des machbaren wäre aber darum geht es doch gar nicht. Die Diskussion hat nichts mit Sozialneid zu tun, sondern mit der Bevorzugung bei der Kartenvergabe.

Leute, Leute, ich warte genauso wie alle anderen seit 25 Jahren auf diesen einen Tag. Und weil ich vielleicht mit einer Gruppe allein anreisen will, weil ich keine Lust auf ein gemeinsames Tagesprogramm mit Animation und Toni Schumacher als Grüßaugust habe, habe ich auf einmal schlechtere Chancen? Und das wird auch noch verteidigt? Ja geht’s denn noch?

Nö. Es zeigt sich, dass die Entfremdung zwischen Vereinsspitze und “normalem Fan” so weit fortgeschritten ist, dass ich schwarz sehe, ob da in Zukunft noch etwas zu kitten ist. Es geht um Kohle, nicht mehr um “spürbar anders”. Das ist jetzt nicht sonderlich überraschend aber gerade beim Thema Europa tut es schon sehr weh. Der 1.FC Köln als romantischer Fußballverein ist eine lange entschwundene Phantasie. Haste Kohle und machst unseren Scheiss mit, hier, bitte, Deine Karte. Ansonsten ziehen wir halt noch ein paar Karten für den Pöbel, es soll ja auch stimmungsvoll werden. Diese Denke geht heute noch gut. Morgen nicht mehr.

2. Hier schließt die zweite Meldung des Mittwoch nahtlos an: Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum Stadionausbau liegt vor und ist (vorsichtig umschrieben) eher ernüchternd für den Standort Müngersdorf. Es war ja schon seit Monaten so, dass wir mit dem schlimmsten rechnen mussten aber in dieser Stellungnahme des 1.FC Köln ist so wenig Platz für Interpretation, dass es schon fast wohltuend ehrlich ist: Müngersdorf wird nix, wir müssen einen anderen Platz finden. Ob nun Kerpen oder rechtsrheinisch ist egal, es wird weg aus Müngersdorf gehen und damit macht der effzeh wahrscheinlich den Schritt, der ihn für mich völlig kaputtmachen wird. Vielleicht ist das neue Stadion immer noch voll. Vielleicht wächst eine neue Generation von Fans heran, die Müngersdorf nur aus Erzählungen kannten, vielleicht wird das alles so geräuschlos ablaufen wie in München. Kann sein. Es wird für mich das Ende des Fansein sein. Der 1.FC Köln gehört nach Müngersdorf. Das ist in meinen Augen auch gar nicht diskutabel. Da kann es doch keine zwei Meinungen geben. Und wenn man nicht größer bauen kann, dann bleibt man eben bei 50.000 Zuschauern. Liverpool sitzt seit 1884 in Anfield und auf 45.000 Zuschauern fest. Jetzt bauen die zwar auf 60.000 aus aber glaubt ihr jemand käme auf die Idee zu sagen: Jungs, wir können für jedes Spiel 100.000 Chinesen einschiffen lassen, lasst mal ein neues Stadion in Kirkby oder so bauen? Natürlich nicht. Weil es identitätsstiftend ist, weil es zur Geschichte des Vereins gehört. Fragt mal 100 Leute in welchem Stadtteil von Bremen / Augsburg / München / Stuttgart etc.pp. das Stadion des Vereins liegt. Ich weiß es nicht. Fragt die gleichen 100 Nicht Kölner Fußballfans und jeder weiß, dass es Müngersdorf ist (okay, der alte Name ist ein Hinweis aber der ist ja auch schon lange nicht mehr da). Es gehört zur DNA des 1.FC Köln, dass die Heimspiele in Müngersdorf ausgetragen werden. Alles andere ist unvorstellbar.

Und doch wird es so kommen. Wir werden den Verein nicht mehr wiedererkennen. Karten für Europa? Garantiert nur für Sponsoren, Firmen und Geldsäcke. Müngersdorf? Überbewertet. Darum: Dieses Jahr noch alles mitnehmen. Einmal noch durch Europa tanzen. Ein letztes weißes Taschentuch schwenken und tschüss sagen.

Es waren aufregende Jahre.

Gladbach – FC: Der Charme des Nutzlosen

Das erste Spiel der Saison wird ja gerne mal als “Gradmesser”, als “Standortbestimmung” bewertet. Offizielle, Spieler und Fans können die Vorbereitung auch nur als Indizienprozess für den tatsächlichen Leistungsstand des Teams nehmen. Und dann musst du nach Gladbach und bist nach dem Spiel auch nicht viel klüger als vorher. Es ist jedes Jahr so: Die Stärke des Teams wird sich Ende September herauskristallisiert haben, bis dahin ist das alles nur Kaffeesatzleserei. Natürlich ist eine Derbyniederlage nie schön und natürlich stellt man sich den Saisonauftakt anders vor aber auf der anderen Seite müssen wir uns auch immer wieder vor Augen führen, dass Borussia Mönchengladbach ein paar Jahre Vorsprung in der Entwicklung hat, dass der 1.FC Köln völlig natürlich nicht auf Augenhöhe mit Borussia ist. Sein kann. Es benötigt kein Geheimwissen um zu verstehen, dass die letzte Saison ein Ausreißer war, sowohl im positiven vom effzeh als auch im negativen von Gladbach. Als effzeh ist es eigentlich völlig natürlich auswärts in Gladbach zu verlieren, da können wir Zeter und Mordio schreien, wie wir wollen, da können wir von Freistoßtoren träumen und beten und uns selbst geißeln, es ist schlicht und ergreifend keine Überraschung, dass die Saison 2017/18 mit einer Niederlage startet.

Trotzdem tut es natürlich weh. Wenn ich die Hand in kochendes Wasser halte, dann ist es keine Überraschung, wenn mir danach die Haut in Fetzen vom Fleisch hängt, es soll niemand sagen, dass es nicht abzusehen war. Aber gut, Schmerzen hat man dennoch. Nehme ich an, ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen.

Die Borussia war bis zum 1:0 die spielbestimmende Mannschaft, sie hatte die besseren Ideen, mehr Ballbesitz, kamen mir auch giftiger und entschlossener vor als der 1.FC Köln. Sie hätten in der ersten Halbzeit schon ein paar Tore schießen können, wir hätten uns über einen Pausenrückstand nicht beschweren dürfen auch wenn auf der anderen Seite Cordoba ein paar Chancen hatte, die aus Kontersituationen entstanden aber nicht verwertet wurden.

Ich habe mich schon geärgert, das muss ich ja zugeben, weil eben die Chancen nicht genutzt wurden aber mir liegt es fern die Schuld an der Niederlage an Cordoba fest zu machen. Ich sage aber (und ich denke einfach, dass das auch gar nicht so falsch ist), dass ein Stürmer eben daran gemessen wird, was am Ende rauskommt und wenn er sieben Torchancen hat und dabei kein Tor schießt, dann ist das eben keine richtig gute Leistung für einen Stürmer. Da kann er Räume schaffen wie er will, da kann er arbeiten und rackern und laufen wie ein Zucht-Kaninchen, wenn am Ende nur Fehlschüsse rauskommen, dann kann man das ruhig ansprechen.

Natürlich hängt die geisteskranke Ablöse wie ein Damoklesschwert über ihm aber das ist dann eben auch Teil des Geschäfts, da kann ich ja nix für, dass die Erwartungen an ihn andere sind als an… sagen wir mal… Christian Clemens. Mainz wie es singt und lacht. Aber so ist es nun mal. Die Angst, dass der effzeh einen engagierten, jungen aber völlig nutzlosen Spieler gekauft hat, ist einfach da. Ich hoffe einfach, dass das nicht so ist, denn natürlich ist es bei allem Ärger um nicht genutzte Chancen schon mal ein gutes Zeichen, dass er die Chance überhaupt hatte. Gegen einen starken Gegner, der nach dem Führungstreffer zugegebenermaßen ein wenig passiver wurde und in der letzten Viertelstunde in den Heckingschen Überlebensmodus überging (was übrigens der Grund sein wird, dass die Borussia auch dieses Jahr keine große Rolle in der Liga spielen wird – vielleicht reicht es für Europa aber nicht für mehr. Man gab das Spiel völlig unnötig aus der Hand, zog sich viel zu weit zurück und eine bessere, bzw. abschlusssicherer Mannschaft bestraft das).

Nein, eigentlich kann man Cordoba gar nicht viel vorwerfen. Außer dass er halt sieben Chancen hatte und am Ende dennoch die Null steht. Am Ende ist das aber gar nicht so tragisch, denn Tore werden kommen, wenn die Chancen weiter so kreiert werden. Irgendwann kommt das eine Prozent mehr Entschlossenheit ganz automatisch. Jedenfalls wünsche ich mir das und mit Peter Stöger an der Linie haben wir natürlich genau den richtigen Mann zur Spielerentwicklung.

Auffällig war mMn auch wie sehr Yuya Osako dem Team im offensiven Mittelfeld gefehlt hat. Jonas Hector, der versuchte sich mehr und mehr in der Spielgestaltung einzubringen und dabei ein ums andere Mal etwas fahrig wirkte. Bälle in den Rücken, falsche Pass-Entscheidungen, ein paar Stockfehler in der Ballannahme. An dieser neuralgischen Position an der Hector agierte, ergaben die aus den Fehlern resultierenden Ballverluste immer wieder gefährliche Umschalt-Situationen für den Gegner, die dann wenig Mühe hatte unsere Außen zu überspielen, weil ja alles in der Vorwärtsbewegung war. Osako hätte Hector eine völlig andere Entlastung in der Zentrale und im Spiel nach vorne geben können.

Ach scheisse, es hat mich trotzdem geärgert wie nichts gutes. Am Ende hatte Gladbach Glück. Mann ey.

Naja. Wie sagte Lothar Matthäus gestern so schön: “Wäre, wäre, Fahrradkette”. Machste nix.

Am Freitag startet die Saison dann auch in Müngersdorf, der HSV ist zu Gast und wir haben in allen Mannschaftsteilen Luft nach oben. Ich hoffe die Mannschaft nimmt die positiven Aspekte des Spiels mit, erkennt, dass die Chancen ja da waren und einfach nur mal genutzt werden müssen. Das hört sich jetzt nach einem Spiel harscher an, als es gemeint ist, das müsst ihr mir glauben. Risse und Jojic haben ebenfalls noch etwas Platz auf der Leiter in den Legendenhimmel aber auch hier ist es viel zu früh zu meckern, deshalb lass ich das auch sein. Wir sind die bessere Mannschaft, davon bin ich fest überzeugt.

Ebenfalls am Freitag findet die Auslosung zur Europa League statt. 13 Uhr. Vielleicht freue ich mich darauf sogar noch mehr als auf das Spiel. Ich kann es kaum abwarten.

Damit ist die neue Saison auf dem Weg, es wird sich schon alles ausgehen, da bin ich sicher, viel zu groß ist mein Vertrauen in die Mannschaft und den Trainer. Das Spiel in Gladbach wird keinen roten Faden für die Saison starten. Im Gegenteil, manchmal hat das Nutzlose ja sogar einen gewissen Charme.

Come on effzeh!

Bockcast #089

Die neue Saison steht vor der Tür und irgendwie ist die Stimmung nur so lala. Eigentlich sollten wir jetzt schon mit angespitztem Bleistift über dem Diercke Schulatlas hocken und uns die idealen Reisewege in alle möglichen Destinationen erarbeiten aber so richtig hat sich die Euphorie noch nicht über den Sommer gerettet. Natürlich freuen wir uns auf den Europapokal und natürlich ist das alles etwas ganz besonderes aber leider gibt es auch jede Menge Nebenkriegsschauplätze.

Zusammen mit Martin und Thomas spreche ich sowohl über die sportlichen Aspekte der kommenden Saison als auch über alles andere.

Zum Schluss gibt es dann noch ein kleines persönliches Statement.

Maat et joot und Come on effzeh!