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Pfandtflasche

Also wirklich. Ich habe heute das Vergnügen gehabt, den aller,- aller-,allerschlechtesten Kommentator ever erlebt zu haben:
Bei SAT.1, mit Würde und Stolz. Meine Damen und Herren: Holger Pfandt. Gegen den Mann ist Erich Laaser pures Gold und er hat sogar Tom Bartels vom Thron gestoßen. Eine Leistung, die ich nicht für möglich gehalten habe. Ich habe noch nie, nie, nie so einen Scheiss gehört:

“Boateng geht rein wie ein Kungfu-Hase”
“Kurze Gesichter in Fulham, lange Gesichter beim HSV”
“Heute bei Kerner: Zwei Frauen die eine Leiche schmuggeln wollten…da kommt Pitroipa”
“Da passiert heute nix. Ich hab keine Angst”

Der Mann erzählt davon, dass der HSV “klarer nach vorne spielen soll”. Aha.
Dann sieht er ständig Fouls die keine sind, kommentiert dann, dass der Schiedsrichter “das Foul nicht ahndet” und ist entsprechend entrüstet.
Er liest das Spiel falsch, erkannte ständig eine bärenstarke HSV-Mannschaft, die in Wirklichkeit spätestens ab der 65. Minute eher fahrig und unkonzentriert wirkte und um den Ausgleich förmlich gebettelt hat. Bestimmt vier-, fünf Mal strengte er den Vergleich zum Hoffenheim-Spiel des HSV an, um dem dummen Zuschauer deutlich zu machen, dass der HSV sich nicht abschlachten läßt. Na danke schön!
Pfandt bemängelt, dass die “Ballverluste ein bißchen zu schnell passieren”, dabei war fast jeder Pass des HSV ein Risikoerlebnis. Besonders Zé Roberto und Demel waren extrem unsicher.
Dass der HSV das Spiel noch abschenkt, war spätestens klar, nachdem Pfandt erkärte dass mit “dieser Leistung gar nix passieren kann”, er “hätte keine Angst”. Sein schönster Satz war aber:

“Ohne das blöde 1:1 wär das Siegtor nicht gefallen”

No Shit, Sherlock?

Der HSV verspielt das Finale im eigenen Stadion. Schade.
Was sich SAT.1 allerdings mit ihrem “Reporter” geleistet hat war nichts anderes als eine Frechheit.

Jäger & Sammler

Werder Bremen - FC: Ein Gesellschaftsstück

Warum ich die “Wilde Horde” verachte

Der Abend war schon in den Morgen übergegangen, als ich mit einem Kumpel im Schmelztiegel noch ein oder zwei Absacker trinken wollte. An der Theke eine Horde besoffener Kinder in Köln-Devotionalien. Paar Jungs, paar Mädchen, da denkste dir wenig bei, denn in Köln -an ´nem Samstag- sieht man ja an jeder Ecke solche Gruppen. Gut. Wir also in den Laden rein, mein Kumpel will was bestellen, ich musste erstmal woanders hin. Zwei Minuten später seh ich nur noch wie einer der Besoffskis versucht eine rechte Grade ans Kinn des Freundes zu plazieren, zum Glück kann der aber schnell genug ausweichen und schon gibt es einen Riesentumult in der Kneipe. Ich stell mich erstmal dazwischen, will ergründen was los ist, da kommt ein Typ auf mich zu und meint ich soll mich “verpissen, hier trinkt heute die Wilde Horde”. Musste ich erstmal herzhaft lachen.

Leider verging mir das ziemlich schnell, weil es dann doch ein paar Typen zu viel waren um ernsthaft Streit zu suchen. Mein Kumpel war in der Zwischenzeit Richtung Ausgang marschiert, weil er auf den Stress keine Lust hatte. Er kam aber gar nicht an die frische Luft, weil plötzlich die Polizei im Laden auftaucht. Der Kellner, der die Schmier gerufen hatte, erzählte uns später, dass die Toilettenfrau ihn eine Minute bevor die Situation eskalierte darauf aufmerksam gemacht hat, dass der Typ der sich schlagen wollte, anscheinend super aggressiv sei und man den im Auge behalten sollte. Der Mann hinter der Theke sieht also die Situation, fackelt nicht lange und ruft direkt die 110. Hat vielleicht zwei Minuten gedauert, da standen die im Raum. Jetzt wird es aber erst richtig tumultig. Schreit doch ein Mädel aus der Gruppe (in einem Tonfall und mit Worten, die ich hier nicht wiedergeben möchte und mir die Schamröte in´s Gesicht trieb) den ersten Polizisten an, ein Typ aus der Gruppe schreit in Richtung meines Kumpels, dass dieser ein Messer gezogen hätte (was natürlich gelogen ist) und der Asi, der den Streit angefangen hat, geht ohne zu zögern auf den zweiten Polizisten drauf und fängt an auf die Staatsmacht einzuschlagen. Huch. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ganz schnell ein paar weitere Einsatzwagen vor der Tür standen und Tabula rasa gemacht haben. Das Ende vom Lied war, dass der Aggressor schwer auf´s Maul bekommen hat und mit der Acht abgeführt wurde, die ganze Gruppe “Wilde Horde” rausgeschmissen wurde und wir endlich etwas zu trinken bestellen konnten.
Jetzt kann man sagen, gut, passiert jeden Tag irgendwo, ist jetzt nichts “Wilde Horde”-Exklusives. Das stimmt wohl aber der Anlass passt zu schön in mein Bild dieser Gruppierung: Es ging wohl ursprünglich darum, dass mein Kumpel in die Karte schauen wollte, die an der Theke lag und mit dieser Handlung schon in die Besitzrechte der “Wilden Horde” eingedrungen ist. Das ist ja schon mal lächerlich genug. Jetzt hat sich der Freund aber auch noch erdreistet so ganz ohne Köln-Outfit in den Schmelztiegel zu gehen. Kein Trikot, kein Schal, nix. Jeans, Hemd, Schuhe, Uhr. Nix rot-weißes dabei. Das passte unserem Äffchen wohl auch nicht in den Kram und so wurde ich dann hinterher angemacht, dass das doch klar sei, wenn der (also der Schläger) denkt, der (mein Kumpel) wär nich effzeh.Geile Einstellung, oder? Aber das passt zum Selbstverständnis der Horde. Nur wir. Sonst nichts.

In Müngersdorf gab es früher noch die C.C.A.A., die im Oberrang Süd für Stimmung und Choreographien gesorgt haben. Die Mitglieder waren so mein Alter, meine Generation. Irgendwann kam es dann zur Abspaltung der etwas jüngeren Mitglieder zur “Wilden Horde”, die ziemlich zügig (auch auf Druck der Dauerkartenbesitzer im Oberrang, denen das Geplärre der Kinder recht schnell auf den Geist ging)  in den Unterrang Süd wechselten und heute die einzig relevante “Ultra-Gruppierung” in Köln darstellt.

Dass mir das ganze “harter-Mann-getue” und “per sempre Colonia” eh schon schwer auf den Geist geht, damit muß ich leben. Die Ultras sind mittlerweile ein Teil der Stadionkultur. Ich will das auch gar nicht in Frage stellen. Sollen sie machen, sollen mich dabei nur in Ruhe lassen. Die Konsequenz aus der Ultra-Bewegung ist doch, dass es in Köln doch  kaum noch eine lebende, sich  entwickelnde Fanszene gibt. Früher konnte man in die Südkurve gehen und irgendeiner hat was gesungen, dann wurde mitgesungen oder nicht und wenn nicht, hat ein anderer gesungen. Heute steht ein “Capo” auf´m Zaun, sieht nichts vom Spiel hat aber ein Megaphon in der Hand und diktiert dem Block was zu singen ist. Meistens ist das dann “Erster Fussballclub Köln”. Mit der “Wilden Horde” starb die Südkurve als “heterogene Einheit” und wurde zu einem reinen Chor, der die Vorgaben der Ultras umzusetzten hat. Wie gesagt, ich bin davon nicht betroffen, ich habe der Südkurve schon vor vielen Jahren den Rücken gekehrt aber wie soll der Fan-Nachwuchs eine eigenständige Kultur entwickeln, wenn er von klein an nur dazu da ist “Teil der Masse” zu sein um mal mit Buford zu sprechen? Ich habe ein Problem damit, mich instrumentalisieren zu lassen bzw. lassen zu müssen. Leider ist die heutige Fan-Generation gar nicht mehr in der Lage zu erkennen, dass es sich um einen Brainwash handelt, weil die erstens: nichts anderes kennen und zweitens eh immer dümmer werden.  Sicherlich ist das nicht nur in Köln ein Problem. Schlag nach bei Sankt Pauli, deren Ultras gegen Rostock einfach einen Block sperrten und jeden Zuschauer vom betreten abhielten. Hier kommen wir dann wieder zum Selbstverständnis der Ultras zurück: Nur wir. Das überträgt sich dann anscheinend auch in das Lebens außerhalb des Stadions und führt zu der oben beschriebenen Situation. Nur wir. Und deshalb habe ich für diese Leute nichts übrig.

Kurz noch ein paar Sätze zum Spiel: Der FC natürlich mit einer eher defensiven Ausrichtung aber (vor allem in der ersten Halbzeit) einigen schönen Kontersituationen von denen Podolski eine hundertprozentige versiebt. Novakovic hatte die zweite Chance, traf aber nach schöner Ehret-Flanke nur die Latte. Werder in der ersten Halbzeit schwach, nach der Pause mit viel Druck aber wenigen Tormöglichkeiten. Natürlich gab es immer wieder Bälle in den Strafraum und auch ein paar Schüsse aufs Tor aber Thomas Kessler war gestern ein ausgezeichneter Mondragon-Ersatz und die Innenverteidigung mit Geromel und Mohammad stand sehr sicher und konnte die meisten gefährlichen Szenen schon vor Entstehung vereiteln. In der Nachspielzeit rettet Geromel klar mit der Hand, kassiert rot, Elfmeter, Frings, Tor. Auf der einen Seite ist das zwar schade für den FC, auf der anderen Seite ist zumindest Bremen wieder vor Leverkusen.

Interessante Zwischentöne gab es von Michael Meier im Halbzeitinterview, der einen sehr optimistischen Eindruck machte, was einen Verbleib von Tosic in Köln angeht. Natürlich muß er sagen, daß wenn ManU ihn zurück haben will, der FC keine Chance hat aber es hörte sich für mich nicht so an als hätte er bisher Signale aus England erhalten, die eine Rückkehr an die Tame nahelegen würden. Da hätte ich wenig gegen. Bei Petit wurde unter der Woche die Option bis 2011 gezogen, er bleibt also noch mindestens ein Jahr in Köln. Wie es bei Maniche aussieht, weiß ich nicht.

Nächste Woche steigt das letzte Heimspiel der Saison gegen Freiburg. Allein schon um den Abstiegskampf nicht zu beeinflussen sollte die Mannschaft nochmal alles geben und für einen versöhnlichen Abschluss der Runde sorgen.

So, das war´s. Ich hab immer noch ´nen Hals!

Asi-Alarm

Lange nicht mehr so geschämt:
Wie kann man diese Horde auf den Vorplatz unserer Kathedrale lassen? Gibt es etwas unwürdigeres?

Geht´s halt alle scheissen!

Neulich bei Twitter

It's a hard knock life

“So lasst uns noch einmal vereint
Die vollen Gläser schwingen;
Der Abschied werde nicht geweint,
Den Abschied sollt ihr singen.”

August von Platen

BigScreen: Kick-Ass

Kick-Ass, USA 2010, © MarvFilm & Lionsgate

Matthew Vaughn liefert nach dem wunderschönen Stardust einen weiteren Beweis seiner Fähigkeiten. Selten war ein Superheldenfilm kurzweiliger als dieser völliger überzogene aber niemals ins banale abweichende Streifen.

Dave Lizewski ist ein Nerd. Comicbook-kid-kind-of-guy. An seiner Highschool hält man ihn für schwul, er hat zwei männliche Nerdfreunde und holt sich gern mal einen -auf einen Naturstamm im Discovery Channel- runter. Alles mehr oder weniger spät-pubertär. Die Mutter früh tot, der Vater irgendwie anständig aber langweilig, das Leben an sich hat wenig zu bieten für Dave. Er ist ein leichtes Opfer für Straßenräuber und Bullys, träumt aber davon es der Welt zu zeigen und mit Zivilcourage ein Vorbild zu sein. “Kick-Ass” ist geboren. Nach ein paar Fehlschlägen und einer Lehrphase die durch die ebenfalls maskierten “Hitgirl” und “BigDaddy” (Tochter und Ex-Cop-Vater) unterstützt wird, erlangt der Teen schnell Ruhm und erregt die Aufmerksamkeit der Unterwelt. So weit, in sehr groben Zügen, die eigentliche Story. Natürlich fügt sich alles zusammen, die Helden müssen/wollen den Unterweltboss besiegen, der kontert mit dem eigenen Sohn als Spion-Superheld “Red Mist” und irgendwann…aber ihr werdet es ja sicher selber sehen wollen, nicht wahr?

Die erste große Überraschung ist die Charakterbildung, für die sich Vaughn ausführlich Zeit nimmt. Man lernt die Protagonisten kennen, ihre Motive und Träume, man fühlt sich verbunden und erlebt praktisch die Metamorphose zum selbst ernannten Helden mit. Das ist außerordentlich klug inszeniert. Der Film nimmt nach einer halben Stunde dann aber so richtig Fahrt auf. Die Kampf- und Gewaltszenen sind natürlich völlig überzogen aber das macht nichts. Richtig ernst nimmt sich der Film zum Glück nämlich nicht, auch wenn man ab und an ein kleines Plädoyer für ein wenig mehr Zivilcourage erahnen kann, der erhobene Zeigefinder bleibt stecken. Der gesamte Film ist in kühlen blauen Farben gehalten, hier bildet die sehr stylische Comicrückschau zur Vorgeschichte des tödlichen Vater-Tochter-Duos die Ausnahme. Sonst, wie gesagt eher kühl und funktional aber immer überzeugend und einfach gutes Handwerk.

Die Schauspieler sind anständig, Nick Cage ist Nick Cage, ist Nick Cage, da kann man nichts machen. Er ist aber bei weitem nicht so nervig wie sonst, was aber natürlich auch daran liegt, dass seine Rolle nicht die Allergrößte ist. Die Sensation schlechthin ist Chloe Moretz, die die elfjährige “Hitgirl” mit einer Verve spielt, die einen sofort gefangen nimmt. Sie schlachtet mit einem süßen Augenaufschlag innerhalb einer Minute einen ganzen Raum Junkies -brutalmöglichst- ab und man wünscht sich umgehend so eine Tochter! Grandiose Leistung! Sie wird übrigens beim US-Remake von “Let the right one in” (unsinnigerweise in den Staaten nur “Let me in” betitelt) Eli (oder hier: Abby) spielen. Spätestens danach wird sie ein Star sein. Mark my words.

Insgesamt haben wir also eine Mischung aus Leon (besonders die Erstürmung des Hauptquartiers erinnert sehr stark an Luc Bessons Klassiker), einer kleinen Coming-of-Age-Geschichte, John Woo und Tarantino (vor allem der Sprache wegen), die immer unterhält und einfach viel Spaß macht zu schauen. Dem Ende nach wird es einen zweiten Teil geben, ich setzt den kommerziellen Erfolg einfach mal voraus. Dieser wird dann eher in Richtung Spiderman 2 gehen, nehm´ ich mal an.

Eine absolute Empfehlung für ungetrübtes Kinovergnügen ohne große Interpretationsmöglichkeiten. Keine Kunst aber gutes Kino. Und das ist doch auch was wert, nicht wahr? Ab morgen im deutschen Kino.

★★★★☆

FC - VfL Bochum: Sweet Caroline

Reachin’ out…Touchin’ me…Touchin’ you!

Nach gefühlten zweihundert Jahren verdirbt mir der FC mal nicht einen Feierabend nach einem Heimspiel! Großartig!
Gegen den VfL begann die Mannschaft meines Herzens engagiert, fast schon druckvoll und willens es den Fans Recht zu machen. Schüsse aus allen möglichen Lagen aufs Tor, passischer und immer um Spielkontrolle bemüht. Kann man mal machen. Nach zwei wunderschönen Toren von Tosic ist der FC also gerettet. Na wenigstens etwas nach einer spielerisch doch über weite Strecken verkorsten Saison, doch bleiben wir erstmal beim gestrigen Spiel:

Aus der Not geboren brachte Soldo auf links den, nach langer Verletzung wieder fit scheinenden, Fabrice Ehret, dazu Taner Yalcin und Kevin McKenna für die gesperrten Maniche und Mohammad. Auf links kam damit eine druckvolle Variante ins Spiel, die uns (fast) die gesamte Saison abgegangen ist. Ein ums andere Mal startet der schnelle Franzose seine Flügelläufe und brachte damit die Bochumer ständig in Schwierigkeiten, die sich anscheinend zu stark auf Podolski eingestellt hatten. Dieser wurde über das ganze Spiel gedoppelt, was ihn aber nicht davon abhielt eine starke Leistung zu zeigen. Kampfstark, lauffreudig, den Kopf immer oben und mit ein paar sehr schönen Pässen und Flankenwechseln. Teilweise sah das schon fast nach Fußball aus!
Matuschyk spielte ein wenig zurück gezogen, an der Seite von Petit, auf rechts der gewohnte Brecko und hinten hielten Geromel und McKenna die wenigen Bochumer Bemühungen -stets sauber- von allen Gefahren fern.

Das 1:0 fiel nach einem Traumpass von Yalcin auf Tosic, der aus spitzem Winkel einschob. Viertelstunde gespielt und der FC führt! ZUHAUSE! Fucking great shit! Die Bochumer präsentierten sich in der Folgezeit richtig, richtig schwach. Wie ein Abstiegskandidat eben. Kaum ein aufbäumen, wenig Präsenz in den Zweikämpfen, fahrig und ohne jeden Druck nach vorne. Der FC verwaltetet den Sieg ohne wirkliche Mühe.
Jetzt können wir drüber streiten, ob man zu wenig nach vorne gemacht hat oder nicht, denn gegen diesen Gegner waren mehr als zwei Tore drin. Müßig, denn Soldo wählte die konservative Variante und niemand kann dem Mann einen Vorwurf machen, denn was hätten wir getobt, wenn man den Bochumern ohne Not ins Messer gelaufen wäre. So kam es dann zu einem unaufgeregten Spiel, dass mit einer wirklich schönen Kombination zwischen Tosic und Podolski seinen Höhepunkt in der zweiten Halbzeit hatte. Tosic dribbelt sich über rechts durch drei Bochumer, in der Mitte reißt Poldi alleine durch seine Anwesenheit ein Loch in der Größe des Starnberger Sees, Tosic sieht das, spielt ab, Podolski ist klug genug nichts selbst zu versuchen, sondern spielt den Doppelpass, der den VfL auf dem ganz falschen Fuß erwischt und Tosic fackelt nicht lange und kickt überlegt und überlegen zum entscheidenden Tor ein. Puh! Große Freude unter den Fans.

Nun sind wir also auch unsere theoretischen Abstiegssorgen los. Freiburg und Nürnberg stehlen sich die Punkte heute gegenseitig, so dass es nur zu drei Mal 28 Pkt. kommen kann und bei dieser Rechnung ist 96 und Hertha noch nicht mal berücksichtigt. Also gut. Drei Jahre in Folge erste Liga. Hatten wir auch schon lange nicht mehr in Köln. Jetzt spätestens müssen die Planungen für den Herbst beginnen.

Ich hoffe sehr, dass Tosic bei uns bleiben darf, denn der Junge gefällt mir einfach. Klar, geht auch mal ein Dribbling daneben und manche Torschüsse sind…ähm…ambitioniert, aber er traut sich einfach was. Das ist unbekümmert und schön anzusehen. Mit Alexandru Ionita bekommen wir einen weiteren offensiven Mann, der die Misere rund um die 10er Position beheben soll. Ich hab mir noch nicht wirklich ein Bild von dem Mann gemacht, aber was man so hört soll er ja wirklich talentiert sein und mit seinem “schwierigen Charakter” bestens zu uns passen. Chihi wird auch wieder fit werden. Bleibt zu hoffen, dass er an seine Form vor der Verletzung anknüpfen kann. Vielleicht gelingt dem FC ja wirklich mal ein Schritt nach vorne. Es wär mir zu wünschen!

Bleibt noch die Trainer-Diskussion. Ich bleibe dabei, dass ich Soldo für den falschen Mann halte. Ich weiß, ich weiß, jetzt krieg ich´s wieder um die Ohren, von wegen “Ziel erreicht”, “unter Daum auch nicht besser” und “einfach mal die Fresse halten”. Yadda, Yadda! Folgendes:
Natürlich kann man der Mannschaft vorhalten ihren Trainer in dieser Saison mehr als einmal im Stich gelassen zu haben. Natürlich kann man dem Mann nicht vorwerfen, dass der Verein Verletzungspech hatte und einen hammerharten Auftaktsspielplan, der die Verantwortlichen früh unter Druck setzte. Keine Frage. Was ich ihm jedoch vorwerfe ist seine -in meinen Augen- lethargische Art die Spiele zu verwalten. Ich hätte mir oftmals eine frühere Auswechslung gewünscht, ich halte Podolski immer noch für falsch aufgesetellt und (was am schlimmsten ist) der Fußball, den er spielen lässt, war teilweise nicht anzusehen. Gut, jetzt kann man argumentieren, dass mit dieser Mannschaft nichts anderes drin gewesen sei, dass das Ergebnis über allem stehen muss und dass er ein junger Trainer ist, der sicher Potenzial hat und endlich einmal so etwas wie Kontinuität in den Verein kommt, wenn er denn bleibt. Ich lasse diese Argumente alle gelten und ich habe auch generell nichts gegen eine Lernphase, nur, sehe ich über die gesamte Saison keinerlei Entwicklung. Die Mannschaft spielt wie am ersten Tag. Mal hat Poldi einen guten Tag, mal trifft Novakovic, mal spielen Maniche und Petit ganz gut zusammen…aber machmal und, wenn wir ehrlich sind, öfter, ist dies eben nicht der Fall. Dann ist das Spiel des FC geprägt von Hilfslosigkeit, Einfallsarmut und einer gewissen Söldner-Mentalität, die ich als Fan und Zuschauer nicht bereit bin hin zu nehmen. Da ist dann Soldo gefragt und hier stelle ich ihn in Frage. Ich weiß, dass man das alles anders sehen kann aber ich hab nunmal nur ein paar Augen und die sehen die Dinge halt so. Was ja nicht heißen muß, dass ich mir nicht wünschen würde auch mit einem Trainer Soldo Erfolg zu haben. Um Himmels Willen. Sollte der Vorstand am Trainer festhalten, wünsche ich ihm in der nächsten Saison von Herzen alles Gute und ich könnte gut damit umgehen im Unrecht gewesen zu sein!

Kap der Angst

Knapp zwei Monate sind es noch bis zur ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden. Gastgeber Südafrika wird am 11. Juni das Eröffnungsspiel gegen Mexiko im nagelneuen SoccerCity Stadion in Johannesburg bestreiten.Es wird kalt sein. Und leer?

Die Granden der FIFA hatten jahrelang Zeit um auf die Situation am Kap einzugehen. Aber nein, es wurde gewartet und gehofft, dass die große “Fußball-Familie”, die Sepp Blatter immer so gerne beschwört alle Bedenken über Bord wirft und zur WM erscheint. War ja immer so. Selbst für das o.e. Eröffnungsspiel sind noch Karten zu haben, wie für alle anderen Spiele des Turniers auch, exklusive des Finales, da haben die Sponsoren keine Gnade gekannt und die (Frei)Karten behalten. Die FIFA muss (nach eigenen Angaben) noch rund 500.000 Tickets an den Mann bringen. Dies soll mit einer Re-Katerogisierung[sic!] geschehen, die es den Südafrikanern ermöglichen soll zu günstigen Preisen den Spielen beizuwohnen. Bisher wurden die Tickets ausschließlich über das Internet-Portal der FIFA verhökert, was zu heftiger Kritik in Afrika führte, weil die (überwiegend schwarzen) Fußballfans in der Regel keine Kreditkarte besitzen und, zu großen Teilen, auch keinen Zugang zum Internet haben. Zudem sind 19,- Euro zu teuer für ein Land in dem Spitzenfußball selten einen Eintrittspreis über 2,- Euro verlangt. Jetzt werden also die -von den Sponsoren zurück gegebenen- Tickets der (ehemaligen?) Kategorie 4 für kleines Geld im Supermarkt verkauft. Man hatte auf die Welt gehofft und muss sich nun eingestehen, dass alles warten, appellieren und beten nichts genutzt hat. Jetzt sollen die Stadien also mit Einheimischen “aufgefüllt” werden. Ich bin da sehr skeptisch. Schlauer werden wir spätestens am 12.06. sein, wenn in Port Elisabeth Südkorea gegen Griechenland antritt. Ich tippe mal auf Béla Réthy gegen 5.000 Vuvuzelas. Das wird ein Spaß!

Die Kartensituation in Deutschland hat sich laut Horst R. Schmidt etwas beruhigt, ca. 35.000 Tickets wurden hier abgesetzt. Leider vergisst der gute Mann zu erwähnen, dass viele Reiseanbieter, die in die Statistik mit einfließen wie Sauerbier auf den Karten sitzen bleiben. Andere Quellen sprachen im Januar von etwas mehr als 1.000 Karten pro Spiel der deutschen Mannschaft. Das ist wenig. Wie soll sich diese Zahl innerhalb von drei Monaten verzehnfacht haben? Wenn ich mir mal einen beliebigen Reiseanbieter raus suche, dann stell ich dies noch weiter in Frage. Hier kostet das günstigste Angebot ab(!!!) 2.979 Euro. Enthalten ist ein Ticket für Deutschland – Australien und als Bonus Südafrika gegen Uruguay. Wenn ich dann auch noch lese:

“Flughafen-, Stadion- und Fanpark- Transfers im landestypischen, klimatisierten Bus”

bin ich um eine Sorge reicher. Ob das ein wirklich gutes Verkaufsargument ist?

In den anderen, normalerweise ebenfalls reisefreudigen Länder sieht es nicht wirklich besser aus, England, Spanien, Holland, Frankreich. Nirgendwo kommt der Verkauf wirklich in die Gänge. Nur in Brasilien sind die Karten so gut wie vergeben – was soll die auch schocken?

Letztlich ist es wohl so, dass die Ressentiments gegen die WM in Afrika größer waren und sind als es die Herren der FIFA angenommen haben. Ich kann das nachvollziehen. Nochmal Horst R. Schmidt, Berater des WM-Organisationskomitees:

“Das Phänomen der Gewalt wird bei der WM eine Rolle spielen. In der Statistik gibt es zwar Fortschritte, allerdings ohne dass man von der bedenklichen Gesamtbilanz wegkommt. Während der WM wird aber eine starke Polizei-Präsenz vorhanden sein. Die Fans sollten sich nicht auf Abenteuer einlassen. Man sollte in Gruppen unterwegs sein und nicht in gewisse Bereiche der Großstädte gehen”

Möchte man so etwas aus dem Mund eines Offiziellen hören? Wie schlimm ist es dann wirklich in dem Land der 18.000 Morde/Jahr? Dann kommen noch ein paar infrastruktuelle Gesichtspunkt dazu, wie z.B. das Schnellbussytem, das nun wohl gescheitert ist, dann ist Winter, dann sind die Hotels so absurd teuer, es wird nix werden mit einer Wiederholung der Erfolgs-WM 2006. Immerhin, die Stadien scheinen fertig zu sein.

Es sollte ja von Anfang an eine “afrikanische WM” werden. Die werden wir wohl auch bekommen aber ob die FIFA sich das so vorgestellt hat?

FuBaBuLi wah? oder The Blogger has been drinking

Aufgrund plötzlicher sozialer Verpflichtungen am Samstag hab ich das Spiel des FC nur in einer SKY-Konferenz ohne Ton sehen können und kann daher recht wenig zum Spiel selbst schreiben. Nach übereinstimmenden Presseberichten war die erste Halbzeit grottig, die zweite clever (also aus FC-Sicht) gespielt und unterm Strich steht der letzte Woche vorhergesagte Sieg.

Soldo wehrte sich in der Vor-Spiel-PK gegen die tendenziöse Berichterstattung der Kölner Presse und dürfte damit den Express gemeint haben, der mit Überschriften wie “Die Spieler machen mich fertig” oder “Die nächste Witz-Besprechung” (wieder mal) ihr eigenes Spiel spielen. Jeder Trainer in Köln hat es schwer, wenn sich der Express erstmal auf ihn eingeschossen hat. Soldo dürfte mit seiner “ruhigen Art” nicht grade dazu beitragen, dass es bei ihm anders läuft.

Der FC mit 34 Punkten nun sieben vor dem Relegationsplatz, sollte also wirklich die Klasse gehalten haben. Vielleicht kann die Mannschaft, jetzt wo der ganz große Druck weg, ist ein wenig befreiter aufspielen und gegen den VfL Bochum am Freitag nachlegen.

Sehr lustig fand ich die Hoffenheimer Zuschauer, die ernsthaft im zweiten Jahr ihrer Existenz eine  Sitzblockade anzettelten und “wir ham de Schnauze voll” skandierten. Wie viel Dummheit, Arroganz und Erwartungshaltung geht in so einen “Rhein-Neckar-Fussball-Fan”? Lustig, wenn´s nicht so traurig wäre, dass dieses “Projekt” einer Stadt einen Bundesliga-Platz weg nimmt.

Bleiben wir mal ganz unten: Ich musste herzlich lachen, als das 0:1 für den VfB in Berlin fiel, die Kamera auf Preetz schwenkte und hinter mir jemand unbekanntes in sehr breitem ostdeutsch sagte: “jetzt weenta widda”.  Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, außer, dass da ganz unten noch nicht alles in trockenen Tüchern ist. Hannover (in München, in LEV, gg Gladbach und in Bochum) und die Hertha (in Frankfurt, gg Schalke, in LEV und gg Bayern) haben ein ähnlich schweres Restprogramm. Um in die Relegation zu kommen, muss Hertha fünf Punkte aufholen. Ein Sieg in FFM am nächten Wochenende ist also schon unbedingte Pflicht, ansonsten können wir wirklich singen: “Hey, was geht ab? Die Hertha steigt endlich ab!” Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Hertha mit der gestrigen Niederlage abgestiegen ist.

Für 96 gilt generell das Gleiche: Siegen, punkten, kratzen, beißen. Durch die heutige Niederlage des VfL Bochum und des Glubbs ist die Slomka-Mannschaft nur noch einen Zähler vom rettenden 15. Platz entfernt. Das Problem ist halt des Restprogramm. Nach dem doch überraschenden Erfolg gegen Schalke sollte man versuchen so unbeschadet wie möglich aus den nächsten beiden Spielen zum kommen um dann in Woche 33 und 34 gegen schlagbar scheinende Vereine sechs Punkte zu holen. Das Spiel in Bochum kann für beide Mannschaften ein echtes Endspiel werden. Ich tendiere dazu der Mannschaft nicht allzuviel zu zu trauen und denke dass nur noch ein mickriges Pünktchen gegen die Randholländer raus springt.

Nürnberg spielt nächste Woche in Freiburg. Gewinnt der Club dort, dann bin ich optimistisch dass es für eine Vertragsverlängerung in der ersten Liga reichen wird. Am letzten Spieltag zu Hause gegen einen hoffentlich geretteten FC sollte alles klar machen. Das können wir nämlich ganz gut, frag nach in Kaiserslautern…

Mein Tipp für den 08.05. 17.20 Uhr:

15. Bochum - 31 P
16. Freiburg - 29 P
17. Hannover - 28 P
18. Berlin - 25 P

Oben haben die Bayern alle Trümpfe in der Hand. Zwar wurde ihnen in LEV der Sieg versagt aber Schalke scheint nicht recht an seine Chance zu glauben und LEV ist zu weit weg, thanks godness. Bayern wird Meister, Schalke Zweiter und Bayer scheitert in der Champions League Quali an irgendwas Ukrainischem.

Gute Nacht, ich bin wieder schlafen…