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Blogspot Episode 9

Hier findet Ihr die neue Episode vom Blogspot im Sportradio 360. 41 launige Minuten mit Jens Peters über sein neues Projekt Fokus Fussball und Bayer 04 Leverkusen, Gartenzwerg von SPOX zum HSV und auch ein wenig über die trostlose Situation des effezh von mir.

Hört mal rein!

Grenzgebiet

Recht überraschend war ich die letzte Woche ja in Ägypten. Werden ein paar von Euch mitbekommen haben. War ein klasse Urlaub, ich hatte ‘ne Menge Spaß mit meinen Mitreisenden, neuen Freunden und den Eindrücken. Wir flogen in die Bucht des Scheichs. Überall Wüste drumherum aber in der Anlage selbst war davon nichts zu spüren. Sehr adrett, sehr grün, direkt am Meer.

Ich weiß jetzt nicht hundertprozentig, ob ich unbedingt nochmal zurück muss, denn manchmal ist das schon alles sehr speziell, Natürlich ist die ganze Region Sharm El Sheikh ausdrücklich und allumfassend darauf ausgelegt den Touristen den letzten Schein aus der Tasche zu ziehen, klar. Das weiß man aber ja und versucht das Beste draus zu machen. Trotzdem ist es manchmal schon nervig (wenn man z.B. nicht auf die Toilette kommt bevor man Euros(!) gegeben hat und auf einmal sieben Mann um einen herumstehen. Das wird der vieldiskutierte “Mentalitätsunterschied” sein. Dennoch war die Mehrzahl der Einheimischen eigentlich ganz okay, von unserem hauseigenen Taxi-Zuhälter mal abgesehen, der das Musterbeispiel eines gierigen Abzockers war. Naja, sind wir einmal drauf reingefallen und danach hat er uns nur noch von hinten gesehen.

Ansonsten kommen auf einen Ägypter gefühlte drei Russen, die ebenfalls alle Klischees erfüllen. Das wußte ich vorher nicht und war doch ein wenig erstaunt. Aber gut, groß gestört haben die mich auch nicht, man lernt ja als Kölner zu verdrängen.

Was man kaum gemerkt hat, war dass die islamische Welt in Aufruhr war bzw. ist. In der Stadt hingen an vielen Läden kopierte weiße Zettel mit der Bitte “Respect the Prophet Mohammed”, man sah ein paar Soldaten mit Waffen an Kontrollpunkten aber mehr war da nicht. Ich weiß nicht genau ob ich mich 100 km weiter Richtung Gaza immer noch sicher gefühlt hätte aber in Sharm El Sheikh hatte ich nie das Gefühl, dass mir was passieren kann.

Ach, eins noch: natürlich habe ich das effzeh Spiel gegen St. Pauli doch gesehen. DubaiSports 2 machts möglich. Die übertragen da wirklich alles. Zweite Liga, Bundesliga, Premier Liga, Premier League, Champions League, Asiatische Champions League, Arabische Ligen…und…Biathlon. Ich habe das 3:2 von Real gegen City draussen bei 28 Grad mit einem Heineken in der Hand und voller Hütte gesehen. Das war schon cool!

Hat sich wirklich gelohnt und ich habe auch ein paar Fotos mitgebracht. Von den 190 geschossenen habe ich mal ein paar neutrale ausgesucht. Beim klick drauf wirds größer…

Union Berlin – FC: Kein Kommentar

Da bin ich grad’ mal wieder 24 Stunden in Deutschland, freue mich -nach dem St. Pauli-Spiel, das ich überraschenderweise doch live sehen konnte- auf den effzeh und dann haut man mir so eine “Leistung” um die Ohren? Nö. Da hab’ ich grad mal gar keinen Bock drauf und mach lieber mit Urlaubsfotos weiter, die dann auch ihren Weg hier in den Blog finden werden.

Umbruch. Neuanfang. Stanislawski. Junge Mannschaft. Zeit geben. Gutes Spiel. Toller Kampf. Viel Pech. Der Knoten muss endlich platzen. Super Stimmung. (Hab ich was vergessen?)

FC – St. Pauli: Walk Like An Egyptian

Ich bin z.Z. da, ich werde nichts gesehen haben (ich könnte mich täuschen, habe aber mit kurzem googlen Nichts gefunden, was auf eine Zweitliga-Übertragung hindeuten würde) aber Ihr doch bestimmt.

Also: Wie war das Spiel? Wer hat gefallen? Wer nicht? Was waren die Topps und Flops und ist Stanislawski immer noch Trainer?

Rückenwind

Ich verabschiede mich für ‘ne Woche in einen unverhofften aber dennoch gern genommenen Kurzurlaub. Das Spiel gegen Pauli bekommt einen eigenen Eintrag, die Kommentare sind offen. Haut rein.

Und als Schmankerl ein Netzfundstück (via @LizasWelt). Passt wunderbar in die aktuelle Diskussion um Fandasein, Gewaltbereitschaft und wie schlimm doch alles geworden ist. Früher war halt wirklich alles…(wirklich?)

Teil 1: (Ist schon uralt, ich kannte es bis vor Kurzem nicht. Es gab wohl mal Gerüchte, dass es sich um “Schauspielerei” handelt aber a) ist das Ding von der Bundeszentrale für politische Bildung und b) wer genau stellt denn sein Gesicht für sowas zur Verfügung, wenn es nicht klar ist, dass es sich um Fiktion handelt und es nicht wirkich so meint? Nee, das Ding ist echt. Welcome to the 80s

Teil 2

Zu kurz gekommen?

Eigentlich hatte ich mit der Causa Pezzoni, mit der Vertragsauflösung und mit dem ganzen Drumherum einigermaßen abgeschlossen. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass es mir nicht wirklich wichtig war. Das Verhalten der Leute, sowohl im virtuellen Raum, als auch im richtigen Leben den Menschen zu mobben, an den Pranger zu stellen und zu bedrohen ist immer noch unentschuldbar und dumm und kleingeistig, da müssen wir uns doch bestimmt nicht drüber unterhalten aber im Laufe des Tages habe ich ein paar Artikel zu dem Thema gelesen, ein paar Meinungen auf twitter gehört und habe dann doch noch ein paar, vielleicht generelle Gedanken zu dem was in Köln passiert, denn langsam bekomme ich den Eindruck, dass eine ganze Stadt, eine ganze Fankultur gebrandmarkt wird und das haben wir nicht verdient, beim besten Willen nicht.

Ich bin kein Psychologe, ich habe zwar Bufford gelesen und das Prinzip der Masse kann man auch mit halbem Gehirn verstehen aber fundiert ist das natürlich alles nicht. Das zum Start, nur bevor gleich wieder die Messer gewetzt werden.

Die Meldungen über die Gewaltausbrüche, über gebrochene Nasen und angegriffene Busse auf Autobahnen haben in den letzten Jahren zugenommen. Das mag durch die Sensibilisierung der Medien, durch das Internet und durch Foren begünstigt sein aber subjektiv ist es einfach ein Anstieg an meldungswürdigem Fehlverhalten in den Vergleichen zu den 80er, 90er und 2000er Jahren. Nun war es schon immer so, dass es beim Fußball (und hier war Köln immer eine “Topadresse” in Deutschland) zu Gewaltausbrüchen kam. Im alten Müngersdorfer Stadion, im Block 4 waren an guten Tagen bestimmt 300 Jahre Zuchthaus versammelt. Die “Northside Boyz”, die “RedWhite Army“, “Red Army Cologne” “SüdstadtBoyz Cologne” und wie sie alle hießen. Diese Gruppen waren, da gibt es auch eigentlich heute keinen anderen Ausdruck für, Hooligans. In den frühen 90er Jahren, in denen ich meine Sozialisierung im Stadion hatte, waren die “Jungs” bekannt. Man wusste, wen man vor sich hatte und entsprechend wurde reagiert. Eine Gegenbewegung gab es im Prinzip noch nicht. Es gab die Südkurve, die Kuttenfans und es gab den Stehplatz Mitte, die studentische Vereinigung und ihren Helden Frank Ordenewitz. Damit hatte man auch schon 90% der Stadionauslastung an einem normalen Spieltag beisammen, denn wir reden hier von Zeiten wo 15 – 20.000 Zuschauer ein großer Besucherandrang war. Mittwochs Abends im Eisregen gegen den FC Homburg oder den 1.FC Saarbrücken? Vergiss es. Wenn da fünfstellige Besucherzahlen erreicht wurden, dann war das ein guter Tag!

Einen ersten Umbruch erlebte die Kölner Szene mit der Bildung der Ultras CCAA, vielleicht, ganz, ganz vielleicht sogar schon mit dem FanProjekt, mit organisierten Fahrten und dem Magazin “Kölsch live”. Das waren erste Anhaltspunkte, dass “Bewegung” in das Fansein kommen kann. Der 1.FC Köln leistete sich mit Rainer Mendel einen hauptberuflichen Fanbetreuer (meines Wissens einer der ersten in Deutschland) zu Zeiten als die Schalker Glatzen noch von Charly Neumann mit Freibier beruhigt werden mussten (kein Scherz, ich war dabei, ich hab’s gesehen). Mit den Ultras, ihrer klaren Distanzierung zu den Kutten und der größeren medialen Aufmerksamkeit bekamen die Hooligans, ein echtes Nachwuchsproblem. Die meisten jungen Zuschauer faszinierte das “Neue” auf dem Oberrang Süd anscheinend deutlich mehr als die althergebrachten Strukturen und die Wahl zwischen Kutte und Chiemsee-Pullover. So kam es, wie in jeder guten Geschichte, zum Dramaplot. Die Hierarchie bei CCAA war auf einmal nicht mehr ganz so klar. Immer mehr jüngere Mitglieder sorgten bei den “Alten” für Kopfschütteln und Verzagtheit. Das Resultat dieser Grabenkämpfe ist die “Wilde Horde” und deren Abspaltung in die Stehplätze der Südkurve.

Mittlerweile ist die “Wilde Horde” die dominierende Kraft in Köln geworden. Überall heißt es nur noch “Ultra, Ultra, Ultra”. Der alte Block 4 -im neuen Stadion N13- ist sowas wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. An guten Tagen sind sie noch präsent aber eigentlich hat man lange nichts mehr von ihnen gehört, außer, dass sie natürlich noch da sind. “Nordkurve, Nordkurve” halt es manchmal immer noch durch Müngersdorf und mit ziemlich großer Verlässlichkeit reagiert die “Nord” und sei es nur um die unter ihnen plazierten gegnerischen Fans wissen zu lassen, dass man noch da ist. Man möge das so sehen wie der Senior, der seine Krankenschwester auch nachts um drei noch wegen einem zweiten Kissen anbimmelt: “Bild Dir bloß nicht ein, dass Du Dir ein schönes Leben machen kannst, ich bin noch da!” Letztlich ist das aber mittlerweile harmlos. Zumindest im Stadion. In Köln gibt es immer noch Kneipen wo man besser wissen sollte, wer dort verkehrt, bevor man einen Fuß hineinsetzt. Jedenfalls nach effzeh-Spielen. Das kann man aber wissen, wenn man sich damit beschäftigt.

Nun ist es ja bekanntlich so, dass der 1.FC Köln seit langer, langer Zeit nur von seiner Geschichte lebt. Was waren wir ein stolzer Club! Erster deutscher Meister in der Bundesliga, Liverpool, Madrid, das weiße Ballett, die Diva vom Rhein. Sogar auf den Aufklebern der Ultras prangt Franz Kremer der fragt: “Wollt Ihr mit mir deutscher Meister werden?”. Begraben und vergessen. Die Realität sieht anders aus. In der Stadt, die so emotional, so hysterisch auf jeden Schluckauf reagiert, immer nur redet wie toll sie ist und dennoch an jeder Ecke nach Mief und Muff und Moder riecht. Es geht nicht vorwärts, es herrscht auf allen Ebenen kölscher Dilettantismus. Das betrifft ja nicht nur den Fußball, sondern das Leben in der Stadt an sich. Wenn man im Lexikon unter “dümmster und schlechtester ÖPNV nach dem 17. Jahrhundert” nachguckt, sieht man eine KVB-Bahn. Schau mal unter “häßlichster zentraler Platz Deutschlands” nach und Dir springt der Ebertplatz entgegen. Alle drei Wochen steht in der EXPRESS irgendwas von neuen “U-Bahn-Schlägern” oder Angriffen aus dem Nichts auf unbedachte Passanten. Es stimmt doch schon seit Jahren etwas nicht bei uns. Das ist doch nicht nur ein Fußballproblem. Aber eben ein Gesellschaftliches und deswegen auch wieder etwas was uns zu beschäftigen hat, denn das Publikum im Fußball ist nunmal ein ziemlich sauberer Querschnitt unserer Gesellschaft. Leider ist es hier nicht anderes als im richtigen Leben: Die Lautesten bekommen die meiste Aufmerksamkeit.

Und nun kommt die Kurve: Durch die Aktionen der Vergangenheit (“Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot” am Geißbockheim, Busangriff, Bengalos gegen Bayern usw, usf) war und ist die Meßlatte schon recht hoch angelegt und ich bin als Täter vielleicht auch nicht zwangsläufig eine intellektuelle Granate, rege mich tierisch auf, dass meine Stadt, mein Verein, der mir soviel bedeutet den Bach runtergeht und auf einmal tanzt da Michal Kadlec durch “meine” Disko, atmet “meine” Luft und lacht sich tot, dass er bei Leverkusen spielt. Dem Club, der für all das steht, was uns fehlt: Erfolg, gute Spieler, Geld wie Heu. Und der tanzt mir vor der Nase rum? Nee, nicht mit mir, mein Freund, jetzt gibts auf die Zwölf.

Dass Pezzoni im Karneval auch auf die Nase bekam hat wohl recht wenig mit dem Fußball zu tun, sondern war ein eher “persönliches Problem”, ganz unabhängig davon, dass er in Hürth (dort wo er gelebt hat) eh wohl einen ziemlichen “Ruf” hatte. Aber, davon weiß ich zu wenig, das meiste ist Hörensagen, lassen wir das mal. Die Dynamik, die sich durch Facebook entwickelte, hat bei den falschen Leuten die falschen Instinkte angesprochen und sich durch stumpfen Blödsinn entladen. Ich will die Rolle des 1.FC Köln nicht werten, ich habe mich für dieses Jahr schon angreifbar genug gemacht, ich behalte da meine Meinung lieber für mich. Ob es nun eine “Kapitulation” vor der Gewalt war oder ob “besonnen gehandelt” wurde, ist letztlich auch egal, das Ergebnis ist gleich. Aber es hilft doch nicht jetzt ein paar “Wir zeigen Gewalt” die rote Karte”-Aktionen aus dem Boden zu stampfen. Ist zwar gut gemeint aber wirkungslos. Mir kommt es so vor als haben alle diese Aktionen eins gemeinsam. Es handelt sich um Frustabbau. Und das passiert, wenn man sich vorkommt als sei man zu kurz gekommen, im Leben. Die anderen haben alles, wir (oder ich) habe gar nichts. Ich habe keine Lösung des Problems, das müssen andere in die Hand nehmen aber ich weiß, dass ich kein Teil dieser frustrierten Personen bin und ich auch niemanden kenne, der dazu gehören könnte.

Ich bin Fan des 1.FC Köln, Ich will nicht unter Generalverdacht stehen. Ich will mich nicht in fremden Stadien bis auf die Unterhose ausziehen müssen und ich will nicht an Autobahnraststätten von Zivilpolizisten kontrolliert werden. Dies zu akzeptieren und umzusetzen, muss doch jetzt die eigentliche Aufgabe des Vereins sein, der zur Zeit nur davon redet mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen zu arbeiten, noch mehr zu kontrollieren und noch härter durchzugreifen. Baut Vertrauen auf, schützt Eure Fans, tretet für sie ein! Vielleicht erübrigt sich dann nicht jeder Mist aber es kann doch sein, dass man auch mal positiven Einfluss zeigt, dass man erkennbar macht, dass man stolz auf die Fans ist und nicht nur mit leeren Worten feiert wie toll alles ist, wenn die Südkurve wieder mal singt. Abschreckung als alleiniges Mittel hat noch nie funktioniert. Kann man an jeder Todesstrafenstatistik ablesen. Natürlich muss der Verein, falls wirkliche Beweise vorliegen handeln aber nun Strafanzeige wegen eines Facebook-Eintrags zu stellen hört sich für mich nicht nach einer zwingend erforderlichen Maßnahme an. Vielleicht sollte man den Facebookler mal zu einer Kopfwäsche bei Toni Schumacher verdonnern, das hätte garantiert eine weitaus größere Wirkung als alles nur juristisch lösen zu wollen. Und ganz sicher würde man Holzhäuser damit auch zur Ruhe bringen, der natürlich auch seinen Senf dabeigeben muss und mich auf die Palme bring. [Könnt ihr googlen, verlink ich nicht]

Ich weiß, es ist fast nicht mehr umzusetzen (bei diesem DFB sowieso nicht) aber wäre es nicht mal toll die friedlichen Fans und Stadionbesucher nicht immer mehr zu drangsalieren, nicht mit endlosen Leibesvisitationen zu entmenschlichen, sondern für einen respektvollen Umgang zu sorgen. Dieser wird von Mannschafts- und Vereinsseite gefordert aber wie mir scheint ist das nur einseitig gemeint. Der Fan resp. der Besucher hat sich zu nur zu fügen. Ob das immer das einzige Signal sein muss?

FC – Energie Cottbus: Das Leben der Anderen

Ja gut, verloren ist verloren, ist verloren, das stimmt schon. Wenn Du die Tore nicht schießt, dann gewinnst Du keine Fußballspiele und am Ende zählt nur das Ergebnis. Gleich platzt die Phrasensau und Jörg Wontorra muss sich die Plastiksplitter aus dem Humpen angeln. Der effzeh zeigt eine anständige zweite Halbzeit, versuchte alles, scheiterte aber immer und zahlt die Zeche für den ersten Durchgang, als Energie deutlich die Zügel in der Hand hielt und auch ohne großes Chancenplus die reiferere, cleverere Mannschaft war. Ein Konter reichte um den Sieg für die Lausitzer einzutüten. End of Story.

Dennoch war dieses Spiel -für mich- bisher das Beste, was ich vom 1.FC Köln über die letzten sieben Monate gesehen habe. Der Einsatz stimmte, die Chancen wurden erarbeitet, allein die Tore wurden nicht gemacht. Royer, Clemens und Przybylko hatten jeweils Riesenchancen. In der zweiten Hälfte wurde sogar das Mittelfeld einigermaßen anständig überbrückt, die (meisten) Pässe kamen an und der Druck ständig erhöht. Das war okay, damit können wir alle leben, meine ich. Auch die Körpersprache war eine ganz andere als in der letzten Saison. Keine hängenden Schultern, keine wilden Anschuldigungen an den Mitspieler, wenn mal etwas nicht hundertprozentig geklappt hat. Wir wussten alle, dass es so kommen kann und dass nicht jedes Spiel mit fliegenden Fahnen gewonnen wird. Es ist zwar mittlerweile schon ein bitterer Saisonstart, da müssen wir uns nichts vormachen und im Boulevard gärt es schon einigermaßen gewaltig aber noch ist es nicht an der Zeit alle Messer rauszuholen.

Das Spiel an sich scheint aber seit gestern gar nicht mehr so wichtig zu sein, denn auf einmal stand und steht die Vertragsauflösung von Kevin Pezzoni im Fokus. Nach Darstellung des 1.FC Köln wurde der Vertrag auf Bitten des Spielers aufgelöst nachdem er sich privat nicht mehr sicher fühlte, weil es wohl Facebook-Aufrufe (“Pezzoni & Co. aufmischen”), Zettel am Auto und Pöbeleien vor der Haustür gegeben hat. Das ist dann kein Spaß mehr, seh ich ein. Ich war und bin ganz bestimmt kein Freund vom Fußballspieler Kevin Pezzoni beim 1.FC Köln gewesen. Ich sah nie Talent und Format und mehr als ein Mal habe ich geflucht über den Mann und seine immer wiederkehrenden Fehler. Dabei ist es dann aber auch geblieben. Ich habe geflucht und gezetert und mich fürchterlich aufgeregt. Das hat aber wenig mit der Person Pezzoni zu tun als mit der Position die er bei mir einnimmt: Er war Spieler in “meiner” Mannschaft, trug “mein” Trikot und bereitete mir und “meinem” Verein Sorgen. Das ist für mich nichts anderes als eine fast schon fiktive Gestalt, eine Größe, die ich gar nicht als Menschen wahrnehme, sondern rein als Spieler. Ich kenne den Mann nicht, ich kann ihn überhaupt nicht einschätzen. Vielleicht ist er der netteste Mensch der Welt, vielleicht frisst er aber auch kleine Kinder und schlägt seine Frau. Keine Ahnung. Muss ich mich aber auch nicht mit beschäftigen, da ich persönlich überhaupt kein Interesse habe das zu wissen. Solange der Mann in Köln Fußball spielt, mag ich ihn entweder dafür oder eben nicht. Ich will aber immer, dass er es gut macht! Ich empfinde keinerlei Schadenfreude, wenn ein Spieler, den ich vielleicht nicht mag, Scheisse baut.

Was habe ich in der letzten Saison über Martin Lanig geschimpft. Fast jeder Artikel handelte davon wie sehr mich seine Spielweise aufgeregt hat. Oder über Miso Brecko und sein völlig unzureichendes rauf-und-runter-gerenne. Diese Saison geht mir Bröker ganz schlimm auf den Keks, weil ich ihn (das ist falsch, ich meine seine Spielweise) überhaupt nicht mag. Ich halte ihn für egoistisch und weitesgehend talentfrei. Das sehen tausende Leute anders und erklären mich für doof, weil ich das eben hier oder im Gespräch oder bei twitter oder wo auch immer ausdrücke. Aber darum geht es doch auch ein wenig beim Fußball. Man kann sich über tausend Kleinigkeiten in die Haare kriegen, da ist manchmal schon ein ungenauer Pass über fünf Meter der Auslöser für endlose Diskussionen ob der Fehler jetzt beim Passgeber lag, weil er nicht genau in der Lauf gespielt hat oder beim Empfänger, weil er zu doof ist zu stoppen oder am Trainer, der anscheinend nicht in der Lage ist im Training anstänge Wege zu lehren. Jeder hat eine andere Meinung und das ist (jedenfalls für mich) ein enormer Teil des “Spaßes” am Spiel. Da kann ich mich garantiert auch mal in Rage reden, keine Frage. Aber damit muss es dann auch gut sein. Da ist Schluss.

Dass ein Spieler des 1.FC Köln nicht mehr für den Verein spielen will, weil er sich nicht mehr sicher fühlt, in der Stadt oder zu Hause, wenn er um sein körperliches Wohlergehen (oder noch schlimmer: das seiner Familie) besorgt ist, dann ist ein Grenze überschritten, die für mich niemals da war, so abstrakt ist das. Es ist nichts anderes als eine verdammte Schande, dass ein paar Idioten wieder dafür sorgen, dass ganz Fußballdeutschland denkt in Köln gibts zum Frühstück Nägel ins Müsli. Es geht mir alles so derbe auf den Keks, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Ich habe mich schon ein paar Mal über die Kölner Fanszene aufgeregt, über das monothematische Getue um die Wilde Horde und über die anscheinend umfassende Vollidiotie, die in dieser Gruppe herrscht. Kann sein, dass da ein, zwei “Normale” dabei sind, ich kenne nur niemanden und habe auch noch nie von jemandem gehört, der einen kennt, der einen kennt. Ist aber auch egal, denn was weiß ich denn, ob die Spinner, die Pezzoni aufgelauert haben zur “Wilden Horde” gehören. In einem Indizienprozess würden ich drauf tippen aber soweit sind wir ja noch nicht. Zum Glück.

Von Vereinsseite gibt es bisher zwei Stellungnahmen. Präsident Spinner:

“Unsere FC-Fans stehen hinter unseren Spielern und dem gesamten Team. Wir haben in den Stadien großartige Szenen zwischen Fans und Mannschaft erlebt, selbst wenn der sportliche Erfolg ausgeblieben ist. Während der ersten Spieltage der 1. und 2. Bundesliga sowie in der 3. Liga hat es zahlreiche Ausschreitungen gegeben, keine einzige unter Beteiligung von Kölner Fans. Für diese Entwicklungen sind wir sehr dankbar. Denn sie zeigen, dass unsere Strategie des Dialogs erste Früchte trägt und wir werden daran festhalten. Vorfälle, wie wir sie jetzt leider im Umfeld des Fußballs diskutieren, sind das Werk einiger weniger Störer und Chaoten, die mit ihrem Verhalten den gesamten Verein und seine Fans in Verruf bringen. Das werden wird nicht dulden und derartige Täter – wie schon in der Vergangenheit – konsequent aussperren. Sie erhalten Stadionverbote, werden aus dem Verein ausgeschlossen – sofern sie Mitglieder sind – und der FC wird eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um auch strafrechtlich gegen sie vorzugehen. Für uns ist es ein ehernes Gesetz, dass der FC sich mit allen Möglichkeiten und Mitteln für seine Spieler und für seine weiteren Mitarbeiter einsetzt. Das sollte niemand in Frage stellen.”

Die Mannschaft wendet sich ebenfalls an die Öffentlichkeit:

Liebe FC-Fans,

der FC hat eine neue Mannschaft. Und diese Mannschaft steht zusammen.

Jeder, der auf dem Platz ein FC-Trikot trägt, gehört dazu. Er ist Teil der Mannschaft. Wenn wir als Spieler und als Mannschaft unsere Leistung nicht bringen, nehmen wir die Kritik der Medien und der Fans an. Das ist in Ordnung. Wir alle kennen unsere Rolle und unsere Verantwortung. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden. Wir erwarten Fairness und Respekt im Umgang mit jedem einzelnen Spieler. Darauf hat auch die Presse durch die Art ihrer Berichterstattung Einfluss. Wir erwarten, dass Berufliches und Privates getrennt bleiben. Wenn einem Spieler vor der Haustür aufgelauert wird, wenn Lebenspartner beleidigt und hässliche Nachrichten geschrieben werden, dann ist eine Grenze überschritten. Das werden wir nicht akzeptieren.

Liebe Fans, wir geben unser Bestes, aber der Umbruch braucht auch Zeit. Wenn es nicht rund läuft, akzeptieren wir eure Kritik. Vor allem aber brauchen wir eure Unterstützung, um uns weiter zu verbessern. Das Gros der Fans hat uns das in den vergangenen Spielen gezeigt. Das ist klasse! Wir werden nicht zulassen, dass einige wenige Störenfriede das Bild des FC in der Öffentlichkeit bestimmen.

Die Mannschaft des 1. FC Köln

Ich werde das nicht kommentieren, das steht -glaube ich- für sich.

Letztlich ist der Fußball ein einfaches Spiel. Das ist sein Segen und sein Fluch. Ich hoffe, dass Kevin Pezzoni wieder zu diesem einfachen Spiel zurückfindet, wegen dem er wohl mal ursprünglich damit angefangen hat. Dass diese enorme Belastung jetzt von ihm abfällt und er wieder spielen wird. Ohne diese Idioten im Hinterkopf zu haben. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!

Top: Gute 2. Halbzeit, viel Laufarbeit, anständiger Spielaufbau, die Fans im Stadion
Flop: Chancenverwertung
#4: 0:1 gegen Cottbus, 1 Punkt, 1:5 Tore, Platz 17
nächstes Spiel: Montag, 17.09., 20:15 Uhr gg FC St. Pauli

Wismut Aue – FC: Grundsätzliches

Unterschätze niemand meine Leidensfähigkeit. Ich sah trübe Fußballspiel in menschenleeren Stadien, ich mutmaßte mit Freunden über die Künste von Rico Steinmann und Alfons Higl, über Karsten Cullmann und Patrick Weiser, über Nemaja Vucicevic und Christian Dollberg. Junge, Junge, ich habe schon eine Menge schlechten Fußball gesehen. Das kommt so mit sich, wenn man Anhänger des 1.FC Köln ist und die letzten 20 Jahre bewußt erlebt hat. Gestern Abend war wieder so ein "Höhepunkt" in der Laufbahn eines effzeh-Anhängers. Die 2:0-Niederlage in Aue war nichts anderes als das Abbild der aktuellen Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Sie ist schlicht nur in Ansätzen vorhanden und das reicht halt nicht mal für die zweite Liga.

Wenn Du aus 70% Ballbesitz und 10:2 Ecken und ein paar hundert Torschüssen genau nichts machst, dann liegt die Krux nicht beim überragenden Gegener, sondern bei Dir. Ich kann und will dem Team nichts absprechen. Sie wollen, sie laufen (so gut es geht), sie kämpfen. Das ist aber nichts, was man loben sollte, das ist Brot-und-Butter-Fußballerprogramm. Das gehört dazu, das kann ich verlangen. Dass dies so eklatant auffällt, zeigt wie abgestürzt der 1.FC Köln im letzten Jahr ist, wie desolat man den Gesamtzustand der Mannschaft einschätzt. Sie erinnert mich an ein verhaltensgestörtes Kind, das in der Sonderschule dafür gelobt wird mal zwei Stunden niemanden auf’s Maul geschlagen zu haben. Kann man eigentlich erwarten aber nicht von Jedem und in jeder Situation. Am Ende kommt natürlich nichts dabei raus. Beim Kind nicht und bei den Fußballern auch nicht.

Da stellt sich der Lehmann nach dem Spiel hin und teilt mit, dass man bisher in keinem Spiel desolat war und man jetzt darauf aufbauen müsse. Ja, gut, das kann man so sehen. Herzlichen Glückwunsch. Bisher in keinem Spiel desolat. Ich kauf mir gleich ein Trikot! Kevin(!) McKenna fand auch, dass man eigentlich ein ganz gutes Spiel gemacht hat und Stanislawski erklärte der reichlich verdutzten SKY-Dame, dass die Fehler, die zu den Gegentoren führten zwar amateurhaft gewesen seinen aber man sonst die Sache im Griff hatte und der Knoten einfach mal platzen muss. Ja,ja. Knoten. Platzen. Und so. JessesMariaundJosef.

Jetzt haben wir in 180 270 Minuten zweiter Liga genau ein Tor geschossen und das war ein Elfmeter. Keine Aktion aus dem Spiel heraus. Zwei Mal die Latte bzw. den Pfosten getroffen, der Rest war Schweigen. Das ist schlecht. Da gibt es auch kein anderes Wort für. Einfach schlecht. Das ist aber noch nichtmal das Problem. Jeder ernsthafte Beobachter des effzeh wird sich bei dem Kader darüber im Klaren gewesen sein, dass diese Saison nichts anderes herauskommt als bestenfalls mittelmäßiger Fußball. Das eigentliche Dilemma liegt in meinen Augen darin, dass wir es wieder nicht nutzen aus den Umständen wenigstens einen Mehrwert zu schaffen, indem wir Leute die Fehler machen lassen, die daraus vielleicht lernen können und uns in der Zukunft nützen. Nein, bei uns macht Kevin(!) Pezzoni im dritten Ligaspiel den dritten Katastrophenfehler. Anstatt den Kader mit Basala-Mazana zu bestücken oder Schorch nochmal eine Chance zu geben spielt Kevin Pezzoni. Weil wir mit dem nach oben wollen? Na herzlichen Glückwunsch!

Die Mär vom Neuaufbau und von der hungrigen jungen Mannschaft, die man aufbauen will, wird für mich spätestens dann zum hohlen Wort, wenn McKenna eingewechslet wird und in der 80. Minute nach Vorne beordert wird, weil Kübler kommt. Das sagt dann auch ‘ne Menge über das Zutrauen der Verantwortlichen über Chong Tese aus. Lieber wechseln wir einen Abwehrspieler ein, damit ein anderer Abwehrspieler Stürmer spielen darf. Wasisndalos?

Hört mir bitte auf mit "Zeit geben" und "Neustart" und dem ganzen Driss. Der Verein hat Zeit ohne Ende, es ist ja nicht so als würden wir weglaufen. Aber wo ist er denn der Neuaufbau? Wo ist der jugendliche, fußballerische Witz, die Risikobereitschaft? Sie ist schlicht nicht vorhanden. Der 1.FC Köln spielt ganz normalen Ergebnisfußball ohne jede Fantasie und eben ohne Blick nach 2013. Es scheint nur das hier und jetzt zu zählen und das ist einfach zu wenig.

Top: Nur zwei Gegentore, früher Pezzoni-Wechsel
Flop: später Pezzoni-Wechsel, spielerisch keine Entwicklung
#3: 0:2 in Aue, 1 Punkt, 1:4 Tore, Platz 17
nächstes Spiel: Freitag, 31.08., 18 Uhr gg Energie Cottbus

Pokalsensation 1.Runde

Hab nix gesehen. 3. Minute eingeschlafen, 84. Minute aufgewacht.
Hörte Mannschaft war okay bis gut. Yeah!

FC – SV Sandhausen: Alte Muster

So um die 70. Minute rum, flippt mein Sitznachbar aus. Schüttelt nur noch den Kopf und fängt an zu grätzen, wie erbärmlich das alles doch ist, was wir uns da seit über einer Stunde ansehen, wie unglaublich, dass der 1.FC Köln wirklich in sieben Wochen Vorbereitung es nicht geschafft hat, sich auf unteres Zweitliga-Niveau einzustellen und wer denn genau geschlagen werden kann, von uns in diesem Jahr, wenn wir es nicht schaffen zu Hause gegen Sandhausen zu gewinnen. Ich hatte da jetzt auch spontan keine Antwort parat außer, dass es ja doch nichts nutzt. Es bleibt halt der effzeh, wir müssen da jetzt durch. Um das gleich mal vorweg zu sagen: Natürlich brauchen wir weiterhin einen kühlen Kopf. Natürlich brauchen wir jetzt noch Niemanden, der das Messer wetzt und natürlich besteht kein Grund jetzt wieder Alles und Jeden in Frage zu stellen. Jedoch: Auch jetzt muss es erlaubt sein, kritische Gedanken zu haben, ohne direkt als Nestbeschmutzer beschimpft zu werden.

Fangen wir mal mit den positiven Eindrücken des Spiels an: Die Mannschaft zeigt über das gesamte Spiel Willen. Das ist ein Fortschritt zur letzten Saison aber, wenn wir ehrlich sind, nichts allzu Besonderes. Das kann ich eigentlich verlangen. Okay. Check. Nach der Verletzung von Chihi (hatte ich eigentlich erst am fünften Spieltag auf der Rechnung aber gut) kam mit Mato Jajalo ein wenig Leben in das Offensivspiel. Der Mann ist lange nicht da, wo ich ihn eingeschätzt habe, hat immer noch eine Menge schlampige Pässe im Angebot aber er war eine deutliche Steigerung zum wirren Spiel, das Chihi anbot. Jetzt gucken wir mal, wie Papa Stani ohne Chihi und Clemens die Außen besetzt. Ich verkneife mir hier mal jedes weitere Wort.

Weiterhin nicht weiter negativ aufgefallen ist Brecko, der seine Seite weitesgehend im Griff hatte und daher recht hoch spielte, sich immer wieder ins Geschehen nach Vorne einschalten konnte aber auch dort keine sonderlich große Durchschlagskraft entwickelte. Maroh ebenfalls ganz okay aber auch sehr statisch.

Leider bin ich dann schon am Ende meiner kleinen Liste. Es überwog auch gestern das Gefühl, dass da irgendwas überhaupt noch nicht richtig läuft. Nehmen wir mal Bröker. Ich bin kein großer Fan, wirklich nicht. Ich kann nicht sehen, was der Trainer sieht. In meinen Augen ist das kein Zweitliga-Niveau, was der Mann anbietet. Der Schuß in der ersten Halbzeit, die versuchten Abschlüsse bei Führung…Junge, Junge, das ist richtig, richtig schlecht. Da habe ich auch kein anderes Wort für. Ich wüßte auch nicht, warum hier Welpenschutz gelten sollte. Der Mann ist 27 Jahre alt. Da wird nicht mehr viel Entwicklung kommen. Guckt Euch mal den Elfmeter an. Wenn der Torwart nicht gefallen wär als hätte kurzfristig die Gravitation ausgesetzt, dann hält der den Ball. Das einzige, was man Bröker zu Gute halten muss, ist die Tatsache, dass er geschossen hat. Keine Ahnung ob das so vorher bestimmt wurde aber gut. Falls jetzt noch jemand den Pfostenschuss ins Rennen schmeissen möchte: Da hat er nicht hingeguckt und der Ball ist ihm über den Schlappen gerutscht. Da steckte kein Stück Absicht hinter.

Ebenfalls völlig ohne Hoffnung bin ich bei Royer. Schon zum zweiten Mal trifft er das leere Tor nicht und auch sonst gehen alle Bälle nicht mal in die Nähe des Netzes. Genauso kann man mit Tese argumentieren aber hier muss man, denke ich, differenzieren. Natürlich strahlt der Nord-Koreaner die Torgefährlichkeit einer ungesalzenen Tofu-Wurst aus aber die Frage, die ich mir stelle ist, ob Tese nicht eigentlich genau das spielt, was Stanislawski von ihm verlangt. Brecher am Strafraum, Bälle abschirmen und ablegen, damit aus der zweiten Reihe geschossen werden kann. Das hätte fast funktioniert aber dann schoss Royer am Tor….ach, da waren wir ja schonmal.

Für mich war aber am ärgerlichsten die Körpersprache und die spielerische Komplettaufgabe nach der Führung. Der effzeh zog sich immer weiter zurück, spielte nicht zielorientiert, sondern verwaltend und machte damit dem Aufsteiger die Tür weit auf auch mal frech zu werden. Ganz schlimm wurde es über die rechte Angriffsseite der Sandhausener. Eichner hatte buchstäblich alle Hände voll zu tun die Durchstöße zu verhindern. Leider war der Mann völlig überfordert und konnte sich kaum wehren. Ein schlimmes Bild. Dass der effzeh auch noch Glück hatte, als dem Gegner ein klares Tor wegen Abseits aberkannt wurde: Geschenkt. Glück gehört auch mal dazu, hatten wir in den letzten Monaten nicht sonderlich viel aber es spricht dann doch auch ein Stück weit für sich selbst.

Es ist doch erstaunlich, dass man im ersten Heimspiel zu Hause, in der Saison, wo man für die Fans spielen will, wo man sich rehabilitieren will, gegen einen Aufsteiger, der ja keine Bäume ausgerissen hat, so wenig Tempo ins Spiel bringt, so wenig Kreativität (wo soll sie auch herkommen, stimmt), so wenig Drang hat, Tore zu schiessen. Auch mal bei Führung weiter zu pressen und so sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Stattdessen wurde auch gestern ein altes Muster ausgepackt. Ergebnisorientiertes Verwalten und hoffen, dass nicht wieder ein individueller Fehler zum Gau führt. Passiert aber natürlich trotzdem. Ich kann selbstverständlich den Trainer verstehen, der dafür bezahlt wird Punkte zu sammeln und ein möglichst positives Tabellenbild zu kreieren. Sicher, er sieht ja auch, dass nicht viel geht und will halt wenigstens das Erfolgsergebnis mitnehmen. Alles soweit d’accord. Die Frage ist: Bringt uns das auf lange Sicht weiter? Ich bin mir da nicht so sicher.

Klar ist es jetzt einfach auf Pezzoni einzudreschen, weil er wieder den Fehler macht, weil er mit seiner Kopfball-Slapstik-Einlage Brecko in die Bredouille bringt und damit das Tor ermöglicht. Aber das ist mir zu einfach. Warum z.B. steht Horn fünf, sechs Meter vor seinem Kasten? Was macht der da? Klar hat er danach keine Chance mehr an den Ball zu kommen aber er steht halt einfach falsch. Das sei ihm unter allen Umständen verziehen. Fehler sind da um gemacht zu werden und wenn er dadurch gelernt hat, dann ist das schon okay. Ist natürlich ärgerlich aber solange unsere jungen Spieler die Fehler machen, kann sich niemand beschweren. Das wussten wir vorher, da müssen wir mit leben.

Ich hätte mir nur insgesamt mehr Mut gewünscht. Und mit ein wenig mehr Mut kommt die eigentliche Krux: Vielleicht wechsel ich dann eben nicht in der 83. Minute Pezzoni ein, sondern in der 75. Hector. Was kann uns denn passieren?

Top: Einsatzbereitschaft
Flop: Bröker, Eichner, wenig Drang nach Führung, keine Qualität im Kreativspiel
#2: 1:1 gg Sandhausen, 1 Punkt, 1:2 Tore, Platz 14 (Samstag 13:00 Uhr)
nächstes Spiel: Samstag, 18.08., 14:30 Uhr DFB-Pokal in Unterhaching