Social Media:

Raus im Pokal

Die gestrige Niederlage in Sinsheim habe ich -komischerweise- ziemlich emotionslos zur Kenntnis genommen. Irgendwie habe ich den DFB-Pokal nicht mehr als "richtigen" Wettbewerb auf dem Schirm, keine Ahung warum, denn auch dort ist ja Geld und Ruhm zu erringen und bekanntlich kann man innerhalb von sechs Spielen nach Europa kommen. Doch, der effzeh hat ja ‘ne Latte an Erfahrung wie man in diesem Wettbewerb kolossal versagt, von daher sind die Hoffnung auf ein Erblühen doch eher…gebremst.

Nach dem Desaster in Dortmund erholt sich die Mannschaft von Trainer Solbakken zwar ein wenig, spielt deutlich besseren Fußball, erkämpft sich in der ersten halben Stunde ein deutliches Übergewicht und führt hochverdient gegen biedere und einfallslose Hoffenheimer. Wie schon ein paar Mal in den letzten zwei Spielzeiten vermasselt sich unser Team aber die eigentlich gute Leistung mit zwei individuelle Aussetzter kurz vor- und kurz nach der Pause. Die "magischen" 10 Minuten zwischen der 40. und 50. Minuten machen uns das Leben immer schwerer als nötig.

Die Tore waren dumm und dümmer, darüber müssen wir gar nicht sprechen aber dennoch hatte der FC genug Chancen auch mit diesen Gegentoren die nächste Runde zu erreichen, leider fehlte es am Abschluß. Naja, wie gesagt, ich hab’ mich schon schlimmer aufgeregt. Jetzt hat man wenigstens den Rücken frei und kann sich voll auf die Liga konzentrieren (jetzt bitte einen Geldbeitrag nach Wahl an das Phrasenschwein spenden – Danke!)

BVB – FC: MaLaDe

Eigentlich hätte ich um 14:55 Uhr, als die effzeh-Aufstellung die Runde machte, das Fernsehn ausmachen sollen und mich anderweitig beschäftigen sollen. In Ermangelung großartiger Alternativen stellt Solbakken wieder um: Riether muss auf rechts weil Brecko irgendwie doch nicht fit geworden ist, dafür rücken Matuschyk und Lanig auf die Riether/Jajalo-Positionen in der zweiten Kette bzw. Lanig ein wenig vorgezogen. Damit war das Spiel schon vor dem Anpfiff gegessen, denn es dürfte jedem klar sein, dass weder Lanig noch Matuschyk auch nur annäherndes Bundesliga-Format haben, völlig überfordert sind alleine die Positionen zu halten, damit die ganze Mannschaft auseinander nehmen und damit schon auf dem Papier jede Lust auf Fußball kaputt machen.

Wie erwartet beginnt der FC völlig konfus. Es herrscht von Beginn an keine Ordnung. Das frühe erste Tor (nach dem zweiten Fehlpass von Lanig mit der zweiten Ballberührung und einer halbstündigen Verspätung bei Matuschyk, die zum Foul führte), bricht schon in der achten Minute das Genick des fragilen Mannschaftstorsos.

Nach dem Spiel spricht Riether davon, dass die Mannschaft gut sei, wenn sie kompakt stehen würde, das wär heute nicht der Fall gewesen, daher hätte man zu Recht verloren. Martin Lanig spricht davon, dass man dem Gegner zu viele Räume gelassen hat und daher der BVB Zeit genug hatte die Bälle in die Spitze zu spielen. No Shit, Sherlock?

Ich bin schwer angefressen, weil es alles so vorhersehbar war, so glasklar, dass die Aufstellung nur im Desaster enden kann. Wir haben, wie oben erwähnt Riether in der RV, Sereno und Jamal in der IV und Eichner in der LV. Davor stehen auf dem Papier Matuschyk und Jajalo. Lanig wie gesagt etwas vor der Kette aber mit ziemlicher Sicherheit mit der Aufgabe in der Rückwärtsbewegung in die Kette zu verschieben, eventuell mit Jajalo zu rochieren und mindestens Anspielstation zu sein. In der Realität sah das dann so aus, dass Matuschyk immer dort stand, wo er nicht gebraucht wird, meistens hinter der zweiten Verteidigungslinie, bei den Treffern zum 0:3 und 0:4 sogar im Zentrum. Dort
a) steht er der IV im Weg rum
b) nimmt er eine Anspielstation weg
c) sorgt er mit seinem konfusen Rumrennen für nichts als Hektik
d) sorgt er dafür, dass im Dortmunder Aufbau noch mehr Platz zur Verfügung steht

Zudem gewinnt er nicht einen Zweikampf, kann keinen Pass über drei Meter an den Mann bringen und wirkt immer lethargisch und uninteressiert. Wenn ich dann sehe, dass er auch noch versucht sich in Szene zu setzen und zum Dribbling antritt, dann platzt mir echt der Arsch Kragen.

Mit Lanig hat er aber den perfekten Partner auf dem Platz. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum der Mann immer wieder aufgestellt wird. Heute war er mal wieder mit einer lupenreinen Marvin-Matip-Gedächtnisleistung unterwegs. Jeder Ball geht verloren, ein Nachsetzen gibt es bei ihm nicht, weil der Gegner schon das Trikot auszieht, wenn er bemerkt, dass er der Ball nicht mehr am Füßchen führt und seine Versuche den Ball über mehr als zwei Meter zu einem Mitspieler zu passen, sehen aus als hätte irgendjemand den Startplatz in der Mannschaft bei Radio Köln gewonnen. In einem Wort: Unwürdig.

Ist das alles unfair? Ist das alles übertrieben und muß nicht der Mannschaft als Gesamtkunstwerk ein schlimmer Vorwurf gemacht werden? Klar! Ohne jede Frage. Aber letztlich reicht meistens der faule Fisch um eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen. Da kann die Zitrone nix für. Heute muss das mal raus.

Mit völlig aus dem Spiel genommenen Schaltpositionen steht der Rest der Mannschaft halt ohne jedes Gerüst da und wir müssen uns -verdammt noch mal- darüber klar sein, dass der 1.FC Köln weit davon entfernt ist um irgendetwas über dem 8,9 Tabellenplatz mitzuspielen. Dafür tragen wir noch zu viele Hypotheken aus den letzten Jahren mit uns rum. Es ist vielmehr so, dass der Blick immer wieder ängstlich nach unten gehen muss. Wir haben keine Personaldecke, die es verschmerzen lässt, wenn dreiviertel der Abwehr krank oder verletzt auf der Couch liegt, das wurde in diesem Spiel wieder unglaublich deutlich.

Heute war das -mit Abstand- schlechteste Spiel in der Ära Solbakken. In der 86. Minute erbarmte sich wenigstens Podolski und ersparte dem Verein den Negativrekord der erste Verein der Bundesliga zu sein, der in einem Punktspiel nicht ein Mal auf das gegnerische Tor geschossen hat. Wenigstens dieser eine Torschuss steht also zu Buche. Yeah!

Eigentlich muss die Reaktion des Trainers und der Mannschaft sein das Spiel ganz schnell abzuhaken, keine Sekunde mehr zu verschwenden. Ich glaube tatsächlich, dass hier auch eine Video-Analyse nichts mehr bringen kann, denn entweder wußten die betroffenen Spieler nicht was von ihnen verlangt ist, dann haben sie am 10. Spieltag nichts mehr in der Lizenzspieler-Mannschaft verloren oder sie sind einfach so schlecht und dann müssen sie halt aufgestellt werden, wenn niemand Anderes mehr zur Verfügung steht. Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass Matuschyk…ach, ich bin’s für heute leid.

Jetzt muss die Mannschaft eine Antwort finden. Am Dienstag geht es zum Auswärtsspiel in der zweiten DFB-Pokal-Runde nach Sinsheim. Ich bin gespannt wie mit diesem neuerlichen Rückschlag umgegangen wird. In der Mannschaft – aber auch im Trainerstab.

[Update]: Adil Chihi hat sich dann auch noch einen gepflegten Kreuzbandriss zugezogen. Das ist verletzungsmäßig eine unglaubliche Seuchensaison. Jetzt muss entweder Roshi oder Clemens auf der Position einspringen. Ob es sportlich ein enormer Nachteil sein wird? Muss man sehen, muss man abwarten. Abgesehen davon wünsche ich natürlich eine schnelle Rekonvaleszenz!

Die 111 Tage Bilanz

In der Politik gibt man der neuen Regierung 100 Tage Zeit, bis es zu einer ersten Zwischenbilanz kommt. Für Köln ist die 100 natürlich nur ‘ne schnöde Zahl, wir machen schließlich nix ohne irgendeinen "jecken" Hintergrund. Also: Ståle Solbakken ist seit dem 01.Juli unser Trainer, das sind jetzt genau 111 Tage. Jetzt dürfen wir uns auch mal an einem Zwischenzeugnis versuchen. Let’s roll:

Der Beginn:
Solbakken tritt von Anfang an sympathisch auf, er lernt deutsch und vermittelt eine positive Grundstimmung. Spätestens am 20.07. ist es aber mit der Aufbruchstimmung in Köln vorbei, denn der EXPRESS hat sein Sommerloch-Kit gefunden und macht schon vor dem ersten Saisonspiel schwer Stimmung gegen den Trainer, der sich nicht eindeutig zu Lukas Podolski als Kapitän bekennt. Der Norweger begründet seine Entscheidung pro Geromel und contra Podolski mit der stetigen Belastung, der er als alleiniger Schutzheiliger des Rhein-Erft-Kreises, kölschem Superstar, Nationalsspieler, REWE-Toastbrot-Werbegesicht, Modemacher und Frontface von FIFA12 ausgesetzt ist. Bei FACEBOOK geht die Welt unter, der Pöbel schreit sich die Seele aus dem Leib und ich konnte gar nicht so viel fressen wie ich kotzen wollte. Das war typisch kölsch: Ohne Sinn und Verstand und ohne ernsthafte Reflexion wird angeheizt. Solbakken wird sich gewundert haben.

Nach einem klaren Sieg im DFB-Pokal kommt am ersten Spieltag der VfL Wolfsburg zum Start in die Domstadt. Die Mannschaft spielt völlig verunsichert, steht falsch, hat große Probleme das neue System des Trainers umzusetzen. Zudem muss mit Kevin Pezzoni ein Spieler in der Innenverteidigung spielen, der dort nichts aber auch gar nichts zu suchen hat. Der Trainer gesteht nach dem Spiel, dass er dachte, dass seine Spieler nicht derartige Probleme mit einer Systemanpassung haben würden. Ein kleines Understatement.
Nach der Heimpleite folgt ein erstes Auswärtsdebakel in Schalke auch wenn ich auch heute noch der Meinung bin, dass das Spiel niemals ohne den geschenkten Elfer so derart gekippt wäre. Man erkennt erste Ansätze der Solbakkschen Spielidee, kann die beiden Ketten erkennen. In Köln bricht Panik aus und ich versuche einen völlig aufgebrachten Freund am Telefon zu beruhigen. Alles wird gut! Er hört mich nicht.

In der Bundesliga angekommen:
Der Druck vor dem Spiel gegen Lautern war enorm und wir holen zumindest den ersten Punkt, was gegen die Pfälzer ja schon selten genug ist. Der vielleicht wichtigste Sieg der letzten 20 Jahre kam am nächsten Spieltag beim HSV. Glücklich, unverdient aber erkennbar bemüht holt der FC seine ersten drei Punkte unter Solbakken. Es folgt der obligatorischen Rückschlag zu Hause gegen den Glubb, doch in jedem Spiel ist eine Entwicklung zu sehen. Auch hier scheitert das System an den individuellen Schwächen einzelner Spieler.
Nach dem grandiosen Sieg in Leverkusen und dem souveränen Heimspiel gegen Hoffenheim scheint sich das Gerüst der Mannschaft im Kopf des Trainers gefunden zu haben. Schlechte Spiele können passieren, wichtig ist, dass sie zur Ausnahme werden, siehe Berlin und Hannover.
Heute scheint Solbakken mit seiner Philisophie in der Bundesliga und bei der Mannschaft angekommen zu sein.

Das "System":
Im Gegensatz zu den letzten Trainer hat Solbakken ein klares Verständnis, wie er Fußball sehen möchte. Daum schien völlig ohne Taktik zu spielen, Soldo hat der Mannschaft jedes Selbstvertrauen genomenn, weil nur destruktiv gegen den Mann gespielt wurde, Schaefer erreichte seine Spieler eher über individuelle Freiheiten und Finke stauchte zur rechten Zeit ein wenig Disziplin in die Truppe. Solbakken ist auf den ersten Blick nicht hundertprozentig ergebnisorientiert. Er will Entwicklungen sehen, er will Automatismen entwicklen, die es über die Saison einfacher machen. Natürlich ist das alles noch nicht vollständig ausjustiert aber man sieht ganz deutlich wo die Reise hingehen soll.

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsspielen: Zu Hause rückt die Viererkette teilweise bis an die Mittellinie, es wird versucht die Räume sehr eng zu machen, so dass sich das gegnerische Aufbauspiel auf 20 – 25 Meter abspielen muss. Auswärts steht der FC tiefer, die Außenbahnen lassen sich zurück fallen um schnelle Konter fahren zu können. Man versucht also nicht so sehr das Spiel des Gegeners zu unterdrücken, sondern verlässt sich eher auf das eigenen Stellungsspiel. Bis auf Leverkusen ist das bisher noch nicht wirklich erfolgreich gewesen, was aber natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass in jedem Spiel eine neue Defensive spielen muss, denn das Verletzungspech ist dieses Jahr übelst. Dennoch: Man kann ganz klare Entwicklungen erkennen, man sieht, dass die Mannschaft auch psychologisch viel gefestigter scheint, als in den letzten Jahren, denn auch nach Gegentreffern ist die Körpersprache mittlerweile eine ganz andere.

Im Mittelfeld wird mit einer richtigen Doppel-Sechs gespielt. Nachdem Riether die Saison eher träge begann, scheint er mit Jajalo genau den richtigen Partner an seiner Seite gefunden zu haben. Peszko auf links und Chihi auf halbrechts sind Läufer, die für die beiden immer der erste Anspielpartner sind. Auch hier sieht man die enorme Entwicklung. Standen sich letztes Jahr mit Matuschyk, Petit, Lanig und Jajalo die "Sechser" praktisch auf den Füßen ohne eine Option nach Vorne zu haben, ist nun eine Raute auf dem Platz, die mit zwei, drei schnellen Pässen zwanzig, dreißig Meter gut macht. Auch hier gilt: Auswärts eher zurück gezogen und mit mehr Drang nach Außen, zu Hause weiter obend stehend mit Zug spielend. Das ist alles so viel besser als in den letzten Jahren, wer das nichts sieht, dem kann ich nicht mehr helfen.

Vorne spielen "wir" im Idealfall mit Novakovic als Spitze und Podolski als hängender Zwitter zwischen "Neun" und "Zehn". Hier sehe ich noch den größten Nachholbedarf für die sportliche Leitung, denn, wenn, wie letzte Woche Nova ausfällt, haben wir keinen großen Ersatz in der Hinterhand. Weder Freis noch Clemens scheinen den Trainer zu überzeugen. Ich tippe mal, dass hier im Winter noch nachgebessert wird.

Die Stimmung:
Nach dem 2:0 gegen Hannover lief Podolski schnurstraks auf den Trainer zu, herzte die Pläät und schaffte so ein allzu seltenes Bild der Eintracht in Köln. Man hört aus der Mannschaft keinen schlechten Satz über den Trainer, man hört nur wie viel Spaß es macht unter dem Mann zu arbeiten und mittlerweile scheint sogar die Presse mit dem Nordmann warm zu werden. Zum Glück sind die ganzen Spezialexperten, die vor der Saison den Trainer als erste Entlassung quasi sicher wussten zur Zeit verstummt, ich wünsche nur ich hätte damals einen Screenshot von der FC-Seite bei FACEBOOK gemacht, nur dem den ganzen Spinnern das heute unter die Nase reiben zu können.

Fazit:
Alles, wirklich alles, was ich mir erhofft habe sehe ich am 9. Spieltag als erfüllt an. Ich hatte eigentlich sogar mit einem viel längeren Anlauf gerechnet. Wenn uns nicht noch mehr Verletzungen aus der Bahn werfen, werden wir zum Ende der Hinrunde die 20 Punkte mindestens in der Tasche haben, davon bin ich überzeugt. Unabhängig von reinen Ergebnissen ist es aber so unglaublich befriedigend zu sehen, dass auch in Köln eine Entwicklung zu sehen ist, dass sich auch hier die Uhren weiterdrehen.

Solbakken macht Mut, Spaß und Hoffnung. All das, was mir vor Jahresfrist nicht unbedingt zum 1.FC Köln eingefallen wäre. Das wäre dann eine 1 mit Sternchen, nach 111 Tagen in Köln. So kann es weitergehen, bitte.

FC – Hannover 96: Von linken Kleben, Glück und Pech

Michael Rensing fand nach dem Abpfiff ehrliche Worte für die wohl spielentscheidende Situation aus der 70. Minute. Er erklärte die Entscheidung von Dr. Drees den Hannoveraner Ausgleich wegen Abseits abzupfeifen zur Fehlentscheidung, er sei von Didier “dem Barbar” Ya Konan nicht behindert worden, das Tor hätte zählen müssen. Ja, jut. Shit happens. Wer weiß das besser als wir? In Müngersdorf und im ganzen -empfindlich kalten- Rheintal interessierte das nicht sonderlich, die Punkte sind in Köln geblieben, der FC setzt sich mit 13 Punkten ein schönes Stück von unten ab, der Prinz entzückt wieder mit seiner linken Klebe und im Stadion wurde “dat Trömmelche” rausgeholt.

Vor dem Spiel dreht sich die Diskussion um Novackovic und seine engequetsche Milz Niere Leber Oberschenkelwarze. Der Goalgetter konnte nicht spielen. Also rückte Podolski nach vorne, Jajalo ebenfalls und Lanig ersetzt den Koraten in der Doppel-Sechs. Auf rechts war Brecko von seiner Karten-Verletzung geheilt und durfte wieder ran. Musste zur Halbzeit raus, wurde durch Andrézinho ersetzt, der sich nach 10 Minuten und einem Luftkampf gegen Rausch vom Platz tragen ließ um von Makino ersetzt zu werden. Mann, Mann, Mann, die Personal-Situation ist mittlerweile nicht mehr wirklich charmant: Geromel, McKenna, Brecko, Andrézinho, Petit. Alle nicht einsetzbar. So muss Solbakken von Spiel zu Spiel schauen wer grad die Beine bewegen kann, um seine Abwehr auf’s Papier zu bringen. Das macht es nicht einfacher.

Unabhängig vom Personal macht unsere Anwehr aber bisher einen anständigen Job, wie ich finde. Heute war die Innenverteidigung glänzend aufgestellt. Jamal und Sereno immer sehr aufmerksam, stets auf Ballhöhe, wie man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so gern sagt. Die Außen hatten ein paar Probleme mehr, aber das lag auch am 96er-Personal, das, besonders in der zweiten Halbzeit, versuchte über zwei, drei schnelle Pässe nach Außen Druck auszuüben und Flanken in den Strafraum zu bringen. Jetzt kümmert sich der effzeh ja eh nicht sonderlich um Flanken, daher will ich da jetzt auch keinen Qualitätsunterschied sehen – außer bei Makino, der wirklich ein paar Mal sehr spät dran war und bei dem ich nicht das beste Gefühl habe.

Ein Sonderlob geht heute an Sascha Riether, der sich nach der Stunde mit seinem Heft bei mir melden kann, damit ich ihm das Sternchen reinkleben kann. Der Mann war heute in meinen Augen der beste Spieler auf dem Platz. Extrem fleissig, großes Laufpensum, bissig, eng am Gegner und daher ein extremer Störfaktor für das gegnerische Aufbauspiel. Da konnte dann auch Lanig nix dran ändern, der wieder den Lethargus gab. Ich will mich ja gar nicht groß einschiessen aber ich glaube jeder hat gesehen, dass zwischen der Rietherschen Performance und dem Gekrüppel, dass der Lanig auf den Platz brachte, Welten lagen. Ich glaube, ich habe noch nie einen so schlecht ausgespielten drei-gegen-eins-Konter gesehen, wie das Ding als Lanig den Ball in Richtung Chihi spielen wollte. Da ist mir spontan ein halbes Kilo Haar vom Kopf gefallen.

In der Offensive spielten Peszko, Jajalo und Chihi einen soliden Part. Podolski schien von Anfang an Lust zu haben, was ja immer ein gutes Zeichen für den effzeh und seine Anhänger ist (Hat Bergheim 2000 gestern gewonnen?). Es gab eine Situation in der zehnten, elften Minute als er angespielt wird, mit dem Rücken zum Tor steht und versucht den Ball über die Hacke zu Peszko zu spielen, da hab ich mir schon gedacht, ein Glück, er ist nicht allzu sauer, dass er alleine da vorne spielen muss, der hat heute Bock. Dass die 96er ihm dann auch noch den Gefallen tun beim Freistoss die Rüben unten zu halten und so dass 1:0 relativ unkompliziert im linken unteren Eck einschlägt, nehmen wir dankend an.

Dazu hätte ich aber noch die ein oder andere Frage: Okay, Novackovic war nicht fit. Vor dem Spiel sagte Solbakken im SKY-Interview, dass Freis “ein Mann für vielleicht 20 Minuten” sei und Ionita eine “Verletzung hat, die es ihm nicht möglich macht auf Bundesliga-Niveau zu spielen”. Was ist das denn für eine Verletzung? Entweder ich bin verletzt, dann kann ich nicht spielen egal ob Kreisliga oder Bundesliga oder eben nicht. Hat sich Solbakken da doof ausgedrückt? Ich glaube nicht. Mir kommt es so vor, dass der Trainer seine Worte immer mit sehr viel Bedacht auswählt. Hat er Ionita mit der Aussage etwa seine Bundesliga-Tauglichkeit komplett abgesprochen? Und was ist mit Clemens? Der scheint ja komplett keine Rolle mehr zu spielen oder täusche ich mich? Dass Solbakken kein Mann für “Jugend forscht” ist, ist mittlerweile auch klar, daher war die Bank-Besetzung auch keine große Überraschung. Dass aber Roshi eingewechselt wird und nicht Clemens oder Freis ist dann schon ein Zeichen. Könnte die EXPRESS hier bitte wieder die Berichterstattung zur Wiederverpflichtung von P. Helmes (z.Z. mit einem blutroten VW Golf GTI auf der A39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg unterwegs) aufnehmen. Ja? Danke.

In der 86. Minute kommt die Entscheidung durch einen dieser magischen Momente: Chihi holt ‘ne Ecke raus, Podolski führt aus, bekommt den Ball zurück, tunnelt seinen Gegenspieler und drischt dann aus spitzem Winkel ins lange Eck. Wahnsinnstor. Zieler ohne Chance und Müngersdorf explodiert.
Nebenbei: Ich hatte vor der Saison um Therapie für Michael Trippel gebeten, denn der Mann ist bei eigenen Toren ja ziemlich…nun ja…enthusiastisch. Was aber heute aus den Lautsprechern kam, ist mit Prügel alleine nicht mehr zu heilen. Da wird Michael Buffer ja bleich. Wei o wei. Naja, passte aber zu den Bildern im Volk und der schrecklichen Tor”musik”.

Ist der Sieg denn jetzt nur glücklich oder etwa doch verdient? Aufgrund der ersten Halbzeit und dem Gesamtaufwand finde ich schon, dass die drei Punkte verdient in Köln bleiben. Klar, das nicht gegebene Tor ist eine krasse Fehlentscheidung und damit auch ein massives Eingreifen in das Spiel aber was kümmert uns auch mal ein dreckiger Sieg? Verdammt, wir haben viel zu oft unverdient um die Ohren bekommen. Also: Mir doch egal!

Nächste Woche spielen wir beim deutschen Meister aus Dortmund. Mal schauen welchen Zaubertrick der Norweger dann aus der Tasche ziehen wird um die Abwehr auf Götze und Co. einzustellen. Wenn wir denn bis dahin überhaupt noch genug gesunde Spieler haben werden, denn die Grippe-Periode kommt ja dann auch mal bald…

Hertha BSC – FC: Nur nach Hause

Es konnte ja niemand damit rechnen, dass der effzeh jetzt 27 Spiele in Folge gewinnt und lässig Meister wird aber ein klitzekleines bißchen Hoffnung auf ‘nen Dreier in Berlin, auf einen einstelligen Tabellenplatz und auf eine Leistung, die an die beiden vorherigen Siege anknüpft, hatte ich ja schon.

Wie so häufig beraubt mich der FC meiner Illusionen, doch, am Samstag war es dann doch anderes: Früher folgen Grottenspiele gegen schlechte Mannschaften und die Euphorie der Vorwochen lag als kleiner, verkümmerter Trümmerhaufen in den Wälder rund um den Aachener Weiher. Das kann man vom Spiel gegen die Hertha eigentlich gar nicht so recht sagen. Der FC verlor zurecht, auch in dieser Höhe, gegen eine clevere Berliner Mannschaft, die genauso spielte, wie wir in den letzten Spielen, eiskalt individuelle Fehler ausnutzte, drei überragende Einzelspieler auf dem Platz hatte und den Kölner nie einen Zugang zum Spiel gönnte. Aber war wirklich alles schlecht? Ich meine nicht. Der FC versuchte die Ordnung zu halten, spielte im Mittelfeld den schnellen Pass nach außen und behielt auch nach den Gegentoren die Positionen bei. Es herrschte keine Panik. Jetzt kann man das mit Lethargie abtun aber ich möchte mir einreden, dass die Spieler verstanden haben, dass es auch Rückschläge geben wird und dass die Positionsdisziplin auch in der Niederlage eine hohe Priorität hat. Und sei es als Lerneinheit.

Das war ein Spiel zum Mund-abputzen-und-weitermachen, nicht mehr. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Mannschaft und auch Trainer diese Lektion gelernt haben, denn: Weniger war es auch nicht.

Das Unheil begann schon früh, als sich abzeichnete, dass Ben-Hatira auf links große Vorteile gegen unseren Rechtsverteidiger Andrezinho hatte. Schon vor dem 1:0 konnte der Mann flanken, ohne dass er großartig gehindert wurde. Man muss aber fairerweise sagen, dass auch McKenna vor dem 2:0 vergaß den Fuß in die Tür zu stellen und dass Sereno Lasogga gleich zwei Mal aus den Augen verliert, macht die Sache rund.

Richtig geärgert hab ich mich über das 3:0, dass so -in der Bundesliga- nie fallen darf, denn der Ball war ‘ne halbe Stunde in der Luft und McKenna und Sereno müssen sich darüber im klaren sein, dass man Raffael nicht einfach so durchlaufen lassen kann. Das war schlecht und unnötig.

Danach lief nicht mehr viel zusammen auch die Pausenwechsel von Solbakken brachten keine größere Durchschlagskraft mehr auf den Platz.

Man sah sehr deutlich, dass das Spiel zu machen, noch nicht die Sache der Mannschaft ist. Zu kompliziert wurde versucht vor das Tor zu kommen, zu wenige zwingende Abschlüsse standen auf der Habenseite.

Dass jetzt die ganzen “Experten” wieder auf Podolski eintreten und die Niederlage am “Null-Bock-Poldi” festmachen, ist natürlich Blödsinn. Klar hatte man den Eindruck, dass Podolski irgendwann keine Lust mehr hatte aber der Grund für die Niederlage liegt einzig bei den individuellen Fehlern in der Abwehr.
Zudem hatte er auch keine wirkliche Unterstützung, denn Peszko und Novakovic hatten auch keinen Sahnetag, Eichner wirkte sehr bemüht, entfachte jedoch mit seinen Flanken nicht die erhoffte Gefahr. Jajalo versuchte immer das Spiel schnell zu machen, hatte aber meistens nur Chihi als Anspielstation. Hat halt nicht gepasst, diesmal.

Egal. Jetzt hat die Mannschaft Zeit sich auf Hannover 96 einzustellen, die ich von der Spielanlage her mit Hertha vergleichen möchte. Das wird interessant und aufschlussreich, ob und wenn ja welche Anpassungen vorgenommen werden, um zu punkten.

FC – Hoffenheim: Home at last

Toll, Toll, Toll! Den Derbysieg bestätigt, ein Tritt in die Lendengegend aller voreiligen System-, Solbakken-, und wie-kann-man-nur-der-arme-Prinz-Skeptiker und eine weiterer Schritt nach Vorne. Nochmal: Toll! Das hätte man sich vor zwei Wochen noch nicht vorstellen können, dass der FC so die Kurve kriegt. Sechs Punkte aus Leverkusen-auswärts und Hoffenheim-zu Hause und plötzlich steht man im gesicherten Mittelfeld. Ich hätte, ehrlich gesagt, am siebten Spieltag noch nicht mit einer so großen Leistungsdifferenz zur letzten Saison, ach was, zum letzten Jahrzehnt gerechnet. In meiner Saisonerwartung spielen wir bis zum 20. Spieltag ganz unten mit, um dann sicher die Klasse zu halten. Dass jetzt, nach sieben Spielen, schon ein bltzsauberes Gerüst steht, das empfinde ich als schier unglaublich.

Zuerst natürlich das Offensichtliche: Der Sieg war mehr als verdient, der FC ließ den Hoffenheimern keine Luft zum atmen, machte -wie gegen Leverkusen- extrem geschickt die Räume eng und konterte wieder über die überragenden Podolski und Jajalo. Hätte Nova am Abend vorher nicht in Metaxa gebadet, der effzeh hätte deutlich höher gewinnen können/müssen, whatever.

Ich will jetzt gar nicht groß auf das System eingehen, wer eine exzellente taktische Analyse lesen will, der bediene sich bitte drüben bei der Spielverlagerung, nur so viel: Wie kann man die Disziplin und den plötzlichen Erfolgshunger der Mannschaft erklären? Kann mir mal bitte jemand sagen, ob er sich an ein Spiel, nein zwei Spiele hintereinander, erinnern kann, in der die Kölner Mannschaft derart leidenschaftlich gekämpft hat? In der alle Mannschaftsteile wie beim Tischfußball die Positionen gehalten haben und in denen man dann auch noch so derart kaltschnäutzig vor dem Tor auftrat? Ich weiß es beim besten Willen nicht mehr. 1985 gegen Belgrad?

Ich will ja nicht sagen, dass wir kurz vor einer Zeitenwende stehen und auch das dumme Gerede von Europa (was uns ja übrigens nur angedichtet wird…aber darauf hinzuweisen ist vergeudete Liebesmüh) werdet Ihr nicht von mir hören aber: Ich bin so unglaublich begeistert von dem was ich gerade sehe, dass ich nicht umhin kann ein bißchen verliebt auf die Tabelle zu schauen und heimlich Norwegen für Jostein Gaarder und Ole Einar Bjørndalen zu verzeihen. Soweit bin ich schon!

Im Übrigen, lieber Qualitätsjournalismus: Hiermit beantrage ich Titelschutz in Wort und Schrift für folgende Überschriften, ganz oder in Teilen, jetzt und für immer:

“Oh Ståle mio”
“Systembakken”
“Das Ståle-Finale”
“Die Faust im (Sol)Nacken”
“Keine halben Bakken”
“Ståle, der Trainer mit der heißen Sohle”
“Ståle-Boom im Tagebau”
“Nicht lang schnacken – Solbakken”

Den dreckigen Rest, den dürft Ihr haben.

Nächste Woche geht es gegen die Hertha. Interessant wird sein, wie sich der FC gegen eine Mannschaft, die zwar sicher die Klasse halten wird aber dennoch nicht mit Leverkusen oder Hoffenheim zu vergleichen ist, positioniert. Ich tendiere dazu, von Glück zu reden, dass es sich um ein Auswärtsspiel handelt, denn so ist Berlin etwas mehr in der Pflicht das Spiel zu machen, als der FC. Gelingen wieder drei Punkte und steht die Abwehr weiter so bombensicher? Ich sehe gerade keinen Grund warum das nicht so sein sollte.

Only Football?

Gerade fällt mir beim studieren dieses Artikels des (natürlich) EXPRESS doch fast das Brötchen aus’m Gesicht. Dort wird über ein Szenario gesprochen, welches mich mit 18 oder 19 Jahren nicht hätte schlafen lassen: Der effzeh steht anscheinend in Verhandlungen mit Umbro, seit 2008 eine Nike-Tochter.

Freaking UMBRO, Mann! Als das Bierhoff-Mädchen 1996 die Europameisterschaft gewann, lief längst jeder, der was auf sich hielt in UMBRO-Klamotten ins Stadion. Bei den Gralshütern der Fußballkultur, zu denen ich mich damals natürlich ebenso zählte, wie die meisten, die im alten Müngersdorfer Stadion noch die 5-Mark-Schülerkarte oder den alten Stehplatz Mitte mitbekommen hatten, war Umbro schon was länger bekannt. Wir gaben mit grimmigen Stolz Unsummen für Importe aus. Stellt Euch vor, damals wurde auf Auswärtsfahrten noch im “Fan-Treff” geblättert und nicht in den 11Freunden. Hach, man könnte sich ja fast schämen aber die Erinnerung ist zu golden. Da gab es dann diverse Mailorder Adressen und neben unglaublich häßlichen Bulldoggen eben auch puren Sytle von der Insel. Wie gesagt, die Preise spotteten jeder Beschreibung aber, was macht man nicht alles im 17, 18 Jahren…

Ich hatte ein sehr geiles gelb-blaues Chelsea Away-Trikot (mit Amiga(!)-Werbung drauf ca, 1994) und einen grauen Sweater. Klassisch. Wie oft haben wir damals darüber sinniert, wie unglaublich geil es doch wäre, wenn der FC mit UMBRO auf der Brust auflaufen würde. Der Hauch von Europa, die neidischen Blicke der Konkurrenz, wenn der glorreiche 1.FC Köln in die Stadt kommt und Du läufst mit Deinem billigen Puma (Puma war damals in etwa vergleichbar mit Victory, der Deichmann-Marke) oder Trigema-Trikot rum und wir haben die beiden gestrecken Vierecke auf der Brust und Toni Polster auf dem Rücken. Hätte der Artikel damals in der Zeitung gestanden, wär ich wohl am gleichen Tag zum Geißbockheim gefahren und hätte blind einen Opitionsschein auf die erste Fuhre des neuen Trikots gekauft.

Heute schau ich mir die Meldung an und denke mir immer noch: Okay, du hast schon seit ewigen Zeiten mehr kein Trikot des FC besessen, wenn Umbro drauf steht, kaufste dir eins, das ist mal klar und sei es nur der Erinnerung wegen.

Natürlich ist da noch nix fix, Adidas will ja angeblich auch beim FC bleiben aber die Aussicht auf ein UMBRO-Trikot, mit dem Geißbock auf dem Herzen, schlicht, klassisch, stylisch…ja, da regt sich schon was!

Hach, effzeh: Kann es sein, dass Du auf Deine alten Tage die Kurve nochmal kriegst? Es wäre so schön.

1.FC Köln. Only Football.  

Bayer 04 – FC: Crimson Tide

Hab ich’s nicht gesagt? Nach dem Debakel gegen Nürnberg folgt die grandiose Wiederauferstehnung gegen zuvor 15 Jahre – im eingenen Stadion – gegen uns ungeschlagene Leverkusener. Ein toller Tag im Ex-Haberland, mit einem überragenden Lukas Podolski und einer umfassend disziplinierter Mannschaftsleistung, deren Erfolg auch mit Umstellungen in der Aufstellung und in der taktischen Ausrichtung auf dem Platz fußte. Feinjustierungen durch Solbakken, die das enge Abwehr-Korsett ein wenig auflockert und 5.000 mitgereiste Fans in kollektiven Wahnsinn verfallen lassen. 4:1 in Leverkusen! Das muss man erstmal sacken lassen!

Durch die rote Karte für Brecko war Solbakken gezwungen die Abwehr erneut umzustellen. Für den gesperrten Slowenen stellt unser Trainer Neuzugang Sereno auf rechts, zieht mit Jemal den zweiten Außen-Neuzugang auf links und stellt McKenna neben Geromel in die Innenverteidigung. Eine Umstellung die sich auszahlte. Sereno machte auf rechts ein tolles Spiel, war sehr laufstark, dazu antrittsschnell und mit klugem Stellungsspiel gegen Schürrle, der sich nicht anders zu helfen wußte als immer wieder in die Mitte zu ziehen und dort gegen eine Mauer rannte. Jemal machte es auf links ebenso. Ganz starke Leistung unserer beiden Sommereinkäufe. Innen machte Geromel das beste Spiel seiner laufenden Saison und auch McKenna stand sicher in der Abwehrzentrale, neutralisierte jedes Kopfballspiel und muss ausdrücklich gelobt werden! Verdammt schade, dass sich Geromel am Ende des Spiels verletzte und sich einen Riss des Außenmeniskus zuzog. So wird nächste Woche gegen Hoffenheim wieder eine umformierte Abwehr auf dem Platz stehen müssen. Der einzige Wermutstropfen an diesem sonnigen Tag.

In der zweiten Kette wurde mein Flehen erhöht und Lanig endlich vom Platz genommen und durch die Doppelsechs Riether/Jajalo ersetzt. Der Effekt war von Anfang an zu sehen: Der Aufbau war viel sicherer als mit Lanig, die Ballannahme wurde nicht verzögert und das offensive Leverkusener Mittelfeld mit Ballack und Augusto hatte überhaupt keine Mittel gegen die extrem verengten Räume und das Verschieben der Ketten, die unterstützt von Peszko und Chihi dem Gegener schnell den Schneid abkaufte. Peszko mit einem kleinen Privatkrieg gegen Balitsch, Chihi in fast allen Duellen schneller als Schwaab. Das Leverkusener Aufbauspiel fand fast überhaupt nicht statt, da kaum Anspielstationen vorhanden waren und nichts anderes als der Pass in den freien Raum blieb, wo dann der erste Abwehrriegel wartete und Derdiyok verhungern ließ.

Die rautenförmige Rückwärtsbewegung mit einem etwas zurück gezogenen Podolski und den schnellen Außenbahnen wurde fast perfekt umgesetzt. Bei eigenem Ballbesitz wird der Raum breiter gemacht, Podolski spielt fast ‘ne 10, weil er immer den ersten Ball bekommt, dann entweder zurück zu Jajalo passt, der das Spiel schnell nach Außen verlagert oder direkt den Weg zu Peszko oder Chihi sucht, die dann meistens mit einem schnellen zweiten Pass ein Loch in die gegenerische Raumdeckung reissen. Das ist taktisch sauber, funktioniert aber tatsächlich nur, wenn die Laufwege verinnerlicht sind. Das war gestern deutlich zu sehen. Podolski wusste vor dem 0:1 genau den Weg, den Riether gehen wird, dieser wußte instinktiv, dass er nach Innen spielen kann, eben weil Podolski dort hinlaufen wird, Novakovic orientiert sich nicht zum Ball, wie er es letztes Jahr noch gemacht hätte, sondern sucht den freien Raum und Podolski weiß das, passt und wieder steht Nova frei. Das haben wir jetzt schon ein paar Mal gesehen, dieses Jahr und es drängt sich der Eindruck auf, dass das ein trainirter Spielzug ist.

Beim 0:2 sieht man wie Novakovic seinen Lauf verzögert um nicht Abseits zu stehen und ein wenig nach Außen zieht um Toprak keine Möglichkeit zum grätschen zu geben, Podolski spielt den Ball in den Lauf und orientiert sich sofort auf einen bestimmten Punkt im Strafraum. Er läuft nicht blind durch, sondern verlangsamt seinen Lauf sogar um eben auf genau diesem Punkt zu stehen, weil er weiß, dass Nova dort hin spielen wird. Der macht genau das, hebt noch nicht mal den Kopf, sondern flankt wie trainiert und Podolski netzt ein. Das war 1A mit Sahne oben drauf. Beide, Nova und Poldi mit einem guten bis tollen Spiel. So kann es gerne weitergehen!

Um die Superlativen ein wenig zu relativieren, muss man sagen, dass die Leverkusener Abwehr fürchterlich schwach war und sowohl das 0:2 als auch das 0:3 mit einem ordentlichen Stellungsspiel hätte verhindert werden können aber, hey, ist nicht passiert, also wurden die Chancen, die sich geboten haben eiskalt ausgenutzt. Das ist auch eine Qualität, keine Frage. Das 1:4 ist dann nichts anderes als eine komplette Demütigung der Leverkusener Mannschaft, die ohne Gegenwehr dem FC eine kleine Trainingseinheit im eigenen Strafraum erlaubt und Jajalo einen lässigen Lupfer schenkt.

Zu den umstrittenen Schiedrichter-Entscheidungen: Die Podolski-Aktion ist…nun ja…etwas ungeschickt. Er versucht den Ball wegzuhauen, trifft halt Schürrle. Über eine gelbe Karte hätte er sich nicht beschweren können aber glatt Rot hätte ich für überzogen gehalten. Genauso muss man nicht zwingend Rot gegen Schürrle geben, denn er geht klar zum Ball, trifft aber halt auch von hinten Eichner. Die Tatsache, dass dieses Foul in der 93. Minute geschieht, macht es dem Schiri einfach hier auf Frust zu deuten. Ob der Völler nach dem Spiel so ausratsen muss, sei mal dahingstellt, der Schiedsrichter war aber auf jeden Fall nicht Schuld an der Leverkusener Niederlage.

Fabrice Ehret auf Facebook!

Als Bayer-Fan wär ich bedient, keine Frage, deshalb (und es gibt noch tausend weitere Gründe) bin ich ganz froh, dass ich diesmal auf der richtigen Seite der Macht stehe und mich maßlos über diesen Sieg gegen den Pharmakonzern freuen kann. Und da bin ich zum Glück nicht alleine!

Nächste Woche geht es gegen eine andere Pest der Liga, zu Hause gegen Hoffenheim. Hoffentlich wird uns der Ausfall von Geromel nicht zu sehr schwächen. Auf die gestrige Leistung kann auf jeden Fall aufgebaut werden oder wie sagte es Lukas Podolski nach dem Spiel so schön:

“Wenn wir alle zusammen spielen und kämpfen, können wir gegen alle gewinnen. Egal ob Leverkussen, ob Hamburg, ob Bayern. Egal.”

Jawoll!

Kleine Frischzellenkur

Ich hatte den Blog irgendwann mal unter dem launigen Namen “lost in Nippes” ins Leben gerufen, eben weil ich damals dort gewohnt habe (oder jedenfalls auf der Grenze) und hatte eigentlich vor, den Fußball nur als Teil des Blogs zu betrachten. Ich hab einfach über alles mögliche geschrieben: Filme, Serien, meine Feindschaft gegen die KVB und abendliche Abenteuer-Exkursionen in das nahe Nachtleben.

Mittlerweile ist es jedoch so, ihr werdet es mitbekommen haben, dass sich der Blog immer mehr zu einem reinen “effzeh”-Blog wandelt. Das hat ein paar Gründe. Zum einen hab ich nicht mehr die Zeit, die ich damals hatte, ich fahre kaum noch mit der KVB und hab entsprechend wenig Grund mich zu beschweren, ich bin schlicht zu faul über jeden Mist den ich mir im Kino angucke einen Artikel zu schreiben und ich merke ja auch an den Zugriffszahlen, dass sich unter der “Stamm”-Leserschaft eh niemand dafür interessiert, wenn es um “abweichende” Themen geht. Das ist aber auch schon okay so.

Ich werde sicher weiter den ein oder anderen Quatsch posten, der nichts mit dem 1.FC Köln zu tun hat aber nagelt mich bitte nicht drauf fest. Das wird schon. Jeden Tag steht ein Idiot auf und wenn ich’s mitbekomme, dann ihr auch!

Ich hoffe auch, dass der neue Header gefällt und möchte mich bei den zwei bis drei Lesern entschuldigen, die jetzt einen Mehrwert verloren haben. Zum kleinen Trost noch ein paar Aktualisierungen aus der lange nicht mehr renovierten Rubrik Serien-Tipps, die mit heute auch vom Server genommen wurde:

The League (FX)
Comedy-Serie um eine Gruppe neurotischer Fantasy-Football-Spieler. Sehr derber Humor allerdings sollte man wenigstens rudimentäres Wissen über die NFL und die Football-Kultur als solches mitbringen. Die imdb sagt 8,7.

und

Game of Thrones (HBO)
Fantasy basierend auf “Dem Lied von Eis und Feuer”. Wird jeder mitbekommen haben, war ein Riesenhit und HBO hat sofort neue Staffeln bestellt. Hat mich so gefesselt, dass ich mir die Bücher kaufen musste, weil ich keine Geduld hatte abzuwarten. Das sagt einiges, denn mein bisheriger Fantasy-Horizont endet bei “Herr der Ringe”.

Dazu kommen natürlich die neuen Staffeln von “Weeds” und “Sons of Anarchy”, “Dexter” startet bald, “Entourage” ist zu Ende und meine Neigung Amerikanern beim Geldverdienen zuzuschauen wird mit “The Amazing Race” und Survivor ja auch demnächst wieder gutiert.

So, damit ist der TV-Kultur genüge getan. Gute Nacht und Come on FC!

FC – Nürnberg: Feuer unterm Dach

Nach dem glücklichen Sieg in Hamburg folgt eine völlig verdiente Niederlage gegen eine gute Mannschaft aus Nürnberg. Wieder einmal schafft es der effzeh die zarte Pflanze Hoffnung sofort wieder mit groben Trollhänden zu zerquetschen. Neben dem Auftakt gegen Wolfsburg war dies das schlechteste Spiel der Mannschaft in dieser Spielzeit. Eine unsichere, langsame Abwehr, ein nicht existentes Aufbauspiel und ein ganz schwaches, unbewegliches Spiel zum Tor. So kann man gegen keine Mannschaft gewinnen auch wenn man dem “Glubb” ganz bestimmt nicht unterstellen sollte ein leichter Kunde zu sein.

Bevor wir uns über den schlimmen Schiedsrichter beschweren, müssen wir vor der eigenen Tür kehren. Wir müssen uns fragen, wie es sein kann, dass wir im fünften Spiel bereits den vierten Elfmeter gegen uns kassieren. Das muss ja einen Grund haben auch wenn man über den ein oder anderen Pfiff sicherlich diskutieren kann aber da steckt ja mehr hinter. Heute konnte man die beiden Elferpfiffe durchaus nachvollziehen auch wenn ich sage, dass der erste Elfer keiner ist, weil Geromels Fuß da schon steht und Feuler einfach dagegen läuft.Kurzer Einschub: Feulner? FEULNER? Was zur Hölle mach wir nur falsch? Mann, Mann, Mann.

Tschuldigung. Weiter im Text: Die Sache ist einfach die: Die gesamte Abwehr strahlt keine Sicherheit aus und agiert teilweise wüst, ohne Kopf und immer hinter dem Ball statt davor. Diese Schwäche sieht einfach objektiv unbeholfen aus und führt zu schnellen Pfiffen oder wildem Winken von der Seitenline. Wenn man immer einen Schritt zu spät dran ist, dann muss man halt stochern und so trifft man dann schnell man einen Knöchel oder ein Schienbein. Beim zweiten Elfmeter stellt sich Geromel noch eine Spur idiotischer an als beim ersten Pfiff. Das ist dann schon fahrlässig. Da bleibt viel zu tun, denn viel schneller wird die Abwehr nicht werden und da die Viererkette sich für schnelles Überrumpeln quasi aufdrängt, bin ich nicht sicher ob wir nicht noch ein paar Elfer kassieren werden dieses Jahr.

Auch wenn kein Tor aus dem Spiel heraus gefallen ist, so sind die beiden Tore doch hochverdient, denn Nürnberg hätte das Spiel viel höher gewinnen müssen. Zwei Mal Aluminium, hundert Kontermöglichkeiten nach Schlampereien und Ballverlusten der Aufbauspieler. Ich will mich also nicht wirklich beschweren muss aber natürlich trotzdem sagen, dass Schiedsrichter Weiner heute unfassbar schlecht war. Beide roten Karten waren ein Witz, viele kleine Pfiffe waren komplett falsch und -falls mich meine Adleraugen nicht betrügen- wird dem FC in der zweiten Halbzeit ein klarer Elfer verwehrt, als ein Nürnberger Spieler im Rücken von Podolski klar Hand spielt (die Situation als Podolski fiel und das ganze Stadion kurz davor war sich spontan Fell wachsen zu lassen und den nahen Mond anzuheulen). [Edit: Auch wenn Dominik mich per twitter darauf hinweist, dass Weiner eigentlich weniger Fehler gemacht hat, als man im Stadion oder beim ersten ansehen gedacht hätte, meine Selbstkasteiungsneigung hat Grenzen und ich werde mir das Spiel nicht nochmal anschauen!] Weiner ist aber kein Grund das Ergebnis als ein ungerechtes darzustellen.

Die Mannschaft war heute wieder mal mit dem bösen zweiten Gesicht unterwegs. Geromel hatte heute in etwa die Abwehrkräfte eines unregelmäßig konsumierten halben Actimels, Brecko war in 90% seiner Szenen zu langsam für die quirligen Nürnberger Außen und rannte entsprechend kopflos hinterher. Sereno zeigte auch eine Menge Unsicherheiten war aber immer noch besser im Stellungsspiel als seine Kollegen. Eichner war ein paar Mal baff erstaunt dass auf seiner Seite auch gespielt wird, er stand oftmals viel zu zentral und verlor dadurch wieder entscheidene Meter auf seinen Gegenspieler. Rensing wieder mal die ärmste Sau aber wenigstens mit einem Toni-Schumacher-Gedächtnis-Moment als er Chihi die Haut abziehen will, weil der wieder mal ‘nen Ball vertändelte. Nach dem Spiel die furchtbar grandiose Aussage:

„Ich habe ihm tausendmal gesagt, dass er seine Scheißdribblings nicht vor dem Strafraum machen soll. Das ist viel zu riskant, und wenn es daneben geht, eröffnet es dem Gegner Chancen“ (tritt mit Schaum vorm Mund ab)

Recht hat der Mann. Hoffentlich hilft’s!

Vor der Abwehr das gewohnte Bild. Lanig pomadig, langsam, ohne Idee und Inspiration, Riether gewohnt bieder aber wenigstens bemüht. In der zweiten Halbzeit kommt Jajalo für Eichner und Trainer Solbakken stellt Riehter auf links um mit Peszko und Jajalo etwas offensiver zu agieren. Hab ich’s nicht gesagt? Nein? Doch! Nur anders. Also fast. Dadurch ist das meine Idee. Iss klar, oder? Nun Stale, ich hätte da noch ‘ne Menge andere Ideen, die nur ein wenig…nunja sagen wir mal…Risikokapital zur Umsetzung benötigen. Ruf mich mal an, ich bin für Gespräche offen!

Wie bekomm ich jetzt den Bogen zum Spiel nach Vorne? Ah, ich hab’s: Das war fast so schwach wie mein Versuch mich da eben als Taktikfuchs anzubiedern. Nova heute mit dem Radius einer sehr mißmutigen Nacktschnecke und außerdem hat er zu große Füße um einen Fußball zu stoppen. Podolski heute mit unüblichen Stockfehlern und viel zu langen Entscheidungswegen zwischen Hirn, rechtem Fuß und linken Fuß. Wenigstens hat er ein Abseitstor geschossen.

Chihi und Peszko beide schwach. Chihi immerhin mit geradem Innenrist, so dass er den Abpraller zum Anschluß nicht vorbei schieben konnte. Manchmal muss man schon mit ausreichender Anatomie zufrieden sein.

Ich bin schwer enttäuscht vom Auftritt der Mannschaft. Kein Aufbäumen, kein Einsatz, keine Ideen, kein Mut. Und komm mir bloß keiner und schiebt das auf “das System”. Hier gab es kein System zu sehen, die Mannschaft hat sich komplett selbst besiegt. Auch das soll keine Schmähung Richtung Nürnberg sein, denn der FCN spielte ein cleveres Auswärtsspiel mit großer Sachlichkeit und schamloser Vergeudung guter Chancen. All das zusammen genommen bleibt nur eine Konsequenz: Verdient verloren!

Nächste Woche geht’s für den 1.FC Köln nach Leverkusen. So wie ich den FC kenne, werden wir da völlig überraschend gewinnen nur um dann gegen Arminia Bielefeld…ach nee…